Daft Punk – Discovery

VÖ: 12.03.2001

Label: Virgin

Genre: (Post-)Disco / Dance / Electronica

Ich weiß, ich habe das sagenhafte Debütalbum der French House-Ikonen schon an dieser Stelle gepriesen. Doch es ist mir gerade, nachdem Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter traurigerweise am 22. Februar ihre Trennung bekannt gegeben haben, ein Bedürfnis, ein weiteres, meiner Meinung nach immer noch unterschätztes Werk aus ihrer Diskografie zu erwähnen und in höchsten Tönen zu loben! Bei aller Klasse einiger Nachfolger von Homework (1997) kann es doch eigentlich nur eines sein, das da in Frage kommt, oder? Es ist vor kurzem 20 Jahre (!) alt geworden und ich wollte es gerade nach dem Split von Daft Punk unbedingt zum Geburtstag auf Platte geschenkt haben. Doch keine Chance, es war ausverkauft! Ich meine natürlich Discovery, das wahrscheinlich nicht nur mir in Erinnerung geblieben ist: wegen der absoluten Hits wie One More Time, wegen der ganzen öffentlichen Diskussion um den damaligen Stilwechsel des Duos von French House- zu Disco-Sounds, den im Anime gehaltenen Musikvideos (die damals im Musik-Fernsehen rauf und runter gespielt wurden), dem unbestreitbaren Nostalgie-Faktor und vielem mehr! Aber der Reihe nach. Ende 2000 erschien besagtes One More Time, das der ganzen Fan-Schar, die das damals knapp 4 Jahre alte Debüt Homework zurecht anbeteten, doch einige Irritationen bereitete. Wollte Daft Punk etwa (auch vor „Cheesiness“ nicht zurückschreckenden) Disco-Pop/R&B (und weiteres wie New Wave, Funk und Jazz) mit „richtigen Song-Strukturen“ machen? Jene Band, die den French House und allerlei „bollernde“ Electro-Sounds mit Brechern wie Around The World, Da Funk, Burnin‘ und vielen anderen einer größeren Hörerschaft zugänglich, auf unvergessliche Weise erfahrbar gemacht – und damit ein Genre geprägt – haben? Warum? Es waren einige, die das zunächst nicht akzeptieren wollten. Ich gehörte schon 2001 als musikalisch nun wirklich nicht gefestigter Teenie nicht zu jener Gruppierung. Ich liebte One More Time und natürlich das dann ein paar Monate später, im Frühjahr des Jahres erschienene Album  Discovery  schon immer, hörte es zu dieser Zeit schon rauf und runter. Auch in der Gegenwart, insbesondere nachdem die für mich irgendwie doch bestürzenden Trennung von Daft Punk, habe ich das Album auf CD – ja, in meinem Auto ist das noch möglich 😊 – nochmal in Dauerschleife laufen lassen. Es bleibt dabei, ich liebe diese Platte immer noch! Es wirkt zu keinem Zeitpunkt veraltet, die Sounds dröhnen so frisch wie anno 2001 aus den Boxen. Daft Punk haben damit etwas erneut geschafft, was sie mit Homework Ende der 1990er Jahre für den House erreichten. Sie beeinflussten mit den Sounds folgende Musiker-Generationen, machten Disco-Sounds wieder salonfähig im Pop, prägten den Produktionsstil usw. Warum wohl hat Kanye West sich ein Harder, Better, Faster, Stronger als Sample-Vorlage vorgenommen, um 2007 mit Stronger einen Hip-Hop-/Electronica-Crossover-Hit zu landen? Waren es vorher die Rock-Fans, denen mit Homework Electro-Klänge schmackhaft gemacht werden sollten, war es diesmal genau andersherum: jetzt sollte klar werden, dass Rock eben cool ist. Daft Punk haben es sowieso seit jeher verstanden, innovativ und gleichzeitig kommerziell erfolgreich zu sein. Ein Song wie Get Lucky mit Pharrell Williams und Nile Rodgers von ihrem letzten Studio-Album Random Access Memories (2013) spricht da wohl Bände, auf dem man sich ja dann erneut auf die Disco-Erforschungsreise begab. Auf Discovery wurden die Grundlagen geschaffen! Das Hit-Quartett um One More Time, Aerodynamic, Digital Love und Harder,Better,Faster, Stronger, die weiteren, ebenso  erfolgreichen Singles Face To Face und Something About Us, aber auch die „heimlichen“ Granaten wie Voyager, Superheroes oder High Life – ach alle Songs – sind von ihren Stimmungen jeweils so unterschiedlich und von ihren musikalischen Stilen her so vielfältig aufgestellt, sie runden ein unvergleichliches Album ab! Sehr traurig, dass diese Band sich aufgelöst hat, aber es bleibt auch hier die Musik. Hört unbedingt ihr absolutes Meisterwerk Homework, aber vergesst mir Discovery bitte nicht!

Note: 1,3

https://www.daftpunk.com/

                                

Beastie Boys – Hello Nasty

VÖ: 14.07.1998

Label: Capitol

Genre: Hip-Hop / Rap-Rock

Das war dann doch etwas kurios! Die damalige Freundin eines Freundes von mir hatte eher einen – nun ja – eher „gewöhnungsbedürftigen“ Musikgeschmack. Als ich einmal mit den Beiden im Auto unterwegs war, ertönten da doch tatsächlich Klänge von Mickie Krause, Jürgen Drews etc. Ist jetzt zugegebenermaßen nicht unbedingt meine Lieblingsmusik! Der Freund sagte daraufhin nur sowas wie: „Naja, aber sonst ist meine Freundin schon echt cool!“…Auf jeden Fall war ich damals in der gemeinsamen Wohnung der Beiden und schaute mir die Musik-Sammlung an. War da schon auf einiges gefasst, wurde zugegebenermaßen auch nicht „enttäuscht“, doch da entdeckte ich doch ein paar Schätze darunter, unter anderem eine wirklich tolle Single von Blumfeld – Graue Wolken (das auf dem tollen 2001er-Album Die Diktatur der Angepassten zu finden ist) – und eine weitere Platte:  Und das war eben eine, die mich aus vielerlei Gründen zum Staunen brachte. Unter anderem fragte ich mich: „Was macht das Album unter all den Mickie-Krausigen Tonträgern?“ Vor allem: „Waaas, die Beastie Boys haben mal Hardcore-Punk gemacht?“ Dieser Fakt war mir bis dahin verborgen geblieben. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie der Titelträger betitelt war (die 1982er-Harcore-Punk-EP Polly Wog Stew ist meines Wissens nach nicht mehr erhältlich). Wahrscheinlich war es eine Compilation. Für mich waren aber die Beastie Boys aus New York immer eine klare Hip-Hop Formation, die diesem Genre und in dem Sinne dem Rap-Rock entscheidende kreative Impulse gegeben hat und einige – mindestens fünf – unvergleichliche Meisterwerke vorgelegt haben. Da wären natürlich Licensed To Ill (1986), Paul’s Boutique (1989) und Ill Communication (1994) – letzteres mit dem legendären Sabotage (und dem zugehörigen grandiosen Spike Jonze – Video)! Und die beiden Tonträger, mit denen ich persönliche Erinnerungen verbinde. Check Your Head (1992) hätte ich hier an dieser Stelle auf jeden Fall erwähnen können. Mein Vater schenkte mr damals eine CD zum Geburtstag und ich hörte sie bis zum Umfallen! Was für ein sagenhaft gutes Werk! Apropos, bis zum Umfallen hören: mit einem Album von den Beastie Boys verbinde ich noch mehr Erinnerungen. Ich nahm es damals mit auf eine Klassenfahrt und es wurde so oft in den Spieler eingelegt, dass sie nachher total zerkratzt war. Es handelt sich um das 1998er-Werk Hello Nasty! Hier kommen die unterschiedlichsten Klänge, Beats, Melodien und Samples (eine wahre Fundgrube!) zusammen, die meisterhaft kombiniert und gewohnt grandios mit den Raps von Mike D, dem 2012 verstorbenen MCA (R.I.P.; nach seinem Tod löste sich die Band auf) und Ad-Rock unterlegt werden. Dazu dann die ganzen Mitwirkenden wie Money Mark, Mix Master Mike, Biz Markie  oder Lee „Scratch“ Perry! Unvergesslich ist – bestimmt nicht nur – für mich das Godzilla-artige Roboter-Video zum meisterhaften Intergalactic (das meiner Tante allerdings überhaupt nicht gefiel, die den von ihr gehörten Song in einem Telefonat mit Jemanden damals als „grauenhafte Musik“ betitelte)! Ach, da gibt es so Vieles! Für mich gerade aus sentimentalen und nostalgischen Gründen meine Lieblingsplatte der New Yorker! Die Beastie Boys waren grandios und es wirklich schade, dass es sie nicht mehr gibt! Aber die Musik bleibt uns! Zum Glück!

Note: 1,0

https://beastieboys.com/

Green Day – American Idiot

VÖ: 27.09.2004

Label: Reprise

Genre: Punk-/Alternative-Rock    

Da sind die US-Wahlen erst ein paar Tage her, da fiel mir ein, dass es da doch mal eine Band gab, die einen Grund sah, ein deutliches Statement zum damals aktuellen sozialpolitischen Geschehen abzugeben. Sie zeigten sich überaus kritisch gegenüber bzw. positionierten sich eindeutig gegen den US-Präsidenten dieser Zeit, George W. Bush. Es war ja bis zu den US-Wahlen 2004 einiges in dessen Amtszeit passiert, insbesondere natürlich der Irakkrieg 2003 und die Terroranschläge am 11. September 2001. Zu den Reaktionen, den Maßnahmen und den Äußerungen der Regierungsverantwortlichen auf die verschiedenen einschneidenden Ereignisse gab es genug zu kommentieren, vor allem dachten Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool an die junge Generation, die mit den Traumata und mit den Maßnahmen und den Folgen umzugehen hat (z.B. jene, die als Soldaten nach Irak oder auch Afghanistan geschickt wurden). Vor allem wurde thematisiert, dass die Regierung bewusst eine Atmosphäre der Angst schaffen und bewusst Lügen verbreiten würde, um in diesem Zusammenhang die folgenden politischen Schritte zu legitimieren.  Zu diesen Themen produzierten Green Day ein Konzept-Album, eine Rock-Oper, die die Geschichte des Jesus Of Suburbia erzählt, ein aus der unteren Gesellschaftsschicht stammender, von Frontmann Armstrong erdachter Charakter, sowie eines Widerstandkämpfers namens St. Jimmy und ein ebenfalls rebellischer Whatsername. Zwar gibt es natürlich Bezüge auf das damalige Politgeschehen – den Zustand der US-Gesellschaft und der Bush-Regierung –, doch so wirklich als politisch wurde das Werk American Idiot gar nicht gesehen, bis auf den vielsagenden Titelsong und Holiday. War diese Band es vorher überhaupt, trotz dieser den Kaliforniern immanenten Punk-Attitüde? Zumindest hatte ich persönlich nicht damit gerechnet, dass ein Album mit sozio-politischen Messages und – no offence! – solch hintergründigen Texten von ihnen erscheint. Zumindest war es so, dass ich den Werken von Green Day nach dem genialen Dookie (1994) – mit diesen fantastischen Kompositionen wie Basket Case, When I Come Around und Longview – selbst nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkte. Es waren ja durchaus gute Alben – Insomniac (1995), Nimrod (1997) und Warning (2000), die allesamt interessante Songs aufboten, z.B. Brain Stew / Jaded, Good Riddance (Time Of Your Life) oder Warning –, die Kritiker/innen waren größtenteils begeistert, doch ich selbst fand nicht den Zugang. Der kommerzielle Erfolg hielt sich ohnehin in Grenzen. Das sollte sich mit American Idiot ändern, im Sommer 2004 hörte ich den besagten Punk-Rock-Titelsong und war sehr angetan, auch heute noch halte ich ihn für einen der besten Vertreter der 2000er Jahre.  Doch ich rechnete wirklich nicht damit, dass das dann ein Monat später veröffentlichte zugehörige Album so großartig werden würde. Grandiose Songs, die in mehrere Abschnitte unterteilt und sehr vielseitig sowie unglaublich offen gegenüber den verschiedensten Genres außerhalb des Punk-/Alternative-Rock angelegt sind (sogar u.a. Lateinamerikanische Musikstile und Polka). Was für Kompositionen, egal ob Jesus Of Suburbia, Holiday / Boulevard Of Broken Dreams, Wake Me Up When September Ends oder Homecoming.  Bis heute gehört das Werk zu meinen Lieblingen. Ich persönlich kann mich auch mit den Texten und den Messages identifizieren. Ich belasse es jetzt mal bei dieser politischen Stellungnahme und ziehe keine Parallelen zur Gegenwart. Ich finde es nur irgendwie passend, dass 2016 das Video zum Song American Idiot in Dauer-Rotation auf VIVA lief. So gut wie auf American Idiot war Green Day danach nicht mehr, war ja auch alles nicht mehr so ambitioniert. Trotzdem, für dieses Werk und Dookie werde ich den US-Amerikanern wohl auf ewig dankbar sein!

Note: 1,7

https://greenday.com/

 

Red Hot Chili Peppers – Californication

VÖ: 08.06.1999

Label: Warner

Genre: Alternative-/Funk-Rock

Es ist schon immer wieder schön zu merken, wie sehr Erinnerungen mit bestimmter Musik verbunden sind. Erst letztens habe ich in einer alten CD-Sammlung im Haus meiner Mutter gestöbert und einige Klassiker entdeckt. Da empfand ich schon ein bisschen Wehmut und auch Trauer, da sie meinem Vater gehörten, der – wie ich ja an dieser Stelle schon öfter erwähnt habe – mich musikalisch sehr geprägt hat. Er war den verschiedensten Genres gegenüber aufgeschlossen, neben Progressive Rock (im Stil von Van der Graaf Generator, Yes oder die „frühen“ Genesis) und generell „Classic“-Rock (à la Led Zeppelin, Black Sabbath, Pink Floyd, Deep Purple etc.) sowie verschiedenen Formen des Jazz (u.a. Miles Davis, Herbie Hancock, Jaco Pastorius) auch eher Selteneres und „Obskures“ als auch eben viele „neuere“ Strömungen, d.h. in dem Fall Bands der 1990er und frühen 2000er Jahre. Neben Electro/Ambient (The Chemical Brothers, The Prodigy, Moby etc.) vor allem auch unterschiedliche Rock- und Metal-Stile (z.B. Pearl Jam oder Rammstein, mit denen er die Nachbarn zu deren „Freude“ oft beschallte). Darunter fanden sich auch die Red Hot Chili Peppers und ihr (später kommerziell unglaublich erfolgreiches) Werk Californication. Mit diesem Album verbinde ich zudem eine weitere Erinnerung: den Kunst-Unterricht in der 10. Klasse. Damals hatten ein Freund von mir sowie weitere Klassenkameraden immer die neuesten Alben der Zeit, die dann gehört wurden, während wir im Kunst-Raum zeichneten, bastelten oder was auch immer machten. Der Lehrer, jetzt aus meiner Erinnerung heraus kein unbedingter Fan, ließ uns aber diese Freude. Dieser Freund (übrigens derselbe, den ich in der The Naked And Famous-Review erwähnte) hatte eines Tages eben jenes Californication dabei. Ich selbst war zu der Zeit noch nicht so ganz entschlossen, was das Musikalische anging, ich hörte viel aus den Charts und aus dem Radio (von 1 Live etc.). Doch es gab immer mal wieder einen Hoffnungsschimmer am Horizont bei mir, immer wieder wurde ich von bestimmter Musik gepackt, neben sowas wie Rage Against The Machine waren es eben jene Red Hot Chili Peppers, die ich vergötterte. Ich mochte ihr Meisterwerk Blood Sugar Sex Magik (1991) mit diesen unglaublichen Hymnen wie Under The Bridge oder Give It Away schon damals, auch das von Fans und Kritikern weniger geliebte One Hot Minute (1995) schätzte ich dank Aeroplane sehr. Doch richtig verliebt war ich in die Musik erst seit Californication, schon ab dem Moment, als die Klänge erstmals im Kunst-Unterricht ertönten. Was für Riesen-Songs darauf versammelt sind! Da wären zunächst die sechs unnachahmlichen Singles des Albums: natürlich Scar Tissue, Around The World (die das Werk großartig einleitet), Otherside, der geniale Titelsong, das wundervoll-introvertierte Road Trippin und Parallel Universe. Aber da sind ja noch die anderen Kompositionen wie das mitreißende Purple Stain, das stimmungsvolle Savior oder das kraftvolle I Like Dirt, ach das ist alles wunderbar. Diese Melodien! Nicht zu vergessen, die Themen, die hier wirkungsvoll und erstaunlich selbstreflektiert verarbeitet werden. Da wären zum einen sehr persönliche Angelegenheiten, wie die jahrelange Drogensucht aller Mitglieder sowie verschiedene Bezugnahmen auf sexuelle Angelegenheiten und auch auf die wechselhaften Momente der Karriere. Doch auch Tod, Selbstmord und gesellschaftspolitische Entwicklungen werden in den Fokus genommen (z.B. Globalisierung oder übertriebener Schönheitswahn). Überhaupt, sind die Leistungen aller Mitglieder hier lobend hervorzuheben. Vor allem Rückkehrer John Frusciante (der Dave Navarro ersetzte) erfüllte die Hoffnung der Band auf eine kreative Fortentwicklung im Sound mit unglaublich (ausdrucks-)starkem Gitarrenperformances. Diese Leistungen aller beteiligten Musiker/innen am Album wurden kongenial eingefangen von Stamm-Produzent Rick Rubin (seit Blood Sugar Sex Magik für sie tätig, erst 2016, auf The Getaway, wurde von den Red Hot Chili Peppers ein Anderer beauftragt, nämlich Danger Mouse)*. Die nachfolgenden Alben konnten da nicht mehr das Wasser reichen, auch wenn ich By The Way (2002) fantastisch finde. Blood Sugar Sex Magik ist vielleicht im Band- und im pophistorischen Kontext das wichtigere Werk, aber rein aus subjektiven Gesichtspunkten, insbesondere wegen der anfangs erwähnten persönlichen Erinnerungen, hat Californication einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen.

* Es gibt allerdings nicht wenige Menschen, die das Album wegen der schlechten Soundqualität, der Übersteuerungen, kritisieren. So soll das Online-Magazin es als „Opfer des Loudness War“ bezeichnet haben (es gab wohl auch eine Petition für eine Überarbeitung laut Wikipedia). Kann sein, stört mich persönlich aber nicht 😊

Note: 1,3

https://redhotchilipeppers.com/

 

Great 2000’s Indie-/Garage-Rock – Meine weiteren liebsten Alben

Interpol

http://interpolnyc.com/

Interpol – Turn On The Bright Lights

VÖ: 19.08.2002

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Interpol – Antics

VÖ: 27.09.2004

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

The Libertines

https://www.thelibertines.com/

The Libertines – Up The Bracket

VÖ: 21.10.2002

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock, Post-Punk

 

The Libertines – The Libertines

VÖ: 30.08.2004

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Kings Of Leon

http://kingsofleon.com/

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

VÖ: 01.09.2003

Label: RCA

Genre: Indie-/Garage-/Southern-Rock

 

The Strokes

http://thestrokes.com/

The Strokes – Room on Fire

VÖ: 20.10.2003

Label: BMG

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Franz Ferdinand

http://franzferdinand.com/

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand

VÖ: 16.02.2004

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Franz Ferdinand – You Could Have It So Much Better

VÖ: 30.09.2005

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Bloc Party

http://blocparty.com/

Bloc Party – Silent Alarm

VÖ: 14.02.2005

Label: V2

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Bloc Party – A Weekend In The City

VÖ: 02.02.2007

Label: V2

Genre: Indie-/Alternative-Rock / Post-Punk

 

Maxïmo Park

https://www.maximopark.com

Maxïmo Park – A Certain Trigger

VÖ: 17.05.2005

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Maxïmo Park – Our Earthly Pleasures

VÖ: 30.03.2007

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Kaiser Chiefs

https://www.kaiserchiefs.com

Kaiser Chiefs – Employment

VÖ: 22.08.2005

Label: Universal

Genre: Indie-/Alternative-Rock

 

Arctic Monkeys

https://www.arcticmonkeys.com/

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

VÖ: 20.01.2006

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-/Punk-Rock / Post-Punk

 

Arctic Monkeys – Favourite Worst Nightmare

VÖ: 20.04.2007

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-Rock / Post-Punk

 

Vampire Weekend

https://www.vampireweekend.com/

Vampire Weekend – Vampire Weekend

VÖ: 22.02.2008

Label: XL

Genre: Indie-Rock / Indie-/Chamber-Pop / Worldbeat

 

Ich habe hier bei den Classics zuletzt zwei Bands mit Alben besprochen, die ich als Initiatoren der 2000er Indie-/Garage-Rock-Welle ansehe: The White Stripes und The Strokes. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag wird die entsprechende Phase als „post-punk revival“ – wahlweise auch „new wave revival“, „garage rock revival“ oder schlicht „new rock revival“ – bezeichnet, was sicherlich zumindest den Kern trifft. Denn die Formationen, die dazu gezählt werden, haben sich die großen Vertreter jener Musikrichtungen zum Vorbild genommen, die in den oben genannten Begrifflichkeiten zum Ausdruck kommen und diesen zugerechnet werden, und haben diese Sounds auf ihre Weise neuinterpretiert. Es gab neben diesen (Post-)Punk-/Garage-Rock/New Wave-Strukturen auch Ausflüge in die unterschiedlichsten klanglichen Bereiche, zum Beispiel Rock’n’Roll, Blues oder Grunge, (in Großbritannien vor allem) in den Britpop, später auch verstärkt in die Electronica und den Worldbeat. Ja, oder generell eine Orientierung hin zum „klassischen“ Indie-Rock der 1980er und -90er Jahre in all seinen verschiedenen Varianten und Ausdrucksformen: Pixies, Dinosaur Jr., The Smiths und uvm. Natürlich ist heute der Begriff „Indie“ zu einem eher schwammigen Begriff geworden. Wenn heute etwas nicht „mainstreamig“ ist, dann wird es mit jenem Prädikat versehen. Was ist heute nicht alles „indie“? So ist es schwer, so wie ich über eine „Indie-Rock-Welle“ zu sprechen, bei deren Bezeichnung nicht jedermann klar wird, welche entsprechenden Bands und Alben gemeint sind. Die anfangs erwähnten Wikipedia-Begriffe sind daher kein Zufall. Es ist nicht immer leicht, alles zu kategorisieren, das wird auch bei meinen Zuordnungen deutlich. Ich nenne es dennoch „Indie-Rock-Welle“ und versuche entsprechende Formationen mit ihren Werken zu benennen, die in den Artikeln solchen Begrifflichkeiten wie „post-punk revival“ zugerechnet werden. Nun, wie so oft in der Pop-Geschichte ist ein Aspekt besonders wichtig. Wenn eine Stilrichtung etwas von ihrer musikalischen und sozialpolitischen Bedeutung verliert, die entsprechenden Sounds langweilig werden, dann ist es wichtig, dass Musiker/innen sich zusammenfinden, um eine Alternative zu starten, mit neuen Klängen auf sich aufmerksam machen und eine nächste Musikrichtung begründen. Im Fall der 2000er-Indie-/Garage-Rock-Welle ist es vielleicht kein konkretes Genre, sondern eher eine Bewegung, aber das spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt auch nicht wenige, die mir gesagt haben, dass in der Zeit keine wirklich neue, „revolutionäre“ Musik produziert wurde, dass nur „alte“ Sounds im Retro-Gewand präsentiert wurden. Dazu möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern. Da gibt es ein interessantes Buch von Simon Reynolds dazu. Wichtig ist, dass mit dieser Indie-/Garage-Rock-Welle eine Alternative zu jenen Musikrichtungen geboten wurde, die vorher an Relevanz verloren hatten: Nu Metal/Crossover, Euro-Dance und was es nicht alles in den 1990ern bis teilweise in die 2000er Jahre hinein hab. Ein in der Pophistorie wie bereits erwähnt normaler Prozess. Es sollte wieder „authentische“, vermehrt auf den Gitarreneinsatz bezogene Musik mit bedeutungsvollen gesellschaftsrelevanten Texten geboten werden, mit einsprechend modischen Trends (u.a. Röhrenjeans, Lederjacken), die vor allem die Jugend der damaligen Jahre ansprechen und sich andererseits von den „Älteren“ abgrenzen sollte. Vor allem die Live-Shows der Bands waren spektakulär! Ich habe allerdings schon ein paar Mal hier bei hicemusic erwähnt, dass ich diese Musik-Bewegung zunächst etwas verschlafen habe. Als die Strokes und die White Stripes auf den Plan traten, war ich passionierter Hörer von Nu Metal-/Crossover- oder auch Mainstream-Pop. Das ist in der Nachbetrachtung ein bisschen schade! Allerdings habe ich dann so 2002/2003 die hier gleich vorgestellten Indie-/Garage-/Punk-Rock/New Wave-Bands mit ihren Alben kennen und lieben gelernt. Es waren zudem die Sounds, auf die ich mich vor allem mit meiner Schwester (mit der ich einige Shows damals besucht habe) als auch meinen Freunden einigen konnte. Die Klänge haben generell meine späten Jugendjahre sowie dann meine Zwanziger – somit den Übergang von der Schule zum Zivildienst und auch noch zum Studium – geprägt und bleiben für mich aus unterschiedlichen Gründen unvergessen. Dazu äußere ich mich im Folgenden. Aus dem Grund, dass ich The White Stripes Elephant  und das Debüt der Strokes (ihr zweites Album habe ich damals nicht erwähnt, weshalb es hier noch einmal auftauchen wird) schon besprochen habe, gehe ich nun auf weitere Bands ein, die zumindest aus meiner persönlichen Sicht heraus mit ihren nicht weniger wichtigen Alben hier im Zusammenhang mit dem „post-punk revival“ genannt werden müssen. Zum Schluss kommen noch Formationen mit ihren Platten zu ihren Ehren, die bedeutsam sind, aber aus Grund, dass eine ausführliche Besprechung hier den Rahmen sprengen würde, nur kurz ohne Text erwähnt werden. Ich wünsche euch viel Spaß, über entsprechende Kommentare und Schilderungen individueller Erlebnisse und Eindrücke würde ich mich sehr freuen! Vielleicht habe ich auch jemand Wichtiges vergessen 😊

 

Interpol – Turn On The Bright Lights / Antics

Ich bin mit den New Yorkern vergleichsweise sehr spät in Berührung gekommen, obwohl sie natürlich als eine der wichtigsten Initiatoren der Bewegung aus dieser Stadt gelten (sicherlich neben den Strokes und den Yeah Yeah Yeahs). Im Spätsommer 2002 – als das Debüt Turn On The Bright Lights da war  – hatte ich sie noch nicht auf dem Schirm, war aber spätestens mit dem ebenso genialen Antics (2004) eingeweiht, fand es zunächst nicht so toll, um dann aber voll drin zu sein in dieser Musik, die vor allem durch die Stimme von Paul Banks geprägt ist. Hat bestimmt nicht nur mich an Ian Curtis denken lassen, dessen Band Joy Division sicherlich ebenso unter anderem Vorbild war wie The Smiths und The Cure. Zwei starke Alben haben Interpol da vorgelegt, wobei ich eigentlich auch noch Our Love To Admire (2007) hätte hinzu zählen sollen.

Turn On The Bright Lights

Note: 1,3

 

 

Antics

Note: 1,3

 

 

 

The Libertines – Up The Bracket / The Libertines

Bei den Libertines ist es ähnlich wie bei Interpol, ich habe sie sehr spät entdeckt! Es gibt eine weitere Parallele: als das zweite Werk 2004 erschien, war ich zunächst aus mir heute unerfindlichen Gründen nicht so gepackt, fand sie in der folgenden Zeit immer besser und muss gerade aus jener gegenwärtigen Perspektive heraus sagen, dass die Briten wohl zu den besten Vertretern des Genres gelten. Sie haben nicht nur mit Up The Bracket (2002) ein geniales Debüt mit herausragenden Hymnen und ebenfalls grandiosen Texten veröffentlicht, sondern mit dem selbstbetitelten Zweitwerk (2004) ein weiteres Meisterstück hinzugefügt. Vor 5 Jahren konnte ich sie nochmal live in Düsseldorf erleben, es war so schön, das unnachahmliche Songwriter-Duo Pete Doherty und Carl Barât mit den anderen Bandmitgliedern wiedervereint zu sehen!

Up The Bracket

Note: 1,0

 

 

The Libertines

Note: 1,0

 

 

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

Okay, das ist wohl eher ein individuelles Ding: ich bin ein Riesenfan des Debüts der US-Amerikaner! Gerade angesichts der Tatsache, dass der Sound der Followills parallel zum steigenden Erfolg stets an Qualität eingebüßt hat, muss ich eine Lanze für Youth And Young Manhood brechen! Wie toll hier die Stimme von Nathan Followill in der großartigen Rockmusik – die sich bevorzugt an Blues und Southern Rok orientiert – zur Geltung kommt! Molly’s Chambers ist beispielsweise eine Wucht!

Note: 1,7

 

 

The Strokes – Room On Fire

Ich habe ja bereits einiges zum Debüt geschrieben, das meiner Meinung nach das stärkste Album der Indie-/Garage-Rock-Welle ist. Doch was ich vielleicht hätte noch erwähnen sollen ist, dass der Nachfolger ebenso ein Klassiker ist! Muss man ja auch erst einmal hinbekommen, nach nur zwei Jahren ein fast ebenbürtiges Werk vorzulegen. Wieder richtig große Songs sind darauf zu finden!

Note: 1,3

 

 

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand / You Could Have It So Much Better

Die Schotten Franz Ferdinand sind ohne Zweifel eine meiner Lieblingsbands. Ich weiß noch genau, wie im Frühjahr 2004 ihr Debüt herauskam, wie es in den Zeitungen gefeiert und wie eine Live-Show im Radio bei Eins Live im „Kultkomplex“ übertragen wurde. Ich war ebenfalls begeistert von solch komplex arrangierten, dabei höchst eingängigen Songs wie Take Me Out oder auch unvergessenen textlichen Großleistungen („Schampus mit Lachsfisch“). Ein Riesenalbum! Dann kam nur ein Jahr später der Nachfolger heraus, der nicht ganz die Klasse erreichte, doch ebenso überragend ist. Unter anderem eiferte man so klasse den Beatles nach (in Eleanor Put Your Boots On)!

Franz Ferdinand

Note: 1,0

 

 

 You Could Have It So Much Better

Note: 1,7

 

 

 

Bloc Party – Silent Alarm / A Weekend In The City

Ich meine, es habe mal früher geheißen, dass die Briten live überhaupt nicht gut seien. Also, immer wenn ich sie gesehen habe, war ich hin und weg. Kele Okereke und seine Mannen haben mit Silent Alarm (2005) richtig eingeschlagen! Wie bei Franz Ferdinand hatte ich glücklicherweise die Gelegenheit sie kennenzulernen, als ihr Debüt erschienen ist und somit ihren Werdegang aufmerksam verfolgen zu können . Klar, Silent Alarm ist der Wahnsinn mit seinen an Gang Of Four oder Joy Division erinnernden Songs. Ich fand aber den experimentellen Charakter des Nachfolgers ebenso überaus fesselnd! Man mag ja von den Electronica-Elementen, die dann auf dem Drittwerk Intimacy noch mehr eingesetzt wurden, halten was man möchte, ich fand es aber immer toll, dass Bloc Party wagemutig waren!

Silent Alarm

Note: 1,3

 

 

A Weekend In The City

Note: 1,7

 

 

Maxïmo Park – A Certain Trigger / Our Earthly Pleasures     

Komischerweise wird die Band aus Newcastle nicht in dem Wikipedia-Eintrag zu „post-punk revival“ erwähnt, ebenso wenig wie in der Liste des ME zu den „besten Alben des neuen Jahrtausends 2000-2015“! Dann ist das eher so eine persönliche Sache, denn meiner Meinung nach ist A Certain Trigger (2005) eine Glanztat, die interessanterweise auf dem Warp-Label erschienen ist, was sonst eher für ambitionierte Electronica bekannt ist. Hymnen, die ich damals als Anfang-Zwanziger rauf und runter gehört habe, mein von Auf und Abs geprägtes Leben damals begleitet haben. Mein Vater war damals überhaupt nicht begeistert. Seine Frage war: „Ist das auf dem Klo produziert worden?“  😊  Der zwei Jahre später erschienene Nachfolger ist ebenfalls bezaubernd. Ich liebe Books From Boxes und Your Urge (mein Geheimfavorit)!

A Certain Trigger

Note: 1,3

 

 

Our Earthly Pleasures     

Note: 1,7

 

 

Kaiser Chiefs – Employment

Von den Bands dieses Genres haben einige heute viel von ihrer Bedeutung verloren. Ich denke aber, dass für mich die Kaiser Chiefs den größten qualitativen Niedergang hingelegt haben. Klar, sie haben zwischendrin etwas aufhorchen lassen, ohne aber lange im Gedächtnis haften zu bleiben. Ach doch, einen Hit gibt es, der auf so ziemlich jeder Feierlichkeit gespielt wurde bzw. wird: Ruby. Aber schon das Album, auf dem der Song zu hören war – Yours Truly, Angry Mob (2007), der Zweitling der Kaiser Chiefs (der Name ist übrigens angelehnt an einen südafrikanischen Fußballverein) – war höchstens Mittelmaß. Aber: das Debüt Employment mit seinen Hymnen und tollen Lyrics ist richtig gut gealtert! Vielleicht ist es deshalb auch erwähnenswert!

Note: 1,7

 

 

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not / Favourite Worst Nightmare

Da bleibt nicht viel weiteres zu sagen als: die Arctic Monkeys sind großartig, die Songs ihres Debüt-Albums sind gerade angesichts ihres damaligen Alters (ich sah 2006 einen Bericht, in dem sie als „Pickelgesichter“ bezeichnet wurden) unglaublich gekonnt instrumentiert, mit einer unvergleichlichen Direktheit, Souveränität und Abgeklärtheit. Was für unvergessliche Songs! Für den Nachfolger habe ich auch sehr viel übrig, da nur ein Jahr später die gute Form bestätigt werden konnte!

Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Note: 1,3

 

 

Favourite Worst Nightmare

Note: 1,7

 

 

 

Vampire Weekend – Vampire Weekend

Es ist einmal an der Zeit, eine Band zu erwähnen, deren Erstling zu einer Zeit erschien, als schon einige gefeierte Formationen des Indie-/Garage-Rock mit ihren zweiten und dritten Werken schwächelten oder gar richtig enttäuschten. Das Rezept: mehr Experimente, Öffnung zu neuen Richtungen wie Worldbeat oder Chamber-Pop. Sozusagen die akademische Version des Indie-Rocks, die aber so locker und lässig daherkommt, mit Hymnen aufwartet und zu jeder Zeit gute Laune verströmt. Man muss sich vorstellen, ich war 2008 mit einer damaligen Freundin im Kölner Gloria, wobei die Show von einer großen Örtlichkeit (ich meine es war das Palladium) in eben jene kleinere umverlegt wurde. Wir hatten ordentlich Spaß! Eine großartige Live-Band, die heute auch schon mehr Leute damit begeistern kann. Von deren Qualitäten konnte ich mich damals dann nochmal bei strömenden Regen auf dem Hurricane Festival 2010 überzeugen! Wie großartig Vampire Weekend sind, haben sie dieses Jahr nach zwei weiteren fantastischen Alben unter Beweis gestellt. Father Of The Bride ist nach wie vor meine Platte 2019!

Note: 1,3

 

 

Weitere Erwähnungen hier:

https://hicemusic.wordpress.com/weitere-erwaehnungen-great-2000s-indie-garage-rock/

The Strokes – Is This It

VÖ: 27.08.2001

Label: RCA

Genre: Indie-/Garage-Rock, Post-Punk

2001 war für mich als damals Fast-Volljähriger ein spannendes und interessantes Jahr, in vielerlei Hinsicht haben sich für mich Änderungen in meinem Leben ergeben. Na klar, ich kann mich gleichzeitig an harte und einprägsame Momente erinnern, zum Beispiel dass mein Vater mich und zwei Freunde vom Nachmittagssport in der Schule abholte und uns mit einem ernsten und von Entsetzen gezeichneten  Gesicht davon berichtete, dass Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers geflogen seien. Gerade zum Ende des Jahres 2001 passierte ja gesellschaftspolitisch einiges, dann kam dann auch im musikalischen Bereich der tragische Tod der großartigen Aaliyah. Ich werde jetzt bestimmt so einiges vergessen haben. Ich weiß aber, dass ich in dieser Zeit neben elektronischer Musik (z.B. von den Chemical Brothers) noch ein Genre bevorzugt gehört habe, das sich schon damals auf dem absteigenden Ast befand (wenn es überhaupt mal wirklich groß war): der Nu-Metal. Ich hörte Limp Bizkit, Korn, Linkin Park (deren erstes Album ich aus heutiger Sicht noch schätze), P.O.D., und Sonstiges. Dadurch entging mir jedoch eine Musikrichtung, die damals doch um einiges spannender war: der Indie-Rock der frühen 2000er Jahre, wesentlich geprägt durch zwei Bands: die White Stripes aus Detroit sowie einem Fünfer aus der Stadt, in der sich das oben beschriebene schreckliche Attentat ereignete: New York City. Ja genau, die Strokes. Fünf junge Männer in ihren frühen Zwanzigern legten 2001, drei Jahre nach ihrer Bandgründung, ihr sagenhaftes Debüt Is This It vor. Ich habe es leider erst später für mich entdeckt (so zu Zeiten der Veröffentlichung des Nachfolgers Room On Fire, also 2003), eben als der Indie-Rock in seiner Blüte stand und einige Formationen mit fantastischen Veröffentlichungen auf den Markt traten. Dann war ich (eben verspätet) Feuer und Flamme für diese Musik! Ich begriff dann als auch endlich, dass ich einige Videos sowohl von den White Stripes (z.B. Stichwort: Lego-Video) als auch eben der Strokes (u.a. Last Nite)schon so um 2001 bereits auf dem von mir so geliebten VIVA Zwei gesehen hatte. Beide Bands wurden zu meinen Favoriten und sind es eben bis heute geblieben. Is This It kann ich (wie The White Stripes‘ Elephant) jederzeit auflegen und bin wieder voll drin, in dieser unwiderstehlichen Mischung aus Indie- und Garage-Rock und etwas Punk-Energie. Aber was war hier das Rezept, dass das so gut funktionierte? War doch der Sound an sich nicht wirklich revolutionär, der neu entdeckt wurde, ebenso wenig wie es jener der White Stripes und der anderen Protagonisten war. Eben wie diese weiteren Repräsentanten der Indie-Rock-Welle der frühen bis mittleren 2000er konnten die Strokes die Klänge der vergangenen Tage – damit zusammenhängend den Spirit und entsprechende Einstellungen und Botschaften – in die (damalige) Jetztzeit transferieren und diesem allem einen modernen Anstrich geben. Dies vor allem mit einer Selbstverständlichkeit, die einem als Hörer verzückt und absolute Hochachtung abverlangt. Im Falle der Strokes waren es die Sounds der späten 1960er und vor allem der 70er Jahre, nicht nur aus ihrer Herkunftsstadt New York: von Velvet Underground über die Stooges, die Ramones, Talking Heads, New York Dolls, vielleicht Blondie oder The Fall und auf jeden Fall Television. Einfach nur genial, wie locker-lässig fantastisch instrumentierte Songs mit absolut einprägsamen Ohrwurm-Melodien geschaffen wurden! Selbst jetzt, nach fast 20 Jahren, kann ich sagen,  dass This Is It überhaupt keine Alterserscheinungen zeigt und von Anfang bis Ende stimmig ist, volle Abwechslung und vollstes Hymnenpotential bietet. Was für Wahnsinnskracher hier vereint werden, neben den monumentalen Singles Hard To Explain, Last Nite und Someday eben so gleichfalls Geniales wie The Modern Age, New York City Cops oder der krönende Abschluss Take It Or Leave It. Vor allem weiß ich noch, dass jene Magie, die hier verströmt wurde, auch auf dem Hurricane-Live-Auftritt 2010 verströmt wurde (obwohl oder vielleicht weil Sänger Julian Casablancas offensichtlich stoned war). Is This It ist nicht nur einer meiner Lieblinge der letzten Dekade, sondern einer meiner All-Time Favorites, ohne Wenn und Aber!

Note: 1,0   

http://thestrokes.com/

 

The White Stripes – Elephant

VÖ:  31.03.2003

Label: XL

Genre: Garage-/ Indie-/ Blues-/ Punk-Rock

Man kennt mich in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis nicht unbedingt als großen FC Bayern München-Fan!  Mir tut mir es immer ein wenig im Herzen weh, wenn bei einem Tor der Fußballer (was ja bis auf ein paar seltene „Krisen“-Ausnahmen sehr oft eintritt) alle Anwesenden in deren Arena den Refrain dieser einen Hymne anstimmen bzw. losgrölen. Ja, Ihr wisst genau welche, na klar Seven Nation Army! Bestimmt nicht nur meiner Meinung nach einer der besten Songs des letzten Jahrzehnts, ein absoluter Wahnsinn! So könnte man ja auch sagen, dass er – wie beispielsweise ein Smoke On The Water oder We Will Rock You – eine der berühmtesten, vor allem auch eingängigsten Rockmelodien aufbietet, bei gleichzeitiger Genialität. Seven Nation Army hat ab Mitte der letzten Dekade (der Ursprung im Fußball-Kontext liegt wohl  in Brügge 2003) Einzug in die Fußballstadien dieser Welt gefunden, was ich keinesfalls verurteile. Irgendwie ja doch auch schön, dass er so beliebt ist. Jack White soll es – glaubt man seinen Aussagen in damaligen Interviews  – schön gefunden haben, dass der Song gegrölt würde. De Sänger  wurde aber – soweit ich mich richtig erinnere – anlässlich der Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz gefragt, ob er mit seiner Bandkollegin Meg den Song live präsentieren wolle, was er dankend ablehnte. Nun gut, die White Stripes haben auf ihrem vierten Album – das auf ohnehin schon geniale Vorgänger, allen voran White Blood Cells (2001, mit bis heute faszinierenden Songs wie Fell In Love With a Girl, Hotel Yorba und Dead Leaves And The Dirty Ground), folgte – keineswegs nur besagte Hymne mit diesem einzigartigen  Gitarren-Riff (das ja bekanntermaßen wie ein Bass klingt, aber eben keiner ist) zu bieten! Elephant hält so viele moderne Klassiker parat, gehört bis heute zu meinen absoluten Lieblingsplatten. Da ist so viel, das eben die Band jenen Jack Whites und seine Ex-Frau Meg (jahrelang hielt sich ja das Gerücht, sie sei dessen Schwester) zu den wichtigsten Vertretern der Indie-/Garage-Rock-Welle Anfang bis Mitte der 2000er (neben Bands wie den Strokes) werden ließ. Neben den genialen musikalischen Zutaten, die hier auch in Bereiche des Blues, Country, Folk, Punk, Lo-Fi und einige mehr hineinreichten und phänomenal zusammengeführt wurden, halfen dabei auch die wunderbaren Texte und die unvergesslichen kunstvollen Videos (was ja auch schon auf die Songs von White Blood Cells zutraf, man denke da nur an den von Michel Gondry gedrehten Lego-Clip zu Fell In Love With A Girl). Wer erinnert sich denn nicht an die fantastischen, kunstvollen Video-Clips zu Songs wie eben Seven Nation Army, des phänomenalen Covers I Just Don’t Know What To Do With Myself (von Sofia Coppola gedreht, mit Kate Moss!) und The Hardest Button To Button (wieder von Michel Gondry! Es gibt dazu auch eine überaus lustige Hommage bei den Simpsons)? Dazu noch all die Songs, die eben keine Singles , aber ebenso atemberaubend sind, zum Beispiel das mit Holly Golightly aufgenommene It’s True That We Love One Another, welches zu meinen heimlichen Lieblingskompositionen der White Stripes gehört.  Elephant ist so groß, ein Meilenstein, den ich immer, zu wirklich jeder Tageszeit, hören kann! Phänomenal! Der Nachfolger Get Behind Me Satan (2005) war zwar auch super, das letzte Werk der leider 2011 aufgelösten Band, Icky Thump, hatte ja zumindest noch den Titelsong zu bieten. Jaja, die anderen Bands von Jack White (The Raconteurs, The Dead Weather) waren zumindest auf den jeweiligen Erstlingswerken richtig klasse, solo war er bisher auch ab und zu ganz gut. Aber so herausragend wie auf dem mal energetischen, mal entspannten Elephant sollte das Duo aus Detroit nicht mehr werden.  Eines  – und das habe ich bei hicemusic schon einmal erwähnt – bedauere ich zutiefst: Ich habe die White Stripes nie live erlebt, mit Jack Whites absolut faszinierenden Gesangs- und Instrumental-, sowie Megs nicht minder beeindruckenden Drum-Performances (sie sang ja auf Elephant auch mehr als passabel  in dem Song In The Cold, Cold Night) . Ein guter Kumpel von mir war in den 2000ern in München, ich bin allzu neidisch auf ihn! Naja, vielleicht kommen sie ja wieder, das wäre zu schön. Ach bitte, Jack und Meg, gebt euch einen Ruck!

Übrigens, der Titel  Seven Nation Army hat seinen Ursprung in dem von Jack White als Kind falsch verstandenen Begriff „Salvation Army“.

Note: 1,0     

https://whitestripes.com/

I Just Don’t Know What to Do With Myself from Charles Édouard on Vimeo.

 

Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf

VÖ: 26.08.2002

Label: Interscope

Genre:  Stoner-/Desert-/Alternative-/Hard-Rock

Neben Radiohead gibt es eine Band, die – egal welche Platte sie machen – wohl auf ewig meine Lieblinge bleiben werden! Doch dazu später mehr, zuerst zu etwas Persönlichem: Ich kann 2002 als das Jahr bezeichnen, in dem ich in Bezug auf Musik – naja, sagen wir mal – geschmackssicherer wurde, mein Interesse bewegte sich großen Schrittes weg von den chartsrelevanten Acts der Bravo Hits-Sorte. Ich widmete mich langsam mir damals noch weitgehend unbekannten oder zumindest noch nicht ausgiebig erforschten Genres wie der „ambitionierten“ Electronica (Aphex Twin, Boards Of Canada etc.) oder dem Indie-Rock (The White Stripes, The Strokes etc.). Natürlich hatte mir mein Vater schon einige Classic-Platten vorgestellt und -gespielt, doch es schummelte sich immer mal wieder ein „Charts-Act“ dazwischen. Ich möchte jetzt auch nicht behaupten, dass ich ab dann total geschmackssicher war  (wer ist das schon? Zudem gibt es ja auch in den Hitparaden immer mal etwas, was doch „ganz okay ist“ oder „total klar geht“). Aber formulieren wir es mal so: es gab immer noch Musikrichtungen, die ich früher klasse fand, jetzt eher nicht mehr, z.B. vieles aus dem Bereich des Nu Metal. Dennoch, es deutete sich an, dass ich endlich zu für mich interessanteren Sounds fand. Lag vielleicht daran, dass ich mit einem Kumpel damals im Fehmarn-Urlaub einige tolle Musikstücke – mit einem MD-Player (!) –  am Strand hörte und wir uns ausgiebig über unsere Entdeckungen austauschten.  Das war im August 2002, als mir erstmals ein Song zu Ohren kam, der mich unmittelbar gefangen nahm: er nannte sich No One Knows. Das war Rock, wie er mir gefiel, mit enorm aggressiver Energie! Dann sah ich das zugehörige fantastische und ordentlich  ausgeflippte, von Dean Karr und Michel Gondry gedrehte Video – und war hin und weg! Aber: Ich kannte diese Band bis dahin nicht! Ich hatte nichts oder kaum etwas – ich erinnerte mich dann bruchstückhaft an Klänge von Feel Good Hit Of The Summer  – von den beiden schon genialen Vorgänger-LPs (Queens Of The Stone Age und Rated R) gehört. Von den ebenso legendären Kyuss ganz zu schweigen, bei denen der Frontmann jener Band zuvor aktiv war. Ja, ich weiß, das ist krass 🙂 Okay, im angesprochenen Video erkannte ich den Drummer, das war kein Geringerer als Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters)! Aber wer waren denn die Anderen? Heute weiß ich, da waren der besagte Frontmann Josh Homme, Mark Lanegan (bei dessen Band Screaming Trees Homme auch mal kurz mitspielte) und damals auch noch: Nick Oliveri. Am 26. August 2002 kam dann das zugehörige Album der Queens Of The Stone Age heraus, Songs Of The Deaf, das neben der besagten Single unter anderem First It Giveth, Go With The Flows (beide waren gleichfalls Singles), Hangin‘ Tree, den Mosquito Song und A Song For The Deaf aufbietet!…ach was, da sind alle Songs der Wahnsinn, kein Schwachpunkt findet sich darunter!  Ich bin der Meinung, dass es noch heute zu den besten Rock-Alben der 2000er Jahre, wenn nicht aller Zeiten gehört! Da ist so vieles, was es für die Ewigkeit auszeichnet: die exzellente Zusammenführung der Spielarten des Rock mit  Metal, Punk, Grunge, Psychedelia – von deren Gegenwart und Vergangenheit –, die unfassbar guten Gäste, die unvergleichlichen, die Radiolandschaft aufs Korn nehmenden Moderationsansagen („Clone Radio“) zwischen den „Songs For The Deaf“ (die diese kongenial einleiten), das geniale Songwriting, der unfassbare Abwechslungsreichtum – z.B. in Bezug auf Instrumentenwahl oder die vorgetragenen Stimmungs- und Tempiwechsel!.Vor allem: Was haben die Mitglieder nicht alles geleistet: der Gesang ist von allen drei Beteiligten  – Homme, Lanegan und Oliveri (letzterer war für die Begleitung der „härteren“ Passagen verantwortlich – perfekt vorgetragen! Nicht zu vergessen die Genialität des ekstatischen Schlagzeugspiels Grohls! Das Bassspiel von Oliveri! Die Riffs, das generell phänomenale Zusammenspiel!  Ein bahnbrechendes Wahnsinnswerk, das so wunderbar eingeleitet wird von den Worten eines Radio-DJs: „I need a saga“. Dieser gibt sich auf seine Frage „What’s the saga?“ hin selbst die Antwort: „ It’s Songs for the Deaf.“  Wie recht er hat!!!  Noch etwas dazu: Es passiert mir übrigens immer wieder vor dem ersten, von Oliveri gesanglich vorgetragenen  Song You ThinkI Ain’t Worth A Dollar, But I Feel Like A Millionaire,  dass ich bei ihm viel zu früh laut aufdrehe. Denn besagte Sätze des Radio-DJs, die wiederum auf die Melodie eines im Hintergrund ertönenden Liedes, das Zuschlagen einer Autotür und ein Radio-Jingle (unvergleichlich: „Clone Radio – we play the songs that sound more like everyone else than anyone else – Clone“) sowie ein kurzes Intro folgen, sind ja noch ruhig. Doch dann: unvermittelt beginnt ein absolut energetisches Gitarrenspiel und der gleichfalls kraftvolle Gesang  Oliveris! Ich erschrecke mich jedes Mal! Nach Songs For The Deaf waren „Gast“ Grohl und Oliveri weg, eine Schande! Die Nachfolger waren zwar immer noch großartig, keine Frage, aber reichten allesamt nicht mehr an das Meisterstück heran. Oder wie die leider verstorbene Natasha Shneider es kurz vor dem Titelsong in ihrer Ansage passend ausdrückt : „Here is something you should drop to your knees for, and worship“!

P.S.: Es bleibt auch Zeit, einfach mal einen nur von Lachern der Mitglieder begleiteten kurzen „Song“ aufzubieten. Schöner Quatsch, aber natürlich ebenso große Klasse 🙂

Note: 1,0

http://qotsa.com/

 

Radiohead – OK Computer / Kid A / Amnesiac  

Radiohead – OK Computer

VÖ: 13.07.1997

Label: Parlophone

Genre:   Alternative-/Art-Rock

 

Radiohead – Kid A

VÖ: 02.10.2000

Label: Parlophone

Genre: (Alternative-/Experimental-/Post-/Progressive-)Rock / Electronica / Ambient

 

Radiohead – Amnesiac

VÖ: 05.06.2001

Label: Parlophone

Genre: (Alternative-/Experimental-/Post-/Progressive-)Rock / Electronica

 

Die Briten Radiohead gehören zweifelsohne zu meinen All-Time Lieblingsbands, das wird sich bestimmt niemals ändern! Ich werde ihnen auf ewig dankbar sein für ihren Mut, ihren unbedingten Willen, der Pop-Musik DEN innovativen Stempel aufzudrücken, dabei null Kompromisse eingegangen zu sein, sich von den gängigen, konventionellen Strukturen entfernt zu haben! Damit beziehe ich mich vor allem auf jene Phase kurz vor und nach der Jahrtausendwende, als drei gigantische Werke entstanden, die mich auch heute noch jedes Mal  gefangen nehmen, mich fragen lassen, wie es nur möglich ist, solch überwältigende Musik produzieren zu können. Meine ersten Erinnerungen habe ich an Radiohead in Zusammenhang mit einer MP3-Sammlung eines Kumpels, die ein paar Songs ihres zweiten, auch schon fantastischen  Studioalbums The Bends (1995) enthielt, ich meine es waren High And Dry und Street Spirit (Fade Out). Es muss so 1997/98 gewesen sein, als OK Computer bereits erschienen war. Mir wurde schon damals irgendwie klar, dass die Musik der Briten um Thom Yorke kaum noch mit den damals vorherrschenden Britpop- und Alternative-Rock-Klängen der 1990er Jahre gleichzusetzen ist. Denn auch auf besagtem Zweitling deuteten sich, im Gegensatz zum Debüt Pablo Honey (1993) – das bis ein paar Ausnahmen, allen voran das sensationelle Creep (mit dem wahnsinnig genialen Gitarren-Sounds von Jonny Greenwood, die schon damals aus seiner Unlust heraus entstanden, die ursprünglich vorgesehenen konventionellen Melodien zu spielen) noch nicht so wagemutig daherkam – erste unkonventionelle Elemente an. Ja, und dann erschien das erstmalig komplett von ihrem späteren Langzeitproduzenten Nigel Godrich betreute OK Computer, ein Meilenstein in der Diskografie von Radiohead, der noch einmal eine gehörige Schippe drauflegte in Sachen Innovation. Es ging um höchst verstörende und beängstigende Themen, unter anderem um Isolation, Entfremdung, um die Verlorenheit des Individuums in der Gesellschaft (mit Verweis auf Literatur, z.B. von Noam Chomsky und Douglas Adams). Vor allem das Musikalische: erste Schritte in eine komplett andere Richtung, man begab sich auf die Spuren Pendereckis und anderer Komponisten zeitgenössischer Avantgarde, es flossen Elemente des Art- und Progressive-Rocks ein. Absolute Spitze, mit herausragenden Songs wie Paranoid Android, Karma Police uvm., auf einem Werk, das so viele nachfolgende Künstler/innen inspirieren sollte  Musik, die jederzeit die verschiedensten Wendungen nimmt, sich niemals auf der Stelle bewegt, sondern vor Ideen nur so strotzt! Wie so oft, habe ich etwas gebraucht, um die Musik in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Aber als es dann so weit war, war ich hingerissen. Ja und dann: Ende 2000 der absolute Wahnsinn, Kid A. Thom Yorke sang weiterhin über höchst „unbequeme“ Themen, begleitet von wagemutigen Klängen und Rhythmen, erzeugt von einem vielseitigen Instrumentarium (u.a. einer Ondes Martenot), inspiriert von den unterschiedlichsten Genres, die hier phänomenal vereint wurden.  Progressive-, Experimental-, Art- und Post-Rock, Jazz, Neue Musik, Ambient (Vorbilder: Brian Eno über Pink Floyd, Can, Neu! bis Miles Davis uvm.), vor allem ambitionierte Electronica, Yorkes Begeisterung für Künstler/innen wie Aphex Twin, Boards Of Canada, DJ Shadow, aber auch Kraftwerk hatte durchschlagende Wirkung erzielt! Kid A ist eines der besten Alben der 2000er Jahre für mich, wenn nicht sogar aller Zeiten! Etwa ein halbes Jahr später kam dann noch Amnesiac heraus, das alles andere als ein „Kid A 2“ ist, ebenso großartig wie die beiden Vorgänger, mit einem monumentalen Pyramid Song (diesen hörte ich zum Zeitpunkt des Releases während einer nächtlichen Autofahrt, er zog mich sofort in seinen Bann) und einer weiterhin festzustellenden beneidenswerten Kompromisslosigkeit. Danach brachte das Quintett weitere geniale Alben (u.a. Hail To The Thief, In Rainbows) heraus, dennoch sind die hier aufgeführten Werke meine absoluten Highlights! Radiohead, my heroes!

Alle drei Werke OK Computer / Kid A / Amnesiac

Note: 1,0

http://www.radiohead.com/deadairspace

OK Computer

 

 

Kid A

Radiohead – Everything In Its Right Place from Clare Zhou on Vimeo.

Radiohead – Idioteque [Kid A] from faustidioteque on Vimeo.

Radiohead – Optimistic [Kid A] from faustidioteque on Vimeo.

 

 

Amnesiac

 

Aphex Twin – Selected Ambient Works 85-92

VÖ: 12.02.1992

Label: R&S

Genre: Ambient(-Techno) / Electronica

Ich weiß noch genau, wie ich ziemlich genau zur Jahrtausendwende in Köln durch die Filiale einer bekannten Elektrohandelskette lief, sicherlich eher etwas aus der Richtung Rock/Pop kaufen wollte, mich aber in der Electro-/Techno-Ecke „verirrte“. Dort blieb ich unmittelbar vor einer Maxi-Single stehen, die ein stranges Cover veranschaulichte. Es gab darauf einen Bikini tragenden Frauen-Oberkörper zu sehen, der Kopf ließ sich aber ganz klar dem eines Mannes zuordnen. Mein Interesse war geweckt, ich hörte in die CD herein, war aber damals noch nicht so angetan, weil die Musik mich eindeutig überforderte. Einige von Euch werden wissen, worauf ich mich beziehe. Genau, es handelt sich um den meisterhaften Track Windowlicker von  Richard D. James* (dessen Kopf übrigens auf besagtem Cover veranschaulicht wird), der sich in der Electro-Szene unter unzähligen Pseudonymen einen Namen gemacht hat, von denen Aphex Twin aber das sicherlich bekannteste ist, weil er unter diesem Alias aus musikhistorischer Sicht die wohl durchschlagskräftigste, künstlerisch wertvollste Arbeit abgeliefert hat. Ich lernte diese im Verlauf der frühen bis mittleren 2000er Jahre zu schätzen, sah bei  VIVA Zwei oder im Nachtprogramm von MTV die auch heute noch absolut unheimlich-verstörenden, gleichfalls faszinierenden (von Chris Cunningham inszenierten) kunstvollen Videos zu besagtem Windowlicker und vor allem Come To Daddy (Vorsicht, Alptraumgefahr!) an. Das oben beschriebene Cover sah ja schon befremdlich aus, aber die Fratzen die hier teilweise, auch auf früher erschienenen Alben (auf dem 1995 veröffentlichten I Care Because You Do und insbesondere dann auf dem ein Jahr später produzierten Richard D. James Album) zu sehen waren, ließen mich ordentlich gruseln. Die Musik war größtenteils aggressiv, bot pumpende, komplexe und ambitionierte, oftmals auch eine unheilvolle Stimmung vermittelnde Drill ‘n‘ Bass- / Acid- / Jungle-, generell „härtere“ Electronica-Sounds, die sich der Bezeichnung „Intelligent Dance Music“ zuordnen lassen. Gleichzeitig lernte ich ebenso in diesen Jahren die „sanfte“ Seite des Aphex Twin kennen, die fast schon harmonisch-hypnotischen, häufig von Tasteninstrumenten getragenen, gleichfalls an Brian Eno und Erik Satie orientierenden Ambient-Sounds kennen, zunächst das ebenso mit einem tollen Video ausgestattete (von Ex-Pulp-Sänger Jarvis Cocker inszenierte) On (lief auch im Nachtprogramm des damaligen Musikfernsehens), später auch Tracks wie Alberto Balsalm oder den auf Drukqs (2001) befindlichen Avril 14th. Später sah ich schließlich ein Video auf Youtube, es lief damals in der legendären MTV-Electro-Sendung Party Zone. Gemeint ist jenes von Ageispolis, das wiederum auf dem atemberaubend guten Debütalbum zu finden ist: Selected Ambient Works 85-92. Natürlich gibt es einige grandiose Werke in Richard D. James‘ Diskographie, dies hier ist aber aus einem bestimmten Grund sicherlich nicht nur für mich das bedeutendste. Der Brite wurde 1971 geboren, wie sich am Titel des Albums bzw. den darin angegebenen Jahreszahlen erkennen lässt, stammen die Tracks aus einer Zeit, als dieser zwischen 14 (!) und 21 alt war. Beachtet man nun, dass damals die produktionstechnischen Mittel noch nicht in vergleichbarem Maße verfügbar waren wie heute, James sich die Sounds durch sein vorhandenes Know-how  in unglaublicher Feinarbeit selbst zusammenbastelte, so kann man doch nicht anders als voller Bewunderung für die Leistungen dieses Mannes zu sein. Hier wurden die Grundlagen für die späteren Klänge auf den weiteren großen Alben gelegt! Ambient dominiert, doch auch die unbequem-„härteren“, gruselig angehauchten  Sounds schimmern hier schon durch, alles garniert mit den feinsten Samples, wie etwa aus Gene Wilders Charlie und die Schokoladenfabrik in We Are The Music Makers. Auch wenn nicht alle Klänge hundertprozentig zeitlos klingen, so stellt Selected Ambient Works 85-92 in meinen Augen einen Geniestreich dar, der unglaublich viele nachfolgende (Electro-)Künstler/innen beeinflusst und mich ebenso unendlich begeistert hat!

* Es gibt zu Windowlicker eine nette Szene in dem fabelhaften Film High Fidelity zu sehen.

Note: 1,0    

http://warp.net/artists/aphex-twin/

 

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