Red Hot Chili Peppers – Californication

VÖ: 08.06.1999

Label: Warner

Genre: Alternative-/Funk-Rock

Es ist schon immer wieder schön zu merken, wie sehr Erinnerungen mit bestimmter Musik verbunden sind. Erst letztens habe ich in einer alten CD-Sammlung im Haus meiner Mutter gestöbert und einige Klassiker entdeckt. Da empfand ich schon ein bisschen Wehmut und auch Trauer, da sie meinem Vater gehörten, der – wie ich ja an dieser Stelle schon öfter erwähnt habe – mich musikalisch sehr geprägt hat. Er war den verschiedensten Genres gegenüber aufgeschlossen, neben Progressive Rock (im Stil von Van der Graaf Generator, Yes oder die „frühen“ Genesis) und generell „Classic“-Rock (à la Led Zeppelin, Black Sabbath, Pink Floyd, Deep Purple etc.) sowie verschiedenen Formen des Jazz (u.a. Miles Davis, Herbie Hancock, Jaco Pastorius) auch eher Selteneres und „Obskures“ als auch eben viele „neuere“ Strömungen, d.h. in dem Fall Bands der 1990er und frühen 2000er Jahre. Neben Electro/Ambient (The Chemical Brothers, The Prodigy, Moby etc.) vor allem auch unterschiedliche Rock- und Metal-Stile (z.B. Pearl Jam oder Rammstein, mit denen er die Nachbarn zu deren „Freude“ oft beschallte). Darunter fanden sich auch die Red Hot Chili Peppers und ihr (später kommerziell unglaublich erfolgreiches) Werk Californication. Mit diesem Album verbinde ich zudem eine weitere Erinnerung: den Kunst-Unterricht in der 10. Klasse. Damals hatten ein Freund von mir sowie weitere Klassenkameraden immer die neuesten Alben der Zeit, die dann gehört wurden, während wir im Kunst-Raum zeichneten, bastelten oder was auch immer machten. Der Lehrer, jetzt aus meiner Erinnerung heraus kein unbedingter Fan, ließ uns aber diese Freude. Dieser Freund (übrigens derselbe, den ich in der The Naked And Famous-Review erwähnte) hatte eines Tages eben jenes Californication dabei. Ich selbst war zu der Zeit noch nicht so ganz entschlossen, was das Musikalische anging, ich hörte viel aus den Charts und aus dem Radio (von 1 Live etc.). Doch es gab immer mal wieder einen Hoffnungsschimmer am Horizont bei mir, immer wieder wurde ich von bestimmter Musik gepackt, neben sowas wie Rage Against The Machine waren es eben jene Red Hot Chili Peppers, die ich vergötterte. Ich mochte ihr Meisterwerk Blood Sugar Sex Magik (1991) mit diesen unglaublichen Hymnen wie Under The Bridge oder Give It Away schon damals, auch das von Fans und Kritikern weniger geliebte One Hot Minute (1995) schätzte ich dank Aeroplane sehr. Doch richtig verliebt war ich in die Musik erst seit Californication, schon ab dem Moment, als die Klänge erstmals im Kunst-Unterricht ertönten. Was für Riesen-Songs darauf versammelt sind! Da wären zunächst die sechs unnachahmlichen Singles des Albums: natürlich Scar Tissue, Around The World (die das Werk großartig einleitet), Otherside, der geniale Titelsong, das wundervoll-introvertierte Road Trippin und Parallel Universe. Aber da sind ja noch die anderen Kompositionen wie das mitreißende Purple Stain, das stimmungsvolle Savior oder das kraftvolle I Like Dirt, ach das ist alles wunderbar. Diese Melodien! Nicht zu vergessen, die Themen, die hier wirkungsvoll und erstaunlich selbstreflektiert verarbeitet werden. Da wären zum einen sehr persönliche Angelegenheiten, wie die jahrelange Drogensucht aller Mitglieder sowie verschiedene Bezugnahmen auf sexuelle Angelegenheiten und auch auf die wechselhaften Momente der Karriere. Doch auch Tod, Selbstmord und gesellschaftspolitische Entwicklungen werden in den Fokus genommen (z.B. Globalisierung oder übertriebener Schönheitswahn). Überhaupt, sind die Leistungen aller Mitglieder hier lobend hervorzuheben. Vor allem Rückkehrer John Frusciante (der Dave Navarro ersetzte) erfüllte die Hoffnung der Band auf eine kreative Fortentwicklung im Sound mit unglaublich (ausdrucks-)starkem Gitarrenperformances. Diese Leistungen aller beteiligten Musiker/innen am Album wurden kongenial eingefangen von Stamm-Produzent Rick Rubin (seit Blood Sugar Sex Magik für sie tätig, erst 2016, auf The Getaway, wurde von den Red Hot Chili Peppers ein Anderer beauftragt, nämlich Danger Mouse)*. Die nachfolgenden Alben konnten da nicht mehr das Wasser reichen, auch wenn ich By The Way (2002) fantastisch finde. Blood Sugar Sex Magik ist vielleicht im Band- und im pophistorischen Kontext das wichtigere Werk, aber rein aus subjektiven Gesichtspunkten, insbesondere wegen der anfangs erwähnten persönlichen Erinnerungen, hat Californication einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen.

* Es gibt allerdings nicht wenige Menschen, die das Album wegen der schlechten Soundqualität, der Übersteuerungen, kritisieren. So soll das Online-Magazin es als „Opfer des Loudness War“ bezeichnet haben (es gab wohl auch eine Petition für eine Überarbeitung laut Wikipedia). Kann sein, stört mich persönlich aber nicht 😊

Note: 1,3

https://redhotchilipeppers.com/

 

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