Kendrick Lamar – Untitled Unmastered.

VÖ: 11.03.2016

Label: Interscope

Genre: Hip-Hop                             

Bei den Simpsons gibt es eine äußerst amüsante und vielsagende Szene, in der Homer sich tiefbetrübt über das Geländer eines Balkons lehnt, in der einen Hand einen Grammy-Award haltend. Er wird von einem Pagen aufgesucht, der ihm einen bestellten Champagner überreichen möchte. Homer, der kein Trinkgeld zu haben scheint, gibt diesem den Grammy, als Zeichen der Großzügigkeit. Der Hoteldiener freut sich zuerst, schaut dann kurz darauf und das Strahlen in seinem Gesicht weicht herber Enttäuschung: „Aww, it’s a grammy!“. Er schmeißt den Award über den Balkon. Von unten hört man eine empörte Stimme: „Hey, don’t throw your garbage down here!“.  Der Autor dieser Zeilen kann die Kritik der Simpsons-Macher (zumindest ansatzweise) verstehen. Schon seltsam, wer manchmal bei den jeweiligen Verleihungen als Sieger hervorgeht. Nichts gegen Taylor Swift, aber dieses Jahr hätte ein anderer Künstler den Preis für das „Album Of The Year“ mitnehmen sollen: Kendrick Lamar! Für ein Album, das nicht nur in musikalischer, sondern auch in politisch-gesellschaftlicher Hinsicht von kaum zu überschätzender Bedeutung ist: To Pimp A Butterfly. Wie wichtig Lamar ist, hat er auf derselben Verleihung mit seiner Performance erneut unter Beweis gestellt. Es gibt zurzeit wohl keinen anderen Künstler, welcher der Öffentlichkeit so direkt die verheerende Situation der afroamerikanischen Bevölkerung vor Augen führt. Lamar spielte Songs von oben erwähntem Meisterwerk sowie einen weiteren, schlicht „Untitled 05“ benannt. Nachdem es schon andere Auftritte gab, in denen nicht betitelte Stücke aufgeführt wurden, machte sich LeBron James dafür stark, dass diese auf einem Album veröffentlicht werden. Ein Glücksfall, denn auch wenn die Songs von Untitled Unmastered. ursprünglich Demos von To Pimp A Butterfly waren, sind sie kaum schwächer. Ebenso stilistisch diversifiziert und textlich pointiert, unterstreicht Lamar ein weiteres Mal seine Ausnahmestellung im Hip-Hop.

Note: 2,0 (mit Tendenz nach oben)

http://www.kendricklamar.com/

 

Kendrick Lamar @ 2016 Grammy Awards from Sofia Payro on Vimeo.

Kendrick Lamar on The Tonight Show from Sofia Payro on Vimeo.

Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly

VÖ: 16.03.2015

Label: Interscope

Genre: Hip-Hop

Kendrick Lamar ist nicht nur in kommerzieller Hinsicht äußert erfolgreich – To Pimp A Butterfly stieg gerade erst u.a. auf Platz 7 in Deutschland sowie auf 1 in Großbritannien und den USA ein –, auch Kritiker liegen dem 27-jährigen zu Füßen, spätestens seit Erscheinen seines letzten Studioalbums good kid, m.A.A.d city (2012). Des Weiteren wurde er erst kürzlich mit dem Grammy ausgezeichnet, in den Sparten Best Rap Song bzw. Best Rap Performance, für den Song I, der auf dem neuesten Werk des Rappers enthalten ist. Obwohl noch nicht abzusehen ist, ob To Pimp A Butterfly insgesamt betrachtet ein vergleichbares Meisterstück darstellt wie besagtes good kid, m.A.A.d city, so wird man sicherlich schon jetzt zu folgender Einsicht gelangen: der Grammy mag ja ab und zu fragliche Gewinner hervorbringen, nicht aber wenn es sich dabei um Künstler wie Kendrick Lamar handelt. Dieser serviert hier, unterstützt von unzähligen Produzenten und Gästen (u.a. Dr. Dre, Snoop Dogg, Pharrell Williams, Flying Lotus u.a.), ein beeindruckendes Konglomerat vielfältiger musikalischer Stilformen (Jazz, Funk, Spoken Word usw.), das seine Raps stilvoll unterfüttert und ergänzt. Außerdem wird es höchst politisch, wenn Lamar in seinen Lyrics soziale Missstände anprangert, z.B. gegen Afroamerikaner gerichteten Rassismus (dessen Existenz angesichts der jüngsten Ereignisse in den USA fatalerweise wieder einmal bestätigt wurde). Nicht umsonst ist der Albumtitel an Harper Lees Romanklassiker Wer die Nachtigall stört angelehnt. Höchst eindrückliches Werk mit absolut starken Songs (wie King Kunta und How Much A Dollar Cost)!

Note: 1,7

www.kendricklamar.com/

KENDRICK LAMAR – I – from alexandre moors on Vimeo.

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