September 2015

Schnipo Schranke – Satt

VÖ: 04.09.2015

Label: Buback

Genre: Indie-Pop

Daniela Reis und Friederike Ernst, die beiden Mitglieder der Hamburger Formation Schnipo Schranke,  haben sich Ende des letzten Jahres in einem Steckbrief der Intro vorgestellt, als bereits die Single Pisse  erschienen war. Dabei wurde in den einleitenden Zeilen ihre Musik als „HipHop-Chanson-Fuck“ bezeichnet, was ziemlich einleuchtend aufzeigt, dass diese sich ebenso schwer be- oder umschreiben lässt wie ihre Texte. Im Zusammenhang mit dem Duo ist oft davon die Rede, dass die Band und ihr Album das Äquivalent zu Charlottes Roches Feuchtgebiete darstelle, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Ebenso direkt werden auf Satt Themen wie Sex oder Körperhygiene behandelt. Die Ausdrucksweise dabei ist fast zwangsweise nicht jedermanns Sache, manchmal hinterlassen vereinzelte Textzeilen tatsächlich einen doch eher pseudo-frechen Eindruck. Andere wiederum sind sehr einprägsam und bringen Sachverhalte ausgesprochen pointiert zum Ausdruck. Kann oder sollte man sich mal anhören!

www.buback.de/konzerte/schnipo-schranke.php

Schnipo Schranke – Pisse (OFFIZIELLES MUSIKVIDEO) from Daniela Reis on Vimeo.

 

Beirut – No No No      

VÖ: 11.09.2015

Label: 4AD

Genre: Indie-Pop / Folk

Die Musik von Beirut, der US-Band um Frontmann Zach Condon, hat seit jeher eine Brücke zwischen den Polen Indie-Rock/-Pop und Spielarten der World Music geschlagen, was ja in großartigen Alben seinen Niederschlag fand, insbesondere dem von Debüt Gulag Orkestar (2006) oder The Rip Tide (2011). Es ist immer wieder gelungen, den Weltmusik-Elementen ein ebenso aussagekräftiges Gewicht zu verleihen, egal ob sie (süd)osteuropäischer Natur waren oder im französischen Chanson bzw. in den Formen mexikanischer Volksmusik ihren Ursprung hatten. Auf No No No werden nun persönliche Erlebnisse verarbeitet, die vor allem auf Condon zurückgehen. Seine Scheidung, aber auch die Strapazen (u.a. sein Krankenhausaufenthalt) während einer groß angelegten Tour mussten irgendwie verarbeitet werden. Das Resultat: alles ist nun etwas weniger aufwendig arrangiert, mit Beirut-„typischen“ Songs, aber auch schönen neuen Ideen (z.B. in Perth oder dem Instrumental As Needed).

http://beirutband.com/#nonono

 

Beirut – Gibraltar from Brother Willis on Vimeo.

Beirut – No No No from Brother Willis on Vimeo.

spotify:track:0MK9OKWuTnuZ4CZq9fiHzM

 

Ben Folds – So There

VÖ: 11.09.2015

Label: New West

Genre: (Kammer-)Pop

Folds soll nach der Auflösung seiner Band Ben Folds Five im Jahr 2000 Folgendes gesagt haben: „Wenn alles noch aufregend wäre und Spaß machen würde, dann würden wir weitermachen“. Die Trennung war gerade erfolgt, als sich seine Formation auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befand, mit Whatever And Ever Amen (1997) sowie The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner (1999) zwei herausragende Alben veröffentlicht hatte. Der Sänger und absolut versierte Pianist hat sich danach solo versucht und beachtliche Arbeiten abgeliefert (auch seine Produzentenjobs waren von Bedeutung, u.a. für Amanda Palmer oder William Shatner, unbedingt mal dessen Pulp-Cover Common People anhören!). Allerdings wurde das Niveau seiner einstmaligen Band nicht erreicht, auch auf So There nicht. So wundervoll alles arrangiert ist (vor allem die orchestralen Instrumentalparts), fehlen ein wenig jene neuen Ideen, die Folds damals nach der Trennung vermisst hat. Dennoch, schön ist die Musik trotzdem!

https://benfolds.com/

 

spotify:track:4B8mQs3mfHfTMbCUZkLWY8

spotify:track:07GsKUchpsloDlnw3oMHhh

Battles – La Di Da Di

VÖ: 18.09.2015

Label: Warp

Genre: Math-Rock / Electronic

Der eine oder andere wird sich im Zusammenhang mit Battles wohl noch an einen bestimmten Song erinnern, der das Œuvre der Band – so Stand jetzt – überstrahlt. Er stammt von ihrer Debüt-LP Mirrored (2007) und bündelt all jene Stärken, die die Band bereits zuvor auf EPs andeuteten, aber hier in Vollendung erblühen ließen. Man hatte zuvor bereits eine gute Balance aus Post-/Math-Rock- sowie  Electro-Elementen gefunden, mit Atlas aber in einer Dauer über 7 Minuten ein in Hinsicht des Spannungsaufbaus und mit der abstrakten Melodie- und Rhythmusstruktur ein perfekt verdichtetes Kunstwerk erschaffen. Diese Art der Intensität hat Battles auf dem Nachfolger Gloss Drop nicht mehr erzeugen können, ebenso wenig wie sie es auf dem nun veröffentlichten Drittwerk tun. Dennoch gibt es auf La Di Da Di jene Momente, die beweisen, dass den US-Amerikanern in Sachen Experimentierfreude kaum Vorwürfe zu machen sind. Für das Hören ist allerdings Durchhaltevermögen erforderlich.

http://bttls.com/

 

BATTLES – The Yabba from Roger Guàrdia on Vimeo.

spotify:track:6O46GQfHrF9RMhXe7XcM4H

spotify:track:55yZM3UXlTuJGr2zRaWnYG

 

Lana Del Rey – Honeymoon

VÖ: 18.09.2015

Label: Vertigo

Genre: Dream-/Kammer-Pop

Lana Del Rey lässt sich nicht beirren, denn bei aller Aufregung um ihre Person kann man ihr schwerlich vorwerfen, die Musik wäre eindimensional geworden. Natürlich feiert die Sängerin Erfolge in allmöglichen Hitparaden, auch mit ihrem neuesten Album Honeymoon (u.a. Platz 4 in den deutschen Albumcharts). Die Songs vom Zweitling Born To Die – allen voran Video Games und Summertime Sadness – werden knapp 4 Jahre nach Release heute noch täglich im Rundfunk gespielt. Dennoch muss damals schon klar gewesen sein, dass sich Del Rey musikalisch außerhalb popmusikalischer Standards bewegt, sich von vielen Stars unterscheidet, aufgrund ihrer brillanten Gesangsstimme sowie ausgefallenem Songwriting. Ihre klangliche Flexibilität stellt sie ein Jahr nach dem rockigen Ultraviolence erneut unter Beweis. Dem Dream-Pop werden einige Stilarten, von Jazz, Hip-Hop, Blues, Electronica reichend, in ein wunderbares, filmmusikalisches Instrumentalarrangement eingewebt. Respekt!

http://lanadelrey.com/splash-page-3-german/

 

Honeymoon [Trailer] from C’høari Del Croft on Vimeo.

spotify:track:6xMVvJDwcGqwtKLYHnEj3y

 

The Dead Weather – Dodge And Burn

VÖ: 25.09.2015

Label: Third Man

Genre: Blues-/Garage-Rock

Jack White ist bekanntlich ein Tausendsassa, über dessen zahlreiche Projekte – auch über das musikalische Feld hinausreichend – man leicht die Übersicht verlieren kann. Er betreibt zum Beispiel das Label Third Man Records, auf dem die Veröffentlichungen bevorzugt auf Vinyl (in teilweise sehr aufwendiger, liebevoller Aufmachung) erscheinen. Whites musikalische Kreativität fand seinen Ausdruck – mal abgesehen von seinen Soloaktivitäten – in der Gründung einiger Bands, insbesondere natürlich den legendären White Stripes, nach deren Ende dann in zwei  „Supergroups“. Zum einen The Raconteurs (u.a. mit Brendan Benson) und zum anderen The Dead Weather (u.a. mit Alison Mosshart). Letztere haben nun via Whites Label ihr drittes Album Dodge And Burn herausgebracht, das insgesamt einen druckvolleren und überzeugenderen Eindruck vermittelt als der Vorgänger Sea Of Cowards. Das bevorzugte Genre bleibt bluesiger Rock, Innovationen sind deshalb nicht zu erwarten. Dennoch gut!

www.thedeadweather.com/

The Dead Weather – “Be Still“ – Live Performance Video from Record Store Day on Vimeo.

 

New Order – Music Complete

VÖ: 25.09.2015

Label: Mute

Genre: Synthie Pop / Dance

Kaum zu glauben, aber das damalige Comeback-Album Get Ready der New Wave -Ikonen ist mittlerweile schon über 14 Jahre alt. Ein Werk, das noch mit Peter Hook als Bassisten, also der Band in Urformation, aufgenommen wurde und insgesamt ein Beleg dafür war, dass die Briten noch immer zeitgemäße Musik machen konnten. Die Formel damals lautete ungefähr: weniger Electro zugunsten von alternativem Rock (es sei an aufregende Songs wie Crystal oder 60 Miles An Hour erinnert). Jetzt – nach einem abermaligen Comeback (und 10 Jahre nach dem letzten offiziellen Album Waiting For The Sirens‘ Call) – sucht man wieder jene Klänge auf, die man zu Gründungszeiten gespielt und geprägt hat. Allerdings gibt es auch gewisse Disco und (Euro)-Dance-Sounds zu hören, die in dem Kontext von New-Order (noch) etwas gewöhnungsbedürftig anmuten. Giorgio Moroder oder auch die Pet Shop Boys kommen einem da ins Gedächtnis. Das Album hat seine Momente, hinterlässt insgesamt dennoch einen zwiespältigen Eindruck.

Übrigens: Produzenten sind Stuart Price und der Chemical Brother Tom Rowlands.

www.neworder.com/

New Order – Restless (Official Video) from Mute on Vimeo.

spotify:track:0cNnTmu6UMP81Zo6361fDg

spotify:track:3gvhSwjQiq4PHvvd1Vz7iO

 

Peaches – Rub

VÖ: 25.09.2015

Label: I U She Music

Genre: Electro-House, -clash / Dance

Die 46-jährige Kanadierin Merrill Beth Nisker alias Peaches hat sich mit ihren Alben – dabei seien vor allem ihr Zweitling The Teaches Of Peaches (2000) und dessen Nachfolger Fatherfucker (2003) als repräsentativste Werke erwähnt – über das Musikalische hinweg positionieren können. Sie ist nicht nur eine der prägendsten Persönlichkeiten des Electroclash (eine Mischung aus Electronic-Stilarten und Punk bzw. New Wave), sie hat ebenso höchst wirkungsvoll unter Beweis gestellt, dass sie dem Chauvinismus und der Altersdiskriminierung stets die Stirn bieten wird, ist eine der Aushängeschilder des modernen Feminismus. Peaches hat nie – und da kann man ihr nicht genug dankbar für sein – ein Blatt vor den Mund genommen, wenn sie beispielsweise festgelegte Geschlechterrollen kritisierte oder sexuelle Themen verbildlichte. Man muss sich nur einmal eine ihrer Bühnenshows anschauen. Auch auf Rub wird mit Hilfe von Gästen (u.a. Feist und Kim Gordon) wieder kräftig ausgeteilt. Fast immer überzeugend.

http://peachesrocks.com/rub-tv/

 

Peaches „Close Up“ (Featuring Kim Gordon) from Vice Cooler on Vimeo.

PEACHES – Light in Places from Peaches on Vimeo.

Advertisements