Juli 2020

Dream Wife – So When You Gonna…

VÖ: 03.07.2020

Label: Lucky Number

Genre: Indie-/Punk-Rock

Dream Wife sind drei Frauen aus London, deren selbstbetiteltes Debüt ich 2018 komischerweise ignoriert habe, obwohl die Kritiken generell ziemlich positiv ausfielen. Die riot grrrl-Sounds erinnern mich an die klassischen Vertreter im Stile von Sleater-Kinney oder ähnlich gelagerte Alternative-/Indie-/Punk-Bands wie Hole oder die Yeah Yeah Yeahs (in ihren frühen Tagen). Das ist jetzt nicht äußerst spektakulär, doch akustische Präsenz, Abwechslungsreichtum und Selbstbewusstsein kann man dem Album nun wirklich nicht absprechen. Dream Wife sind selbstkritisch, aber auch in der Lage, ihre Botschaften für mehr Empathie und Akzeptanz nachvollziehbar zum Ausdruck zu bringen. Das imponiert mir!

Note: 2,3

https://dreamwife.co/

 

 

Empress Of – I’m Your Empress Of

VÖ: 03.07.2020

Label: Terrible

Genre: Elektropop / R&B

Ich bin ein bisschen ratlos, denn am dritten Werk von Lorely Rodriguez alias Empress Of habe ich aus produktionstechnischer Hinsicht nichts zu beanstanden, das ist schon kraftvoller Elektropop – mit etwas verminderter experimenteller Note im Vergleich zu den Vorgängern. Thematisch ist es auf jeden Fall auch abwechslungsreich gestaltet – u.a. beschäftigt sich die Künstlerin mit Selbstverwirklichung und ihrer familiären Herkunft ( u.a. kommt ihre Mutter hier diesbezüglich zu Wort). Doch irgendwie bin ich nicht total begeistert. Ich muss aber zugeben, dass der Anfang von I’m Your Empress Of schon ziemlich gut ist. Wird vielleicht noch!

Note: 2,7 (vorerst)

http://www.empressof.com/

 

 

Julianna Barwick – Healing Is A Miracle

VÖ: 10.07.2020

Label: Ninja Tune

Genre: Electronica / Ambient / Avantgarde

Julianna Barwick auf Ninja Tune, ich werde immer wieder von dieser Plattenfirma überrascht. Positiv natürlich! Denn die US-amerikanische Künstlerin erschafft immer wieder großartige Sounds im Spannungsfeld von Electronica, Ambient/New Age und Avantgarde sowie weiteren experimentellen musikalischen Spielarten im Zusammenspiel mit ihrer fantastischen Gesangsstimme. Vor allem ist das Thema hier zu beachten: es geht um die Kraft des Körpers, um dessen heilende Wirkung. Wer – wie ich zunächst –  nicht so genau hinhört, dem entgeht ganz bestimmt diese magische Aura dieses Werks. Hier muss man sich – ganz der Intention von Barwick gemäß – viel Zeit nehmen, was ich dann glücklicherweise auch nochmal gemacht habe. Ist schon jetzt ein unglaublich gutes Werk!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://juliannabarwick.com

 

 

The Residents – Metal, Beat & Bone: The Songs Of Dyin‘ Dog

VÖ: 10,07.2020

Label: Cherry Red

Genre: Experimental / Avant-Rock / Electronica

Ich habe es hier bei hicemusic schon einmal erwähnt: ohne meinen Vater hätte ich wahrscheinlich nie jene Musik weit außerhalb des Mainstreams kennengelernt, wie zum Beispiel jene der Avantgardisten The Residents (z.B. die auf ihrem 1980er-Commercial Album). Über die Besetzung der „Eyeballs“ ist wenig bekannt (bis darauf, dass Hardy Fox ihnen wohl angehört hat), ebenso über die Anzahl der veröffentlichten Werke (angeblich über 60).  Es gibt viele Aspekte, die mythisch und außergewöhnlich im Bandkontext sind, zum Beispiel auch die Bearbeitungen von Fremdkompositionen (z.B. von den Beatles). Jetzt haben The Residents sich Blues-Aufnahmen von Alvin „Dyin‘ Dog“ Snow gewidmet und sie auf ihre Weise uminterpretiert. Nicht alles klingt jetzt total umwerfend, aber trotzdem kann ich dem Album eine gewisse Sogwirkung nicht absprechen!

Note: 2,3 (vorerst)

https://www.residents.com/

 

 

Nicolas Jaar – Telas

VÖ: 17.07.2020

Label: Other People

Genre: Electronica / Experimental

Da ist das erste Jahr der neuen Dekade gerade etwas über die Hälfte vergangen, da hat Nicolas Jaar – zählt man das Album 2017-2019 seines Projektes Against All Logic mit – schon das dritte Werk in diesem Zeitabschnitt veröffentlicht. Das nennt man mal arbeitswütig! Experimentell war seine Musik ja schon seit den Anfängen seiner Karriere, doch auf Telas geht es noch intensiver in Richtung Avantgarde. 4 Tracks in 58 Minuten Spielzeit. Den Sound konnte ich zumindest noch nicht in seiner Gesamtheit erfassen, aber spannend und aufregend instrumentiert ist das hier allemal!

Note: 2,0 (nach den ersten Eindrücken)

http://nicolasjaar.net/

 

 

Lianne La Havas – Lianne La Havas

VÖ: 17.07.2020

Label: Warner

Genre: (Neo-)Soul

Das selbstbetitelte Drittwerk von der Britin Lianne La Havas bewegt sich wie die Vorgänger Is Your Love Big Enough? (2012) und Blood (2015) wieder auf den Fährten des Soul, wie man es beispielsweise auch von Erykah Badu, Lauryn Hill oder aktuell Janelle Monáe kennt, weist aber gleichzeitig eine individuelle Note auf. Die 30-Jährige wagt wieder mehr das Experiment (großartige Arrangements und Einbinden von Folk-/Jazz-Elementen u.a.) und beschäftigt sich thematisch vor allem mit den verschiedenen Phasen einer Liebesbeziehung. Ein wirklich starkes Album, das unter anderem ein tolles Radiohead-Cover aufbietet (Weird Fishes)!

Note: 2,0

https://www.liannelahavas.com/

 

 

L.A. Salami – A Cause Of Doubt & A Reason To Have Faith

VÖ: 17.07.2020

Label: Sunday Best

Genre:  Indie-Rock/-Folk

Der Titel des Albums hat mich gerade in diesen, für uns nicht unbedingt leichten Zeiten aufhorchen lassen, da mir bekannt war, dass Lookman Adekunie Salami sich schon auf den beiden Vorgängern mit gesellschaftspolitischen Verhältnissen – insbesondere in seiner Heimat Großbritannien –  auseinandergesetzt hat. Da muss doch eine Message enthalten sein. Und tatsächlich:  es werden reichlich Stellungnahmen zu aktuellen Themen geboten, z.B. gibt er Auskunft über seine persönlichen Erfahrungen mit Rassismus. Musikalisch hat mich schon vor Veröffentlichung des Albums die Single The Cage gekriegt, doch auch die anderen Songs sind ziemlich beeindruckend, bieten eine unglaublich stilistische Vielfalt (u.a. Hip-Hop, Ambient, Jazz). Jetzt schon gut, in ein paar Monaten in der Nachbetrachtung sicherlich noch besser!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)     

https://www.lasalami.com/

 

 

Jessy Lanza – All The Time

VÖ: 24.07.2020

Label: Hyperdub

Genre:  (Synthie-)Pop / R&B / Electronica

Die Kanadierin Jessy Lanza setzt sich in unkonventioneller Weise mit Pop/R&B auseinander, seit Jahren auf dem renommierten, für  Electronica  (und da insbesondere im Bereich des frühen UK-Dubstep) bekannten Label Hyperdub. Mit Stamm-Co-Produzent und Kumpel Jeremy Greenspan (Junior Boys) präsentiert sie nun ihr Drittwerk All The Time, auf dem sie den experimentellen Weg beibehält und sich im Spannungsfeld von Pop, R&B und modernster Electronica austobt. Eine richtig gute Produktion…nein, im Gesamten eine Wucht!

Note: 2,0

https://jessylanza.com/

 

 

Taylor Swift – Folklore

VÖ: 24.07.2020

Label: Republic

Genre: (Indie-)Pop/Folk / Folktronica

Ich weiß, dass Taylor Swift eine äußerst erfolgreiche und vielfältige Künstlerin ist, die in über eineinhalb Dekaden Karriere ihren Sound vom Country-Pop des selbstbetitelten 2006er Debüts ausgehend stetig weiterentwickelt hat – generell ihr Songwriting. Über ihre Bedeutung in weiteren popkulturellen Bezügen müssen wir auch kaum diskutieren. Allein, es fehlte mir immer der persönliche Zugang zu ihrer Musik, auch wenn mir einzelne Alben schon gefielen, z.B. 1989 (2014). Doch ich muss sagen, dass Folklore mir jetzt schon imponiert, und das nicht wegen Exile, dem fantastischen Duett mit Bon Ivers Justin Vernon. Es werden hierauf packende und gefühlvolle Geschichten über die Liebe, aber auch zur Geschichte der USA geschildert, in großartig arrangierten Songs (u.a. The Nationals Aaron Dessner und Jack Antonoff waren an der Produktion beteiligt). Ich bleibe noch etwas reserviert, aber jetzt schon ein wunderbares Werk!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)  

https://www.taylorswift.com/

 

 

 

Ellen Allien – Auraa

VÖ: 31.07.2020

Label: BPitch Control

Genre: Electronica / Experimental

Vielleicht wirkt das neue Album Auraa von Ellen Allien – gemessen an den Erwartungen, die man angesichts ihrer eindrucksvollen Diskografie an die Berliner Künstlerin haben könnte – nicht ganz so imposant wie gewöhnlich. Allerdings wäre es unfair, hier jeglichen Experimentiergeist abzusprechen. Ich persönlich mag diese Zusammenführung moderner Electro-Sounds mit solchen, die man eventuell gerade aus den 1990er Jahren kennen könnte, aus Bereichen wie der sogenannten „Intelligent Dance Music“!

Note: 2,3

https://www.ellenallien.de/