Februar 2016

Field Music – Commontime

VÖ: 05.02.2016

Label: Memphis Industries

Genre: Indie-Pop / Funk

Der Einstieg in das sechste Studioalbum der Formation um die Brewis-Brüder David und Peter ist einfach nur grandios. The Noisy Days Are Over beinhaltet eine eindeutig formulierte Message, zukünftig alles ein wenig ruhiger anzugehen, und setzt dem Ganzen gleichzeitig eine kraftvolle klangliche Antwort entgegen. Man fühlt sich an große Zeiten der Talking Heads um deren charismatischen Frontmann David Byrne erinnert. So nostalgisch behaftet, ohne den Bezug zur Gegenwart aus den Augen zu verlieren. Auch die folgenden Songs haben Charme, erinnern an die großen Pop-/Rock-Momente der 1970er und -80er Jahre, die zwischen majestätischer Grandezza und unverblümtem Kitsch die Balance bewahrten. Leider gibt man sich zum Ende hin etwas zu selbstverliebt, die Klischees gewinnen die Oberhand, man weckt zwar Erinnerungen an Zeiten von Bands wie Genesis, Roxy Music, XTC, Hall & Oates  oder The Knack, lässt in manchen Momenten aber neue Ideen vermissen. Dennoch im Gesamten ziemlich unterhaltsam!

http://www.field-music.co.uk/

 

Field Music – The Noisy Days Are Over from memphis industries on Vimeo.

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Junior Boys – Big Black Coat

VÖ: 05.02.2016

Label: City Slang

Genre: Electronica / Synthie Pop

Auch in diesem Fall ist der Beginn bis zur Mitte eindrucksvoller gestaltet worden als der Rest des Albums. You Say That sowie Over It, aber ebenso C’mon Baby, Baby Give Up On It und mit Abstrichen auch noch M & P,  geben die Marschrichtung vor, die folgenden Tracks können dieses Niveau kaum noch einmal bestätigen. Die absoluten Kritikerlieblinge Hot Chip finden ja stets die richtige Mischung zwischen Pop und Electronica, während die gern mit ihnen verglichenen Kanadier sich gerade auf dem nach 5 Jahren kreativer Pause veröffentlichten Album Big Black Coat im Verlauf etwas zu krampfhaft geben. Man versucht sich nun an Detroit- und Experimental-Techno im Stile eines Richie Hawtin, Robert Hood oder Yellow Magic Orchestra, ohne dass wirklich viele neue Ideen eingewoben werden. In dieser Hinsicht stellen sich Landsmann Caribou und auch -frau Jessy Lanza vergleichsweise raffinierter an. Nicht falsch verstehen, Big Black Coat ist schon recht gut geraten, hätte aber noch wagemutiger ausfallen können.

http://www.juniorboys.ca/

 

The Jezabels – Synthia

VÖ: 12.02.2016

Label: Caroline

Genre: (Synthie-)Pop, Alternative-/Indie-Rock

In ihren Anfangstagen haben die Australier die eigene Musik einmal als „intensindie“ bezeichnet, angeblich um sich einen kleinen Spaß zu erlauben. Allerdings muss man – insbesondere nach dem Hören ihres dritten Albums Synthia – konstatieren, dass sie mit einer solchen Beschreibung gar nicht mal so falsch liegen. Denn der Band gelingt eine ziemlich gute Mischung aus hymnischen, eindringlichen und gemächlicheren, träumerischen  Momenten, aus Indie-Rock- und Synthie-Pop. Vor allem auf das letztgenannte Genre wird sich hier zentral bezogen, der Albumtitel spielt darauf an, dass Keyboarderin Heather Shannon sich im Vorfeld der Produktion mit einer Vielzahl an Synthesizern vertraut gemacht hat, die hier ausgiebig zum Einsatz kommen. Vor allem die 1980er Jahre scheinen es dem Quartett angetan haben, Cyndi Lauper oder Eurythmics beispielsweise. Der stärkste Song Pleasure Drive erinnert auch ein wenig an Goldfrapp zu Zeiten von Black Cherry. Nicht immer packend, aber schon hörenswert.

http://thejezabels.com/

 

The Jezabels – Pleasure Drive (Official Music Video) from Max Hemmings on Vimeo.

The Jezabels- Come Alive from Oh Yeah Wow on Vimeo.

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Me And My Drummer – Love Is A Fridge

VÖ: 12.02.2016

Label: Sinnbus

Genre: Indie- / Dream-Pop

Letztes Jahr im Sommer besuchte der Schreiber dieser Zeilen eine wirklich originelle, gesellige Veranstaltung in Köln, ein sogenanntes „Kopfhörerkonzert“. Auf einer Wiese trafen sich mehrere Menschen, die gebannt und ruhig einer Livedarbietung lauschten. Vorne auf der Bühne spielte eine Band auf, deren produzierte Klänge nur über vom Veranstalter gesponserte Kopfhörer verfolgt werden konnten. Eine Sängerin machte ein paar liebenswerte Witze und stellte daraufhin ihren Instrumentalisten vor, einschließlich des Verweises auf den einfach zu merkenden Bandnamen. Der erste Song ging noch etwas unter, im Verlauf des Abends aber entfaltete sich das Potential des Berliner Duos. Die Musik war abwechslungsreich, Neugier weckend, experimentell veranlagt, die Atmosphäre passte einfach perfekt. Glücklicherweise gelingt es der Band, diese Stimmungen und Eindrücke auf dem Album aufrechtzuerhalten. Wirklich abwechslungsreich und durchaus vielseitig instrumentiert!

http://www.meandmydrummer.com/

 

Me And My Drummer – Blue Splinter View (official video) from Sinnbus on Vimeo.

 

Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit

VÖ: 19.02.2016

Label: Staatsakt

Genre: Power-/Indie-Pop, Post-Punk

Die Berliner Band hat im letzten Jahr ein paar Songs veröffentlicht, die ihnen schon viel Aufmerksamkeit zuteilwerden ließen. Vor allem die großartige Single Annabelle, aber auch die beiden EPs Körper und Aquarium sorgten für Begeisterungsstürme. Auf dem Album mit dem Titel Berliner Schule/Protopop werden die Songs der zwei letztgenannten Werke noch einmal versammelt. Es erscheint am gleichen Tag wie die Debüt-LP Und aus den Wolken tropft die Zeit, welche sich durch unglaubliche Wirksamkeit auszeichnet. Dies gilt sowohl für die spannende Musik, die sich lässig und stilsicher zwischen Indie-Pop und Post-Punk bewegt, als auch die einprägsamen, intelligenten sowie persönlichen Texte, die von Sänger und Songwriter Tobias Bamborschke mal voller Energie, mal mit melancholischer Zurückhaltung vorgetragen werden. Die Vergleiche mit Rio Reiser, den Fehlfarben und aktuellen Bands wie Trümmer sind angebracht, andererseits überzeugen die Berliner durch Individualität. Der Hype ist nachvollziehbar!

http://isolationberlin.bandcamp.com/

 

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LNZNDRF – LNZNDRF

VÖ: 19.02.2016

Label: 4AD

Genre: Indie-/Experimental-Pop, Kraut-/Progressive-Rock

Hinter LNZNDRF verbergen sich erneut Mitglieder von der wunderbaren US-Band The National, im Verbund mit anderen Musikern von mehr oder weniger bekannten Indie-Formationen. Fast drei Jahre liegt bereits das letzte gemeinsame Studioalbum Trouble Will Find Me zurück, seitdem hat man  anderweitige Projekte verfolgt. Letztes Jahr gab es da ein Album der experimentellen Pfarmers, denen Drummer Bryan Devendorf angehörte, ebenso wie  El Vy, mit denen The National-Frontmann Matt Berninger musizierte. Nun also LNZNDRF, wieder mit bereits erwähntem Bryan Devendorf und seinem Bruder Scott sowie Beirut-Mitglied Ben Lanz. Dem Debüt ist anzuhören, dass die Mitwirkenden eine Vorliebe für ambitionierte Musik im Spannungsfeld zwischen Indie-, Kraut-/Psychedelic- und Progressive-Rock haben. Ein paar beachtliche Songs werden präsentiert (z.B. Kind Things), auch wenn dem Album ab und zu ein wenig der Fokus, eine klar erkennbare Struktur fehlt. Geht schon in Ordnung!

http://lnzndrf.com/

 

 

Wild Nothing – Life Of Pause

VÖ: 19.02.2016

Label: Bella Union

Genre: Dream- / Indie-Pop

Die US-Formation um Jack Tatum existiert seit 2009 und hat seitdem LPs und EPs produziert, in denen sich an den verschiedensten Stilrichtungen ausprobiert wurde. Grundsätzlich werden Elemente des Alternative-/Indie-Rock mit elektronischen Zutaten gemischt, jedoch immer wieder in höchst abwechslungsreicher und durchdachter Weise. Ideen werden aufgegriffen und ausgearbeitet, egal ob aus 80‘s-Pop, Shoegaze, Chillwave oder Post-Punk. Die Songs überzeugen durch raffinierte, wirkungsvolle Instrumentierungen, markante Melodieführung und Harmonik, die unterschiedlichsten Stimmungen werden erzeugt. Die Kritiker sind grundsätzlich begeistert, schon seit ihren Anfangstagen wird die Band gefeiert. Auf ihrer dritten LP Life Of Pause kann sie (größtenteils) begründen, weshalb dies der Fall ist. Abwechslungsreich und gewohnt versiert instrumentiert, die Musik ist mit Indie- bzw. Dream-Pop nur knapp umschrieben. Kein Meilenstein, aber dennoch hörenswert!

http://www.wildnothingmusic.com/

 

Wild Nothing – To Know You / TV Queen (The Living Album Art of Life of Pause) from Bella Union on Vimeo.

 

Wolfmother – Victorious

VÖ: 19.02.2016

Label: Universal

Genre: Hard Rock / Alternative Metal

Das selbstbetitelte Debüt der Australier, das vor knapp einer Dekade in Deutschland veröffentlicht wurde, war in kommerzieller als auch künstlerischer Hinsicht äußerst erfolgreich. Kein Wunder, konnte es doch in eindrücklicher Manier Elemente aus Hard-, Garage Rock und Heavy Metal vereinen und diesen einen modernen Anstrich verpassen. Natürlich war der Sound in keiner Weise originell, von Innovationen konnte kaum die Rede sein. Musikfans, die jene Rockbands der 1960er und -70er Jahre wie Black Sabbath, Led Zeppelin oder Thin Lizzy aktiv miterlebten, hatten sicherlich auch etwas zu meckern. Aber die Sounds machten dennoch Spaß, was Songs wie Woman, Joker & The Thief oder Dimension auch heute noch unter Beweis stellen. Der Nachfolger Cosmic Egg verbreitete immer noch Laune, aber das dritte Werk New Crown hinterließ wenig Eindruck. Das neue Album hat zwar seine Momente, einige Songs wie Gypsy Caravan versprühen die Energie alter Tage. Insgesamt aber nicht wirklich begeisternd!

http://www.wolfmother.com/

 

spotify:track:2VrHUISogWfJVTnCyWXadj

spotify:track:3EanrHXmihTOQkzShC1v2t

 

School Of Seven Bells – SVIIB

VÖ: 26.02.2016

Label: Full Time Hobby

Genre: Dream-/Indie-Pop, Shoegaze

Es muss Sängerin Alejandra Deheza einiges an Überwindung gekostet haben, dieses Album der Öffentlichkeit doch noch zugänglich zu machen. Es wird das letzte sein von den Schools Of Seven Bells. Über 2 Jahre sind vergangen, seit der Bandkollege und ehemalige Lebenspartner Benjamin Curtis den Folgen eines Krebsleidens erlegen ist. Die Entscheidung lag ja allein bei ihr, nachdem Schwester Claudia die New Yorker Band schon 2010 verlassen hatte und Alejandra Deheza nun das einzig verbliebene Mitglied des ehemaligen Trios ist. Die Sounds, die auf SVIIB zu hören sind, wurden noch zusammen mit Curtis aufgenommen, die höchst emotionalen, intimen, teilweise sehr intensiven Texte sind daher nachvollziehbar. Klanglich an musikalisch ähnlich gelagerte Bands wie M83, The Naked & Famous oder auch The Jezabels (siehe oben), gemeinhin Musik im Bereich zwischen Indie-Rock, Shoegaze, Dream Pop und Electronica angelehnt. Wenn auch nicht alles zündet, ist SVIIB ein gelungenes Abschlusswerk.

http://www.sviib.com/

 

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