Woodkid – S16

VÖ: 16.10.2020

Label: Universal

Genre: Chamber-/Art-Pop / Neofolk / Electronica

Yoann Lemoine ist ein absolut vielseitiger Künstler, der 37-jährige Franzose hat sich unter anderem als Musikvideo-Regisseur hervorgetan. Da waren Arbeiten für Musiker/innen wie Lana Del Rey (Born To Die), Harry Styles (Sign Of The Times), Taylor Swift (Back To December), Moby (Mistake) und Katy Perry (Teenage Dream) dabei. Er hat auch weitere Shows und Features verantwortet und arbeitet als Grafikdesigner. Musikalisch gab es da einiges als Woodkid, unter anderem eine mit Ellis betitelte EP mit Nils Frahm (aus dem Jahr 2016). Naja und dann ist da natürlich diese Debüt-LP The Golden Age aus dem Jahr 2013. Diese enthält die heute in so vielen Zusammenhängen (vor allem in der Werbung oder in Filmen/Serien/Videospielen) gespielten Songs Iron, Run Boy Run und I Love You. Kein Wunder, sind diese doch in ihrem Klangcharakter – diesen vielschichtigen Instrumentationen – von epischer Natur und eignen sich für diese Medien perfekt. Die dazu veröffentlichten, vielfach ausgezeichneten, von Lemoine selbst gedrehten Musikvideos haben mit ihren Bildern auch bei mir Eindruck hinterlassen. Das Album hat mich auch erreichen können, es bietet vielseitige Klänge im Bereich von ambitioniertem Pop, Neo-Folk und Electronica, gerade diese metallenen Schlagzeug-Rhythmen treiben diese Musik stetig voran. Zudem sind natürlich diese epischen Live-Shows zu erwähnen (die ich persönlich aber bisher leider nur im Fernsehen sehen durfte). Was man aber nicht vergessen sollte: nicht alle Kritiker/innen mochten The Golden Age. Die Bewertungen fielen ziemlich zwiespältig aus, vielen schien das zu viel des Bombastes zu sein. Ähnliche Reaktionen gibt es nun zu dem Nachfolger S16, im Musikexpress beispielsweise ist ein Verriss zu lesen, in dem André Boße die Musik als „Neo-Klassik-TripHop für die höheren Stände“ abtut. Andererseits sind schon recht positive Kritiken zu lesen, ebenso wie jene, die im Mittelmaß angesiedelt sind. Auf S16 geht es um Schwefel (Chemiker wissen, dass der Titel des Albums der Ordnungszahl des Elements im Periodensystem entspricht) in der Bedeutung, die es Erzählungen zufolge im Zusammenhang mit dem Teufel hat. Dementsprechend düster wird es deshalb. Ich bleibe für mich aber dabei, ich mag dieses Stimmungsvolle, dieses Opulente ziemlich gerne. Auch wenn S16 für mich nicht an den Vorgänger herankommt, finde ich, dass das Werk erneut mit komplexen Strukturen, mit diesen filmischen und vielseitigen Texturen und Stimmungen sowie der Offenheit für verschiedenste musikalische Stile zumindest zu großen Teilen überzeugen kann. Was haltet ihr von dem Album? Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt!

Note: 2,3       

http://woodkid.com/

 

Washed Out – Purple Noon

VÖ: 07.08.2020

Label: Sub Pop

Genre: Synthie-/Dream-/Bedroom-Pop            

Der US-amerikanische Künstler Ernest Weatherly Greene Jr. alias Washed Out soll damals seine ersten Aufnahmen im eigenen Schlafzimmer produziert haben, nachdem er keine Anstellung in dem Bereich gefunden hat, den er ursprünglich erlernt hat (Bibliothekar). Ist ja sicherlich nicht nur von mir schon immer ein Traum gewesen, über Umwege noch Musikstar zu werden. Apropos Schlafzimmer: die Musik, die der 37-Jährige kreiert, lässt sich mit Bedroom-Pop umschreiben. Es sind langsam-verträumte, smoothe Klänge, erotisch angehaucht und mit einer ordentlichen Portion 80’s-Pop-Nostalgie versehen. Richtig aufmerksam wurde ich auf Washed Out im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Debüt-Studioalbums Within And Without (2011), als er aber schon einige EPs und Singles die Runde gemacht hatten und die Musikkritik ihn bereits empfohlen hatte. Es war halt die Blütezeit des Chillwave, deren Protagonisten ja genau dieses Retro des 80’s-Electro-Pop (damit auch von dessen visuellen Charakteristika) zum Ausdruck brachten. Neben Toro Y Moi und Neon Indian kann Washed Out als eine der wichtigsten unter ihnen angesehen werden. Allerdings muss auch festgehalten werden, dass dieses Genre des Chillwave mittlerweile etwas von seiner Durchschlagskraft und Attraktivität verloren hat. Es wäre durchaus weniger interessant geworden, wenn über 10 Jahre gleichklingende Sounds produziert und nicht frische Elemente eingefügt worden wären. Glücklicherweise haben es die Genannten als essenziell angesehen neue Einflüsse einzubauen. Natürlich ist dabei die grundlegende 80’s-Akustik und -Optik geblieben. Das wird auch beim Hören von Purple Noon klar. Es sind weiterhin diese warmen und verträumten Klänge, die zumindest in mir nostalgische Gefühle hervorgerufen haben, aber auch jenes Fernweh, welches das Album-Cover andeutet. Irgendwo am Meer und in der Sonne sein und sich diesen Balaeric-Pop/Chill Out-Klängen hingeben. Denn auch wenn das Album zum Ende hin ein bisschen an seinem Reiz einbüßt, überzeugt es mich im Großen und Ganzen. Mit Melodien, die sich oft an der Grenze zum Kitsch bewegen, dennoch irgendwie anziehend sind!

Note: 2,3

https://washedout.net/

 

The Who – Who

VÖ: 06.12.2019

Label: Universal

Genre: Rock

Ich bin ja zunächst davon ausgegangen, dass es sich angesichts der Weihnachtszeit um eine weitere Best-Of-Compilation der größten Hits von The Who handeln würde. Dann wurde es mir klar: nein, die britischen Rock-Giganten haben doch tatsächlich ein neues reguläres Studiowerk veröffentlicht. Unglaublich! Klar, man ist von ihnen gewohnt, dass sie seit den frühen Achtzigern mal weg waren, dann plötzlich wieder auf der Bildfläche auftauchten, seit 1996 ja wieder recht regelmäßig. In Sachen Studioalbum ist man da aber schon seltenere Lebenszeichen gewohnt, nach der 1982er-Veröffentlichung It’s Hard kam da ganze 24 Jahre nichts mehr. 2006 war plötzlich Endless Wire da. So richtig Freude kam vielleicht nicht auf, obwohl die eine oder andere gute Reaktion der Kritiker/innen dabei war. Ich muss zugeben, dass ich höchstens ein, zwei Songs von dem Album gehört habe, mein Interesse war nicht wirklich geweckt. Es ist ja bei den legendären Bands so, dass man – gerade wenn man sie so liebt / geliebt hat – nicht enttäuscht werden möchte. Es ist schnell passiert, dass diese dann nicht mehr mit dem Zeitgeist mithalten können oder verkrampft versucht wird, die „good old days“ wieder herauf zu beschwören. So ein bisschen hatte sich das Gefühl bei mir eingestellt. Ich kenne nicht alles von The Who, halte sie aber natürlich ebenfalls für absolut einflussreiche Legenden. Mein Vater erzählte damals von legendären Live-Auftritten der Band, in denen Konzertsäle, Instrumente und was nicht alles zerstört worden seien. Ich denke, dass Endless Wire von mir deshalb vorsichtig behandelt wurde, damit dieser Status nicht verloren geht in meinen Augen. Das neue Album Who, das nun wieder geschlagene 13 Jahre später erscheint (es gab zwischendrin u.a. eine Solo-LP von Roger Daltrey), habe ich erneut vorsichtig rezipiert. Die Kritiken sind ja wieder durchaus gespalten, allerdings habe ich es ebenso bereits in Jahresbestenlisten gesehen. Jetzt meine Einschätzung: ich finde das Album nicht supertoll, es ist jedoch okay! Es klingt teilweise sogar recht modern, bietet feine Instrumentierungen. So funktionieren ein paar Songs wirklich gut. Klar, es gibt auch etwas altbackenes Material, manche Texte funktionieren in ihrer soziopolitischen Kritik nicht wie sie vielleicht sollten. Dennoch bin ich insgesamt recht angetan! Wie geht es euch mit diesem Comeback-Album? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,7

 

Kanye West – Jesus Is King

VÖ: 25.10.2019

Label: Def Jam

Genre: Hip-Hop / Soul / Gospel

Ich versuche hier mal weitgehend über Kanye West zu schreiben, ohne auf dessen Angelegenheiten außerhalb der Musik einzugehen (seine privaten Eskapaden, seine Aussagen in der Öffentlichkeit etc.). Natürlich geht das nicht komplett, da ja doch einiges mehr oder weniger in seinen künstlerischen Output hereinspielt. Doch gehen wir mal von der Musik aus. Dabei konzentriere ich mich auf die Veröffentlichungen, die er unter seinem Namen produziert hat (also nicht Kids See Ghosts etc.). Da gibt es in der Diskographie zwei herausragende erste Alben: The College Dropout (2004) und Late Registration (2005, u.a. mit dem in dessen Video Jamie Foxx aufbietenden Knallersong Gold Digger), die mir auch heute noch aus so vielen verschiedenen Gründen Laune bereiten als auch von ihrer künstlerischen Strahlkraft zusagen. Dem Drittwerk Graduation (2007) mit diesem Daft Punk-Cover Stronger konnte ich persönlich noch sehr viel abgewinnen, trotz guter Kritiken aber eher weniger dem mit viel Auto-Tune ausgestatteten 808s & Heartbreak (2008). Obwohl ich schon zugeben muss, dass es aus künstlerischer Perspektive bestimmt schon wichtig ist. Nun gut, bei My Beautiful Dark Twisted Fantasy (2010) sind sich wohl viele einig, dass es zu den besten (Hip-Hop-)Veröffentlichungen dieses ausgehenden Jahrzehntes gehört. Aber: dann wurde es für mich wechselhaft. Yeezus (2013) – u.a. mit Black Skinhead – fand ich größtenteils super, The Life Of Pablo (2016) trotz erneut positiver Kritiken ist bei mir wiederum irgendwie nicht so angekommen wie gedacht (sieht man mal von Ultralight Beam ab). Ye (2018) habe ich gar nicht wirklich mitbekommen. Lohnt sich da das Hören? Ihr könnt mir gerne eure Empfindungen mitteilen. Jesus Is King wurde nun zwiespältig aufgenommen, wobei es größtenteils jeweils die extremen Richtungen abdeckt: entweder gut oder schlecht. Wie so oft bei Kontrovers pendele ich mich hier in der Mitte ein. Kanye West – ich muss es jetzt doch kurz erwähnen – neigt zu Großmannssucht, hat diese allerdings – gerade auf seinen grandiosen Werken – irgendwie einfließen lassen in richtig kraftvolle, vielseitige Musik. Der 42-Jährige widmet also jetzt Jesus ein Album. Klar, dass Religiöse hat schon immer mal eine große Rolle eingenommen im künstlerischen Schaffen, doch nun geht es eben wirklich gottesfürchtig und für West-Verhältnisse „zurückhaltend“ zu. Es gibt Songs, da passen die Instrumentierungen, bei anderen eher weniger. Dann kommt es überproduziert herüber. Ich sage also: Jesus Is King ist in meinen Augen zumindest momentan in Ordnung, mehr nicht! Wie geht es euch? Was sagt ihr zu dem Album? Ich bin gespannt auf eure Reaktionen!

Note: 2,7 (vorerst)

https://www.kanyewest.com/

 

Wanda – Ciao!

VÖ: 06.09.2019

Label: Vertigo

Genre: (Indie-/Austro-)Pop / Indie-Rock

Wie bei so ziemlich jedem Musikgenre ist die Geschichte irgendwann auserzählt, nämlich jene von den großen Hymnen, den wichtigsten Repräsentanten und den herausragendsten, eine ganze oder mehrere Generationen prägenden Texten, womöglich zugehörenden unvergesslichen Musikvideos. Irgendwann waren beispielsweise die Britpop-Sounds der 1990er nicht mehr so spannend wie in den ersten Tagen, genauso wie jene der Indie- und Garage-Rock-Welle  der 2000er Jahre. Nun, dem österreichischen Pop – wenn man ihn als „Austro-Pop“ definiert – konnte ich schon oft viel abgewinnen. Wie man es auch sehen mag, aber einem Falco beispielsweise habe ich stets gerne zugehört. Den (Indie-)Pop/-Rock-Bands, die uns seit Ende des letzten und Anfang dieses Jahrzehnts wieder Varianten der Musik unseres Nachbarlandes schenkten, ihr neues Leben mit frischen Ideen einhauchten, lieh ich immer mal wieder ein Ohr, egal ob Kreisky, Der Nino aus Wien, Bilderbuch oder eben Wanda. Ich rechnete jedoch ebenso in diesem Fall irgendwie damit, dass mich irgendwann so eine richtige Enttäuschung erwarten würde. Ich muss auch zugeben, dass ich beim ersten Mal des Hörens von Ciao!, dem vierten Album der Wiener um Michael Marco Fitzthum, ein bisschen davon ausgegangen bin, dass da nicht wirklich etwas Neues erzählt wird. Doch das ist Quatsch, denn die Musik bleibt weiterhin vielfältig, die Texte sind nach wie vor gewitzt, man gibt sich aber auch nachdenklich und melancholisch. Das sind zwar typische Merkmale von Wanda, die es auf den Vorgängern schon zu hören gab, dennoch wird es nicht langweilig. Dafür sorgen kluge (Sixties-)Pop-Songs wie Vielleicht und Gerda Rogers als auch Hymnen an die ein oder andere – nun ja – Berühmtheit. Ich mag die Musik von Wanda, immer noch!

Note: 2,3

https://ciao.wandamusik.com/

 

The White Stripes – Elephant

VÖ:  31.03.2003

Label: XL

Genre: Garage-/ Indie-/ Blues-/ Punk-Rock

Man kennt mich in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis nicht unbedingt als großen FC Bayern München-Fan!  Mir tut mir es immer ein wenig im Herzen weh, wenn bei einem Tor der Fußballer (was ja bis auf ein paar seltene „Krisen“-Ausnahmen sehr oft eintritt) alle Anwesenden in deren Arena den Refrain dieser einen Hymne anstimmen bzw. losgrölen. Ja, Ihr wisst genau welche, na klar Seven Nation Army! Bestimmt nicht nur meiner Meinung nach einer der besten Songs des letzten Jahrzehnts, ein absoluter Wahnsinn! So könnte man ja auch sagen, dass er – wie beispielsweise ein Smoke On The Water oder We Will Rock You – eine der berühmtesten, vor allem auch eingängigsten Rockmelodien aufbietet, bei gleichzeitiger Genialität. Seven Nation Army hat ab Mitte der letzten Dekade (der Ursprung im Fußball-Kontext liegt wohl  in Brügge 2003) Einzug in die Fußballstadien dieser Welt gefunden, was ich keinesfalls verurteile. Irgendwie ja doch auch schön, dass er so beliebt ist. Jack White soll es – glaubt man seinen Aussagen in damaligen Interviews  – schön gefunden haben, dass der Song gegrölt würde. De Sänger  wurde aber – soweit ich mich richtig erinnere – anlässlich der Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz gefragt, ob er mit seiner Bandkollegin Meg den Song live präsentieren wolle, was er dankend ablehnte. Nun gut, die White Stripes haben auf ihrem vierten Album – das auf ohnehin schon geniale Vorgänger, allen voran White Blood Cells (2001, mit bis heute faszinierenden Songs wie Fell In Love With a Girl, Hotel Yorba und Dead Leaves And The Dirty Ground), folgte – keineswegs nur besagte Hymne mit diesem einzigartigen  Gitarren-Riff (das ja bekanntermaßen wie ein Bass klingt, aber eben keiner ist) zu bieten! Elephant hält so viele moderne Klassiker parat, gehört bis heute zu meinen absoluten Lieblingsplatten. Da ist so viel, das eben die Band jenen Jack Whites und seine Ex-Frau Meg (jahrelang hielt sich ja das Gerücht, sie sei dessen Schwester) zu den wichtigsten Vertretern der Indie-/Garage-Rock-Welle Anfang bis Mitte der 2000er (neben Bands wie den Strokes) werden ließ. Neben den genialen musikalischen Zutaten, die hier auch in Bereiche des Blues, Country, Folk, Punk, Lo-Fi und einige mehr hineinreichten und phänomenal zusammengeführt wurden, halfen dabei auch die wunderbaren Texte und die unvergesslichen kunstvollen Videos (was ja auch schon auf die Songs von White Blood Cells zutraf, man denke da nur an den von Michel Gondry gedrehten Lego-Clip zu Fell In Love With A Girl). Wer erinnert sich denn nicht an die fantastischen, kunstvollen Video-Clips zu Songs wie eben Seven Nation Army, des phänomenalen Covers I Just Don’t Know What To Do With Myself (von Sofia Coppola gedreht, mit Kate Moss!) und The Hardest Button To Button (wieder von Michel Gondry! Es gibt dazu auch eine überaus lustige Hommage bei den Simpsons)? Dazu noch all die Songs, die eben keine Singles , aber ebenso atemberaubend sind, zum Beispiel das mit Holly Golightly aufgenommene It’s True That We Love One Another, welches zu meinen heimlichen Lieblingskompositionen der White Stripes gehört.  Elephant ist so groß, ein Meilenstein, den ich immer, zu wirklich jeder Tageszeit, hören kann! Phänomenal! Der Nachfolger Get Behind Me Satan (2005) war zwar auch super, das letzte Werk der leider 2011 aufgelösten Band, Icky Thump, hatte ja zumindest noch den Titelsong zu bieten. Jaja, die anderen Bands von Jack White (The Raconteurs, The Dead Weather) waren zumindest auf den jeweiligen Erstlingswerken richtig klasse, solo war er bisher auch ab und zu ganz gut. Aber so herausragend wie auf dem mal energetischen, mal entspannten Elephant sollte das Duo aus Detroit nicht mehr werden.  Eines  – und das habe ich bei hicemusic schon einmal erwähnt – bedauere ich zutiefst: Ich habe die White Stripes nie live erlebt, mit Jack Whites absolut faszinierenden Gesangs- und Instrumental-, sowie Megs nicht minder beeindruckenden Drum-Performances (sie sang ja auf Elephant auch mehr als passabel  in dem Song In The Cold, Cold Night) . Ein guter Kumpel von mir war in den 2000ern in München, ich bin allzu neidisch auf ihn! Naja, vielleicht kommen sie ja wieder, das wäre zu schön. Ach bitte, Jack und Meg, gebt euch einen Ruck!

Übrigens, der Titel  Seven Nation Army hat seinen Ursprung in dem von Jack White als Kind falsch verstandenen Begriff „Salvation Army“.

Note: 1,0     

https://whitestripes.com/

I Just Don’t Know What to Do With Myself from Charles Édouard on Vimeo.

 

Kamasi Washington – Heaven And Earth

VÖ: 22.06.2018

Label: Young Turks

Genre:  (Contemporary-)Jazz

Der Juni 2018 hat mich in Bezug auf Plattenveröffentlichungen überaus begeistert. Ich kann die meisten von diesen Alben noch nicht so richtig in ihrer Größe erfassen, bin mir allerdings bewusst, dass viele von ihnen schon jetzt richtig gut sind. Andererseits – so muss ich zugeben – kamen mir zuletzt auch Zweifel auf, ich hinterfragte die Wertungen, ob sie nicht vielleicht zu positiv ausfallen, ob ich mit meiner Begeisterung nicht zumindest ein wenig haushalten sollte. Naja, sagt mir halt alles gemeinhin zu! Ja, und dann das: dann höre ich dieses neue Album von einem der größten und vielseitigsten Jazz-Musiker der Gegenwart, der über das Genre hinaus für überaus wirkungsvolle Gast-Auftritte und Produktionsbeteiligungen sorgte (z.B. noch im letzten Jahr auf dem wunderbaren  Tonträger von Ibeyi, aber auch auf Werken von Flying Lotus, Kendrick Lamar, Thundercat, Run The Jewels, ja sogar früher einmal Ryan Adams uvm.): Kamasi Washington. Wow, was für eine Show! Es reicht wohl nicht aus, dass er schon mit einigen der Größten des Jazz gespielt hat (z.B. Herbie Hancock, Wayne Shorter  u.a.) und mit The Epic (2015) ein fürwahr richtig betiteltes, von mir (mit der Note 1,7 wahrscheinlich zu niedrig eingestuftes) Meisterstück abgeliefert hat!  Ich schrieb damals, dass der 37-Jährige Kalifornier jenen Zweiflern, die nicht mehr an Innovationen innerhalb des Genres glaubten, den durchschlagkräftigen Gegenbeweis liefern würde! Daran hat sich nichts geändert. Nach der auch schon unglaublich guten EP Harmony Of Difference (2017) folgt nun Heaven And Earth, auf dem der Saxophonist in knapp zweieinhalb Stunden die perfekte Balance zwischen Ambition und Entspanntheit findet, über den Jazz die unterschiedlichsten Stilrichtungen und Stimmungen aus der Musikhistorie (natürlich nicht nur der des Pop) aufgreift, wirkungsvoll mit verschiedenen Instrumentierungen und Lautstärken spielt!  Darüber hinaus ist das Album erneut als soziopolitisches Statement zu verstehen, Washington prangert vor allem Rassismus an, insbesondere gegen die afroamerikanische Bevölkerung. Es handelt sich also erneut um ein wichtiges Werk unserer Zeit, bei dem ich mir diesmal sicher bin, dass jegliche positive Wertungen angebracht sind. Ich halte mich (zunächst) ein bisschen zurück (weil ich es noch ein paar mal hören sollte), sage aber voraus, dass Heaven und Earth wie The Epic ein ebenso atemberaubendes Meisterstück darstellt!

Note: 1,7 (mit Potential nach oben)

https://www.kamasiwashington.com/

 

Jack White – Boarding House Reach

VÖ: 23.03.2018

Label: Third Man

Genre: Blues-/Experimental-/Alternative-Rock

Seit ich hier auf hicemusic die “Kontrovers“-Sparte ab Januar 2017 eingeführt habe, sind darunter erstaunlich viele Platten von Bands aufgetaucht, die eigentlich zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Da gab es unter anderem Veröffentlichungen von Arcade Fire, den Gorillaz oder Franz Ferdinand…ich habe sicherlich noch einige vergessen. Ich habe schon häufiger erwähnt, dass auch die White Stripes zu meinen Lieblingsbands gehören, ich alles dafür tun würde, sie noch einmal live zu erleben. Ich muss allerdings gleichzeitig zugeben, dass ich bei aller Verehrung für ihre Klassiker das letzte Album Icky Thump (2007) dann vergleichsweise nur noch okay fand. Ebenso die weiteren Projekte von Jack White und deren Veröffentlichungen finde ich zwar größtenteils super, aber nicht alle – z.B. The Dead Weathers zweites Album Sea Of Cowards (2010) konnte ich nicht so viel abgewinnen, ebenso wie The Raconteurs Zweitling Consolers Of The Lonely (2008). Nicht falsch verstehen, ich fand sie natürlich nicht schlecht, aber gemessen am sonst konstant hohen Niveau, das der 42-Jährige sonst geboten hat, eben nicht ganz so bestechend. Dies galt für mich eigentlich schon immer für seinen gesamten Solo-Output. Die Singles waren große Klasse, aber auf Albumlänge war es dann doch „nur“ okay. Da kann ich mir nicht helfen. Das schmälert überhaupt nicht meine hohe Anerkennung für Whites bisherige Leistungen. Jetzt ist Solo-Werk Nr.3 erschienen, das im Gegensatz zur internationalen Presse – die es weitgehend positiv besprochen hat  (sieht man einmal vom Verriss bei Pitchfork ab) – von den Musik-Medien hierzulande sehr gemischt aufgenommen wird. Ich persönlich siedele es im mittleren Wertungsspektrum an, wobei meiner Meinung es eher zum Positiven tendiert. Denn Jack White experimentiert wie gewohnt mit den verschiedensten Stilelementen und Instrumenten (diesmal z.B. mit ausgiebigem Einsatz des Synthesizers). Das funktioniert zwar nicht immer, manchmal verhebt er sich vielleicht auch etwas, aber dass er es komplett tun würde – wie recht oft geschrieben wurde – sehe ich nicht so. Denn manche Songs machen richtig Spaß! Klar, spielt halt nicht in der Liga der White Stripes, es wäre allerdings auch unfair, es von ihm zwangsweise zu erwarten! Was meint ihr? Bin ich vielleicht immer noch zu subjektiv? Über Eure Meinungen freue ich mich sehr!

Note: 2,7

http://jackwhiteiii.com/

 

Wiki – No Mountains In Manhattan

VÖ: 08.12.2017

Label: XL

Genre:  Hip-Hop

Wiki ist der Künstlername von Patrick Morales, einem 24-jährigen Rapper und Producer aus New York City, der im Vorfeld seiner nun endlich erscheinenden Debüt-Studio-LP schon die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen konnte (er war auch schon unter den verschiedensten originellen Pseudonymen unterwegs, neben Wiki u.a. als Wise Kindergarten, Wik, Wikset und Wikity Wikset). Gilt ja jetzt nicht nur für seine Soloarbeiten, es wird sicherlich Kenner der dortigen Hip-Hop-Szene geben, die ihn als Teil der  (wieder aufgelösten) Ratking kennen, die er zuletzt mit Sporting Life führte (Racerra, Ramon und vor allem Mitgründer Hak hatten die Band bereits vorher verlassen). Ihre erste EP Wiki93 (2012) brachte ihnen einen Vertrag bei XL Recordings ein, es folgte eine LP – So It Goes in 2014 (an dem unter anderem auch King Krule produktionstechnisch beteiligt war) –,  eine weitere EP (700-Fill) – und dann war Schluss! Schade, denn die musikalischen Aktivitäten  waren in kreativer Hinsicht ertragreich (ihre Klänge wurden auch als „left-field hip-hop“ bezeichnet). Die Band machte beispielsweise keinen Hehl aus ihrer Liebe für den Wu-Tang Clan (was ja andererseits doch naheliegend erscheint) als auch Suicide und Animal Collective (letztere beiden erklärten die Punk- und weiteren Experimental-Elemente in ihrem Sound). Live war man mit interessanten Acts wie den Death Grips, Run The Jewels, Earl Sweatshirt oder Skepta unterwegs. Nun ja, das ist die Vergangenheit, jetzt kümmert sich Wiki in Solofunktion neben seinem gegenwärtigen Engagement bei Secret Circle (eine Band mit Antwon und Lil Ugly Mane) darum, dem Hip-Hop seiner Heimatstadt weitere innovative Strukturen zu verpassen. Er beschäftigt sich mit den verschiedensten Themen, vor allen den persönlichen, insbesondere der Suche nach der eigenen Identität, seinen persönlichen Wurzeln (Wiki hat diese zum Beispiel in Puerto Rico und Irland). Natürlich wird generell so ziemlich alles ausführlich beleuchtet, was mit New York zu tun hat, was diese Stadt berühmt gemacht hat. Insgesamt ist eine wunderbar kraftvolle Produktion (Kaytranada mischte beispielsweise mit) herausgekommen, die tolle Gäste aufbietet (u.a. Ex-Wu-Tang Clan Ghostface Killah) und unter anderem mit einer exquisiten Sample-Auswahl glänzt!

Note: 2,0

http://wikset.nyc/

 

Wy – Okay

VÖ: 20.10.2017

Label: Better Call Rob

Genre: Indie-/Dream-Pop

Dem Genre des Dream Pop lassen sich ja zurzeit eine Menge Acts zuordnen, da ist die Bandbreite recht groß. Eine Lana Del Rey ebenso wie Natasha Khan aka Bat For Lashes wie die Chromatics (ja genau, jene US-Amerikaner, die unter anderem den Ryan Gosling-Film Drive so effektiv mit ihrer Musik untermalt haben) oder – na klar – Beach House. Nicht zu vergessen die Klassiker-Bands wie die Cocteau Twins  oder die im Shoegazing verwurzelten My Bloody Valentine, generell jene Formationen, die einzelne Elemente davon in ihre Sounds einfließen lassen. Da kann man schnell mal die Übersicht verlieren bzw. es braucht für die im Dream Pop musizierenden Künstler/innen schon ein Alleinstellungsmerkmal, das sie von den Anderen hervorhebt. In diesem Zusammenhang macht es Sinn, mal nach Skandinavien zu blicken, genauer gesagt nach Schweden. Nein, ich meine nicht Lykke Li oder The Radio Dept. Es geht um ein Duo aus Malmö, das sich Wy nennt. Ebba Ågren und Michel Gustafsson nutzen zwar typische Elemente des Dream Pop, man fühlt sich hier und da auch an manche der oben genannten Musiker/innen erinnert, dennoch gelingt es ihnen mehrheitlich, dass ihre Klänge durch eine individuelle Ausdrucksweise  charakterisiert werden und dem Hörer eine intensive Atmosphäre vermitteln. Dies gelingt durch die stimmige Instrumentierung, wodurch Ågrens Gesang perfekt in Szene gesetzt wird. Wenn dann wie auf der letztjährigen, sehr beachtlichen EP Never Was mitreißende, gefühlsbetonte Texte dazu geboten werden, hat das wirklich einen großen Reiz. Auf ihrer Debüt-LP Okay werden jene Stärken erneut ausgespielt, man befasst sich mit der Jugend der Gegenwart, ihren Hoffnungen und Sorgen in einer sich wandelnden Gesellschaft, emotional vorgetragen und effektiv mit sehnsuchtsvollen Melodien unterlegt. Mir persönlich imponiert das bereits jetzt. Ich bin mir andererseits sicher, dass noch mehr Potential in dem Album steckt, es benötigt Geduld und Aufmerksamkeit. Auf jeden Fall betörend!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

http://wearewy.com/

 

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