Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Gschichterln aus dem Park Café

VÖ: 09.07.2021

Label: Tapete

Genre: Pop / Northern Soul

Ich habe ja hier bei hicemusic schon zu Genüge erwähnt, dass mir ein paar deutschsprachige Bands mit ihren humorvollen und ironischen, immer hintergründigen Texten sowie ihren Referenzen auf alltägliche, pophistorische und sozialpolitische Ereignisse oder Phänomene imponieren. Dazu gehörten zum Beispiel die Hamburger Formation Superpunk, die einige tolle Alben vorlegten, unter anderem das geniale Wasser Marsch (2001, mit Songs wie Neue Zähne für meinen Bruder und mich), das ebenfalls grandiose Einmal Superpunk, bitte (2004) oder die wirklich ausgezeichnete Compilation A Young Person’s Guide To Superpunk (2012). Letztere war ja dann leider auch das Abschiedsgeschenk. Allerdings gibt es da ein paar Herren (Carsten Friedrichs und Tim Jürgens) dieser Band, die dann eine Nachfolge-Formation gründeten, die so ein bisschen den Spirit der alten Tage aufleben ließ. Anlehnend an einen äußerst trashigen Film mit Sean Connery wurde Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen aus der Taufe gehoben. Da kommen mit den Klängen wohlige Erinnerungen an Superpunk hoch, wobei ein eigenständiger Charakter der Musik nun wirklich nicht abzusprechen ist. Nun, da sind seit 2012 ein paar wirklich gute Werke erschienen, die ganz im Sinne des Bandnamens ebenfalls eine humorvolle Herangehensweise an popkulturelle und sozialpolitische als auch generell Alltags-Themen aufgezeigt haben. Den Vorgänger des hier besprochenen Albums – Fuck Dance, Let’s Art (2019) – habe ich beispielsweise sehr geschätzt. Das neue Werk Gschichterln aus dem Park Café  unterscheidet sich erneut nicht durch die Herangehensweise, hat aber wieder – dem österreichischen Titel gemäß – schön gewitzte Geschichten mit neuen thematischen Perspektiven zu bieten und macht einfach wieder Spaß mit Songs wie Es ist nett, nett zu sein, Yo Zwanie, Houston, wir haben kein Problem, 2020 – Das erotische Jahr oder Rebekka will ihr Rad zurück. Einige schöne Melodie-Ideen (z.B. in Richtung 60er-Agentenmusik) inklusive! Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen gehört wie Superpunk eben auch zu meinen geschätzten deutschen Bands!

Note: 2,3

http://diegentlemen.de/

Laura Mvula- Pink Noise

VÖ: 02.07.2021

Label: Warner

Genre: (Electro-)Pop / R&B / Synth-Funk     

Retro bleibt in der Pop-Musik das große Ding, warum auch nicht? Immer wieder werden Stilrichtungen der vergangenen Dekaden mal mehr mal weniger bestechend rezitiert und erscheinen im neuen Licht. Letzteres ist ja eigentlich schon eine Voraussetzung, denn es funktioniert nun mal eher nicht, wenn schlicht kopiert wird. Stile wie Soul und R&B werden in unterschiedlichen Klangkontexten präsentiert, ja gerne auch in Verbindung mit Electro-Sounds. In den letzten Jahren war beispielsweise der 80’s-Soul-Funk-Disco-Pop im Stil eines Prince oder von Michael & Janet Jackson wieder ein Thema. Da kommen einem die stilvollen Experimente einer Janelle Monáe – mit ihrem superben 2018er-Werk Dirty Computer – in den Sinn oder auch die coolen Statements der Französin Christine And The Queens. Seit einigen Jahren macht auch die Britin Laura Mvula auf sich aufmerksam, präsentierte von der Kritik geliebte, preisgekrönte Alben mit Sing To The Moon (2013) und The Dreaming Room (2016). Das war nicht bloß Neo-Soul der einfachen Sorte, es konnte durchaus in die verschiedensten musikalischen Bereiche weiterreichen. Vergleiche mit Nina Simone und Davis Axelrod u.a. wurden zu Zeiten des Debüts angestellt. Auf Pink Noise geht es nun infolge eines langen Aufnahme- und eines persönlichen Aufarbeitungsprozesses der 35-Jährigen verstärkt in die bereits angerissenen 80’s-Gefilde mit Synthie-Pop sowie gewohnt gut produzierten, ausgeklügelt arrangierten Soundflächen und dieser unvergleichlichen Stimme Mvulas. Das ist keine neue Idee an sich, die Songs – wie Got Me oder Church Girl – hinterlassen dennoch Eindruck durch diese Unverkrampftheit, diese Direktheit und ja – Individualität. Starkes Album!

Note: 2,0

https://www.lauramvula.com/

                     

Kings Of Convenience – Peace Or Love

VÖ: 18.06.2021

Label: EMI

Genre: Indie-Folk /-Pop

Die Jahre von 2001 bis ca. 2005 waren für mich (auch) in musikalischer von sehr großer Bedeutung, was ich ja an dieser Stelle schon das ein oder andere Mal geschrieben habe. Es war eben jene Zeit, in der ich zumindest zu großen Teilen die Charts-Hits langweiliger fand und einige im Radio (dort dann eher im Abendprogramm) eher seltener zu vernehmende Klänge entdeckte. Das waren natürlich zuvorderst die Formationen der neuen damaligen Indie-/Garage-Rock/Post-Punk-Welle (z.B. die ganzen „The“-Bands: The Strokes, The White Stripes), Electronica, einige „Klassiker“ (z.B. durch meinen Vater, der mir unter anderem Progressive Rock näherbrachte) und so vieles mehr. So Ende 2001 / Anfang 2002 lernte ich auch die Norweger Röyksopp kennen, auf deren fantastischen Debüt Melody A.M. ein gewisser Erlend Øye zu hören war (auf Remind Me und Poor Leno). Mir entging damals jedoch komplett die Musik seiner Band Kings Of Convenience und deren wundervolles Erstwerk Quiet Is The New Loud (2001), das so gefühlvolle, introvertierte Indie-Pop und -Folk-Songs bot. Der Albumtitel wurde gar als Slogan verwendet und stellte eine Art Gegenbewegung zu den oben genannten Indie-/Garage-Rock/Post-Punk-Bands dar. Formationen wie die Turin Brakes oder Badly Drawn Boy, ja sogar Belle & Sebastian wurden hier zugerechnet.  Ich habe die Kings Of Convenience dann erst richtig im Zusammenhang mit dem Nachfolger Riot To An Empty Street (2004) mit Gästen wie der tollen kanadischen Sängerin Feist zu schätzen gelernt (und in dem Zuge mich dem Vorgänger gewidmet). Songs wie I’d Rather Dance With You beweisen ja, dass „Quiet Is The New Loud“ nicht gleichbedeutend mit ausnahmslos ruhigen Songs ist. Schon auf besagtem Debüt waren Alternative Rock-Elemente zu hören. 12 Jahre (!) nach dem dritten Album Declaration Of Dependence sind die beiden Norweger – Erlend Øye und sein Co Eirik Glambek Bøe –  zurück mit Peace Or Love. Es ist vieles wie früher, unter anderem ist Feist wieder dabei. Ich bemühe den Vergleich oft, wenn ich mit etwas Nostalgischem in Berührung komme: es ist so wie eine geliebte Person nach vielen Jahren wieder zu treffen. Man weiß, es sind einige Jahre ins Land gezogen, alles ist vertraut, doch letztlich ist die Begegnung wieder eines – richtig schön! Man versteht sich doch irgendwie noch, oder? Ich mag das Viertwerk, es sind schöne introvertierte und gefühlvolle Songs über Themen wie Liebe, Kummer und das Relaxen. Genau der Folk wird repräsentiert, den ich schätze! Die Kritiker sind da unterschiedlicher Meinung. Daher würde ich gerne von euch wissen: wie findet ihr Peace Or Love? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3

https://kingsofconvenience.eu/#!     

Fortuna Ehrenfeld – Die Rückkehr zur Normalität

VÖ: 04.06.2021

Label: tonproduktion

Genre: (Indie-)Pop

Ich habe ja an dieser Stelle schon öfter über den deutschsprachigen Pop geschrieben und wie ich ihn im Allgemeinen einschätze. Gerade die Präsentation im Radio, wie dieser dort für gewöhnlich interpretiert wird, wie die Texte als lebensnah oder „echt“ beschrieben werden, auch wenn es in meinen Augen nicht immer zutreffend ist, darüber habe ich allzu häufig etwas bei hicemusic ausgeführt. Ich muss allerdings in diesem Zusammenhang klarstellen, dass meine Ansichten in der Mehrheit in dieser Hinsicht nicht negativ sind. Denn der deutschsprachige Pop hat jene Bands zu bieten, die eine Vielfältigkeit, eine Stilsicherheit und Authentizität an den Tag legen, aber wem sage ich das? Eine dieser Formationen, die ich sehr schätze, sind die Kölner um Frontmann Martin Bechler – Fortuna Ehrenfeld. Denn neben dem Humor und der Ironie, die sich nicht nur in einigen der Song- und Albentitel ausdrücken, wird eine Hintergründigkeit in der Auseinandersetzung mit alltäglichen Themen in den Texten deutlich, die über die von Jan Böhmermann (als Jim Pandzko) einst so gut auf den Punkt gebrachten Komplexe Menschen Leben Tanzen Welt hinausgehen bzw. diese etwas reflektierter und komplexer ausgestalten. Zudem ist im Bezug auf die Musik zu sagen, dass Fortuna Ehrenfeld immer wieder neue Ansätze und Musikrichtungen entwickeln und einfließen lassen. Auf dem neuen Album Die Rückkehr zur Normalität werden beispielsweise Electro-Elemente eingearbeitet, die unter anderem 1990er-Techno-Flair aufweisen. Nicht ganz ohne Zufall, denn das Feiern und die Ausgelassenheit wird herbeigesehnt. So ist der Albumtitel angesichts der derzeitigen Situation wohl auch erklärbar. Das Ende der Corona-Zeit als zentrales Ziel, zum Beispiel mit fröhlich skandierten „Sha-la-la-la“ (in Anleitung zum Sha-la-la)!) oder „Lo-lo-lo-lo (…)“ (im besten Song der Platte, Die panamoralische Liebe). Es soll zumindest Mut gespendet werden. Dies gelingt in der Gesamtheit wirklich gut, ein gleichzeitig unterhaltsames Album, das man gerade jetzt bestimmt ausgezeichnet hören kann!

Note: 2,3

http://antispecht.de/fortuna/  

                      

Blur – Parklife / Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?

Blur – Parklife

VÖ: 25.04.1994

Label: Parlophone

Genre: Britpop / Alternative-/Indie-Rock


Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?

VÖ: 02.10.1995

Label: Big Brother

Genre: Britpop / (Alternative-)Rock


Ich möchte jetzt nach über 25 Jahren hier nicht noch einmal den „Battle Of Britpop“ in allen Details ausbreiten, der ja von der Presse damals heraufbeschworen wurde und als „(…) the greatest pop rivalry since the days of the Beatles and the Stones“ bezeichnet und behandelt wurde. Natürlich lässt sich eine Frage, welche der beiden Bands die bessere ist, schon vor allem aus subjektiver Perspektive heraus beantworten, doch muss das wirklich sein?!? Denn ähnlich wie bei den Beatles und den Rolling Stones ist doch eigentlich kaum zu bezweifeln, dass beide Gruppen unheimlich wichtig sind. Sowohl Blur als auch Oasis haben großartige Werke und Songs geschrieben und den Pop und Rock revolutioniert  – und somit eben nicht „nur“ den Britpop der Zeit. Dieser gab den Musikfans ab den frühen 1990er Jahren das Gefühl, dass essenzielle Bestandteile verschiedenster Sounds und damit zusammenhängender Lebenseinstellungen und Botschaften aus 30 Jahren Pop und Rock – eben auch von den genannten Beatles und den Rolling Stones, aber auch anderen Formationen der Jahrzehnte zuvor (vor allem der Modbands der 1960er Jahre sowie des 1980er Indie-Rocks), und mit dem „Modfather“ Paul Weller als treibende Kraft des Genres – wieder eine Renaissance erleben durften. Mit einem britischen Anstrich versehen und als Ausdruck eines Lebensgefühls. Natürlich wären für diese Musikrichtung auch noch andere Bands zu nennen, natürlich Suede und Pulp, aber auch zum Beispiel Manic Street Preachers, The Verve, Supergrass, Ocean Colour Scene, Ash, Kula Shaker, manche sagen ja auch Radiohead etc., doch insbesondere Blur und Oasis haben wahrscheinlich nicht nur bei mir diesen großen Eindruck hinterlassen, und das nicht nur wegen ihres kommerziellen Erfolgs damals. Welche(r) Tonträge(r) mit welchem/n Song(s) das dann genau ist/sind, da kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Der „Battle Of Britpop“ ist ja im Zuge der Veröffentlichung der beiden Singles – Blurs Country House aus dem Album The Great Escape und Oasis‘ Roll With It aus (What’s The Story) Morning Glory?, die beide 1995 erschienen – entstanden. Dabei hatten beide Gruppen schon vorher geniale Werke veröffentlicht. Blur legte mit Leisure 1991 allerdings noch ein kommerziell nicht sonderlich erfolgreiches und von der Kritik wenig begeistert aufgenommenes, zum Beispiel Shoegaze und Madchester-Sounds kombinierendes Debüt vor. Doch mit Modern Life Is Rubbish (1993) wurde der Britpop eindrucksvoll von den Londonern eingeleitet. Mit Parklife ein Jahr später setzten sie einen qualitativ hohen Standard, der die grundlegenden Zutaten des Genres pointiert und musikalisch kraftvoll zum Ausdruck brachte. Großartige Songs wie Girls & Boys, der Titelsong, End Of A Century oder This Is A Low, ich persönlich liebe auch Tracy Jacks! Die Kommentare zu den sozialpolitischen Verhältnissen in stark geschriebenen Texten, die vor allem mit viel Humor und Spaß glänzten. Dann die musikalische Offenheit gegenüber den verschiedensten Stilrichtungen (hier unter anderem Punk, Psychedelia, Synthie Pop und Walzer). Später ging das ja bei Blur auch nach dem Britpop weiter, mit großartigen Leistungen auf Alben wie auf Blur (1997), 13 (1999)  oder Think Tank (2003). Parklife habe ich damals von einem Freund auf CD geschenkt bekommen, zusammen mit Leisure und Modern Life Is Rubbish. Das hier besprochene Werk ist bei aller Wertschätzung des letztgenannten das einzige, was ich auch heute noch regelmäßig höre. Großartig! Apropos großartig, das sind auch noch immer die beiden ersten Alben von Oasis, die ebenfalls fantastische Texte (von Noel Gallagher) und vielseitige, im positiven Sinne großspurige Musik (aus unter anderem Punk, Psychedelia) boten. Definitely Maybe (1994) mit Hammer-Songs wie Supersonic oder Live Forever war das kommerziell erfolgreichste Debüt aller Zeiten in Großbritannien. Dem wurde nur ein Jahr später der nicht minder fantastische Nachfolger (What’s The Story) Morning Glory? hinzugefügt, mit diesen auch heute noch von allen zurecht angestimmten Hymnen wie Wonderwall oder Don’t Look Back In Anger! Ich persönlich schätze das Zweitwerk sogar noch mehr, habe es in den über 25 Jahren so unglaublich viel gehört. Ich erinnere mich auch, wie wir das Album im Party-Keller eines Freundes – jährlich zu dessen Geburtstag – aufgelegt und die Hymnen feierlich mitgesungen haben! So gut waren die Jungs aus Manchester um die so oft zerstrittenen Gallagher-Brüder danach nicht wieder! Doch Oasis und Blur haben mich mit ihren Genre-Werken gleichfalls begeistert, Britpop at its best, das nun wirklich keinen „Battle“ nötig hat!    

Beide Werke, Parklife und (What’s The Story) Morning Glory?           

Note: 1,0

https://www.blur.co.uk/

https://www.oasisinet.com/#!/home


Blur – Parklife


Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?

Squid – Bright Green Field

VÖ: 07.05.2021

Label: Warp

Genre: Post-Punk / Indie-/Alternative-/Math-/Kraut-Rock / New-Wave

Okay, ich stelle es von vornherein klar: dieses Debüt der Newcomer-Band Squid aus Brighton kommt hier keineswegs wegen einer möglichen miesen Qualität, seiner Mittelmäßigkeit oder sonstiger eher negativer Aspekte in die „Kontrovers“-Sparte! Ich sage es direkt: Bright Green Field ist auch in meinen Augen wahnsinnig gut und wird sicherlich in einigen Bestenlisten des Jahrgangs 2021 landen! Ich weise diesmal nur kurz darauf hin, dass es bei meinem Lieblings-Label Warp Records erscheint, einer Stätte für experimentelle und hochqualitative Musik – seit mehr als 15 Jahren eben auch außerhalb der ambitionierten Electronica! Passt halt darauf, mit dieser unwiderstehlichen, absolut bestechenden Mischung aus Punk, Rock und New-Wave! Produzent dieses Debüts war zudem Dan Carey, der schon einige der momentan angesagtesten und großartigen Post-Punk-Bands (u.a. Black Midi mit ihrem grandiosen 2019er-Erstling Schlagenheim, aber auch Fontaines D.C. mit ihren beiden Werken sowie viele andere auch „Genre-fremde“ Bands) in dieser Funktion erfolgreich begleitet hat. Das gibt dem Sound die unwiderstehliche Kraft und gleichzeitige Eleganz! Klar, in den Texten lassen sich einige sozialkritische Messages erkennen, die im (Post-)Punk nun wahrlich nicht ungewöhnlich sind. Doch es erstaunt, wie aufgeräumt und reflektiert Squid hier vorgehen, dabei ein pessimistisches Bild der Zukunft als Warnung aufzeigen und diesen Botschaften mit diesen experimentellen Sounds voller Überraschungen Ausdruck verleihen! Der Hype war im Vorfeld schon groß, doch hier scheint er auch letztlich vollends berechtigt! Die Wertungen der Kritiker/innen sind in der Mehrheit überaus positiv, wobei ich vor allem in den deutschen Musik-Magazinen noch Zurückhaltungen festgestellt habe – auch wenn das natürlich eher Meckern auf hohem Niveau ist! Ich finde Bright Green Field wie gesagt schon jetzt fantastisch! Was sagt ihr? Bin mal gespannt, was ihr dazu sagt!

Note: 1,7 (vorerst)

https://squidband.uk/   

     

Sophia Kennedy – Monsters

VÖ: 07.05.2021

Label: City Slang

Genre: Indie-Pop / Hip-Hop / Electronica / Jazz

Die in Hamburg lebende US-Amerikanerin Sophia Kennedy kommt aus einem künstlerischen, musikalisch kreativen und mannigfaltigen Umfeld. Denn ihre Arbeiten der 31-Jährigen, die zunächst Film studieren wollte, sind unter anderem auf dem von Stefan Kozalla alias DJ Koze mitgegründeten, in vielen Genres verorteten Label Pampa Records zu finden. Das kann doch irgendwie nur spannend werden! Denn genauso wie besagter DJ Koze pflegt Kennedy eine individuellen, stets nach neuen Klängen forschenden Ansatz, der irgendwie eine gut ausgewogene Mischung aus Eingängigkeit und Experiment erschafft. Die Zusammenarbeiten geben da eine Richtung vor: u.a. mit Erobique (für ihre erste Single Angel Lagoon im Jahr 2013), DJ Koze (auf dessen großartigen 2018er-Album Knock Knock) sowie Stella Sommer (auf Man weiß es nicht genau, 2019). Nicht zu vergessen ist ihre mit Helena Ratka gegründete, vor allem in Bereich von Electronica-/Disco musikzierende Band Shari Vari. Mit Mense Reents (Die Goldenen Zitronen) nahm sie dann 2017 ihr selbstbetiteltes, von mir leider sehr spät entdecktes Solo-Debüt auf, das Pop-Musik aus mehreren Perspektiven interpretierte und mit ausgeklügeltem Songwriting glänzte. Vor allem legte Kennedy einen großen Wert darauf, ihrer Stimme einen großen Raum zu geben und in vielseitig angelegte Instrumental-Arrangements zu betten. Klappte perfekt! Auf dem nun erscheinenden Nachfolger Monsters wird diese Mischung aus Pop mit verschiedensten anderen Stilrichtungen weiter verfeinert und großartig ausgearbeitet. Stimmungstechnisch ist das ebenso vielseitig ausgelegt, was innerhalb der Stücke durchaus variieren kann, von euphorisch zu düsteren Momenten ist alles möglich! Eingängigkeit meets Experiment eben! Wunderbares Album voller Überraschungen!

Note: 2,0   

https://www.sophiakennedy.com/ 

                          

Gorillaz – Gorillaz

VÖ: 26.03.2001

Label: Virgin

Genre: (Electro-/Art-/Indie-)Pop / (Alternative-/Punk-)Rock / Hip-Hop

Sie gehört zu meinen Lieblingsbands, die Brit-Pop-Band Blur. Natürlich möchte ich den Anteil von Graham Coxon, Alex James und Dave Rowntree am künstlerischen als auch kommerziellen Erfolg der Formation nicht kleinreden, aber betrachtet nur einmal die Geschichte und die damit zusammenhängenden weiteren Erfolge anderer Musikgruppen, an denen er beteiligt war, dann stellt sich auf keinen Fall die Frage, wer hier auf jeden Fall eine treibende Kraft dahinter dargestellt hat. Dieser 1968 in London geborene Herr kann mit Recht als eine der auch heute noch künstlerisch aktivsten und vielseitig versiertesten Persönlichkeiten im Musik-Business angesehen werden: Damon Albarn. Man schaue sich nur mal die Bands und Projekte an, in denen er neben den großartigen Blur musiziert (hat) bzw. er beteiligt war/ist: The Good, The Bad & The Queen, Rocket Juice & The Moon, DRC Music, The Heavy Seas, sein Solo-Album (Everyday Robots von 2014), natürlich seine Arbeiten an Mali Music (2002), seine Organisationen (Africa Express z.B.), seine Soundtrack-Arbeiten, seine Oper Monkey: Journey To The West (2008), seine unzähligen Kollaborationen darüber hinaus (Massive Attack, The Strokes usw.) und und und…Zudem darf natürlich jene Band nicht vergessen werden, die neben Blur ebenfalls zu Albarns künstlerisch und kommerziell erfolgreichsten Formationen gehört: die Gorillaz. Sie wurde schon 1998 von ihm zusammen mit Jamie Hewlett (unter anderem Miterfinder der Comics um Tank Girl) gegründet. Somit zu einer Zeit, kurz nachdem Blur gerade Erfolge mit ihrem selbstbetitelten Album und vor allem der Single Song 2 gefeiert und sich erfolgreich vom Brit-Pop emanzipiert hatten. Mit der neuen Band ging es noch weiter weg vom Sound alter Tage, vor allem mit einer neuen visuellen Erscheinung. Denn handelte sich um eine aus vier animierten Figuren (repräsentativ für Albarn, Hewlett, Del Tha Funky Homosapien und Miho Hatori) bestehende Gruppe, die fortan einen wahrlich mannigfaltigen Soundmix zusammen mit verschiedensten namhaften Gästen (u.a. Ibrahim Ferrer, Dan The Automator) präsentieren sollte, der unter anderem unterschiedlichste Pop- und Rock-Richtungen, Hip-Hop, Electronica, Funk sowie verschiedene World Music-Elemente umfasste. Im Jahr 2001 wurde dies effektiv und für mich unvergesslich umgesetzt, nämlich auf dem selbstbetitelten Debüt! Wer erinnert sich nicht an die unvergleichlichen, von Jamie Hewlett (zum größten Teil in Zusammenarbeit mit Pete Candeland) gedrehten Videos zu den allesamt fabelhaften Singles Clint Eastwood, 19-2000, Rock The House und Tomorrow Comes Today? Ich habe sie erstmals klassisch im Musik-Fernsehen (VIVA, VIVA Zwei, MTV) gesehen und war sofort fasziniert! Was für fantastische, einige Ohrwürmer bereitende Klänge, die auch 20 Jahre nach Entstehung nichts von ihrer Zugkraft verloren haben. Die beiden direkten Nachfolger des Debüts – Demon Days (2005, mit der Super-Single Feel Good Inc.) und vor allem Plastic Beach (2010) –  haben mir ebenfalls unheimlich gut gefallen, doch das Original wird meiner Meinung nach nicht geschlagen. Neben Blur gehören auch die Gorillaz seitdem auf jeden Fall zu meinen All Time-Lieblingsbands!

P.S.: Ich hatte lange Zeit einen Klingelton von Rock The House. Eines Tages hatte ich vergessen das Handy auf „lautlos“ zu stellen und es ging während einer Vorlesung an der Uni los. Ein Kommilitone pfiff daraufhin sofort die Melodie mit. Spricht für die Beliebtheit und die Ohrwurm-Qualität der Gorillaz, oder?

Note: 1,3

https://www.gorillaz.com/    

     

International Music – Ententraum

VÖ: 23.04.2021

Label: Staatsakt

Genre: Indie-Rock / Noise-Pop / Neo-Psychedelia             

Ich habe mich ja in den Kurzkritiken des Aprils auch mit dem neuen Album Die Gruppe der Berliner Ja, Panik auseinandergesetzt, einem wirklich klanglich und textlich ausgezeichnetem Werk! Es offenbart eine hintergründige, intellektuelle Herangehensweise an zurzeit aktuelle Themen. Wobei es dieser Formation vor allem um das Spiel mit Sprache geht. An diesen Bands mangelt es tatsächlich auch zurzeit in der deutschsprachigen Musikszene nicht, die nicht allzu offensichtliche, aber hochgradig reflektierte Standpunkte einnehmen und sich einer Angelegenheit multiperspektiv annehmen. Eigentlich bin ich ein großer Fan dieser Musik, habe schon immer mit Interesse verfolgt, was für Musiker/innen da in der Tradition und Nachfolge von beispielsweise „Hamburger Schule“-Musikgruppen wie Tocotronic, Die Goldenen Zitronen, Blumfeld oder Die Sterne vielschichtige Rock-/Punk-/Pop-Sounds produzieren, ebenfalls wie sprachlich komplexe, vielseitige Stimmungsbilder vermittelnde Texte. Leider war ich da 2018 nicht so aufmerksam, als ein Album namens Die besten Jahre erschien. Klar, habe ich das im Nachgang gehört und in den entsprechenden Jahresrückblick genommen. Aber das Werk – das unter anderem die Knaller-Single Cool bleiben aufbietet – und die Formation dahinter – die Essener von International Music – hatten eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient! Die Kritiker/innen zogen damals Parallelen zu besagten Ja, Panik – gerade aufgrund der Mischung deutscher und englischer Sprache –, verwiesen gleichzeitig aber auch auf die weiteren Stilrichtungen und Bands – ebenfalls in internationaler Hinsicht. Es wurden unter anderem gleichzeitig The Jesus And Mary Chain, Can und F.S.K. im Musikexpress ins Spiel gebracht. Die Band soll vor allem von den Beatles, The Velvet Underground, Spacemen3 und Trio inspiriert sein. So oder so, die Klänge sind tatsächlich vielseitig aufgestellt. Das wird auch bei dem genialen Zweitwerk Ententraum klar, das den Hörer unter anderem wieder mit Psychedelic-/Kraut-/Progressive-Rock und Noise-Pop bekannt macht und dabei eindeutig zeigt, dass da begnadet virtuose Musiker am Werk sind, die reichhaltig instrumentierte Songs mit unwiderstehlichen Melodien erzeugen! Es geht thematisch vor allem um den Zustand des Träumens, um die Bilder die erzeugt werden und offenbart verschiedene Deutungsansätze. Es wird mal lustig, ironisch, überschwänglich, aber auch melancholisch, traurig und düster! Das Album ist nur aus einem Grund in der „Kontrovers“-Sparte: ich bin hingerissen von Ententraum, finde es mindestens genauso gut wie das Debüt von International Music, habe aber auch die teilweise und vergleichsweise noch etwas verhaltenden Wertungen der Kritiker/innen registriert! Was sagt ihr zu dem Album? Genial, gut, schlecht oder doch nur Mittelmaß? Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt 😊                       

Note: 1,7 (mit Potential nach oben)

https://www.internationalmusic.band/

Vladislav Delay – Rakka II

VÖ: 16.04.2021

Label: Cosmo Rhythmatic

Genre: Ambient / Electronica

Ich habe letztens eine tolle Liste bei Spotify entdeckt, in der die interessantesten und herrlich verrückt-verspieltesten Tracks von Electronica-Acts aus dem Heimatland meiner Mutter zusammengefasst wurden. Sie nennt sich schlicht Finnish Electronic und präsentiert so unterschiedliche Künstler/innen wie Emilia, Jimi Tenor, Op:l Bastards, Esa Saarinen, Jaakko Eino Kalevi oder die Ural 13 Diktators. Natürlich findet sich darauf auch ein gewisser Sasu Ripatti, der in der Electronica-Szene unter verschiedenen Pseudonymen aktiv ist und die verschiedensten Subgenres sowie weitere Spielarten (vor allem Ambient) auslotet, in diesem Fall als Luomo. Da gab es 2000 unter anderem Vocalcity und 2003 das von mir ebenfalls höchst geschätzte The Present Lover, auf denen verschiedenen House-Formen (u.a.a Deep, Micro) kunstvoll zum Ausdruck kamen. Andere Pseudonyme waren Sistol, Uusitalo, Conoco, Ripatti, nicht zu vergessen die weiteren Kollaborationen wie das Vladislav Delay Quartet, AGF/Delay bzw. The Dolls (Gemeinschaftsarbeiten mit Antye Greie und letzteres auch noch mit Craig Armstrong) oder jene mit dem Moritz von Oswald Trio. Am bekanntesten ist Ripatti aber wohl immer noch als Vladislav Delay. Die Sounds, die unter diesem Alias produziert, zeichnen sich durch eine höchst atmosphärische Tiefe, komplexe musikalische Strukturen und eine strikt konzeptuelle Herangehensweise aus. So widmete Vladislav Delay sich auf Rakka (2020) anhand auditiv anregender, stimmungsvoller, mitreißender aber auch durchaus herausfordernder Klangerlebnisse der finnischen Natur und ihren Eigenschaften. Ist ja zu Zeiten der Corona-Pandemie irgendwie nachvollziehbar, dass man sich dieser Thematik, den verschiedenen Rückzugsorten widmet (auch wenn die Natur schon immer eine Rolle bei Vladislav Delay gespielt hat). Auf dem Nachfolger schließt er daran an, präsentiert erneut atmosphärische Klangreisen, denen wieder ein introvertierter Charakter innewohnt. Die Sounds werden fortlaufend weiterentwickelt, präsentieren vielschichtige Strukturen, überraschende Wendungen und unterschiedliche Perspektiven. Als Halbfinne mag ich da „vorbelastet“ zu sein und von Grund auf eine positive Erwartungshaltung zu haben, wenn Vladislav Delay ein neues Album präsentiert, aber es ist ja auch im Ergebnis wunderbar, oder nicht?

Note: 2,0    

https://vladislavdelay.bandcamp.com/

         

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