Mai 2017

Perfume Genius – No Shape

VÖ: 05.05.2017

Label: Matador

Genre: Art-/Chamber-Pop

Der aus Seattle stammende Mike Handreas alias Perfume Genius hat insbesondere mit dem 2014 veröffentlichten, von Adrian Utley (Portishead) (co-)produzierten Too Bright auf sich aufmerksam machen können. Vor allem die daraus ausgekoppelte Single Queen ist absolut hörenswert, steht exemplarisch für die einzigartige, von Experimenten geprägte musikalische Mischung, die er aber auch schon auf den beiden, ebenso exzellenten Vorgängern Learning (2010) und Put Your Back N 2 It (2012) zur Entfaltung brachte. Pop, der mal sanfte Töne anschlägt wie die bombastischen, hymnischen Momente auffährt, sich in Folk, Rock, Soul, Lo-Fi-Gefilde begibt, gerade deshalb so oft gefühlvoll und verletzlich wirkt. Ist ja auch kein Wunder, Perfume Genius thematisiert Persönliches, seine alltäglichen Erlebnisse und Schwierigkeiten. Auf dem vierten Werk No Shape ist das nicht anders, die unterlegten Sounds sind kunstvoll ausgestaltet, bieten tolle Augenblicke wie bei Patrick Wolf oder Anohni.

Note: 2,3

http://perfumegenius.org/

 

 

Slowdive – Slowdive

VÖ: 05.05.2017

Label: Dead Oceans

Genre: Dream Pop / Shoegazing

Die Bezeichnung „Shoegazing“ lässt sich ja ins Englische mit „auf die Schuhe starren“ übersetzen, womit sich britische Musikkritiker über die Vertreter des Genres amüsiert haben sollen, die oftmals nach außen hin den Eindruck erweckten, eben genau so bei ihren Live-Auftritten zu handeln, also eine scheue Art zu vermitteln, dabei eine introvertierte künstlerische Ausdrucksweise mit schwelgerischen und verträumt-psychedelischen, von mehrstimmigen Gitarrenteppichen geprägten, oftmals noisigen Sounds zu kombinieren. Slowdive als eine der wichtigsten Protagonisten standen immer schon für die melancholische Variante, die sich am Dream Pop orientierte. 22 Jahre (!) nach seiner letzten LP Pygmalion sowie der Trennung (nach der man sich unter anderem anderen Projekten wie Mojave 3 widmete) und 3 Jahre nach ihrer Wiedervereinigung greift das britische Quintett jene Sounds wieder auf. Das selbstbetitelte Viertwerk funktioniert, weil man sich neuen Entwicklungen – insbesondere den Soundelementen von Nachfolgern wie Beach House – nicht verschließt, sondern sie stilvoll in die Klangteppiche einwebt. Die Singles Star Roving und Sugar For The Pill sind ehrenvolle Repräsentanten.

Note: 2,3

http://www.slowdiveofficial.com/

 

 

Thomas Azier – Rouge

VÖ: 12.05.2017

Label: Virgin

Genre: (Electro-/Chamber-)Pop

Der 29-jährige Niederländer Thomas Azier hat nach seinem Musikstudium in Leeuwarden einige Jahre in Berlin gelebt. 2012 konnte er erstmals größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als er die beiden EPs Hylas 001 und Hylas 002 sowie unter anderem den Song Red Eyes veröffentlichte. Zwei Jahre später erschien dann nach rund einer halben Dekade langer Arbeit die Debüt-LP Hylas. Mit diesem Werk war Azier in den Beneluxländern und Frankreich erfolgreich. Nun präsentiert er den Nachfolger Rouge, der vor allem persönliche Empfindungen und Erlebnisse thematisiert (die Zeit in Berlin, aber auch den Aufenthalt in Frankreich u.a.) und dabei Sounds hören lässt, die ähnlich wie bei Perfume Genius zwischen Pathos und Experiment angelegt sind. Vor allem zu Beginn ist dies äußerst gelungen, insbesondere auf dem stimmungsvollen, an Sébastien Telliers La Ritournelle erinnernden Talk To Me, aber ebenso auf Gold. Leider wird dieses Niveau auf Albumlänge nicht ganz gehalten, gerade zum Schluss hin vermisst hicemusic eine vergleichbare Durchschlagskraft.

Note: 3,0  

http://www.thomasazier.com/

 

 

Love A – Nichts ist neu

VÖ: 12.05.2017

Label: Rookie

Genre: Post-Punk / Indie-Rock

Der Schreiber dieser Zeilen ist natürlich vielen Genres gegenüber sehr aufgeschlossen eingestellt, auch jenen, die er privat normalerweise nicht so viel Aufmerksamkeit widmet. Das gilt natürlich auch für die Alben aus dem deutschen (Post-)Punkrock-Bereich, denn da gibt es ja tatsächlich einige spannende Bands (Trümmer, Die Nerven, Karies etc.), die an dieser Stelle schon Aufmerksamkeit erfuhren. Mit Love A hat er sich allerdings immer etwas schwer getan, bei all der kritischen Würdigung, die den Trierern schon zuteilwurde. Zumindest konnte er nicht die gleiche Begeisterung aufbringen, wie zumeist in den jeweiligen Besprechungen. Dies gilt leider auch für die neue Platte Nichts ist neu. In textlicher Hinsicht gibt es zwar kaum etwas zu bemäkeln – im Gegenteil,  es werden ziemlich einwandfreie Stellungnahmen zu sozialpolitischen Themen aufgeboten -, allerdings in musikalischer wird er (noch) nicht wirklich mitgerissen. Aber vielleicht ist hicemusic auch nur der in dem Song Löwenzahn besungene typische Deutsche, der hier nur zwanghaft etwas sucht, über das gemeckert werden kann.

Note: 2,7

http://love-a.de/

 

 

 

!!! – Shake The Shudder

VÖ: 19.05.2017

Label:  Warp

Genre: Disco-Punk / Electronica

Die seit Mitte der 1990er aktiven US-Amerikaner sind hicemusic seit knapp 15 Jahren ein Begriff, seit das Kollektiv um Nic Offer die Single Me And Guliani Down By The School Yard und dann 2004 ihr begeisterndes zweites Album Louden Up Now herausbrachten, worauf wiederum unter anderem das tolle Hello? Is This Thing On? zu finden war. Abgesehen von dem herausfordernden Bandnamen – er soll wohl „chk chk chk“ ausgesprochen werden – war der Autor dieser Zeilen durch das Signing bei Warp Records auf sie aufmerksam worden, wo ja sonst eher abstraktere Electronica-Sounds produzierende Acts unter Vertrag stehen. Im Zuge einer Öffnung gegenüber weiterer musikalischer Elemente (auch über Electronica hinaus) ab Mitte der 2000er Jahre fand auch diese, an LCD Soundsystem (u.a. durch den Einsatz von Kuhglocken) erinnernde Dance-Punk-Band Beachtung. Seitdem wurden – das neue Werk eingerechnet – fünf weitere Alben auf dem Label veröffentlicht, auf denen die musikalische Formel – Zutaten aus Rock und Electronica zu mischen – wiederholt wurde. Leider nicht ganz  so spannend wie auf oben erwähnten Warp-Debüt. Shake The Shudder hat gute Momente, kann allerdings auf Albumlänge nicht so recht überzeugen. Obwohl: The One 2 macht Laune!

Note: 3,0

http://chkchkchk.net/

 

 

Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi – Das nullte Kapitel

VÖ: 19.05.2017

Label: Kreismusik

Genre: Hip-Hop

Der 1984 geborene Robert Gwisdek ist der Sohn des (ehemaligen) Schauspielehepaars Corinna Harfouch und Michael Gwisdek, spielt selbst in Kino- und TV-Filmen mit – neben einigen Tatort-Folgen u.a. auch in NVA, Neue Vahr Süd und 13 Semester – und ist seit 2009 zusammen mit seinem Bruder Johannes musikalisch aktiv. Zunächst nannten sie sich Shaban feat. Käptn Peng, später dann Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi, zusammen mit drei weiteren Mitstreitern. 2013 gab es unter letzterem Namen das Debüt Expedition ins O. Nach einem Soundtrack zum Film Alki Alki (2015) folgt nun Das nullte Kapitel, der die Stilweise –  auf Audiosamples wird nicht bzw. kaum zurückgegriffen, stattdessen kommt auch mal ausgefalleneres Instrumentarium zur Anwendung. Die originellen Texte sind Markenzeichen der Band, bieten deutschen Hip-Hop auf sprachlich hohem Niveau, die ins Philosophische und Surreale reichen, sich allerdings nicht zu ernst nehmen. Macht schon Laune, ist aber nicht ganz so gut wie das Debüt!

Note: 2,7

http://kreismusik.de/de/die-tentakel-von-delphi/

 

 

Marteria – Roswell

VÖ: 26.05.2017

Label: Green Berlin

Genre: Hip-Hop

Marten Laciny hat mit Mitte 30 schon genug zu erzählen, hat sich in seinem Leben schon in vielen Branchen versucht. Er begann als Fußballer in der Jugendabteilung seines Heimatklubs Hansa Rostock, wurde als durchaus talentiert eingeschätzt, spielte gar in der U17 der Nationalmannschaft bei Horst Hrubesch vor. Später war er Model, erprobte das Schauspiel, widmete sich seiner Leidenschaft, dem Hip-Hop, dem er während vieler Jahre im Underground forthin die Treue hielt. Spätestens seit seiner Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2009 ist Laciny alias Marteria kein Unbekannter mehr. Ein paar LPs (u.a. die beiden Zum Glück in die Zukunft-Alben) – auch unter seinem anderen Pseudonym Marsimoto –, sehr hohe Chartspositonen, einige Auszeichnungen später ist er im deutschsprachigen Hip-Hop angekommen. Auf Roswell setzt er sich – musikalisch wirkungsvoll unterstützt durch das Produzentenkollektiv The Krauts – mit politischen Themen, vor allem aber auch sehr persönlichen Erlebnissen und Empfindungen auseinander. Das macht zum großen Teil wirklich richtig Spaß!

Note: 2,7

http://www.marteria.com/