Röyksopp – Melody A.M.

VÖ: 03.09.2001

Label: Wall Of Sound

Genre: Downtempo / Electronica

Ende 2001 lief bei VIVA – ja genau, zu einer Zeit als es 24 Stunden am Tag da war, der alternative Schwestersender VIVA Zwei noch existierte und MTV ein Bestandteil des Free TV war – eine Sendung im Abend-/Nachtprogramm, die ich sehr mochte. Es gab dort – ich meine, es war immer freitags – neben Klassikern des Ambient-/Electronica-Genres von u.a. Air, Daft Punk, den Chemical Brothers oder auch Kraftwerk (ich kann mich an das Expo 2000-Video erinnern) viele seltene, sonst – wenn überhaupt – nur im Nachtprogramm laufende Clips zu sehen. Da hatte man zum Beispiel Aphex Twin (ich sah erstmals Windowlicker, On und wahrscheinlich auch Come To Daddy), Add N To (X), Orbital, Mouse On Mars, Jeff Mills und vieles mehr im Angebot, das mich als Jugendlicher damals unglaublich faszinierte. Ich hatte – aus heutiger Sicht lacht man darüber – einen MiniDisc-Player, auf dem ich Mitschnitte dieser Sendung festhielt (einfach aus dem Fernsehen aufgenommen). Es passiert mir in der Gegenwart oft, dass ich ein wenig mit Wehmut auf diese Zeit zurückblicke, denn es gab da so viel Musik, die mir vorher nichts gesagt hatte, aber auch nach nun über eineinhalb Dekaden – zumindest zu einem sehr großen Teil – eine fesselnde Wirkung auf mich ausübt. Ich verdanke neben VIVA Zwei – da gab es ja unter anderem die wunderbare Sendung Electronic Beats mit Ill-Young Kim – eben auch Berlin House (das vorher Housefrau hieß), dass ich mit der Ambient-/Electronica-Musik der 1990er- sowie der beginnenden 2000er Jahre bekannt gemacht wurde, einen Einblick in die Sounds jenseits des Mainstreams erhielt. Nun, dort lief Ende 2001 ein Video, das mich sehr einnahm. Es handelt sich um eine Melodie, die in höheren Tonlagen angesiedelt ist – ein Sample von Bob James‘ You’re As Right As Rain –, die auf den Einen oder Anderen enervierend wirken könnte, bei genauerem Hinhören aber klar wird, dass der Song eine hypnotisierende, höchst emotionale Komponente beinhaltet, die er zumindest mir deutlich vermittelt. Gemeint ist Eple von dem norwegischen Duo Röyksopp (zu Deutsch:  „Bauchpilz“), das wiederum auf dem fantastischen Debütalbum Melody A.M. von Svein Berge und Torbjørn Brundtland zu finden ist. Als dann Berlin House und der Sender VIVA Zwei zu meinem Bedauern Anfang 2002 eingestellt wurden, gab es ungefähr zur selben Zeit auf MTV ein weiteres wundervolles animiertes Video zu sehen: Poor Leno, das einen exzellenten Gesangsbeitrag von Landsmann Erlend Øye beinhaltet – der ja mit seiner Band Kings Of Convenience (erinnert sei an deren ebenso tolles, im selben Jahr erschienenes Debüt Quiet Is The New Loud) wie Röyksopp zu der sogenannten „Bergen Wave“ zählt. Mir war schnell klar, was die Skandinavier da auf die Beine gestellt hatten. Klänge, die verschiedenste Stimmungen vermitteln  – von träumerisch-introvertiert über bedrohlich, melancholisch bis heiter-optimistisch –,  dass man spielend leicht zwischen Eingängigkeit und Experiment balanciert, die Samples aus der Popmusik-Historie (u.a. von Burt Bacharach und Hal David oder dem Peter Thomas Sound Orchestra) und die Features (neben Øye u.a. von Anneli Drecker in dem unvergesslichen Sparks) perfekt einbaut. Ich denke beim Anblick des Covers, das sicherlich eine solche veranschaulicht, an eine Naturlandschaft in Norwegen, die ich selbst in frühen Kind- und Jugendzeiten kennenlernen durfte. Kein Wunder, das Duo hat in ihrem Heimatland sicherlich entsprechende Gegenden als Anreiz genutzt, um diese Melodien zu kreieren (es kommt aus dem sehr nördlich gelegenen Tromsø und musizierte vornehmlich in Bergen). Vielleicht ist Melody A.M. kein unnachahmlicher Meilenstein – Air, Massive Attack, Kruder & Dorfmeister, Boards Of Canada, Moby  sind nur ein paar der Vorreiter, die mit ihrem Mitt- und End-1990er-Alben den Grundstein für neue, innovative Ambient-/Electronica-Erkundungen legten, aber Röyksopp haben ihre individuellen Schlüsse daraus gezogen und mit ihrer Interpretation großen Eindruck hinterlassen. Zumindest bei mir, ich liebe dieses Album, auch heute noch!

Note: 1,3

http://royksopp.com/

 

 

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11 Antworten zu Röyksopp – Melody A.M.

  1. Sahneplatten schreibt:

    Röyksopp und Aphex Twin…grandios! Das waren noch Zeiten…:)
    Heute moderieren ja alle von Viva Zwei irgendwelche schlechten Spielshows auf RTL (Mirja Weichselbraun)…:D
    Danke fürs ins Gedächtnis rufen! 🙂
    LG Torsten


    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

    • hicemusic schreibt:

      Gerne 🙂 ja stimmt, würde mich auch mal interessieren was so manche von den damaligen Moderatoren sonst noch machen. Gosejohann und Roche ist ja klar, aber was ist mit Markus Meske, Falk Schacht oder Tanja Mairhofer? Tolle Zeit, super Sendungen

  2. Katinka Bell schreibt:

    Röyksopp mag mein Shuffle auch sehr gern.

    Ding Dong Zwobot ist tot!

  3. janniz schreibt:

    Nice! Ich hatte übrigens auch mal einen MiniDisc-Recorder. Der göht sogar noch, nur der Akku ist futsch 😉


    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

    • hicemusic schreibt:

      Ja cool, das freut mich für Dich 🙂 hat ja auch so eine nostalgische Note. Muss ich auch nochmal checken, ob mein MD Player funktioniert. VG und danke für Dein Feedback

  4. Pingback: The Avalanches – Since I Left You | hicemusic

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