Low – Double Negative

VÖ: 14.09.2018

Label: Sub Pop

Genre: Ambient-/Dream-Pop, Slowcore, Electronica

Bands, die sich stets weigern schlecht zu sein, Teil 2: Nach dem überaus gelungenen Comeback von Spiritualized in diesem Monat hat eine weitere Musikgruppe ein Album veröffentlicht, dessen erneute Großartigkeit mich angesichts der bisherigen Entwicklung der US-Amerikaner nicht wirklich überrascht. Ich bin aber dennoch irgendwie überwältigt, zu den genauen Gründen komme ich später. Low hat nicht erst mit Double Negative unter Beweis gestellt, wie experimentell und individuell sie sich im Indie-Sektor bewegen und wie viele bunte Ideen sie stets in ihrem Sound verarbeiten können. Im Bereich zwischen Indie-/Alternative-Rock und Slowcore sind sie grob einzuordnen, ohne dass sie sich darauf festlegen lassen. Die Hörer wurden mit jedem Album auf irgendeine Weise überrascht, Low ist nicht umsonst seit nun 25 Jahren eine Institution, deren öffentliche Bekanntheit in meinen Augen jedoch sicherlich noch größer sein darf. Neben den Klassikern – da sei beispielsweise das Debüt I Could Live In Hope aus dem Jahr 1994 zu nennen, aber auch Secret Name  (1999), Things We Lost In The Fire (2001) oder Drums And Guns (2007), wobei so manch einer sicherlich noch weitere aufzählen könnte – hat mir unter anderem auch ihr letztes Werk  Ones And Sixes (2015) gut gefallen. Doch – und damit komme ich auf den Anfang des Textes zurück – nicht so sehr wie nun Double Negative, das mich sofort gepackt hat und dessen experimentellen Charakter ich trotz der mir bekannten Kompromissbereitschaft von Low ich in dieser Form nicht erwartet hätte. Hier hat sich das Trio zwar erneut wie bei besagtem Vorgänger mit Produzent BJ Burton zusammengetan, doch ihm scheinbar noch mehr kreative Freiheiten eingeräumt. Denn von Indie-Rock ist nichts bzw. kaum etwas zu hören, es wird – dem Slowcore gemäß – ein langsames Tempo eingeschlagen – dabei vermehrt auf Experimental-Electro-Elemente gesetzt. Das ist schon herausfordernd, aber sofern man sich auf diese Platte einlässt, wird man als Hörer mit unglaublich intensiven Melodien belohnt, großartig getragen von Mimi Parkers und Alan Sparhawks Gesangstimmen. Schon jetzt ganz klar eines meiner Highlight-Alben des Jahres 2018!

Note: 1,7        

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Low – Ones And Sixes

VÖ: 11.09.2015

Label: Sub Pop

Genre: Indie-/Alternative-Rock

Es gibt im Indie-Rock-Segment ein paar Bands, die seit vielen Jahren konstant hochklassige Alben einspielen und sich trotz der Nähe zu dem Genre (oder eines seiner Subgenres) musikalisch nicht oder zumindest kaum wiederholen. Ein profundes Mittel ist dabei maximale Offenheit gegenüber anderen Gattungen, von denen Merkmale übernommen und kunstvoll dem bereits vorhandenen klanglichen Repertoire beigefügt werden. Ja klar, Radiohead stehen da wohl an vorderster Stelle, Blur sicherlich ebenso, wie auch Wilco – wie kürzlich im Zusammenhang mit der Rezension ihres neuen Werks an dieser Stelle erwähnt wurde. Aber dies sind ja Bands, die zu den bekannteren Vertretern des Genres gehören und (oftmals) ebenso Hörern ein Begriff sind, die sich eher wenig mit Indie-Rock identifizieren können. Da sind aber auch Formationen wie die US-Amerikaner Low, die ebenso von den Kritikern geliebt werden, jedoch insbesondere in kommerzieller Hinsicht weniger erfolgreich sind und allein deshalb kaum im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit stehen. Sehr ungerecht, denn seit Bandgründung im Jahr 1993 haben sie sich immer wieder – trotz ihrer Verankerung im Slowcore – klanglich emanzipieren können (ihr selbstbetiteltes Debüt beispielsweise konnte sich zu Zeiten des Grunge eindrucksvoll abgrenzen und den individuellen, minimal arrangierten Stil in Szene setzen). Nun ist Album Nummer 11 erschienen, dessen ersten Songs die klangliche und emotionale Variabilität von Low erneut dokumentieren. Ob es daran liegt, dass mit BJ Burton ein Produzent das Werk betreut hat, der für gewöhnlich mit Hip-Hop-Künstlern (u.a. Kanye West) zusammen arbeitet und sich somit die klangliche Palette noch einmal erweitert hat? Elemente dieses Genres gibt es zwar nicht direkt zu hören, dafür aber unter anderem von Electro-Stilen oder auch psychedelischen Pop im Stile der Beach Boys. Dennoch ist Ones And Sixes sehr minimal arrangiert und in lyrischer Hinsicht ziemlich düster ausgefallen. Tolles, vielseitiges Album!

Note: 2,3

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