Vladislav Delay – Rakka II

VÖ: 16.04.2021

Label: Cosmo Rhythmatic

Genre: Ambient / Electronica

Ich habe letztens eine tolle Liste bei Spotify entdeckt, in der die interessantesten und herrlich verrückt-verspieltesten Tracks von Electronica-Acts aus dem Heimatland meiner Mutter zusammengefasst wurden. Sie nennt sich schlicht Finnish Electronic und präsentiert so unterschiedliche Künstler/innen wie Emilia, Jimi Tenor, Op:l Bastards, Esa Saarinen, Jaakko Eino Kalevi oder die Ural 13 Diktators. Natürlich findet sich darauf auch ein gewisser Sasu Ripatti, der in der Electronica-Szene unter verschiedenen Pseudonymen aktiv ist und die verschiedensten Subgenres sowie weitere Spielarten (vor allem Ambient) auslotet, in diesem Fall als Luomo. Da gab es 2000 unter anderem Vocalcity und 2003 das von mir ebenfalls höchst geschätzte The Present Lover, auf denen verschiedenen House-Formen (u.a.a Deep, Micro) kunstvoll zum Ausdruck kamen. Andere Pseudonyme waren Sistol, Uusitalo, Conoco, Ripatti, nicht zu vergessen die weiteren Kollaborationen wie das Vladislav Delay Quartet, AGF/Delay bzw. The Dolls (Gemeinschaftsarbeiten mit Antye Greie und letzteres auch noch mit Craig Armstrong) oder jene mit dem Moritz von Oswald Trio. Am bekanntesten ist Ripatti aber wohl immer noch als Vladislav Delay. Die Sounds, die unter diesem Alias produziert, zeichnen sich durch eine höchst atmosphärische Tiefe, komplexe musikalische Strukturen und eine strikt konzeptuelle Herangehensweise aus. So widmete Vladislav Delay sich auf Rakka (2020) anhand auditiv anregender, stimmungsvoller, mitreißender aber auch durchaus herausfordernder Klangerlebnisse der finnischen Natur und ihren Eigenschaften. Ist ja zu Zeiten der Corona-Pandemie irgendwie nachvollziehbar, dass man sich dieser Thematik, den verschiedenen Rückzugsorten widmet (auch wenn die Natur schon immer eine Rolle bei Vladislav Delay gespielt hat). Auf dem Nachfolger schließt er daran an, präsentiert erneut atmosphärische Klangreisen, denen wieder ein introvertierter Charakter innewohnt. Die Sounds werden fortlaufend weiterentwickelt, präsentieren vielschichtige Strukturen, überraschende Wendungen und unterschiedliche Perspektiven. Als Halbfinne mag ich da „vorbelastet“ zu sein und von Grund auf eine positive Erwartungshaltung zu haben, wenn Vladislav Delay ein neues Album präsentiert, aber es ist ja auch im Ergebnis wunderbar, oder nicht?

Note: 2,0    

https://vladislavdelay.bandcamp.com/

         

Burial – Tunes 2011-2019

VÖ: 06.12.2019

Label: Hyperdub

Genre:  Electronica / Experimental / Ambient

Mittlerweile weiß man ja wie Burial richtig heißt: William Emmanuel Bevan. Der aus London stammende Produzent ist seit 2001 musikalisch aktiv, lange Zeit war aber über diese Person nichts bekannt. Das machte es ja sicherlich so spannend, dass da jemand mit einigen anderen ambitionierten Acts einen neuen kreativen, höchst atmosphärischen, basslastigen, individuelle, minimalistische Rhythmusmuster aufweisenden, um die Jahrtausendwende aufkommenden Sound prägte, der sich so revolutionär aus unterschiedlichen Elementen speiste wie UK-/2-Step-Garage, Dub, Drum’n’Bass, Grime und Jungle. Man nannte ihn Dubstep, den der legendäre Radio-DJ John Peel noch in dessen Sendung spielte. Viele Künstler/innen waren bereit, die Electro-Szene mit frischen, unheimlich begeisternden Klängen aus den Angeln zu heben, darunter eben ein Mann, dessen Identität wie gesagt lange Zeit nicht geklärt war. Dieser unterschrieb 2005 einen Vertrag auf dem Label von Kode9, selbst ein wichtiger Protagonist des Dubstep. Das schon große selbstbetitelte Debüt im darauffolgen Jahr erregte die öffentliche Aufmerksamkeit, aber der 2007 erschienene Zweitling Untrue toppte alles, eine der, wenn nicht sogar die beste Veröffentlichung des Dubstep in seiner Ur-Form, wie der Sound bis zu dem Zeitpunkt kategorisiert wurde. Bevor Burials Identität aufgedeckt wurde, gab es die wildesten Spekulationen, um wen es sich handeln würde, angeblich waren auch Namen wie Richard D. James (Aphex Twin) oder Norman Cook (Fatboy Slim) dabei. Als diese dann geklärt war, widmete sich der Künstler spannenden Kooperationen zu, unter anderem mit Massive Attack, Four Tet, Thom Yorke, Zomby, Kode9 und einigen anderen. Gerade wo der Dubstep immer kommerzieller – manche, darunter ich, würden auch sagen weitaus weniger spannend und konventioneller, mit Orientierung zum US-Markt (Stichwort: Brostep um Acts wie Skrillex) – wurde, da orientierte sich Burial an Sounds, die zwar Elemente der Ur-Form (z.B. den Minimalismus) beinhalteten, aber gleichzeitig neue Stilmittel einbanden. Es ging neben Ambient/Downtempo unter anderem noch intensiver in Richtung House/Techno/Trance bzw. fand er stets seine individuellen Kreationen aus den unterschiedlichsten Richtungen. In Sachen Rhythmusstrukturen war Burial auch weiterhin nicht kategorisierbar. Was soll man sagen, er blieb weiterhin eine der prägendsten Protagonisten der britischen Electronica, mit einigen EPs die dann ab Anfang dieser Dekade veröffentlicht wurden. Einige der genialen Tracks werden nun auf der Compilation Tunes 2011-2019 zusammengebracht. Über die Distanz von zweieinhalb Stunden wird unter Beweis gestellt, was für ein Genie der Brite ist, wie – natürlich von mir vereinfacht gesagt – mit dem Einsatz von Samples und Geräuschen, dem Unterlegen mit Ambient-Klangflächen, komplexen Lo-Fi-Rhythmusstrukturen  und einem kleinen Pop-Einfluss (ab und zu) die größtmöglichen Effekte erzielt werden. Herausragend und wegbereitend für nachfolgende Acts der Electronica-Szene!

Note: 1,3

https://www.facebook.com/Burial-10341169793/

 

Apparat – LP5  

VÖ: 22.03.2019

Label:  Mute

Genre: Electronica / Ambient(-Pop)

Vor kurzem ist ja die neue Platte von Modeselektor erschienen (von der ich immer noch nicht genau sagen kann, wie ich sie finde), dem Duo um Gernot Bronsert und Sebastian Szary. Mit ihnen bildet Sascha Ring alias Apparat die innovative, höchst erfolgreiche  Gruppe Moderat, deren Musik mir allgemein sehr gut gefällt. Nun hat der 40-Jährige endlich mal wieder ein reguläres Solo-Studioalbum veröffentlicht, nach acht langen Jahren. Zwischendrin gab es ja die Neuinterpretation eines Scores zu Krieg und Frieden (2013), zu der ich leider nichts sagen kann, da ich sie bis heute aus unerfindlichen Gründen nicht gehört habe. Dabei sind die Sounds, die Sascha Ring auf seinen Veröffentlichungen bietet, immer individuell, aufregend und unkonventionell ausgestaltet. Ich denke da beispielsweise an die großartige Kollaboration mit Ellen Allien auf Orchestra Of Bubbles (2006) oder sein Beitrag zur DJ-Kicks-Reihe (2010). Allerdings sind ebenso seine Studioalben immer wieder ein Genuss, aufgrund von Charakteristika, die auch das – der Titel verrät es – fünfte Werk auszeichnen. Innovative Sounds im Spannungsfeld zwischen ambitionierter Electronica, Ambient und – ja, auch – Pop, die sich herrlich unaufgeregt dem Hörer langsam erschließen und dann eine umso größere Wirkung entfalten. Ich mache selbst oft den „Fehler“  – wie zuletzt auch bei The Devil’s Walk (2011) -, dass ich zunächst nicht so gepackt werde wie erhofft. Ich müsste es ja besser wissen. Die Tracks werden sehr oft in Film/Serien (u.a. meiner Lieblingsserie Breaking Bad). Die Sounds sind nun auf LP 5 für Apparat-Verhältnisse sogar noch minimalistischer gehalten, unternehmen gleichzeitig aufregende Ausflüge in den Pop. Man merkt, dass Ring sicherlich einen großen Beitrag zu der Musik von Moderat leistet, aber eben auch solo einiges zu erzählen und zu bewirken hat. Richtig klasse!

Note: 2,0

http://www.apparat.net/

 

Radiohead – OK Computer / Kid A / Amnesiac  

Radiohead – OK Computer

VÖ: 13.07.1997

Label: Parlophone

Genre:   Alternative-/Art-Rock

 

Radiohead – Kid A

VÖ: 02.10.2000

Label: Parlophone

Genre: (Alternative-/Experimental-/Post-/Progressive-)Rock / Electronica / Ambient

 

Radiohead – Amnesiac

VÖ: 05.06.2001

Label: Parlophone

Genre: (Alternative-/Experimental-/Post-/Progressive-)Rock / Electronica

 

Die Briten Radiohead gehören zweifelsohne zu meinen All-Time Lieblingsbands, das wird sich bestimmt niemals ändern! Ich werde ihnen auf ewig dankbar sein für ihren Mut, ihren unbedingten Willen, der Pop-Musik DEN innovativen Stempel aufzudrücken, dabei null Kompromisse eingegangen zu sein, sich von den gängigen, konventionellen Strukturen entfernt zu haben! Damit beziehe ich mich vor allem auf jene Phase kurz vor und nach der Jahrtausendwende, als drei gigantische Werke entstanden, die mich auch heute noch jedes Mal  gefangen nehmen, mich fragen lassen, wie es nur möglich ist, solch überwältigende Musik produzieren zu können. Meine ersten Erinnerungen habe ich an Radiohead in Zusammenhang mit einer MP3-Sammlung eines Kumpels, die ein paar Songs ihres zweiten, auch schon fantastischen  Studioalbums The Bends (1995) enthielt, ich meine es waren High And Dry und Street Spirit (Fade Out). Es muss so 1997/98 gewesen sein, als OK Computer bereits erschienen war. Mir wurde schon damals irgendwie klar, dass die Musik der Briten um Thom Yorke kaum noch mit den damals vorherrschenden Britpop- und Alternative-Rock-Klängen der 1990er Jahre gleichzusetzen ist. Denn auch auf besagtem Zweitling deuteten sich, im Gegensatz zum Debüt Pablo Honey (1993) – das bis ein paar Ausnahmen, allen voran das sensationelle Creep (mit dem wahnsinnig genialen Gitarren-Sounds von Jonny Greenwood, die schon damals aus seiner Unlust heraus entstanden, die ursprünglich vorgesehenen konventionellen Melodien zu spielen) noch nicht so wagemutig daherkam – erste unkonventionelle Elemente an. Ja, und dann erschien das erstmalig komplett von ihrem späteren Langzeitproduzenten Nigel Godrich betreute OK Computer, ein Meilenstein in der Diskografie von Radiohead, der noch einmal eine gehörige Schippe drauflegte in Sachen Innovation. Es ging um höchst verstörende und beängstigende Themen, unter anderem um Isolation, Entfremdung, um die Verlorenheit des Individuums in der Gesellschaft (mit Verweis auf Literatur, z.B. von Noam Chomsky und Douglas Adams). Vor allem das Musikalische: erste Schritte in eine komplett andere Richtung, man begab sich auf die Spuren Pendereckis und anderer Komponisten zeitgenössischer Avantgarde, es flossen Elemente des Art- und Progressive-Rocks ein. Absolute Spitze, mit herausragenden Songs wie Paranoid Android, Karma Police uvm., auf einem Werk, das so viele nachfolgende Künstler/innen inspirieren sollte  Musik, die jederzeit die verschiedensten Wendungen nimmt, sich niemals auf der Stelle bewegt, sondern vor Ideen nur so strotzt! Wie so oft, habe ich etwas gebraucht, um die Musik in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Aber als es dann so weit war, war ich hingerissen. Ja und dann: Ende 2000 der absolute Wahnsinn, Kid A. Thom Yorke sang weiterhin über höchst „unbequeme“ Themen, begleitet von wagemutigen Klängen und Rhythmen, erzeugt von einem vielseitigen Instrumentarium (u.a. einer Ondes Martenot), inspiriert von den unterschiedlichsten Genres, die hier phänomenal vereint wurden.  Progressive-, Experimental-, Art- und Post-Rock, Jazz, Neue Musik, Ambient (Vorbilder: Brian Eno über Pink Floyd, Can, Neu! bis Miles Davis uvm.), vor allem ambitionierte Electronica, Yorkes Begeisterung für Künstler/innen wie Aphex Twin, Boards Of Canada, DJ Shadow, aber auch Kraftwerk hatte durchschlagende Wirkung erzielt! Kid A ist eines der besten Alben der 2000er Jahre für mich, wenn nicht sogar aller Zeiten! Etwa ein halbes Jahr später kam dann noch Amnesiac heraus, das alles andere als ein „Kid A 2“ ist, ebenso großartig wie die beiden Vorgänger, mit einem monumentalen Pyramid Song (diesen hörte ich zum Zeitpunkt des Releases während einer nächtlichen Autofahrt, er zog mich sofort in seinen Bann) und einer weiterhin festzustellenden beneidenswerten Kompromisslosigkeit. Danach brachte das Quintett weitere geniale Alben (u.a. Hail To The Thief, In Rainbows) heraus, dennoch sind die hier aufgeführten Werke meine absoluten Highlights! Radiohead, my heroes!

Alle drei Werke OK Computer / Kid A / Amnesiac

Note: 1,0

http://www.radiohead.com/deadairspace

OK Computer

 

 

Kid A

Radiohead – Everything In Its Right Place from Clare Zhou on Vimeo.

Radiohead – Idioteque [Kid A] from faustidioteque on Vimeo.

Radiohead – Optimistic [Kid A] from faustidioteque on Vimeo.

 

 

Amnesiac

 

Aphex Twin – Selected Ambient Works 85-92

VÖ: 12.02.1992

Label: R&S

Genre: Ambient(-Techno) / Electronica

Ich weiß noch genau, wie ich ziemlich genau zur Jahrtausendwende in Köln durch die Filiale einer bekannten Elektrohandelskette lief, sicherlich eher etwas aus der Richtung Rock/Pop kaufen wollte, mich aber in der Electro-/Techno-Ecke „verirrte“. Dort blieb ich unmittelbar vor einer Maxi-Single stehen, die ein stranges Cover veranschaulichte. Es gab darauf einen Bikini tragenden Frauen-Oberkörper zu sehen, der Kopf ließ sich aber ganz klar dem eines Mannes zuordnen. Mein Interesse war geweckt, ich hörte in die CD herein, war aber damals noch nicht so angetan, weil die Musik mich eindeutig überforderte. Einige von Euch werden wissen, worauf ich mich beziehe. Genau, es handelt sich um den meisterhaften Track Windowlicker von  Richard D. James* (dessen Kopf übrigens auf besagtem Cover veranschaulicht wird), der sich in der Electro-Szene unter unzähligen Pseudonymen einen Namen gemacht hat, von denen Aphex Twin aber das sicherlich bekannteste ist, weil er unter diesem Alias aus musikhistorischer Sicht die wohl durchschlagskräftigste, künstlerisch wertvollste Arbeit abgeliefert hat. Ich lernte diese im Verlauf der frühen bis mittleren 2000er Jahre zu schätzen, sah bei  VIVA Zwei oder im Nachtprogramm von MTV die auch heute noch absolut unheimlich-verstörenden, gleichfalls faszinierenden (von Chris Cunningham inszenierten) kunstvollen Videos zu besagtem Windowlicker und vor allem Come To Daddy (Vorsicht, Alptraumgefahr!) an. Das oben beschriebene Cover sah ja schon befremdlich aus, aber die Fratzen die hier teilweise, auch auf früher erschienenen Alben (auf dem 1995 veröffentlichten I Care Because You Do und insbesondere dann auf dem ein Jahr später produzierten Richard D. James Album) zu sehen waren, ließen mich ordentlich gruseln. Die Musik war größtenteils aggressiv, bot pumpende, komplexe und ambitionierte, oftmals auch eine unheilvolle Stimmung vermittelnde Drill ‘n‘ Bass- / Acid- / Jungle-, generell „härtere“ Electronica-Sounds, die sich der Bezeichnung „Intelligent Dance Music“ zuordnen lassen. Gleichzeitig lernte ich ebenso in diesen Jahren die „sanfte“ Seite des Aphex Twin kennen, die fast schon harmonisch-hypnotischen, häufig von Tasteninstrumenten getragenen, gleichfalls an Brian Eno und Erik Satie orientierenden Ambient-Sounds kennen, zunächst das ebenso mit einem tollen Video ausgestattete (von Ex-Pulp-Sänger Jarvis Cocker inszenierte) On (lief auch im Nachtprogramm des damaligen Musikfernsehens), später auch Tracks wie Alberto Balsalm oder den auf Drukqs (2001) befindlichen Avril 14th. Später sah ich schließlich ein Video auf Youtube, es lief damals in der legendären MTV-Electro-Sendung Party Zone. Gemeint ist jenes von Ageispolis, das wiederum auf dem atemberaubend guten Debütalbum zu finden ist: Selected Ambient Works 85-92. Natürlich gibt es einige grandiose Werke in Richard D. James‘ Diskographie, dies hier ist aber aus einem bestimmten Grund sicherlich nicht nur für mich das bedeutendste. Der Brite wurde 1971 geboren, wie sich am Titel des Albums bzw. den darin angegebenen Jahreszahlen erkennen lässt, stammen die Tracks aus einer Zeit, als dieser zwischen 14 (!) und 21 alt war. Beachtet man nun, dass damals die produktionstechnischen Mittel noch nicht in vergleichbarem Maße verfügbar waren wie heute, James sich die Sounds durch sein vorhandenes Know-how  in unglaublicher Feinarbeit selbst zusammenbastelte, so kann man doch nicht anders als voller Bewunderung für die Leistungen dieses Mannes zu sein. Hier wurden die Grundlagen für die späteren Klänge auf den weiteren großen Alben gelegt! Ambient dominiert, doch auch die unbequem-„härteren“, gruselig angehauchten  Sounds schimmern hier schon durch, alles garniert mit den feinsten Samples, wie etwa aus Gene Wilders Charlie und die Schokoladenfabrik in We Are The Music Makers. Auch wenn nicht alle Klänge hundertprozentig zeitlos klingen, so stellt Selected Ambient Works 85-92 in meinen Augen einen Geniestreich dar, der unglaublich viele nachfolgende (Electro-)Künstler/innen beeinflusst und mich ebenso unendlich begeistert hat!

* Es gibt zu Windowlicker eine nette Szene in dem fabelhaften Film High Fidelity zu sehen.

Note: 1,0    

http://warp.net/artists/aphex-twin/

 

Massive Attack – Mezzanine

VÖ: 20.04.1998

Label: Virgin

Genre: Electronica / Ambient / Trip-Hop

Ich kann mich noch genau erinnern, mein Vater kam aus der Stadt – ich nehme an, es war Köln – zurück und brachte eine brandneue CD mit, die er gekauft hatte und mir stolz präsentierte. Er zeigte sich eigentlich generell offen für moderne Sounds, hörte beispielsweise zur „Freude“ unserer Nachbarn laut Rammstein oder erfreute sich an den Klängen von Björk, Moby, Public Enemy, Sigur Rós, Sonic Youth, Nirvana, Pearl Jam oder was eben jeweils angesagt war. Ich hingegen, was ich ja bereits im Zusammenhang mit der Besprechung von Airs Moon Safari erwähnt habe, verfügte zu dieser Zeit – also Ende der 1990er Jahre – noch über keinen wirklich breit gefächerten Musikgeschmack. Ich hörte eigentlich hauptsächlich das, was bei 1Live in den Charts-orientierten Sendungen lief oder zu großen Teilen auf den Bravo-Hits-Compilations versammelt wurde. Dennoch, das muss ich mir an dieser Stelle auch mal zugutehalten, ich wusste relativ schnell oder konnte zumindest erahnen, ob eine Platte für mich einen dauerhaften Wert haben würde. Denn das meiste der damaligen „Hits“ blieb irgendwie nicht im Ohr, im Gegensatz dazu tat es die Musik, die mein Vater hörte, schon (auf jeden Fall oft). Ich kann mich beispielsweise erinnern, dass er von einer USA-Reise zwei CDs mitbrachte – eine war Limp Bizkits Significant Other und die andere war The Battle Of Los Angeles von Rage Against The Machine. Ein Exemplar durfte ich behalten, ich entschied mich für letzteres, das ich auch heute noch lieber höre. Jenes zu Beginn erwähnte Album war Mezzanine von dem heute längst legendären britischen Duo aus Bristol – Massive Attack. Es gehört zu meinen absoluten All-Time Lieblingsplatten. Ich bin mir bewusst, dass ihr Debüt Blue Lines (1991) wohl das wichtigere Werk ist, es wird neben Portisheads Dummy und Trickys Maxinquaye zu Recht zu den essentiellen Vertretern des Trip-Hop gezählt. Ebenso der direkte Nachfolger Protection – man denke vor allem an den Titelsong mit der unfassbar guten Tracey Thorn (Ex-Everything But The Girl) und das noch mit Tricky eingesungene Karmacoma – hatte einige geniale Momente zu bieten. Die entsprechende Dub-Remix-Platte No Protection von Mad Professor fand ich auch klasse. Nur verbinde ich mit diesen Werken weniger Erinnerungen als mit Mezzanine. Außerdem ist es doch einfach majestätisch, mit diesem einprägsamen Hirschkäfer-Cover und den unglaublich modernen Sounds. Ich zumindest kann kaum fassen, dass die Platte bald 20 Jahre alt wird! Man sagt, dass der Pop in Bristol sich der Langsamkeit verschrieben habe, insbesondere zu Zeiten von Blue Lines. Hier auf Mezzanine ist hörbar, dass Spuren des Trip-Hop im Klangkosmos von Robert Del Naja („3D“) und Grantley Marshall („Daddy G“) übriggeblieben sind und weiterhin eine Rolle spielen, alles sich allmählich entwickelt. Doch der Fokus liegt jetzt noch klarer auf der Erforschung aller Möglichkeiten im weiten Feld der Electronica. Wie das mit Grundzutaten des Trip-Hop als auch weiteren Elementen – von Pop, Reggae, Soul über Hip-Hop, Ambient bis Rock und  Punk ist hier alles vertreten – vereinigt wird, ist absolut atemberaubend. Natürlich sind da auch die Gäste zu erwähnen, die einen großen Anteil an der Klasse des Werkes haben. Diese veredelten die heute immer noch absolut memorablen Songs wie das von dem legendären Roots-Reggae-Künstler Horace Andy gefeaturte Angel oder vor allem Teardrop, das ebenso aufgrund der engelsgleichen, unverwechselbaren Stimme der Cocteau Twins-Sängerin Elizabeth Fraser im Gedächtnis geblieben ist. Wobei bei letzterem Song natürlich auch das exzellente Video und die durch den Einsatz in Serien und Filmen (z.B. Dr. House, The Simpsons, Prison Break) erlangte Bekanntheit zu erwähnen ist. Insgesamt ein überaus genialer Streich, der nicht umsonst von den Kritikern neben seinem berühmten Vorgänger Blue Lines zu den wichtigsten Alben der 1990er Jahre (bzw. der letzten Jahrzehnte, z.B. ist Mezzanine unter den Top500-Alben des Rolling Stone gelistet) gezählt wird. Zweifellos einflussreich für viele gegenwärtige Künstler!

Note:  1,0                  

http://www.massiveattack.co.uk/

 

DJ Shadow – Endtroducing…..

VÖ: 16.09.1996

Label: Mo‘ Wax

Genre: Electronica / Ambient / (Instrumental-/Experimental-)Hip-Hop

Wo ich schon über die Avalanches und deren Bedeutung für das Sampling (“Plunderphonics”) schreibe, die mit Since I Left You zweifellos ein absolutes Meisterwerk geschaffen haben, so kommt man in diesem Zusammenhang zwangsläufig auf ein weiteres Album zu sprechen, das dieser Kunstform – darüber hinaus im Generellen den Genres der Electronica und des Hip-Hop in den auf seinen Release folgenden Jahren und Jahrzehnten – erst recht und noch früher den ultimativen Stempel aufgedrückt, den Weg für neue Ausdrucksformen in den jeweiligen Spielarten geebnet hat. Man kommt einfach nicht darum herum, DJ Shadows Langspieldebüt Endtroducing zu erwähnen! Das ist mir aber auch alles andere als lästig oder unangenehm, im Gegenteil: das Werk gehört zu meinen zehn, wenn nicht sogar fünf  All-Time Favorites! Wenn man sich die Tracks anhört, merkt man ihnen nicht einen Moment lang ihr Alter von jetzt schon 21 Jahren (!) an. Es fängt mit dem unvergleichlichen Intro Best Foot Forward an, leitet in das geniale Building Steam With A Grain Of Salt über, nimmt den Hörer mit zu dem Über-Song  What Does Your Soul Look Like (Part 4), führt weiter über die genialen Singles Stem (auf dem Album ja erweitert mit Long Stem) und Midnight In A Perfect World. Und das sind ja nur die Eckpunkte, ebenso die anderen Tracks lassen einen als Hörer sprachlos zurück. Es gibt an keiner Stelle dieses Klangwunders einen Durchhänger, stattdessen wird man mit einer Sound-Vielfalt überrascht, die atemberaubend ist. Die Gänsehaut-Momente wollen wirklich nicht enden, man beachte nur diesen sensationellen Spannungsaufbau in Napalm Brain / Scatter Brain! Da mag man einwenden: „Der hat ja nur Samples verwendet, keines der zu hörenden Instrumente selber gespielt“. Das stimmt vielleicht (ein bisschen), Josh Davis aka DJ Shadow hat ein minimales Equipment zur Verfügung gehabt, mit dem er aber seine Klangforschungen wirkungsvoll in Szene setzte – er durchforstete unzählige Plattenläden, sammelte wie ein Besessener. Allerlei, unglaublich viele Ton-Schnipsel – aus den verschiedensten musikalischen Gattungen, Soundtracks, aufgezeichnete Dialoge etc., gerne auch mal selten oder obskur in ihrem Charakter – führte er kunstvoll zusammen. Da lohnt sich übrigens mal wieder (wie bei den Avalanches) ein Blick in die Einträge bei whosampled: man findet als Material unter anderem David Axelrods The Human Abstract, natürlich den Orgelpart aus Giorgio Moroders Tears, weiteres von James Brown, Björk, Metallica, Tangerine Dream, Pekka Pohjola, Beastie Boys, Kraftwerk, und was nicht alles sonst noch! Das müssen sich jene Skeptiker einmal vor Augen führen, dass man diese zahlreichen Einzelteile – die größtenteils im Original schon exquisit klingen – doch erst einmal zusammenbringen muss, die ja durchaus von ihrer Wesensart konträr zueinander stehen. Man muss schon über fundierte Kenntnisse verfügen! Vor allem ist zu bedenken, dass DJ Shadow zu dieser Zeit erst gerade mal 24 Jahre alt war! Ich selbst habe die Platte so Anfang der 2000er Jahre entdeckt, war aber sofort fasziniert. Ich weiß nicht, wie oft ich sie damals hörte! Dann brachte eine damalige Freundin von mir Endtroducing mit, von einem Aufenthalt in England, legte es auf ihrer Geburtstagsparty auf. Ich war für einige Momente in anderen Sphären, beachtete gar nicht, was um mich herum passierte. Auch wenn ich generell ein Träumer bin, ist dieser Schwebezustand, in dem man in andere Welten zu reisen glaubt, nicht untypisch während der Rezeption dieses Meilensteins (und das nicht nur, weil da Auszüge von den Gesprächen während der Mondlandung zu hören sind). Ich finde zwar, dass auch The Private Press (2002) großartig ist, seine weiteren Arbeiten – egal ob als Teil von Unkle (Psyence Fiction) oder in Form seiner LPs, EPs, Mixes und Compilations (Preemptive Strike!) – mit Ausnahme von The Outsider (2006, welches mir überhaupt nicht zusagte) – super oder zumindest okay sind, so groß wie Endtroducing ist das alles allerdings nicht. Absolut fantastisches Sampling-Kunstwerk, das ich immer wieder hören, das mich fortwährend und von Neuem überraschen und erfreuen kann!

P.S.: Wie die Avalanches durfte ich auch DJ Shadow live erleben, letztes Jahr im Kölner Gloria. Er ist immer noch gut drauf, soviel ist sicher!

Note: 1,0

http://djshadow.com/

 

Goldfrapp – Felt Mountain

VÖ: 05.02.2001

Label: Mute

Genre: Ambient / Electronica / (Kammer-/Dream-)Pop

Das Film-Feeling, das ich im Zusammenhang mit Music Has The Right To Children von Boards Of Canada angesprochen habe, kommt noch stärker im Zusammenhang mit einem Album zum Tragen, welches ich leider erneut erst spät kennengelernt habe. Ich kann mich noch ganz dunkel daran erinnern, dass ich – vermutlich im damaligen alternativen Abendprogramm von Radio 1Live, im „Kult Komplex“ (heute „Plan B“) – den Song Utopia hörte. Das muss ein paar Monate, vielleicht auch ein Jahr nach dem Release von Felt Mountain gewesen sein. Ich bin mir jedoch sehr sicher, dass ich außerordentlich fasziniert von diesen Melodien war. Wer kann bei solchen Klängen aber auch nicht an Filme denken, große epische Western, vielmehr Werke mit atemberaubenden Natur- oder Fantasyaufnahmen? Hieß ja nicht umsonst Utopia. Das Album selbst habe ich dann erst um 2003 zur Kenntnis genommen, als der fantastische Nachfolger Black Cherry erschien, der in Richtung Synthie-Pop und Electroclash tendierte. So oder so, die unglaublich präsente und zauberhafte Stimme dieser Sängerin passte zu beiden Varianten, dem „härteren“ Sound, den letztgenanntes Werk aufbot, gleichsam wie zu dem „sanften“ Klanggewand, das noch besser – nein, wirklich perfekt – auf Felt Mountain zur Entfaltung kommt (danach wurden fast im Wechsel beide Soundformen auf Goldfrapps weiteren Alben fortgeführt). Alison Goldfrapp schafft es spielend leicht, unvergleichliche Höhen zu erreichen, fast so wie es die abgebildeten Gebirgsaufnahmen im Booklet versinnbildlichen könnten (man höre nur mal ihre Leistungen in dem einzigartigen Titelsong). Ich hatte es in der Review zum neuen, wirklich immer noch wunderbar produzierten Silver Eye schon erwähnt, welche Ausstrahlung Alison Goldfrapp hat, was für eine bewundernswerte Persönlichkeit sie ist. Mit dem Debüt hat meine Wertschätzung für die damals 34-Jährige ihren Anfang genommen. Man sollte jedoch auch nicht vergessen, wer die sagenhaften Melodien zu ihrem fabelhaften Gesang mitgestaltet, ihr kongenialer Partner  Will Gregory. In Zusammenarbeit sind großartige, höchst aufwendige instrumentell arrangierte Songs entstanden, in denen verschiedene stilistische Einflüsse genial in einem einzigartigen Sound verschmolzen werden, angelegt zwischen Ambient, Electronica, Pop, Jazz, Cabaret, Folk, Trip-Hop und eben Filmmusik. Kein Wunder, dass man zugleich an Portishead oder Björk, an James Bond-Soundtracks – vor allem jene von Shirley Bassey – aber eben auch an Ennio Morricone, Lalo Schifrin oder auch Maurice Jarre denkt. Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass der Aufnahmeprozess einige Schwierigkeiten für das Duo bereithielt, man etliche Hürden auf sich nahm, um dieses Album zu produzieren, zum Beispiel setzte die Abgeschiedenheit in der Grafschaft Wiltshire Sängerin Alison Goldfrapp zu. Wie so oft in der Kunst führen verschiedene Aufarbeitungen persönlicher Probleme zu herausragenden Werken. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Kindheit und Filmklassikern – z.B. mit Roman Polanskis Wenn Katelbach kommt (im Original: Cul-de-sac), das Sinnieren über Reisen im Weltall sind nur ein paar der vielen Themen auf Goldfrapps Meisterwerk. Mal introvertiert und verträumt, mal nach vorne treibend und erotisch angehaucht. Unglaublich, für mich ein ewiger Klassiker, der in den über eineinhalb Dekaden seines Bestehens nichts von seinem Glanz verloren hat. Felt Mountain stellt unter den sieben, allesamt tollen Studioalben der Briten das Prachtexemplar dar, ist mein absoluter Favorit!

Note: 1,0

https://www.goldfrapp.com/

A Trip to Felt Mountain from Rick Romaniuk on Vimeo.

Lovely Head (Alternate Version) from Goldfrapp on Vimeo.

Goldfrapp: ‚Feltmountain‘ (2000) from Music Collector on Vimeo.

 

 

Boards Of Canada – Music Has The Right To Children

VÖ: 20.04.1998

Label: Warp

Genre: Electronica / Ambient

Wo wir schon beim Thema “Nostalgie” und damit zusammenhängenden Kindheits- und Jugenderinnerungen sind, so ist in demselben Jahr, in dem Air mit Moon Safari den passenden, absolut perfekten  Soundtrack dazu lieferten, ein weiteres atemberaubendes Album erschienen, auf dem eine Rückschau auf die Vergangenheit vorgenommen wird. Wenn auch auf eine andere Weise, aus einer  im Vergleich wohl etwas pessimistischeren Betrachtungsweise heraus. Es handelt sich um die offizielle Debüt-LP des Brüder-Duos Michael Sandison und Marcus Eoin, das sich nach einer kanadischen Filmgesellschaft benannte. Die Dokumentationen der National Film Board Of Canada inspirierten die Schotten, eigene gedrehte Kurzfilme mit selbst komponierter Musik zu unterlegen. Vor allem was für welche! Überaus psychedelische und kinematographisch anmutende, zwischen glückseligen, sehnsuchtsvollen und düsteren, unbequemen Momenten wechselnde Musik. Die Zutaten: mit analogen Synthies und allerlei Equipment erzeugte moderne Electronica/Ambient-Sounds (auch „Intelligent Dance Music“ getauft, weshalb das Werk perfekt zum ausgezeichneten britischen Warp-Label passt), langsame Rhythmen sowie Samples/Field Recordings aus Fernsehen/Film, kuriosen Quellen, die auch gern mal wegen ihrer totalen Verfremdung nur sehr schwer zu verorten sind. Es geht um Erinnerungen an die Kindheit und Jugend, die nicht nur positiv konnotiert sind, vornehmlich wie Erwachsene sie haben könnten. Man muss sich nur mal das Cover anschauen, auf dem Menschen zu sehen sind, deren Gesichter unkenntlich gemacht sind. Es geht also um verschwommene Erinnerungen, vieles bleibt angedeutet, man ist sich nicht sicher, ob sie der Realität entsprechen. Das fand ich schon immer spannend, ich fühle mich auch heute oft beim Anhören der Musik an Filmarbeiten von David Lynch erinnert (die ich so liebe), rufe mir andererseits manchmal ins Gedächtnis, wie ich mit einem Freund in der Vergangenheit (ich denke mal im Alter von ca. 9-12 Jahren) Filme ausdachte – damals noch ohne Kamera, wir spielten sie einfach nach, taten so als ob wir Schauspieler seien. Auch da erinnere ich mich nur noch ansatzweise, habe einzelne Erlebnisse im Kopf, denke beim Hören der Musik an diese Zeit zurück. Auch andere Bilder von früher erscheinen vor dem inneren Auge. Passend finde ich, dass es bei Youtube zu der Musik von Boards Of Canada einige von Usern selbst hergestellte Videos gibt (siehe unten, offizielle gibt es wohl nicht), bei denen alte Werbespots, Filme, kuriose erscheinende Szenen zu sehen sind. Genau dies verbinde ich mit den Klängen der Schotten. Ich habe diese Band erst relativ spät entdeckt, nach anderen Acts des Labels Warp, wie z.B. Aphex Twin oder Autechre, die ich gehört hab, als ich noch Ambitionen und Träume hatte, im Filmgeschäft tätig zu werden (ca. im Alter von 18-21 Jahren). Als ich Boards Of Canada erstmals rezipierte, war ich hin und weg, dies wäre der perfekte Soundtrack für meine Filme gewesen. Ich liebte ihre Werke, egal ob das verstörende Geogaddi, das entspannte The Campfire Headphase oder ihre experimentelle Früharbeit Twoism, ihre EPs, Remixe und unveröffentlichten Tonträger (von denen einige Songs bei Youtube gehört werden können, obwohl nicht ganz sicher ist, ob sie alle echt sind). Music Has The Right To Children ist aber ihr unantastbares Meisterstück! Ein guter Freund von mir sagte einmal, dass er den Titel des Albums so toll fände, recht hat er!

Note: 1,0

https://bleep.com/artist/78-boards-of-canada

Boards of Canada – Aquarius from David Dohrmann on Vimeo.

 

The Black Dog – Neither/Neither

VÖ: 14.08.2015

Label: Dust Science

Genre: Ambient / Acid House

Wer ein Faible für die sogenannte „Intelligent Dance Music“ hat, sollte sich unbedingt noch einmal ein paar Veröffentlichungen dieser britischen Electronica-Pioniere aus den frühen und mittleren 1990er Jahren zu Gemüte führen. Ken Downie, anfangs noch zusammen mit Andy Turner und Ed Handley (letztere beide verließen die Band 1995, um dann die ebenso formidablen Plaid zu gründen), spielte damals ein paar Werke ein, die nicht weniger innovativer und verschrobener waren als jene der damaligen Warp-Labelkollegen als auch anderen Genre-Mitstreiter wie Aphex Twin, Autechre, µ-ziq oder The Future Sound Of London. Manche von den Black Dog-Veröffentlichungen sind eventuell auch nicht als solche sofort erkennbar, da sie unter anderem Pseudonym erschienen (z.B. Xeper, I.A.O.). Den Tracks der Frühwerke Bytes, und Temple Of Transparent Balls, aber auch Spanners und Music For Adverts (And Short Films) sind (bis auf wenige Ausnahmen) ihr Alter von über bzw. fast 20 Jahren nicht anzuhören. Deshalb wurde The Black Dog eine hohe Wertschätzung entgegengebracht. Die Band wurde auf der legendären Artificial Intelligence – Compilation von Warp geführt, John Peel lud sie zu seinen Sessions ein sowie einige Remix-Anfragen (u.a. von Björk) trudelten für sie ein. Zusammen mit den beiden Gründern des Labels Dust Science, Martin und Richard Dust, hat Ken Downie seit 2001 ein paar Alben eingespielt, die zwar nicht so zukunftsbezogen wie oben erwähnte Werke klangen, aber dennoch Akzente zu setzen vermochten, vor allem jeweils zeitgemäße Beats und Sounds aufbieten konnten. Das gilt ebenso für die Nummer Acht in dieser Besetzung, die jederzeit mit frischen Einfällen zu überraschen weiß. Im Spannungsfeld zwischen Ambient (es gibt ein paar Tracks, die wie auf dem 2010 veröffentlichten Music For Real Airports dem Genre-Großmeister Brian Eno huldigen) sowie vorwärtsschreitendem Acid House scheint man weiterhin noch Neues entdecken zu können. Sehr erfreulich!

Note: 2,3

www.theblackdogma.com/tbd/

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