Oktober 2016

Archive – The False Foundation

VÖ: 07.10.2016

Label: Dangervisit

Genre: Progressive Rock / Electronica

Die Londoner befinden sich seit einiger Zeit wieder in einer kreativen Hochphase, was sie mit Axiom (2014) bereits andeuteten, mit dem letztjährigen Restriction eindrucksvoll untermauern konnten und nun ein weiteres Mal bestätigen. Mit Blue Faces bieten sie dem Hörer einen richtig gelungenen Einstieg, eine von Klavier getragene Ballade, die sich wunderbar viel Zeit lässt, um dann gegen Ende lauter zu werden und in das von feinen Electronica-Elementen unterstütze, langsam nach vorne treibende Driving In Nails überzugehen, das wiederum in den atmosphärischen, sci-fi-artigen, schön an die 1980er-Jahre erinnernden Synthie-Song The Pull Out weiterleitet. Über die gesamte Länge gelingen Archive vielseitige Instrumentierungen und Stimmungen – letztere decken die Emotionspalette von düster bis hoffnungsfroh ab –, mit einigen wendungsreichen Momenten und Soundideen. Man höre nur mal den wunderbaren Titelsong und lasse sich überzeugen!

http://www.archiveofficial.uk/

Archive | Driving in Nails from NYSU on Vimeo.

 

 

Jamie Lidell – Building A Beginning

VÖ: 07.10.2016

Label: Jajulin

Genre: Soul / Electronica

Jamie Lidell hat sein langjähriges Stammlabel Warp, Schmiede für ambitionierte Electronica, Indie-Rock und allerlei weitere popmusikalische Experimente, verlassen. Dort konnte der 43-Jährige in Solofunktion seiner Vorliebe für ungewöhnliche Soundstrukturen nachgehen, woraus bereits als Teil von Super Collider mit dem ebenso für ambitionierte Klänge bekannten Christian Vogel teilweise richtig geniale Tracks resultierten. Bei Warp öffnete er sich noch für Soul und Funk, die vormals dominierenden Electronica-Spielereien traten immer mehr in den Hintergrund. Allerdings muss man sagen, dass Multiply (2005) den kreativen Höhepunkt markierte, danach die Qualität stetig ein wenig abnahm. Das aktuelle Album auf neuem Label bietet leider ebenso insgesamt nicht viel Neues, erweist den Idolen (vor allem Stevie Wonder) die Ehre.  Auch wenn gegen Lidells gesangliche Fertigkeiten nichts zu sagen ist, ist das alles etwas bieder ausgefallen – trotz positiver Ausreißer wie dem Titelsong oder Walk Right Back.

http://www.jamielidellmusic.com/

 

 

Clueso – Neuanfang

VÖ: 14.10.2016

Label: Vertigo

Genre: Pop

Es wurde Thomas Hübner einfach zu viel: der Sound, den er seiner Hörerschaft zuletzt bot, der hierzulande äußerst kommerziell war, ihm eine Menge ausverkaufter Shows, diverse Preise, Gold- und Platin-Auszeichnungen bescherte,  schien ihm selbst nicht mehr so sehr zu gefallen. Es sollte sich etwas ändern. Zumindest hat Clueso zuletzt das in der Realität umgesetzt, was er auf seinem neuen Album thematisiert: „Es ist nie zu spät für ein‘ Neuanfang.“ Nachdem der Erfurter bereits für den Vorgänger Stadtrandlichter (2014) ein neues Label gründete, hat er nun unter anderem das Management und die Band gewechselt, generell Schritte unternommen, um sein Leben zu ändern. In soundtechnischer Hinsicht sind diese Umgestaltungen zu weiten Teilen zu vernehmen, auch wenn sie in der Gesamtheit letztlich natürlich nicht revolutionär ausfallen. Der Sound ist weiterhin massenkompatibel, aber keineswegs langweilig. Oftmals schön instrumentiert und auf textlicher Ebene recht gelungen.   

http://www.clueso.de/neuanfang/

 

 

Gurr – In My Head

VÖ: 14.10.2016

Label: Duchess Box

Genre:  (Surf-)Punk / Riot Grrrl

Hier bei hicemusic wird ja nicht selten ein Album speziell dann in höchsten Tönen gelobt, wenn es besonders viele neue klangliche Ideen beinhaltet, sich möglichst weit weg von konventionellen Musikstrukturen bewegt, neue Ansätze im Songwriting verfolgt. Manchmal reicht es aber auch einfach mal, dass die Ambition weniger im Vordergrund steht, man sich bewusst nur auf die popmusikalische Vergangenheit bezieht. Hauptsache ist lediglich, dass man sie nicht einfach kopiert, sondern eine gegenwartsbezogene Deutung von ihr vorgenommen wird. Dies gelingt dem Berlinern Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins perfekt auf ihrem Debüt In My Head, das von Anfang bis Ende fulminanten Surf-Punk mit einer Riot Grrrl-Atttitüde im Stile von Bikini Kill oder Sleater-Kinney auftischt, dabei auch Ausflüge in die Jetztzeit des Indie-Rock unternimmt und an den Lo-Fi einer Courtney Barnett erinnert. Mehr als nur ein Geheimtipp, ein Kandidat für die bald erscheinenden Jahresbestenlisten!

https://gurrband.bandcamp.com/

 

 

Conor Oberst – Ruminations

VÖ: 14.10.2016

Label: Nonesuch

Genre: Folk

Conor Oberst zog sich vor ziemlich genau einem Jahr zurück, inmitten der Tour seiner wiedervereinigten Desaparecidos, nach einigen Strapazen, die er zu durchleiden hatte, körperlicher und seelischer Art. Dafür suchte seinen Heimatort Omaha, Nebraska auf, dort wo seine Karriere – solo als auch mit einiger seiner Bands wie Bright Eyes, besagte Desaparecidos u.a. – begann und er das großartige Label Saddle Creek mitbegründete. Wie wir wissen, gab es ja in „jüngerer“ Vergangenheit einen Mann, der während seines Rückzugs vom öffentlichen Leben ein wundervolles Meisterwerk geschaffen hat – Justin Vernon (Bon Iver) mit seinem For Emma, Forever Ago (2007). Das neue Album von Conor Oberst ist ähnlich spärlich instrumentiert – wie auf dem Cover angedeutet –, er eifert mit der Mundharmonika Bob Dylan nach (mit dem er ja so gerne verglichen wird), präsentiert Lyrics, in denen er sich äußerst verletzlich gibt und seine Erfahrungen verarbeitet. Das Ergebnis ist okay, wenn auch nicht weltbewegend!

http://www.conoroberst.com/02/

 

 

Joan As Police Woman & Benjamin Lazar Davis – Let It Be You

VÖ: 21.10.2016

Label: Reveal

Genre: (Indie/Afro-)Pop / Indie-Rock

Joan Wasser, 46-Jährige Künstlerin aus Norwalk, Connecticut, hat schon mit den verschiedensten Größen des Musikbusiness gearbeitet, unter anderem Dave Gahan, Elton John, Lou Reed, John Cale, Anohni und Sheryl Crow, zuletzt war sie auf dem MTV Unplugged-Tonträger von Placebo zu hören. Auf ihrem fünften Solo-Album gibt es eine weitere Kollaboration, mit Benjamin Lazar Davis (Okkervil River), die beide unter dem Eindruck spannender Afrika-Reisen – Wasser war mit Damon Albarns Projekt Africa Express unterwegs, Davis reiste durch Ghana – und dem Kennenlernen traditioneller Musiken des Kontinents, beschlossen, ein gemeinsames Album aufzunehmen. Es sollten natürlich die erforschten Sounds verwoben werden, in ein von elektronischen Elementen dominiertes Arrangement. Daraus resultieren wiederum recht anspruchsvolle Songs. Nur, etwas mehr Mut wäre gut gewesen, weil die Afropop-Klänge und entsprechende Instrumentierungen etwas untergehen. Wassers Stimme ist aber schön präsent!

http://joanaspolicewoman.com/

 

 

NxWorries – Yes Lawd!

VÖ: 21.10.2016

Label: Stones Throw

Genre: Hip-Hop

Stones Throw Records, seit 1996 bestehendes Label in Los Angeles (unter der Führung von Peanut Butter Wolf) hat seitdem einige herausragende Werke im Spannungsfeld zwischen Hip-Hop, Soul, Jazz, Funk sowie Electronica und heute auch außerhalb der Szene bekannte Größen wie Madlib, J Dilla, Quasimoto, Aloe Blacc, Georgia Anne Muldrow herausgebracht – dazu gibt es einen wunderbaren Dokumentarfilm mit dem Titel Our Vinyl Weighs A Ton, der sich mit der Geschichte der Plattenfirma auseinandersetzt. Nun haben sie das Debüt veröffentlicht, das zwei wirklich spannende Künstler zu bieten hat: einmal der leider noch nicht allzu bekannte, aber bereits hoch gehandelte Anderson .Paak (wurde unter anderem auf Dr.Dres Compton gefeatured, sein Album Malibu wurde hier bei hicemusic leider übergangen) und dem Produzenten Knxwledge. Ihr Werk wird zu Recht gefeiert, eine extraordinäre Mixtur aus Hip-Hop, (Neo-)Soul und zeitgenössischem R&B.  Vor allem Suede begeistert!

http://www.stonesthrow.com/nxworries

NxWorries (Anderson.Paak & Knxwledge) „Suede“ – Official Video from Stones Throw on Vimeo.

NxWorries (Anderson .Paak & Knxwledge) – Link Up from Stones Throw on Vimeo.

 

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