Blur – Parklife / Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?

Blur – Parklife

VÖ: 25.04.1994

Label: Parlophone

Genre: Britpop / Alternative-/Indie-Rock


Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?

VÖ: 02.10.1995

Label: Big Brother

Genre: Britpop / (Alternative-)Rock


Ich möchte jetzt nach über 25 Jahren hier nicht noch einmal den „Battle Of Britpop“ in allen Details ausbreiten, der ja von der Presse damals heraufbeschworen wurde und als „(…) the greatest pop rivalry since the days of the Beatles and the Stones“ bezeichnet und behandelt wurde. Natürlich lässt sich eine Frage, welche der beiden Bands die bessere ist, schon vor allem aus subjektiver Perspektive heraus beantworten, doch muss das wirklich sein?!? Denn ähnlich wie bei den Beatles und den Rolling Stones ist doch eigentlich kaum zu bezweifeln, dass beide Gruppen unheimlich wichtig sind. Sowohl Blur als auch Oasis haben großartige Werke und Songs geschrieben und den Pop und Rock revolutioniert  – und somit eben nicht „nur“ den Britpop der Zeit. Dieser gab den Musikfans ab den frühen 1990er Jahren das Gefühl, dass essenzielle Bestandteile verschiedenster Sounds und damit zusammenhängender Lebenseinstellungen und Botschaften aus 30 Jahren Pop und Rock – eben auch von den genannten Beatles und den Rolling Stones, aber auch anderen Formationen der Jahrzehnte zuvor (vor allem der Modbands der 1960er Jahre sowie des 1980er Indie-Rocks), und mit dem „Modfather“ Paul Weller als treibende Kraft des Genres – wieder eine Renaissance erleben durften. Mit einem britischen Anstrich versehen und als Ausdruck eines Lebensgefühls. Natürlich wären für diese Musikrichtung auch noch andere Bands zu nennen, natürlich Suede und Pulp, aber auch zum Beispiel Manic Street Preachers, The Verve, Supergrass, Ocean Colour Scene, Ash, Kula Shaker, manche sagen ja auch Radiohead etc., doch insbesondere Blur und Oasis haben wahrscheinlich nicht nur bei mir diesen großen Eindruck hinterlassen, und das nicht nur wegen ihres kommerziellen Erfolgs damals. Welche(r) Tonträge(r) mit welchem/n Song(s) das dann genau ist/sind, da kann man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Der „Battle Of Britpop“ ist ja im Zuge der Veröffentlichung der beiden Singles – Blurs Country House aus dem Album The Great Escape und Oasis‘ Roll With It aus (What’s The Story) Morning Glory?, die beide 1995 erschienen – entstanden. Dabei hatten beide Gruppen schon vorher geniale Werke veröffentlicht. Blur legte mit Leisure 1991 allerdings noch ein kommerziell nicht sonderlich erfolgreiches und von der Kritik wenig begeistert aufgenommenes, zum Beispiel Shoegaze und Madchester-Sounds kombinierendes Debüt vor. Doch mit Modern Life Is Rubbish (1993) wurde der Britpop eindrucksvoll von den Londonern eingeleitet. Mit Parklife ein Jahr später setzten sie einen qualitativ hohen Standard, der die grundlegenden Zutaten des Genres pointiert und musikalisch kraftvoll zum Ausdruck brachte. Großartige Songs wie Girls & Boys, der Titelsong, End Of A Century oder This Is A Low, ich persönlich liebe auch Tracy Jacks! Die Kommentare zu den sozialpolitischen Verhältnissen in stark geschriebenen Texten, die vor allem mit viel Humor und Spaß glänzten. Dann die musikalische Offenheit gegenüber den verschiedensten Stilrichtungen (hier unter anderem Punk, Psychedelia, Synthie Pop und Walzer). Später ging das ja bei Blur auch nach dem Britpop weiter, mit großartigen Leistungen auf Alben wie auf Blur (1997), 13 (1999)  oder Think Tank (2003). Parklife habe ich damals von einem Freund auf CD geschenkt bekommen, zusammen mit Leisure und Modern Life Is Rubbish. Das hier besprochene Werk ist bei aller Wertschätzung des letztgenannten das einzige, was ich auch heute noch regelmäßig höre. Großartig! Apropos großartig, das sind auch noch immer die beiden ersten Alben von Oasis, die ebenfalls fantastische Texte (von Noel Gallagher) und vielseitige, im positiven Sinne großspurige Musik (aus unter anderem Punk, Psychedelia) boten. Definitely Maybe (1994) mit Hammer-Songs wie Supersonic oder Live Forever war das kommerziell erfolgreichste Debüt aller Zeiten in Großbritannien. Dem wurde nur ein Jahr später der nicht minder fantastische Nachfolger (What’s The Story) Morning Glory? hinzugefügt, mit diesen auch heute noch von allen zurecht angestimmten Hymnen wie Wonderwall oder Don’t Look Back In Anger! Ich persönlich schätze das Zweitwerk sogar noch mehr, habe es in den über 25 Jahren so unglaublich viel gehört. Ich erinnere mich auch, wie wir das Album im Party-Keller eines Freundes – jährlich zu dessen Geburtstag – aufgelegt und die Hymnen feierlich mitgesungen haben! So gut waren die Jungs aus Manchester um die so oft zerstrittenen Gallagher-Brüder danach nicht wieder! Doch Oasis und Blur haben mich mit ihren Genre-Werken gleichfalls begeistert, Britpop at its best, das nun wirklich keinen „Battle“ nötig hat!    

Beide Werke, Parklife und (What’s The Story) Morning Glory?           

Note: 1,0

https://www.blur.co.uk/

https://www.oasisinet.com/#!/home


Blur – Parklife


Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?

Squid – Bright Green Field

VÖ: 07.05.2021

Label: Warp

Genre: Post-Punk / Indie-/Alternative-/Math-/Kraut-Rock / New-Wave

Okay, ich stelle es von vornherein klar: dieses Debüt der Newcomer-Band Squid aus Brighton kommt hier keineswegs wegen einer möglichen miesen Qualität, seiner Mittelmäßigkeit oder sonstiger eher negativer Aspekte in die „Kontrovers“-Sparte! Ich sage es direkt: Bright Green Field ist auch in meinen Augen wahnsinnig gut und wird sicherlich in einigen Bestenlisten des Jahrgangs 2021 landen! Ich weise diesmal nur kurz darauf hin, dass es bei meinem Lieblings-Label Warp Records erscheint, einer Stätte für experimentelle und hochqualitative Musik – seit mehr als 15 Jahren eben auch außerhalb der ambitionierten Electronica! Passt halt darauf, mit dieser unwiderstehlichen, absolut bestechenden Mischung aus Punk, Rock und New-Wave! Produzent dieses Debüts war zudem Dan Carey, der schon einige der momentan angesagtesten und großartigen Post-Punk-Bands (u.a. Black Midi mit ihrem grandiosen 2019er-Erstling Schlagenheim, aber auch Fontaines D.C. mit ihren beiden Werken sowie viele andere auch „Genre-fremde“ Bands) in dieser Funktion erfolgreich begleitet hat. Das gibt dem Sound die unwiderstehliche Kraft und gleichzeitige Eleganz! Klar, in den Texten lassen sich einige sozialkritische Messages erkennen, die im (Post-)Punk nun wahrlich nicht ungewöhnlich sind. Doch es erstaunt, wie aufgeräumt und reflektiert Squid hier vorgehen, dabei ein pessimistisches Bild der Zukunft als Warnung aufzeigen und diesen Botschaften mit diesen experimentellen Sounds voller Überraschungen Ausdruck verleihen! Der Hype war im Vorfeld schon groß, doch hier scheint er auch letztlich vollends berechtigt! Die Wertungen der Kritiker/innen sind in der Mehrheit überaus positiv, wobei ich vor allem in den deutschen Musik-Magazinen noch Zurückhaltungen festgestellt habe – auch wenn das natürlich eher Meckern auf hohem Niveau ist! Ich finde Bright Green Field wie gesagt schon jetzt fantastisch! Was sagt ihr? Bin mal gespannt, was ihr dazu sagt!

Note: 1,7 (vorerst)

https://squidband.uk/   

     

Gorillaz – Gorillaz

VÖ: 26.03.2001

Label: Virgin

Genre: (Electro-/Art-/Indie-)Pop / (Alternative-/Punk-)Rock / Hip-Hop

Sie gehört zu meinen Lieblingsbands, die Brit-Pop-Band Blur. Natürlich möchte ich den Anteil von Graham Coxon, Alex James und Dave Rowntree am künstlerischen als auch kommerziellen Erfolg der Formation nicht kleinreden, aber betrachtet nur einmal die Geschichte und die damit zusammenhängenden weiteren Erfolge anderer Musikgruppen, an denen er beteiligt war, dann stellt sich auf keinen Fall die Frage, wer hier auf jeden Fall eine treibende Kraft dahinter dargestellt hat. Dieser 1968 in London geborene Herr kann mit Recht als eine der auch heute noch künstlerisch aktivsten und vielseitig versiertesten Persönlichkeiten im Musik-Business angesehen werden: Damon Albarn. Man schaue sich nur mal die Bands und Projekte an, in denen er neben den großartigen Blur musiziert (hat) bzw. er beteiligt war/ist: The Good, The Bad & The Queen, Rocket Juice & The Moon, DRC Music, The Heavy Seas, sein Solo-Album (Everyday Robots von 2014), natürlich seine Arbeiten an Mali Music (2002), seine Organisationen (Africa Express z.B.), seine Soundtrack-Arbeiten, seine Oper Monkey: Journey To The West (2008), seine unzähligen Kollaborationen darüber hinaus (Massive Attack, The Strokes usw.) und und und…Zudem darf natürlich jene Band nicht vergessen werden, die neben Blur ebenfalls zu Albarns künstlerisch und kommerziell erfolgreichsten Formationen gehört: die Gorillaz. Sie wurde schon 1998 von ihm zusammen mit Jamie Hewlett (unter anderem Miterfinder der Comics um Tank Girl) gegründet. Somit zu einer Zeit, kurz nachdem Blur gerade Erfolge mit ihrem selbstbetitelten Album und vor allem der Single Song 2 gefeiert und sich erfolgreich vom Brit-Pop emanzipiert hatten. Mit der neuen Band ging es noch weiter weg vom Sound alter Tage, vor allem mit einer neuen visuellen Erscheinung. Denn handelte sich um eine aus vier animierten Figuren (repräsentativ für Albarn, Hewlett, Del Tha Funky Homosapien und Miho Hatori) bestehende Gruppe, die fortan einen wahrlich mannigfaltigen Soundmix zusammen mit verschiedensten namhaften Gästen (u.a. Ibrahim Ferrer, Dan The Automator) präsentieren sollte, der unter anderem unterschiedlichste Pop- und Rock-Richtungen, Hip-Hop, Electronica, Funk sowie verschiedene World Music-Elemente umfasste. Im Jahr 2001 wurde dies effektiv und für mich unvergesslich umgesetzt, nämlich auf dem selbstbetitelten Debüt! Wer erinnert sich nicht an die unvergleichlichen, von Jamie Hewlett (zum größten Teil in Zusammenarbeit mit Pete Candeland) gedrehten Videos zu den allesamt fabelhaften Singles Clint Eastwood, 19-2000, Rock The House und Tomorrow Comes Today? Ich habe sie erstmals klassisch im Musik-Fernsehen (VIVA, VIVA Zwei, MTV) gesehen und war sofort fasziniert! Was für fantastische, einige Ohrwürmer bereitende Klänge, die auch 20 Jahre nach Entstehung nichts von ihrer Zugkraft verloren haben. Die beiden direkten Nachfolger des Debüts – Demon Days (2005, mit der Super-Single Feel Good Inc.) und vor allem Plastic Beach (2010) –  haben mir ebenfalls unheimlich gut gefallen, doch das Original wird meiner Meinung nach nicht geschlagen. Neben Blur gehören auch die Gorillaz seitdem auf jeden Fall zu meinen All Time-Lieblingsbands!

P.S.: Ich hatte lange Zeit einen Klingelton von Rock The House. Eines Tages hatte ich vergessen das Handy auf „lautlos“ zu stellen und es ging während einer Vorlesung an der Uni los. Ein Kommilitone pfiff daraufhin sofort die Melodie mit. Spricht für die Beliebtheit und die Ohrwurm-Qualität der Gorillaz, oder?

Note: 1,3

https://www.gorillaz.com/    

     

Green Day – American Idiot

VÖ: 27.09.2004

Label: Reprise

Genre: Punk-/Alternative-Rock    

Da sind die US-Wahlen erst ein paar Tage her, da fiel mir ein, dass es da doch mal eine Band gab, die einen Grund sah, ein deutliches Statement zum damals aktuellen sozialpolitischen Geschehen abzugeben. Sie zeigten sich überaus kritisch gegenüber bzw. positionierten sich eindeutig gegen den US-Präsidenten dieser Zeit, George W. Bush. Es war ja bis zu den US-Wahlen 2004 einiges in dessen Amtszeit passiert, insbesondere natürlich der Irakkrieg 2003 und die Terroranschläge am 11. September 2001. Zu den Reaktionen, den Maßnahmen und den Äußerungen der Regierungsverantwortlichen auf die verschiedenen einschneidenden Ereignisse gab es genug zu kommentieren, vor allem dachten Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool an die junge Generation, die mit den Traumata und mit den Maßnahmen und den Folgen umzugehen hat (z.B. jene, die als Soldaten nach Irak oder auch Afghanistan geschickt wurden). Vor allem wurde thematisiert, dass die Regierung bewusst eine Atmosphäre der Angst schaffen und bewusst Lügen verbreiten würde, um in diesem Zusammenhang die folgenden politischen Schritte zu legitimieren.  Zu diesen Themen produzierten Green Day ein Konzept-Album, eine Rock-Oper, die die Geschichte des Jesus Of Suburbia erzählt, ein aus der unteren Gesellschaftsschicht stammender, von Frontmann Armstrong erdachter Charakter, sowie eines Widerstandkämpfers namens St. Jimmy und ein ebenfalls rebellischer Whatsername. Zwar gibt es natürlich Bezüge auf das damalige Politgeschehen – den Zustand der US-Gesellschaft und der Bush-Regierung –, doch so wirklich als politisch wurde das Werk American Idiot gar nicht gesehen, bis auf den vielsagenden Titelsong und Holiday. War diese Band es vorher überhaupt, trotz dieser den Kaliforniern immanenten Punk-Attitüde? Zumindest hatte ich persönlich nicht damit gerechnet, dass ein Album mit sozio-politischen Messages und – no offence! – solch hintergründigen Texten von ihnen erscheint. Zumindest war es so, dass ich den Werken von Green Day nach dem genialen Dookie (1994) – mit diesen fantastischen Kompositionen wie Basket Case, When I Come Around und Longview – selbst nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkte. Es waren ja durchaus gute Alben – Insomniac (1995), Nimrod (1997) und Warning (2000), die allesamt interessante Songs aufboten, z.B. Brain Stew / Jaded, Good Riddance (Time Of Your Life) oder Warning –, die Kritiker/innen waren größtenteils begeistert, doch ich selbst fand nicht den Zugang. Der kommerzielle Erfolg hielt sich ohnehin in Grenzen. Das sollte sich mit American Idiot ändern, im Sommer 2004 hörte ich den besagten Punk-Rock-Titelsong und war sehr angetan, auch heute noch halte ich ihn für einen der besten Vertreter der 2000er Jahre.  Doch ich rechnete wirklich nicht damit, dass das dann ein Monat später veröffentlichte zugehörige Album so großartig werden würde. Grandiose Songs, die in mehrere Abschnitte unterteilt und sehr vielseitig sowie unglaublich offen gegenüber den verschiedensten Genres außerhalb des Punk-/Alternative-Rock angelegt sind (sogar u.a. Lateinamerikanische Musikstile und Polka). Was für Kompositionen, egal ob Jesus Of Suburbia, Holiday / Boulevard Of Broken Dreams, Wake Me Up When September Ends oder Homecoming.  Bis heute gehört das Werk zu meinen Lieblingen. Ich persönlich kann mich auch mit den Texten und den Messages identifizieren. Ich belasse es jetzt mal bei dieser politischen Stellungnahme und ziehe keine Parallelen zur Gegenwart. Ich finde es nur irgendwie passend, dass 2016 das Video zum Song American Idiot in Dauer-Rotation auf VIVA lief. So gut wie auf American Idiot war Green Day danach nicht mehr, war ja auch alles nicht mehr so ambitioniert. Trotzdem, für dieses Werk und Dookie werde ich den US-Amerikanern wohl auf ewig dankbar sein!

Note: 1,7

https://greenday.com/

 

Future Islands – As Long As You Are

VÖ: 09.10.2020

Label: 4AD

Genre: Synthie-/Indie-Pop / Alternative-Rock

Ich habe letztens im Freundeskreis noch einmal den mittlerweile schon äußerst bekannten Live-Auftritt der Future Islands bei David Letterman im Jahre 2014 gesehen. Die US-Amerikaner performten damals den Song Seasons (Waiting On You). Zu der Melodie bot Sänger Samuel Herring einige Dance-Moves, die in ihrer Spezialität einfach beeindruckend waren und der scheinbaren Verzweiflung über die Liebe, die er in dem Text vermittelt, noch mehr Ausdruck verlieh. Da kam ja dann noch der Gesang dazu, den der Frontmann zwischendrin gar in Richtung Growling im Death Metal-Stil tendieren ließ. Großartiger Auftritt, der nicht nur David Letterman sichtlich imponierte, sondern auch dafür sorgte, dass er zu den meistgesehenen Live-Videos der entsprechenden Late Night Show-YouTube-Seite wurde. Die Kritiker/innen waren ebenfalls begeistert, der Song wurde mehrfach in den Fachmagazinen und -portalen zu dem besten des Jahres 2014 und auch der letzten Dekade gewählt. Das entsprechende Album Singles ist ebenfalls richtig gut, bietet es doch eben jene gefühl- und sehnsuchtsvollen, vermehrt im Synthie-/Indie-Pop zu verortenden Melodien mit reflektierten Texten über Liebe und ihre verschiedenen Ausdrucks- und Erscheinungsformen. Der Nachfolger The Far Field (2017) konnte nicht nur mich erneut überzeugen, da nicht krampfhaft versucht wurde, die Geheim- und Erfolgsformel des Vorgängers zu kopieren, sondern neue Facetten im Sound aufgeboten wurden. Aufmerksames Hören ist geboten, auch bei dem neuen Werk As Long As You Are. Denn auch wenn sich die Unterschiede zu The Far Field vielleicht nicht aufdrängen sollten, sind sie in musikalischer Hinsicht schon da. Es gibt wieder die Auseinandersetzung mit der Liebe, doch immer mit verschiedenen Sichtweisen darauf und Beschäftigungen mit einhergehenden Fragen. Bleibt halt irgendwie weiterhin spannend. Genauso schaffen es die Future Islands den Kitsch geschickt zu umfahren. Ich mag As Long As You Are auf jeden Fall jetzt schon, gebe dem Album aber auch die nötige Zeit!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

https://future-islands.com/

 

Biffy Clyro – A Celebration Of Endings  

VÖ: 14.08.2020

Label: Warner

Genre: Alternative-Rock

Ich habe es ja an dieser Stelle schon einmal erwähnt, dass ich ein zwiegespaltenes Verhältnis zum Alternative-Rock und Nu-Metal der 1990er/2000er Jahre habe. Zum einen habe ich damals natürlich viel gekauft, einiges gefällt mir aus heutiger Sicht noch ganz gut, manches eher wenig bis gar nicht. Dann gab es unzählige Bands dieser Genres, die mich schon damals eher wenig interessiert haben. Doch es finden sich darunter ebenso ein paar Vertreter, die ich später entdeckt habe. Es ist halt die Frage, inwiefern man sich neuen Richtungen geöffnet hat, denn vor allem Nu-Metal hatte dann irgendwann im Verlauf der 2000er Jahre einiges an Bedeutung verloren. Für manche der Formationen – ich nenne bewusst keine Namen – schäme ich mich etwas. Allerdings: der Erstling von Linkin Park – Hybrid Theory – sagt mir nach wie vor zu. Beim Alternative-Rock der 2000er Jahre habe ich ebenfalls ein paar Bands gemocht, bei denen ich die teilweise negativen Kritiken nicht immer nachvollziehen konnte. Dann gibt es die Formationen, die generell gut aufgenommen wurden. Da gehört sicherlich auch Biffy Clyro dazu, das Trio aus Schottland. Auf ihren Werken wurden immer interessante Ausflüge in andere Bereiche der Rock-Spielarten wie Emo, Hardcore, Grunge, Progressive- oder Experimental-Rock unternommen. Gerade die Werke der Frühzeit, aber auch diejenigen der späten 2000er Jahre haben mir sehr bis ziemlich gut gefallen. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurde Biffy Clyro für mich weniger interessant, wobei die Kritiken weiterhin ziemlich positiv ausfielen (okay, bei dem 2016er Ellipsis war es etwas schwieriger). So verhält es sich ja nun auch bei A Celebration Of Endings, was ich – soviel sei jetzt verraten – ich nun aber überhaupt nicht verstehen kann. Obwohl: der Einstiegssong North Of No South ist super gelungen. Auch das nachfolgende The Champ hat was.  Doch der Rest: der ist für mich zum größten Teil wenig interessant. Textlich – obwohl mit gesellschaftskritischen Kommentaren (und der Aufforderungen positiv zu bleiben) recht ambitioniert – leider oft belanglos und von der Musik irgendwie in den 1990er Jahren steckengeblieben. Die Balladen haben mich nicht gepackt und diese größtenteils präsentierte Mischung aus Pop-Punk und Alternative-Rock – die früher oft auf Soundtracks zu „leichten“ High School-Komödien zu finden war – ist damals natürlich der Hit gewesen, doch heute ist das irgendwie nicht wirklich mehr interessant. Oder irre ich mich da? Was ist eure Meinung zu dem Album? Auf eure Reaktionen bin ich sehr gespannt!

Note: 3,3    

https://www.biffyclyro.com/

 

Red Hot Chili Peppers – Californication

VÖ: 08.06.1999

Label: Warner

Genre: Alternative-/Funk-Rock

Es ist schon immer wieder schön zu merken, wie sehr Erinnerungen mit bestimmter Musik verbunden sind. Erst letztens habe ich in einer alten CD-Sammlung im Haus meiner Mutter gestöbert und einige Klassiker entdeckt. Da empfand ich schon ein bisschen Wehmut und auch Trauer, da sie meinem Vater gehörten, der – wie ich ja an dieser Stelle schon öfter erwähnt habe – mich musikalisch sehr geprägt hat. Er war den verschiedensten Genres gegenüber aufgeschlossen, neben Progressive Rock (im Stil von Van der Graaf Generator, Yes oder die „frühen“ Genesis) und generell „Classic“-Rock (à la Led Zeppelin, Black Sabbath, Pink Floyd, Deep Purple etc.) sowie verschiedenen Formen des Jazz (u.a. Miles Davis, Herbie Hancock, Jaco Pastorius) auch eher Selteneres und „Obskures“ als auch eben viele „neuere“ Strömungen, d.h. in dem Fall Bands der 1990er und frühen 2000er Jahre. Neben Electro/Ambient (The Chemical Brothers, The Prodigy, Moby etc.) vor allem auch unterschiedliche Rock- und Metal-Stile (z.B. Pearl Jam oder Rammstein, mit denen er die Nachbarn zu deren „Freude“ oft beschallte). Darunter fanden sich auch die Red Hot Chili Peppers und ihr (später kommerziell unglaublich erfolgreiches) Werk Californication. Mit diesem Album verbinde ich zudem eine weitere Erinnerung: den Kunst-Unterricht in der 10. Klasse. Damals hatten ein Freund von mir sowie weitere Klassenkameraden immer die neuesten Alben der Zeit, die dann gehört wurden, während wir im Kunst-Raum zeichneten, bastelten oder was auch immer machten. Der Lehrer, jetzt aus meiner Erinnerung heraus kein unbedingter Fan, ließ uns aber diese Freude. Dieser Freund (übrigens derselbe, den ich in der The Naked And Famous-Review erwähnte) hatte eines Tages eben jenes Californication dabei. Ich selbst war zu der Zeit noch nicht so ganz entschlossen, was das Musikalische anging, ich hörte viel aus den Charts und aus dem Radio (von 1 Live etc.). Doch es gab immer mal wieder einen Hoffnungsschimmer am Horizont bei mir, immer wieder wurde ich von bestimmter Musik gepackt, neben sowas wie Rage Against The Machine waren es eben jene Red Hot Chili Peppers, die ich vergötterte. Ich mochte ihr Meisterwerk Blood Sugar Sex Magik (1991) mit diesen unglaublichen Hymnen wie Under The Bridge oder Give It Away schon damals, auch das von Fans und Kritikern weniger geliebte One Hot Minute (1995) schätzte ich dank Aeroplane sehr. Doch richtig verliebt war ich in die Musik erst seit Californication, schon ab dem Moment, als die Klänge erstmals im Kunst-Unterricht ertönten. Was für Riesen-Songs darauf versammelt sind! Da wären zunächst die sechs unnachahmlichen Singles des Albums: natürlich Scar Tissue, Around The World (die das Werk großartig einleitet), Otherside, der geniale Titelsong, das wundervoll-introvertierte Road Trippin und Parallel Universe. Aber da sind ja noch die anderen Kompositionen wie das mitreißende Purple Stain, das stimmungsvolle Savior oder das kraftvolle I Like Dirt, ach das ist alles wunderbar. Diese Melodien! Nicht zu vergessen, die Themen, die hier wirkungsvoll und erstaunlich selbstreflektiert verarbeitet werden. Da wären zum einen sehr persönliche Angelegenheiten, wie die jahrelange Drogensucht aller Mitglieder sowie verschiedene Bezugnahmen auf sexuelle Angelegenheiten und auch auf die wechselhaften Momente der Karriere. Doch auch Tod, Selbstmord und gesellschaftspolitische Entwicklungen werden in den Fokus genommen (z.B. Globalisierung oder übertriebener Schönheitswahn). Überhaupt, sind die Leistungen aller Mitglieder hier lobend hervorzuheben. Vor allem Rückkehrer John Frusciante (der Dave Navarro ersetzte) erfüllte die Hoffnung der Band auf eine kreative Fortentwicklung im Sound mit unglaublich (ausdrucks-)starkem Gitarrenperformances. Diese Leistungen aller beteiligten Musiker/innen am Album wurden kongenial eingefangen von Stamm-Produzent Rick Rubin (seit Blood Sugar Sex Magik für sie tätig, erst 2016, auf The Getaway, wurde von den Red Hot Chili Peppers ein Anderer beauftragt, nämlich Danger Mouse)*. Die nachfolgenden Alben konnten da nicht mehr das Wasser reichen, auch wenn ich By The Way (2002) fantastisch finde. Blood Sugar Sex Magik ist vielleicht im Band- und im pophistorischen Kontext das wichtigere Werk, aber rein aus subjektiven Gesichtspunkten, insbesondere wegen der anfangs erwähnten persönlichen Erinnerungen, hat Californication einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen.

* Es gibt allerdings nicht wenige Menschen, die das Album wegen der schlechten Soundqualität, der Übersteuerungen, kritisieren. So soll das Online-Magazin es als „Opfer des Loudness War“ bezeichnet haben (es gab wohl auch eine Petition für eine Überarbeitung laut Wikipedia). Kann sein, stört mich persönlich aber nicht 😊

Note: 1,3

https://redhotchilipeppers.com/

 

Fontaines D.C. – A Hero’s Death

VÖ: 31.07.2020

Label: Partisan

Genre: Post-Punk / Indie-/Alternative-Rock

Ich überlege mir mal etwas für die Struktur von hicemusic, so dass mir nicht mehr so viele tolle Alben entgehen, ist auf jeden Fall mal eine Idee. Denn bei einer entsprechenden Maßnahme wäre mir – obwohl ich die Songs kannte und sie wirklich toll fand – bestimmt nicht das letztjährige Debüt Dogrel des irischen Quintetts Fontaines D.C. entgangen. Ja gut, ich versuche ja da immer eine gewisse Einsicht zu entwickeln, indem ich dann zumindest dem Nachfolger eines tollen Werks ein Ohr leihe. Im Fall von dieser Band kann ich nur sagen: zum Glück! Aber bevor ich zu A Hero’s Death komme, noch einmal kurz ein paar Infos zu dieser Formation um Leadsänger Grian Chattens. Ende der letzten Dekade – als einige Post-Punk-Bands in Großbritannien und Umgebung angesichts der gesellschaftspolitischen Ereignisse zu der Zeit – es gab genug, wogegen man sich erheben konnte, zum Beispiel im Zuge des Brexit – wohl nicht zufällig aufkamen  -, gründeten sich in Dublin die Fontaines D.C. Anfangs sollen die fünf Mitglieder – die sich während des Musikstudiums kennengelernt haben – noch The Strokes-Songs gecovert haben, doch später veröffentlichten sie einige, am Anfang dieser Rezension erwähnte Post-Punk-Songs, von denen einige auf dem besagten Debüt Dogrel landen (es fanden sich darauf alleine 7 Singles!). Die Kritiker waren begeistert, es gab Preise und es ging mit den Labelkollegen Idles und mit Shame auf Tour. Jetzt ist der Nachfolger A Hero’s Death schon da! Darauf wird hörbar der Sound erweitert, es gibt neben rohen und aggressiven Tönen auch ruhigere zu hören. Generell scheint man etwas ernster geworden zu sein und sich etwas zurückgenommen zu haben, es wird beispielsweise über Einsamkeit und Isolation gesungen. Andererseits werden positive Messages verkündet und gerade zu dazu aufgerufen, optimistisch in die Zukunft zu schauen. So unterschiedlich und vielseitig wie die Stimmungen sind die musikalischen Elemente. Ein fantastisches Werk, das niveautechnisch in der gleichen hohen Liga spielt wie Dogrel, welches ich mittlerweile glücklicherweise auch aufmerksamer gehört habe!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://www.fontainesdc.com

 

Einstürzende Neubauten – Alles in allem

VÖ: 15.05.2020

Label: Potomak

Genre: Avant-/Alternative-Rock/-Pop / Industrial

Mit der Musik der Einstürzenden Neubauten kam ich damals – wie sollte es anders sein – erstmals durch meinen Vater in Kontakt. Er war stets an Sounds interessiert, die sich auf experimentelle Umwege begeben, die den konventionellen Strukturen entsagen. Klar, da waren eben so Sachen dabei wie The Residents, einige Kraut- und Progressive-Rock-Bands im Stile von Popol Vuh oder Van der Graaf Generator sowie auch frühe experimentelle Elektronik von Formationen wie White Noise. Die Avantgarde-/Industrial-Klänge der Einstürzenden Neubauten um den einzigartigen Blixa Bargeld – der ja auch, und das wird man sicherlich nicht vergessen haben, ein Gründungsmitglied von Nick Caves Bad Seeds ist – übten ebenfalls von vornherein eine Sogwirkung auf mich aus. Ist ja auch ganz individuell. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir fallen nicht so schnell Bands ein, die wirklich gleich gelagerte Musik produzieren. Seit 1980 sind die Einstürzenden Neubauten aktiv und haben fantastische Alben wie Kollaps (1981), Halber Mensch (1985) oder Haus der Lüge (1989) produziert. Ich mag auch die 2000er-Werke wie Silence Is Sexy (2000) oder Perpetuum Mobile (2004). Im letzten Jahrzehnt gab es ja noch Lament (2014), auf dem man sich ziemlich ausdrucksstark mit dem Thema Erster Weltkrieg auseinandersetzte. Auf dem neuen Werk Alles In Allem spielt die Bundeshauptstadt eine wesentliche Rolle, denn Bargeld stellt vor allem seine Erinnerungen an seine Zeit dort aber auch generell die Geschichte Berlins in den Vordergrund, was er in wirklich beeindruckenden Texten festhält. Die Songs sind zudem einzigartig instrumentiert und weisen erneut diesen individuellen Stil des Quintetts auf. Die Einstürzenden Neubauten sind auch im 40. Jahr ihres Bestehens relevant und haben den Sprung ins neue Jahrzehnt eindrucksvoll geschafft, das steht fest!

Note: 2,0

https://neubauten.org/

 

Morrissey – I Am Not A Dog On A Chain

VÖ: 20.03.2020

Label: BMG

Genre: (Alternative-/Indie-)Rock

Okay, vor knapp zweieinhalb Jahren, zu Erscheinen der vorletzten Platte Low In High School, habe ich diese zwar in die Sparte „Kontrovers“ aufgenommen, aber ich konnte der Musik doch mehr Positives als Negatives abgewinnen – auch wenn sie qualitativ natürlich weit entfernt von Morrisseys Großtaten entfernt lag. Schon damals wollte ich mich allerdings nicht unbedingt gerne zu den sozialpolitischen Ansichten des Ex-The Smiths-Sängers äußern, da sie – nun ja – nicht wirklich immer so leicht zu verdauen sind. Manchmal wird es wirklich richtig schwer, da fühlt man sich an Aussagen einer bei uns – bestimmt nicht nur in meinen Augen verständlicherweise – äußerst umstrittenen rechten Partei erinnert. Da ich ein Mensch bin, der oft auf Harmonie bedacht ist (erklärt vielleicht die vermehrt positiven Bewertungen auf diesem Blog) habe ich ja damals noch hinterfragt, ob Morrissey nicht vielleicht doch viele Themen dieser Zeit  mit Ironie und vor allem reflektiert angeht. Denn auf Low In High School hat einer der – das darf man ja irgendwie auch nicht vergessen – versiertesten Songwriter in der Historie der Popmusik ja schon ein paar gute Texte, z.B.  über Konflikte und das damit verbundene Leid der Bevölkerung, präsentiert. Also, ich war noch eher positiv. Doch dann: dieses neue Album! Ich sag es direkt: ich finde es echt nicht gut! Morrissey inszeniert sich als missverstandenes Opfer der Medien, gibt allerhand Plattitüden von sich. Die Texte sind leider oft schlicht und des „Mozzer“ nicht würdig, gerade wenn man an dessen ruhmreichen Zeiten zurückdenkt. Wenn er sein Selbstbewusstsein und sein Kämpferwillen hervorheben möchte, braucht es dann wirklich jene Zeilen aus dem Titelsong I Am Not A Dog On A Chain? Oft wollen auch die Instrumentierungen für mich nicht richtig zusammenpassen (z.B. wirken die Synthies irgendwie deplatziert). Ich muss zugeben: ein paar Songs zum Ende der Platte hin klingen nicht ganz so katastrophal. Aber, es wirkt alles so inkohärent und wenig zeitgemäß. Natürlich frage ich mich, ob ich irgendwas auch nicht verstanden habe, aber wenn man das Album mehrmals hört und sich vermehrt aufregt, so kann das doch kein gutes Zeichen sein, oder?

Note: 4,0

https://www.morrisseyofficial.com/

 

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