Dezember 2017

Belle & Sebastian – How To Solve Our Human Problems (Part 1)

VÖ: 08.12.2017

Label: Matador

Genre: (Indie-/Kammer-)Pop

Mit Belle & Sebastian ist es doch wirklich wie mit einer Jugendliebe. Irgendwie ist die enge Verbindung von damals immer noch zu spüren, auch wenn in der Gegenwart eventuell nicht mehr alles so toll wie damals ist (man sich vielleicht etwas vormacht). Wie es halt manchmal so ist mit der Nostalgie! Die Schotten waren ab Mitte der 1990er jedenfalls dafür bekannt geworden, den Hörern mit ihren Texten aus der Seele zu sprechen, alltägliche Probleme zu thematisieren, die jeden einmal beschäftigen können. Sie waren schlichtweg die persönlichen Begleiter, lieferten nicht wenigen den Soundtrack zum Leben. Ich liebe ihr Frühwerk, auch einige der 2000er-Alben. Zuletzt war ich jedoch nicht immer hundertprozentig von ihrem Output überzeugt, auch zunächst nicht ganz von ihrer neuen EP (die – wie der Titel es verrät – den Auftakt zu einer mehrteiligen Reihe bildet). Doch ich wurde nach aufmerksamerer Rezeption umgestimmt. Unheimlich charmanter Pop, zwar im bereits bekannten Stil, der jedoch mit neuen Ideen aufgefrischt wird (z.B. tollen instrumentellen Arrangements). Mal ehrlich: wer will nicht angesichts der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Lage auf unserer Welt von Belle & Sebastian erklärt bekommen, wie man die menschlichen Probleme lösen kann? Eben!*

*Ich erinnere mich an einen wundervollen Aufritt der Band auf dem Hurricane 2014, an dessen Ende Stuart Murdoch und Co. zusammen mit ihren Fans auf der Bühne ausgiebig feierten. Ein Moment, der eben unter Beweis stellte, welch große Anziehungskraft sie noch immer auf ihre Hörer auszuüben verstehen.

Note: 2,3

https://belleandsebastian.com/

 

 

Tom Rogerson With Brian Eno – Finding Shore

VÖ: 08.12.2017

Label: Dead Oceans

Genre: Ambient / Electronica

Von Brian Eno ist ja bekannt, dass er schon so einige Kollaborationen mit den verschiedensten Künstlern/innen  aus den unterschiedlichsten musikalischen Feldern eingegangen ist. Da war nicht zwangsweise „nur“ Ambient und Electronica darunter. Robert Fripp, David Byrne, Harold Budd, Cluster, Kevin Ayers und wer nicht alles dabei war! Es ist allerdings anzumerken, dass hier positive Beispiele genannt sind, nicht jedes Mal waren die Kollaborationen von hoher musikalischer Qualität. Zum Beispiel war in meinen Augen die Zusammenarbeit mit Underworlds Karl Hyde nicht ganz so ertragreich wie erhofft. Nun hat sich Eno mit einem anderen Landsmann, dem Komponisten und Pianisten Tom Rogerson, für eine Vertonung zusammengefunden, die in manchen Momenten richtig gut funktioniert, in anderen eher weniger bzw. etwas langatmig ausfällt. Erstere sind vor allem dann gegeben, wenn man sich in den klanglich experimentellen, kinematographischen Neo-Klassik-Gefilden eines Nils Frahm oder Tim Hecker bewegt. Insgesamt okay, jedoch hätte ich mir angesichts dieser Konstellation schon noch etwas mehr Mut zum Experiment erhofft (da beide es nachweislich können)!

Note: 2,7

https://www.tomrogerson.com/

 

 

Eminem – Revival

VÖ: 15.12.2017

Label: Aftermath

Genre:  Hip-Hop / Rap-Rock

Wow, das muss ich erst einmal verdauen! Ich bin nach der Rezeption des neuen Albums von Eminem wirklich ausgelaugt, mir fehlen die Worte! Ivo Ligeti schreibt in seiner Musikexpress-Rezension folgende Worte: „Rap, Rock, Pop und jede Menge Pathos: Eminem ist genauso geschmacklos wie der Präsident, dem er die Leviten lesen will.“ Dem ist wohl kaum etwas entgegenzusetzen (selbst wenn man letzteren Vergleich außen vorlassen würde)! Die Kritiken sind generell sehr mäßig bis schlecht ausgefallen, was mich überhaupt nicht wundert bzw. wundern kann. Denn selbst bei einer möglichst wohlwollenden Herangehensweise wie ich sie durchzuhalten versucht habe, kann ich letzten Endes wirklich nichts Positives zu Revival sagen – von einem eben solchen kann hier sowieso nicht die Rede zu sein. Der Spruch mit den vielen Köchen, die den Brei verderben, passt perfekt: eine riesige Reihe an (Star-)Produzenten (Rick Rubin, Dr. Dre u.a.) und Gästen (Beyoncé, Alicia Keys, Pink, Ed Sheeran uvm.), die nichts retten können, zum Teil es sogar noch schwerer erträglich machen! Ich hätte nach 2 Jahren Pause mal wieder etwas für die hicemusic-Kategorie „Fehlgriffe“ gehabt, aber ich kann Eminems vorigem Output seit nun fast 15 Jahren schon kaum mehr etwas abgewinnen. Schlecht wie das „politische“ Revival war jedoch keiner von den Vorgängern. Es ist wirklich so grausam (Tiefpunkt ist das Sample aus Joan Jett & The Blackhearts‘ I Love Rock’n’Roll)!

Note: 5,0

http://www.eminem.com/

 

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