Little Simz – Sometimes I Might Be Introvert

VÖ: 03.09.2021

Label: AGE 101

Genre: Hip-Hop / Soul / R&B / Jazz

Ich habe es hier an dieser Stelle schon oft geschrieben, dass vom Hip-Hop tatsächlich noch große Impulse ausgehen, da die sozialpolitischen und andere relevante Themen gerade in diesen Zeiten sicherlich nicht fehlen. Angesichts der auch heute noch bestehenden Vorwürfe gegen die Künstler/innen des Genres, dass Stereotype es dominieren, da muss so ein Hinweis doch stets erlaubt sein. Gerade jetzt, wo ich das fantastische Album Sometimes I Might Be Introvert der 27-jährigen Britin Little Simz gehört habe, ist das geradezu unausweichlich. Schon vor zwei Jahren, als ihr ebenfalls wundervolle Drittwerk Grey Area erschienen ist (dem ich vielleicht noch etwas mehr Aufmerksamkeit hier hätte widmen können), ist mir folgendes aufgefallen: „(…) hier wird so unverkrampft performt, sich so untypisch ehrlich mit den eigenen Ängsten und Sorgen in den Texten auseinandergesetzt. Wer aber glaubt, diese Frau sei nicht kritisch oder selbstbewusst, der ist ja mal so was von auf dem falschen Dampfer!“ Das sollte man auch für den Nachfolger so stehen lassen, Little Simz weiß, wie sie die aktuell relevanten Themen in den Fokus nehmen kann und diese reflektiert behandeln und die entsprechenden Erkenntnisse so bestechend in Worte fassen kann. So authentisch und unerschrocken, so klar ausformuliert! Neben den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen werden auch wieder persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse eingearbeitet, wenn sie beispielsweise die Beziehung zum Vater aufarbeitet oder die familiären Wurzeln beleuchtet. In musikalischer Hinsicht ist Sometimes I Might Be Introvert gleichfalls überaus beeindruckend, mit dieser perfekten Symbiose aus Hip-Hop, R&B, Soul, Jazz, Electronica und traditionellen afrikanischen Musik-Elementen sowie genial-epischen instrumentalen Arrangements. Absolutes Highlight dieses Jahres, jetzt schon!             

Note: 1,7 (mit Potential nach oben)

         

Lorde – Solar Power

VÖ: 20.08.2021

Label: Universal

Genre: (Psychedelic-/Folk-/Indie-)Pop

Wow, das sind doch tatsächlich wieder vier Jahre her, als das grandiose Melodrama erschien, ein (nach dem ebenfalls exzellenten 2013er-Debüt Pure Heroine) wohl kaum zu verhehlendes Statement in Sachen Pop mit klar definierten eingängigen als auch komplexen musikalischen Strukturen sowie smarten und doppelbödigen Texten! Was waren das für geniale Melodien in Songs wie Green Light, Perfect Places, Homemade Dynamite, Liability oder Sober! Da hat die damals 20-Jährige Lorde es wunderbar geschafft das Genre des Pop und dessen vielen Subgenres zu beleuchten und deren Essenzen zu einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen. Dazu textlich mit einem feinsinnigen Gespür für die Alltagserlebnisse und -sorgen von Teens und Twens, klar kann man sich nur als eine Stimme einer Generation empfehlen und letztendlich positionieren! Nun gut, da kann so ein drittes Werk schon etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Neuseeländerin suchte erneut Jack Antonoff auf, der schon besagtes Melodrama mitproduziert hatte. Und was ist das Ergebnis? Die Kritiken sind plötzlich im Gegensatz zum vielgefeierten Vorgänger höchst zwiespältig ausgefallen. Das gilt für die internationalen Magazine, allerdings auch für diejenigen in Deutschland. Yannik Götz von laut.de beispielsweise gibt der Review von Solar Power die Überschrift „Weltuntergangs-Stimmung für ein Nickerchen“, während im Musikexpress Julia Lorenz schreibt, es sei „(…) eine fantastische Platte darüber, wie sich eine Frühvollendete ein Westküstenfolkalbum vorstellt, dabei aber Kind ihrer Zeit bleibt.“  Ich selbst wusste schon im Vorfeld über diese gemischten Reaktionen Bescheid, doch – so war zumindest der Versuch – wollte ich davon unbeeinflusst bleiben. Ich weiß nicht, ob es mir wirklich gelungen ist. Was ich feststellen muss ist, dass mir leider kaum ein Song in Erinnerung geblieben ist. Irgendwie ist der Sound schon immer noch vielseitig in Folk- und Psychedelic-Gefilden angesiedelt, doch es fehlt mir irgendwie die Zugkraft eines Melodrama. Klar ist eine Hinwendung zu neueren Sound-Gebieten zu begrüßen, in diesem Fall zu von akustischen Instrumenten getragenen, generell minimalistisch anmutenden Melodien. Auch die Texte sind weiterhin hintergründig, mit ihrer Beschäftigung mit persönlichen Angelegenheiten Lordes (z.B. dem Älterwerden) sowie gesellschaftlichen Phänomenen – alles mit einer angenehmen humorvollen Herangehensweise. Doch irgendwie bekommt es mich nicht. Vielleicht sind weitere Hördurchgänge notwendig! Wie geht es Euch? Was haltet ihr von ihrem neuen Werk? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!         

Note: 3,0 (eventuell mit Potential nach oben)

https://www.lorde.co.nz/

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Gschichterln aus dem Park Café

VÖ: 09.07.2021

Label: Tapete

Genre: Pop / Northern Soul

Ich habe ja hier bei hicemusic schon zu Genüge erwähnt, dass mir ein paar deutschsprachige Bands mit ihren humorvollen und ironischen, immer hintergründigen Texten sowie ihren Referenzen auf alltägliche, pophistorische und sozialpolitische Ereignisse oder Phänomene imponieren. Dazu gehörten zum Beispiel die Hamburger Formation Superpunk, die einige tolle Alben vorlegten, unter anderem das geniale Wasser Marsch (2001, mit Songs wie Neue Zähne für meinen Bruder und mich), das ebenfalls grandiose Einmal Superpunk, bitte (2004) oder die wirklich ausgezeichnete Compilation A Young Person’s Guide To Superpunk (2012). Letztere war ja dann leider auch das Abschiedsgeschenk. Allerdings gibt es da ein paar Herren (Carsten Friedrichs und Tim Jürgens) dieser Band, die dann eine Nachfolge-Formation gründeten, die so ein bisschen den Spirit der alten Tage aufleben ließ. Anlehnend an einen äußerst trashigen Film mit Sean Connery wurde Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen aus der Taufe gehoben. Da kommen mit den Klängen wohlige Erinnerungen an Superpunk hoch, wobei ein eigenständiger Charakter der Musik nun wirklich nicht abzusprechen ist. Nun, da sind seit 2012 ein paar wirklich gute Werke erschienen, die ganz im Sinne des Bandnamens ebenfalls eine humorvolle Herangehensweise an popkulturelle und sozialpolitische als auch generell Alltags-Themen aufgezeigt haben. Den Vorgänger des hier besprochenen Albums – Fuck Dance, Let’s Art (2019) – habe ich beispielsweise sehr geschätzt. Das neue Werk Gschichterln aus dem Park Café  unterscheidet sich erneut nicht durch die Herangehensweise, hat aber wieder – dem österreichischen Titel gemäß – schön gewitzte Geschichten mit neuen thematischen Perspektiven zu bieten und macht einfach wieder Spaß mit Songs wie Es ist nett, nett zu sein, Yo Zwanie, Houston, wir haben kein Problem, 2020 – Das erotische Jahr oder Rebekka will ihr Rad zurück. Einige schöne Melodie-Ideen (z.B. in Richtung 60er-Agentenmusik) inklusive! Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen gehört wie Superpunk eben auch zu meinen geschätzten deutschen Bands!

Note: 2,3

http://diegentlemen.de/

Floating Points, Pharoah Sanders & London Symphony Orchestra – Promises

VÖ: 26.03.2021

Label: Luaka Bop

Genre: Nu Jazz / Broken Beat

Treffen sich ein fantastischer Experimental-Electro-Produzent, eine Jazz-Koryphäe und eines der renommierten Orchester des Vereinigten Königreiches … Nein keine Angst, das ist kein billiger oder veralteter Musiker-Witz! Es soll vielmehr dazu dienen, sich einmal klarzumachen, mit was für einer Ausgangslage in künstlerischer Hinsicht wir es hier zu tun hatten und was für ein Resultat nun vorliegt! Beziehen wir uns zunächst einmal auf Sam Shepherd alias Floating Points, der mit Elaenia (2015) und Crush (2019) schon herausragende Werke veröffentlicht hat und auch mit seinen EPs, Soundtrack-Arbeiten und Compilations sowie seinen Live-Auftritten immer wieder für Erstaunen bei Fans und Kritiker/innen sorgte. Dann wäre da Pharoah Sanders, 80-jähriger US-Amerikaner, der unter anderem mit seiner Ehrfurcht gebietenden Technik des Saxophon-Spiels die unterschiedlichsten experimentellen Subgenres des Jazz revolutioniert hat und mit den ganz Großen wie John Coltrane gespielt hat. Dann noch das London Symphony Orchestra, das zu den ältesten und wichtigsten Orchestern Großbritanniens und weltweit zu zählen ist, dem in seiner Vergangenheit schon unzählige einflussreiche Musiker/innen angehörten (seit 2017 wird es zum Beispiel von Sir Simon Rattle dirigiert). Ich habe da im Vorfeld also schon mit Großem gerechnet! In diesem Zusammenhang könntet ihr euch vielleicht fragen, warum das Werk Promises nun also in der Rubrik „Kontrovers“ landet. Nun ganz einfach, ich habe mir die generellen Wertungen des Albums in verschiedenen Musik-Medien angeschaut. Die sind in der Mehrzahl überaus positiv, vielmehr preisen es einige als ein herausragendes Meisterwerk! Dies sehe ich eben genauso, ich würde es zweifellos in die ganz hohen Wertungsskalen packen. Es ist so, dass ich mir in einem Punkt sehr sicher bin: Promises ist in den 7 Jahren des Bestehens von hicemusic und damit in Anbetracht aller Veröffentlichungen, die in dieser Zeitspanne erschienen sind (d.h. abgesehen von den Alben, die ich in den „Classics rezensiert habe) eines der besten – höchstwahrscheinlich DAS BESTE – Album, über das ich an dieser Stelle geschrieben habe! Eines der Hauptargumente ist für mich, dass abgesehen von der Brillanz aller hier beteiligten Musiker/innen – die hier perfekt miteinander harmonieren und eine erhabene und atemberaubende Klangwelt introvertierten Charakters erschaffen – gerade angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse sich eines ausreichend genommen wird: ZEIT! Wann war das bitte das letzte Mal wirklich der Fall, dass Musik dich in andere, verschiedenen Stimmungszustände beschreibende Klangwelten mitnimmt, dich Zeit und Raum vergessen lässt und sich bewusst den aktuellen Trends verweigert? Ja, da muss man doch sicher länger überlegen, oder? Ich glaube, ich habe Floating Points bei aller Wertschätzung sogar noch unterschätzt, er hat mit Sanders und dem London Symphony Orchestra zweifelsfrei einen absoluten Meilenstein erschaffen! Was sagt ihr zu dem Album? Auf eure Reaktionen bin ich mehr als gespannt 😊

Note: 1,3 (mit Potential nach oben)

https://www.listentopromises.com/     

 https://www.pharoahsanders.com/

lso.co.uk/

PeterLicht – Beton und Ibuprofen

VÖ: 05.03.2021

Label: Tapete

Genre: Indie-/Electro-Pop

Na, wer erinnert sich von euch noch an eine Zeit, als kurz nach der Jahrtausendwende im Musik-Fernsehen auf Sendern wie – dem für meine musikalische Sozialisation äußerst wichtigen – VIVA Zwei ein sich in der Landschaft bewegender Bürostuhl zu sehen war? Nicht nur interessante und amüsante Bilder, sondern ebenso tolle elektronisch unterstütze Pop-Klänge waren zu vernehmen. Es handelt sich um den Indie-Hit Sonnendeck des Kölner Künstlers PeterLicht, über dessen Identität ja einige Zeit kaum etwas bekannt war (er zeigte sein Gesicht nicht, die ersten öffentlichen Fotos von ihm gab es ab 2006 herum). Das zugehörige Album Vierzehn Lieder (2001) gefiel mir ebenfalls sehr gut, gerade aufgrund der Musik, die sich über Pop und Electro hinaus ihren Blick auf weitere Genres richtete und in ihrer Erscheinungsform mannigfaltig war. Nicht zu vergessen sind die allgemein cleveren Texte, die vielleicht auf den einen oder anderen Hörer zunächst albern wirken könnten, in denen aber reflektierte Auseinandersetzungen mit sozialpolitischen Themen und der Natur des Menschen stecken. Und wenn nicht, dann sind sie halt einfach amüsant. Mein Favorit: „Und die Sonne kocht auch nur mit Wasser / Die soll sich nicht so aufspielen die gelbe Sau“ (aus Lied gegen die Schwerkraft) 😊 Mich konnte zudem auch Lieder vom Ende des Kapitalismus (vor allem Wir werden siegen hat es mir angetan) überzeugen. So oder so, PeterLicht ist ein spannender und vielseitiger Künstler, der ja auch als Schriftsteller und Dramaturg tätig ist. Auf dem neuen Werk Beton und Ibuprofen geht es erneut zuvorderst um den Menschen, seine Lebensentwürfe, Ängste und Sorgen, seine Eigenarten an sich, ist gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und seinen Folgen. Da erscheinen einige Textauszüge als Slogans oder Lebenstipps. Ein kleiner Auszug: „Wenn du traurig bist zieh deinen Mantel an und frag wen ob er dich nach Hause fährt / Wenn du kein Zuhause hast fahr besser nicht hin / Denn wenn du hinfährst (…) dann wirst du trauriger. Wenn du aber doch hinfährst schau wer im Haus drin ist / Manchmal ist das Haus okay es sind nur die falschen Leute drin.“ Ein weiteres klasse Album von PeterLicht!

Note: 2,3

https://www.peterlicht.de        

Lady Gaga – Chromatica

VÖ: 29.05.2020

Label: Interscope

Genre: (Dance-/Electro-/Synthie-)Pop

Habe ich mich hier bei hicemusic eigentlich jemals zu Lady Gaga geäußert? Ich glaube nicht, oder? Hole ich das mal nach, jetzt wo ihr Comeback Chromatica „auf dem Markt ist“, wie man heute nicht mehr zu sagen pflegt. Ich werde jetzt kaum ausführlich, aber eigentlich hatte ich schon seit jeher hohen Respekt vor der Karriere der 34-Jährigen (und ihren vielen sozialen Engagements, Bühnen-Performances etc.). Produktionstechnisch war das Debüt The Fame (2008) für wirklich einwandfrei, mit einem klaren Bezug auf die 1980er-Jahre, vor allem den Synthie- und Elektropop dieser Zeit sowie dem Aufgreifen und einer sehr direkten Auseinandersetzung mit Themen wie Liebe, Sex, Drogen, Identitätssuche  (etc.) in ihren Texten. Ich fand jetzt nicht jeden Song gut darauf, aber als Gesamtkonzept war das schon irgendwie ziemlich beeindruckend. Nun, dann kamen die folgenden Alben – Born This Way (2011, mit einem meiner Meinung nach starken Titelsong), das nicht so geglückte Artpop (2013), die okaye Kollabo-Platte Cheek To Cheek (2014) mit Tony Bennett und das bei mir total durchgerauschte Joanne (2016). Sagen wir es mal so: ich finde die Musik aus produktionstechnischer Hinsicht generell besser als ich sie aus persönlicher Perspektive wahrnehme. Ich bin der Meinung, dass Lady Gaga im Zuge der Verarbeitung ihrer individuellen Erfahrungen und Erkenntnisse – die sicherlich oft nicht einfach zu bewältigen waren – wirklich nachvollziehbare und hintergründige Lyrics schreiben kann. Was zudem ihre Karriere anbelangt, verstehe ich irgendwie schon, weshalb sie einen solchen Erfolg hat und das gönne ich ihr in jedem Fall. Allerdings erreichen mich ihre Lieder emotional in den seltensten Fällen. Ich fand auch den Hype um ihre Rolle in der 2018er-Version A Star Is Born nicht ganz so nachvollziehbar, auch wenn ich die Songs auf dem Soundtrack mochte (natürlich vor allem Shallow). Nun, wie sieht es jetzt mit Chromatica aus? Soviel vorweg, es geht mir ähnlich wie auf den Vorgängern. Die vorab veröffentlichte Single Stupid Love ist ein wirklich toller Pop-Song. Aber der Rest: nun ja, ich bin nicht so ganz begeistert wie es viele Musikkritiker/innen sind, das Album bekommt ja durchweg ziemlich viele positive Wertungen. Aus produktionstechnischer Hinsicht kann ich da zustimmen, da gibt es kaum etwas auszusetzen, das ist moderner Dance-Pop, der sicherlich den Standards der beginnenden 2020er Jahre standhält. Dennoch: ich komme auf Albumlänge nicht so klar mit Chromatica, aus emotionaler Perspektive catcht es mich einfach nicht, obwohl hier so viele verschiedene Musikrichtungen eingewoben werden. Hmmm…An den Texten gibt es wirklich nicht auszusetzen, es sind sehr reflektierte und direkte Auseinandersetzungen mit Themen dieser Zeit und der Vergangenheit, die auch Lady Gaga selbst betreffen. Was mache ich also mit diesem Album? Es tut mir leid, aber ich muss irgendwie auch subjektive Kriterien hier einfließen lassen, weshalb sich die Wertung unten erklären lässt. Aber: ich lege mich nicht fest und lasse es noch auf mich wirken. Was sagt ihr zu dem Album? Findet ihr es richtig gut? Auf eure Meinungen bin ich sehr gespannt!

Note: 3,0 (vorerst)

https://www.ladygaga.com/

 

Låpsley – Through Water

VÖ: 20.03.2020

Label: XL

Genre: (Art-)Pop / Electronica / R&B / Soul

Holly Lapsley Fletcher ist gerade einmal 23 Jahre alt, wird aber schon seit über einer halben Dekade für ihre Musik gefeiert, nach ein paar Singles und EPs  für ihre Debüt-LP Long Way Home, die – wie ich kürzlich feststellen musste – ja schon Anfang 2016 veröffentlicht wurde! Es erschien auf einem Label, das ja nicht erst in den letzten Jahren erfolgreich einige Acts unter Vertrag genommen und gepusht hat, die im Spannungsfeld von Pop, Electronica, Soul, R&B etc. neue und aufregende Wege beschreiten (im Stile eines, darauf leider nicht gesignten James Blake) – natürlich meine ich XL! Klar, da wäre unter anderem FKA Twigs zu nennen, die im letzten Jahr eine Riesenplatte herausgebracht hat, in deren Liga zu spielen wohl äußerst schwer sein wird. Aber: es geht ja hier nicht vordergründig um Wettbewerb, Låpsley stellt unter Beweis, dass sie ebenfalls spannende, stilistisch vielfältige Musik zu produzieren imstande ist, die perfekt in den Katalog der britischen Plattenfirma passt. Long Way Home war vielleicht in meinen Augen nicht so genial wie es teilweise von der Kritik eingeschätzt wurde, aber dennoch war eine individuelle Handschrift erkennbar, in Produktion und Komposition. Vor allen die Stimme ist markant und die Sounds bewegten sich perfekt zwischen Eingängigkeit und Anspruchsdenken. Einige Songs wie Falling Short und Hurt Me machen einem das deutlich. Vor allem sollte nicht vergessen werden, dass die damalige Teenagerin in aller Ausführlichkeit über ihre Gefühlswelt berichtet hat, ihr Innenleben in vollem Detail ausgeleuchtet und reflektiert hat. Das war schon bemerkenswert. Jetzt hat sich die Britin Zeit gelassen, um den Nachfolger zu produzieren. 4 Jahre, in denen sie einiges erlebt hat (soziales Engagement, eine gescheiterte Beziehung u.a.). Da ist klar, dass noch einmal die Emotionen und Ereignisse ihres Lebens bis zu den Früh-Zwanzigerjahren eine zentrale Rolle spielen, obwohl auch ein Bezug auf sozialpolitische Fragestellungen vorgenommen wird (Klimawandel u.a.). Vor allem hat hier das Wasser und die Farbe Blau einen hohen Stellenwert. Produktionstechnisch wurde erneut tolle Arbeit geleistet, wirklich fein ausgearbeitete, moderne Sounds sind zu hören, die Songs sind schön vielfältig gelungen! Meiner Meinung stellt Through Water eine Weiterentwicklung zum Debüt dar, es ist bestechender und aussagekräftiger! Ein rundum gelungenes Werk!

Note: 2,0

https://musiclapsley.com/

 

La Roux – Supervision

VÖ: 07.02.2020

Label: Supercolour

Genre: (Synthie-)Pop / Disco

Elly Jackson hat 2009 – damals noch im Duo mit Ben Langmaid – das selbstbetitelte Debüt vorgelegt, welches künstlerisch als auch kommerziell erfolgreich war. Entsprechende Preise – oder zumindest Nominierungen (für den Mercury Prize z.B.) – ließen nicht auf sich warten. Diese Orientierung an Synthie-Pop-Melodien der 1980er Jahre im Verbund mit modernen Electro-Strukturen, das wurde von La Roux wirklich gut inszeniert, sich ausdrückend in Hit-Songs wie In For The Kill und Bulletproof. Doch Erfolg kann ja bekanntlich auch seine Schattenseiten mit sich bringen. Jackson fühlte sich unglaublich  unter Druck gesetzt, einen adäquaten Nachfolger einzuspielen, Langmaid – ohnehn ein Mann im Hintergrund – zeigte sich nicht einverstanden mit der vorgesehenen Richtung und verließ La Roux. Jackson machte allein weiter und brauchte letztendlich 5 Jahre, bis dann endlich Uptight Downtown fertig war. Mir gefiel diese Mischung aus bekannten Synthie-Pop-Klängen und einer ordentlichen Portion Disco im Stile von Chic oder Donna Summer ganz gut. Als ich dann kürzlich hörte, dass La Roux das dritte Album Supervision am Start hat, wurde ich aufmerksam. Doch: die Kritiken sind ziemlich gemischt, von Verrissen bis Lobesbekundungen ist national und international alles zu lesen. Ich pendele mich letztendlich in der Mitte ein. Die Songs sind recht ordentlich produziert und haben einen poppigen Appeal, doch mir fehlt ein wenig der jeweilige Charakter, der sie voneinander unterscheidet oder einen von ihnen hervorheben könnte (okay, Gullible Fool ist klasse). Es klingt nach 1980er-Pop, ein bisschen nach Disco, doch was bietet uns das Album wirklich Neues? Ich kann da leider keine wirklich gute Antwort geben. Wie ist das mit euch? Was haltet ihr von Supervision? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 3,0      

https://www.laroux.co.uk/

 

Great 2000’s Indie-/Garage-Rock – Meine weiteren liebsten Alben

Interpol

http://interpolnyc.com/

Interpol – Turn On The Bright Lights

VÖ: 19.08.2002

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Interpol – Antics

VÖ: 27.09.2004

Label: Matador

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

The Libertines

https://www.thelibertines.com/

The Libertines – Up The Bracket

VÖ: 21.10.2002

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock, Post-Punk

 

The Libertines – The Libertines

VÖ: 30.08.2004

Label: Rough Trade

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Kings Of Leon

http://kingsofleon.com/

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

VÖ: 01.09.2003

Label: RCA

Genre: Indie-/Garage-/Southern-Rock

 

The Strokes

http://thestrokes.com/

The Strokes – Room on Fire

VÖ: 20.10.2003

Label: BMG

Genre: Indie-/Garage-Rock

 

Franz Ferdinand

http://franzferdinand.com/

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand

VÖ: 16.02.2004

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Franz Ferdinand – You Could Have It So Much Better

VÖ: 30.09.2005

Label: Domino

Genre: Indie-Rock / Post-/Dance-Punk

 

Bloc Party

http://blocparty.com/

Bloc Party – Silent Alarm

VÖ: 14.02.2005

Label: V2

Genre: Indie-Rock / Post-Punk

 

Bloc Party – A Weekend In The City

VÖ: 02.02.2007

Label: V2

Genre: Indie-/Alternative-Rock / Post-Punk

 

Maxïmo Park

https://www.maximopark.com

Maxïmo Park – A Certain Trigger

VÖ: 17.05.2005

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Maxïmo Park – Our Earthly Pleasures

VÖ: 30.03.2007

Label: Warp

Genre: Indie-Rock / Post-Punk / New Wave

 

Kaiser Chiefs

https://www.kaiserchiefs.com

Kaiser Chiefs – Employment

VÖ: 22.08.2005

Label: Universal

Genre: Indie-/Alternative-Rock

 

Arctic Monkeys

https://www.arcticmonkeys.com/

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

VÖ: 20.01.2006

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-/Punk-Rock / Post-Punk

 

Arctic Monkeys – Favourite Worst Nightmare

VÖ: 20.04.2007

Label: Domino

Genre: Indie-/Garage-Rock / Post-Punk

 

Vampire Weekend

https://www.vampireweekend.com/

Vampire Weekend – Vampire Weekend

VÖ: 22.02.2008

Label: XL

Genre: Indie-Rock / Indie-/Chamber-Pop / Worldbeat

 

Ich habe hier bei den Classics zuletzt zwei Bands mit Alben besprochen, die ich als Initiatoren der 2000er Indie-/Garage-Rock-Welle ansehe: The White Stripes und The Strokes. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag wird die entsprechende Phase als „post-punk revival“ – wahlweise auch „new wave revival“, „garage rock revival“ oder schlicht „new rock revival“ – bezeichnet, was sicherlich zumindest den Kern trifft. Denn die Formationen, die dazu gezählt werden, haben sich die großen Vertreter jener Musikrichtungen zum Vorbild genommen, die in den oben genannten Begrifflichkeiten zum Ausdruck kommen und diesen zugerechnet werden, und haben diese Sounds auf ihre Weise neuinterpretiert. Es gab neben diesen (Post-)Punk-/Garage-Rock/New Wave-Strukturen auch Ausflüge in die unterschiedlichsten klanglichen Bereiche, zum Beispiel Rock’n’Roll, Blues oder Grunge, (in Großbritannien vor allem) in den Britpop, später auch verstärkt in die Electronica und den Worldbeat. Ja, oder generell eine Orientierung hin zum „klassischen“ Indie-Rock der 1980er und -90er Jahre in all seinen verschiedenen Varianten und Ausdrucksformen: Pixies, Dinosaur Jr., The Smiths und uvm. Natürlich ist heute der Begriff „Indie“ zu einem eher schwammigen Begriff geworden. Wenn heute etwas nicht „mainstreamig“ ist, dann wird es mit jenem Prädikat versehen. Was ist heute nicht alles „indie“? So ist es schwer, so wie ich über eine „Indie-Rock-Welle“ zu sprechen, bei deren Bezeichnung nicht jedermann klar wird, welche entsprechenden Bands und Alben gemeint sind. Die anfangs erwähnten Wikipedia-Begriffe sind daher kein Zufall. Es ist nicht immer leicht, alles zu kategorisieren, das wird auch bei meinen Zuordnungen deutlich. Ich nenne es dennoch „Indie-Rock-Welle“ und versuche entsprechende Formationen mit ihren Werken zu benennen, die in den Artikeln solchen Begrifflichkeiten wie „post-punk revival“ zugerechnet werden. Nun, wie so oft in der Pop-Geschichte ist ein Aspekt besonders wichtig. Wenn eine Stilrichtung etwas von ihrer musikalischen und sozialpolitischen Bedeutung verliert, die entsprechenden Sounds langweilig werden, dann ist es wichtig, dass Musiker/innen sich zusammenfinden, um eine Alternative zu starten, mit neuen Klängen auf sich aufmerksam machen und eine nächste Musikrichtung begründen. Im Fall der 2000er-Indie-/Garage-Rock-Welle ist es vielleicht kein konkretes Genre, sondern eher eine Bewegung, aber das spielt wohl eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt auch nicht wenige, die mir gesagt haben, dass in der Zeit keine wirklich neue, „revolutionäre“ Musik produziert wurde, dass nur „alte“ Sounds im Retro-Gewand präsentiert wurden. Dazu möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern. Da gibt es ein interessantes Buch von Simon Reynolds dazu. Wichtig ist, dass mit dieser Indie-/Garage-Rock-Welle eine Alternative zu jenen Musikrichtungen geboten wurde, die vorher an Relevanz verloren hatten: Nu Metal/Crossover, Euro-Dance und was es nicht alles in den 1990ern bis teilweise in die 2000er Jahre hinein hab. Ein in der Pophistorie wie bereits erwähnt normaler Prozess. Es sollte wieder „authentische“, vermehrt auf den Gitarreneinsatz bezogene Musik mit bedeutungsvollen gesellschaftsrelevanten Texten geboten werden, mit einsprechend modischen Trends (u.a. Röhrenjeans, Lederjacken), die vor allem die Jugend der damaligen Jahre ansprechen und sich andererseits von den „Älteren“ abgrenzen sollte. Vor allem die Live-Shows der Bands waren spektakulär! Ich habe allerdings schon ein paar Mal hier bei hicemusic erwähnt, dass ich diese Musik-Bewegung zunächst etwas verschlafen habe. Als die Strokes und die White Stripes auf den Plan traten, war ich passionierter Hörer von Nu Metal-/Crossover- oder auch Mainstream-Pop. Das ist in der Nachbetrachtung ein bisschen schade! Allerdings habe ich dann so 2002/2003 die hier gleich vorgestellten Indie-/Garage-/Punk-Rock/New Wave-Bands mit ihren Alben kennen und lieben gelernt. Es waren zudem die Sounds, auf die ich mich vor allem mit meiner Schwester (mit der ich einige Shows damals besucht habe) als auch meinen Freunden einigen konnte. Die Klänge haben generell meine späten Jugendjahre sowie dann meine Zwanziger – somit den Übergang von der Schule zum Zivildienst und auch noch zum Studium – geprägt und bleiben für mich aus unterschiedlichen Gründen unvergessen. Dazu äußere ich mich im Folgenden. Aus dem Grund, dass ich The White Stripes Elephant  und das Debüt der Strokes (ihr zweites Album habe ich damals nicht erwähnt, weshalb es hier noch einmal auftauchen wird) schon besprochen habe, gehe ich nun auf weitere Bands ein, die zumindest aus meiner persönlichen Sicht heraus mit ihren nicht weniger wichtigen Alben hier im Zusammenhang mit dem „post-punk revival“ genannt werden müssen. Zum Schluss kommen noch Formationen mit ihren Platten zu ihren Ehren, die bedeutsam sind, aber aus Grund, dass eine ausführliche Besprechung hier den Rahmen sprengen würde, nur kurz ohne Text erwähnt werden. Ich wünsche euch viel Spaß, über entsprechende Kommentare und Schilderungen individueller Erlebnisse und Eindrücke würde ich mich sehr freuen! Vielleicht habe ich auch jemand Wichtiges vergessen 😊

 

Interpol – Turn On The Bright Lights / Antics

Ich bin mit den New Yorkern vergleichsweise sehr spät in Berührung gekommen, obwohl sie natürlich als eine der wichtigsten Initiatoren der Bewegung aus dieser Stadt gelten (sicherlich neben den Strokes und den Yeah Yeah Yeahs). Im Spätsommer 2002 – als das Debüt Turn On The Bright Lights da war  – hatte ich sie noch nicht auf dem Schirm, war aber spätestens mit dem ebenso genialen Antics (2004) eingeweiht, fand es zunächst nicht so toll, um dann aber voll drin zu sein in dieser Musik, die vor allem durch die Stimme von Paul Banks geprägt ist. Hat bestimmt nicht nur mich an Ian Curtis denken lassen, dessen Band Joy Division sicherlich ebenso unter anderem Vorbild war wie The Smiths und The Cure. Zwei starke Alben haben Interpol da vorgelegt, wobei ich eigentlich auch noch Our Love To Admire (2007) hätte hinzu zählen sollen.

Turn On The Bright Lights

Note: 1,3

 

 

Antics

Note: 1,3

 

 

 

The Libertines – Up The Bracket / The Libertines

Bei den Libertines ist es ähnlich wie bei Interpol, ich habe sie sehr spät entdeckt! Es gibt eine weitere Parallele: als das zweite Werk 2004 erschien, war ich zunächst aus mir heute unerfindlichen Gründen nicht so gepackt, fand sie in der folgenden Zeit immer besser und muss gerade aus jener gegenwärtigen Perspektive heraus sagen, dass die Briten wohl zu den besten Vertretern des Genres gelten. Sie haben nicht nur mit Up The Bracket (2002) ein geniales Debüt mit herausragenden Hymnen und ebenfalls grandiosen Texten veröffentlicht, sondern mit dem selbstbetitelten Zweitwerk (2004) ein weiteres Meisterstück hinzugefügt. Vor 5 Jahren konnte ich sie nochmal live in Düsseldorf erleben, es war so schön, das unnachahmliche Songwriter-Duo Pete Doherty und Carl Barât mit den anderen Bandmitgliedern wiedervereint zu sehen!

Up The Bracket

Note: 1,0

 

 

The Libertines

Note: 1,0

 

 

Kings Of Leon – Youth And Young Manhood

Okay, das ist wohl eher ein individuelles Ding: ich bin ein Riesenfan des Debüts der US-Amerikaner! Gerade angesichts der Tatsache, dass der Sound der Followills parallel zum steigenden Erfolg stets an Qualität eingebüßt hat, muss ich eine Lanze für Youth And Young Manhood brechen! Wie toll hier die Stimme von Nathan Followill in der großartigen Rockmusik – die sich bevorzugt an Blues und Southern Rok orientiert – zur Geltung kommt! Molly’s Chambers ist beispielsweise eine Wucht!

Note: 1,7

 

 

The Strokes – Room On Fire

Ich habe ja bereits einiges zum Debüt geschrieben, das meiner Meinung nach das stärkste Album der Indie-/Garage-Rock-Welle ist. Doch was ich vielleicht hätte noch erwähnen sollen ist, dass der Nachfolger ebenso ein Klassiker ist! Muss man ja auch erst einmal hinbekommen, nach nur zwei Jahren ein fast ebenbürtiges Werk vorzulegen. Wieder richtig große Songs sind darauf zu finden!

Note: 1,3

 

 

Franz Ferdinand – Franz Ferdinand / You Could Have It So Much Better

Die Schotten Franz Ferdinand sind ohne Zweifel eine meiner Lieblingsbands. Ich weiß noch genau, wie im Frühjahr 2004 ihr Debüt herauskam, wie es in den Zeitungen gefeiert und wie eine Live-Show im Radio bei Eins Live im „Kultkomplex“ übertragen wurde. Ich war ebenfalls begeistert von solch komplex arrangierten, dabei höchst eingängigen Songs wie Take Me Out oder auch unvergessenen textlichen Großleistungen („Schampus mit Lachsfisch“). Ein Riesenalbum! Dann kam nur ein Jahr später der Nachfolger heraus, der nicht ganz die Klasse erreichte, doch ebenso überragend ist. Unter anderem eiferte man so klasse den Beatles nach (in Eleanor Put Your Boots On)!

Franz Ferdinand

Note: 1,0

 

 

 You Could Have It So Much Better

Note: 1,7

 

 

 

Bloc Party – Silent Alarm / A Weekend In The City

Ich meine, es habe mal früher geheißen, dass die Briten live überhaupt nicht gut seien. Also, immer wenn ich sie gesehen habe, war ich hin und weg. Kele Okereke und seine Mannen haben mit Silent Alarm (2005) richtig eingeschlagen! Wie bei Franz Ferdinand hatte ich glücklicherweise die Gelegenheit sie kennenzulernen, als ihr Debüt erschienen ist und somit ihren Werdegang aufmerksam verfolgen zu können . Klar, Silent Alarm ist der Wahnsinn mit seinen an Gang Of Four oder Joy Division erinnernden Songs. Ich fand aber den experimentellen Charakter des Nachfolgers ebenso überaus fesselnd! Man mag ja von den Electronica-Elementen, die dann auf dem Drittwerk Intimacy noch mehr eingesetzt wurden, halten was man möchte, ich fand es aber immer toll, dass Bloc Party wagemutig waren!

Silent Alarm

Note: 1,3

 

 

A Weekend In The City

Note: 1,7

 

 

Maxïmo Park – A Certain Trigger / Our Earthly Pleasures     

Komischerweise wird die Band aus Newcastle nicht in dem Wikipedia-Eintrag zu „post-punk revival“ erwähnt, ebenso wenig wie in der Liste des ME zu den „besten Alben des neuen Jahrtausends 2000-2015“! Dann ist das eher so eine persönliche Sache, denn meiner Meinung nach ist A Certain Trigger (2005) eine Glanztat, die interessanterweise auf dem Warp-Label erschienen ist, was sonst eher für ambitionierte Electronica bekannt ist. Hymnen, die ich damals als Anfang-Zwanziger rauf und runter gehört habe, mein von Auf und Abs geprägtes Leben damals begleitet haben. Mein Vater war damals überhaupt nicht begeistert. Seine Frage war: „Ist das auf dem Klo produziert worden?“  😊  Der zwei Jahre später erschienene Nachfolger ist ebenfalls bezaubernd. Ich liebe Books From Boxes und Your Urge (mein Geheimfavorit)!

A Certain Trigger

Note: 1,3

 

 

Our Earthly Pleasures     

Note: 1,7

 

 

Kaiser Chiefs – Employment

Von den Bands dieses Genres haben einige heute viel von ihrer Bedeutung verloren. Ich denke aber, dass für mich die Kaiser Chiefs den größten qualitativen Niedergang hingelegt haben. Klar, sie haben zwischendrin etwas aufhorchen lassen, ohne aber lange im Gedächtnis haften zu bleiben. Ach doch, einen Hit gibt es, der auf so ziemlich jeder Feierlichkeit gespielt wurde bzw. wird: Ruby. Aber schon das Album, auf dem der Song zu hören war – Yours Truly, Angry Mob (2007), der Zweitling der Kaiser Chiefs (der Name ist übrigens angelehnt an einen südafrikanischen Fußballverein) – war höchstens Mittelmaß. Aber: das Debüt Employment mit seinen Hymnen und tollen Lyrics ist richtig gut gealtert! Vielleicht ist es deshalb auch erwähnenswert!

Note: 1,7

 

 

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not / Favourite Worst Nightmare

Da bleibt nicht viel weiteres zu sagen als: die Arctic Monkeys sind großartig, die Songs ihres Debüt-Albums sind gerade angesichts ihres damaligen Alters (ich sah 2006 einen Bericht, in dem sie als „Pickelgesichter“ bezeichnet wurden) unglaublich gekonnt instrumentiert, mit einer unvergleichlichen Direktheit, Souveränität und Abgeklärtheit. Was für unvergessliche Songs! Für den Nachfolger habe ich auch sehr viel übrig, da nur ein Jahr später die gute Form bestätigt werden konnte!

Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not

Note: 1,3

 

 

Favourite Worst Nightmare

Note: 1,7

 

 

 

Vampire Weekend – Vampire Weekend

Es ist einmal an der Zeit, eine Band zu erwähnen, deren Erstling zu einer Zeit erschien, als schon einige gefeierte Formationen des Indie-/Garage-Rock mit ihren zweiten und dritten Werken schwächelten oder gar richtig enttäuschten. Das Rezept: mehr Experimente, Öffnung zu neuen Richtungen wie Worldbeat oder Chamber-Pop. Sozusagen die akademische Version des Indie-Rocks, die aber so locker und lässig daherkommt, mit Hymnen aufwartet und zu jeder Zeit gute Laune verströmt. Man muss sich vorstellen, ich war 2008 mit einer damaligen Freundin im Kölner Gloria, wobei die Show von einer großen Örtlichkeit (ich meine es war das Palladium) in eben jene kleinere umverlegt wurde. Wir hatten ordentlich Spaß! Eine großartige Live-Band, die heute auch schon mehr Leute damit begeistern kann. Von deren Qualitäten konnte ich mich damals dann nochmal bei strömenden Regen auf dem Hurricane Festival 2010 überzeugen! Wie großartig Vampire Weekend sind, haben sie dieses Jahr nach zwei weiteren fantastischen Alben unter Beweis gestellt. Father Of The Bride ist nach wie vor meine Platte 2019!

Note: 1,3

 

 

Weitere Erwähnungen hier:

https://hicemusic.wordpress.com/weitere-erwaehnungen-great-2000s-indie-garage-rock/

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Fuck Dance, Let’s Art

VÖ: 23.08.2019

Label: Tapete

Genre: Pop / Northern-Soul

Ich war schon immer ein großer Fan von deutschsprachiger Musik mit witzigen, albernen oder gern auch sarkastischen Texten. Klar, das kann ebenso schiefgehen, nämlich dann wenn zu viel gewollt wird oder es letztlich pseudohumoristisch ist. Ich nenne mal keine Namen, aber ich habe es schon öfter erlebt, dass bei Live-Konzerten oder bei anderen Anlässen die Menschen sich total amüsiert haben über die Worte, die die Band da vorne von sich gab, und ich mich dabei fragte, wo da denn jetzt der Witz steckt. Den umgekehrten Fall gab es natürlich dann auch – ich also in der Minderheit etwas total lustig fand und in fragende Gesichter starrte –, das möchte ich nicht bestreiten. Mein Humor ist sehr eigen 😊 Von den oben genannten Bands, die mir mit ihren Texten gefallen, muss ich vor allem Superpunk nennen, diese Hamburger Punk/Northern-Soul-Institution, die bestimmt nicht nur mich mit Titeln wie Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen, Neue Zähne für meinen Bruder und mich oder Matula, hau mich raus begeisterte. Nicht zu vergessen: Das waren Mods! 2012 war Superpunk Geschichte, doch es gab da ein paar Mitglieder, die weitermachen wollten und sich im selben Jahr aufmachten, nach wie vor tolle Musik mit hippen und witzigen Texten zu kreieren. Sie orientierten sich beim Namen an einem trashigen Film mit Sean Connery und veröffentlichten Alben, die vielleicht nicht total emanzipiert von Superpunk waren, dennoch den Spirit der „alten Tage“ beibehielten. Die Titel der Veröffentlichungen beinhalten ja sehr popkulturelle Referenzen und diesbezügliches Wissen. Auf Fuck Dance, Let’s Art macht man da keine Ausnahme, was sich für mich als Glücksfall erweist, denn ich habe beim Hören des neuen Alben wieder viel Spaß gehabt. Es funktioniert aber auch alles so gut, weil man sich wieder reflektiert und eben gleichfalls gewitzt gesellschaftspolitischen Themen widmet. Zudem ist die neue Platte erneut in produktionstechnischer Hinsicht gelungen, mit diesen feinen Instrumentierungen!

Note: 2,0

http://diegentlemen.de/

 

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