Neil Young & Crazy Horse – Barn

VÖ: 10.12.2021

Label: Reprise

Genre: Folk / Rock

Gerade kurz bevor auch das Jahr 2021 beendet ist, veröffentlicht der Altmeister Neil Young ein neues Album. Nach seinem letztjährigen Werk, dem absolut großartigen Homegrown (mit super aufbereiteten Sounds aus Mitte der 1970er Jahre), hat Neil Young nun Barn veröffentlicht. Der Titel gibt so ein bisschen den Weg vor: es geht um die Scheune, in deren Besitz er und seine Frau Daryl Hannah sind, deren landschaftliche Umgebung, die Erinnerungen und Begebenheiten, die sie und andere Menschen damit verbinden, und so ziemlich alles, über das in Verbindung mit Folk- und klassischem Rock gesungen wird. Das ist auf keinen Fall despektierlich gemeint – ich finde Young ist da auf dem Gebiet des Songwritings immer noch eine der Größten -, es ist aber in dessen Kontext nicht allzu neu. Von einigen Musikkritiker/innen werden schon die höchsten Lobeshymnen angestimmt. Vielleicht habe ich die Qualitäten des Albums in der Gänze noch nicht ganz nachvollziehen können, aber ich empfinde Barn als ein gutes, hochklassig produziertes, aber nicht geniales Werk. Was sagt ihr dazu? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3     

https://neilyoungarchives.com/

Courtney Barnett – Things Take Time, Take Time

VÖ: 12.11.2021

Label: Marathon Artists

Genre: Indie-/Alternative Rock

Die Sparte „Kontrovers“ habe ich vor einigen Jahren ins Leben gerufen, um zu zeigen, dass ich nicht immer der gleichen oder ähnlichen Meinung von Kritiker/innen aus Fachzeitschriften, Online-Magazinen und anderen Medien bin. Das Abfeiern oder das Abwerten von Alben kann ich nicht grundsätzlich nachvollziehen. Da gab es ja schon einige Beispiele. Andererseits habe ich es oft schon gehabt, dass ich schon ähnlicher Meinung war, ich ebenfalls positive Ansichten über ein Werk vertreten habe. Meistens war von einem Meisterstreich die Rede, aber ich war noch nicht vollauf begeistert. Nun, jetzt angesichts des Erscheinens von Things Take Time, Take Time, dem neuen Album der gefeierten australischen Künstlerin Courtney Barnett, ergibt sich noch eine weitere Ausgangslage. Denn die Kritiken – zumindest in deutschen Medien – sind größtenteils noch etwas verhalten, was angesichts der Reaktionen, die es auf die Vorgänger gab, mich schon etwas verwundert. Jammern auf hohem Niveau sozusagen! Es liegt wohl daran, dass ich das Werk richtig klasse finde. Nein, es ist kein Meisterwerk, aber ich bin da im Vergleich zu manchen Kritiker/innen doch schon begeisterter. Es gibt erneut wieder spannende als auch entspannte Perspektiven auf das Alltagsleben, mit Humor und textlichen Feinheiten kombiniert. Die Songs haben direkt ihre Wirkung bei mir erzielt, weil mir ebenfalls der musikalische Aufbau mit originell-lässigen Melodie- und Harmoniestrukturen (wie in Rae Street, Turning Green oder Write A List Of Things To Look Forward To) zusagt. Nein, Things Take Time, Take Time ist wie bereits erwähnt auch in meinen Augen kein Meisterwerk, jedoch schon ein weiteres sehr gutes Album in der eindrucksvollen Diskografie der charismatischen Sängerin, oder nicht? Was sagt ihr zu der Platte? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,0

https://courtneybarnett.com.au/

James Blake – Friends That Break Your Heart

VÖ: 08.10.2021

Label: Republic

Genre: Soul / R&B / Pop / Electronica

Auf dem vor knapp einem Jahr veröffentlichten Covers hatte es sich angedeutet, dass die Electronica-Elemente zugunsten der Soul-/Pop-/R&B-Klänge reduziert werden. Letztere kann der 33-jährige Londoner ohne Zweifel ebenfalls fantastisch umsetzen, allein durch die Präsenz seiner Stimme. Nun gut, Electronica-Sounds sind nicht gänzlich verschwunden, auch wenn wahrlich die Post-Dubsteb-Zeiten, die er so raffiniert und genial mit seinem unverwechselbaren gleichnamigen Debüt eingeläutet hat, der Vergangenheit angehören. Es ist ja auch zehn Jahre danach ziemlich klar, dass dieser „basslastige“ Elektro-Soul-Pop ein paar Veränderungen bedarf. Andererseits wäre es seltsam, wenn James Blake nicht mehr innovative Soundforschungen betreiben würde. So war es ja auch so, dass einige – ebenfalls namhafte – Künstler/innen auf seine Produktions-Skills gesetzt haben, und das sicherlich nicht ohne Grund! Auf Assume Form  (2019) deutete es sich an, dass neue Töne angeschlagen werden, die sicherlich von den Produzenten-Jobs beeinflusst waren. Allerdings meiner Meinung nach nicht zum Nachteil, größere Präsenz in der Öffentlichkeit und mehr Pop-Elemente im Sound könnten ja auch nicht immer zum Vorteil sein. Klar, vielleicht war die Innovationskraft der frühen Tage nicht ganz erreicht, aber dennoch gingen von dem Künstler weiterhin wichtige Impulse im Spannungsfeld von Pop/Soul/R&B/Electronica aus. Jetzt wo Friends That Break Your Heart erschienen ist und die Kritiken – für James Blake-Verhältnisse – noch einigermaßen zurückhaltend ausfallen – stellt sich für mich die Frage: wie gut ist dieses Album wirklich? Ich finde, dass die Fokussierung auf Soul/R&B, der immer wieder mit anderen Elementen aus anderen Genres gewürzt wird, irgendwie dennoch spannend bleibt. Blake singt erneut vornehmlich über seine Gefühlswelten, in gewohnt ehrlicher und direkter Form. Dabei springen wieder einige tolle Songs heraus, wie z.B. Say What You Will, I’m So Blessed You’re Mine oder Foot Forward. Also, ich finde das Werk wieder gut, auch wenn es den Vergleich mit einigen Vorgängern – geschweige denn dem Debüt – nicht ganz standzuhalten scheint. Wie ergeht es euch mit dem Album? Seid ihr auch begeistert oder eher ernüchtert? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)    

https://www.jamesblakemusic.com/   

Die Ärzte – Dunkel

VÖ: 24.09.2021

Label: Hot Action

Genre: Punk-/Alternative-Rock / Pop-Punk

Es ist nicht einmal ein Jahr her, als die Ärzte das wirklich gelungene Comeback-Album Hell nach 8 Jahren Platten-Pause vorlegten. So schrieb ich damals: „(…) vor allem die Texte sind wirklich gut geraten, mit gewohnt bösen, bissigen, ironischen und lustigen Stellungnahmen zu Politik und Gesellschaft. Natürlich fehlt da nicht der Klamauk, aber es sind eben diese direkten Statements zu zum Beispiel Rechtsextremismus, Schönheitswahn oder Chris Hemsworth, die mir imponieren.“ Vor allem möchte ich in diesem Zusammenhang betonen, dass mir der klamaukige Stil gerade bei den Ärzten sehr oft ja auch gefallen hat. Vor allem dann, wenn jeglicher Respekt gefehlt hat, der Humor mehrere Ebenen aufbot und hinter dem Ganzen eben besagte bissige Kommentare zu zeitgemäßen Geschehnissen und Entwicklungen steckten. Jetzt ist der Gegenpart zu Hell – ja Dunkel eben – erschienen. Und dieser Nachfolger ist mit gemischten Kritiken bedacht worden, was ich total nachvollziehen kann. Irgendwie bleibt kaum eine Textzeile bei mir hängen, kaum ein Song hinterlässt mit seiner Melodieführung Eindruck. Es wirkt alles so verkrampft, gerade im direkten Vergleich zu Hell. Nein, Dunkel ist für mich keine Katastrophe, das Album ist schon gut produziert, dennoch bleibt wie gesagt kaum etwas hängen. Und das ist schon – vielleicht auch aus meinem Respekt für Die Ärzte heraus – enttäuschend für mich. Was sagt ihr zu dem Album? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 3,0

https://www.bademeister.com/aktuell

Lorde – Solar Power

VÖ: 20.08.2021

Label: Universal

Genre: (Psychedelic-/Folk-/Indie-)Pop

Wow, das sind doch tatsächlich wieder vier Jahre her, als das grandiose Melodrama erschien, ein (nach dem ebenfalls exzellenten 2013er-Debüt Pure Heroine) wohl kaum zu verhehlendes Statement in Sachen Pop mit klar definierten eingängigen als auch komplexen musikalischen Strukturen sowie smarten und doppelbödigen Texten! Was waren das für geniale Melodien in Songs wie Green Light, Perfect Places, Homemade Dynamite, Liability oder Sober! Da hat die damals 20-Jährige Lorde es wunderbar geschafft das Genre des Pop und dessen vielen Subgenres zu beleuchten und deren Essenzen zu einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen. Dazu textlich mit einem feinsinnigen Gespür für die Alltagserlebnisse und -sorgen von Teens und Twens, klar kann man sich nur als eine Stimme einer Generation empfehlen und letztendlich positionieren! Nun gut, da kann so ein drittes Werk schon etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Neuseeländerin suchte erneut Jack Antonoff auf, der schon besagtes Melodrama mitproduziert hatte. Und was ist das Ergebnis? Die Kritiken sind plötzlich im Gegensatz zum vielgefeierten Vorgänger höchst zwiespältig ausgefallen. Das gilt für die internationalen Magazine, allerdings auch für diejenigen in Deutschland. Yannik Götz von laut.de beispielsweise gibt der Review von Solar Power die Überschrift „Weltuntergangs-Stimmung für ein Nickerchen“, während im Musikexpress Julia Lorenz schreibt, es sei „(…) eine fantastische Platte darüber, wie sich eine Frühvollendete ein Westküstenfolkalbum vorstellt, dabei aber Kind ihrer Zeit bleibt.“  Ich selbst wusste schon im Vorfeld über diese gemischten Reaktionen Bescheid, doch – so war zumindest der Versuch – wollte ich davon unbeeinflusst bleiben. Ich weiß nicht, ob es mir wirklich gelungen ist. Was ich feststellen muss ist, dass mir leider kaum ein Song in Erinnerung geblieben ist. Irgendwie ist der Sound schon immer noch vielseitig in Folk- und Psychedelic-Gefilden angesiedelt, doch es fehlt mir irgendwie die Zugkraft eines Melodrama. Klar ist eine Hinwendung zu neueren Sound-Gebieten zu begrüßen, in diesem Fall zu von akustischen Instrumenten getragenen, generell minimalistisch anmutenden Melodien. Auch die Texte sind weiterhin hintergründig, mit ihrer Beschäftigung mit persönlichen Angelegenheiten Lordes (z.B. dem Älterwerden) sowie gesellschaftlichen Phänomenen – alles mit einer angenehmen humorvollen Herangehensweise. Doch irgendwie bekommt es mich nicht. Vielleicht sind weitere Hördurchgänge notwendig! Wie geht es Euch? Was haltet ihr von ihrem neuen Werk? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!         

Note: 3,0 (eventuell mit Potential nach oben)

https://www.lorde.co.nz/

Darkside – Spiral

VÖ: 23.07.2021

Label: Matador

Genre: Electronica / Experimental / Ambient

Es war ja auch im Genre der Electronica – wie in so ziemlich jeder musikalischen Spielart (wie dem Rock) irgendwann einmal so weit – zumindest in einigen der Subgenres -, dass die kreativen Tage etwas zurück lagen und bestimmte Sounds nicht mehr ganz so frisch klangen wie in der erfolgreichen Anfangszeit. Man nehme nur mal den Big Beat, der ja ab Anfang/Mitte der 1990er Jahre mit so Acts wie The Chemical Brothers, The Prodigy oder Fatboy Slim ordentlich Fahrt aufnahm und dann aber spätestens im Verlauf der 2000er Jahre an Attraktivität wieder verlor. Nun gut, dann kommen aber immer wieder neue Innovationen und frische Ideen, die in weiteren Subgenres ihren Ausdruck finden.  Im Electronica-Bereich sind da ja immer noch die Möglichkeiten gegeben, und da kommt auch so einiges. Gerade ein Mann hat sich da in den letzten Jahren sehr hervorgetan: Nicolas Jaar. Als Solo-Künstler auf Alben (wie dem 2011er-Meisterwerk Space Is Only Noise), Remixes, Compilations und diversen anderen Erscheinungsformen. Aber auch als Against All Logic oder als Darkside. Letzteres ist ein Projekt mit dem ebenfalls vielseitigen und umtriebigen Dave Harrington, das uns 2013 das grandiose Psychic schenkte. Darauf wurde experimentelle Elektronik sowohl mit vom Grundcharakter progressiv wirkenden als auch „mainstreamigeren“ Rockstrukturen sowie Ambient zusammengeführt. Nach ein paar weiteren Veröffentlichungen – u.a. als Daftside das Remix-Album Random Access Memories Memories (des letzten Daft Punk Werkes, wie der Titel es schon vermuten lässt) – war dann 2014 leider erst einmal Schluss! Doch seit 2018  ist das Duo wieder aktiv und legt mit Spiral das Zweitwerk vor, auf das – im Gegensatz zum vielgelobten Erstling – von der Kritik im Vergleich nicht ganz so  leidenschaftlich reagiert wurde. Vielleicht ist es allerdings auch etwas schwer dieses hohe Niveau zu bestätigen. Im Grunde werden die Experimente weiter vertieft, mit höchst spannenden klanglichen Exkursionen in World Music, Pop, ambitionierten Rock und entspannten Passagen in Psychedelia, Ambient und Folk sowie vieles mehr. Im Gesamteindruck ist das nicht ganz so bestechend wie auf besagtem Psychic, doch meiner Meinung nach ist es trotzdem ein fantastischer Nachfolger. Weiterhin großartig produziert, die Songs zeichnen sich durch Ideenvielfalt und einen unheimlich überzeugenden Willen zum Wagemut aus. Was haltet ihr vom Album? Seid ihr eher enttäuscht, ist es euch gleichgültig oder seid ihr ebenfalls begeistert? Auf eure Reaktionen bin ich gespannt 😊

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://www.darksidetheband.com/

 

Kings Of Convenience – Peace Or Love

VÖ: 18.06.2021

Label: EMI

Genre: Indie-Folk /-Pop

Die Jahre von 2001 bis ca. 2005 waren für mich (auch) in musikalischer von sehr großer Bedeutung, was ich ja an dieser Stelle schon das ein oder andere Mal geschrieben habe. Es war eben jene Zeit, in der ich zumindest zu großen Teilen die Charts-Hits langweiliger fand und einige im Radio (dort dann eher im Abendprogramm) eher seltener zu vernehmende Klänge entdeckte. Das waren natürlich zuvorderst die Formationen der neuen damaligen Indie-/Garage-Rock/Post-Punk-Welle (z.B. die ganzen „The“-Bands: The Strokes, The White Stripes), Electronica, einige „Klassiker“ (z.B. durch meinen Vater, der mir unter anderem Progressive Rock näherbrachte) und so vieles mehr. So Ende 2001 / Anfang 2002 lernte ich auch die Norweger Röyksopp kennen, auf deren fantastischen Debüt Melody A.M. ein gewisser Erlend Øye zu hören war (auf Remind Me und Poor Leno). Mir entging damals jedoch komplett die Musik seiner Band Kings Of Convenience und deren wundervolles Erstwerk Quiet Is The New Loud (2001), das so gefühlvolle, introvertierte Indie-Pop und -Folk-Songs bot. Der Albumtitel wurde gar als Slogan verwendet und stellte eine Art Gegenbewegung zu den oben genannten Indie-/Garage-Rock/Post-Punk-Bands dar. Formationen wie die Turin Brakes oder Badly Drawn Boy, ja sogar Belle & Sebastian wurden hier zugerechnet.  Ich habe die Kings Of Convenience dann erst richtig im Zusammenhang mit dem Nachfolger Riot To An Empty Street (2004) mit Gästen wie der tollen kanadischen Sängerin Feist zu schätzen gelernt (und in dem Zuge mich dem Vorgänger gewidmet). Songs wie I’d Rather Dance With You beweisen ja, dass „Quiet Is The New Loud“ nicht gleichbedeutend mit ausnahmslos ruhigen Songs ist. Schon auf besagtem Debüt waren Alternative Rock-Elemente zu hören. 12 Jahre (!) nach dem dritten Album Declaration Of Dependence sind die beiden Norweger – Erlend Øye und sein Co Eirik Glambek Bøe –  zurück mit Peace Or Love. Es ist vieles wie früher, unter anderem ist Feist wieder dabei. Ich bemühe den Vergleich oft, wenn ich mit etwas Nostalgischem in Berührung komme: es ist so wie eine geliebte Person nach vielen Jahren wieder zu treffen. Man weiß, es sind einige Jahre ins Land gezogen, alles ist vertraut, doch letztlich ist die Begegnung wieder eines – richtig schön! Man versteht sich doch irgendwie noch, oder? Ich mag das Viertwerk, es sind schöne introvertierte und gefühlvolle Songs über Themen wie Liebe, Kummer und das Relaxen. Genau der Folk wird repräsentiert, den ich schätze! Die Kritiker sind da unterschiedlicher Meinung. Daher würde ich gerne von euch wissen: wie findet ihr Peace Or Love? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3

https://kingsofconvenience.eu/#!     

Squid – Bright Green Field

VÖ: 07.05.2021

Label: Warp

Genre: Post-Punk / Indie-/Alternative-/Math-/Kraut-Rock / New-Wave

Okay, ich stelle es von vornherein klar: dieses Debüt der Newcomer-Band Squid aus Brighton kommt hier keineswegs wegen einer möglichen miesen Qualität, seiner Mittelmäßigkeit oder sonstiger eher negativer Aspekte in die „Kontrovers“-Sparte! Ich sage es direkt: Bright Green Field ist auch in meinen Augen wahnsinnig gut und wird sicherlich in einigen Bestenlisten des Jahrgangs 2021 landen! Ich weise diesmal nur kurz darauf hin, dass es bei meinem Lieblings-Label Warp Records erscheint, einer Stätte für experimentelle und hochqualitative Musik – seit mehr als 15 Jahren eben auch außerhalb der ambitionierten Electronica! Passt halt darauf, mit dieser unwiderstehlichen, absolut bestechenden Mischung aus Punk, Rock und New-Wave! Produzent dieses Debüts war zudem Dan Carey, der schon einige der momentan angesagtesten und großartigen Post-Punk-Bands (u.a. Black Midi mit ihrem grandiosen 2019er-Erstling Schlagenheim, aber auch Fontaines D.C. mit ihren beiden Werken sowie viele andere auch „Genre-fremde“ Bands) in dieser Funktion erfolgreich begleitet hat. Das gibt dem Sound die unwiderstehliche Kraft und gleichzeitige Eleganz! Klar, in den Texten lassen sich einige sozialkritische Messages erkennen, die im (Post-)Punk nun wahrlich nicht ungewöhnlich sind. Doch es erstaunt, wie aufgeräumt und reflektiert Squid hier vorgehen, dabei ein pessimistisches Bild der Zukunft als Warnung aufzeigen und diesen Botschaften mit diesen experimentellen Sounds voller Überraschungen Ausdruck verleihen! Der Hype war im Vorfeld schon groß, doch hier scheint er auch letztlich vollends berechtigt! Die Wertungen der Kritiker/innen sind in der Mehrheit überaus positiv, wobei ich vor allem in den deutschen Musik-Magazinen noch Zurückhaltungen festgestellt habe – auch wenn das natürlich eher Meckern auf hohem Niveau ist! Ich finde Bright Green Field wie gesagt schon jetzt fantastisch! Was sagt ihr? Bin mal gespannt, was ihr dazu sagt!

Note: 1,7 (vorerst)

https://squidband.uk/   

     

International Music – Ententraum

VÖ: 23.04.2021

Label: Staatsakt

Genre: Indie-Rock / Noise-Pop / Neo-Psychedelia             

Ich habe mich ja in den Kurzkritiken des Aprils auch mit dem neuen Album Die Gruppe der Berliner Ja, Panik auseinandergesetzt, einem wirklich klanglich und textlich ausgezeichnetem Werk! Es offenbart eine hintergründige, intellektuelle Herangehensweise an zurzeit aktuelle Themen. Wobei es dieser Formation vor allem um das Spiel mit Sprache geht. An diesen Bands mangelt es tatsächlich auch zurzeit in der deutschsprachigen Musikszene nicht, die nicht allzu offensichtliche, aber hochgradig reflektierte Standpunkte einnehmen und sich einer Angelegenheit multiperspektiv annehmen. Eigentlich bin ich ein großer Fan dieser Musik, habe schon immer mit Interesse verfolgt, was für Musiker/innen da in der Tradition und Nachfolge von beispielsweise „Hamburger Schule“-Musikgruppen wie Tocotronic, Die Goldenen Zitronen, Blumfeld oder Die Sterne vielschichtige Rock-/Punk-/Pop-Sounds produzieren, ebenfalls wie sprachlich komplexe, vielseitige Stimmungsbilder vermittelnde Texte. Leider war ich da 2018 nicht so aufmerksam, als ein Album namens Die besten Jahre erschien. Klar, habe ich das im Nachgang gehört und in den entsprechenden Jahresrückblick genommen. Aber das Werk – das unter anderem die Knaller-Single Cool bleiben aufbietet – und die Formation dahinter – die Essener von International Music – hatten eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient! Die Kritiker/innen zogen damals Parallelen zu besagten Ja, Panik – gerade aufgrund der Mischung deutscher und englischer Sprache –, verwiesen gleichzeitig aber auch auf die weiteren Stilrichtungen und Bands – ebenfalls in internationaler Hinsicht. Es wurden unter anderem gleichzeitig The Jesus And Mary Chain, Can und F.S.K. im Musikexpress ins Spiel gebracht. Die Band soll vor allem von den Beatles, The Velvet Underground, Spacemen3 und Trio inspiriert sein. So oder so, die Klänge sind tatsächlich vielseitig aufgestellt. Das wird auch bei dem genialen Zweitwerk Ententraum klar, das den Hörer unter anderem wieder mit Psychedelic-/Kraut-/Progressive-Rock und Noise-Pop bekannt macht und dabei eindeutig zeigt, dass da begnadet virtuose Musiker am Werk sind, die reichhaltig instrumentierte Songs mit unwiderstehlichen Melodien erzeugen! Es geht thematisch vor allem um den Zustand des Träumens, um die Bilder die erzeugt werden und offenbart verschiedene Deutungsansätze. Es wird mal lustig, ironisch, überschwänglich, aber auch melancholisch, traurig und düster! Das Album ist nur aus einem Grund in der „Kontrovers“-Sparte: ich bin hingerissen von Ententraum, finde es mindestens genauso gut wie das Debüt von International Music, habe aber auch die teilweise und vergleichsweise noch etwas verhaltenden Wertungen der Kritiker/innen registriert! Was sagt ihr zu dem Album? Genial, gut, schlecht oder doch nur Mittelmaß? Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt 😊                       

Note: 1,7 (mit Potential nach oben)

https://www.internationalmusic.band/

Floating Points, Pharoah Sanders & London Symphony Orchestra – Promises

VÖ: 26.03.2021

Label: Luaka Bop

Genre: Nu Jazz / Broken Beat

Treffen sich ein fantastischer Experimental-Electro-Produzent, eine Jazz-Koryphäe und eines der renommierten Orchester des Vereinigten Königreiches … Nein keine Angst, das ist kein billiger oder veralteter Musiker-Witz! Es soll vielmehr dazu dienen, sich einmal klarzumachen, mit was für einer Ausgangslage in künstlerischer Hinsicht wir es hier zu tun hatten und was für ein Resultat nun vorliegt! Beziehen wir uns zunächst einmal auf Sam Shepherd alias Floating Points, der mit Elaenia (2015) und Crush (2019) schon herausragende Werke veröffentlicht hat und auch mit seinen EPs, Soundtrack-Arbeiten und Compilations sowie seinen Live-Auftritten immer wieder für Erstaunen bei Fans und Kritiker/innen sorgte. Dann wäre da Pharoah Sanders, 80-jähriger US-Amerikaner, der unter anderem mit seiner Ehrfurcht gebietenden Technik des Saxophon-Spiels die unterschiedlichsten experimentellen Subgenres des Jazz revolutioniert hat und mit den ganz Großen wie John Coltrane gespielt hat. Dann noch das London Symphony Orchestra, das zu den ältesten und wichtigsten Orchestern Großbritanniens und weltweit zu zählen ist, dem in seiner Vergangenheit schon unzählige einflussreiche Musiker/innen angehörten (seit 2017 wird es zum Beispiel von Sir Simon Rattle dirigiert). Ich habe da im Vorfeld also schon mit Großem gerechnet! In diesem Zusammenhang könntet ihr euch vielleicht fragen, warum das Werk Promises nun also in der Rubrik „Kontrovers“ landet. Nun ganz einfach, ich habe mir die generellen Wertungen des Albums in verschiedenen Musik-Medien angeschaut. Die sind in der Mehrzahl überaus positiv, vielmehr preisen es einige als ein herausragendes Meisterwerk! Dies sehe ich eben genauso, ich würde es zweifellos in die ganz hohen Wertungsskalen packen. Es ist so, dass ich mir in einem Punkt sehr sicher bin: Promises ist in den 7 Jahren des Bestehens von hicemusic und damit in Anbetracht aller Veröffentlichungen, die in dieser Zeitspanne erschienen sind (d.h. abgesehen von den Alben, die ich in den „Classics rezensiert habe) eines der besten – höchstwahrscheinlich DAS BESTE – Album, über das ich an dieser Stelle geschrieben habe! Eines der Hauptargumente ist für mich, dass abgesehen von der Brillanz aller hier beteiligten Musiker/innen – die hier perfekt miteinander harmonieren und eine erhabene und atemberaubende Klangwelt introvertierten Charakters erschaffen – gerade angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse sich eines ausreichend genommen wird: ZEIT! Wann war das bitte das letzte Mal wirklich der Fall, dass Musik dich in andere, verschiedenen Stimmungszustände beschreibende Klangwelten mitnimmt, dich Zeit und Raum vergessen lässt und sich bewusst den aktuellen Trends verweigert? Ja, da muss man doch sicher länger überlegen, oder? Ich glaube, ich habe Floating Points bei aller Wertschätzung sogar noch unterschätzt, er hat mit Sanders und dem London Symphony Orchestra zweifelsfrei einen absoluten Meilenstein erschaffen! Was sagt ihr zu dem Album? Auf eure Reaktionen bin ich mehr als gespannt 😊

Note: 1,3 (mit Potential nach oben)

https://www.listentopromises.com/     

 https://www.pharoahsanders.com/

lso.co.uk/

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