März 2020

Anna Calvi – Hunted

VÖ: 06.03.2020

Label: Domino

Genre: Art-/Experimental-/Indie-Rock

Die von der Kritik und musikalischen Kolleginnen/Kollegen (z.B. Brian Eno) stets geschätzte britische Sängerin Anna Calvi hat Songs ihres 2018 herausgebrachten, von mir sträflich vernachlässigten Hunter neu aufgenommen, zusammen mit einer exquisiten Auswahl an Gästen – Courtney Barnett, Charlotte Gainsbourg, Julia Holter und Joe Talbot (Idles). Sehr atmosphärisch, etwas schroffer und im Vergleich zu den Originalen um einiges reduzierter. Das hat in seiner Gesamtheit schon ziemlich viel Charme!

Note: 2,3

http://www.annacalvi.com/

 

 

U.S. Girls – Heavy Light

VÖ: 06.03.2020

Label: 4AD

Genre: (Experimental-/Indie-)Pop

Wo wir schon bei interessanten und einfach guten Experimental-Pop-Sängerinnen sind, so sei auf die kanadische Künstlerin Meghan Remy verwiesen (die jetzt eine Band um sich versammelt hat). Das habe ich persönlich ja bereits vor ziemlich genau 2 Jahren anlässlich des Erscheinens von In A Poem Unlimited getan. Der Einstieg vom neuen Tonträger Heavy Light ist mit 4 American Dollars als Kapitalismus-Kritik schon einmal richtig gut gelungen, was für ein kraftvoller Song! In der Folge kann nicht immer die durchgängige Power – anders als auf dem Vorgänger – gehalten werden. Doch zum großen Teil funktioniert das trotzdem. Toll instrumentiert ist das Album in jedem Fall!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

http://yousgirls.blogspot.com/

 

 

Four Tet – Sixteen Oceans

VÖ:13.03.2020

Label: Text

Genre: Electronica / Ambient / Experimental

Gerade bei Künstler/innen, die für ihren Experimentierwillen bekannt sind – und diesen auch über Jahre/Jahrzehnte in ihrer Diskografie vorweisen können –, wäre es fast eine Frechheit, wenn ich als dahergelaufener Musikfan nach dem Innovationsgrad auf dem neuen Werk fragen und forschen würde (ähnlich ging es mir damals bei Aphex Twins Syro, das ich heute sehr schätze). Nur, im Vergleich zum genialen Vorgänger New Energy (2017) sind die Tracks von Sixteen Oceans  zwar wieder herrlich atmosphärisch geraten, aber irgendwie erwarte ich von einem Kaliber wie Four Tet ja dann doch solche, die mindestens „sehr gut“ sind. Naja, oder ist mein Anspruchsdenken einfach zu hoch und ich  finde das Album nach einiger Zeit genauso genial wie die anderen Werke des Briten? Ist auch möglich!

Note: 2,3 (vorerst)

http://www.fourtet.net/

 

 

Shabaka And The Ancestors – We Are Sent Here By History

VÖ: 13.03.2020

Label: Impulse!

Genre: Jazz / World Music

Shabaka Hutchings werden einige Jazz/World-geschulte Hörer als Mitglied der Londoner Formation Sons Of Kemet oder vielleicht auch von The Comet Is Coming (mit denen er als King Shabaka unterwegs ist) kennen*. Wie bei den genannten, forscht er auch mit den Ancestors nach neuen Wegen im Jazz, speist seine Einflüsse aus den verschiedensten Richtungen (auch den nicht unbedingt sofort zu erwartenden). Mir gefallen die großartig instrumentierten Songs ausgesprochen gut, die sozialpolitischen Messages und Reflexionen (z.B. zum kriegerischen Wesen des Menschen) werden wirkungsvoll eingebaut! Ein wirklich wichtiges Werk, dem ihr unbedingt eure Aufmerksamkeit schenken solltet!

*Zudem spielte er schon bei den unterschiedlichsten Größen (u.a. Sun Ra Arkestra, Floating Points, Mulatu Astatke).

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

http://www.shabakahutchings.com/ancestors/

 

 

Baxter Dury – The Night Chancers

VÖ: 20,03.2020

Label: PIAS

Genre: Indie-Pop / New Wave

Ich muss gestehen, ich habe Baxter Dury, dem Sohn von Ian Dury (Sex & Drugs & Rock & Roll) in den letzten Jahren nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die er sicherlich verdient hätte (obwohl ich einige Songs immer richtig toll fand). Jetzt bei The Night Chancers komme ich aber einfach nicht drum herum. Wie hier richtig schöne, gekonnt instrumentierte, teilweise ordentlich schmalzige Melodien mit der gewohnt brummigen Stimme des 48-Jährigen kombiniert werden, wie hier Frauenchöre, Streicher und all mögliches anderes originell eingebaut werden, ist in der Gesamtheit wirklich wunderbar. Ja klar, hat unter anderem etwas von Serge Gainsbourg, weist aber auch genug individuelles Profil auf!

Note: 2,0

https://www.baxterdury.tv/

 

 

Roger Eno & Brian Eno – Mixing Colours

VÖ: 20.03.2020

Label: Deutsche Grammophon

Genre: Ambient

Ja klar, Brian Eno ist sicherlich im Musikbereich der berühmtere Name, aber sein jüngerer Bruder Roger hat sich im Ambient-Sektor ebenfalls durch interessante Veröffentlichungen hervorgetan und mit einigen großen Künstlern zusammengearbeitet (u.a. Daniel Lanois, Peter Hammill, Kate St. John). Natürlich auch mit seinem Bruder, auf Apollo (1983) und Music For Films III (1988). Nun haben die Brüder nach über 30 Jahren  wieder zusammengefunden und widmen sich auf Mixing Colours ihrer musikalischen Erfolgsdisziplin (dem Ambient) und einem Oberthema (Farben). Innovativ ist das Ergebnis nicht unbedingt,  aber dennoch sind insbesondere die von Roger Eno vorgetragenen Piano-Melodien gut gelungen!

Note: 2,7

http://www.rogereno.com/

https://brian-eno.net/

 

 

Nicolas Jaar – Cenizas

VÖ: 27.03.2020

Label: Other People

Genre: Electronica / Experimental

Der 30-jährige Produzent hat schon immer das Experimentelle als wesentlich in seinen elektronischen Sounds begriffen, das hat er auf seiner herausragenden und von der Kritik gefeierten Debüt-LP Space Is Only Noise (2011) und dem ebenfalls beeindruckenden Nachfolger Sirens (2016) ganz klar gezeigt. Zuletzt ja dann auch nochmal auf den beiden Alben, die er als Against All Logic veröffentlicht hat oder damals bei dem leider nicht mehr existierenden Projekt Darkside. Jetzt scheint Nicolas Jaar noch einmal eine Schippe draufgelegt zu haben, denn er entfernt sich auf Cenizas mehr denn je von konventionellen Strukturen und bietet höchst kunstvolle Klangskulpturen. Und das ist teilweise richtig groß. Es braucht aber noch Zeit, diese Musik im Gesamten zu erfassen!

Note: 2,0 (vorerst)

http://nicolasjaar.net/

 

 

Little Dragon – New Me, Same Us

VÖ: 27.03.2020

Label: Ninja Tune

Genre: Electro-/Synthie-/Dream-Pop / R&B

Das Quartett aus Göteborg um die absolut charismatische Sängerin Yukimi Nagano veröffentlicht jetzt auf dem ehrwürdigen und weiterhin angesagten Label Ninja Tune. Nach dem etwas blassen Vorgänger Season High (2017) steigt damit sicherlich die Chance, dass der neue Tonträger etwas bestechender ist. Das kann ich bestätigen, denn die Songs sind interessanter, abwechslungsreicher strukturiert, die Schweden geben sich nicht so leicht mit Hit-Tauglichkeit zufrieden, sondern gehen auch einmal Umwege. Passt gut!

Note: 2,3

https://little-dragon.net/

 

 

Sufjan Stevens & Lowell Brams – Aporia

VÖ: 27.03.2020

Label: Asthmatic Kitty

Genre: New Age / Electronica

Ich habe mich zuerst gefragt, wer denn eigentlich nochmal dieser Lowell Brams ist. Aber das ist klar, er ist der Stiefvater, über den Sufjan Stevens – übrigens einer meiner Lieblingssänger – auf seinem tieftraurigen und rührenden, seiner verstorbenen Mutter gewidmeten Meisterwerk Carrie & Lowell (2015) sang. Mit ihm hat er bereits zuvor zusammengearbeitet (sie produzierten Ende der 2000er Jahre das Werk Music For Insomnia) sowie das Label Asthmatic Kitty gegründet. Auf Aporia bieten sie teils düstere Sounds im Bereich von New Age und ambitionierter Electronica, die vielleicht nicht revolutionär, aber dennoch recht spannend ausgefallen sind!

Note: 2,3

https://music.sufjan.com/