Juli 2016

Bat For Lashes – The Bride

VÖ: 01.07.2016

Label: Parlophone

Genre: Art-/Dream-Pop, Indie-Folk

Da hat Natasha Khan alias Bat For Lashes sich mal wieder eine Thematik ausgesucht, mit der sie es sich selbst und den anderen nicht leicht macht. Dafür schätzt man sie allerdings ja gemeinhin auch, denn sie weiß, wie man das inhaltlich Behandelte in fein arrangierte, stets Umwege ins Sphärische, auch mal Düstere oder Ungewöhnliche suchende  Musik einbetten kann. Ihre kreative Vielseitigkeit hat die 36-Jährige unter Beweis gestellt, als sie letztes Jahr einen Kurzfilm mit dem Titel I Do drehte, auf den sie sich nun bezieht. So veröffentlichte sie anlässlich der gleichnamigen Single ein Statement: „Save The Date, July 1st“, das Datum einer fiktiven Hochzeit (als auch Veröffentlichungsdatum des Albums). Es geht um einen tragischen Unfall an jenem Tage, der eigentlich eine der glücklichsten im Leben eines Menschen sein sollte. Großartig eingefangen mit kinematographischen, mal düsteren, mal andächtig-traurigen Klanglandschaften, die an Goldfrapp, Kate Bush, Lana Del Rey, aber auch Lynch-Filme erinnern. Stark!

http://www.batforlashes.com/

Bat For Lashes – In God’s House from Michael Stine on Vimeo.

Bat For Lashes – „In God’s House“ Teaser from John de Menil on Vimeo.

 

 

Blood Orange – Freetown Sound

VÖ: 01.07.2016

Label: Domino

Genre: R&B, Funk, Art-/Synthie-Pop

Hört man sich die Musik von Devonté Hynes an, wird man merken, dass dieser unglaublich universell aufgestellt ist. War er schon damals als Lightspeed Champion und bei den Test Icicles und er ist er seit ein paar Jahren auch als Blood Orange. Hynes kann nicht nur stilistisch auftrumpfen – man hat manchmal den Eindruck, es gäbe noch kein Genre, an dem er sich nicht versucht hätte – sondern hat mit allmöglichen Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet (bzw. für diese geschrieben). Nach dem fantastischen Vorgänger Cupid Deluxe (2013) nun also Freetown Sound, das sich absolut glaubwürdig gegen Rassismus und Diskriminierung positioniert und extrem spannende, instrumentell vielseitig arrangierte Musik und effektive Samples (u.a. Ashlee Hazes For Colored Girls (The Missy Elliott Poem)) darbietet. Vor allem:  Gäste unterschiedlichsten Ursprungs wie Debbie Harry, Nelly Furtado (die endlich mal wieder eine starke Performance hinlegt), Empress Of, Carly Rae Jepsen oder Zuri Marley. Brillant!

http://bloodorange.nyc/

 

 

Shura – Nothing’s Real

VÖ: 08.07.2016

Label: Polydor

Genre: (Elektro-/Synthie-)Pop / R&B

Ist ja noch nicht lange her, da hat ein junger Mann aus Rheinland-Pfalz sich daran gemacht, die 1980er Jahre ausgiebig zu erforschen und mit Hilfe moderner Mittel in die Jetztzeit zu transferieren, Max Gruber alias Drangsal. Nun folgt aus Großbritannien eine Künstlerin des annähernd selben Alters, die jedoch Musik macht, die im Gegensatz zur jenen des Deutschen weniger dem Dark als dem New Wave verpflichtet ist, vielmehr dem (Dance-)Pop der oben erwähnten Dekade. Denn die Singles, die es bereits im Vorfeld der zu hören gab, aber auch das Debütalbum im Gesamten machen unmissverständlich klar, wer die Vorbilder sind (u.a. Madonna, Janet Jackson). Interessant ist ja ohnehin, dass Shura (wie auch Drangsal) erst in den 1990er Jahren geboren wurde, ihre Musik dennoch so klingt, als kenne sie die -80er in und auswendig. Die modernen elektronischen Elemente, wohldurchdachte Texte und eine insgesamt unverkrampfte Herangehensweise sorgen dafür, dass Nothing’s Real funktioniert. Gute Platte!

http://weareshura.com/

SHURA – ‚What´s is gonna be?‘ from CANADA Productora on Vimeo.

 

Nonkeen – Oddments Of The Gamble

VÖ: 15.07.2016

Label: R & S

Genre: Ambient / Electronica

Noch vor kurzem, im Zusammenhang mit der Rezension zur neuen Róisín Murphy-Platte, wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass man angesichts von Aufnahmen aus alten Sessions, die auf einem weiteren Album zusammengesammelt und aus den verschiedensten Gründen nicht auf das ursprüngliche Werk aufgenommen wurden, gerne ein wenig skeptisch sein dürfe. Nonkeen – ein Trio um den mittlerweile ebenso außerhalb von Avantgarde-Kreisen bekannten Pianisten Nils Frahm – präsentiert nun auch eine solche Veröffentlichung. In diesem Fall muss man jedoch festhalten, dass der sogenannte „Restbestand“ im Gesamteindruck überzeugender, kraftvoller, konsequenter ist als das Material des im letzten Februar publizierten The Gamble. Frahm, Gmeiner und Singwald bieten hier nostalgische, spannende sowie atmosphärische Melodien und bewegen sich damit unter anderem in den musikalischen Feldern von Boards Of Canada, Hauschka oder auch Air. Empfehlenswert!

http://www.nonkeen.com/

 

Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain

VÖ: 22.07.2016

Label: Caroline

Genre: Alternative-Rock / (Synthie-)Pop

Im Radio – auch auf den Sendern, die für gewöhnlich nur die eingängigste Musik spielen – sind bis heute einige Songs zu hören, die eine Mischung aus Folk mit Rock- und Pop-Elementen darstellen und dabei jenen ab Ende des letzten Jahrzehnts aufgekommenen Bands nacheifern, z.B. Mumford & Sons, Bon Iver oder auch Beirut. Ein paar von diesen haben ja auch selbst längst den Zugang zum Mainstream gefunden, wobei die ursprünglichen Sounds zugunsten der Massentauglichkeit „aufgehübscht“, die Folk-Wurzeln nicht selten ad acta gelegt  wurden. Die Londoner von Bear’s Den haben diesen Schritt nun auch unternommen, denn es gibt auf dem Zweitling nun vermehrt Synthie-Melodien zu hören, die kaum noch an das 2014er-Debüt Islands erinnern. Das Resultat ist, dass ein paar der Songs, die das Thema „Liebe“ aus verschiedenen Blickwinkeln behandeln, funktionieren, andere wiederum weniger. Auf keinen Fall so schlimm, wie teilweise schon geschrieben wird. Klingt ein wenig wie Snow Patrol*.

*welche der Schreiber dieser Zeilen eigentlich auch immer schon okay, zumindest nicht ganz so schlimm fand (wie ein paar Kritiker seinerzeit).

http://www.bearsdenmusic.co.uk/

 

 

MSTRKRFT – OPERATOR

VÖ: 22.07.2016

Label: Last Gang

Genre: Dance(-Punk) / House

Der Autor dieser Rezension ist im Bereich der Electronica schon so einiges gewohnt, ist auch den abseitigen, progressiven und gegen den Strich gebürsteten Sounds selten abgeneigt, lässt sich nicht schnell von Klängen verunsichern, die herausfordern und manchmal irritierend, gar verstörend wirken. Das dritte Album OPERATOR der Kanadier Jesse F. Keeler (Death From Above 1979) und Al-P, die sich zusammen MSTRKRFT nennen, hat ihm jedoch schon eine Menge Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt. Denn der Großteil darauf kennt kaum Ruhepausen, ist mit allerhand Geräuschattacken und hektischen Klangspielereien vollgepackt, die dem Hörer nur um die Ohren fliegen. Erinnert in seiner Gesamtheit – je nach Ausprägung und Intensität – an House-Experimente von Acts wie Daft Punk, Kid606, Atari Teenage Riot, Mr. Oizo,  Boys Noize oder Josh Wink. Stellt sich einzig und allein die Frage: Ist dies Kunst oder doch nur alberner Quatsch? Vielleicht aber auch gerade deshalb interessant!

http://www.mstrkrft.com/

MSTRKRFT – Runaway from Brooks Reynolds on Vimeo.