Yann Tiersen – Infinity

VÖ: 16.05.2014

Label: Mute

Es gab mehrere Gründe dafür, dass Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) so großartig war. Drehbuch, Regie, Besetzung (vor allem Audrey Tautou), Ton, Szenenbild, Kamera (u.a.) – alles war erstklassig, keine Frage. Aber ebenso hat der französische Spielfilm wegen der Musik Eindruck hinterlassen. Verantwortlich war Yann Tiersen, der dafür moderne Klassiker wie Comptine d’un autre été, l’après-midi oder La valse d’Amélie komponierte. Die Mischung aus vielschichtigen klassischen Instrumentalarrangements und französischer Folklore verlieh den ohnehin schon beeindruckenden Bildern noch mehr Ausdruck. Es folgten weitere Arbeiten (z.B. der Soundtrack zu Good Bye, Lenin!), mit denen der Künstler seine Bekanntheit manifestieren konnte. Nun hat sich Tiersen nach Island begeben, um dort Infinity aufzunehmen und die einheimische Musiktradition einfließen zu lassen. Das Ergebnis ist jedoch nicht zufriedenstellend. Das Album beginnt zwar zunächst vielversprechend, da das Titelstück eine unheilvolle Stimmung vermittelt, die durch eine hymnische Streichermelodie aufgebrochen wird. Doch danach verliert das Werk an Spannung und lässt allzu oft Stringenz vermissen. Einerseits versucht Tiersen krampfhaft die Opulenz Sigur Rós‘ zu kopieren, andererseits klingen die Chöre seltsam nach New-Age-Esoterik. Nur selten kommen seine einstigen Fähigkeiten, auch mal unkonventionelle Bahnen einzuschlagen, zum Tragen. Das ist höchst bedauerlich.

Note: 4,0

http://livestream.yanntiersen.com/

 

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