August 2016

Dinosaur Jr. – Give A Glimpse Of What Yer Not

VÖ: 05.08.2016

Label: Jagjaguwar

Genre: Indie-/Alternative-Rock

Es ist schon bewundernswert, wie selbstsicher und unerschrocken  diese Band seit ihrer Reunion im Jahr 2005 richtig gute Musik spielt, ohne Anzeichen von Verschleisserscheinungen oder Altersmilde zu zeigen. Auf den drei Alben, die sie seitdem veröffentlichten, präsentierten sich  J Mascis, Lou Barlow und Murph in starker, munterer Verfassung, mit ihren Songs beständig auf der Höhe der Zeit , auch wenn die Alternative Rock-Ikonen in Hinsicht des Sounds keine wesentlichen Veränderungen zu jenem ihrer Hochphase in den 1980er Jahren vornahmen. Dennoch kommt ihre Musik weiterhin kraftvoll, aber nicht überproduziert daher und sie schaffen es immer wieder, verschiedene Stimmungen zu erzeugen sowie Texte zu schreiben, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dies gilt natürlich auch für das neue, insgesamt elfte Album von Dinosaur Jr.! Man muss nur mal die Single Tiny hören und man weiß, dass das Trio noch lange nicht daran denkt, sich auf ihren wohl verdienten Lorbeeren auszuruhen.

http://www.dinosaurjr.com/

Dinosaur Jr „Goin Down“ Live from Freak Scene on Vimeo.

 

 

Pfarmers – Our Puram

VÖ: 12.08.2016

Label: Joyful Noise

Genre: Indie-/Experimental-Rock

Erst letztens wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auch bei hicemusic angesichts der Flut an neuen Veröffentlichungen gerne mal vielversprechende Alben übersehen werden. Andererseits passiert es auch, dass eher zufällig Werke von Künstler(inne)n in den Fokus geraten, denen man aus verschiedenen Gründen zunächst nicht so viel Beachtung geschenkt hat. Ein Beispiel dafür stellt das neue Album von den Pfarmers dar, die wie El Vy aus (jeweils anderen) Mitgliedern von den beiden Bands The National und Menomena bestehen, Bryan Devendorf und Danny Seim. Außerdem spielt Dave Nelson mit (der auch u.a. schon mit Dave Byrne, Sufjan Stevens und St. Vincent zusammengearbeitet hat). Our Puram, ein Konzeptalbum über den Guru Osho, ist es in jedem Fall wert, einmal angehört zu werden, mit diesen ausgesprochen experimentellen, vielseitig instrumentierten Songs, die sich klanglich in unterschiedlichste musikalische Richtungen bewegen. Hörtipp!

https://pfarmers.bandcamp.com/

 

 

Ryley Walker – Golden Sings That Have Been Sung     

VÖ: 19.08.2016

Label: Dead Oceans

Genre: Indie-/Folk-Rock

Ryley Walker, 27jähriger Sänger aus Rockford in Illinois, ist ausgesprochen begabt. Seine Verdienste haben sich über die Indie-Szene in Chicago, in der er seit den frühen 2010er Jahren immer wieder aktiv ist, mittlerweile schon herumgesprochen. Seine Live-Shows werden sehr gut besucht und die Lobeshymnen, die Kritiker überwiegend auf ihn anstimmen, sind ebenso nicht aus der Luft gegriffen. Auf den bisherigen Veröffentlichungen hat Walker einen Experimentiergeist an den Tag gelegt, der in der Indie Folk-Szene in dieser Form nicht allzu häufig anzutreffen ist. Auf dem fantastischen 2015er-Album Primrose Green beispielsweise hat er sich an Jazz und Psychedelia versucht. Seine exzellenten Fähigkeiten als Songwriter kommen auch auf seinem neusten Werk zum Tragen, mit sehnsuchtsvollen Texten über Liebe, Freiheit und Sinnsuche sowie fabelhaften Instrumentalarrangements. Erinnert ein wenig an Kurt Vile als auch die legendären Genremeister wie Nick Drake, Neil Young oder Van Morrison.

http://ryleywalker.com/

 

 

Beginner – Advanced Chemistry

VÖ: 26.08.2016

Label: Vertigo

Genre: Hip-Hop

Die Beginner präsentieren nun also endlich ihr oft angekündigtes neues Album, fast genau 13 Jahre nach ihrem letzten Tonträger (Blast Action Heroes) und eine halbe Dekade nach ihrem Live-Comeback. Skeptisch durfte man ruhig sein, denn nicht alles, was in letzter Zeit von den Mitgliedern (Jan Delay, Denyo, DJ Mad) produziert wurde, war uneingeschränkt empfehlenswert. Die Kritiker sind ja überaus geteilter Meinung, vom Verriss bis zur anerkennenden Würdigung ist alles dabei. Beide Extreme  sind übertrieben, allerdings überwiegen schon die positiven Momente, denn in Bezug auf Beats und Rhymes  können die Hamburger immer noch Akzente setzten, wirken nur selten bemüht. Vor allem die musikalischen Kooperationen funktionieren (u.a. mit Dendemann, Samy Deluxe, Gzuz und Gentleman). Die erste Single Ahnma hat ja schon Aufmerksamkeit erregen können, vor allem aber die zweite, das wunderbar nostalgische, die Bandgeschichte verarbeitende Es war einmal… ragt heraus*. Ordentlich!

*Vor allem das Video ist absolut gelungen, die Band präsentiert sich darin selbstironisch und medienkritisch, hat sich zudem mit einigen interessanten Gästen umgeben!

http://www.beginner.de/

Beginner – Es war einmal (Official Music Video) from DAViD MOHN on Vimeo.

Beginner – Ahnma feat. Gentleman & Gzuz (Official Music Video) from DAViD MOHN on Vimeo.

 

 

Cassius – Ibifornia

VÖ: 26.08.2016

Label: Interscope

Genre: Dance / Electronica

Neben dem Beginnern präsentiert eine weitere Band (zum gleichen Veröffentlichungstermin) ein musikalisches Lebenszeichen in Form einer neuen LP, nach ziemlich langer Zeit (insgesamt 10 Jahren, zwischendrin sind Compilations, EPs und Singles erschienen). Das legendäre French House-Duo, das uns Ende der 1990er ein solch meisterhaftes Album – 1999, mit absoluten Hits wie dem gleichnamigen Titeltrack sowie Feeling For You oder La Mouche – schenkte, recht ordentliche, letztlich aber nicht ebenbürtige Nachfolger produzierte (Au Rêve und 15 Again), meldet sich mit Ibifornia zu Wort. Das Ergebnis ist okay, wenn auch nicht herausragend. Man hat  sich zumindest vielseitige Unterstützung ins Boot geholt – man scheint beispielsweise den ehemaligen Weggefährten Daft Punk nacheifern zu wollen, indem man Pharrell Williams als Gast hinzugeholt hat, der hierauf neben u.a. Cat Power, Mike D und Ryan Tedder von OneRepublic zu finden ist). Richtig klasse ist der dem Jungle huldigende Titeltrack!

http://www.cassiusofficial.com/

Cassius – The Missing ft. Ryan Tedder, Jaw from Lora Venkova on Vimeo.

 

 

De La Soul – And The Anonymous Nobody…

VÖ: 26.08.2016

Label: A.O.I.

Genre: Hip-Hop

Nach Cassius und den Beginnern gibt es eine weitere Rückkehr zu verkünden, fast genau so lang erwartet wie bei den Letztgenannten. Auf eine Kickstarter-Kampagne geht die Finanzierung des nun vorliegenden Albums von De La Soul zurück. Nach 12 Jahren LP-Pause, auch wenn das Trio seither natürlich nicht vollständig kreativ untätig war, man erinnere da doch nur an ihre absolut wirkungsvolle Beteiligung am großartigen Gorillaz-Hit Feel Good Inc. oder an ihren Nike-Sampler. And The Anonymous Nobody… versammelt nicht nur eine Menge von Klängen verschiedenster musikalischer Spielarten – neben Hip-Hop –, sondern dementsprechend auch von Gästen (David Byrne, Damon Albarn, Jill Scott, Snoop Dogg, Usher, Justin Hawkins, Little Dragon u.a.). Viele dieser Kooperationen gelingen sogar richtig gut. De La Soul selbst sind ebenso klasse, in Sachen druckvoller Beats, ausdrucksstarker, in Stimmungshinsicht  variierender Hooklines und Samples  kann man ihnen immer noch kaum etwas vormachen. Stark!

http://www.wearedelasoul.com/

De La Soul – and the Anonymous Nobody (Album Trailer) from The NYFrequency on Vimeo.

 

 

Glass Animals – How To Be A Human Being

VÖ: 26.08.2016

Label: Caroline

Genre: Indietronica / (Experimental/Psychedelic) Pop

Das Quartett aus Oxford ist in den letzten Jahren viel herumgekommen, war auf ausgiebiger Tour rund um den Globus – vor allem in den USA waren viele Shows ausverkauft –, bespielte die großen Festivals , trat in einigen TV-Shows auf, ihre Songs wurden vielfach auf den Streamingdiensten angehört. Bei allen Qualitäten des Debüts Zaba (2014), so ganz selbstverständlich war dieser Erfolg nicht, weist die Musik von den Glass Animals doch eher wenig massentaugliche, kommerzielle Elemente auf. Andererseits ja auch beruhigend, dass man mit experimenteller, viele Musikstile (von World Music über Hip-Hop bis zu experimentellem Pop) aufgreifenden Klängen eine große Hörerschaft erreichen kann (was allerdings schon andere Vertreter wie die Kollegen von Alt-J nachweisen konnten). Diese forschende Herangehensweise hat man glücklicherweise auch auf dem Nachfolger How To Be A Human Being) beibehalten, mit den Ergebnis, dass die Songs im Großen und Ganzen überzeugen (vor allem Life Itself!).

http://glassanimals.eu/

Glass Animals – Teaser film from Intro on Vimeo.

 

 

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den Anderen

VÖ: 26.08.2016

Label: Tapete

Genre: Indie-Pop/-Rock

Wenn in den Medien über Singer/Songwriter gesprochen wird, die pointierte, lebensnahe Geschichten schreiben könnten, so ist der Autor dieser Zeilen für gewöhnlich erst einmal ein wenig misstrauisch, vor allem wenn Texte mancher deutschsprachiger Bands thematisiert werden. Ihm gefiel allerdings schon immer der Output eines gewissen Francesco Wilking und seiner Formation Tele. 2011 startete er ein weiteres interessantes Projekt, zusammen mit Max Schröder, einem ebenso talentierten Künstler und ein paar wechselnden Gastmusikern (aktuell mit Max Schröder und Felix Weigt). Das zweite Album von Die Höchste Eisenbahn kann qualitativ mit dem 2013er-Debüt Schau in den Lauf, Hase mithalten, enthält amüsante, mitreißende, auch mal selbstironische Texte über die Eigenarten und Erlebnisse oftmals namentlich genannter Protagonisten (mit Bezug auf den von Tele einst besungenen Mario), ist zudem klanglich vielfältig und mutig  ausgestaltet. Diese künstlerische Kombination funktioniert bestens!

http://www.diehoechsteeisenbahn.de/

Wer bringt mich jetzt zu den Anderen from Kumpels & Friends | Animation on Vimeo.

 

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