Neil Young & Crazy Horse – Barn

VÖ: 10.12.2021

Label: Reprise

Genre: Folk / Rock

Gerade kurz bevor auch das Jahr 2021 beendet ist, veröffentlicht der Altmeister Neil Young ein neues Album. Nach seinem letztjährigen Werk, dem absolut großartigen Homegrown (mit super aufbereiteten Sounds aus Mitte der 1970er Jahre), hat Neil Young nun Barn veröffentlicht. Der Titel gibt so ein bisschen den Weg vor: es geht um die Scheune, in deren Besitz er und seine Frau Daryl Hannah sind, deren landschaftliche Umgebung, die Erinnerungen und Begebenheiten, die sie und andere Menschen damit verbinden, und so ziemlich alles, über das in Verbindung mit Folk- und klassischem Rock gesungen wird. Das ist auf keinen Fall despektierlich gemeint – ich finde Young ist da auf dem Gebiet des Songwritings immer noch eine der Größten -, es ist aber in dessen Kontext nicht allzu neu. Von einigen Musikkritiker/innen werden schon die höchsten Lobeshymnen angestimmt. Vielleicht habe ich die Qualitäten des Albums in der Gänze noch nicht ganz nachvollziehen können, aber ich empfinde Barn als ein gutes, hochklassig produziertes, aber nicht geniales Werk. Was sagt ihr dazu? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3     

https://neilyoungarchives.com/

Courtney Barnett – Things Take Time, Take Time

VÖ: 12.11.2021

Label: Marathon Artists

Genre: Indie-/Alternative Rock

Die Sparte „Kontrovers“ habe ich vor einigen Jahren ins Leben gerufen, um zu zeigen, dass ich nicht immer der gleichen oder ähnlichen Meinung von Kritiker/innen aus Fachzeitschriften, Online-Magazinen und anderen Medien bin. Das Abfeiern oder das Abwerten von Alben kann ich nicht grundsätzlich nachvollziehen. Da gab es ja schon einige Beispiele. Andererseits habe ich es oft schon gehabt, dass ich schon ähnlicher Meinung war, ich ebenfalls positive Ansichten über ein Werk vertreten habe. Meistens war von einem Meisterstreich die Rede, aber ich war noch nicht vollauf begeistert. Nun, jetzt angesichts des Erscheinens von Things Take Time, Take Time, dem neuen Album der gefeierten australischen Künstlerin Courtney Barnett, ergibt sich noch eine weitere Ausgangslage. Denn die Kritiken – zumindest in deutschen Medien – sind größtenteils noch etwas verhalten, was angesichts der Reaktionen, die es auf die Vorgänger gab, mich schon etwas verwundert. Jammern auf hohem Niveau sozusagen! Es liegt wohl daran, dass ich das Werk richtig klasse finde. Nein, es ist kein Meisterwerk, aber ich bin da im Vergleich zu manchen Kritiker/innen doch schon begeisterter. Es gibt erneut wieder spannende als auch entspannte Perspektiven auf das Alltagsleben, mit Humor und textlichen Feinheiten kombiniert. Die Songs haben direkt ihre Wirkung bei mir erzielt, weil mir ebenfalls der musikalische Aufbau mit originell-lässigen Melodie- und Harmoniestrukturen (wie in Rae Street, Turning Green oder Write A List Of Things To Look Forward To) zusagt. Nein, Things Take Time, Take Time ist wie bereits erwähnt auch in meinen Augen kein Meisterwerk, jedoch schon ein weiteres sehr gutes Album in der eindrucksvollen Diskografie der charismatischen Sängerin, oder nicht? Was sagt ihr zu der Platte? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,0

https://courtneybarnett.com.au/

Elbow – Flying Dream 1

VÖ: 19.11.2021

Label: Polydor

Genre: Indie-/-Art-Pop/-Rock

Ist es übertrieben von mir, wenn ich sage, dass die britische Band Elbow zu den bewundernswertesten Bands unserer Zeit zählt? Denn das Quartett um Guy Garvey ist in den 24-Jährigen ihres Bestehens in den weiten Klangfeldern des Pop-Rock unterwegs und hat es auf neun Studioalben irgendwie doch immer wieder geschafft, ein qualitativ hohes Niveau zu halten. Zwischen „Post-Brit“-/Indie-Pop und Indie-/Alternative/Art-Rock pendelnd wurden immer wieder wundervolle, wahnsinnig mitreißende, sanft-verträumte Melodien erschaffen, die gleichzeitig eingängig sind als auch experimentellen Charakter aufweisen können. Man nehme nur das fantastische Frühwerk von Elbow, das meiner Meinung nach auf Leaders Of The Free World (2005) einen kreativen Höchststand erreichte und mit The Seldom Seen Kid (2008) fulminant bestätigt werden konnte. Doch auch seitdem sind die Alben wie bereits erwähnt von hoher Qualität. Was ist da das Geheimnis? Wohl der straighte Weg zwischen Vertrautheit und Experimentierwille sowie Bombast und Sanftheit, aber natürlich ebenfalls die hintergründigen und reflektierten Texte, mit denen Guy Garvey und Co. immer wieder punkten. Auf Flying Dream 1 schlägt sich dies in grandios-instrumentierten Songs mit erneut wundervollen Melodien und Lyrics (z.B. über Liebe und Glück) nieder. Die ruhigeren Parts dominieren, doch es wird nie kitschig oder verkrampft. Eine Qualität, die Elbow eben auszeichnet. Ganz in der Tradition von den Großen des Pop wie Peter Gabriel. Fesselndes Album mit ausgesprochen hohem Wachstumspotential!  

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://elbow.co.uk/

        

James Blake – Friends That Break Your Heart

VÖ: 08.10.2021

Label: Republic

Genre: Soul / R&B / Pop / Electronica

Auf dem vor knapp einem Jahr veröffentlichten Covers hatte es sich angedeutet, dass die Electronica-Elemente zugunsten der Soul-/Pop-/R&B-Klänge reduziert werden. Letztere kann der 33-jährige Londoner ohne Zweifel ebenfalls fantastisch umsetzen, allein durch die Präsenz seiner Stimme. Nun gut, Electronica-Sounds sind nicht gänzlich verschwunden, auch wenn wahrlich die Post-Dubsteb-Zeiten, die er so raffiniert und genial mit seinem unverwechselbaren gleichnamigen Debüt eingeläutet hat, der Vergangenheit angehören. Es ist ja auch zehn Jahre danach ziemlich klar, dass dieser „basslastige“ Elektro-Soul-Pop ein paar Veränderungen bedarf. Andererseits wäre es seltsam, wenn James Blake nicht mehr innovative Soundforschungen betreiben würde. So war es ja auch so, dass einige – ebenfalls namhafte – Künstler/innen auf seine Produktions-Skills gesetzt haben, und das sicherlich nicht ohne Grund! Auf Assume Form  (2019) deutete es sich an, dass neue Töne angeschlagen werden, die sicherlich von den Produzenten-Jobs beeinflusst waren. Allerdings meiner Meinung nach nicht zum Nachteil, größere Präsenz in der Öffentlichkeit und mehr Pop-Elemente im Sound könnten ja auch nicht immer zum Vorteil sein. Klar, vielleicht war die Innovationskraft der frühen Tage nicht ganz erreicht, aber dennoch gingen von dem Künstler weiterhin wichtige Impulse im Spannungsfeld von Pop/Soul/R&B/Electronica aus. Jetzt wo Friends That Break Your Heart erschienen ist und die Kritiken – für James Blake-Verhältnisse – noch einigermaßen zurückhaltend ausfallen – stellt sich für mich die Frage: wie gut ist dieses Album wirklich? Ich finde, dass die Fokussierung auf Soul/R&B, der immer wieder mit anderen Elementen aus anderen Genres gewürzt wird, irgendwie dennoch spannend bleibt. Blake singt erneut vornehmlich über seine Gefühlswelten, in gewohnt ehrlicher und direkter Form. Dabei springen wieder einige tolle Songs heraus, wie z.B. Say What You Will, I’m So Blessed You’re Mine oder Foot Forward. Also, ich finde das Werk wieder gut, auch wenn es den Vergleich mit einigen Vorgängern – geschweige denn dem Debüt – nicht ganz standzuhalten scheint. Wie ergeht es euch mit dem Album? Seid ihr auch begeistert oder eher ernüchtert? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)    

https://www.jamesblakemusic.com/   

The War On Drugs – I Don’t Live Here Anymore

VÖ: 29.10.2021

Label: Atlantic

Genre: (Indie-/Heartland-)Rock / Americana

Das neue Album von Adam Granduciel und seinen Jungs bekommt ja ganz und gar positive Kritiken, sowohl von den internationalen als auch den einheimischen Musik-Medien. Nur ein paar gewählte Auszüge aus den Lobeshymnen: „Einmal mehr versetzt die Produktion ins Staunen, die so detailverliebt daherkommt, dass die ausufernden Songs (…) nie an Spannung verlieren.“ / „A DEEPER UNDERSTANDING (2017) war schwer zu toppen, I DON’T LIVE HERE ANYMORE marschiert davon unbeeindruckt schnurstracks in den obersten Pop-Olymp. Hymnen hatten schon lange nicht mehr diese unverkrampfte Leichtigkeit und würdevolle Eleganz. The War On Drugs klopfen ans Stadion. Bruce Springsteen öffnet lächelnd das Tor.“ / „(…) kompositorische Klang-Kathedralen (…), die den Gestaltungswillen von ehrlicher Kunst in sich tragen.“ / „The fifth album from Adam Granduciel and co. chips away some of their hazier edges in favor of sharper melodies, broadening the borders oft he meticulous yet joyously simple sound he has perfected.“ Was soll man da nur sagen, wenn alle Reaktionen auf ein Album so durchgehend positiv sind? Man sich als Hörer mit einem Werk beschäftigt, das den ganz Großen der Americana und des Heartland- /Roots-Rock wie oben erwähnter Bruce Springsteen, Neil Young, Tom Petty, Bob Dylan, Dire Straits etc. huldigt und mit modernem Anstrich diesen unverwechselbaren Charakter verleihen? Ein Album, auf dem so wie bei diesen Idolen großartige Geschichten erzählt und ganz große Gefühle aufgefahren werden? Nun ja, ich muss mich da einfach positionieren: ich habe aus gutem Grund die oben erwähnten Auszüge erwähnt, denn diese geben zu 100% das wieder, was ich auch beim Hören von I Don’t Live Here Anymore empfinde! Ein wahrer Meisterstreich, mit Songs, die sich festsetzen und klar machen, dass The War On Drugs zu den wichtigsten Bands unserer Zeit gehören, und das sicherlich nicht nur im Americana-/Heartland-Rock-Sektor!

Note: 1,7  

https://www.thewarondrugs.net/ 

  

            

Isolation Berlin – Geheimnis

VÖ: 08.10.2021

Label: Staatsakt

Genre: Indie-Pop/-Rock

Das Faszinierende für mich an deutscher/deutschsprachiger Pop- und Rock-Musik – und ich betone dabei: sie muss nicht zwangsweise aus dem Indie-Bereich kommen – ist oft, dass sie mich packt, wenn sie einmal gutes Songwriting aufweisen kann und vor allem von den tradierten, „radiophilen“ Strukturen abweicht. Das war bei mir in der Vergangenheit nahezu immer so. So habe ich letztens in zwei Shows der hicemusic Live Show mich einigen deutschsprachigen Songs gewidmet, die wahrlich den verschiedensten Genres entsprangen, aber auf jeweils unterschiedliche Weise ihren Eindruck hinterließen. Da gab es ja auch so einige Spielarten. Man denke nur an die ganzen Bands der Hamburger Schule, die aufgrund ihrer Texte, die auf unvergleichliche Weise mit der deutschen Sprache experimentierten – der Slogans, ihrem generellen Appeal für viele Hörer/innen u.a. – bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Und es musste ja nicht unbedingt (sozial)politisch oder intellektuell sein. Okay, auch in anderen Genres nicht. Die Band Isolation Berlin um Frontmann Tobias Bamborschke, die insbesondere im Bereich von Indie-Pop/-Rock und Post-Punk musizieren, habe ich vor kurzem im Radio vorgestellt, mit ihrem grandiosen Fahr weg (aus dem meisterlichen 2016er Werk Und aus den Wolken tropft die Zeit). Die aus der Bundeshauptstadt stammende Formation hat nun ihr viertes Album Geheimnis veröffentlicht, das mich – ähnlich wie die wundervollen Vorgänger – erneut aufgrund des souveränen Umgangs mit Sprache, der herrlichen offenen, sarkastisch-humorvollen Art der Abrechnung mit alltäglichen Problemen, Phänomenen und Klischees sowie dem unvergleichlichen Können, detailverliebte und vielseitige Melodien zu erschaffen, fasziniert. Mein absolutes Highlight und wahrscheinlich auch schon Songs des Jahres ist Enfant Terrible, in dem aus der Sicht eines Künstlers erzählt wird, der wahrhaft schwerlich seine inneren Gedankengänge und seine für die Mitmenschen scheinbar nicht zu ertragenden Art zu reflektieren versteht. Absolut großartig! Aber auch andere Lieder wie der Titelsong, (Ich will so sein wie) Nina Hagen, Ich hasse Fußballspielen, Stimme Kopf oder Private Probleme sind außergewöhnlich. Ganz sicher eines meiner Alben des Jahres, ohne Zweifel!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://www.isolationberlin.de/

 

              

Die Ärzte – Dunkel

VÖ: 24.09.2021

Label: Hot Action

Genre: Punk-/Alternative-Rock / Pop-Punk

Es ist nicht einmal ein Jahr her, als die Ärzte das wirklich gelungene Comeback-Album Hell nach 8 Jahren Platten-Pause vorlegten. So schrieb ich damals: „(…) vor allem die Texte sind wirklich gut geraten, mit gewohnt bösen, bissigen, ironischen und lustigen Stellungnahmen zu Politik und Gesellschaft. Natürlich fehlt da nicht der Klamauk, aber es sind eben diese direkten Statements zu zum Beispiel Rechtsextremismus, Schönheitswahn oder Chris Hemsworth, die mir imponieren.“ Vor allem möchte ich in diesem Zusammenhang betonen, dass mir der klamaukige Stil gerade bei den Ärzten sehr oft ja auch gefallen hat. Vor allem dann, wenn jeglicher Respekt gefehlt hat, der Humor mehrere Ebenen aufbot und hinter dem Ganzen eben besagte bissige Kommentare zu zeitgemäßen Geschehnissen und Entwicklungen steckten. Jetzt ist der Gegenpart zu Hell – ja Dunkel eben – erschienen. Und dieser Nachfolger ist mit gemischten Kritiken bedacht worden, was ich total nachvollziehen kann. Irgendwie bleibt kaum eine Textzeile bei mir hängen, kaum ein Song hinterlässt mit seiner Melodieführung Eindruck. Es wirkt alles so verkrampft, gerade im direkten Vergleich zu Hell. Nein, Dunkel ist für mich keine Katastrophe, das Album ist schon gut produziert, dennoch bleibt wie gesagt kaum etwas hängen. Und das ist schon – vielleicht auch aus meinem Respekt für Die Ärzte heraus – enttäuschend für mich. Was sagt ihr zu dem Album? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 3,0

https://www.bademeister.com/aktuell

Sufjan Stevens & Angelo De Augustine – A Beginner’s Mind   

VÖ: 24.09.2021

Label: Asthmatic Kitty

Genre: Indie-Folk/-Rock / Lo-Fi

Ich schreibe es auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Sufjan Stevens gehört – neben Conor Oberst (von u.a. Bright Eyes) – zu meinen Lieblingskünstlern im Spannungsfeld von Indie-Rock und Folk (zumindest von den heute auch noch aktiven)! Es wird sich halt nicht nur in diesen klanglichen Bereichen aufgehalten, sondern man hält sich offen für weitere musikalische Gefilde. So ist es auf einer meiner absoluten All-Time-Lieblings-LPs, dem meisterhaften Illinois (2005). Es gibt ja darauf nicht nur nachdenkliche und melancholische, sondern auch die wahrlich bombastischen Momente, ein Riesenfest! War ja ein Teil von Stevens‘ (angeblichen) „großen Projekt“: der Widmung von ganzen Alben für jeden einzelnen US-Bundesstaat. Am Ende waren es letztlich 2, neben besagten Illinois das nicht minder beeindruckende Michigan (2003). In letzter Zeit habe ich ehrlich gesagt ein bisschen den Überblick über die Veröffentlichungen und Kollaborationen des 46-jährigen US-Amerikaners verloren, ich fand auch nicht alles großartig seit dem Meisterstreich Carrie & Lowell (2015). Aber dann kommt Sufjan Stevens für mich unvermittelt mit einem riesigen Werk herbei, einem gemeinsamen Projekt mit dem Folk-Künstler Angelo De Augustine. A Beginner’s Mind glänzt mit hochqualitativen Kompositionen. Die Melodien sind detailverliebt ausgearbeitet, man nimmt sich genug Zeit und lässt die sie auf den Hörer wirken. Stevens und De Augustine haben sich erneut mit vielseitig angelegten Themen auseinandergesetzt, die generell gesellschaftlich relevant sind, aber es kann auch recht persönlich werden. Vor allem Popkultur – insbesondere die Kinogeschichte – spielt hier eine gewichtige Rolle, wenn klassische und kultige Filme wie Das Schweigen der Lämmer behandelt und einer gerne auch mal kritischen Neubewertung unterzogen werden. Faszinierendes und schillerndes Werk!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)     

https://music.sufjan.com/

https://angelodeaugustine.com/

Little Simz – Sometimes I Might Be Introvert

VÖ: 03.09.2021

Label: AGE 101

Genre: Hip-Hop / Soul / R&B / Jazz

Ich habe es hier an dieser Stelle schon oft geschrieben, dass vom Hip-Hop tatsächlich noch große Impulse ausgehen, da die sozialpolitischen und andere relevante Themen gerade in diesen Zeiten sicherlich nicht fehlen. Angesichts der auch heute noch bestehenden Vorwürfe gegen die Künstler/innen des Genres, dass Stereotype es dominieren, da muss so ein Hinweis doch stets erlaubt sein. Gerade jetzt, wo ich das fantastische Album Sometimes I Might Be Introvert der 27-jährigen Britin Little Simz gehört habe, ist das geradezu unausweichlich. Schon vor zwei Jahren, als ihr ebenfalls wundervolle Drittwerk Grey Area erschienen ist (dem ich vielleicht noch etwas mehr Aufmerksamkeit hier hätte widmen können), ist mir folgendes aufgefallen: „(…) hier wird so unverkrampft performt, sich so untypisch ehrlich mit den eigenen Ängsten und Sorgen in den Texten auseinandergesetzt. Wer aber glaubt, diese Frau sei nicht kritisch oder selbstbewusst, der ist ja mal so was von auf dem falschen Dampfer!“ Das sollte man auch für den Nachfolger so stehen lassen, Little Simz weiß, wie sie die aktuell relevanten Themen in den Fokus nehmen kann und diese reflektiert behandeln und die entsprechenden Erkenntnisse so bestechend in Worte fassen kann. So authentisch und unerschrocken, so klar ausformuliert! Neben den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen werden auch wieder persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse eingearbeitet, wenn sie beispielsweise die Beziehung zum Vater aufarbeitet oder die familiären Wurzeln beleuchtet. In musikalischer Hinsicht ist Sometimes I Might Be Introvert gleichfalls überaus beeindruckend, mit dieser perfekten Symbiose aus Hip-Hop, R&B, Soul, Jazz, Electronica und traditionellen afrikanischen Musik-Elementen sowie genial-epischen instrumentalen Arrangements. Absolutes Highlight dieses Jahres, jetzt schon!             

Note: 1,7 (mit Potential nach oben)

         

Lorde – Solar Power

VÖ: 20.08.2021

Label: Universal

Genre: (Psychedelic-/Folk-/Indie-)Pop

Wow, das sind doch tatsächlich wieder vier Jahre her, als das grandiose Melodrama erschien, ein (nach dem ebenfalls exzellenten 2013er-Debüt Pure Heroine) wohl kaum zu verhehlendes Statement in Sachen Pop mit klar definierten eingängigen als auch komplexen musikalischen Strukturen sowie smarten und doppelbödigen Texten! Was waren das für geniale Melodien in Songs wie Green Light, Perfect Places, Homemade Dynamite, Liability oder Sober! Da hat die damals 20-Jährige Lorde es wunderbar geschafft das Genre des Pop und dessen vielen Subgenres zu beleuchten und deren Essenzen zu einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen. Dazu textlich mit einem feinsinnigen Gespür für die Alltagserlebnisse und -sorgen von Teens und Twens, klar kann man sich nur als eine Stimme einer Generation empfehlen und letztendlich positionieren! Nun gut, da kann so ein drittes Werk schon etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Neuseeländerin suchte erneut Jack Antonoff auf, der schon besagtes Melodrama mitproduziert hatte. Und was ist das Ergebnis? Die Kritiken sind plötzlich im Gegensatz zum vielgefeierten Vorgänger höchst zwiespältig ausgefallen. Das gilt für die internationalen Magazine, allerdings auch für diejenigen in Deutschland. Yannik Götz von laut.de beispielsweise gibt der Review von Solar Power die Überschrift „Weltuntergangs-Stimmung für ein Nickerchen“, während im Musikexpress Julia Lorenz schreibt, es sei „(…) eine fantastische Platte darüber, wie sich eine Frühvollendete ein Westküstenfolkalbum vorstellt, dabei aber Kind ihrer Zeit bleibt.“  Ich selbst wusste schon im Vorfeld über diese gemischten Reaktionen Bescheid, doch – so war zumindest der Versuch – wollte ich davon unbeeinflusst bleiben. Ich weiß nicht, ob es mir wirklich gelungen ist. Was ich feststellen muss ist, dass mir leider kaum ein Song in Erinnerung geblieben ist. Irgendwie ist der Sound schon immer noch vielseitig in Folk- und Psychedelic-Gefilden angesiedelt, doch es fehlt mir irgendwie die Zugkraft eines Melodrama. Klar ist eine Hinwendung zu neueren Sound-Gebieten zu begrüßen, in diesem Fall zu von akustischen Instrumenten getragenen, generell minimalistisch anmutenden Melodien. Auch die Texte sind weiterhin hintergründig, mit ihrer Beschäftigung mit persönlichen Angelegenheiten Lordes (z.B. dem Älterwerden) sowie gesellschaftlichen Phänomenen – alles mit einer angenehmen humorvollen Herangehensweise. Doch irgendwie bekommt es mich nicht. Vielleicht sind weitere Hördurchgänge notwendig! Wie geht es Euch? Was haltet ihr von ihrem neuen Werk? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!         

Note: 3,0 (eventuell mit Potential nach oben)

https://www.lorde.co.nz/

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