Juni 2016

Minor Victories – Minor Victories

VÖ: 03.06.2016

Label: PIAS

Genre: Alternative-Rock / Shoegaze

Bei Minor Victories hat man es mit einer “Superband” zu tun, die wirklich mit einer edlen Riege von Indie-Größen aufwartet, die sich zudem mit ebenso klanghaften Namen als Gaststars verstärkt hat. Die Briten begrüßen nicht nur Rachel Goswell als Sängerin, die man von den legendären Shoegazern Slowdive sowie der später daraus hervorgehenden Dream-Pop-Band Mojave 3 kennen sollte, sondern auch Stuart Braithwaite von den großartigen Post-Rockern Mogwai, Justin Lockey von den Editors sowie dessen Bruder James. Zudem geben sich unter anderem Mark Kozelek von Sun Kil Moon und James Graham von Twilight Sad die Ehre. Auch wenn natürlich immer wieder Anklänge von jenen Bands zu vernehmen sind, bei denen die Mitglieder sonst spielen, ist der Gesamtsound sehr eigenständig ausgefallen, was auf eine gute Harmonie zurück zu führen ist. Nicht durchgängig fesselnd, aber in einigen Momenten klar strukturiert. Man höre nur mal A Hundred Ropes mit diesen wunderbaren Streichern!

http://www.minor-victories.com/

MINOR VICTORIES „A HUNDRED ROPES“ from PIASGermany on Vimeo.

Minor Victories – Scattered Ashes (Song for Richard) from PIASGermany on Vimeo.

Minor Victories – Folk Arp from PIASGermany on Vimeo.

 

 

Palace Winter – Waiting For The World To Turn

VÖ: 03.06.2016

Label: Tambourhinoceros

Genre: Indie-/Psychedelic-Rock

Es gibt Alben, die benötigen für gewöhnlich ein wenig Zeit, damit sie sich dem Hörer erschließen. Nach ein paar Durchgängen erst wird einem die Magie bewusst, die einem Werk innewohnt, man versteht in langsamen Schritten, dass da eine Band vorspielt, die sich mit bereits hinlänglich bekannten Sounds nicht zufrieden gibt, ein Album mit höchsten Ansprüchen produziert hat, dass nicht überfordern möchte, man aber gleichzeitig den „einfachen“ Songwriting-Strukturen aus dem Weg gehen möchte. Bei dem Debüt von Palace Winter, einem australisch-dänischem Duo, sollte man allerdings nicht viele Hördurchgänge benötigen, um es zu schätzen, vor allem wenn man Klänge mag, die sich im Spannungsfeld von beliebten Bands wie The War On Drugs, Tame Impala oder My Morning Jacket bewegen, also zwischen psychedelischem, krautigem Pop und Rock-Sounds sowie leicht angedeuteten Electro- und Americana-Elementen. Songs wie Dune Wind, Positron und H.W. Running sind richtig klasse.  Auch sonst gelungen!

http://www.palacewinter.com/

 

 

Paul Simon – Stranger To Stranger

VÖ: 03.06.2016

Label: Concord

Genre:  Folk / Rock /World

In letzter Zeit haben sich ja ein paar Künstlerinnen und Künstler eindrucksvoll zurückgemeldet, von denen man trotz der ruhmreichen Vergangenheit eigentlich nicht unbedingt erwartet hätte, dass sie doch noch einmal solch ein gelungenes Comeback feiern würden. Paul Simon allerdings hat in seiner fast 60 Jahre andauernden Karriere auch in der Spätphase in Solofunktion immer wieder richtig überzeugende Werke veröffentlicht, auch wenn sie natürlich nicht mit dem Meilenstein Graceland (1986) mithalten konnten. Dies schafft Stranger To Stranger zwar auch nicht, dennoch hinterlässt es einen starken Eindruck, textlich – z.B. wenn der 74-Jährige sich selbstironisch gibt bezüglich seines Alters oder wundervoll über die Liebe sinniert – als auch in musikalischer Hinsicht. Moderne, überaus vielseitige Arrangements, bei denen Simon neben bereits bekannten Elementen aus Folk, Rock, World und Avantgarde auch Hip-Hop-Anleihen einbaut. Unverkrampft und alles andere als aufdringlich. Schön!

http://www.paulsimon.com/

 

Whitney – Light Upon The Lake

VÖ: 03.06.2016

Label: Secretly Canadian

Genre: Indie-Rock / Psychedelic-Pop

Es gibt Alben, die benötigen für gewöhnlich ein wenig Zeit, damit sie sich dem Hörer erschließen. Nach ein paar Durchgängen erst wird einem die Magie bewusst, die einem Werk innewohnt, man versteht in langsamen Schritten…nein, bei dieser Band aus Chicago wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schnell begreifen, was für ein tolles Album hier vorliegt, bereits wenn die ersten Töne von No Woman das Ohr erreichen. So wunderbar balancierend zwischen balladenhaften und stimmungsvollen Momenten wird darüber gesungen, dass man an die vergangene Zeit, die alte Liebe denkt, zu neuen Ufern aufbricht, sich im Gefühlschaos befindet. Dazu ist der Song einfach wundervoll ideenreich instrumentell arrangiert. Danach bleibt es weiterhin aufregend, The Falls, Golden Days und No Matter Where We Go sind weitere Eckpfeiler eines durchgehend starken Debütalbums, das gekonnt Sounds vergangener Tage aus Country und Folk mit modernen souligen Rock/Pop-Klängen vermählt. Hörtipp!

http://www.whitneytheband.com/

 

 

Band Of Horses – Why Are You OK

VÖ: 10.06.2016

Label: Caroline

Genre: Indie-/Folk-/Southern-Rock

Jason Lytle, den man als Kopf der absolut großartigen Indie- und Space-Rocker Grandaddy kennt, ist einfach bewundernswert. Jetzt hat er sich erfolgreich als Produzent betätigt, nicht zum ersten Mal (das hat er schon bei seinen tollen Soloalben gemacht), aber nun auch im Fremdauftrag. Damit hat er wesentlich dazu beigetragen, dass den Band Of Horses ein gelungenes Comeback mit Why Are You OK gelungen ist. Ebenso Rick Rubin hatte seine Hände im Spiel und J Mascis von Dinosaur Jr. gibt sich auf In A Drawer die Ehre mit einem wertvollen und effektiven Gastbeitrag. Natürlich sollte nicht verschwiegen werden, dass die Band Of Horses auch einen eigenen Anteil daran haben, dass man von eben jener geglückten Rückkehr sprechen kann. Sie bewegen sich zwar klanglich nicht allzu sehr weg von bekannten Pfaden zwischen modernem Folk- und Indie Rock, scheuen auch nicht die stadiontauglichen Momente, unternehmen gleichzeitig jedoch wieder lohnenswerte Ausflüge in AOR und Southern Rock. Klasse!

http://www.bandofhorses.com/

Band Of Horses – Casual Party from Ben Fee. on Vimeo.

 

 

Jake Bugg – On My One

VÖ: 17.06.2016

Label: EMI

Genre: Indie-Rock / Folk-Rock

Also, so schlimm wie zurzeit geschrieben wird, ist das dritte Album von Jake Bugg nicht! Allerdings hat der 22-Jährige insgesamt, gerade im Vergleich mit dem frischen selbstbetitelten Debüt (2012) und selbst dem netten, letztlich leider wenig wirkungsvollen, nur ein Jahr später nachgeschobenen Nachfolger Shangri La mit On My One an klanglicher Qualität einbüßt. Buggs Willen sich in kreativer Hinsicht weiterzuentwickeln ist natürlich lobenswert, er versucht sich auch erneut an Elementen außerhalb des Indie-Rock, z.B. mit Country- und Blues-Anleihen, präsentiert zum Teil Songs mit glaubwürdigen Texten, u.a. im Titeltrack über das anstrengende und kräftezehrende Tourleben. Allerdings wirken einige andere Lieder insgesamt etwas fahrig, teilweise scheint der junge Brite den Faden verloren zu haben. So sind einige Sounds auf Massenkompabilität ausgelegt, präsentieren letztlich zu bekannte, schon oft in ähnlicher Art vernommene Klänge. Keine Katastrophe, aber auch nicht mehr als Mittelmaß. Schade!

http://jakebugg.com/

Jake Bugg ‚Love, Hope & Misery‘ (Official Video) from Michael Holyk on Vimeo.

 

Red Hot Chili Peppers – The Getaway

VÖ: 17.06.2016

Label: Warner

Genre: Alternative-/Funk-Rock

Die Red Hot Chili Peppers haben 1991 mit Blood Sugar Sex Magik einen Geniestreich abgeliefert und 8 Jahre später – nach dem von der Kritik eher weniger geschätzten Album One Hot Minute (1995) – mit Californication ein ebenbürtiges Werk präsentiert. Eine Person hatte einen wesentlichen Anteil an dem kreativen und kommerziellen Erfolg der Band aus Los Angeles, Produzentenkoryphäe Rick Rubin, der ab 1991 (anfangend mit Blood Sugar Sex Magic) die nächsten 20 Jahre hinter den Reglern ihrer Veröffentlichungen saß. Allerdings war By The Way (2002) ihr letztes starkes Statement, die folgenden beiden Alben waren letztlich (trotz ein paar guten Songs) nicht mehr so aussagekräftig. Nun wollten die Red Hot Chili Peppers sich klanglich neu orientieren, weshalb sie statt besagtem Rubin nun Danger Mouse mit der Produktion beauftragten. Von dessen Mitwirkung ist leider nicht allzu viel zu merken. Ganz okay (Elton John spielt z.B. Klavier), aber nicht wirklich zwingend!    

http://redhotchilipeppers.com/

Red Hot Chili Peppers „Dark Necessities“ from Warner Bros. Records on Vimeo.

 

Hot Hot Heat – Hot Hot Heat

VÖ: 24.06.2016

Label: Kaw-Liga

Genre: Indie-/Alternative-Rock, Dance-Punk

Die Kanadier haben Anfang bis Mitte der 2000er Jahre mit ihren Alben Make Up The Breakdown und Elevator ziemlich  gut in die Zeit gepasst, als die britischen und US-amerikanischen Kollegen der damaligen Indie-/Garage-/Punk-Rock-Welle aktiv waren. Hot Hot Heat präsentierten Songs mit absoluten Ohrwurmqualitäten wie Bandages, Goodnight Goodnight oder Middle Of Nowhere, die ebenso die klangliche Nähe zu Musiken der 1970er/-80er Jahre suchten und wegen der gleichzeitigen modernen Ausrichtung mit frischen Ideen den Kritikern gefielen. Man wurde oft auf TV- und Radio-Stationen gespielt, bekam diverse Preise und ging unter anderem mit den Foo Fighters und Weezer auf Tour. Wie viele der oben genannten Bands versuchte man sich später an experimentelleren Sounds, verlor aber ein wenig den Faden. Das neue Album, auf dem Hot Hot Heat klanglich die Nähe zu den Frühwerken suchen, ist letztlich in Ordnung, auch wenn noch ein paar frische Ideen mehr gut getan hätten.        

http://www.hothotheat.com/

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