Beastie Boys – Hello Nasty

VÖ: 14.07.1998

Label: Capitol

Genre: Hip-Hop / Rap-Rock

Das war dann doch etwas kurios! Die damalige Freundin eines Freundes von mir hatte eher einen – nun ja – eher „gewöhnungsbedürftigen“ Musikgeschmack. Als ich einmal mit den Beiden im Auto unterwegs war, ertönten da doch tatsächlich Klänge von Mickie Krause, Jürgen Drews etc. Ist jetzt zugegebenermaßen nicht unbedingt meine Lieblingsmusik! Der Freund sagte daraufhin nur sowas wie: „Naja, aber sonst ist meine Freundin schon echt cool!“…Auf jeden Fall war ich damals in der gemeinsamen Wohnung der Beiden und schaute mir die Musik-Sammlung an. War da schon auf einiges gefasst, wurde zugegebenermaßen auch nicht „enttäuscht“, doch da entdeckte ich doch ein paar Schätze darunter, unter anderem eine wirklich tolle Single von Blumfeld – Graue Wolken (das auf dem tollen 2001er-Album Die Diktatur der Angepassten zu finden ist) – und eine weitere Platte:  Und das war eben eine, die mich aus vielerlei Gründen zum Staunen brachte. Unter anderem fragte ich mich: „Was macht das Album unter all den Mickie-Krausigen Tonträgern?“ Vor allem: „Waaas, die Beastie Boys haben mal Hardcore-Punk gemacht?“ Dieser Fakt war mir bis dahin verborgen geblieben. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie der Titelträger betitelt war (die 1982er-Harcore-Punk-EP Polly Wog Stew ist meines Wissens nach nicht mehr erhältlich). Wahrscheinlich war es eine Compilation. Für mich waren aber die Beastie Boys aus New York immer eine klare Hip-Hop Formation, die diesem Genre und in dem Sinne dem Rap-Rock entscheidende kreative Impulse gegeben hat und einige – mindestens fünf – unvergleichliche Meisterwerke vorgelegt haben. Da wären natürlich Licensed To Ill (1986), Paul’s Boutique (1989) und Ill Communication (1994) – letzteres mit dem legendären Sabotage (und dem zugehörigen grandiosen Spike Jonze – Video)! Und die beiden Tonträger, mit denen ich persönliche Erinnerungen verbinde. Check Your Head (1992) hätte ich hier an dieser Stelle auf jeden Fall erwähnen können. Mein Vater schenkte mr damals eine CD zum Geburtstag und ich hörte sie bis zum Umfallen! Was für ein sagenhaft gutes Werk! Apropos, bis zum Umfallen hören: mit einem Album von den Beastie Boys verbinde ich noch mehr Erinnerungen. Ich nahm es damals mit auf eine Klassenfahrt und es wurde so oft in den Spieler eingelegt, dass sie nachher total zerkratzt war. Es handelt sich um das 1998er-Werk Hello Nasty! Hier kommen die unterschiedlichsten Klänge, Beats, Melodien und Samples (eine wahre Fundgrube!) zusammen, die meisterhaft kombiniert und gewohnt grandios mit den Raps von Mike D, dem 2012 verstorbenen MCA (R.I.P.; nach seinem Tod löste sich die Band auf) und Ad-Rock unterlegt werden. Dazu dann die ganzen Mitwirkenden wie Money Mark, Mix Master Mike, Biz Markie  oder Lee „Scratch“ Perry! Unvergesslich ist – bestimmt nicht nur – für mich das Godzilla-artige Roboter-Video zum meisterhaften Intergalactic (das meiner Tante allerdings überhaupt nicht gefiel, die den von ihr gehörten Song in einem Telefonat mit Jemanden damals als „grauenhafte Musik“ betitelte)! Ach, da gibt es so Vieles! Für mich gerade aus sentimentalen und nostalgischen Gründen meine Lieblingsplatte der New Yorker! Die Beastie Boys waren grandios und es wirklich schade, dass es sie nicht mehr gibt! Aber die Musik bleibt uns! Zum Glück!

Note: 1,0

https://beastieboys.com/

Black Country, New Road – For The First Time

VÖ: 05.02.2021

Label: Ninja Tune

Genre: Post-Punk / Experimental-Rock

Post-Punk ist auch im Jahr 2021 weiterhin angesagt, hier bei hicemusic wurde darüber berichtet. Einige vielversprechende oder längst etablierte Bands, vornehmlich aus Großbritannien, nehmen mit ihren Werken Stellung zu sozialpolitischen Themen und geben ihrer Wut auf verschiedene Weise Ausdruck. Wenn dann noch eine Veröffentlichung über eines meiner liebsten Labels auf den Markt geworfen wird, werde ich natürlich erst recht hellhörig, unabhängig von den ohnehin schon vielen Lobeshymnen, die von vielen Kritiker/innen derzeit angestimmt werden. Bei Ninja Tune, auf dem seit jetzt schon 30 Jahren Musik aus dem (experimental-)elektronischen Bereich und dem Hip-Hop veröffentlicht wird, ist man halt immer mal für Überraschungen gut, darüber hinaus in die Weiten verschiedenster Stilrichtungen zu schauen. Black Country, New Road ist eine seit 2018 bestehende Formation aus London, die bereits im Vorfeld schon spannende Singles aufgeboten hat. Die nun vorliegende Debüt-Studio-LP – passend For The First Time betitelt – ist nicht nur musikalisch unheimlich breit aufgestellt und bietet progressive, straighte Ausflüge in Punk, Experimental-/Post-Rock und Jazz, sondern ist auch thematisch universell. Das Septett, dem unter anderem Tyler Hyde, Tochter von Karl Hyde (Underworld), angehört – offenbart eine äußerst direkte, sarkastische Herangehensweise, wenn es sich mit sozialer Ungleichheit und den Problemen der heutigen Jugend auseinandersetzt. Da kann es durchaus sehr persönlich werden! Ich kann nur sagen: der Hype ist total gerechtfertigt! Fragt sich nur, wie gut For The First Time wirklich ist. Für mich schon jetzt ein Hammer! Man nehme nur Opus, in dem unter anderem Strukturen des Balkan-Pop grandios eingearbeitet sind!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://blackcountrynewroad.com/

Bicep – Isles

VÖ: 22.01.2021

Label: Ninja Tune

Genre: Electronica

Da habe ich mich schon ziemlich geärgert damals, als mir dieses phänomenale selbstbetitelte Debüt (2017) des nordirischen Duos Bicep durch die Lappen gegangen ist (immerhin war es mir eine „besondere Erwähnung“ in den Jahreslisten damals wert). Und nicht nur das, auch die ganzen Veröffentlichungen in Form von EPs und Singles vorher, die sie seit 2010 herausbrachten, habe ich ignoriert. Komisch, denn einerseits handelt es sich genau um jene Form elektronischer Musik, die mir gemeinhin zusagt, und andererseits erschien die Musik seit 2017 bei einem meiner liebsten Labels, nämlich Ninja Tune. Immer wieder gab es höchst spannende Ausflüge in die unterschiedlichen Bereiche der Electronica, egal ob Chicago-House, Detroit-/Italo-Disco oder Mid-/Late 90’s-Electro-Stile, gemixt mit Ambient sowie psychedelischen und rhythmisch komplexen Strukturen/Texturen. Aber immerhin, jetzt das zweite Studio-Album ist mir mal nicht entgangen, ging ja auch kaum nach dem besagten Debüt! Nun: jetzt ist es so, dass die Kritiken nicht einhellig positiv sind, es gibt auch durchaus Bewertungen, in denen es im mittleren Segment angesiedelt ist. Selbst ich habe etwas erlebt, was sich in dieser Form schon lange nicht mehr hatte, ich habe meine Meinung komplett geändert! War ich nach den ersten Hördurchläufen eher desinteressiert, bin ich innerhalb von ca. einer Woche plötzlich überaus überzeugt von Isles, und frage mich, wie ich mal anderer Meinung sein konnte! Atmosphärisch dichte, charakterlich vielseitige Klänge, die den Hörer wieder in die ruhmreiche Vergangenheit der Electro-Musik – u.a. ambitionierte 90er-Sounds der Warp-Schule, Dubstep und Rave – zurückführen. Ich finde es richtig gut! Aber was sagt ihr zu dem Album? Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt 😊

Note: 2,0

https://bicepmusic.com/

Brandão, Faber, Hunger – Ich liebe Dich

VÖ: 11.12.2020

Label: Two Gentlemen

Genre: Folk / Indie-Pop

Geht einmal bitte in euch und denkt an ein von allen Kritikern geliebtes Album, das euch beim besten Willen nicht gefallen möchte oder zumindest nicht so zusagt wie ihr es euch wünschen würdet. Bei den wirklich „großen Platten“ ist das ja manchmal gar nicht so schwer. Denn auch wenn unter Umständen die musikalische Klasse nicht abzustreiten ist, so spielt ja natürlich das individuelle Geschmacksempfinden, also das Subjektive, eine Rolle. Mir beispielsweise geht es so, dass ich – no offence – nicht mit den Songs von Leonard Cohen – abgesehen von Hallelujah – warm werde. Nun gut, da wird euch sicherlich auch der/die ein(e) oder andere Musiker/in einfallen. Wie ist das dann bei den Platten, die noch nicht so den „Klassiker“-Status aufweisen, die aber von Kritiker/innen über alle Maße geliebt oder zumindest äußerst lobend erwähnt werden? Kommen wir in diesem Zusammenhang auf Ich liebe Dich, die schweizerische Gemeinschaftsarbeit von Sophie Hunger, Faber und Dino Brandão (sonst in der Formation Frank Powers, seit 2020 auch solo und in der Band Hungers aktiv) zu sprechen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich bin ein großer Bewunderer von den Arbeiten Hungers – erst dieses Jahr hat sie mit Halluzinationen ein exzellentes Album veröffentlicht. Fabers Musik ist ebenfalls toll und schön individuell gehalten (mit oft klar formulierten Statements zu sozialpolitischen Themen). Okay, mit der Musik von Brandão müsste ich mich ohnehin mehr befassen. Aber: bei dem Gemeinschaftswerk haben wir es bei mir mit dem oben erwähnten Fall zu tun, dass ich trotz der überaus positiven Reaktionen der Musikkritik nicht mit in den Kanon der Lobeshymnen einstimmen kann – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Und das liegt selbstverständlich nicht daran, dass ich das schweizerdeutsch kaum verstehe. Auch nicht an den wirklich wundervoll abwechslungsreichen Instrumentationen oder den minimal gehaltenen Folk-Strukturen. Nein…ich weiß es einfach nicht genau, warum ich – mit Ausnahme des Songs Ich liebe Dich, Faber – nicht ganz warm werde mit dem Album. Doch ich bleibe noch ein bisschen zurückhaltend. Vielleicht wird das noch. Oder bin ich eh auf dem falschen Dampfer? Was haltet ihr von dem Werk? Auf eure Reaktionen bin ich gespannt!

Note: 2,7 (eventuell mit Potential nach oben)

https://www.facebook.com/dino.brandao.yo/

https://fabermusik.de

https://www.sophiehunger.com

 

Matt Berninger – Serpentine Prison

VÖ: 16.10.2020

Label: Concord

Genre: Indie-Folk/-Rock / Chamber-Pop

Ist ja immer wieder eine spannende Angelegenheit mit Solo-Projekten von Bandmitgliedern. Ich meine das in dem Sinne, dass es doch einer Wundertüte gleichkommt, ob das überhaupt funktioniert. Denn es fallen ja doch einige Aufgaben an. Zuvorderst wird doch im Großen und Ganzen versucht, sich von der jeweiligen Hauptband musikalisch zu emanzipieren und einen neuen Weg einzuschlagen (gerade nach einem Ausstieg) oder eben Sachen auszuprobieren, die im Bandkontext schwer oder nicht möglich wären. Man könnte ja mal darüber reflektieren, wie viele berühmte Frontmänner es in der Pop-Geschichte versucht haben und wie viele von ihnen Erfolg hatten. Morrissey hat es ja beispielsweise zumindest eine lange Zeit geschafft, neue Wege abseits der Smiths zu gehen. Peter Gabriel zeigte neue Seiten, als er Genesis verlassen hatte. David Byrne, John Lennon, Bryan Ferry, Thom Yorke, Robert Plant….und und und. Es gibt schon die guten Beispiele, von denen ich an dieser Stelle sicherlich einige vergessen habe. Aber: es waren auch Solo-Künstler dabei, die vielleicht lieber bei ihrer Hauptband geblieben wären bzw. auf die „Alleingänge“ hätten verzichten sollen. Aber lassen wir da mal die Details!… Kommen wir lieber zu Matt Berninger, der eigentlich Sänger von The National ist. Ich hatte ehrlich gesagt die Befürchtung, dass da kaum was Neues kommt, was natürlich an sich schon ungerecht dem Künstler gegenüber ist. Es ist nun nicht so, dass die klanglichen Parallelen zu seiner Hauptband gar nicht auszumachen sind. Aber das war auch bei den oben Genannten nicht (immer) der Fall. Es gibt die feinen Unterschiede, zum Beispiel sind die Songs im Vergleich zu The Nationals Werke spärlicher instrumentiert, der Bariton-Stimme Berningers wird viel Raum zugestanden, musikalisch alles in der Tradition der Americana gehalten. Die erklingenden Instrumente wie Gitarre, Klavier, Streicher oder die von keinem Geringeren als Booker T. Jones (auch Produzent des Albums!) gespielte Hammond-Orgel werden eher im Hintergrund gehalten, sie dominieren nicht die Melodien. Alles ist ähnlich melancholisch in der Erscheinungsform, Berninger bezieht sich auf persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse und derzeitige gesellschaftspolitische Zustände in den – im Vergleich zu The National weniger verschlüsselten – Texten, doch er setzt trotz allem gleichzeitig auf Optimismus und Entspannung, was sich auch in der Musik niederschlägt. Beeindruckendes Solo-Album mit vielen Facetten, die sich eben nicht direkt aufdrängen!

Note: 2,0

https://mattberningerswebsite.com

 

Biffy Clyro – A Celebration Of Endings  

VÖ: 14.08.2020

Label: Warner

Genre: Alternative-Rock

Ich habe es ja an dieser Stelle schon einmal erwähnt, dass ich ein zwiegespaltenes Verhältnis zum Alternative-Rock und Nu-Metal der 1990er/2000er Jahre habe. Zum einen habe ich damals natürlich viel gekauft, einiges gefällt mir aus heutiger Sicht noch ganz gut, manches eher wenig bis gar nicht. Dann gab es unzählige Bands dieser Genres, die mich schon damals eher wenig interessiert haben. Doch es finden sich darunter ebenso ein paar Vertreter, die ich später entdeckt habe. Es ist halt die Frage, inwiefern man sich neuen Richtungen geöffnet hat, denn vor allem Nu-Metal hatte dann irgendwann im Verlauf der 2000er Jahre einiges an Bedeutung verloren. Für manche der Formationen – ich nenne bewusst keine Namen – schäme ich mich etwas. Allerdings: der Erstling von Linkin Park – Hybrid Theory – sagt mir nach wie vor zu. Beim Alternative-Rock der 2000er Jahre habe ich ebenfalls ein paar Bands gemocht, bei denen ich die teilweise negativen Kritiken nicht immer nachvollziehen konnte. Dann gibt es die Formationen, die generell gut aufgenommen wurden. Da gehört sicherlich auch Biffy Clyro dazu, das Trio aus Schottland. Auf ihren Werken wurden immer interessante Ausflüge in andere Bereiche der Rock-Spielarten wie Emo, Hardcore, Grunge, Progressive- oder Experimental-Rock unternommen. Gerade die Werke der Frühzeit, aber auch diejenigen der späten 2000er Jahre haben mir sehr bis ziemlich gut gefallen. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurde Biffy Clyro für mich weniger interessant, wobei die Kritiken weiterhin ziemlich positiv ausfielen (okay, bei dem 2016er Ellipsis war es etwas schwieriger). So verhält es sich ja nun auch bei A Celebration Of Endings, was ich – soviel sei jetzt verraten – ich nun aber überhaupt nicht verstehen kann. Obwohl: der Einstiegssong North Of No South ist super gelungen. Auch das nachfolgende The Champ hat was.  Doch der Rest: der ist für mich zum größten Teil wenig interessant. Textlich – obwohl mit gesellschaftskritischen Kommentaren (und der Aufforderungen positiv zu bleiben) recht ambitioniert – leider oft belanglos und von der Musik irgendwie in den 1990er Jahren steckengeblieben. Die Balladen haben mich nicht gepackt und diese größtenteils präsentierte Mischung aus Pop-Punk und Alternative-Rock – die früher oft auf Soundtracks zu „leichten“ High School-Komödien zu finden war – ist damals natürlich der Hit gewesen, doch heute ist das irgendwie nicht wirklich mehr interessant. Oder irre ich mich da? Was ist eure Meinung zu dem Album? Auf eure Reaktionen bin ich sehr gespannt!

Note: 3,3    

https://www.biffyclyro.com/

 

Bright Eyes – Down In The Weeds, Where The World Once Was

VÖ: 21.08.2020

Label: Dead Oceans

Genre: Indie-Rock/-Folk / Emo

Da war ich doch überrascht zu sehen, dass das letzte Werk – The People’s Key – von Bright Eyes neun Jahre alt ist. Die Band selbst hatte ja seitdem auch nicht mehr existiert und ist erst dieses Jahr zurückgekehrt. Wie zu hören ist, war diese Trennung damals wohl nicht mehr zu verhindern. Habe ich irgendwie alles nicht mitbekommen. Ich merke generell, dass ich nicht mehr wirklich den Überblick darüber habe, was Frontmann Conor Oberst in den letzten Jahren gemacht hat. Da waren halt einige Projekte, in denen der 40-Jährige seitdem engagiert war, zum Beispiel seine Solo-Sachen bzw. diejenigen mit der Begleitband The Mystic Valley Band. Oder die wiedervereinigten Desaparecidos oder jetzt zuletzt mit Phoebe Bridgers das aufregende Better Oblivion Community Center. Dann die 2016 erschienenen Wiederveröffentlichungen einiger Albumklassiker. Nicht zu vergessen seine Mitwirkungen an verschiedenen Alben (z.B. von Maria Taylor) und den Aktivitäten rund um die Labels Saddle Creek oder Team Love. Man muss sagen, dass nicht alles, was Oberst da präsentiert hat, jetzt großartig innovativ war, doch irgendwie konnte er zeigen, dass im Bereich von Indie-Rock, Folk und Emo er immer noch Spannendes abliefern kann, er vor allem in seinen Texten markante Stellungnahmen zu verschiedenen Themen einnimmt, er das Songwriting generell immer noch perfekt beherrscht. Klar waren da die Großtaten der 2000er Jahre, vor allem die beiden 2005er Werke I’m  Wide Awake, It’s Morning und Digital Ash In A Digital Urn. Da anzuschließen ist wohl schwer möglich, aber das muss ja auch nicht so sein. Mit Down In The Weeds, Where The World Once Was hat er ein wirklich starkes Album. Es bietet nicht nur wundervolle und komplexe instrumentelle Arrangements und im Gesamten eine atemberaubende Produktion mit diesem Größenwahn im positiven Sinne  (u.a. opulente Orchestrierungen, originelle eingesetzte Samples oder markante Gastauftritte z.B. von Red Hot Chili Peppers‘ Flea), sondern auch starke Texte, die uns in diesen schweren Zeiten Mut machen sollen. Oberst selbst verarbeitet den Tod seines Bruders (das Album ist diesem gewidmet) und ruft dazu auf, optimistisch zu bleiben. Ich muss dabei zugeben, dass ich nicht alles entschlüsseln kann, angesichts vieler Metaphern und anderer origineller Methoden. Das macht aber natürlich auch das Spannende aus. Ein Comeback, das wirklich überaus gelungen ist, mit einem wunderbaren Album und starken Songs!

Note: 2,0

https://www.thisisbrighteyes.com/

 

Phoebe Bridgers – Punisher

VÖ: 19.06.2020

Label: Dead Oceans

Genre: Indie-/Folk-Rock

Um eines vorweg klarzustellen: ich möchte keinesfalls damit provozieren, dass ich das Zweitwerk Punisher von Phoebe Bridgers in die „Kontrovers“-Sparte gepackt habe. Denn normalerweise kommen Alben dieser Qualität nicht da rein. Es gibt ja einige Lobeshymnen darauf. Denn es ist egal, ob in der nationalen oder internationalen Musikpresse, es gibt nur die ganz hohen Wertungen, unter anderem 5½ Sterne im Musikexpress oder 8.7/10 Punkte bei Pitchfork. Nicht falsch verstehen, ich kann zu Teilen die Begeisterung nachvollziehen, denn die 25-jährige US-Künstlerin liefert wirklich ein starkes Statement mit Punisher ab. Schon das Debüt Stranger In The Alps (2017) hatte die Richtung angedeutet, dass Phoebe Bridgers richtig gute Texte zu schreiben und musikalisch interessante Wege im Spannungsfeld von Folk, Indie-Rock und Emo, ein bisschen Psychedelia, zu beschreiten vermag. Dann folgte ja letztes Jahr noch das fantastische selbstbetitelte Werk von Better Oblivion Community Center, dem Gemeinschaftsprojekt mit Conor Oberst. Ich weiß, dass Phoebe Bridgers eine wirklich spannende Künstlerin ist. Das wird ja auch auf Punisher klar, wenn sie in den Texten über ihre persönlichsten Erlebnisse, Erinnerungen und Erkenntnisse berichtet, sie sehr pointierte Stellungnahmen zu verschiedensten Themen wie (Liebes-)Schmerz, Hoffnung oder Verzweiflung präsentiert. Es gibt tatsächlich richtig starke Momente, in der die Musik eine unglaubliche Erhabenheit ausstrahlt. Deshalb ist Punisher auch wirklich richtig gut. Es ist nur so: ich sehe es (noch) nicht als Meisterwerk. Vielleicht kann ich es einfach nicht ganz packen, da ich mit Folk nicht immer die großen Berührungspunkte habe. Was haltet ihr von dem Album? Ist es dieses große Werk? Auf eure Meinungen bin ich wirklich sehr gespannt!

Note: 2,0 (hat aber Potential zu mehr)

https://phoebefuckingbridgers.com/

 

Burial – Tunes 2011-2019

VÖ: 06.12.2019

Label: Hyperdub

Genre:  Electronica / Experimental / Ambient

Mittlerweile weiß man ja wie Burial richtig heißt: William Emmanuel Bevan. Der aus London stammende Produzent ist seit 2001 musikalisch aktiv, lange Zeit war aber über diese Person nichts bekannt. Das machte es ja sicherlich so spannend, dass da jemand mit einigen anderen ambitionierten Acts einen neuen kreativen, höchst atmosphärischen, basslastigen, individuelle, minimalistische Rhythmusmuster aufweisenden, um die Jahrtausendwende aufkommenden Sound prägte, der sich so revolutionär aus unterschiedlichen Elementen speiste wie UK-/2-Step-Garage, Dub, Drum’n’Bass, Grime und Jungle. Man nannte ihn Dubstep, den der legendäre Radio-DJ John Peel noch in dessen Sendung spielte. Viele Künstler/innen waren bereit, die Electro-Szene mit frischen, unheimlich begeisternden Klängen aus den Angeln zu heben, darunter eben ein Mann, dessen Identität wie gesagt lange Zeit nicht geklärt war. Dieser unterschrieb 2005 einen Vertrag auf dem Label von Kode9, selbst ein wichtiger Protagonist des Dubstep. Das schon große selbstbetitelte Debüt im darauffolgen Jahr erregte die öffentliche Aufmerksamkeit, aber der 2007 erschienene Zweitling Untrue toppte alles, eine der, wenn nicht sogar die beste Veröffentlichung des Dubstep in seiner Ur-Form, wie der Sound bis zu dem Zeitpunkt kategorisiert wurde. Bevor Burials Identität aufgedeckt wurde, gab es die wildesten Spekulationen, um wen es sich handeln würde, angeblich waren auch Namen wie Richard D. James (Aphex Twin) oder Norman Cook (Fatboy Slim) dabei. Als diese dann geklärt war, widmete sich der Künstler spannenden Kooperationen zu, unter anderem mit Massive Attack, Four Tet, Thom Yorke, Zomby, Kode9 und einigen anderen. Gerade wo der Dubstep immer kommerzieller – manche, darunter ich, würden auch sagen weitaus weniger spannend und konventioneller, mit Orientierung zum US-Markt (Stichwort: Brostep um Acts wie Skrillex) – wurde, da orientierte sich Burial an Sounds, die zwar Elemente der Ur-Form (z.B. den Minimalismus) beinhalteten, aber gleichzeitig neue Stilmittel einbanden. Es ging neben Ambient/Downtempo unter anderem noch intensiver in Richtung House/Techno/Trance bzw. fand er stets seine individuellen Kreationen aus den unterschiedlichsten Richtungen. In Sachen Rhythmusstrukturen war Burial auch weiterhin nicht kategorisierbar. Was soll man sagen, er blieb weiterhin eine der prägendsten Protagonisten der britischen Electronica, mit einigen EPs die dann ab Anfang dieser Dekade veröffentlicht wurden. Einige der genialen Tracks werden nun auf der Compilation Tunes 2011-2019 zusammengebracht. Über die Distanz von zweieinhalb Stunden wird unter Beweis gestellt, was für ein Genie der Brite ist, wie – natürlich von mir vereinfacht gesagt – mit dem Einsatz von Samples und Geräuschen, dem Unterlegen mit Ambient-Klangflächen, komplexen Lo-Fi-Rhythmusstrukturen  und einem kleinen Pop-Einfluss (ab und zu) die größtmöglichen Effekte erzielt werden. Herausragend und wegbereitend für nachfolgende Acts der Electronica-Szene!

Note: 1,3

https://www.facebook.com/Burial-10341169793/

 

Beck – Hyperspace

VÖ: 22.11.2019

Label: Capitol

Genre: (Indie-/Experimental-)Pop / Dance-Rock

Lieber Herr Beck Hansen, mit dieser Besprechung möchte ich mich einmal persönlich an Sie wenden, auch wenn Sie dies hier höchstwahrscheinlich nicht lesen werden. Sicher haben Sie wichtigeres zu tun. Achso, zu den aktuellen Themen, wie Ihrer Mitgliedschaft bei Scientology, werde ich mich nicht äußern. Nun gut, komme ich mal zur Sache: vor zwei Jahren konnte ich mich mit meiner Enttäuschung über Ihr letztes Werk Colors nun wirklich nicht hinter dem Berg halten, das war irgendwie nicht mehr der Beck, den ich aus früheren Tagen kannte, den ich wegen seiner Individualität, seiner guten Portion Schrägheit, seiner Andersartigkeit, wegen generell seines Innovationsdrangs kennen- und schätzen gelernt hatte. Ich erwartete nicht die Großartigkeit Ihrer 90er-Werke Mellow Gold, vor allem Odelay, Mutations oder Midnite Vultures. Es war nur so, dass ich selbst jene Alben mochte, die dann von einigen Kritiker(inne)n schon eher zwiespältig aufgenommen wurden, z.B. Guero oder The Information. Doch in dieser Dekade habe ich langsam nicht mehr so verstanden, was Sie mit Ihrer Musik sagen wollten. Liegt sicherlich auch an mir, aber Morning Phase konnte mich schon nicht mehr erreichen, da es für mich nur eine nicht so gute Version des großartigen Sea Change darstellte. Jedoch war die Enttäuschung dann bei besagtem Colors vollends eingetroffen. Was sollte das sein? Für mich haben Sie da leider etwas verkrampft versucht, mit gegenwärtigen Pop-Trends mitzuhalten. Letztendlich waren das aber in meinen Augen – darauf lege ich die Betonung, denn die Kritiker/innen waren da ja vielfach anderer Meinung – maue Neuversionen von Songs ihrer großen 90er Zeit…Okay, weshalb schreibe ich das Ganze? Weshalb  wende ich mich da an Sie? Weil ich Ihnen zu dem neuen Album Hyperspace gratulieren möchte! Die Songs, die sie ja unter anderem zusammen mit Pharrell Williams und mit ein paar weiteren namhaften Gästen produziert haben, sind modern und frisch, bieten tolle, stilistisch vielseitige Melodien und Rhythmen, Ihr Gesang überzeugt mich und es wirkt alles vor allem: unverkrampft! Das steht ihrer Musik wirklich sehr! Zudem haben die Texte Stil! Das ist alles nicht sensationell oder innovativ wie in den frühen Tagen, aber mir gefällt es wirklich. Ich kann Ihnen nur sagen, ich verstehe die eher gemischten Kritiken diesmal überhaupt nicht. Ich frage mal meine Leser, wie Sie das Album finden, okay? Bis dann mal, ich wünsche Ihnen schon einmal eine schöne Advents- und Weihnachtszeit sowie einen guten Rutsch! Bin schon gespannt, was Sie uns dann in der nächsten Dekade so bieten werden. Viele Grüße, hicemusic      

Liebe Leser, wie findet Ihr das Album? Bin gespannt auf Eure Antworten 😊

Note: 2,3

https://www.beck.com

 

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