Sophia Kennedy – Monsters

VÖ: 07.05.2021

Label: City Slang

Genre: Indie-Pop / Hip-Hop / Electronica / Jazz

Die in Hamburg lebende US-Amerikanerin Sophia Kennedy kommt aus einem künstlerischen, musikalisch kreativen und mannigfaltigen Umfeld. Denn ihre Arbeiten der 31-Jährigen, die zunächst Film studieren wollte, sind unter anderem auf dem von Stefan Kozalla alias DJ Koze mitgegründeten, in vielen Genres verorteten Label Pampa Records zu finden. Das kann doch irgendwie nur spannend werden! Denn genauso wie besagter DJ Koze pflegt Kennedy eine individuellen, stets nach neuen Klängen forschenden Ansatz, der irgendwie eine gut ausgewogene Mischung aus Eingängigkeit und Experiment erschafft. Die Zusammenarbeiten geben da eine Richtung vor: u.a. mit Erobique (für ihre erste Single Angel Lagoon im Jahr 2013), DJ Koze (auf dessen großartigen 2018er-Album Knock Knock) sowie Stella Sommer (auf Man weiß es nicht genau, 2019). Nicht zu vergessen ist ihre mit Helena Ratka gegründete, vor allem in Bereich von Electronica-/Disco musikzierende Band Shari Vari. Mit Mense Reents (Die Goldenen Zitronen) nahm sie dann 2017 ihr selbstbetiteltes, von mir leider sehr spät entdecktes Solo-Debüt auf, das Pop-Musik aus mehreren Perspektiven interpretierte und mit ausgeklügeltem Songwriting glänzte. Vor allem legte Kennedy einen großen Wert darauf, ihrer Stimme einen großen Raum zu geben und in vielseitig angelegte Instrumental-Arrangements zu betten. Klappte perfekt! Auf dem nun erscheinenden Nachfolger Monsters wird diese Mischung aus Pop mit verschiedensten anderen Stilrichtungen weiter verfeinert und großartig ausgearbeitet. Stimmungstechnisch ist das ebenso vielseitig ausgelegt, was innerhalb der Stücke durchaus variieren kann, von euphorisch zu düsteren Momenten ist alles möglich! Eingängigkeit meets Experiment eben! Wunderbares Album voller Überraschungen!

Note: 2,0   

https://www.sophiakennedy.com/ 

                          

Gorillaz – Gorillaz

VÖ: 26.03.2001

Label: Virgin

Genre: (Electro-/Art-/Indie-)Pop / (Alternative-/Punk-)Rock / Hip-Hop

Sie gehört zu meinen Lieblingsbands, die Brit-Pop-Band Blur. Natürlich möchte ich den Anteil von Graham Coxon, Alex James und Dave Rowntree am künstlerischen als auch kommerziellen Erfolg der Formation nicht kleinreden, aber betrachtet nur einmal die Geschichte und die damit zusammenhängenden weiteren Erfolge anderer Musikgruppen, an denen er beteiligt war, dann stellt sich auf keinen Fall die Frage, wer hier auf jeden Fall eine treibende Kraft dahinter dargestellt hat. Dieser 1968 in London geborene Herr kann mit Recht als eine der auch heute noch künstlerisch aktivsten und vielseitig versiertesten Persönlichkeiten im Musik-Business angesehen werden: Damon Albarn. Man schaue sich nur mal die Bands und Projekte an, in denen er neben den großartigen Blur musiziert (hat) bzw. er beteiligt war/ist: The Good, The Bad & The Queen, Rocket Juice & The Moon, DRC Music, The Heavy Seas, sein Solo-Album (Everyday Robots von 2014), natürlich seine Arbeiten an Mali Music (2002), seine Organisationen (Africa Express z.B.), seine Soundtrack-Arbeiten, seine Oper Monkey: Journey To The West (2008), seine unzähligen Kollaborationen darüber hinaus (Massive Attack, The Strokes usw.) und und und…Zudem darf natürlich jene Band nicht vergessen werden, die neben Blur ebenfalls zu Albarns künstlerisch und kommerziell erfolgreichsten Formationen gehört: die Gorillaz. Sie wurde schon 1998 von ihm zusammen mit Jamie Hewlett (unter anderem Miterfinder der Comics um Tank Girl) gegründet. Somit zu einer Zeit, kurz nachdem Blur gerade Erfolge mit ihrem selbstbetitelten Album und vor allem der Single Song 2 gefeiert und sich erfolgreich vom Brit-Pop emanzipiert hatten. Mit der neuen Band ging es noch weiter weg vom Sound alter Tage, vor allem mit einer neuen visuellen Erscheinung. Denn handelte sich um eine aus vier animierten Figuren (repräsentativ für Albarn, Hewlett, Del Tha Funky Homosapien und Miho Hatori) bestehende Gruppe, die fortan einen wahrlich mannigfaltigen Soundmix zusammen mit verschiedensten namhaften Gästen (u.a. Ibrahim Ferrer, Dan The Automator) präsentieren sollte, der unter anderem unterschiedlichste Pop- und Rock-Richtungen, Hip-Hop, Electronica, Funk sowie verschiedene World Music-Elemente umfasste. Im Jahr 2001 wurde dies effektiv und für mich unvergesslich umgesetzt, nämlich auf dem selbstbetitelten Debüt! Wer erinnert sich nicht an die unvergleichlichen, von Jamie Hewlett (zum größten Teil in Zusammenarbeit mit Pete Candeland) gedrehten Videos zu den allesamt fabelhaften Singles Clint Eastwood, 19-2000, Rock The House und Tomorrow Comes Today? Ich habe sie erstmals klassisch im Musik-Fernsehen (VIVA, VIVA Zwei, MTV) gesehen und war sofort fasziniert! Was für fantastische, einige Ohrwürmer bereitende Klänge, die auch 20 Jahre nach Entstehung nichts von ihrer Zugkraft verloren haben. Die beiden direkten Nachfolger des Debüts – Demon Days (2005, mit der Super-Single Feel Good Inc.) und vor allem Plastic Beach (2010) –  haben mir ebenfalls unheimlich gut gefallen, doch das Original wird meiner Meinung nach nicht geschlagen. Neben Blur gehören auch die Gorillaz seitdem auf jeden Fall zu meinen All Time-Lieblingsbands!

P.S.: Ich hatte lange Zeit einen Klingelton von Rock The House. Eines Tages hatte ich vergessen das Handy auf „lautlos“ zu stellen und es ging während einer Vorlesung an der Uni los. Ein Kommilitone pfiff daraufhin sofort die Melodie mit. Spricht für die Beliebtheit und die Ohrwurm-Qualität der Gorillaz, oder?

Note: 1,3

https://www.gorillaz.com/    

     

Beastie Boys – Hello Nasty

VÖ: 14.07.1998

Label: Capitol

Genre: Hip-Hop / Rap-Rock

Das war dann doch etwas kurios! Die damalige Freundin eines Freundes von mir hatte eher einen – nun ja – eher „gewöhnungsbedürftigen“ Musikgeschmack. Als ich einmal mit den Beiden im Auto unterwegs war, ertönten da doch tatsächlich Klänge von Mickie Krause, Jürgen Drews etc. Ist jetzt zugegebenermaßen nicht unbedingt meine Lieblingsmusik! Der Freund sagte daraufhin nur sowas wie: „Naja, aber sonst ist meine Freundin schon echt cool!“…Auf jeden Fall war ich damals in der gemeinsamen Wohnung der Beiden und schaute mir die Musik-Sammlung an. War da schon auf einiges gefasst, wurde zugegebenermaßen auch nicht „enttäuscht“, doch da entdeckte ich doch ein paar Schätze darunter, unter anderem eine wirklich tolle Single von Blumfeld – Graue Wolken (das auf dem tollen 2001er-Album Die Diktatur der Angepassten zu finden ist) – und eine weitere Platte:  Und das war eben eine, die mich aus vielerlei Gründen zum Staunen brachte. Unter anderem fragte ich mich: „Was macht das Album unter all den Mickie-Krausigen Tonträgern?“ Vor allem: „Waaas, die Beastie Boys haben mal Hardcore-Punk gemacht?“ Dieser Fakt war mir bis dahin verborgen geblieben. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie der Titelträger betitelt war (die 1982er-Harcore-Punk-EP Polly Wog Stew ist meines Wissens nach nicht mehr erhältlich). Wahrscheinlich war es eine Compilation. Für mich waren aber die Beastie Boys aus New York immer eine klare Hip-Hop Formation, die diesem Genre und in dem Sinne dem Rap-Rock entscheidende kreative Impulse gegeben hat und einige – mindestens fünf – unvergleichliche Meisterwerke vorgelegt haben. Da wären natürlich Licensed To Ill (1986), Paul’s Boutique (1989) und Ill Communication (1994) – letzteres mit dem legendären Sabotage (und dem zugehörigen grandiosen Spike Jonze – Video)! Und die beiden Tonträger, mit denen ich persönliche Erinnerungen verbinde. Check Your Head (1992) hätte ich hier an dieser Stelle auf jeden Fall erwähnen können. Mein Vater schenkte mr damals eine CD zum Geburtstag und ich hörte sie bis zum Umfallen! Was für ein sagenhaft gutes Werk! Apropos, bis zum Umfallen hören: mit einem Album von den Beastie Boys verbinde ich noch mehr Erinnerungen. Ich nahm es damals mit auf eine Klassenfahrt und es wurde so oft in den Spieler eingelegt, dass sie nachher total zerkratzt war. Es handelt sich um das 1998er-Werk Hello Nasty! Hier kommen die unterschiedlichsten Klänge, Beats, Melodien und Samples (eine wahre Fundgrube!) zusammen, die meisterhaft kombiniert und gewohnt grandios mit den Raps von Mike D, dem 2012 verstorbenen MCA (R.I.P.; nach seinem Tod löste sich die Band auf) und Ad-Rock unterlegt werden. Dazu dann die ganzen Mitwirkenden wie Money Mark, Mix Master Mike, Biz Markie  oder Lee „Scratch“ Perry! Unvergesslich ist – bestimmt nicht nur – für mich das Godzilla-artige Roboter-Video zum meisterhaften Intergalactic (das meiner Tante allerdings überhaupt nicht gefiel, die den von ihr gehörten Song in einem Telefonat mit Jemanden damals als „grauenhafte Musik“ betitelte)! Ach, da gibt es so Vieles! Für mich gerade aus sentimentalen und nostalgischen Gründen meine Lieblingsplatte der New Yorker! Die Beastie Boys waren grandios und es wirklich schade, dass es sie nicht mehr gibt! Aber die Musik bleibt uns! Zum Glück!

Note: 1,0

https://beastieboys.com/

The Streets – None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive

VÖ: 10.07.2020

Label: Island

Genre: Hip-Hop / Electronica

Es gibt auf dem wirklich tollen Kollabo-Album Yo, Picasso (2015) der Rapper Fatoni und Dexter eine charmante Huldigung an den hier besprochenen Künstler zu finden, die schlicht Mike betitelt ist. Darin wird die Großartigkeit des mittlerweile 40-jährigen Mike Skinner hervorgehoben, der vielen Musik-Kennern ab Anfang der 2000er Jahre als The Streets bekannt wurde. Daran ist wohl kaum etwas auszusetzen, hat der Mann aus Birmingham insbesondere mit seinen Alben Original Pirate Material (2002) und A Grand Don’t Come For Free (2004) die UK-Rap/-Garage-Szene geprägt, was sich in den vielen Songs ausdrückt, die einigen Hörern sicherlich auch heute noch ein Begriff sind: Has It Come To This?, Let’s Push Things Forward, Fit But You Know It, Dry Your Eyes, Blinded By The Lights, und was es da nicht noch alles gab. Alles unglaublich großartig. Rezept für die Erfolgsformel: lebensnahe Texte eines Mannes, den man diese auch abnahm, er genau über die sozialpolitischen Verhältnisse in seinem Heimatland berichten konnte, inklusive einem Sound, der in seiner Zusammensetzung eine unheimliche Ausdruckskraft entwickelte, Rap mit Electronica, vor allem natürlich den sauspannenden britischen Stilen der damaligen Zeit, UK Garage und Grime (zusätzlich anderer Spielarten wie Soul, Reggae usw.). Dies passte einfach großartig zusammen. Doch Anfang des letzten Jahrzehnts, nach drei guten bis okayen weiteren Alben wollte Skinner nicht mehr, es hieß unter anderem, dass er eine Schauspielkarriere anpeilen wolle. Es gab auch andere Projekte (The D.O.T.), bevor dann Ende 2017 das Comeback angekündigt wurde (mit Konzerten etc.). Es gab neue Tracks…ja und jetzt eben ein neues Album, eher gesagt ein Mixtape. The Streets bleibt seinem Stil mit dieser Mischung aus Hip-Hop und Electronica treu und äußert sich zu gesellschaftspolitischen Themen. Es ist angesichts der derzeitigen Ereignisse irgendwie eine erfreuliche Angelegenheit, dass Mike Skinner uns seine Standpunkte mitteilt und immer noch spannende Geschichten dazu erzählen kann. Es ist in der Gesamtheit vielleicht nicht mehr so zwingend wie damals in den 2000er Jahren, doch so einige Songs mit einigen interessanten Gästen (u.a. Tame Impala, Joe Talbot) entwickeln immer noch eine bemerkenswerte Zugkraft. Irgendwie kann man sich doch auch einfach freuen, dass Mike Skinner als The Streets wieder zurück ist!

Note: 2,3

https://www.thestreetsmusic.co.uk

 

Run The Jewels – RTJ4

VÖ: 03.06.2020

Label: BMG

Genre: Hip-Hop

El-P und Killer Mike haben den Release ihrer neuen LP vorgezogen. Zwar nur um zwei Tage, aber die Botschaft dahinter erscheint viel bedeutender angesichts aktueller sozialpolitischer Geschehnisse. So schrieb das Duo auf Instagram: „Fuck it, why wait. The world is infested with bullshit so here’s something raw to listen to while you deal with it all. We hope it beings you some joy. Stay safe and hopeful out there and thank you for giving 2 friends the chance to be heard and do what they love. With sincere love and gratitude, Jaime + Mike.“ Dazu kann das Album auch gratis heruntergeladen werden (was laut NME aufgrund der immensen Nachfrage auf der entsprechenden Seite wohl nicht mehr möglich ist), mit der Option an das MDC (The Mass Defense Committee), ein Netzwerk zur Unterstützung verschiedener Protestbewegungen, zu spenden. Eindeutige Stellungnahmen zu gesellschaftspolitischen Ereignissen haben Run The Jewels schon auf den vorherigen Werken vorgenommen, ihr letztes kam zu der Zeit heraus, als Donald Trump im Weißen Haus seine Amtszeit begann. Nun ist RTJ4 veröffentlicht worden, und wir alle wissen über die derzeitige Lage in den USA im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd und den Protesten der Black Lives Matter Bewegung gegen Polizeibrutalität Bescheid. Gerade El-P und Killer Mike haben ihre Wut über Rassismus gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung, aber auch generell gegen Minderheiten, ausdrucksstark zu Gehör gebracht und dabei stets kein Blatt vor den Mund genommen, sind dabei immer wieder tragischerweise aktuell. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit  bleiben einfach leider dauerhafte Themen. Deshalb ist es wirklich wichtig, dass Run The Jewels da sind, die sich auf diesem Album als „Yankee And The Brave“ dagegen zur Wehr setzen…und wie sie das tun! Absolut kraftvolle Beats und vielschichtige Rhythmen, großartig eingesetzte Samples, die allesamt mit ihrer Direktheit und Kompromisslosigkeit mich in ihren Bann gezogen haben. Die Düsternis und Aggressivität, diese vielsagenden und angesichts der aktuellen Geschehnisse eben gegenwärtigen Texte, das ist auf allerhöchstem Niveau. RTJ4 bietet zudem wieder einige namhafte Gäste auf, die sich hier solidarisieren, neben Pharrell Williams auch unter anderem Josh Homme (auch Co-Produzent des Albums), 2 Chainz, Mavis Staples und Zack De La Rocha (der ja einst mit Rage Against The Machine geniale, im höchsten Maße politisch motivierte Musik erschuf). Nicht nur für mich eine der besten und relevantesten Veröffentlichungen des Jahrgangs 2020, das bestimmt noch an Bedeutung hinzugewinnen wird! Schon jetzt meisterhaft!

Note: 1,7 (vielleicht sogar noch besser)

https://runthejewels.com/

 

Childish Gambino – 3.15.20

VÖ: 22.03.2020

Label: RCA

Genre: Hip-Hop / R&B / Soul

Ich habe es ja nicht das erste Mal an dieser Stelle erwähnt, dass Donald Glover ein unglaubliches Multitalent ist. Aber wem erzähle ich das? Man kennt ihn ja sicherlich aus einigen Filmen (z.B. aus Solo als Lando Calrissian) und vor allem Serien wie dem gloriosen Community – das ja übrigens seit ein paar Tagen auf Netflix läuft, eine Empfehlung meinerseits 😊 –, dem immer wieder heiß gehandelten, von mir leider noch nicht gesehenen Atlanta, vielleicht auch dem fantastischen 30 Rock. Er war ja da nicht nur als Schauspieler, sondern eben auch als Schreiber und sonstiger „Ideengeber“ engagiert. Ach ja, zuletzt war er ja dann auch zum Beispiel für die Neuverfilmung des König der Löwen eingebunden, für den Soundtrack und als Stimme für Simba. Nun gut, dann ist das ja natürlich auch das Musikalische in seiner Rolle als Childish Gambino. Als dieser hat Glover zunächst (in meinen Augen „nur“) okaye Hip-Hop-Alben produziert, um dann Ende 2016 das fantastische, im Stile von Price gehaltene Funk-/Soul-/R&B-Wunderwerk “Awaken, My Love“ nachzulegen. Ich bin heute noch von dessen Strahlkraft fasziniert. Wie jeder weiß gab es ja dann auch noch die sensationelle Single, hier in der Bestenliste aufgeführte This Is America mit diesem ehrlich-schockierenden, die politische Lage in den USA deutlich aufzeigenden Video. Da (allerspätestens) zeigte der 36-Jährige, dass er auch auf dem Gebiet des Songwritings absolut begnadet ist. Nun ist ziemlich unvermittelt das neue Album – schlicht 3.15.20 – erschienen. Während es international doch überwiegend gefeiert wird, sind die Kritiken hierzulande eher verhalten bis ziemlich schlecht ausgefallen. In der 2½-Sterne-Besprechung des Musikexpress wird gemeint, er habe sich auf Albumlänge doch mit den verschiedenen Sounds ziemlich verzettelt, in jener von laut steht auch, er sei an seinen hohen Ansprüchen gescheitert. Ich vermute, dass hier die Erwartungen dann doch zu hoch waren, denn man hat mittlerweile tatsächlich gedacht, Glover könne ja nur noch Großartiges abliefern, frage mich aber dann doch warum es ihm so negativ ausgelegt wird, wenn jene dann nicht vollends befriedigt werden. Ich selbst kann zwar zustimmen, dass 3.15.20 lange nicht in der Liga von “Awaken, My Love“ spielt, es auf keinen Fall dessen Kohärenz und Dringlichkeit erreicht, ich aber es lange nicht als misslungen erachte. Dafür greifen manche musikalische Elemente zu häufig, bekommen die Songs ihren notwendigen Schwung verliehen. Ich weiß jetzt auch nicht genau, was das mit den Titeln genau soll (ja klar, die Minuten- und Sekunden-Angabe, aber warum?) oder das mit dem Artwork (Minimalismus?). Es wirkt manchmal wirklich etwas fragmentarisch. Doch mittelmäßig oder gar schlecht ist das Album wirklich nicht, vielleicht einfach nicht so anspruchsvoll wie andere Veröffentlichungen von Childish Gambino. Aber ist  das so schlimm? Ich finde das Werk okay, aber vielleicht ist das bei einem Donald Glover eben auch schon „schwer enttäuschend“. Das wüsste ich gerne von euch. Wie findet ihr das Album? Auf eure Antworten bin ich gespannt.

Note: 2,7 (vorerst)

https://donaldgloverpresents.com/

 

Kanye West – Jesus Is King

VÖ: 25.10.2019

Label: Def Jam

Genre: Hip-Hop / Soul / Gospel

Ich versuche hier mal weitgehend über Kanye West zu schreiben, ohne auf dessen Angelegenheiten außerhalb der Musik einzugehen (seine privaten Eskapaden, seine Aussagen in der Öffentlichkeit etc.). Natürlich geht das nicht komplett, da ja doch einiges mehr oder weniger in seinen künstlerischen Output hereinspielt. Doch gehen wir mal von der Musik aus. Dabei konzentriere ich mich auf die Veröffentlichungen, die er unter seinem Namen produziert hat (also nicht Kids See Ghosts etc.). Da gibt es in der Diskographie zwei herausragende erste Alben: The College Dropout (2004) und Late Registration (2005, u.a. mit dem in dessen Video Jamie Foxx aufbietenden Knallersong Gold Digger), die mir auch heute noch aus so vielen verschiedenen Gründen Laune bereiten als auch von ihrer künstlerischen Strahlkraft zusagen. Dem Drittwerk Graduation (2007) mit diesem Daft Punk-Cover Stronger konnte ich persönlich noch sehr viel abgewinnen, trotz guter Kritiken aber eher weniger dem mit viel Auto-Tune ausgestatteten 808s & Heartbreak (2008). Obwohl ich schon zugeben muss, dass es aus künstlerischer Perspektive bestimmt schon wichtig ist. Nun gut, bei My Beautiful Dark Twisted Fantasy (2010) sind sich wohl viele einig, dass es zu den besten (Hip-Hop-)Veröffentlichungen dieses ausgehenden Jahrzehntes gehört. Aber: dann wurde es für mich wechselhaft. Yeezus (2013) – u.a. mit Black Skinhead – fand ich größtenteils super, The Life Of Pablo (2016) trotz erneut positiver Kritiken ist bei mir wiederum irgendwie nicht so angekommen wie gedacht (sieht man mal von Ultralight Beam ab). Ye (2018) habe ich gar nicht wirklich mitbekommen. Lohnt sich da das Hören? Ihr könnt mir gerne eure Empfindungen mitteilen. Jesus Is King wurde nun zwiespältig aufgenommen, wobei es größtenteils jeweils die extremen Richtungen abdeckt: entweder gut oder schlecht. Wie so oft bei Kontrovers pendele ich mich hier in der Mitte ein. Kanye West – ich muss es jetzt doch kurz erwähnen – neigt zu Großmannssucht, hat diese allerdings – gerade auf seinen grandiosen Werken – irgendwie einfließen lassen in richtig kraftvolle, vielseitige Musik. Der 42-Jährige widmet also jetzt Jesus ein Album. Klar, dass Religiöse hat schon immer mal eine große Rolle eingenommen im künstlerischen Schaffen, doch nun geht es eben wirklich gottesfürchtig und für West-Verhältnisse „zurückhaltend“ zu. Es gibt Songs, da passen die Instrumentierungen, bei anderen eher weniger. Dann kommt es überproduziert herüber. Ich sage also: Jesus Is King ist in meinen Augen zumindest momentan in Ordnung, mehr nicht! Wie geht es euch? Was sagt ihr zu dem Album? Ich bin gespannt auf eure Reaktionen!

Note: 2,7 (vorerst)

https://www.kanyewest.com/

 

Chance The Rapper – The Big Day

VÖ: 26.07.2019

Label: Chance The Rapper (Self-Released)

Genre: Hip-Hop

Ich gebe zu, ich bin im Hip-Hop nicht immer so fachkundig unterwegs. Die „großen“ Platten aus den 1980er-/90er Jahren höre ich ab und zu – oder zumindest die klassischen Songs. Mit Genre-Vertretern des deutschen Sprachraumes ist es sogar so, dass ich diesbezüglich wohl komplett den Anschluss verloren habe, ich einiges gar nicht mehr kenne. Andererseits bleibe ich offen, da ich weiß, dass es bestimmt auch abseits gängiger Stereotypen, die im Zusammenhang mit dem Hip-Hop aufkommen, viele interessante Veröffentlichungen gibt, die jene nicht bedienen, natürlich neben denen allseits bekannter und versierter Künstler/innen wie Kendrick Lamar.  Da wäre beispielsweise Chance The Rapper, der Anfang dieser Dekade ein paar interessante, künstlerisch hochwertige Mixtapes veröffentlichte. Immer wieder habe ich ein paar Songs gehört und war aufgrund der Vielseitigkeit seiner Musik (es wurden unter anderem Elemente  aus Blues, Soul, Jazz integriert) sowie der Hintergründigkeit seiner Texte (der heute 26-Jährige behandelte darin reflektiert seine eigenen biografischen Erfahrungen, z.B. den Verlust eines guten Freundes) sehr angetan, zumindest wurde meine Aufmerksamkeit geweckt. Die Musikpresse reagierte ja auch positiv, zudem wurden Chance The Rapper in einem Umfeld mit anderen spannenden Interpretinnen/Interpreten (u.a. Childish Gambino) immer wieder gute Voraussetzungen geboten, tolle Veröffentlichungen zu kreieren. Aus dem Grund war ich im Vorhinein schon ein bisschen gespannt, was auf der Debüt-LP geboten wird. Ich muss leider sagen, dass ich letztlich nicht gecatcht bin, denn vieles hört sich jetzt im direkten Vergleich zu anderen Hip-Hop-Produktionen nicht so individuell an wie erhofft, seine Handschrift wird irgendwie nicht erkennbar. Es geht thematisch um sein Familienleben (er hat dieses Jahr geheiratet), musikalisch werden dazu meiner Meinung nach zu wenig Sounds geboten, die sich im Ohr festsetzen. Natürlich ist das nicht die Katastrophe, als die theneedledrop sie ansieht (hat er dieser wirklich 0/10 Punkten gegeben?), aber ich finde es nur mäßig. Kann aber – wie bereits anfangs  geschrieben – daran liegen, dass ich nicht so fachkundig bin. Wie findet Ihr The Big Day? Auf Eure Meinungen bin ich gespannt!

Note: 3,0

https://www.chanceraps.com/

 

Kate Tempest – The Book Of Traps And Lessons

VÖ: 14.06.2019

Label: Caroline

Genre: Spoken Word / Hip-Hop

Ich weiß noch ganz genau, wie ich vor 5 Jahren einen längeren Weg durch Wälder, Felder und Wiesen zu bewältigen hatte und dabei  das musikalische Debüt der Britin Kate Tempest – Everybody Down –  hörte. Es war sicherlich einer Gründe, dass ich dies alles in der Dunkelheit getan habe, so dass den Songs der 33-Jährigen noch mehr Wirkung verliehen wurden, doch es ist natürlich auch generell schon höchst beeindruckend, was der vielseitigen, vor allem poetisch so versierten Künstlerin mit diesem Album gelungen war. Für mich persönlich – so habe ich es ja bereits zum 5-jährigen Bestehen meines Blogs verraten –  war Everybody Down gar das beste Album des Jahrgangs 2014. Der Nachfolger Let Them Eat Chaos stand dem Vorgänger in nichts nach. Diese bestechende Mischung aus Hip-Hop- und Electro-Sounds mit den Spoken Word-Künsten von Kate Tempest, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Stimme angesichts der gesellschaftspolitischen Zustände in ihrem Heimatland (aber auch weltweit) zu erheben – auch aus einer persönlichen Perspektive heraus –, ist einfach einzigartig. Natürlich gibt es einige weitere Künstler/innen, die sich mit den Mitteln des Hip-Hop, Grime, UK Garage, Electronica etc. sich mit ähnlichen Botschaften an die Hörer/innen wenden, aber in genau dieser Form des Spoken Word habe ich zumindest es noch nicht gehört . Für weitere Anregungen eurerseits bin ich stets offen. Gerade jetzt, wo wieder einige Veränderungen in Großbritannien anstehen, meldet sich Kate Tempest, übrigens auch eine richtig tolle Live-Performerin, mit einem neuen Werk zurück. Es fällt sofort auf, dass es sehr minimal arrangiert ist, die Sängerin manchmal einzig ohne musikalische Begleitung spricht, sich dann aber wieder ganz wunderbare atmosphärisch dichte, von Altmeister Rick Rubin produzierte Klangkonstruktionen darunter legen, die den Worten mehr Geltung verleihen. Mich beeindruckt, was für tolle Geschichten Tempest erzählen kann, wie sie diese in Poetry Slam-Art schildert und wie nachdenklich und unaufdringlich dies alles geschieht. Wer dem Album die notwendige Zeit gibt, wird sicherlich belohnt werden!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://www.katetempest.co.uk/

 

Flying Lotus – Flamagra

VÖ: 24.05.2019

Label: Warp

Genre: Electronica / Jazz-Funk / Hip-Hop

Verrückt, das ehrwürdige, von mir nicht genug zu erwähnende Warp-Label feiert dieses Jahr bereits das 30-jährige Bestehen! Ich habe in dem Zusammenhang bereits vernommen, dass unter anderem Plaid in Kürze nach einiger Zeit Pause ihre Rückkehr feiern werden. Ein weiterer auf der ehemals in Sheffield, nun in London ansässigen Plattenfirma gesignten Künstler hat jetzt bereits nach einer halben Dekade eine neue Studio-LP herausgebracht.  Gemeint ist jene von Steven Ellison,  der als Flying Lotus eine der prägendsten Figuren der modernen Ära des Warp-Labels darstellt. Ich habe schon damals anlässlich des Releases von You’re Dead (2014) geschrieben, dass  seine kompromisslose Art ganz im Sinne des Konzeptes einer neuartigen, ambitionierten, zumeist von Electronica dominierten Musik (Stichwort: „Intelligent Dance Music“) stehen würde. Man muss sich ja nur einmal ins Gedächtnis rufen, wer so alles bei Warp experimentiert hat (Aphex Twin, Boards Of Canada, Autechre, ja sogar Brian Eno und viele andere!) Da passte der Sound, der Einflüsse aus den verschiedensten Bereichen (Jazz, Funk, Experimental, Hip-Hop uvm.) kongenial einfließen lässt, perfekt dazu! Besagtes You’re Dead finde ich auch aus heutiger Sicht noch genial, es braucht sich vor den großen Frühwerken von Flying Lotus nicht zu verstecken. Auf dem neuen Werk Flamagra ist erneut eine Melange unterschiedlichster Klänge zu hören, hauptsächlich aus den Bereichen der Electronica und des Jazz-Funk. Es wirkt im Vergleich zum Vorgänger vielleicht nicht ganz so kompromisslos auf das erste Hören, aber ich bin mir relativ sicher, die ganzen Details, das Ausgeklügelte in den Arrangements noch nicht in der Gänze nachvollzogen zu haben. Die Riege an Gästen ist erneut atemberaubend (u.a. David Lynch, Solange, Toro Y Moi, Denzel Curry, Thundercat, George Clinton, die Shabazz Palaces)! Noch bin ich nicht ganz gecatcht, gebe dem Album aber die nötige Zeit, mich noch für sich einzunehmen!

Note: 2,3 (mit Potential nach oben)

http://flying-lotus.com/

 

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.

Nach oben ↑