Kings Of Convenience – Peace Or Love

VÖ: 18.06.2021

Label: EMI

Genre: Indie-Folk /-Pop

Die Jahre von 2001 bis ca. 2005 waren für mich (auch) in musikalischer von sehr großer Bedeutung, was ich ja an dieser Stelle schon das ein oder andere Mal geschrieben habe. Es war eben jene Zeit, in der ich zumindest zu großen Teilen die Charts-Hits langweiliger fand und einige im Radio (dort dann eher im Abendprogramm) eher seltener zu vernehmende Klänge entdeckte. Das waren natürlich zuvorderst die Formationen der neuen damaligen Indie-/Garage-Rock/Post-Punk-Welle (z.B. die ganzen „The“-Bands: The Strokes, The White Stripes), Electronica, einige „Klassiker“ (z.B. durch meinen Vater, der mir unter anderem Progressive Rock näherbrachte) und so vieles mehr. So Ende 2001 / Anfang 2002 lernte ich auch die Norweger Röyksopp kennen, auf deren fantastischen Debüt Melody A.M. ein gewisser Erlend Øye zu hören war (auf Remind Me und Poor Leno). Mir entging damals jedoch komplett die Musik seiner Band Kings Of Convenience und deren wundervolles Erstwerk Quiet Is The New Loud (2001), das so gefühlvolle, introvertierte Indie-Pop und -Folk-Songs bot. Der Albumtitel wurde gar als Slogan verwendet und stellte eine Art Gegenbewegung zu den oben genannten Indie-/Garage-Rock/Post-Punk-Bands dar. Formationen wie die Turin Brakes oder Badly Drawn Boy, ja sogar Belle & Sebastian wurden hier zugerechnet.  Ich habe die Kings Of Convenience dann erst richtig im Zusammenhang mit dem Nachfolger Riot To An Empty Street (2004) mit Gästen wie der tollen kanadischen Sängerin Feist zu schätzen gelernt (und in dem Zuge mich dem Vorgänger gewidmet). Songs wie I’d Rather Dance With You beweisen ja, dass „Quiet Is The New Loud“ nicht gleichbedeutend mit ausnahmslos ruhigen Songs ist. Schon auf besagtem Debüt waren Alternative Rock-Elemente zu hören. 12 Jahre (!) nach dem dritten Album Declaration Of Dependence sind die beiden Norweger – Erlend Øye und sein Co Eirik Glambek Bøe –  zurück mit Peace Or Love. Es ist vieles wie früher, unter anderem ist Feist wieder dabei. Ich bemühe den Vergleich oft, wenn ich mit etwas Nostalgischem in Berührung komme: es ist so wie eine geliebte Person nach vielen Jahren wieder zu treffen. Man weiß, es sind einige Jahre ins Land gezogen, alles ist vertraut, doch letztlich ist die Begegnung wieder eines – richtig schön! Man versteht sich doch irgendwie noch, oder? Ich mag das Viertwerk, es sind schöne introvertierte und gefühlvolle Songs über Themen wie Liebe, Kummer und das Relaxen. Genau der Folk wird repräsentiert, den ich schätze! Die Kritiker sind da unterschiedlicher Meinung. Daher würde ich gerne von euch wissen: wie findet ihr Peace Or Love? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 2,3

https://kingsofconvenience.eu/#!     

Fortuna Ehrenfeld – Die Rückkehr zur Normalität

VÖ: 04.06.2021

Label: tonproduktion

Genre: (Indie-)Pop

Ich habe ja an dieser Stelle schon öfter über den deutschsprachigen Pop geschrieben und wie ich ihn im Allgemeinen einschätze. Gerade die Präsentation im Radio, wie dieser dort für gewöhnlich interpretiert wird, wie die Texte als lebensnah oder „echt“ beschrieben werden, auch wenn es in meinen Augen nicht immer zutreffend ist, darüber habe ich allzu häufig etwas bei hicemusic ausgeführt. Ich muss allerdings in diesem Zusammenhang klarstellen, dass meine Ansichten in der Mehrheit in dieser Hinsicht nicht negativ sind. Denn der deutschsprachige Pop hat jene Bands zu bieten, die eine Vielfältigkeit, eine Stilsicherheit und Authentizität an den Tag legen, aber wem sage ich das? Eine dieser Formationen, die ich sehr schätze, sind die Kölner um Frontmann Martin Bechler – Fortuna Ehrenfeld. Denn neben dem Humor und der Ironie, die sich nicht nur in einigen der Song- und Albentitel ausdrücken, wird eine Hintergründigkeit in der Auseinandersetzung mit alltäglichen Themen in den Texten deutlich, die über die von Jan Böhmermann (als Jim Pandzko) einst so gut auf den Punkt gebrachten Komplexe Menschen Leben Tanzen Welt hinausgehen bzw. diese etwas reflektierter und komplexer ausgestalten. Zudem ist im Bezug auf die Musik zu sagen, dass Fortuna Ehrenfeld immer wieder neue Ansätze und Musikrichtungen entwickeln und einfließen lassen. Auf dem neuen Album Die Rückkehr zur Normalität werden beispielsweise Electro-Elemente eingearbeitet, die unter anderem 1990er-Techno-Flair aufweisen. Nicht ganz ohne Zufall, denn das Feiern und die Ausgelassenheit wird herbeigesehnt. So ist der Albumtitel angesichts der derzeitigen Situation wohl auch erklärbar. Das Ende der Corona-Zeit als zentrales Ziel, zum Beispiel mit fröhlich skandierten „Sha-la-la-la“ (in Anleitung zum Sha-la-la)!) oder „Lo-lo-lo-lo (…)“ (im besten Song der Platte, Die panamoralische Liebe). Es soll zumindest Mut gespendet werden. Dies gelingt in der Gesamtheit wirklich gut, ein gleichzeitig unterhaltsames Album, das man gerade jetzt bestimmt ausgezeichnet hören kann!

Note: 2,3

http://antispecht.de/fortuna/  

                      

Sophia Kennedy – Monsters

VÖ: 07.05.2021

Label: City Slang

Genre: Indie-Pop / Hip-Hop / Electronica / Jazz

Die in Hamburg lebende US-Amerikanerin Sophia Kennedy kommt aus einem künstlerischen, musikalisch kreativen und mannigfaltigen Umfeld. Denn ihre Arbeiten der 31-Jährigen, die zunächst Film studieren wollte, sind unter anderem auf dem von Stefan Kozalla alias DJ Koze mitgegründeten, in vielen Genres verorteten Label Pampa Records zu finden. Das kann doch irgendwie nur spannend werden! Denn genauso wie besagter DJ Koze pflegt Kennedy eine individuellen, stets nach neuen Klängen forschenden Ansatz, der irgendwie eine gut ausgewogene Mischung aus Eingängigkeit und Experiment erschafft. Die Zusammenarbeiten geben da eine Richtung vor: u.a. mit Erobique (für ihre erste Single Angel Lagoon im Jahr 2013), DJ Koze (auf dessen großartigen 2018er-Album Knock Knock) sowie Stella Sommer (auf Man weiß es nicht genau, 2019). Nicht zu vergessen ist ihre mit Helena Ratka gegründete, vor allem in Bereich von Electronica-/Disco musikzierende Band Shari Vari. Mit Mense Reents (Die Goldenen Zitronen) nahm sie dann 2017 ihr selbstbetiteltes, von mir leider sehr spät entdecktes Solo-Debüt auf, das Pop-Musik aus mehreren Perspektiven interpretierte und mit ausgeklügeltem Songwriting glänzte. Vor allem legte Kennedy einen großen Wert darauf, ihrer Stimme einen großen Raum zu geben und in vielseitig angelegte Instrumental-Arrangements zu betten. Klappte perfekt! Auf dem nun erscheinenden Nachfolger Monsters wird diese Mischung aus Pop mit verschiedensten anderen Stilrichtungen weiter verfeinert und großartig ausgearbeitet. Stimmungstechnisch ist das ebenso vielseitig ausgelegt, was innerhalb der Stücke durchaus variieren kann, von euphorisch zu düsteren Momenten ist alles möglich! Eingängigkeit meets Experiment eben! Wunderbares Album voller Überraschungen!

Note: 2,0   

https://www.sophiakennedy.com/ 

                          

Gorillaz – Gorillaz

VÖ: 26.03.2001

Label: Virgin

Genre: (Electro-/Art-/Indie-)Pop / (Alternative-/Punk-)Rock / Hip-Hop

Sie gehört zu meinen Lieblingsbands, die Brit-Pop-Band Blur. Natürlich möchte ich den Anteil von Graham Coxon, Alex James und Dave Rowntree am künstlerischen als auch kommerziellen Erfolg der Formation nicht kleinreden, aber betrachtet nur einmal die Geschichte und die damit zusammenhängenden weiteren Erfolge anderer Musikgruppen, an denen er beteiligt war, dann stellt sich auf keinen Fall die Frage, wer hier auf jeden Fall eine treibende Kraft dahinter dargestellt hat. Dieser 1968 in London geborene Herr kann mit Recht als eine der auch heute noch künstlerisch aktivsten und vielseitig versiertesten Persönlichkeiten im Musik-Business angesehen werden: Damon Albarn. Man schaue sich nur mal die Bands und Projekte an, in denen er neben den großartigen Blur musiziert (hat) bzw. er beteiligt war/ist: The Good, The Bad & The Queen, Rocket Juice & The Moon, DRC Music, The Heavy Seas, sein Solo-Album (Everyday Robots von 2014), natürlich seine Arbeiten an Mali Music (2002), seine Organisationen (Africa Express z.B.), seine Soundtrack-Arbeiten, seine Oper Monkey: Journey To The West (2008), seine unzähligen Kollaborationen darüber hinaus (Massive Attack, The Strokes usw.) und und und…Zudem darf natürlich jene Band nicht vergessen werden, die neben Blur ebenfalls zu Albarns künstlerisch und kommerziell erfolgreichsten Formationen gehört: die Gorillaz. Sie wurde schon 1998 von ihm zusammen mit Jamie Hewlett (unter anderem Miterfinder der Comics um Tank Girl) gegründet. Somit zu einer Zeit, kurz nachdem Blur gerade Erfolge mit ihrem selbstbetitelten Album und vor allem der Single Song 2 gefeiert und sich erfolgreich vom Brit-Pop emanzipiert hatten. Mit der neuen Band ging es noch weiter weg vom Sound alter Tage, vor allem mit einer neuen visuellen Erscheinung. Denn handelte sich um eine aus vier animierten Figuren (repräsentativ für Albarn, Hewlett, Del Tha Funky Homosapien und Miho Hatori) bestehende Gruppe, die fortan einen wahrlich mannigfaltigen Soundmix zusammen mit verschiedensten namhaften Gästen (u.a. Ibrahim Ferrer, Dan The Automator) präsentieren sollte, der unter anderem unterschiedlichste Pop- und Rock-Richtungen, Hip-Hop, Electronica, Funk sowie verschiedene World Music-Elemente umfasste. Im Jahr 2001 wurde dies effektiv und für mich unvergesslich umgesetzt, nämlich auf dem selbstbetitelten Debüt! Wer erinnert sich nicht an die unvergleichlichen, von Jamie Hewlett (zum größten Teil in Zusammenarbeit mit Pete Candeland) gedrehten Videos zu den allesamt fabelhaften Singles Clint Eastwood, 19-2000, Rock The House und Tomorrow Comes Today? Ich habe sie erstmals klassisch im Musik-Fernsehen (VIVA, VIVA Zwei, MTV) gesehen und war sofort fasziniert! Was für fantastische, einige Ohrwürmer bereitende Klänge, die auch 20 Jahre nach Entstehung nichts von ihrer Zugkraft verloren haben. Die beiden direkten Nachfolger des Debüts – Demon Days (2005, mit der Super-Single Feel Good Inc.) und vor allem Plastic Beach (2010) –  haben mir ebenfalls unheimlich gut gefallen, doch das Original wird meiner Meinung nach nicht geschlagen. Neben Blur gehören auch die Gorillaz seitdem auf jeden Fall zu meinen All Time-Lieblingsbands!

P.S.: Ich hatte lange Zeit einen Klingelton von Rock The House. Eines Tages hatte ich vergessen das Handy auf „lautlos“ zu stellen und es ging während einer Vorlesung an der Uni los. Ein Kommilitone pfiff daraufhin sofort die Melodie mit. Spricht für die Beliebtheit und die Ohrwurm-Qualität der Gorillaz, oder?

Note: 1,3

https://www.gorillaz.com/    

     

PeterLicht – Beton und Ibuprofen

VÖ: 05.03.2021

Label: Tapete

Genre: Indie-/Electro-Pop

Na, wer erinnert sich von euch noch an eine Zeit, als kurz nach der Jahrtausendwende im Musik-Fernsehen auf Sendern wie – dem für meine musikalische Sozialisation äußerst wichtigen – VIVA Zwei ein sich in der Landschaft bewegender Bürostuhl zu sehen war? Nicht nur interessante und amüsante Bilder, sondern ebenso tolle elektronisch unterstütze Pop-Klänge waren zu vernehmen. Es handelt sich um den Indie-Hit Sonnendeck des Kölner Künstlers PeterLicht, über dessen Identität ja einige Zeit kaum etwas bekannt war (er zeigte sein Gesicht nicht, die ersten öffentlichen Fotos von ihm gab es ab 2006 herum). Das zugehörige Album Vierzehn Lieder (2001) gefiel mir ebenfalls sehr gut, gerade aufgrund der Musik, die sich über Pop und Electro hinaus ihren Blick auf weitere Genres richtete und in ihrer Erscheinungsform mannigfaltig war. Nicht zu vergessen sind die allgemein cleveren Texte, die vielleicht auf den einen oder anderen Hörer zunächst albern wirken könnten, in denen aber reflektierte Auseinandersetzungen mit sozialpolitischen Themen und der Natur des Menschen stecken. Und wenn nicht, dann sind sie halt einfach amüsant. Mein Favorit: „Und die Sonne kocht auch nur mit Wasser / Die soll sich nicht so aufspielen die gelbe Sau“ (aus Lied gegen die Schwerkraft) 😊 Mich konnte zudem auch Lieder vom Ende des Kapitalismus (vor allem Wir werden siegen hat es mir angetan) überzeugen. So oder so, PeterLicht ist ein spannender und vielseitiger Künstler, der ja auch als Schriftsteller und Dramaturg tätig ist. Auf dem neuen Werk Beton und Ibuprofen geht es erneut zuvorderst um den Menschen, seine Lebensentwürfe, Ängste und Sorgen, seine Eigenarten an sich, ist gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus und seinen Folgen. Da erscheinen einige Textauszüge als Slogans oder Lebenstipps. Ein kleiner Auszug: „Wenn du traurig bist zieh deinen Mantel an und frag wen ob er dich nach Hause fährt / Wenn du kein Zuhause hast fahr besser nicht hin / Denn wenn du hinfährst (…) dann wirst du trauriger. Wenn du aber doch hinfährst schau wer im Haus drin ist / Manchmal ist das Haus okay es sind nur die falschen Leute drin.“ Ein weiteres klasse Album von PeterLicht!

Note: 2,3

https://www.peterlicht.de        

Brandão, Faber, Hunger – Ich liebe Dich

VÖ: 11.12.2020

Label: Two Gentlemen

Genre: Folk / Indie-Pop

Geht einmal bitte in euch und denkt an ein von allen Kritikern geliebtes Album, das euch beim besten Willen nicht gefallen möchte oder zumindest nicht so zusagt wie ihr es euch wünschen würdet. Bei den wirklich „großen Platten“ ist das ja manchmal gar nicht so schwer. Denn auch wenn unter Umständen die musikalische Klasse nicht abzustreiten ist, so spielt ja natürlich das individuelle Geschmacksempfinden, also das Subjektive, eine Rolle. Mir beispielsweise geht es so, dass ich – no offence – nicht mit den Songs von Leonard Cohen – abgesehen von Hallelujah – warm werde. Nun gut, da wird euch sicherlich auch der/die ein(e) oder andere Musiker/in einfallen. Wie ist das dann bei den Platten, die noch nicht so den „Klassiker“-Status aufweisen, die aber von Kritiker/innen über alle Maße geliebt oder zumindest äußerst lobend erwähnt werden? Kommen wir in diesem Zusammenhang auf Ich liebe Dich, die schweizerische Gemeinschaftsarbeit von Sophie Hunger, Faber und Dino Brandão (sonst in der Formation Frank Powers, seit 2020 auch solo und in der Band Hungers aktiv) zu sprechen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich bin ein großer Bewunderer von den Arbeiten Hungers – erst dieses Jahr hat sie mit Halluzinationen ein exzellentes Album veröffentlicht. Fabers Musik ist ebenfalls toll und schön individuell gehalten (mit oft klar formulierten Statements zu sozialpolitischen Themen). Okay, mit der Musik von Brandão müsste ich mich ohnehin mehr befassen. Aber: bei dem Gemeinschaftswerk haben wir es bei mir mit dem oben erwähnten Fall zu tun, dass ich trotz der überaus positiven Reaktionen der Musikkritik nicht mit in den Kanon der Lobeshymnen einstimmen kann – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Und das liegt selbstverständlich nicht daran, dass ich das schweizerdeutsch kaum verstehe. Auch nicht an den wirklich wundervoll abwechslungsreichen Instrumentationen oder den minimal gehaltenen Folk-Strukturen. Nein…ich weiß es einfach nicht genau, warum ich – mit Ausnahme des Songs Ich liebe Dich, Faber – nicht ganz warm werde mit dem Album. Doch ich bleibe noch ein bisschen zurückhaltend. Vielleicht wird das noch. Oder bin ich eh auf dem falschen Dampfer? Was haltet ihr von dem Werk? Auf eure Reaktionen bin ich gespannt!

Note: 2,7 (eventuell mit Potential nach oben)

https://www.facebook.com/dino.brandao.yo/

https://fabermusik.de

https://www.sophiehunger.com

 

Future Islands – As Long As You Are

VÖ: 09.10.2020

Label: 4AD

Genre: Synthie-/Indie-Pop / Alternative-Rock

Ich habe letztens im Freundeskreis noch einmal den mittlerweile schon äußerst bekannten Live-Auftritt der Future Islands bei David Letterman im Jahre 2014 gesehen. Die US-Amerikaner performten damals den Song Seasons (Waiting On You). Zu der Melodie bot Sänger Samuel Herring einige Dance-Moves, die in ihrer Spezialität einfach beeindruckend waren und der scheinbaren Verzweiflung über die Liebe, die er in dem Text vermittelt, noch mehr Ausdruck verlieh. Da kam ja dann noch der Gesang dazu, den der Frontmann zwischendrin gar in Richtung Growling im Death Metal-Stil tendieren ließ. Großartiger Auftritt, der nicht nur David Letterman sichtlich imponierte, sondern auch dafür sorgte, dass er zu den meistgesehenen Live-Videos der entsprechenden Late Night Show-YouTube-Seite wurde. Die Kritiker/innen waren ebenfalls begeistert, der Song wurde mehrfach in den Fachmagazinen und -portalen zu dem besten des Jahres 2014 und auch der letzten Dekade gewählt. Das entsprechende Album Singles ist ebenfalls richtig gut, bietet es doch eben jene gefühl- und sehnsuchtsvollen, vermehrt im Synthie-/Indie-Pop zu verortenden Melodien mit reflektierten Texten über Liebe und ihre verschiedenen Ausdrucks- und Erscheinungsformen. Der Nachfolger The Far Field (2017) konnte nicht nur mich erneut überzeugen, da nicht krampfhaft versucht wurde, die Geheim- und Erfolgsformel des Vorgängers zu kopieren, sondern neue Facetten im Sound aufgeboten wurden. Aufmerksames Hören ist geboten, auch bei dem neuen Werk As Long As You Are. Denn auch wenn sich die Unterschiede zu The Far Field vielleicht nicht aufdrängen sollten, sind sie in musikalischer Hinsicht schon da. Es gibt wieder die Auseinandersetzung mit der Liebe, doch immer mit verschiedenen Sichtweisen darauf und Beschäftigungen mit einhergehenden Fragen. Bleibt halt irgendwie weiterhin spannend. Genauso schaffen es die Future Islands den Kitsch geschickt zu umfahren. Ich mag As Long As You Are auf jeden Fall jetzt schon, gebe dem Album aber auch die nötige Zeit!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

https://future-islands.com/

 

Sophie Hunger – Halluzinationen

VÖ: 04.09.2020

Label: Caroline

Genre:  Indie-Pop/-Rock / Folk

Wenn man heutzutage Pressetexte zu den Bands und Künstler/innen liest, so ist ja oft von ihrer Vielseitigkeit zu lesen, dass sie sich in den unterschiedlichsten Musikspielarten bewegen und diese spielerisch beherrschen würden. Nur ist dabei zu bedenken, dass die Gradwanderung zwischen dem Willen nach Abwechslung und einem künstlerischen Wiedererkennungswert nicht einfach zu bewältigen ist. Tatsächlich verhält es sich oft so, dass dieses Ziel, beide Pole abzudecken, nicht so ganz erreicht werden kann. Umso schöner ist es, dass es andererseits Künstler/innen gibt, denen die Überwältigung dieses Spagats spielerisch zu gelingen scheint, wie z.B. der vielseitig begabten 37-jährigen Schweizerin Sophie Hunger. Schon seit der in Eigenregie veröffentlichten Solo-Debüt-LP Sketches On Sea (2006) bewegt sie sich im weiten Feld von Folk, Indie-Pop/-Rock, Electronica, Jazz, Chanson uvm. Dazu kommen die ausgeprägten Skills im Bereich des Textens und der Instrumentierungen. Nicht zu vergessen die Mitwirkungen an unzähligen Projekten in Film, als Autorin etc., oder ihre Kooperationen (u.a. Max Herre, Steven Wilson). Mir persönlich ging es nur so, dass ich trotz der Anerkennung dieser künstlerischen Fähigkeiten aus subjektiver Sicht ihre Musik oft „nur“ gut fand, ohne wirklich sagen zu können, weshalb dies so ist  (mit einer Ausnahme, das 2010er Album 1983 fand ich großartig). Doch – so viel sei verraten – ihr neues Werk Halluzinationen gefällt mir schon jetzt richtig gut, auch aus subjektiver Perspektive. Es bietet wieder sowohl in Englisch und Deutsch gehaltene, gewohnt mannigfaltig instrumentierte Songs, in denen sich mit verschiedenen Themen – persönlicher als auch generell sozialkritischer Natur – beschäftigt wird. Das sind unter anderem tiefgründige Reflexionen darüber, wie es ist, wenn man die Kontrolle über das eigene Ich verliert. Die Texte sind nicht immer leicht zu entschlüsseln, die Stimmungsbilder variieren dabei. Die fantastische Produktion (von Dan Carey) erfolgte in den Londoner Abbey Road Studios. Großartige Kompositionen mit wundervollen Melodien. Schon jetzt fantastisch, Sophie Hunger ist so oder so eine der spannendsten Künstlerin dieser Tage!

Note: 2,0

www.sophiehunger.com

 

The Naked And Famous – Recover

VÖ: 24.07.2020

Label: Somewhat Damaged

Genre: (Synthie-/Indie-)Pop / Electronica

Ein Freund von mir unterschätzt sicherlich seine musikalische Kenntnis und Weitsicht. Schon seit Jahren versucht  er mir zu erklären, dass er sich keine Musiker/innen oder Bands  merken könne. Dabei kommt er oft mit Acts um die Ecke, von denen ich sicherlich noch nichts gehört habe. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass ich alles kenne, aber ja zumindest so ein paar der derzeitigen Bands im „Indie-Bereich“. Doch der Freund zeigt mir dann bei YouTube Sachen, da muss ich staunend mitteilen, dass ich von der Band oder dem/der Musiker/in X wenig bis gar nichts gehört habe. Sind schon interessante Sounds dabei erklungen. Er war es auch, der mir so vor ca. 10 Jahren diesen einen Song dieser neuseeländischen Formation erstmals gezeigt hat, der dann später von VIVA für einen Promo-Clip verwendet und irgendwann in der Folge ein veritabler Indie-Hit wurde. Ja klar, es handelt sich um Young Blood von The Naked And Famous. Der Song war wirklich eingängig, überzeugte gleichzeitig mit moderner Produktion und frischen Ideen. Das zugehörige Album Passive Me, Aggressive You (2010) war ein Beweis dafür, dass manchmal mehr als nur die Hit-Single rausspringen und eine gute Form weiter bestätigt werden kann. Es gab weitere Hymnen wie All Of This oder Punching In A Dream. Die Neuseeländer konnten auch auf dem Nachfolger In Rolling Waves (2013) mit einer unkonventionellen Herangehensweise an Indie-Pop überzeugen. Das dritte Werk Simple Forms (2017) konnte mich zumindest aber nicht mehr catchen. Zu viele Wiederholungen im Bereich von Synthie- und Indie-Pop mit weiteren Electronica-Elementen. Und nun gibt es Album Nummer Vier mit dem verheißungsvollen Titel Recover. Ich mache es kurz, es ist überhaupt nicht gut, es ist vielmehr unglaublich langweilig mit uninspirierten Songs zwischen den Polen Hymne und Ballade. Es gibt kaum nennenswerte Momente, es fließt so dahin, ohne dass es meine Aufmerksamkeit gewinnen kann. Die Texte sind nicht der Rede wert und alles lässt den Verdacht nahe erscheinen, dass man lieber massenkompatibel sein möchte. Muss nicht immer ungünstig sein, hier aber schon. Dem Duo Alisa Xayalith / Thom Powers (Aaron Short und Jesse Wood haben die Band vor zwei Jahren verlassen) gehen vielleicht die Ideen aus, wer weiß. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese Musik dem Freund gefällt, ich frage ihn mal bei Gelegenheit. Aber vielleicht sehe ich das ja auch total falsch. Was meint ihr? Ist das Album von The Naked And Famous doch klasse und ich erkenne es nicht? Oder stimmt ihr mit ein, dass es langweilig ist? Auf eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 4,0      

https://www.thenakedandfamous.com/

 

Beck – Hyperspace

VÖ: 22.11.2019

Label: Capitol

Genre: (Indie-/Experimental-)Pop / Dance-Rock

Lieber Herr Beck Hansen, mit dieser Besprechung möchte ich mich einmal persönlich an Sie wenden, auch wenn Sie dies hier höchstwahrscheinlich nicht lesen werden. Sicher haben Sie wichtigeres zu tun. Achso, zu den aktuellen Themen, wie Ihrer Mitgliedschaft bei Scientology, werde ich mich nicht äußern. Nun gut, komme ich mal zur Sache: vor zwei Jahren konnte ich mich mit meiner Enttäuschung über Ihr letztes Werk Colors nun wirklich nicht hinter dem Berg halten, das war irgendwie nicht mehr der Beck, den ich aus früheren Tagen kannte, den ich wegen seiner Individualität, seiner guten Portion Schrägheit, seiner Andersartigkeit, wegen generell seines Innovationsdrangs kennen- und schätzen gelernt hatte. Ich erwartete nicht die Großartigkeit Ihrer 90er-Werke Mellow Gold, vor allem Odelay, Mutations oder Midnite Vultures. Es war nur so, dass ich selbst jene Alben mochte, die dann von einigen Kritiker(inne)n schon eher zwiespältig aufgenommen wurden, z.B. Guero oder The Information. Doch in dieser Dekade habe ich langsam nicht mehr so verstanden, was Sie mit Ihrer Musik sagen wollten. Liegt sicherlich auch an mir, aber Morning Phase konnte mich schon nicht mehr erreichen, da es für mich nur eine nicht so gute Version des großartigen Sea Change darstellte. Jedoch war die Enttäuschung dann bei besagtem Colors vollends eingetroffen. Was sollte das sein? Für mich haben Sie da leider etwas verkrampft versucht, mit gegenwärtigen Pop-Trends mitzuhalten. Letztendlich waren das aber in meinen Augen – darauf lege ich die Betonung, denn die Kritiker/innen waren da ja vielfach anderer Meinung – maue Neuversionen von Songs ihrer großen 90er Zeit…Okay, weshalb schreibe ich das Ganze? Weshalb  wende ich mich da an Sie? Weil ich Ihnen zu dem neuen Album Hyperspace gratulieren möchte! Die Songs, die sie ja unter anderem zusammen mit Pharrell Williams und mit ein paar weiteren namhaften Gästen produziert haben, sind modern und frisch, bieten tolle, stilistisch vielseitige Melodien und Rhythmen, Ihr Gesang überzeugt mich und es wirkt alles vor allem: unverkrampft! Das steht ihrer Musik wirklich sehr! Zudem haben die Texte Stil! Das ist alles nicht sensationell oder innovativ wie in den frühen Tagen, aber mir gefällt es wirklich. Ich kann Ihnen nur sagen, ich verstehe die eher gemischten Kritiken diesmal überhaupt nicht. Ich frage mal meine Leser, wie Sie das Album finden, okay? Bis dann mal, ich wünsche Ihnen schon einmal eine schöne Advents- und Weihnachtszeit sowie einen guten Rutsch! Bin schon gespannt, was Sie uns dann in der nächsten Dekade so bieten werden. Viele Grüße, hicemusic      

Liebe Leser, wie findet Ihr das Album? Bin gespannt auf Eure Antworten 😊

Note: 2,3

https://www.beck.com

 

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