April 2020

Everything Is Recorded – Friday Forever

VÖ: 03.04.2020

Label: XL

Genre: Electronica / Hip-Hop / Dub / Soul

Hinter Everything Is Recorded steckt Richard Russell, Besitzer des XL Labels sowie Produzent von Alben solch unterschiedlicher Künstler/innen wie Ibeyi, Damon Albarn, Bobby Womack oder von letztens hier erwähntem Gil Scott-Heron. Dem selbstbetitelten Erstling seines Projekts mit Stargästen habe ich 2018 keine Aufmerksamkeit geschenkt (was ich aber nachzuholen gedenke). Dem Nachfolger, der diesmal neben Ghostface Killah und Penny Rimbaud einige junge hoffnungsvolle Musiker/innen aufbietet, habe ich ein Ohr geliehen. Es ist gewohnt ausgezeichnet produziert und es finden sich ein paar interessante Tracks darauf, aber so richtig hat es mich (noch) nicht gepackt!

Note: 2,7 (mit Potential nach oben)

https://everythingisrecorded.com/

 

 

Mavi Phoenix – Boys Toys

VÖ: 03.04.2020

Label: LLT

Genre: Hip-Hop / (Electro-)Pop / R&B

Interessante Debüt-LP von Mavi Phoenix, dem 24-jährigen Linzer, der bereits seit einiger Zeit für seine Singles und EPs gefeiert wird! An Österreich denkt man wahrscheinlich nicht zuerst, wenn man die schön vielseitigen Hip-Hop-/Pop-/R&B-Klänge auf Boys Toys hört, haben sie doch zumindest aus einer stereotypen Sicht heraus einen US-amerikanischen Touch (dort hat man ihm übrigens auch schon viel Aufmerksamkeit geschenkt). Es wird hier jedoch mitnichten vorhersehbar, es geht darum, Klischees zu widersprechen. In den Texten verarbeitet Mavi Phoenix sehr reflektiert seine persönlichen Erfahrungen und Emotionen, zum Beispiel das Leben als Trangender. Ich finde vor allem den Einstieg mit dem Titelsong gelungen!

Note: 2,3

http://www.maviphoenix.com/

 

 

Thundercat – It Is What It Is

VÖ: 03.04.2020

Label: Brainfeeder

Genre:  Fusion / Electronica / Hip-Hop

Da ich mit dem Erscheinen der vierten LP von Thundercat ein wenig überraschend konfrontiert wurde, hab ich zunächst an eine Compilation gedacht. Nein, es handelt sich tatsächlich um ein offizielles Studioalbum, das uns erneut erstklassig klingende Songs im Spannungsfeld von Fusion, Electronica, R&B, Soul und Hip-Hop  zu bieten hat, wieder mit Stargästen wie Childish Gambino, Steve Lacy oder Kamasi Washington. Das Album ist musikalisch vielleicht in der Gesamtheit noch nicht so eindrücklich wie auf dem großartigen Drunk (2017), aber trotzdem zwingend und verführerisch! Übrigens, es wurde dem unvergleichlichen, Ende 2018 leider verstorbenen Mac Miller gewidmet (eine Sprachaufnahme von ihm ist auf dem Titelsong zu hören)!

Note: 2,3 (vorerst, Potential nach oben vorhanden)

 

 

Laura Marling – Song For Our Daughter

VÖ: 10.04.2020

Label: Chrysalis

Genre: Folk(-Pop/-Rock)

Nur einmal für das Protokoll: ich habe im März 2017 Semper Femina, das letzte Album von Laura Marling, mit einer 2,0 „abgestraft“. Tsss…naja immerhin erkannte ich damals das Potential für ein großes Werk, das es für mich mittlerweile darstellt! Wer sagt, dass ich hier objektiv sein muss? Die 30-Jährige ist für mich die momentan beste Folk-Künstlerin, Punkt. Die Songs ihres neuen Albums Song For Our Daughter sind wundervoll herzlich, mannigfaltig, gehen die unterschiedlichsten Wege, sind manchmal auch unbequem und vor allem textlich immer wieder bestechend. Wie hier wenn sie darüber singt, für eine mögliche zukünftige Tochter da zu sein, nicht ohne reflektiv auf ihr bisheriges Leben zurück zu blicken. Ich finde die Formulierung aus dem Musikexpress passend: „Wen der Gesang von Laura Marling kaltlässt, der sollte sicherheitshalber überprüfen (lassen), ob er ein Zombie ist.“

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

Achso, warum dann wieder „nur“ eine 2,0? Ich kann es auch nicht sagen, beim nächsten Mal werde ich mich sicherlich wieder ärgern!

https://www.lauramarling.com/

 

 

Roedelius – Selbstportrait Wahre Liebe

VÖ: 10.04.2020

Label: Bureau B

Genre: Electronica / Ambient / Experimental

Vor kurzem haben ja Brian Eno und sein Bruder Roger ein neues Album veröffentlicht, das in Ordnung ist. Allerdings muss man sagen, dass hier ein weiterer Altmeister – der ja mit Erstgenannten zusammengearbeitet hat – ein wirkungsvolleres Werk mit Selbstportrait Wahre Liebe veröffentlicht, Hans-Joachim Roedelius. Der 85-jährige, vielseitige Künstler – der seinen Legendenstatus unter anderem durch seine Mitgliedschaft in Bands wie Kluster (bzw. Cluster, wesentlich später noch Qluster) und Harmonia begründet hat (zu nennen wäre beispielsweise auch die Gründung des Zodiak Free Arts Lab mit Conrad Schnitzler). Damit einhergehend war immer das Experimentieren mit den verschiedensten Instrumenten. Auf Selbstportrait Wahre Liebe greift er auf viele zurück, die er in früheren Jahrzehnten verwendet hat. Hätte altmodisch klingen können, tut es aber nicht, ganz im Gegenteil, der Output ist zeitgemäß und zwingend!

Note: 2,3

https://de-de.facebook.com/Roedelius

 

 

Shabazz Palaces – The Don Of Diamond Dreams

VÖ: 17.04.2020

Label: Sub Pop

Genre: Hip-Hop / Experimental

Vor drei Jahren veröffentlichten die Shabazz Palaces gleich zwei, die beiden Quazarz-Alben, die ich eigentlich ziemlich gut fand. Doch schon damals gingen die Meinungen der Kritiker ein bisschen auseinander. Nicht jeder kann dieser Mischung aus Hip-Hop mit allerlei experimentellen Elementen etwas abgewinnen. Das ist jetzt bei The Don Of Diamond Dreams kaum anders. Diesmal geht es in den Sounds verstärkt in Richtung Jazz und Funk, deren Ergebnissen ich in der Gesamtheit immer noch einiges abgewinnen kann!

Note: 2,3

https://www.shabazzpalaces.com/

 

 

Soela – Genuine Silk

VÖ: 17.04.2020

Label: Dial

Genre: Electronica / Ambient

Wo wir bei experimentellen Elementen sind, können wir uns einmal der Debüt-LP von Elina Shorokhova alias Soela widmen. Von den Sounds her ist das nicht unbedingt etwas Neues, aber ich habe Respekt davor, wie es die russische Künstlerin schafft, immer wieder neue Ideen und einfließen zu lassen, so dass es spannend bleibt, den Klängen ein atmosphärischer Charakter verliehen wird. Einfach zwingend irgendwie!

Note: 2,3

https://www.facebook.com/musicbysoela/

 

 

Minor Science – Second Language

VÖ: 24.04.2020

Label: Whities

Genre: Electronica / Ambient

Noch ein bisschen mehr Eindruck hat bei mir die Debüt-LP von Angus Finlayson alias Minor Science hinterlassen. Denn hier bietet der ehemalige Musikjournalist – der sich bestimmt damals mit einigen Spielarten der Musik auseinandergesetzt hat – ein sich zwischen Ambient- und nach vorne pushenden, bassbetonten Breakbeat-Sounds bewegendes, um den Themenkomplex „Sprache/Kommunikation“ drehendes Klanggemälde auf. Ich bleibe noch ein bisschen vorsichtig mit der Wertung, aber sicherlich ist das hier wirklich gut!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

https://www.facebook.com/minorscience/