Daft Punk – Discovery

VÖ: 12.03.2001

Label: Virgin

Genre: (Post-)Disco / Dance / Electronica

Ich weiß, ich habe das sagenhafte Debütalbum der French House-Ikonen schon an dieser Stelle gepriesen. Doch es ist mir gerade, nachdem Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter traurigerweise am 22. Februar ihre Trennung bekannt gegeben haben, ein Bedürfnis, ein weiteres, meiner Meinung nach immer noch unterschätztes Werk aus ihrer Diskografie zu erwähnen und in höchsten Tönen zu loben! Bei aller Klasse einiger Nachfolger von Homework (1997) kann es doch eigentlich nur eines sein, das da in Frage kommt, oder? Es ist vor kurzem 20 Jahre (!) alt geworden und ich wollte es gerade nach dem Split von Daft Punk unbedingt zum Geburtstag auf Platte geschenkt haben. Doch keine Chance, es war ausverkauft! Ich meine natürlich Discovery, das wahrscheinlich nicht nur mir in Erinnerung geblieben ist: wegen der absoluten Hits wie One More Time, wegen der ganzen öffentlichen Diskussion um den damaligen Stilwechsel des Duos von French House- zu Disco-Sounds, den im Anime gehaltenen Musikvideos (die damals im Musik-Fernsehen rauf und runter gespielt wurden), dem unbestreitbaren Nostalgie-Faktor und vielem mehr! Aber der Reihe nach. Ende 2000 erschien besagtes One More Time, das der ganzen Fan-Schar, die das damals knapp 4 Jahre alte Debüt Homework zurecht anbeteten, doch einige Irritationen bereitete. Wollte Daft Punk etwa (auch vor „Cheesiness“ nicht zurückschreckenden) Disco-Pop/R&B (und weiteres wie New Wave, Funk und Jazz) mit „richtigen Song-Strukturen“ machen? Jene Band, die den French House und allerlei „bollernde“ Electro-Sounds mit Brechern wie Around The World, Da Funk, Burnin‘ und vielen anderen einer größeren Hörerschaft zugänglich, auf unvergessliche Weise erfahrbar gemacht – und damit ein Genre geprägt – haben? Warum? Es waren einige, die das zunächst nicht akzeptieren wollten. Ich gehörte schon 2001 als musikalisch nun wirklich nicht gefestigter Teenie nicht zu jener Gruppierung. Ich liebte One More Time und natürlich das dann ein paar Monate später, im Frühjahr des Jahres erschienene Album  Discovery  schon immer, hörte es zu dieser Zeit schon rauf und runter. Auch in der Gegenwart, insbesondere nachdem die für mich irgendwie doch bestürzenden Trennung von Daft Punk, habe ich das Album auf CD – ja, in meinem Auto ist das noch möglich 😊 – nochmal in Dauerschleife laufen lassen. Es bleibt dabei, ich liebe diese Platte immer noch! Es wirkt zu keinem Zeitpunkt veraltet, die Sounds dröhnen so frisch wie anno 2001 aus den Boxen. Daft Punk haben damit etwas erneut geschafft, was sie mit Homework Ende der 1990er Jahre für den House erreichten. Sie beeinflussten mit den Sounds folgende Musiker-Generationen, machten Disco-Sounds wieder salonfähig im Pop, prägten den Produktionsstil usw. Warum wohl hat Kanye West sich ein Harder, Better, Faster, Stronger als Sample-Vorlage vorgenommen, um 2007 mit Stronger einen Hip-Hop-/Electronica-Crossover-Hit zu landen? Waren es vorher die Rock-Fans, denen mit Homework Electro-Klänge schmackhaft gemacht werden sollten, war es diesmal genau andersherum: jetzt sollte klar werden, dass Rock eben cool ist. Daft Punk haben es sowieso seit jeher verstanden, innovativ und gleichzeitig kommerziell erfolgreich zu sein. Ein Song wie Get Lucky mit Pharrell Williams und Nile Rodgers von ihrem letzten Studio-Album Random Access Memories (2013) spricht da wohl Bände, auf dem man sich ja dann erneut auf die Disco-Erforschungsreise begab. Auf Discovery wurden die Grundlagen geschaffen! Das Hit-Quartett um One More Time, Aerodynamic, Digital Love und Harder,Better,Faster, Stronger, die weiteren, ebenso  erfolgreichen Singles Face To Face und Something About Us, aber auch die „heimlichen“ Granaten wie Voyager, Superheroes oder High Life – ach alle Songs – sind von ihren Stimmungen jeweils so unterschiedlich und von ihren musikalischen Stilen her so vielfältig aufgestellt, sie runden ein unvergleichliches Album ab! Sehr traurig, dass diese Band sich aufgelöst hat, aber es bleibt auch hier die Musik. Hört unbedingt ihr absolutes Meisterwerk Homework, aber vergesst mir Discovery bitte nicht!

Note: 1,3

https://www.daftpunk.com/

                                

The Chemical Brothers – No Geography

VÖ: 12.04.2019

Label: Virgin

Genre: Electronica / Dance

Wieder eine meiner absoluten Lieblingsacts in der “Kontrovers”-Sparte! Ich habe letztens noch einmal das geniale Video zu Elektrobank geschaut, mit der wunderbaren Sofia Coppola als Tänzerin, die mal so richtig kunstvoll eine Choreographie der Extraklasse abliefert und die Konkurrentin blöd aus der Wäsche schauen lässt. Atemberaubend, wie hier die Bilder mit den auch heute noch Maßstäbe setzenden Electronica-Sounds kombiniert werden (typisch Spike Jonze eben!). Ein Klassiker des mit Krachern gesegneten Meilensteins Dig Your Own Hole (1997)!  Es ist den Chemikalienbrüdern bis heute nicht mehr gelungen, diese Qualität – die schon mit dem tollen Debüt Exit Planet Dust (1995) angedeutet wurde – zu übertreffen, auch wenn mir der Nachfolger Surrender (1999) ebenso imponiert hat. Ich hatte so nach Come With Us (2002) allerdings das Gefühl, dass oft mit den (häufig  Starbesetzung aufbietenden) Singles  wieder eine gewisse Klasse unter Beweis gestellt werden konnte, doch dass auf komplette Albumlänge die Ideen etwas ausgingen. So kann ich sagen, dass ich nach der Rezeption des neunten Werkes der beiden Briten zumindest in Ansätzen positiv überrascht bin. Denn irgendwie wirken die Tracks irgendwie wieder kraftvoller, als ob sie wieder richtig abliefern möchten. Vor allem gefallen mir die Features mit Aurora! Mich wundern daher die doch sehr gemischten Kritiken, obwohl international ja eher die positiven Einschätzungen überwiegen. Ich mag es, was haltet ihr davon? Eure Meinung ist jetzt gefragt 🙂

Note: 2,3

https://www.thechemicalbrothers.com/

 

Daft Punk – Homework

VÖ: 20.01.1997

Label: Virgin

Genre: (French) House / Electronica / Dance

In der jüngsten “Classics”-Besprechung der beiden ersten LCD Soundsystem-Werke wurde ein Hit des James Murphy-Kollektivs erwähnt:  Daft Punk Is Playing At My House. In ihm wird neben der namentlichen Nennung  im Titel auch im Text, in der Ausgestaltung des Sounds und im Video Bezug auf ein legendäres französisches Duo genommen  – abgesehen davon, dass James Murphy schon in seiner Debütsingle Losing My Edge behauptete, er habe es als Erster den „Rock Kids“ vorgestellt. Ich würde mal sagen, dass jeder oder zumindest sehr viele – selbst jene Musikfans, die lieber Rock und Pop oder andere Stilarten außer Electronica, House und Dance hören bzw. letzteren wenig abgewinnen können – mittlerweile seit mindestens 4 Jahren wissen, wer Daft Punk ist, ihr Markenzeichen kennen: die Helme*. Da gab es ja diesen einen Megahit mit Pharrell Williams und Nile Rodgers…Nun ja, darauf kommen wir später noch einmal zurück! Man muss sich noch einmal vergegenwärtigen, wie lang Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas  Bangalter als besagter Act aktiv sind, fast 25 Jahre! Wie manche der französischen Musikkollegen aus der Zeit der frühen bis mittleren 1990er Jahre (z.B. Air) begannen beide in sehr jungen Jahren mit Rock. Zusammen mit dem heutigen Phoenix-Gitarristen Laurent Brancowitz nannten sie sich Darlin‘, deren Sounds ein Redakteur des Melody Makers wenig schätzte, er bezeichnete sie als „A daft punky thrash“. Nun ja, es ist ersichtlich, was passierte, nicht lange danach war das hier besprochene Duo geboren, das in den früheren, eher konventionelleren Klängen keine Zukunft sah, sich dem weiten Feld der elektronischen Musik widmete, neue Wege eingehen wollte. Vor allem was für welche! Während die französischen Landsleute Air großartige Ambient/Downtempo-Sounds erkundeten, ging es hier in Richtung House/Techno, was später wegen Daft Punk und Kollegen wie Cassius, Étienne de Crécy, Mr. Oizo, Alex Gopher u.a.  als „French House“ bekannt wurde. Die früheren Tracks ließen schon erahnen, wie kompromisslos, progressiv, nach vorne treibend, dabei auch eingängig  das dann 1997 erschienene, im Schlafzimmer von Bangalter selbst produzierte Debüt Homework werden würde (sie waren dann, u.a. in umgearbeiteter Form auf diesem enthalten). Es wurde nicht zu viel versprochen, alles an dem Album, egal ob die Sounds, die legendären, unvergesslichen Videos der Singles Da Funk und Around The World  (von großartigen Regisseuren wie Spike Jonze und Michel Gondry inszeniert), –  ach – einfach alles begeistert mich heute noch. Das Werk gehört in meinen Augen neben Airs Moon Safari zu den besten französischen, jedoch ebenso generell  zu den größten Tonträgern der 1990er Jahre, ist ein Top5-Kandidat meiner persönlichen All-Time Favourite-Liste! Hier wurden Electro- wie Rock-Fans gleichermaßen infiziert, die (vermeintlich?) so zerstrittenen Lager vereint (wie es damals auch den Chemical Brothers, The Prodigy oder sehr viel später auch Justice gelang).  Na klar, heute kennen die Franzosen so viele wegen oben gemeinten, 2013 veröffentlichten Get Lucky, dieses „Massentaugliche“ wurde jedoch schon mit Around The World erreicht, spätestens ja dann mit dem – in meinem Augen immer noch wundervollen, wie Random Access Memories den Disco-Sounds frönenden – Nachfolger Discovery (mit One More Time, Aerodynamic, Digital Love und Harder, Better, Faster, Stronger etc.). Dass Homework auch Kreise außerhalb der French House-Lager erreichen konnte, wird durch meine persönlichen Erlebnisse gestützt. Ich habe Daft Punk das erste Mal in einer Sendung sehen können, die leider nicht sehr lange bestand und sich an ein Charts-orientiertes als auch an unkonventionelleren Sounds interessiertes Publikum richtete: das von Thomas Germann moderierte WDR-TV-Format Hit Clip. Neben Videos von unterschiedlichen Acts wie Oasis, No Doubt, Scatman John und Babylon Zoo (Spaceman) lief dort eben auch dieses in einem Take gedrehte Kunstwerk Around The World. Damals noch nicht ganz das Potential erkennend, war es mir später gelungen zu begreifen, was für eine fantastische Band Daft Punk ist. Vor allem wie genial und einflussreich Homework ist. Hypnotisch, tanzbar und absolut seelenvoll!

Note: 1,0

 

P.S.: Wer einmal sehen möchte, was für Könner de Homem-Christo und Thomas  Bangalter sind, sollte sich unbedingt die aufschlussreiche Dokumentation Unchained ansehen! Dort ist beispielsweise zu sehen, wie Bangalter 1996 in Wisconsin ein umjubeltes Set spielt, mit vermeintlich einfachsten Mitteln einen riesigen Effekt erzielt. Gänsehaut pur (wie Produzent Todd Edwards richtigerweise in dem Film sagt)!

*Es gibt im Booklet zu Homework ein Bild zu sehen, auf dem die beiden Mitglieder ohne den Helm zu sehen und ihre Gesichter ansatzweise zu erkennen sind, zudem jeweils ein Kinderfoto.     

https://www.daftpunk.com/

 

Hot Chip – Why Make Sense?

VÖ: 15.05.2015

Label: Domino

Genre: Electro-Pop / Dance

Laut Hot Chip-Mitglied Al Doyle sei das sechste Werk der Band ursprünglich als ein Doppelalbum geplant gewesen, doch man habe die Idee dann lieber wieder verworfen. Die damit zusammenhängenden Risiken sind wohl bekannt gewesen, hat diese Form der Tonträgerveröffentlichung in Anbetracht der Pop-Historie ja immer mal wieder künstlerische als auch kommerzielle Misserfolge für Musikgruppen zur Folge gehabt. Denn nicht jeder ist in der Lage, eine Meisterleistung à la Exile On Main St., Electric Ladyland oder The Beatles (The White Album) vorzulegen. Allerdings ist den Jungs um Hot Chip zuzutrauen, dass sie den nötigen kreativen Output für ein Doppelalbum aufbringen könnten, wenn man sich die Songs von Why Make Sense? anhört. Der Band gelingt es ein weiteres Mal spielend leicht, eine Brücke zwischen Pop- und Electro-Elementen zu schlagen und ihrem Sound einen Wiedererkennungswert zu verleihen, dabei aber stets neue Ideen einzubringen, die man so von ihr zuvor noch nicht kannte. Dies ist hauptsächlich damit zu erklären, dass die Mitglieder eine fundierte Kenntnis sowohl der jüngeren als auch älteren Vergangenheit der Popmusik besitzen und diese verschiedenen Stilmittel fantastisch zu vereinen verstehen. Nehme man beispielsweise die Single Need You Now, einen modernen Dance-Track, der im Refrain mit einem Sample aus dem gleichnamigen Song des 80er-Post-Disco-Trios Sinnamon begeistert. Oder Love Is The Future, das eine Rap-Passage von De La Soul’s Posdnuos in eine wunderbar arrangierte Electro-Pop-Nummer einbettet. Auch toll: das trashige Huarache Lights oder der mitreißende, hymnische Titel- und Schlusstrack. Allgemein ist es erstaunlich, wie souverän Hot Chip das Spiel mit Stimmungen beherrschen, die auch mal gerne innerhalb eines Songs variieren. Mal wird es fröhlich-euphorisch, mal besonnen-nachdenklich. Vielleicht wird beim Hören mehr Geduld als bei den Vorgängern erfordert, aber sie wird letztendlich auch belohnt. Ganz sicher!

Note: 2,0     

www.hotchip.co.uk/ 

 

Hot Chip – Huarache Lights from dustin sussman on Vimeo.

Hot Chip – Burning Up (Official Lyric Video) from Toby Mortimer on Vimeo.

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