Great 2000’s Indie-/Garage-Rock – Meine weiteren liebsten Alben

Interpol

http://interpolnyc.com/

Interpol – Turn On The Bright Lights

VÖ: 19.08.2002

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Interpol – Antics

VÖ: 27.09.2004

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

The Libertines

https://www.thelibertines.com/

The Libertines – Up The Bracket

VÖ: 21.10.2002

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock, Post-Punk

 

The Libertines – The Libertines

VÖ: 30.08.2004

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Kings Of Leon

http://kingsofleon.com/

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

VÖ: 01.09.2003

Label: RCA

Genre: Indie-/Garage-/Southern-Rock

 

The Strokes

http://thestrokes.com/

The Strokes – Room on Fire

VÖ: 20.10.2003

Label: BMG

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Franz Ferdinand

http://franzferdinand.com/

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand

VÖ: 16.02.2004

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Franz Ferdinand – You Could Have It So Much Better

VÖ: 30.09.2005

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Bloc Party

http://blocparty.com/

Bloc Party – Silent Alarm

VÖ: 14.02.2005

Label: V2

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Bloc Party – A Weekend In The City

VÖ: 02.02.2007

Label: V2

Genre: Indie-/Alternative-Rock / Post-Punk

 

Maxïmo Park

https://www.maximopark.com

Maxïmo Park – A Certain Trigger

VÖ: 17.05.2005

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Maxïmo Park – Our Earthly Pleasures

VÖ: 30.03.2007

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Kaiser Chiefs

https://www.kaiserchiefs.com

Kaiser Chiefs – Employment

VÖ: 22.08.2005

Label: Universal

Genre: Indie-/Alternative-Rock

 

Arctic Monkeys

https://www.arcticmonkeys.com/

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

VÖ: 20.01.2006

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-/Punk-Rock / Post-Punk

 

Arctic Monkeys – Favourite Worst Nightmare

VÖ: 20.04.2007

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-Rock / Post-Punk

 

Vampire Weekend

https://www.vampireweekend.com/

Vampire Weekend – Vampire Weekend

VÖ: 22.02.2008

Label: XL

Genre: Indie-Rock / Indie-/Chamber-Pop / Worldbeat

 

Ich habe hier bei den Classics zuletzt zwei Bands mit Alben besprochen, die ich als Initiatoren der 2000er Indie-/Garage-Rock-Welle ansehe: The White Stripes und The Strokes. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag wird die entsprechende Phase als „post-punk revival“ – wahlweise auch „new wave revival“, „garage rock revival“ oder schlicht „new rock revival“ – bezeichnet, was sicherlich zumindest den Kern trifft. Denn die Formationen, die dazu gezählt werden, haben sich die großen Vertreter jener Musikrichtungen zum Vorbild genommen, die in den oben genannten Begrifflichkeiten zum Ausdruck kommen und diesen zugerechnet werden, und haben diese Sounds auf ihre Weise neuinterpretiert. Es gab neben diesen (Post-)Punk-/Garage-Rock/New Wave-Strukturen auch Ausflüge in die unterschiedlichsten klanglichen Bereiche, zum Beispiel Rock’n’Roll, Blues oder Grunge, (in Großbritannien vor allem) in den Britpop, später auch verstärkt in die Electronica und den Worldbeat. Ja, oder generell eine Orientierung hin zum „klassischen“ Indie-Rock der 1980er und -90er Jahre in all seinen verschiedenen Varianten und Ausdrucksformen: Pixies, Dinosaur Jr., The Smiths und uvm. Natürlich ist heute der Begriff „Indie“ zu einem eher schwammigen Begriff geworden. Wenn heute etwas nicht „mainstreamig“ ist, dann wird es mit jenem Prädikat versehen. Was ist heute nicht alles „indie“? So ist es schwer, so wie ich über eine „Indie-Rock-Welle“ zu sprechen, bei deren Bezeichnung nicht jedermann klar wird, welche entsprechenden Bands und Alben gemeint sind. Die anfangs erwähnten Wikipedia-Begriffe sind daher kein Zufall. Es ist nicht immer leicht, alles zu kategorisieren, das wird auch bei meinen Zuordnungen deutlich. Ich nenne es dennoch „Indie-Rock-Welle“ und versuche entsprechende Formationen mit ihren Werken zu benennen, die in den Artikeln solchen Begrifflichkeiten wie „post-punk revival“ zugerechnet werden. Nun, wie so oft in der Pop-Geschichte ist ein Aspekt besonders wichtig. Wenn eine Stilrichtung etwas von ihrer musikalischen und sozialpolitischen Bedeutung verliert, die entsprechenden Sounds langweilig werden, dann ist es wichtig, dass Musiker/innen sich zusammenfinden, um eine Alternative zu starten, mit neuen Klängen auf sich aufmerksam machen und eine nächste Musikrichtung begründen. Im Fall der 2000er-Indie-/Garage-Rock-Welle ist es vielleicht kein konkretes Genre, sondern eher eine Bewegung, aber das spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt auch nicht wenige, die mir gesagt haben, dass in der Zeit keine wirklich neue, „revolutionäre“ Musik produziert wurde, dass nur „alte“ Sounds im Retro-Gewand präsentiert wurden. Dazu möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern. Da gibt es ein interessantes Buch von Simon Reynolds dazu. Wichtig ist, dass mit dieser Indie-/Garage-Rock-Welle eine Alternative zu jenen Musikrichtungen geboten wurde, die vorher an Relevanz verloren hatten: Nu Metal/Crossover, Euro-Dance und was es nicht alles in den 1990ern bis teilweise in die 2000er Jahre hinein hab. Ein in der Pophistorie wie bereits erwähnt normaler Prozess. Es sollte wieder „authentische“, vermehrt auf den Gitarreneinsatz bezogene Musik mit bedeutungsvollen gesellschaftsrelevanten Texten geboten werden, mit einsprechend modischen Trends (u.a. Röhrenjeans, Lederjacken), die vor allem die Jugend der damaligen Jahre ansprechen und sich andererseits von den „Älteren“ abgrenzen sollte. Vor allem die Live-Shows der Bands waren spektakulär! Ich habe allerdings schon ein paar Mal hier bei hicemusic erwähnt, dass ich diese Musik-Bewegung zunächst etwas verschlafen habe. Als die Strokes und die White Stripes auf den Plan traten, war ich passionierter Hörer von Nu Metal-/Crossover- oder auch Mainstream-Pop. Das ist in der Nachbetrachtung ein bisschen schade! Allerdings habe ich dann so 2002/2003 die hier gleich vorgestellten Indie-/Garage-/Punk-Rock/New Wave-Bands mit ihren Alben kennen und lieben gelernt. Es waren zudem die Sounds, auf die ich mich vor allem mit meiner Schwester (mit der ich einige Shows damals besucht habe) als auch meinen Freunden einigen konnte. Die Klänge haben generell meine späten Jugendjahre sowie dann meine Zwanziger – somit den Übergang von der Schule zum Zivildienst und auch noch zum Studium – geprägt und bleiben für mich aus unterschiedlichen Gründen unvergessen. Dazu äußere ich mich im Folgenden. Aus dem Grund, dass ich The White Stripes Elephant  und das Debüt der Strokes (ihr zweites Album habe ich damals nicht erwähnt, weshalb es hier noch einmal auftauchen wird) schon besprochen habe, gehe ich nun auf weitere Bands ein, die zumindest aus meiner persönlichen Sicht heraus mit ihren nicht weniger wichtigen Alben hier im Zusammenhang mit dem „post-punk revival“ genannt werden müssen. Zum Schluss kommen noch Formationen mit ihren Platten zu ihren Ehren, die bedeutsam sind, aber aus Grund, dass eine ausführliche Besprechung hier den Rahmen sprengen würde, nur kurz ohne Text erwähnt werden. Ich wünsche euch viel Spaß, über entsprechende Kommentare und Schilderungen individueller Erlebnisse und Eindrücke würde ich mich sehr freuen! Vielleicht habe ich auch jemand Wichtiges vergessen 😊

 

Interpol – Turn On The Bright Lights / Antics

Ich bin mit den New Yorkern vergleichsweise sehr spät in Berührung gekommen, obwohl sie natürlich als eine der wichtigsten Initiatoren der Bewegung aus dieser Stadt gelten (sicherlich neben den Strokes und den Yeah Yeah Yeahs). Im Spätsommer 2002 – als das Debüt Turn On The Bright Lights da war  – hatte ich sie noch nicht auf dem Schirm, war aber spätestens mit dem ebenso genialen Antics (2004) eingeweiht, fand es zunächst nicht so toll, um dann aber voll drin zu sein in dieser Musik, die vor allem durch die Stimme von Paul Banks geprägt ist. Hat bestimmt nicht nur mich an Ian Curtis denken lassen, dessen Band Joy Division sicherlich ebenso unter anderem Vorbild war wie The Smiths und The Cure. Zwei starke Alben haben Interpol da vorgelegt, wobei ich eigentlich auch noch Our Love To Admire (2007) hätte hinzu zählen sollen.

Turn On The Bright Lights

Note: 1,3

 

 

Antics

Note: 1,3

 

 

 

The Libertines – Up The Bracket / The Libertines

Bei den Libertines ist es ähnlich wie bei Interpol, ich habe sie sehr spät entdeckt! Es gibt eine weitere Parallele: als das zweite Werk 2004 erschien, war ich zunächst aus mir heute unerfindlichen Gründen nicht so gepackt, fand sie in der folgenden Zeit immer besser und muss gerade aus jener gegenwärtigen Perspektive heraus sagen, dass die Briten wohl zu den besten Vertretern des Genres gelten. Sie haben nicht nur mit Up The Bracket (2002) ein geniales Debüt mit herausragenden Hymnen und ebenfalls grandiosen Texten veröffentlicht, sondern mit dem selbstbetitelten Zweitwerk (2004) ein weiteres Meisterstück hinzugefügt. Vor 5 Jahren konnte ich sie nochmal live in Düsseldorf erleben, es war so schön, das unnachahmliche Songwriter-Duo Pete Doherty und Carl Barât mit den anderen Bandmitgliedern wiedervereint zu sehen!

Up The Bracket

Note: 1,0

 

 

The Libertines

Note: 1,0

 

 

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

Okay, das ist wohl eher ein individuelles Ding: ich bin ein Riesenfan des Debüts der US-Amerikaner! Gerade angesichts der Tatsache, dass der Sound der Followills parallel zum steigenden Erfolg stets an Qualität eingebüßt hat, muss ich eine Lanze für Youth And Young Manhood brechen! Wie toll hier die Stimme von Nathan Followill in der großartigen Rockmusik – die sich bevorzugt an Blues und Southern Rok orientiert – zur Geltung kommt! Molly’s Chambers ist beispielsweise eine Wucht!

Note: 1,7

 

 

The Strokes – Room On Fire

Ich habe ja bereits einiges zum Debüt geschrieben, das meiner Meinung nach das stärkste Album der Indie-/Garage-Rock-Welle ist. Doch was ich vielleicht hätte noch erwähnen sollen ist, dass der Nachfolger ebenso ein Klassiker ist! Muss man ja auch erst einmal hinbekommen, nach nur zwei Jahren ein fast ebenbürtiges Werk vorzulegen. Wieder richtig große Songs sind darauf zu finden!

Note: 1,3

 

 

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand / You Could Have It So Much Better

Die Schotten Franz Ferdinand sind ohne Zweifel eine meiner Lieblingsbands. Ich weiß noch genau, wie im Frühjahr 2004 ihr Debüt herauskam, wie es in den Zeitungen gefeiert und wie eine Live-Show im Radio bei Eins Live im „Kultkomplex“ übertragen wurde. Ich war ebenfalls begeistert von solch komplex arrangierten, dabei höchst eingängigen Songs wie Take Me Out oder auch unvergessenen textlichen Großleistungen („Schampus mit Lachsfisch“). Ein Riesenalbum! Dann kam nur ein Jahr später der Nachfolger heraus, der nicht ganz die Klasse erreichte, doch ebenso überragend ist. Unter anderem eiferte man so klasse den Beatles nach (in Eleanor Put Your Boots On)!

Franz Ferdinand

Note: 1,0

 

 

 You Could Have It So Much Better

Note: 1,7

 

 

 

Bloc Party – Silent Alarm / A Weekend In The City

Ich meine, es habe mal früher geheißen, dass die Briten live überhaupt nicht gut seien. Also, immer wenn ich sie gesehen habe, war ich hin und weg. Kele Okereke und seine Mannen haben mit Silent Alarm (2005) richtig eingeschlagen! Wie bei Franz Ferdinand hatte ich glücklicherweise die Gelegenheit sie kennenzulernen, als ihr Debüt erschienen ist und somit ihren Werdegang aufmerksam verfolgen zu können . Klar, Silent Alarm ist der Wahnsinn mit seinen an Gang Of Four oder Joy Division erinnernden Songs. Ich fand aber den experimentellen Charakter des Nachfolgers ebenso überaus fesselnd! Man mag ja von den Electronica-Elementen, die dann auf dem Drittwerk Intimacy noch mehr eingesetzt wurden, halten was man möchte, ich fand es aber immer toll, dass Bloc Party wagemutig waren!

Silent Alarm

Note: 1,3

 

 

A Weekend In The City

Note: 1,7

 

 

Maxïmo Park – A Certain Trigger / Our Earthly Pleasures     

Komischerweise wird die Band aus Newcastle nicht in dem Wikipedia-Eintrag zu „post-punk revival“ erwähnt, ebenso wenig wie in der Liste des ME zu den „besten Alben des neuen Jahrtausends 2000-2015“! Dann ist das eher so eine persönliche Sache, denn meiner Meinung nach ist A Certain Trigger (2005) eine Glanztat, die interessanterweise auf dem Warp-Label erschienen ist, was sonst eher für ambitionierte Electronica bekannt ist. Hymnen, die ich damals als Anfang-Zwanziger rauf und runter gehört habe, mein von Auf und Abs geprägtes Leben damals begleitet haben. Mein Vater war damals überhaupt nicht begeistert. Seine Frage war: „Ist das auf dem Klo produziert worden?“  😊  Der zwei Jahre später erschienene Nachfolger ist ebenfalls bezaubernd. Ich liebe Books From Boxes und Your Urge (mein Geheimfavorit)!

A Certain Trigger

Note: 1,3

 

 

Our Earthly Pleasures     

Note: 1,7

 

 

Kaiser Chiefs – Employment

Von den Bands dieses Genres haben einige heute viel von ihrer Bedeutung verloren. Ich denke aber, dass für mich die Kaiser Chiefs den größten qualitativen Niedergang hingelegt haben. Klar, sie haben zwischendrin etwas aufhorchen lassen, ohne aber lange im Gedächtnis haften zu bleiben. Ach doch, einen Hit gibt es, der auf so ziemlich jeder Feierlichkeit gespielt wurde bzw. wird: Ruby. Aber schon das Album, auf dem der Song zu hören war – Yours Truly, Angry Mob (2007), der Zweitling der Kaiser Chiefs (der Name ist übrigens angelehnt an einen südafrikanischen Fußballverein) – war höchstens Mittelmaß. Aber: das Debüt Employment mit seinen Hymnen und tollen Lyrics ist richtig gut gealtert! Vielleicht ist es deshalb auch erwähnenswert!

Note: 1,7

 

 

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not / Favourite Worst Nightmare

Da bleibt nicht viel weiteres zu sagen als: die Arctic Monkeys sind großartig, die Songs ihres Debüt-Albums sind gerade angesichts ihres damaligen Alters (ich sah 2006 einen Bericht, in dem sie als „Pickelgesichter“ bezeichnet wurden) unglaublich gekonnt instrumentiert, mit einer unvergleichlichen Direktheit, Souveränität und Abgeklärtheit. Was für unvergessliche Songs! Für den Nachfolger habe ich auch sehr viel übrig, da nur ein Jahr später die gute Form bestätigt werden konnte!

Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Note: 1,3

 

 

Favourite Worst Nightmare

Note: 1,7

 

 

 

Vampire Weekend – Vampire Weekend

Es ist einmal an der Zeit, eine Band zu erwähnen, deren Erstling zu einer Zeit erschien, als schon einige gefeierte Formationen des Indie-/Garage-Rock mit ihren zweiten und dritten Werken schwächelten oder gar richtig enttäuschten. Das Rezept: mehr Experimente, Öffnung zu neuen Richtungen wie Worldbeat oder Chamber-Pop. Sozusagen die akademische Version des Indie-Rocks, die aber so locker und lässig daherkommt, mit Hymnen aufwartet und zu jeder Zeit gute Laune verströmt. Man muss sich vorstellen, ich war 2008 mit einer damaligen Freundin im Kölner Gloria, wobei die Show von einer großen Örtlichkeit (ich meine es war das Palladium) in eben jene kleinere umverlegt wurde. Wir hatten ordentlich Spaß! Eine großartige Live-Band, die heute auch schon mehr Leute damit begeistern kann. Von deren Qualitäten konnte ich mich damals dann nochmal bei strömenden Regen auf dem Hurricane Festival 2010 überzeugen! Wie großartig Vampire Weekend sind, haben sie dieses Jahr nach zwei weiteren fantastischen Alben unter Beweis gestellt. Father Of The Bride ist nach wie vor meine Platte 2019!

Note: 1,3

 

 

Weitere Erwähnungen hier:

https://hicemusic.wordpress.com/weitere-erwaehnungen-great-2000s-indie-garage-rock/

Vampire Weekend – Father Of The Bride

VÖ: 03.05.2019

Label: Columbia

Genre: (Indie-/Art-/Baroque-)Pop / Indie-Rock / Folk

Normalerweise heißt das noch lange nichts, wenn eine Single gut, aufregend oder herausragend ist. Es ist ja jetzt nicht Neues, wenn ich sage, dass manchmal das dazugehörige Album dann nicht so toll ist, es also nicht das hält, was man sich nach dem Genuss des vorab ausgekoppelten Songs versprochen hat. Gerade im Kontext von Indie-Bands der frühen und mittleren 2000er-Jahre hat sich zum größten Teil auf deren Spätwerken (ca. ab dem dritten) auf ganze Länge ein wenig Ermüdung, in „harten“ Fällen auch Langeweile eingestellt.  Bei den Formationen, die dann so Ende der letzten Dekade im Indie-Bereich aufkamen hat sich oft ja so ab dem zweiten Album dieser Effekt gezeigt. Allerdings gibt es für mich zwei Vertreter, bei denen dies nicht der Fall ist, interessanterweise jene, die damals sich mit dem absolut originellen Experimentieren mit musikalischen Elementen aller Couleur hervortaten (vor allem mit afrikanischen Sounds und Rhythmen): die Foals (die vor kurzem wieder ein tolles Werk mit einer starken Single – Exits –  veröffentlicht haben) und natürlich Vampire Weekend! Formulieren wir es mal so: diese Bands bewegen sich weiterhin auf einem hohen Level – auch auf Album Nummer 5 bzw. 4! Um auf den Anfang dieses Textes zurückzukommen: das vorab zu hörende Harmony Hall von Vampire Weekend hat mich sofort gepackt, ein fantastischer und melodietechnisch  puren Optimismus vermittelnder Hit, schon jetzt ein Highlight aus 2019! Aber: Wie ist das jetzt mit dem Album? Ich habe kurz vor Erscheinen noch die ebenso exzellenten This Life und Unbearably White sowie weitere Lieder gehört, die auf der entsprechenden Single versammelt waren, woraufhin ich einfach nichts anderes als Vorfreude auf die LP Father Of The Bride  empfinden konnte. Ich kann nur sagen, dass meine Erwartungen sogar übertroffen wurden!  Mit Zutaten, die Vampire Weekend seit jeher ausgemacht haben, unter anderem ambitioniertem Songwriting – also hintergründige und smarte Texte und komplexe instrumentelle Arrangements, in denen die unterschiedlichsten Musikgenres dieser Welt zum Ausdruck kommen. Diese resultiert hier erneut in hinreißenden Melodien, die  eine perfekte Balance aus Ambition und Eingängigkeit bieten. Soll mal einer sagen, dass ginge nicht 🙂  Was mich zudem fasziniert: das Album beginnt stark, nimmt dann aber sogar – ganz wie es meine Schwester vor kurzem sinngemäß gesagt hat – zum Ende hin noch einmal ordentlich Tempo auf. Wie kann ein Werk schlecht sein, wenn darauf neben den oben genannten solche starken Songs wie Sunflower und Flower Moon (beide mit Steve Lacy von The Internet!) enthalten sind?!? Eben! Bisher mein klares Highlight-Album 2019!

Note: 1,7

https://www.vampireweekend.com/

 

The Voidz – Virtue

VÖ: 30.03.2018

Label: RCA

Genre: (Indie-/Experimental-)Rock / (Art-)Pop

Ich finde es sehr interessant, dass zwei Frontsänger von sehr berühmten, im letzten Jahrzehnt absolut wichtigen Indie-/Garage-Rock-Bands im März Alben in einem anderen Kontext veröffentlichen – naja, bei einem dieser Herren ist das kein Wunder. Ich spreche von Jack White und Julian Casablancas. Ersterer wird sicherlich und bedauernswerterweise nie wieder ein Album mit Meg als die White Stripes veröffentlichen, ist ja aber sonst in anderweitiger Form tätig (sein neues Solowerk wird hier bei hicemusic in Kürze besprochen). Der andere, jener Herr Casablancas, dessen Strokes momentan pausieren, wagt einen zweiten Versuch mit The Voidz. Der letzten Veröffentlichung Tyranny (2014) – damals noch als Julian Casablancas + The Voidz – habe ich nicht sonderlich viel Beachtung geschenkt. Wahrscheinlich noch unter dem Eindruck der letzten beiden Strokes-Alben, die mich ehrlich gesagt ebenso nicht sonderlich packen konnten. Vielleicht gebe ich besagtem Erstling von The Voidz noch die gleiche Chance wie jetzt Virtue. Den Einstieg vom neuen Werk – Leave It In My Dreams betitelt – fand ich nämlich zunächst etwas öde, irgendwie zu sehr orientiert am Strokes-Klangkosmos. Doch schon der folgende Song QYURRYUS konnte mich direkt mit wesentlich experimentellen Sounds trotz (oder wegen?) Autotune-Einsatz begeistern. Insgesamt kommt hier einiges zusammen, von Electro über Metal und Disco bis ambitioniertem (Synthie-)Pop und Rock-Entwürfen. Nicht alles funktioniert hundertprozentig, jedoch sind die experimentellen Ansätze um einiges interessanter und unverkrampfter umgesetzt als auf besagten letzten Alben der Strokes. Richtig gut ist beispielsweise All Wordz Are Made Up! Ich gebe The Voidz jedenfalls eine Chance!

Note: 2,3

http://smarturl.it/VirtueLP

 

Various Artists – La La Land (Original Motion Picture Soundtrack)

VÖ: 13.01.2017

Label: Interscope

Genre: Pop / Jazz

Es ist ja kein Geheimnis, dass Filme, die sich detailliert mit Musik beschäftigen bzw. diese in ausreichendem Maße einsetzen, sehr beliebt in Hollywood sind und bei den alljährlichen Oscar-Verleihungen häufig zu den Favoriten zählen, nicht selten dort abräumen. Da wären zum einen Biopics (z.B. über Johnny Cash oder Ray Charles) oder eben Musicalfilme zu nennen. Insbesondere letztere haben es den Machern dort angetan, das war schon zu frühen Zeiten so, erinnert sei da an die Metro-Goldwyn-Mayer-Werke – z.B. The Broadway Melody (1929) oder später Ein Amerikaner in Paris (1951, mit Gene Kelly) – oder The Sound Of Music (1965). Ebenso Filme der „jüngeren“ Vergangenheit gewannen oder waren zumindest nominiert, unter anderem Moulin Rouge (2001), Chicago (2002) oder Les Misérables (2012). Somit nicht überraschend, dass auch La La Land für dieses Jahr gelistet wird. Es gilt zudem als höchst wahrscheinlich, dass die neue Arbeit von Damien Chazelle, der bereits 2014 das wunderbare Jazz-Musikdrama  Whiplash (bekam 3 Oscars, unter anderem verdienterweise der Nebendarsteller J.K. Simmons) vorlegte, in vielen, wenn nicht allen Sparten, in denen sie nominiert ist (14!), abräumen wird. Es wird bereits in der Mehrheit von den Kritikern umjubelt, allerdings gibt es auch durchaus gemäßigte bzw. negative Bewertungen zu lesen. Der Autor dieser Zeilen muss zugeben, dass er La La Land (noch) nicht gesehen hat, weshalb es auch schwer ist, den zugehörigen Soundtrack endgültig einzuschätzen, könnte es doch durchaus Bedingung sein, ihn in seiner Gesamtheit zu erfassen und in einen Kontext zum Film zu setzen. Ein romantisches Musical, das sich als Ode an oben genannte alte Genrewerke und das „alte Hollywood“ versteht, dabei in der Gegenwart verankert ist und vor allem ausreichend Jazz einbaut. Für den Soundtrack zeichnete sich Justin Hurwitz verantwortlich (der Chazelles Filme stets mit Musik unterlegt hat), unterstützt von Angelique Cinelu, Marius de Vries und John Legend,  die Musicalnummern wurden von den Schauspielern (Emma Stone, Ryan Gosling u.a.) selbst eingesungen. Auch hier gibt es durchaus konträre Meinungen*. Die Musik ist in beiden dafür vorgesehenen Sparten, Score als auch  Original Song  – in letzterer sogar zweimal, für City Of Stars und Audition (The Fools Who Dream) – für den Oscar nominiert. Der Autor dieser Zeilen war vor dem ersten Hören eher skeptisch, muss aber zugeben, dass er von einigen Songs recht angetan ist, vor allem von jenen jazzig-souligen.  Andererseits gibt es auch richtig kitschige Passagen, die sich nicht von konventionellen Standards abheben können. Die positiven Momente scheinen zu überwiegen, eine Bewertung fällt dennoch schwer.

* Unter anderem schreibt Sven Kabelitz bei laut.de: „Ein hassenswerter Soundtrack, der über die nächsten Jahrzehnte seinen Weg in jede Musiksammlung findet, die nichts auf sich hält.“

Note: 2,7 (den ersten Eindrücken zufolge)               

Erster Beitrag für die neue Rubrik „Kontrovers“: Was haltet ihr von der Musik? Seid Ihr Fan, ist sie euch egal oder findet ihr sie schrecklich? Dies könnt ihr gerne unten in den Kommentaren mit hicemusic ausführlich diskutieren! Bewerten dürft ihr den Film wie gewohnt in der Umfrage (siehe unten)!

http://www.lalaland.movie/

 

Von Wegen Lisbeth – Grande

VÖ: 15.07.2016

Label: Sony

Genre: Indie-Pop/-Rock

Hier bei hicemusic wurde es zuletzt wieder thematisiert, dass deutschsprachige Popmusik, die insbesondere in den am Mainstream orientierten Radiostationen gespielt wird, oftmals nicht so recht überzeugen kann. Viele Texte fallen eher durch Oberflächlichkeit und Klischees auf, Gefühle, die vermittelt werden sollen, kommen zumindest beim Schreiber dieser Zeilen nicht so recht an, manche Songs nerven ihn gar, durch einen schablonenhaften Gesamtstil. Natürlich soll jetzt  nicht so getan werden, als ob die Musik, die abseits chartrelevanter Bereiche hauptsächlich stattfindet, automatisch immer besser ist. Auch hier gibt es Musiker, die manchmal seitens der Kritiker positiver beurteilt werden, als sie tatsächlich sind oder sie werden im Vorhinein so hochgejubelt, dass sie den Erwartungen letztlich nicht standhalten können. Generell nimmt der Schreiber dieser Zeilen also eine eher kritische Haltung ein, wenn er von neuer deutschsprachiger erfährt. So ging es ihm auch, als er erstmals von einer Band mit dem Namen Von Wegen Lisbeth hörte, deren Song Meine Kneipe im Radio gespielt wurde und er die Musik mit von ihm nicht selten wenig geschätzten „Spaßkapellen“ in Verbindung brachte (weshalb auch noch keine Rezension im Juli hier bei hicemusic erfolgte). Doch der Text überzeugte, mit amüsanten Passagen, die schließlich im Gesamten auf dem Debüt Grande zu hören sind. Es werden zudem ironische und sozialkritische Elemente eingebaut, wie Sushi, das sich mit dem Thema „Facebook“ ironisch auseinandersetzt: „Ich will Dein Sushi gar nich‘ seh’n / Warum ist Dein Leben so prima / Und Du immer so wunderschön?“ (der Song hat sich inzwischen selbst zum Facebook-Hit entwickelt) oder Wenn du tanzt, einer charmanten Liebeserklärung: „(…) dass diese Welt / Nicht zusammenfällt, liegt / Allein an deinen Beinen“. Nur Beispiele einer insgesamt wirklich launigen Platte der Berliner, die sich musikalisch ebenso vielfältig aufstellen, insbesondere in instrumenteller Hinsicht. Diese gekonnte Balance zwischen interessanten, amüsanten Texten und mannigfaltig angelegten Sounds hat man in dieser Form lange nicht mehr gehört (wahrscheinlich seit Wir Sind Heldens Debüt nicht mehr). Ein wirklich großes Vergnügen!

Note: 2,0

http://www.vonwegenlisbeth.de/

 

Kurt Vile – B’lieve I’m Goin Down…

VÖ: 25.09.2015

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Folk

Kurt Vile gibt folgende Künstler als seine Idole an: Neil Young, Bruce Springsteen, Tom Petty, 1990er-Helden wie Pavement oder Beck, sowie den Begründer des American Primitivism, John Fahey. Die wesentlichen Stilmerkmale all dieser genannten Personen sind in irgendeiner Weise natürlich auch in seiner Musik wiedererkennbar. In der Herangehensweise an das Komponieren hat sich Vile da offensichtlich einiges zum Vorbild genommen, d.h. er hat sich auf die Grundzutaten des Rock oder Folk berufen und diesen mit neuen Ideen eine individuelle Handschrift verliehen. Das ist dem Ex-The War On Drugs-Mitglied und seiner Begleitband The Violators auf den bisher fünf Studioalben – vor allem auf dem letzten, dem vor 2 Jahren veröffentlichten Wakin On A Pretty Daze – (sowie einigen EPs)  stets gut gelungen. Nicht nur die Kritiker wurden überzeugt, er bekam auch unter Kollegen Anerkennung zugesprochen, unter anderem von Kim Gordon. Vile hat sich aber über das Musikalische noch eine weitere Wesensart angeeignet, die schon Young, Petty und Co. ausgezeichnet hat: in seinen Texten nimmt er auf jene Werte Bezug, die für die traditionell-amerikanische Idee von Freiheit stehen (z.B. die Weite der Landschaften, dem American Dream), nicht aber ohne gleichzeitig neue Perspektiven darauf zu haben. Vile tut dies, indem er sie unter anderem mit Humor würzt. Dies wird auch auf Album Nummer Sechs weiter beibehalten, denn der 35-Jährige gibt sich zum Beispiel in I’m An Outlaw als selbstbewussten Einzelgänger, rekurriert aber gleichzeitig selbstironisch auf seinen Ruf als unberechenbaren Provokateur, der gerne mal Konzerte abbricht oder sich mit dem Publikum anlegt. Musikalisch versteht es Vile zudem weiterhin, den Hörer zu überraschen. So wird eine umfangreiche Palette an Instrumenten zum Einsatz gebracht, die dem Folk-Rock neue Klangideen beifügt. Nicht nur die Single Pretty Pimpin überzeugt, es gibt ebenso auf Albumlänge wieder einiges zu entdecken.

Note: 2,3

www.kurtvile.com/

 

Kurt Vile ‚Pretty Pimpin‘ from Daniel Henry on Vimeo.

Kurt Vile – The Live in Levi’s® Project {MC Creative – AKQA] from Expressway Productions on Vimeo.

Kurt Vile – Life Like This from adam avilla on Vimeo.

Sharon Van Etten – Every Time The Sun Comes Up

VÖ: 26.05.2014

Label: Jagjaguwar

Die reizende US-Indie Rock/Folk-Sängerin hat der Öffentlichkeit Ende Mai ihr viertes Studioalbum Are We There zugänglich gemacht. Darauf offenbart sie erstaunlich optimistische und unbeschwerte Gemütszustände, die sicherlich gelegentlich von jenen, von offener, ehrlicher Verletzlichkeit und Emotionalität geprägten Gefühlslagen-Schilderungen abgelöst werden, für die man Sharon Van Etten kennt und schätzt. Allerdings geht sie nun selbstbewusster mit ihren Problemen um. Die Künstlerin verarbeitet beispielsweise ihren Kummer über eine zerbrochene Beziehung mit angemessener Trauer, bewahrt dabei Optimismus, ist fest davon überzeugt, dass wieder bessere Zeiten kommen werden. In der Country-Ballade Every Time The Sun Comes Up nimmt sie ihre Wirkung auf die Öffentlichkeit wahr, macht aber gleichzeitig deutlich, dass sie sich nicht verunsichern lassen möchte. Ihre lässig-fröhliche Art ist am Ende des Songs nachzuvollziehen, als eine Tonaufzeichnung von Van Etten während des Aufnahmeprozesses eingespielt wird. Ihr entgleiten die Kopfhörer und sie lässt deshalb ein bezauberndes Lachen ertönen. Ohne Verstellung, direkt, sympathisch!

Note: 2,3

www.sharonvanetten.com/

 

Sharon Van Etten – Every Time the Sun Comes Up (Official Video) from David Scott Kessler on Vimeo.

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