Protomartyr – Ultimate Success Today

VÖ: 17.07.2020

Label: Domino

Genre: Post-Punk / Noise-/Art-Rock

Manchmal muss ich mich doch über mich selbst wundern, wie kann es auf einem selbsternannten, sich den modernen Strömungen verschreibenden Musikblog nur so sein, dass wenn man nach „Protomartyr“ sucht, da dann gar kein Eintrag aufgezeigt wird?!? Hm….das kann doch nicht sein…schaue ich doch nochmal…Nein, kein Eintrag!…Okay, why? Was macht hicemusic da? Protomartyr aus Detroit existieren seit über 10 Jahren und haben einige fantastische Alben produziert, es sind fünf an der Zahl: No Passion All Technique (2012), Under Color Of Official Right (2014), The Agent Intellect (2015), Relatives In Descent (2017) und jetzt – als erstes Exemplar dieser Dekade –  Ultimate Success Today. Ich habe immer irgendwelche großartigen Songs einzeln gehört, ohne dass ich einmal auf die Idee kam, eine ganze Platte zu besprechen. Das soll hiermit nachgeholt werden. Man muss nämlich bedenken, dass der Vierer um Frontmann Joe Casey zurecht in aller Munde ist, mit Bands wie Pere Ubu, The Fall oder Wire verglichen wird und schon jetzt von Formationen wie den Idles oder Shame zu den Vorbildern gezählt wird. Zudem soll sich Iggy Pop als Fan von Protomartyr bezeichnet haben. Na klar, es ist ja bei allen eine Parallele zum Sound zu ziehen, den Casey & Co. präsentieren: Post-Punk und aggressiv-ambitionierter, nicht selten düsterer Rock mit allerlei interessanten Einflüssen. Auf dem neuen Werk sind es beispielsweise Jazz-Elemente, die integriert werden. Das muss man generell sagen, dass sich hier viel Mühe bezüglich der instrumentellen Arrangements gegeben wurde. Protomartyr verstehen es, neue Impulse zu setzen. Zudem ist es interessant, dass man sich diesmal nicht ausschließlich pessimistisch in den Texten äußert, wenn es zum Beispiel um den Zustand unserer Gesellschaft geht, sondern dass höchst unterschiedliche Stimmungslagen feststellbar sind. Es ist so: Protomartyr ist weiterhin eine unglaublich relevante Band mit einem weiteren großartigen Album im Gepäck. Wurde Zeit, dass auch ich das mal kapiere!

Note: 2,0

https://protomartyrband.com/

 

Pantha Du Prince – Conference Of Trees

VÖ: 06.03.2020

Label: BMG

Genre: Electronica / Minimal Music

Ich bin letztens nach einem stressigen Tag joggen gewesen und habe dabei die neue Platte von Hendrik Weber, vielen natürlich besser bekannt als Pantha Du Prince, gehört. Soviel kann ich verraten, durch die Konzentration auf die Musik und die gleichzeitige Betrachtung der an mir vorbeiziehenden Landschaften kam ich vollkommen zur Ruhe. Eine wirklich schöne Momentaufnahme für mich! Jetzt mal kurz zu Hendrik Weber, wer ist das überhaupt? Der aus dem hessischen Bad Wildungen stammende (Konzept-)Künstler hat sich als Pantha Du Prince mittlerweile international mit einer Musik im Spannungsfeld von Electronica, Minimal Music und (Dark-)Ambient einen Namen gemacht. Schon die Debüt-LP Diamond Daze (2004) erhielt sehr positive Kritiken, weil er sich unter anderem in Stilrichtungen außerhalb der Electronica hinauswagte (insbesondere dem Shoegaze im Stile von My Bloody Valentine). Ein toller Nachfolger erschien 2007 mit This Bliss und der Hesse wurde einem breiteren Publikum bekannt, auch international gesehen. Ich wurde im Besonderen auf Pantha Du Prince durch die großartige Veröffentlichung Black Noise (2010) aufmerksam, wie wahrscheinlich viele Andere (das Album wurde 2011 kurioserweise mit dem „Echo“ ausgezeichnet). Darauf präsentierte der Künstler eine fantastische Mischung aus vielseitigen, oft ins Atonale gleitenden Klängen und Rhythmen, die mit höchst originellen Field Recordings aus der Schweizer Natur und Motiven aus der Romantik (was sich vor allem auf dem Cover ausdrückt) kombiniert wurden. Danach hat Pantha Du Prince weitere interessante Veröffentlichungen präsentiert, Elements Of Light (2013, mit The Bell Laboratory) und die Pop-/Klassik-/Avantgarde-Begegnung The Triad (2016). Auf Conference Of Trees – so verrät es ja auch der Titel – wird 10 Jahre nach Black Noise erneut das Thema „Natur“ aufgegriffen, u.a. mit Hilfe von Musikern des Bell Laboratory. Es geht um den Wald als Rückzugsort, mit Bezug auf Schriften, die sich in unterschiedlicher Weise mit Bäumen auseinandersetzen. Das ist wirklich toll vertont, mit einer breiten Palette an Instrumenten. Da passt es, dass die Sounds mich beim Joggen jeglichen Alltagsstress vergessen ließ. Auch wenn die Stilrichtungen, die hier erklingen, bereits im Universum von Pantha Du Prince bekannt sein sollten, so ist Conference Of Trees wieder atmosphärisch und bestechend ausgefallen!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

http://www.panthaduprince.com/

 

Pet Shop Boys – Hot Spot

VÖ: 24.01.2020

Label: X2

Genre: Synthie-/Dance-Pop

Mir geht es da sicherlich wie vielen mit den Pet Shop Boys. Auf der einen Seite liefern sie extrem gute Pop-Songs ab – mir fallen da gerade West End Girls, Suburbia oder Always On My Mind ein. Auf der anderen Seite kommen mir dann eben auch Kompositionen der Londoner in den Sinn, die mir wenig bis gar nicht zusagten – da wären u.a. Se A Vida É (That’s The Way Life Is) oder New York City Boy. Und mir ist natürlich bewusst, dass man das ja durchaus individuell sehen kann, andere würden das vielleicht komplett andersherum sehen. Allerdings kann man dem Duo schwer vorwerfen, dass sie völlig altmodisch klingen. Die Synthie-/Electro-Pop-Songs haben schon immer einen eingängigen Touch gehabt, waren zeitgemäß produziert. Das hat man allein in den letzten beiden Jahrzehnten gesehen, da wurden schon ordentliche Platten abgeliefert. Ich persönlich hab es halt immer wieder erlebt, dass ich ein Album etwas zwiespältig aufgenommen habe, da sich dann doch Lieder eingeschlichen haben, die für mich nicht so modern klangen. Aber wie gesagt, das ist Geschmackssache. Ich habe natürlich auch immer im Blick, wie einflussreich die Pet Shop Boys für andere Musiker/innen waren und sind. Ich würde das eh gern zur Diskussion stellen, jetzt wo das vierzehnte, unter anderem in den Berliner Hansa Studios produzierte Album Hotspot herausgekommen ist. Die Kritiken sind ja überwiegend positiv ausgefallen, wie so oft bei den Veröffentlichungen von Neil Tennant und Chris Lowe. Es gibt erneut die (Electro-/Synthie-)Pop-Songs, die vielleicht etwas trashig daherkommen und aus diesem Grund Spaß bereiten (z.B. Monkey Business). Dann gibt es aber auch so Nummern wie Wedding In Berlin, wo man sich schon fragt, was das jetzt soll. Die einen finden es superklasse, ich finde es okay, mehr jedoch nicht. Was sagt ihr zu dem Album? Auf eure Meinungen bin ich gespannt.

Note: 2,7

https://www.petshopboys.co.uk/

 

Plaid – Polymer

VÖ: 07.06.2019

Label: Warp

Genre: Electronica / Experimental

Ich hatte es bereits im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Flying Lotus-Albums erwähnt, dass ein neues Werk der beiden Jungs von Plaid auf dem Warp-Label angekündigt wurde. Jetzt konnte ich mir Polymer ein paar Mal anhören. Es stellt sich für mich in diesem Kontext die Frage, wie relevant die Musik von Andy Turner und Ed Handley im Jahr 2019 noch ist. Eines ist auf jeden Fall klar, sie haben schon zu Anfangszeiten von Warp das Label entscheidend mitgeprägt, Kenner werden sicherlich die verschiedenen Pseudonyme kennen, unter denen sie seit Ende der 1980er Jahre – und somit auch seit Gründung der Plattenfirma – musiziert haben. Es gibt ein grandioses, dort 1993 veröffentlichtes Album mit dem Titel Bytes, auf denen zumindest einige von ihnen versammelt sind. Als Interpret ist Black Dog Productions angegeben, doch auf der Tracklist sind weitere Artists zu sehen: u.a. Balil, Xeper, I.A.O. und Discordian Popes, aber eben auch schon damals Plaid. Man sollte wissen, dass Turner und Handley zusammen mit Ken Downie zu dieser Zeit vor allem als The Black Dog für Furore sorgten. Die beiden Erstgenannten machten dann aber später als Plaid weiter und haben seither einige wirklich großartige Werke geschaffen, unter anderem Not For Threes (1997, u.a. mit Björk als Gast), Rest Proof Clockwork (1999) oder Double Figure (2001), nicht zu vergessen die mir sehr imponierende Compilation Trainer (2000). Der große John Peel hat sie bestimmt nicht ohne Grund zu seinen Sessions eingeladen! Meinem Empfinden nach  waren hier im Vergleich zu Black Dog mit Ambient- und Trip-Hop-Elementen doch „ruhigere“ Klänge zu hören, die allerdings in ihrer Gesamtheit nicht weniger vielfältig und kompromisslos erscheinen, „härtere“ Sounds dabei ja auch nicht ausgeklammert wurden.  Um auf meine Ausgangsfrage nach der heutigen Relevanz von Plaid zurückzukommen, muss ich vielleicht mal an dem ansetzen, was ich zu Reachy Prints (2014) geschrieben habe. Ich fand das Album damals okay, doch die musikalische Umsetzung auf gesamter Länge irgendwie nicht so richtig wagemutig, trotz einer klanglichen Diversität. Polymer – handelt es sich laut Wikipedia einerseits um einen „(…) chemischen Stoff, der aus Makromolekülen besteht“, andererseits doch als Adjektiv um eine Beschreibung für „aus mehreren, vielen Teilen bestehend (…)“  –  bietet ebenfalls dementsprechend unterschiedliche, von experimenteller Elektronik geprägte Sounds. Diese sind im Bandkontext nicht unbedingt neu, erscheinen aber modern und einprägsam. Es gelingt sozusagen eine Gesamtschau, die jetzt im Vergleich zu Reachy Prints allerdings nachhaltiger in Szene gesetzt wird. Das ist nicht revolutionär wie damals vor (fast) 30 Jahren, aber eben zeitgemäß (mit einer ökologischen Botschaft beispielsweise)!

Note: 2,3

http://plaidmusic.co.uk/

 

Ariel Pink – Dedicated To Bobby Jameson

VÖ: 15.09.2017

Label: Mexican Summer

Genre:  Progressive-/Psychedelic-/Avant-Pop , Chillwave

Es ist ja wohl kaum zu bestreiten, dass Ariel Marcus Rosenberg, kurz Ariel Pink genannt, zu den spannendsten und schillerndsten Musikern der Gegenwart gehört, egal wie man nun zu seiner Musik persönlich steht. Insbesondere aus der Sicht heraus, wie er sich künstlerisch den Sounds aus der Jetztzeit und der Vergangenheit, in der Konsequenz der Verschmelzung dieser beiden Pole, widmet. Klar, Psychedelia im Pop ist keine Neuheit, wird ja von Mac DeMarco, MGMT, Animal Collective, Grizzly Bear und wie sie alle heißen, aufgegriffen, in unterschiedlicher Form interpretiert und ausgearbeitet. Ebenso der Rückgriff auf Electronica-Elemente in Kombination mit einer 1980er-Ästhetik (bei Ariel Pink sind allerdings eher die -70er im Fokus), gerne „Chillwave“, „Dream-Beat“ oder „Hypnagogic Pop“  getauft, kennt man bereits, Musiker wie Toro Y Moi, Washed Out, Tycho oder Neon Indian schwören bzw. schworen darauf. So gut einige der genannten Musiker auch sind, geht Ariel Pink noch viel mehr in Richtung Avantgarde, in ähnlicher Form, wie es John Maus tut, orientiert sich zudem an legendären Größen wie R. Stevie Moore, Throbbing Gristle oder Can. Andererseits bleibt der 39-Jährige dem Pop treu, übernimmt dessen Strukturen und Eigenschaften, was in einer tatsächlich individuellen Mixtur resultiert. Ich finde insbesondere die als Ariel Pink’s Haunted Graffiti eingespielten Alben Before Today (2010) und Mature Themes (2012) genial. Sein letztes Werk Pom Pom mag ich auch sehr. Zudem bin ich mir bewusst, dass ich seinen früheren Tonträgern noch etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken habe. Eines ist jedoch klar, seine gegenwärtigen Schritte in der Musik sind von einer eindrucksvollen Eleganz und Durchschlagskraft. So widmet Pink sich nun – wie der Titel verrät – dem ehemaligen, 2015 verstorbenen Singer/Songwriter Bobby Jameson, um den sich ja so einige Geschichten und Mythen ranken, man weiß zumindest, dass er sich aufgrund vieler Schicksalsschläge aus dem Musikbusiness zurückzog, zuletzt bis zu seinem Tod einen YouTube-Channel führte. Passt eigentlich, denn auch Ariel Pink gibt gerne Erzählungen um seine Person und sein Umfeld preis, von denen nicht immer behauptet werden kann, dass sie hundertprozentig wahr sind. Trotzdem, es liegt hier mal wieder ein wundervolles, vielseitiges Werk vor, dass die musikalische Versiertheit des Künstlers überdeutlich macht. Wer sonst bekommt Songs wie Feels Like Heaven, Death Patrol, Another Weekend oder Acting (letzteres ist in Zusammenarbeit mit Dâm-Funk entstanden) so bunt und spannungsgeladen hin? Es gibt zumindest nicht viele davon (okay, John Maus bestimmt)!

Note: 2,0

http://ariel-pink.com/

 

Pantha Du Prince – The Triad

VÖ: 20.05.2016

Label: Rough Trade

Genre: Minimal Techno / Electronica

Musik, die nach außen hin den Eindruck vermittelt, sie sei in Hinsicht des Arrangements eher reduziert und repetitiv gehalten, kann ja gemeinhin die Meinungen spalten. Minimal Music beispielsweise wird von Liebhabern traditioneller klassischer Musik „höchst unterschiedlich“ aufgenommen, wie die jüngsten Vorkommnisse anlässlich des Konzertes von Mahan Esfahani in der Kölner Philharmonie, in dem er die Piano Phase von Steve Reich intonierte, wieder einmal eindeutig, zu Bedenken Anlass gebenden Umständen unter Beweis stellten. Musik, die mit „Minimal“ bezeichnet wird, weist nicht nur wiederholende Strukturen, sondern auch sich in langsamem Tempo aufbauende und verfeinernde Phasenverschiebungen auf, ist zudem von einem Fortschrittsglauben und -willen beseelt, verarbeitet die verschiedensten musikalischen Kunstrichtungen, ist auf Vermeidung traditioneller musikalischer Muster aus. Oftmals wirken die Klänge nur wenig harmonisch, sind aber in ihrem Wesen schon ziemlich komplex. Dies gilt auch für Minimal Techno und deren Vertreter, denen die beabsichtigte Monotonie der Sound- und Rhythmusstrukturen oft zum Vorwurf gemacht werden, wobei die hypnotische Wirkung, die komplexen instrumentalen Arrangements außer Acht gelassen werden. Einer der versiertesten deutschen Künstler in diesem Bereich ist Hendrik Weber alias Pantha Du Prince, der mit seinen stets mit Genrevielfalt glänzenden, auch in die klassische Musik und in den Jazz reichenden Alben, dem Stereotyp – Minimal Techno sei eine „kühl“ wirkende Musik – erfolgreich widersprechen konnte. Über eine halbe Dekade nach dem Klassiker Black Noise und 3 Jahre nach dem nicht minder beeindruckenden Elements Of Light stellt Pantha Du Prince seine weiterhin auf hohem Niveau bewegenden Fähigkeiten eines Klangarchitekten und (erstmals) Sängers unter Beweis. In der Gesamtheit ist The Triad vielleicht nicht mehr ganz so eindrücklich wie die oben erwähnten Werke, aber dennoch einfallsreich in Szene gesetzt.

Note: 2,3

http://www.panthaduprince.com/

Pantha Du Prince – The Winterhymn, Music Video 2015 from Frances de Larminat on Vimeo.

 

Poliça – United Crushers

VÖ: 04.03.2016

Label: Memphis Industries

Genre: (Synthie-)Pop / Indietronic

Justin Vernon, Sänger der Kritikerlieblinge Bon Iver, sollte einem Redakteur des US-Rolling Stone Anfang 2012, kurz nachdem seine Band in der Kategorie „Best New Artist“ einen Grammy gewonnen hatte, darüber informieren, welche(n) Musiker er persönlich für diese Kategorie favorisieren würde. Seine Antwort bezog sich auf eine Formation aus Minneapolis, die zu diesem Zeitpunkt noch keiner auf dem Zettel hatte. Vernons Worte waren dennoch eindeutig: „Die beste Band, die ich je gehört habe!“. Das Lob galt Poliça um Sängerin Channy Leaneagh und Produzent Ryan Olson. Wie auch immer man diese Aussage bewerten mag – Vernon als auch die beiden letztgenannten Personen kannten sich damals bereits aus gemeinsamen Tagen in der 22-köpfigen Band Gayngs – so trug die Würdigung sicherlich dazu bei, dass den erwähnten Musikern viel Aufmerksamkeit zuteilwurde und sie in der Folge gehypt wurden.  Man spielte viele Livegigs (u.a. mit Bon Iver) und landete 2012 in einigen Jahresabschlusslisten diverser Magazine. Nur einen Tag nach dem oben genannten Interview debütierten Poliça mit dem Album Give You The Ghost, das fast ausnahmslos positive Kritiken bekam. Es hatte sich also gelohnt, dass Olson Leaneagh davon überzeugt hatte, elektronische Sounds mit zeitgenössischem R&B und Pop zu vermählen (im Spannungsfeld ähnlich gelagerter Acts wie Little Dragon, Grimes und Zola Jesus), eingebettet in großartige Instrumentierungen und umrahmt von sehr persönlichen Texten. Der Zweitling Shulamith (2013) konnte die Kritiker ebenfalls überzeugen, ein sehr politisch motiviertes Werk (der Titel bezieht sich auf die 2012 verstorbene feministische Aktivistin Shulamith Firestone), mit einem Gastauftritt Justin Vernons in Tiff. Jetzt ist das dritte Album erschienen, das mit außergewöhnlichen und  aufregenden elektronischen Sounds und einer ebenso tollen Stimme Leaneaghs aufwartet. Die Texte wirken grundlegend pessimistisch, lassen aber auch Platz für Momente der Hoffnung. Hörenswert!

Note: 2,3

http://thisispolica.com/

 

POLICA – LIME HABIT from memphis industries on Vimeo.

POLIÇA – Wedding from memphis industries on Vimeo.

Patrick Watson – Love Songs For Robots

VÖ: 08.05.2015

Label: Secret City

Genre:  Chamber-/Indie-Pop / Folk

2007 veröffentlichte die Electro-Jazz-Band The Cinematic Orchestra das Album Ma Fleur, auf dem ein ganz besonderer Song zu finden war: To Build A Home. Diesen konnte man in den darauffolgenden Jahren öfters in Filmen, Serien oder Werbeclips hören. Ohne die Verdienste der (formidablen) Londoner Formation herabwürdigen zu wollen, hatte sie es ja hier auch einer Person zu verdanken, dass das Musikstück so einen starken Eindruck hinterließ: Patrick Watson, damals nicht nur Gastsänger, sondern er schrieb auch an den Texten mit. Der Kanadier, der solo bzw. mit seiner seit 2003 bestehenden Band u.a. schon mit Philip Glass, James Brown, Feist und John Cale zusammen arbeitete, hatte darüber hinaus im selben Jahr das von der Kritik sehr positiv aufgenommene Close To Paradise veröffentlicht (inklusive brillanter Songs wie The Great Escape oder Luscious Life). Die frühe Phase der Watson-Formation, auch mit dem 2009 folgenden Wooden Arms, zeichnete sich durch unkonventionelle, entrückte Melodien, ungewöhnlich-anmutende Rhythmuselemente (z.B. mit einem Fahrrad erzeugt) und ambitionierte Themen aus. Das neue Album Love Songs For Robots ist im Vergleich zu den beiden erwähnten Werken – ebenso wie der 2012er-Vorgänger Adventures In Your Own Backyard – nicht ganz so experimentell ausgerichtet, hat sich aber textlich ein interessantes Sci-Fi-Sujet ausgewählt: wie der Titel es aussagt, geht es um Liebe unter Robotern, als Metapher für emotionale Schwierigkeiten in menschlichen Beziehungen. Klanglich erinnert das Werk an eine Mischung aus Bon Iver, Arcade Fire, Radiohead und vielleicht auch frühe Coldplay, aber natürlich nur als grobe musikalische Eckpfeiler, auf die Patrick Watson natürlich nicht eingegrenzt werden sollte. Es gibt Songs, speziell der Titeltrack, Good Morning Mr. Wolf und Places You Will Go, die herausragen, aber auch insgesamt ist Love Songs For Robots hörenswert. Geduld muss allerdings auf jeden Fall mitgebracht werden.

Note: 2,3    

www.patrickwatson.net/

Ariel Pink – Pom Pom

VÖ: 17.11.2014

Label: 4AD

Ariel Pinks Sounds lassen sich glücklicherweise schwerlich auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Der US-Amerikaner versteht es ausgezeichnet, eine riesige Palette an Stilrichtungen der älteren als auch jüngeren populärmusikalischen Vergangenheit stilsicher zu synthetisieren und in Zusammenklang mit avantgardistischen Formen und einer höchst charakteristischen Lo-Fi-Aufnahmetechnik zu bringen. Nicht zu vergessen die raffiniert schrulligen, oftmals bissig-(selbst)ironischen Lyrics! Kein Wunder, soll Ariel Pink ja angeblich seit seinem 10. Lebensjahr Lieder schreiben, stilistisch bunt musikalisch sozialisiert worden sein und ganz im Stile seines selbsternannten Mentors R. Stevie Moore (mit dem er selbstverständlich auch schon zusammen gearbeitet hat) eine beträchtliche Anzahl an Kassetten und CD-Rs selbst produziert haben. Spätestens mit dem Studioalbum Before Today (2010) seiner Haunted Graffiti-Band bekam er die verdiente Aufmerksamkeit, der Kritiker (Pitchfork z.B. ernannte es vor kurzem zu einem der besten Alben der aktuellen Dekade) als auch einiger „Kollegen“: So soll Madonna angeblich darum gebettelt haben, Pink als Produzenten ihres neuesten Albums zu gewinnen. Dieser aber fügt seiner Diskografie stattdessen ein weiteres Wunderwerk, seine erste „Solo“-Arbeit (weil schlicht unter dem Namen Ariel Pink), hinzu. Pom Pom zitiert gewohnheitsmäßig allerlei verschiedene Genres und Künstler (z.B. Frank Zappa) und wartet mit interessanten, oftmals amüsanten Popkultur-Zitaten auf (textlich und musikalisch; der leider todkranke Kim Fowley hat einen großen Beitrag dazu beigetragen). Zugegeben, manche Songs erfordern etwas Geduld, aber insgesamt ist Pom Pom unbedingt zu empfehlen!

Note: 2,0

http://ariel-pink.com/

 

//player.muzu.tv/player/getPlayer/j/2298555/
Ariel Pink – Put Your Number In My Phone on MUZU.TV.

//player.muzu.tv/player/getPlayer/j/2311939/
Ariel Pink – Black Ballerina (Audio) on MUZU.TV.

//player.muzu.tv/player/getPlayer/j/2317387/
Ariel Pink – Picture Me Gone on MUZU.TV.

Plaid – Reachy Prints

VÖ: 19.05.2014

Label: Warp

Andy Turner und Ed Handley gehören mit zu den Dienstältesten auf Warp Records, dem britischen Label für ambitionierte Electronica. Anfänglich bildeten sie zusammen mit Ken Downie noch die fantastische Formation The Black Dog (waren aber auch unter mehreren weiteren Pseudonymen wie Black Dog Productions, Xeper, I.A.O. etc. tätig), die Anfang bis Mitte der 1990er Jahre die sogenannte IDM („Intelligent Dance Music“) mitbegründete, an der Seite von Acts wie Aphex Twin, LFO, Autechre oder µ-ziq. 1995 machten Turner und Handley als Plaid weiter. Der Anspruch blieb bestehen, die mannigfaltigen Möglichkeiten innerhalb der elektronischen Musik zu erforschen. Konkret bedeutete dies, dass der Weg, den man mit The Black Dog angefangen hatte, sich im klanglichen Spektrum zwischen Acid House und ambientem Techno zu bewegen, weiter beschritten werden sollte. Allerdings öffneten sich Plaid noch konsequenter zusätzlichen Klangquellen (z.B. Hip-Hop oder einigen Spielarten südamerikanischer Musik). Nun erscheint Reachy Prints, das ebenso mit im Genre-Kontext ungewöhnlichen Sounds aufwartet, jedoch auch mit einem (winzigen) Problem zu kämpfen hat: nicht alle Tracks haben einen markanten Wiedererkennungswert, manches erinnert auch zu stark an frühere Veröffentlichungen. Dennoch, im Großen und Ganzen offenbart das Album jenen kompromisslosen Experimentiergeist, der Plaid zu den wichtigsten Aushängeschildern des Warp-Labels als auch der Electronica im Gesamten werden ließ. Man höre das starke, Boards Of Canada-artige Hawkmoth, Tether oder Liverpool St und lasse sich überzeugen.

Note: 2,7   

www.plaid.co.uk/

 

 

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