Michael Kiwanuka – Kiwanuka

VÖ: 01.11.2019

Label: Polydor

Genre: (Neo-)Soul / R&B / (Folk-)Rock

Michael Kiwanuka, 32-jähriger Künstler aus London, ist seit seinem Debütalbum Home Again (2012) für seine Musik zu Recht gefeiert worden, da er den Soul breiter definiert, ihn mit verschiedenen weiteren Stilen zu kombinieren, die Tradition mit modernen Strömungen zu verbinden versteht. Da findet Folk ebenso Platz wie progressiver Rock oder dergleichen. Das besagte Debüt wurde von den Kritikern in höchsten Tönen gelobt, ebenso wie der Nachfolger Love & Hate, der mich sogar noch mehr in seinen Bann gezogen hat. Haben die Leser von hicemusic ebenso gesehen, denn es wurde von ihnen zum Album des Monats im Juli 2016 gewählt. Die Songs sind komplex strukturiert und gehen gleichzeitig gut ins Ohr. Da werden Soul und R&B sowie ihre Markenzeichen nicht konserviert, sondern deren Stärken fließen in einen Sound ein, der neue Ansätze zulässt, im wahrsten Sinne offen nach Richtungen ist.  Vor allem sollte nicht vergessen werden, dass Kiwanuka nicht unpolitisch in seinem künstlerischen Schaffen ist. Gibt ja auch einige tagesaktuelle Geschehnisse, zu denen man sich positionieren kann. Zudem sind seine aus Uganda stammenden Eltern damals vor Idi Amin geflüchtet, es gibt also auch aus familiärer Sicht einen Grund, sich mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen zu befassen. Auf dem nun drei Jahre nach Love & Hate  erscheinenden Kiwanuka wird diese afrikanische Herkunft eingehender beleuchtet, was sich noch mehr als zuvor auch im Sound ausdrückt. Generell schließt man zwar an dem Vorgänger musikalisch an, das neue Werk ist erneut von Danger Mouse produziert, es ist jedoch im Gesamten noch fokussierter, experimentierfreudiger und kohärenter. Ein absolut beeindruckendes Statement!

Note: 1,7

https://www.michaelkiwanuka.com

 

Great 2000’s Indie-/Garage-Rock – Meine weiteren liebsten Alben

Interpol

http://interpolnyc.com/

Interpol – Turn On The Bright Lights

VÖ: 19.08.2002

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Interpol – Antics

VÖ: 27.09.2004

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

The Libertines

https://www.thelibertines.com/

The Libertines – Up The Bracket

VÖ: 21.10.2002

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock, Post-Punk

 

The Libertines – The Libertines

VÖ: 30.08.2004

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Kings Of Leon

http://kingsofleon.com/

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

VÖ: 01.09.2003

Label: RCA

Genre: Indie-/Garage-/Southern-Rock

 

The Strokes

http://thestrokes.com/

The Strokes – Room on Fire

VÖ: 20.10.2003

Label: BMG

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Franz Ferdinand

http://franzferdinand.com/

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand

VÖ: 16.02.2004

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Franz Ferdinand – You Could Have It So Much Better

VÖ: 30.09.2005

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Bloc Party

http://blocparty.com/

Bloc Party – Silent Alarm

VÖ: 14.02.2005

Label: V2

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Bloc Party – A Weekend In The City

VÖ: 02.02.2007

Label: V2

Genre: Indie-/Alternative-Rock / Post-Punk

 

Maxïmo Park

https://www.maximopark.com

Maxïmo Park – A Certain Trigger

VÖ: 17.05.2005

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Maxïmo Park – Our Earthly Pleasures

VÖ: 30.03.2007

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Kaiser Chiefs

https://www.kaiserchiefs.com

Kaiser Chiefs – Employment

VÖ: 22.08.2005

Label: Universal

Genre: Indie-/Alternative-Rock

 

Arctic Monkeys

https://www.arcticmonkeys.com/

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

VÖ: 20.01.2006

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-/Punk-Rock / Post-Punk

 

Arctic Monkeys – Favourite Worst Nightmare

VÖ: 20.04.2007

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-Rock / Post-Punk

 

Vampire Weekend

https://www.vampireweekend.com/

Vampire Weekend – Vampire Weekend

VÖ: 22.02.2008

Label: XL

Genre: Indie-Rock / Indie-/Chamber-Pop / Worldbeat

 

Ich habe hier bei den Classics zuletzt zwei Bands mit Alben besprochen, die ich als Initiatoren der 2000er Indie-/Garage-Rock-Welle ansehe: The White Stripes und The Strokes. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag wird die entsprechende Phase als „post-punk revival“ – wahlweise auch „new wave revival“, „garage rock revival“ oder schlicht „new rock revival“ – bezeichnet, was sicherlich zumindest den Kern trifft. Denn die Formationen, die dazu gezählt werden, haben sich die großen Vertreter jener Musikrichtungen zum Vorbild genommen, die in den oben genannten Begrifflichkeiten zum Ausdruck kommen und diesen zugerechnet werden, und haben diese Sounds auf ihre Weise neuinterpretiert. Es gab neben diesen (Post-)Punk-/Garage-Rock/New Wave-Strukturen auch Ausflüge in die unterschiedlichsten klanglichen Bereiche, zum Beispiel Rock’n’Roll, Blues oder Grunge, (in Großbritannien vor allem) in den Britpop, später auch verstärkt in die Electronica und den Worldbeat. Ja, oder generell eine Orientierung hin zum „klassischen“ Indie-Rock der 1980er und -90er Jahre in all seinen verschiedenen Varianten und Ausdrucksformen: Pixies, Dinosaur Jr., The Smiths und uvm. Natürlich ist heute der Begriff „Indie“ zu einem eher schwammigen Begriff geworden. Wenn heute etwas nicht „mainstreamig“ ist, dann wird es mit jenem Prädikat versehen. Was ist heute nicht alles „indie“? So ist es schwer, so wie ich über eine „Indie-Rock-Welle“ zu sprechen, bei deren Bezeichnung nicht jedermann klar wird, welche entsprechenden Bands und Alben gemeint sind. Die anfangs erwähnten Wikipedia-Begriffe sind daher kein Zufall. Es ist nicht immer leicht, alles zu kategorisieren, das wird auch bei meinen Zuordnungen deutlich. Ich nenne es dennoch „Indie-Rock-Welle“ und versuche entsprechende Formationen mit ihren Werken zu benennen, die in den Artikeln solchen Begrifflichkeiten wie „post-punk revival“ zugerechnet werden. Nun, wie so oft in der Pop-Geschichte ist ein Aspekt besonders wichtig. Wenn eine Stilrichtung etwas von ihrer musikalischen und sozialpolitischen Bedeutung verliert, die entsprechenden Sounds langweilig werden, dann ist es wichtig, dass Musiker/innen sich zusammenfinden, um eine Alternative zu starten, mit neuen Klängen auf sich aufmerksam machen und eine nächste Musikrichtung begründen. Im Fall der 2000er-Indie-/Garage-Rock-Welle ist es vielleicht kein konkretes Genre, sondern eher eine Bewegung, aber das spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt auch nicht wenige, die mir gesagt haben, dass in der Zeit keine wirklich neue, „revolutionäre“ Musik produziert wurde, dass nur „alte“ Sounds im Retro-Gewand präsentiert wurden. Dazu möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern. Da gibt es ein interessantes Buch von Simon Reynolds dazu. Wichtig ist, dass mit dieser Indie-/Garage-Rock-Welle eine Alternative zu jenen Musikrichtungen geboten wurde, die vorher an Relevanz verloren hatten: Nu Metal/Crossover, Euro-Dance und was es nicht alles in den 1990ern bis teilweise in die 2000er Jahre hinein hab. Ein in der Pophistorie wie bereits erwähnt normaler Prozess. Es sollte wieder „authentische“, vermehrt auf den Gitarreneinsatz bezogene Musik mit bedeutungsvollen gesellschaftsrelevanten Texten geboten werden, mit einsprechend modischen Trends (u.a. Röhrenjeans, Lederjacken), die vor allem die Jugend der damaligen Jahre ansprechen und sich andererseits von den „Älteren“ abgrenzen sollte. Vor allem die Live-Shows der Bands waren spektakulär! Ich habe allerdings schon ein paar Mal hier bei hicemusic erwähnt, dass ich diese Musik-Bewegung zunächst etwas verschlafen habe. Als die Strokes und die White Stripes auf den Plan traten, war ich passionierter Hörer von Nu Metal-/Crossover- oder auch Mainstream-Pop. Das ist in der Nachbetrachtung ein bisschen schade! Allerdings habe ich dann so 2002/2003 die hier gleich vorgestellten Indie-/Garage-/Punk-Rock/New Wave-Bands mit ihren Alben kennen und lieben gelernt. Es waren zudem die Sounds, auf die ich mich vor allem mit meiner Schwester (mit der ich einige Shows damals besucht habe) als auch meinen Freunden einigen konnte. Die Klänge haben generell meine späten Jugendjahre sowie dann meine Zwanziger – somit den Übergang von der Schule zum Zivildienst und auch noch zum Studium – geprägt und bleiben für mich aus unterschiedlichen Gründen unvergessen. Dazu äußere ich mich im Folgenden. Aus dem Grund, dass ich The White Stripes Elephant  und das Debüt der Strokes (ihr zweites Album habe ich damals nicht erwähnt, weshalb es hier noch einmal auftauchen wird) schon besprochen habe, gehe ich nun auf weitere Bands ein, die zumindest aus meiner persönlichen Sicht heraus mit ihren nicht weniger wichtigen Alben hier im Zusammenhang mit dem „post-punk revival“ genannt werden müssen. Zum Schluss kommen noch Formationen mit ihren Platten zu ihren Ehren, die bedeutsam sind, aber aus Grund, dass eine ausführliche Besprechung hier den Rahmen sprengen würde, nur kurz ohne Text erwähnt werden. Ich wünsche euch viel Spaß, über entsprechende Kommentare und Schilderungen individueller Erlebnisse und Eindrücke würde ich mich sehr freuen! Vielleicht habe ich auch jemand Wichtiges vergessen 😊

 

Interpol – Turn On The Bright Lights / Antics

Ich bin mit den New Yorkern vergleichsweise sehr spät in Berührung gekommen, obwohl sie natürlich als eine der wichtigsten Initiatoren der Bewegung aus dieser Stadt gelten (sicherlich neben den Strokes und den Yeah Yeah Yeahs). Im Spätsommer 2002 – als das Debüt Turn On The Bright Lights da war  – hatte ich sie noch nicht auf dem Schirm, war aber spätestens mit dem ebenso genialen Antics (2004) eingeweiht, fand es zunächst nicht so toll, um dann aber voll drin zu sein in dieser Musik, die vor allem durch die Stimme von Paul Banks geprägt ist. Hat bestimmt nicht nur mich an Ian Curtis denken lassen, dessen Band Joy Division sicherlich ebenso unter anderem Vorbild war wie The Smiths und The Cure. Zwei starke Alben haben Interpol da vorgelegt, wobei ich eigentlich auch noch Our Love To Admire (2007) hätte hinzu zählen sollen.

Turn On The Bright Lights

Note: 1,3

 

 

Antics

Note: 1,3

 

 

 

The Libertines – Up The Bracket / The Libertines

Bei den Libertines ist es ähnlich wie bei Interpol, ich habe sie sehr spät entdeckt! Es gibt eine weitere Parallele: als das zweite Werk 2004 erschien, war ich zunächst aus mir heute unerfindlichen Gründen nicht so gepackt, fand sie in der folgenden Zeit immer besser und muss gerade aus jener gegenwärtigen Perspektive heraus sagen, dass die Briten wohl zu den besten Vertretern des Genres gelten. Sie haben nicht nur mit Up The Bracket (2002) ein geniales Debüt mit herausragenden Hymnen und ebenfalls grandiosen Texten veröffentlicht, sondern mit dem selbstbetitelten Zweitwerk (2004) ein weiteres Meisterstück hinzugefügt. Vor 5 Jahren konnte ich sie nochmal live in Düsseldorf erleben, es war so schön, das unnachahmliche Songwriter-Duo Pete Doherty und Carl Barât mit den anderen Bandmitgliedern wiedervereint zu sehen!

Up The Bracket

Note: 1,0

 

 

The Libertines

Note: 1,0

 

 

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

Okay, das ist wohl eher ein individuelles Ding: ich bin ein Riesenfan des Debüts der US-Amerikaner! Gerade angesichts der Tatsache, dass der Sound der Followills parallel zum steigenden Erfolg stets an Qualität eingebüßt hat, muss ich eine Lanze für Youth And Young Manhood brechen! Wie toll hier die Stimme von Nathan Followill in der großartigen Rockmusik – die sich bevorzugt an Blues und Southern Rok orientiert – zur Geltung kommt! Molly’s Chambers ist beispielsweise eine Wucht!

Note: 1,7

 

 

The Strokes – Room On Fire

Ich habe ja bereits einiges zum Debüt geschrieben, das meiner Meinung nach das stärkste Album der Indie-/Garage-Rock-Welle ist. Doch was ich vielleicht hätte noch erwähnen sollen ist, dass der Nachfolger ebenso ein Klassiker ist! Muss man ja auch erst einmal hinbekommen, nach nur zwei Jahren ein fast ebenbürtiges Werk vorzulegen. Wieder richtig große Songs sind darauf zu finden!

Note: 1,3

 

 

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand / You Could Have It So Much Better

Die Schotten Franz Ferdinand sind ohne Zweifel eine meiner Lieblingsbands. Ich weiß noch genau, wie im Frühjahr 2004 ihr Debüt herauskam, wie es in den Zeitungen gefeiert und wie eine Live-Show im Radio bei Eins Live im „Kultkomplex“ übertragen wurde. Ich war ebenfalls begeistert von solch komplex arrangierten, dabei höchst eingängigen Songs wie Take Me Out oder auch unvergessenen textlichen Großleistungen („Schampus mit Lachsfisch“). Ein Riesenalbum! Dann kam nur ein Jahr später der Nachfolger heraus, der nicht ganz die Klasse erreichte, doch ebenso überragend ist. Unter anderem eiferte man so klasse den Beatles nach (in Eleanor Put Your Boots On)!

Franz Ferdinand

Note: 1,0

 

 

 You Could Have It So Much Better

Note: 1,7

 

 

 

Bloc Party – Silent Alarm / A Weekend In The City

Ich meine, es habe mal früher geheißen, dass die Briten live überhaupt nicht gut seien. Also, immer wenn ich sie gesehen habe, war ich hin und weg. Kele Okereke und seine Mannen haben mit Silent Alarm (2005) richtig eingeschlagen! Wie bei Franz Ferdinand hatte ich glücklicherweise die Gelegenheit sie kennenzulernen, als ihr Debüt erschienen ist und somit ihren Werdegang aufmerksam verfolgen zu können . Klar, Silent Alarm ist der Wahnsinn mit seinen an Gang Of Four oder Joy Division erinnernden Songs. Ich fand aber den experimentellen Charakter des Nachfolgers ebenso überaus fesselnd! Man mag ja von den Electronica-Elementen, die dann auf dem Drittwerk Intimacy noch mehr eingesetzt wurden, halten was man möchte, ich fand es aber immer toll, dass Bloc Party wagemutig waren!

Silent Alarm

Note: 1,3

 

 

A Weekend In The City

Note: 1,7

 

 

Maxïmo Park – A Certain Trigger / Our Earthly Pleasures     

Komischerweise wird die Band aus Newcastle nicht in dem Wikipedia-Eintrag zu „post-punk revival“ erwähnt, ebenso wenig wie in der Liste des ME zu den „besten Alben des neuen Jahrtausends 2000-2015“! Dann ist das eher so eine persönliche Sache, denn meiner Meinung nach ist A Certain Trigger (2005) eine Glanztat, die interessanterweise auf dem Warp-Label erschienen ist, was sonst eher für ambitionierte Electronica bekannt ist. Hymnen, die ich damals als Anfang-Zwanziger rauf und runter gehört habe, mein von Auf und Abs geprägtes Leben damals begleitet haben. Mein Vater war damals überhaupt nicht begeistert. Seine Frage war: „Ist das auf dem Klo produziert worden?“  😊  Der zwei Jahre später erschienene Nachfolger ist ebenfalls bezaubernd. Ich liebe Books From Boxes und Your Urge (mein Geheimfavorit)!

A Certain Trigger

Note: 1,3

 

 

Our Earthly Pleasures     

Note: 1,7

 

 

Kaiser Chiefs – Employment

Von den Bands dieses Genres haben einige heute viel von ihrer Bedeutung verloren. Ich denke aber, dass für mich die Kaiser Chiefs den größten qualitativen Niedergang hingelegt haben. Klar, sie haben zwischendrin etwas aufhorchen lassen, ohne aber lange im Gedächtnis haften zu bleiben. Ach doch, einen Hit gibt es, der auf so ziemlich jeder Feierlichkeit gespielt wurde bzw. wird: Ruby. Aber schon das Album, auf dem der Song zu hören war – Yours Truly, Angry Mob (2007), der Zweitling der Kaiser Chiefs (der Name ist übrigens angelehnt an einen südafrikanischen Fußballverein) – war höchstens Mittelmaß. Aber: das Debüt Employment mit seinen Hymnen und tollen Lyrics ist richtig gut gealtert! Vielleicht ist es deshalb auch erwähnenswert!

Note: 1,7

 

 

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not / Favourite Worst Nightmare

Da bleibt nicht viel weiteres zu sagen als: die Arctic Monkeys sind großartig, die Songs ihres Debüt-Albums sind gerade angesichts ihres damaligen Alters (ich sah 2006 einen Bericht, in dem sie als „Pickelgesichter“ bezeichnet wurden) unglaublich gekonnt instrumentiert, mit einer unvergleichlichen Direktheit, Souveränität und Abgeklärtheit. Was für unvergessliche Songs! Für den Nachfolger habe ich auch sehr viel übrig, da nur ein Jahr später die gute Form bestätigt werden konnte!

Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Note: 1,3

 

 

Favourite Worst Nightmare

Note: 1,7

 

 

 

Vampire Weekend – Vampire Weekend

Es ist einmal an der Zeit, eine Band zu erwähnen, deren Erstling zu einer Zeit erschien, als schon einige gefeierte Formationen des Indie-/Garage-Rock mit ihren zweiten und dritten Werken schwächelten oder gar richtig enttäuschten. Das Rezept: mehr Experimente, Öffnung zu neuen Richtungen wie Worldbeat oder Chamber-Pop. Sozusagen die akademische Version des Indie-Rocks, die aber so locker und lässig daherkommt, mit Hymnen aufwartet und zu jeder Zeit gute Laune verströmt. Man muss sich vorstellen, ich war 2008 mit einer damaligen Freundin im Kölner Gloria, wobei die Show von einer großen Örtlichkeit (ich meine es war das Palladium) in eben jene kleinere umverlegt wurde. Wir hatten ordentlich Spaß! Eine großartige Live-Band, die heute auch schon mehr Leute damit begeistern kann. Von deren Qualitäten konnte ich mich damals dann nochmal bei strömenden Regen auf dem Hurricane Festival 2010 überzeugen! Wie großartig Vampire Weekend sind, haben sie dieses Jahr nach zwei weiteren fantastischen Alben unter Beweis gestellt. Father Of The Bride ist nach wie vor meine Platte 2019!

Note: 1,3

 

 

Weitere Erwähnungen hier:

https://hicemusic.wordpress.com/weitere-erwaehnungen-great-2000s-indie-garage-rock/

K.Flay – Solutions

VÖ: 12.07.2019

Label: Interscope

Genre: Indie-/Elektro-Pop

Kristine Meredith Flaherty – kurz K.Flay –, 34-jährige Künstlerin aus Wilmette, Illinois, bringt ihr drittes Album heraus. Ihre Musik ist mir erstmals vor 3 Jahren zu Gehör gekommen, als die Singles ihres Zweitwerkes (bzw. Major-Debüts) Every Where Is Some Where  (abends) im Radio liefen, u.a.  Blood In The Cut. Ich finde die Sounds im Bereich von Indie-Pop/-Rock/Hip-Hop und Electro gut, wenn auch nicht spektakulär. Irgendwie poppig, ohne im Gleichklang vieler Mainstream-Songs unterzugehen. Denn wirklich radiotauglich ist die Musik dann ja doch nicht, andererseits würde ich sagen, dass ihr von Grund auf Hit-Potential immanent ist. Darin liegt für mich vielleicht ein Problem, so dass ich mir (bestimmt nicht immer fairerweise) manchmal noch etwas mehr Individualität erhoffe. Welche musikalischen Vergleiche ließen sich da in diesem Zusammenhang ziehen? Zum Beispiel fallen mir Lily Allen oder Lady Sovereign (kennt jemand die Künstlerin noch?) ein. Nun gut, ich muss nach der Rezeption von Solutions sagen, dass ich insbesondere den Anfang zunächst nicht sonderlich interessant fand, wobei hier neben dem musikalischen Aspekt es vielleicht spannender ist, sich mit den Texten von K.Flay auseinanderzusetzen. Denn die sind größtenteils gelungen. Nehmen wir noch einmal den (vermeintlich?) lahmen Einstiegssong I Like Myself (Most Of The Time), dessen Titel schon gut vermittelt, dass großes Selbstbewusstsein immer wieder durch Selbstzweifel getrübt wird. Hier ist die Künstlerin sehr reflektiert, nimmt sich aktuelle gesellschaftsrelevante Themen an. Das Album ist letztendlich in Ordnung, mehr (zumindest jetzt noch) nicht!

Note: 2,7 (mit Potential nach oben)     

http://www.kflay.com/

 

King Krule – The Ooz

VÖ: 13.10.2017

Label: XL

Genre:  Indie-Rock / Post-Punk / Dark Wave

Wie war eigentlich A New Place 2 Drown? Es handelt sich um das letzte Werk von King Krule, das der 23-Jährige vor 2 Jahren unter seinem bürgerlichen Namen Archy Marshall einspielte. Ihr könnt mir gerne mal in den Kommentaren schreiben, wie ihr die Platte fandet. Es ist ein bisschen typisch für mich, dass der Release an mir vorüber gegangen ist. Liegt mal wieder – musste ich in letzter Zeit auffällig oft zugeben – an mir persönlich. Ich bin mir eigentlich bewusst, dass der junge Brite es sicherlich nicht verdient hat, dass ich mich bis zuletzt zu wenig mit seinem Output befasst habe. Klar, ich war vom produktionstechnischen Niveau seiner von der Kritik gefeierten Debüt-LP 6 Feet Beneath The Moon(2013)  ordentlich beeindruckt, ebenso wie von der tiefen, absolut präsenten – ja „erwachsenen“  – Stimme von King Krule, andererseits hatte ich bei aller Klasse das Gefühl, dass die Musik mich auf emotionaler Ebene nicht ganz so packt, wie sie bestimmt sollte. Ich habe das Album jedenfalls sehr wenig angehört. Seine Features auf den beiden letzten Mount-Kimbie-Veröffentlichungen nahm ich schon eher zur Kenntnis. Von seiner Herangehensweise des Musikschreibens müsste ich allerdings im Grunde genommen begeistert sein, denn die oben genannten Genre-Zuschreibungen geben nur ansatzweise wieder, was hier zusammenkommt, was erneut  auf dem neuen Tonträger wieder einmal deutlich wird: Ja, Indie Rock, Punk, Dark Wave, aber auch Jazz (manche schreiben von „Jazz-Punk“), Electronica-Stilarten, Hip-/Trip-Hop, Soul, Pop, Psychedelia, Blues und einiges mehr. Ich weiß, 6 Feet Beneath The Moon hat sicherlich eine Klasse, die ich nicht zu schätzen weiß/wusste – genaueres Rezipieren wird nachgeholt, versprochen! Bei The Ooz bin ich mir jedoch jetzt schon sicher, das hier ist richtig groß. Feinste, sorgfältig und technisch brillant herausgearbeitete Klangstrukturen, die dem Hörer einige Überraschungen bieten! Auf textlicher Ebene ebenso einnehmend. Es geht vornehmlich um die negativen Aspekte des Stadtlebens, hier eindeutig bezogen auf London. Erstaunlich, wie versiert dieser Künstler bereits jetzt schon ist.  Dies wird mir also nun auch klar: von King Krule ist zukünftig noch einiges zu erwarten!

Note: 2,0

http://www.kingkrule.co.uk/

 

Double Feature: Foo Fighters / The Killers  

Ich werde diese beiden Bands im Rahmen der “Kontrovers”-Sparte besprechen, da sie längst verdienstvoll im Genre des Alternative Rock musizieren, sich darin einen sehr hohen Bekanntheitsstatus erarbeitet haben, ihre letzten Platten – so auch die jeweils neuen – von der Kritik jedoch gemischt aufgenommen wurden. Dabei ist natürlich berücksichtigt, dass die beiden Formationen durchaus unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen verfolgen, was ihr allgemeines Klangbild anbetrifft.

 

Foo Fighters – Concrete And Gold

VÖ: 15.09.2017

Label: RCA

Genre: (Alternative-/Hard-)Rock

Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich halte Dave Grohl für einen großartigen Musiker. Ich werde ihm ewig dankbar sein für seine Verdienste als Drummer, egal ob zum Beispiel in Diensten von Nirvana oder als „Gast“ auf dem Meilenstein Songs For The Deaf (2002) der Queens Of The Stone Age. Das Schlagzeug hat er unter anderem in der Frühzeit seiner Foo Fighters noch gespielt – wo er generell viele Instrumente bediente (Gitarre, Bass und vieles mehr). Nun nimmt er ja hauptsächlich die Funktion des Sängers ein, worüber ich eine zweigeteilte Meinung vertrete. Denn es gibt Momente, in denen seine Stimme effektiv zur Geltung kommt, wiederum andere, in denen sie mir nicht so imponiert, wie sie vielleicht sollte. Dementsprechend mag ich die früheren und mittleren Werke der Foo Fighters – finde genauer gesagt ihre ersten beiden Alben (Foo Fighters, The Colour And The Shape) großartig, There Is Nothing Left To Lose (Stichwort: Learn To Fly, das eben nicht nur ein lustiges Video bieten konnte) und One By One waren auch noch ziemlich gut. Dann aber stellte sich für mich folgender Effekt ein: die US-Amerikaner präsentierten Tonträger, auf denen mir eigentlich nur noch die Singles (und da auch nicht alle) gefielen (Best Of You und The Pretender vor allem). Vieles klang für mich insgesamt zu ähnlich, die Stimme Grohls imponierte mir oftmals nicht wirklich. Auf ihrer mittlerweile neunten LP Concrete And Gold muss man den Foo Fighter allerdings zugutehalten, dass sie wieder ein wenig experimentierfreudiger werden, zum Beispiel härtere und progressivere Elemente einbinden (z.B. das jazzige Klavier am Ende von Sunday Rain). Dabei sind schon klasse Songs herausgesprungen. In anderen Momenten werden jedoch wieder altbekannte Schemata aufgefahren, die Überraschungen vermissen lassen. Schwierig also, die Platte fair und abschließend zu beurteilen!

Note: 3,0 (vorerst)

https://foofighters.com/

 

 

The Killers – Wonderful Wonderful

VÖ: 22.09.2017

Label: Island

Genre: (Indie-)Pop, (Indie-/Alternative-)Rock

Die Entwicklung der Killers sehe ich ähnlich wie bei den Foo Fighters. Allerdings muss ich sagen, dass ich hier eigentlich nur das Debüt sehr schätze. Hot Fuss (2004)präsentierte modern produzierten Indie- und Alternative-Rock mit Anleihen an Pop und New Wave. Das Album steht nicht ohne Grund in vielen Bestenlisten der nationalen und internationalen Musikfachzeitschriften, wenn es um die besten Veröffentlichungen des Erscheinungsjahres sowie allgemein der 2000er Jahre geht (obwohl es damals anlässlich des Releases noch gemischt aufgenommen wurde), Songs wie Mr. Brightside oder Somebody Told Me sind einfach gut geschriebene und produzierte Hits! Die darauffolgenden LPs gefielen mir nicht mehr, obwohl  Day & Age zumindest noch Human zu bieten hat  – welches ich mag, Andere wiederum sicherlich wegen seines schlagerhaften Charakters hassen werden. Es gibt zudem noch ein Cover von Joy Divisions Shadowplay, das ich super finde (es ist auf dem Soundtrack-Album des entsprechenden Biopics Control zu finden). Was ich vor allem als nicht sonderlich spannend erachte, waren diese absolut poppigen, fast schon zu 80’s-Balladen/-Schlager tendierenden Sounds – was ja schon interessant sein kann, wenn man individuelle Ideen einbringt, aber zuletzt eben nicht der Fall war. Dementsprechend langweilig fand ich Battle Born (2012) sowie Sänger Brandon Flowers Solo-LPs Flamingo und The Desired Effect (2015). Die neue Platte bietet nun zwar recht gute Singles (vor allem der Titelsong und The Man), aber zum Schluss hat es leider nicht sehr aufregende Balladen, generell ziemlich belanglose Pop-/Rock-Songs im Programm. Mich hat es insgesamt nicht gepackt, was ich schon bedauerlich finde!

Note: 3,3

http://www.thekillersmusic.com/

The Killers – Trailer for new album „Wonderful Wonderful“ from Dizzy Zebra on Vimeo.

 

 

Was sagt ihr dazu? Bin ich zu streng in der Beurteilung der beiden Platten? Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir Eure Meinungen mitteilen würdet!

Kesha – Rainbow

VÖ: 11.08.2017

Label: RCA

Genre: (Dance-)Pop

Okay, jetzt werden sich vielleicht einige Leser wundern, Pop-Sängerin Kesha bei hicemusic, wo man sich an dieser Stelle doch für gewöhnlich mit Platten beschäftigt, die weniger mit dem Mainstream zu tun haben.  Normalerweise ist das auch richtig, das dritte Studioalbum der 30-Jährigen ist allerdings nun von so vielen Musikmedien in den Fokus genommen worden – eben auch jenen eher Charts-fernen von ihnen – dass man hier einfach das Bedürfnis hat, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen. Jetzt mal unabhängig davon, dass Kesha bereits mit den Flaming Lips zusammengearbeitet hat – einer eher dem „Indie“ zuzurechnenden Formation. Irgendetwas muss diese Platte haben, dass sie – jetzt nur auf die Musik bezogen, nicht auf private Angelegenheiten von Kesha – eine solche Aufmerksamkeit generiert, vor allem zu wirklich großen Teilen mit sehr positiven Kritiken bedacht wird, sowohl national als auch international. Die Tatsache, dass der NME mal ein Album mit Lobeshymnen überschüttet, ist jetzt vielleicht keine riesige Überraschung , aber egal ob Pitchfork, Rolling Stone, The Guardian, ja selbst Anthony Fantano („The internet’s busiest music nerd“) von The Needle Drop – der ja mal gerne kräftig austeilen kann –, sie sind alle ziemlich angetan von Rainbow. Es ist keinesfalls so, dass man es der Künstlerin nicht gönnen würde, sie hat ja auch wirklich viel durchgemacht in den letzten Jahren. Ihre Bulimie beispielsweise, vor allem der Rechtsstreit mit dem Produzenten Dr. Luke. Hier bei hicemusic weiß man allerdings dann doch zu wenig über die Angelegenheiten, so dass man sich diesbezüglich nicht eindeutig positionieren kann/möchte. Es soll ja sowieso um die Musik gehen, aber da bleiben doch einige Fragezeichen stehen. Was ist so großartig daran? Es erschließt sich dem Schreiber dieser Zeilen nicht. Die feministische Botschaft, die es nach all den Erlebnissen Keshas vermittelt, die ist tatsächlich stark und zeichnet das Album aus. Die Gäste (Dolly Parton, Eagles Of Death Metal, The Dap-Kings Horns) sind gleichfalls ideenreich ausgewählt. Jedoch das Musikalische reißt hicemusic nicht vom Hocker, die Musik lässt seiner Meinung nach nur vereinzelt abwechslungsreiche Ideen aufblitzen. Ihr könnt ihm gerne helfen, klärt ihn darüber auf, was dieses Album in klanglicher Hinsicht so stark oder zumindest gut/okay macht, solange bleibt man hier eher ratlos zurück!

Note: 3,0 (dies soll keine Festlegung sein)

http://www.keshaofficial.com/

 

Klangstof – Close Eyes To Exit

VÖ: 27.01.2017

Label: Mind Of A Genius

Genre:   (Elektro-/Dream-)Pop / (Indie-/Alternative-)Rock

Hört man den Anfang dieses Albums, meint man es mit einem Post-Rock-Werk der Mogwai-Tortoise-Sigur Rós-Prägung zu tun zu haben, was ja gemeinhin nicht gerade zu den leichtesten Übungen musikalischen Tuns zählt. Ohnehin keine konkrete Stilrichtung, sondern ein Experimentierfeld für Rock, der sich den traditionellen Schemata entzieht, oftmals ohne Gesang auskommt, unkonventionelle Rhythmusstrukturen zur Anwendung bringt, eine beträchtliche zeitliche Dauer mit sich bringen kann. Heutzutage genießt dieser Post-Rock nicht unbedingt mehr den besten Ruf, ab und zu können jene Bands, die zu den Begründern (insbesondere oben genannte) gehören, glänzen (manchmal  eben auch nicht). Auch wenn der Einstieg Doolhof nicht wirklich zu den besten Songs auf dem Debüt der niederländischen Band gehört, macht dieser neugierig auf das was danach folgen wird. Denn der Übergang zu Sleaze funktioniert bestens, das wiederum in eine ganz andere musikalische, eine weitaus (elektro)poppigere Richtung geht. Eben diese klangliche Vielfalt begeistert auch im weiteren Verlauf, anders als mit seiner anderen Band Moss (deren Bassist er ist) kann Koen van de Wardt hier als Frontmann seiner recht offensichtlichen Neugierde auf das klangliche Experimentieren freien Lauf lassen. Natürlich kommen in diesem Zusammenhang auch Stereotypen auf, wenn ein bereits in früher Lebenszeit in Norwegen aufgewachsener Niederländer sich gern auch epischer Musik widmet, die durchaus mit Sigur Rós vergleichen lässt. Doch Post-Rock ist wie bereits erwähnt nur eines von vielen Klangexperimenten, hier wird eine Melange aus eingängigen, gern auch mal ins etwas Kitschige tendierenden und weitaus unkonventionelleren Pop/Rock-Strukturen geboten, der Melodieentwicklung mit spannungsgeladener Atmosphäre wird viel Raum geboten. Ein Werk stellte laut van de Wardt die Hauptinspiration für dieses Debüt dar, der Geniestreich von Radiohead  kurz vor der Jahrtausendwende: OK Computer. Natürlich kann dessen Niveau nicht erreicht werden, aber wundervoll ist dieses Album dennoch!

Note: 2,0

http://klangstof.com/

 

Karies – Es geht sich aus

VÖ: 04.11.2016

Label: This Charming Man

Genre: Post-Punk / Indie-, Noise-Rock

Der Autor dieser Zeilen ließ sich ein wenig irritieren, er hat den Release des Debüts Seid umschlungen Millionen vor 2 Jahren gar nicht mitbekommen, den Namen der Band zudem erst vor ein paar Wochen das erste Mal vernommen. Ohnehin kein ausgewiesener Fan des deutschen Punks, wurde er vor allem von dem Namen der Stuttgarter abgeschreckt, klingt er doch in den Ohren eben jenes Nichtkenners nach einer von ihm als Albernheit abgestempelten Eigenschaft der Bandbenennung, die er oft im Kontext von den Fun-Punk-Formationen verortet, mit denen er grundlegend wenig in Berührung kam, zum Beispiel Die Kassierer, WIZO oder Eisenpimmel. Wie gesagt, das hat viel mit Subjektivität zu tun. Davon abgesehen, was man also von diesen Bands hält, hätte es der Verfasser besser wissen müssen, hatte er doch letztes wie auch dieses Jahr Alben hören können, unter anderem Out von Die Nerven (Stuttgarter Kollegen von Karies) oder zuletzt von deren Nebenprojekt All Diese Gewalt das Album Welt In Klammern, die aufzeigten, dass Punk hierzulande mit stichhaltigen musikalischen und textlichen Highlights aufhorchen lassen kann. Ausschlaggebende überzeugende Hilfe leistete dabei dann noch Klaus Fiehe, der in seiner allwöchentlichen Sonntagabendsendung bei Radio 1 Live diese Band vorstellte und den Hörern nahelegte, ein Moderator, den der Autor dieser Zeilen schon seit fast eineinhalb Dekaden wegen seines musikalischen Sachverstands in vollsten Zügen schätzt. Nun, es hat sich gelohnt, der zweiten LP von Karies ein Ohr zu leihen, denn Es geht sich aus vereint markante Texte mit soziopolitischen Bezügen und starke, handwerklich versierte instrumentelle Parts. Natürlich ist das alles nicht neu – die nationalen und internationalen Vorbilder sind eindeutig herauszuhören –, aber dennoch fesselt und punktet das Album durch Abwechslungsreichtum und der Maßnahme, sich (auch mal innerhalb des Genres Punk) Zeit zu lassen und das Zusammenspiel von Lyrics und Musik somit zu akzentuieren. Gelungen!

Note: 2,0                                     

http://kariesband.blogspot.de/

 

Kate Tempest – Let Them Eat Chaos

VÖ: 07.10.2016

Label: Caroline

Genre: Hip-Hop /Spoken Word / Electronica

Der Herbst hält einige große Werke bereit! Nach dem atemberaubendem Skeleton Tree von Nick Cave und seinen Bad Seeds  – hier bei hicemusic verdienterweise gerade zum Album des Monats September gekürt – und dem ebenso fantastischen neuen Bon Iver-Tonträger meldet sich nun die 30-jährige Allroundkünstlerin Kate Esther Calvert alias Kate Tempest mit ihrem Zweitling zurück. Zum musikalischen Debüt wurde an dieser Stelle geschrieben, dass die Londonerin absolut versiert darin sei, „(…) Kritik an gesellschaftlichen Missständen auszuüben – selbstbewusst, pointiert, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.“  Diese Beschreibungen lassen sich 1:1 auf Let Them Eat Chaos übertragen, sie klingen fast schon untertrieben, angesichts der Direktheit, Kompromisslosigkeit und harten, schmerzhaften Ehrlichkeit, dem bitteren Pessimismus, mit dem man hier konfrontiert wird. Ähnlich wie auf Everybody Down folgt man unterschiedlichen Protagonisten, die gegenwärtige gesellschaftliche Probleme am eigenen Leib erfahren müssen, wobei die politische Note noch mehr betont wird als auf besagtem Vorgänger. Das Albumcover deutet es ja bereits an, dass auf dieser Welt einiges im Argen liegt, was Tempest natürlich nicht nur auf ihre Heimat im Zuge des bevorstehenden Brexits bezieht  – auch wenn der Ort der Handlung London ist, in der die Charaktere unabhängig ihres gesellschaftlichen Status zeitgleich (genau um 04:18 Uhr) der „sozialen Kälte“ ausgesetzt werden – sondern auf jegliche Brandherde referiert, allgemein Themen, die unsere Nachrichten momentan dominieren. Einerseits muss die sprachliche Brillanz dabei nicht verwundern, ist die Britin doch (mittlerweile eine recht bekannte) Autorin und Lyrikerin, andererseits ist man schon erstaunt über die konkrete Bildhaftigkeit, die inhaltliche Stringenz und Hintergründigkeit ihrer Geschichten. Man kann die Ängste und Nöte, die Traurigkeit der einzelnen Schicksale der Protagonisten sehr gut nachvollziehen und –fühlen. Zudem hat sich Kate Tempest auch musikalisch noch weiter gesteigert, ihre Raps sind fantastisch klar akzentuiert, die Kombination mit den futuristisch anmutenden (Electronica-)Sounds funktioniert ausgezeichnet. In höchstem Maße beeindruckend!

Note: 1,7

https://www.katetempest.co.uk/

Kate Tempest – Let Them Eat Chaos (Album Trailer) from Eskimo Media & Technology on Vimeo.

 

Michael Kiwanuka – Love & Hate

VÖ: 15.07.2016

Label: Polydor

Genre: (Neo-)Soul / Folk-Rock

Es gibt ja im Musikbusiness einige Künstlerinnen und Künstler, die sich an den Genres vergangener ruhmreicher Tage versuchen und von den Kritikern direkt mit den Größen von damals verglichen werden, ohne dass ihnen im Endeffekt die Chance gelassen wird, sich beweisen zu können, zu zeigen, dass sie diese nicht nur kopieren möchten, sondern – wenn dann – den Vorbildcharakter dafür nutzen, eigene Ansätze zu entwickeln, sich am Zeitgeist orientiert musikalisch und (womöglich) gesellschaftspolitisch zu positionieren. Michael Kiwanuka, 29 Jahre alter Brite, ist eine dieser Persönlichkeiten, dem genau das vorher Erwähnte widerfahren ist. Ab 2011, mit Erscheinen einiger EPs und einer Tour im Vorprogramm von Adele, kam ihm die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zuteil. Die Kritiker stimmten Lobeshymnen auf ihn an, Kiwanuka gewann unter anderem den „Sound Of 2012“ der BBC, seine Musik wurde mit den Giganten des Soul – im Generellen des Songwriting – verglichen, u.a. Marvin Gaye, Otis Redding, Bill Withers und Terry Callier. Die Debüt-LP Home Again war nicht nur produktionstechnisch fabelhaft geraten, sondern zeigte sich im Allgemeinen zeitgemäß, trotz der offensichtlichen Referenzen aus traditionsreichen Genres, die von Soul, R&B, über Blues, Jazz bis Folk und Pop reichten. Allerdings soll Kiwanuka kurzzeitig über das Ende seiner Karriere nachgedacht haben, ihm sei der Hype um seine Person zu viel gewesen. Zum Glück hat er umgedacht, denn der Zweitling Love & Hate – vor allem der Einstieg mit den Songs Cold Little Heart und Black Man In A White World – ist grandios, politisch aktuell, vor allem musikalisch mal wieder mannigfaltig ausgelegt, mit vielen hymnischen, erinnerungswürdigen Momenten (à la Pink Floyd oder Ennio Morricone) – z.B. mit effektiven, ins Ohr gehenden Gospelchören als auch Afropop-Bezügen. Neben Künstler(innen), wie z.B. Janelle Monáe, Curtis Harding und D’Angelo, ist weiterhin Michael Kiwanuka zu nennen. Groß!

Note: 2,0

http://www.michaelkiwanuka.com/

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