April 2016

The Last Shadow Puppets – Everything You’ve Come To Except

VÖ: 01.04.2016

Label: Domino

Genre: Kammerpop / (Avant-)Rock

Bei all der Hinwendung der Arctic Monkeys zu Hard-/Stoner-Rock, die ja wahrscheinlich nicht allen Fans gefallen haben dürfte – insbesondere jenen, die die frühe Phase der Band mitbekommen haben – hat man eventuell vergessen, dass Frontmann Alex Turner zusammen mit Miles Kane und James Ford (als Instrumentalist, aber auch Produzent, der darüber hinaus mit Ausnahme des Debüts an den Arctic Monkeys-Alben beteiligt war) vor 8 Jahren als The Last Shadow Puppets eine ziemlich hörenswerte Platte veröffentlichte, The Age Of Understatement. Diese servierte einen gelassenen, orchestralen Mix, der unter anderem Ennio Morricone, Serge Gainsbourg und Scott Walker huldigte. Auf dem Nachfolger ist nun Zach Dawes als Mitglied und u.a. Owen Pallett als Gast dabei, der wieder für die Streichersounds verantwortlich war. Das Ergebnis – eine Verbeugung vor den Größen des Pop (Weller,Hayes, Walker, Bowie u.a.) – ist erneut gelungen! Ach ja, Rock gibt es hier ebenso zu hören (vor allem in Bad Habits).

http://www.thelastshadowpuppets.com/

The Last Shadow Puppets „Bad Habits“ from Matt Egan on Vimeo.

The Last Shadow Puppets – BadHabits – Promotional teaser from Matt Egan on Vimeo.

The Last Shadow Puppets – 1st promotional teaser for the release of „Everything You’ve Come To Expect“ from Matt Egan on Vimeo.

 

Pet Shop Boys – Super

VÖ: 01.04.2016

Label: X2

Genre: (Synthie-/Elektro-)Pop / EDM

Die Pet Shop Boys sind seit 1981 aktiv und haben seitdem schon einige Hits im Programm gehabt: West End Girls, Suburbia, It’s A Sin, Rent, Always On My Mind, Go West uvm. Ganz zu schweigen von jenen Songs, die darüber hinaus, wenn nicht kommerziell erfolgreich, jedoch in künstlerischer Hinsicht genauso von hoher Bedeutung waren: Being Boring, Home And Dry oder Love etc. beispielsweise. Bei den Alben waren immer wieder ein paar richtige Perlen dabei, auch in den letzten beiden Jahrzehnten. Vor allem Yes (2009) beeindruckte, wobei die letzten Werke Elysium (2012) und Electric (2013) ebenso ihre erstaunlichen Momente bereithielten. Der insgesamt positive Eindruck setzt sich weiterhin auf Super fort. Das britische Duo versteht es – wie beim Vorgänger unterstützt von Stuart Price – ihrem Sound jederzeit einen modernen Anstrich zu verleihen. Manchmal wirken die EDM-Ausflüge, die in die 1990er Jahre verweisen, etwas bemüht, was den positiven Gesamteindruck des Werks jedoch nicht trübt.

http://whatissuper.co/

 

 

Yeasayer  – Amen & Goodbye

VÖ: 01.04.2016

Label: Mute

Genre: (Avant-)Rock / Psychedelic Pop / Worldbeat

In manchen Rezensionen zum vierten Studioalbum der New Yorker ist nun zu lesen, sie hätten sich etwas dabei verhoben, ihren bekannten, höchst mannigfaltigen Mix aus eingängigen Popmusik-Strukturen und ambitionierten Experimental- und Ethno-Elementen in hymnischen, auf die musikalische Vergangenheit und Gegenwart rekurrierenden und mit einer religiösen Thematik  verbundenen Songs zum Ausdruck zu bringen. So ganz ist diese Kritik nicht nachvollziehen, denn auch wenn ein Unwetter einen großen Teil des ursprünglichen Aufnahmematerials zerstörte und man sich in diesem Zusammenhang fragen kann, ob das nun vorliegende Resultat hätte überboten werden können, so lässt sich an Amen & Goodbye kaum etwas bemängeln. Klar, Yeasayer kann man klanglich vergleichen mit Alt-J, Animal Collective, TV On The Radio oder Grizzly Bear, jedoch ist ihr individueller, stilistisch vielseitiger Anstrich weiterhin erkennbar. Der Anfang mit Daughters Of Cain und I Am Chemistry ist z.B. richtig stark!

http://www.yeasayer.xyz/

Yeasayer – I Am Chemistry from Mute on Vimeo.

 

Deftones – Gore

VÖ: 08.04.2016

Label: Reprise

Genre: (Alternative/Experimental-)Rock / Metal

Die Deftones wurden zu Zeiten ihrer ersten beiden Alben, Adrenaline (1995) und des imposanten Around The Fur (1997), zu Teilen auch ihres ebenso großartigen Drittwerks White Pony (2000), mit einem Genre in Verbindung gebracht, deren Bands damals – also Mitte der 1990er bis in die 2000er Jahre hinein – äußerst erfolgreich waren: dem Nu Metal. Das hat der Band um Chino Moreno nie sonderlich gefallen, was schon nachvollzuziehen ist. Denn dafür sind die „Radiohead des Metal“ einfach zu vielseitig, ihr Sound speist sich aus den unterschiedlichsten experimentell veranlagten Stilen, hat seit jeher auf einigen LPs Ausdruck gefunden, die sich musikalisch durchgehend auf qualitativ hohem Niveau bewegten. Immer wieder fanden sie die richtige Balance aus Aggressivität und Ausgeglichenheit. Dies gelingt ihnen auch auf Gore, das in puncto Musik und Text diesmal sehr pessimistisch ausfällt. Es gab aber auch einige Erlebnisse zu verarbeiten*. Benötigt seine Zeit zur Entfaltung, hinterlässt letztendlich großen Eindruck!

*u.a. Tod des ehemaligen Bassisten Chi Cheng. Außerdem sollten die Deftones einen Tag nach den Pariser Anschlägen im Bataclan spielen und hatten die Absicht die Eagles Of Death Metal-Show zu schauen, verließen den Ort der Tragödie aber vor Konzertbeginn.

http://www.deftones.com/

 

Sophia – As We Make Our Way (Unknown Harbours)

VÖ: 15.04.2016

Label: The Flower Shop

Genre: Indie-Rock / Folk

Es muss so Anfang 2004 gewesen sein, als der Autor dieser Zeilen eine Sendung von WDR Einslive hörte: den „Kultkomplex“ (den Vorgänger des heutigen „Plan B“). Darin wurden früher – weit mehr als gegenwärtig – Songs abseits des Mainstreams gespielt, vor allem von Künstlern, die wohl eher nicht im Tagesprogramm des Senders zu finden waren. Neben Airs Surfing On A Rocket und Ryan Adams‘ So Alive lief auch ein Titel, der Eindruck hinterließ und weitere Recherchen zur Folge hatte: Oh My Love (welches später ein Indie-Hit wurde). Der Song stammt von einer britischen Band – besser gesagt dem Musikprojekt von Robin Proper-Sheppard –, Sophia, und ist eine der „fröhlicheren“ Songs des Albums People Are Like Seasons. Normalerweise werden eher pessimistische Themen (z.B. Tod, Liebeskummer) behandelt, was auch auf den beiden Nachfolge-LPs nachzuhören war. Das neue Album fällt nun wesentlich optimistischer aus, deutet bei aller Melancholie auch Hoffnung an. Wohltuend gefühlvoll!

http://www.sophiamusic.net/

 

 

Suuns – Hold/Still

VÖ: 15.04.2016

Label: Secretly Canadian

Genre: Electro-Rock / Art-Punk

Die Kanadier haben spätestens mit dem letzten Album Images Du Futur (2013) ein Ausrufezeichen setzen können, vor allem dem sich daraus hervorhebenden, fast schon als „Hit“-Song zu bezeichnenden 2020, mit dem ein erster Schritt klanglicher Emanzipation unternommen wurde, sich von Vorbildern wie Clinic zumindest in Ansätzen gelöst wurde. Auf Hold/Still gibt es zwar die typischen Psychedelia-Sounds, die jetzt allerdings weniger auf Krautrock basieren.  Man versucht sich weiterhin an ambitionierten Punk-Strukturen, die nun jedoch vermehrt den Math-Rock tuschieren, im Hauptteil  Electronica-Züge tragen. Oftmals verstörend, herausfordernd, im Soundbild ein wenig an Liars oder Soulwax erinnernd. Allerdings muss man konstatieren, dass das Album nicht vollends überzeugt. Ein paar Songs gehen ein wenig unter, es fehlt ein wenig die Abwechslung. Lobenswerte Ausnahmen gibt es schon, man höre nur mal Resistance! Es liegt nahe, dem Album doch noch etwas mehr Zeit zu widmen.

http://secretlycanadian.com/artist/?name=suuns

 

 

Dälek – Asphalt For Eden

VÖ: 22.04.2016

Label: Profound Lore

Genre: Hip-Hop / Experimental

Hip-Hop kann überraschend sein, sich von den oftmals mit ihm verbundenen Klischees freisprechen, sich Gehör verschaffen, sich mit wirklich wichtigen politischen und gesellschaftlichen Problemen dieser Welt auseinandersetzen. Es gibt Formationen, die in dieser Hinsicht (noch) mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, Shabazz Palaces oder Run The Jewels zum Beispiel. Aber auch Dälek, das seit letztem Jahr in neuer Besetzung – aus der Originalbesetzung ist nur noch MC dälek übrig – wieder aktiv ist. Vor der Trennung 2011 hatte die Band mit den unterschiedlichsten Künstlern (u.a. Tool, De La Soul und den Krautrockern Faust) zusammengearbeitet, die Bandbreite ihrer musikalischen Ausdrucksmittel erweiternd. Ihr Sound ist schwer zu kategorisieren, nur oberflächlich als Hip-Hop  zu bezeichnen. Das neue Album begeistert mit abwechslungsreichen, ausgesprochen atmosphärischen Klängen und starken, für Dälek-Verhältnisse fast schon entspannten Rap-Passagen. Weiterhin experimentierfreudig!

https://deadverse.com/

Dälek – Guaranteed Struggle (OFFICIAL VIDEO) from deadverse recordings on Vimeo.

Dälek – Control (OFFICIAL VIDEO) from deadverse recordings on Vimeo.

 

Drangsal – Harieschaim

VÖ: 22.04.2016

Label: Caroline

Genre: Indie-/Synthie-Pop, Post-Punk

Das Interesse an den Sounds der 1970er und vor allem -80er hat in der aktuellen Popmusik nicht nachgelassen, erst jüngst hat sich M83 ja an diversen Genres dieser beiden Dekaden ausgetobt und die Hörer an seiner Faszination für die Zeit teilnehmen lassen. Der 22-Jährige Max Gruber alias Drangsal soll als Kind viel MTV (als es sich noch um einen Musikkanal handelte) gesehen haben, was bei seinem jungen Alter drauf schließen lässt, dass er aktiv die 1990er und Anfang-2000er mitbekommen hat. Sein Interesse gilt aber – so wird es nach dem Hören seines Debüts deutlich – eindeutig Bands wie The Cure, Depeche Mode, New Order, Siouxsie & The Banshees oder Bauhaus. Das Ergebnis ist okay, wenn auch nicht so großartig wie teilweise schon geschrieben wird. Drangsal ist dann stark, wenn er seine Songs mit modischen Klängen aufzupeppen versteht und dabei nicht zu sehr verkrampft, wie zum Beispiel im tollen Allan Align oder in dem NDW-artigen Will ich nur Dich. Gelingt leider nicht immer. Trotzdem in Ordnung!

https://www.facebook.com/frucadeodereierlikoer/

DRANGSAL – ALLAN ALIGN from MAXIMILIAN WIEDENHOFER on Vimeo.

 

Brian Eno – The Ship     

VÖ: 29.04.2016

Label: Warp

Genre: Ambient / Electronica

Momentan sind sehr unterschiedliche Meinungen zu The Ship zu lesen, die von lobender Anerkennung bis zum absoluten Verriss reichen. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, im Zusammenhang mit Eno ohnehin alles andere als eine Überraschung. Unbestritten ist wohl, dass seine Frühwerke aus den 1970er Jahren, zum Beispiel jene, die das Genre des Ambient geprägt haben, einen hohen Stellenwert in der Popmusikhistorie einnehmen. Andererseits ist es ja so, dass spätestens in den 1990er Jahren die Alben Enos immer unterschiedlich beurteilt wurden. Manche meinen, dass dem Briten oft das Konzept fehle, viele seiner Klanglandschaften gar langweilig seien. Kann vorkommen, die Vorwürfe sind aber allgemein nicht immer gerechtfertigt. Geduld und Zeit sind für das Genre erforderlich, dies gilt auch für The Ship. Der Autor dieser Zeilen muss allerdings zugeben, dass seine Meinung zweigeteilt ausfällt. Manches reißt mit, manches versandet etwas. Vielleicht hat er von einem Warp-Act aber auch einfach zu viel verlangt!

http://www.brian-eno.net/

 

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