Best Of 2010-2019: The XX – I See You

VÖ: 13.01.2017

Label: XL

Genre: Indie-/Dream-Pop / Electronica

Ich halte es heute mal kurz, da ich ja in diesem Jahrzehnt-Rückblick – das hier besprochene einschließlich – alle Alben – also dazu noch die vorherige Studio-LP Coexist sowie das Solo-Werk von Jamie XX – besprochen habe und damit zusammenhängend alles Wichtige gesagt habe. Nur soviel, I See You bringt immer noch so genial und angenehm unaufdringlich, gleichzeitig kraftvoll, emotionalen Pop und modernste Electronica zusammen, ohne dass irgendwie die Ideen ausgehen. Tolle Hymnen wie On Hold, Say Something Loving und I Dare You, aber auch Nicht-Singles wie A Violent Noise gehören mit zu dem Besten, was The XX produziert hat. Geniale Band, bin gespannt was da im nächsten Jahrzehnt so von den Londonern zu erwarten ist!

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2017/01/18/the-xx-i-see-you/ (Note: 1,7)

Best Of 2010-2019: Queens Of The Stone Age – Villains

VÖ: 25.08.2017

Label: Matador

Genre: Stoner-/Hard-/Alternative-Rock

Das ist die Platte meiner Lieblingsrocker, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte! Es ist das Album, das ich natürlich irgendwie gut fand – ist ja von den Queens Of The Stone Age -, aber das mich jetzt nicht unmittelbar vom Hocker gerissen hat. Lässt sich ja auch an meiner Rezension erkennen. Ein guter Kumpel von mir, der sonst nicht so viel mit der Band und ihren Alben anfangen kann – also auch nicht so mit Songs For The Dead (2002) – und dessen Meinung und Know-How über Musik ich jedoch sehr zu schätzen weiß – erzählte damals, er habe sich die neue Platte Villain auf Vinyl gekauft (er schickte mir ein Foto)…und er war begeistert! Das fand ich interessant, da ich ja noch nicht so mitgerissen war. Die LP ist also genial? Hmmm…die erste Single The Way You Used To Do war in Ordnung, aber irgendwie jetzt vom Sound nicht allzu neu im Kosmos der Queens. Und heute? Die Platte ist wirklich super. Sie spielt nicht in der Liga von Songs For The Deaf, vielleicht auch nicht in der von Rated R (2000) oder des 1998er-Debüts. Doch Villain begeistert mit Rock-Sounds, die man sicherlich nicht als erwartbar bezeichnen kann, denn in den von den beiden Marks – Ronson und Rankin –  produzierten, klasse instrumentierten Songs blitzen immer wieder Elemente auf, die man vorher nicht von den Kaliforniern kannte oder von ihnen eher selten gehört hat. So gibt es hier z.B. Boogie, Glam und Dance, immer wieder gekonnt eingeflochten. Das ist vielleicht nicht so komplex wie sonst, doch die Sounds gehen richtig durch die Decke, bereiten ordentlich Laune und versprühen ein Höchtmaß an Energie mit diesen Riffs (vor allem The Evil Has Landed!). Und: Josh Homme ist unglaublich cool, zu jeder Zeit! Super Platte, mein Kumpel lag wie so oft richtig! Ich damals wohl eher nicht, oder wie möchte ich die 2,3 bitte rechtfertigen!?! 🙂

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2017/08/30/queens-of-the-stone-age-villains/  (Note: 2,3)

Best Of 2010-2019: LCD Soundsystem – American Dream

VÖ: 01.09.2017

Label: DFA

Genre: Electronica / Dance-Punk / Synthie-Pop

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich das 2010 veröffentlichte This Is Happening ein klein bisschen besser finde als das zweite Werk dieser Dekade von LCD Soundsystem, American Dream. Ja, und erstgenanntes ist nicht mal drin in diesem Rückblick. Liegt halt daran, dass ich mich immer auf 5 Alben pro Jahr konzentriere – und da waren irgendwie noch punktuell bessere zu finden (oft gibt es ja oft unterschiedliche Kriterien, die eine Rolle spielen können oder die man ansetzen kann). War halt bestimmt nicht nur für mich ein großartiger Jahrgang mit super Musik! This Is Happening, das dritte Studioalbum der New Yorker Truppe um James Murphy – erschienen nach zwei Meilensteinen in dem Jahrzehnt davor – erhält abgesehen von seiner musikalischen Klasse noch die mit nostalgischen Erinnerungen verbundene Note meinerseits, eine der besten Live-Shows auf dem Hurricane gesehen zu haben (Details in der Review zu American Dream). Nach der vorläufigen Abschiedsshow von LCD Soundsystem im Frühjahr 2011 (im Madison Square Garden, festgehalten auf dem fantastischen Shut Up And Play The Hts) war es mir jedoch irgendwie trotzdem eine riesige Freude, dass sie sich dann 4 bzw. 6 Jahre später (wenn man das neue Studioalbum als Ausgangspunkt nimmt) plötzlich wieder zurückmeldeten. Das Comeback selbst ist ja jetzt in Zeiten, in denen so ziemich jede Band wieder aus der Versenkung zurück kam/kommt, keine Sensation, dennoch war die musikalische Qualität in dieser bestechenden Form nicht unbedingt zwingend gewesen. Vor allem weil ich American Dream zunächst noch nicht so großartig fand. Doch aus heutiger Sicht muss man schon sagen, dass James Murphy und Co. (ich betone in diesem Zusammenhang vor allem immer wieder die Klasse von Nancy Whang) nach wie vor in der Lage waren/sind, die Marschrichtung vorzugeben im Spannungsfeld zwischen Electronica, Dance-Punk, Synthie-Pop und Art-Rock (um so ungefähr die Richtungen ihrer Sounds einzuschätzen). Es werden große Vorbilder zitiert (Grace Jones, David Byrne/Bowie z.B.) und daraus ein individueller, stets vielseitiger und mit griffigen, zitierfähigen Textzeilen versehener Musikstil gefunden. Die Ideen sind ihnen dabei nicht ausgegangen, wie es Tracks wie Tonite (fantastisches Video mit einer sich ständig drehenden Band), Oh Baby (supertrauriges und ebenso großartig gemachtes Video mit Sissy Spacek und David Strathairn) oder der Titelsong klar unter Beweis stellen. Es ist so wie ich es damals in der Kritik formulierte: „(…) erst findet man es „nur“ gut, nach einiger Zeit jedoch liebt man es!“

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2017/09/09/lcd-soundsystem-american-dream/ (Note: 2,0, mit Tendenz nach oben)

Bitte auch das Video zu Oh Baby mal schauen, hier findet ihr es. Aber vorsicht, zu traurig und bitter: https://www.youtube.com/watch?v=5gIhrPGyu6U

Best Of 2010-2019: Kendrick Lamar – DAMN.

VÖ: 14.04.2017

Label: Interscope

Genre: Hip-Hop / Trap

Bei hicemusic zücke ich schnell die guten Noten,  aber was die Höchstwertungen angeht…nun ja, es gab seit Bestehen dieses Blogs diese nur im Classics-Segment – und da waren keine Platten aus dieser Dekade dabei. Da war ich sehr vorsichtig, wie ich im Zuge dieser Rückschau feststelle. Doch: im Nachhinein gibt es eine Reihe Kandidaten, ich schwanke da beispielsweise immer bei Kendrick Lamars To Pimp A Butterfly (2015), da bei diesem Album eigentlich alles passt für ein unbestrittenes Meisterwerk, die gesellschaftspolitische Relevanz der Themen, die Bedeutung des Künstlers für einige andere Musikers, die Modernität der Beats & Rhymes, generell die hochqualitative und vielseitige Produktion. Wie nun auch das Werk zu beurteilen ist, es war klar, dass die Kritiker/innen wie auch die Fans erwartungsvoll waren angesichts des 2 Jahre später erschienenen DAMN. Ich persönlich bin der Meinung, dass dieser vielleicht nicht ganz in der Liga des Vorgängers spielt, dennoch die Relevanz von Kendrick Lamar untermauert und zu den wichtigsten Werken des Jahres 2017 zu zählen ist. Denn dem Kalifornier ist mit prominenten Gästen (Dr. Dre, BadBadNotGood u.a.) hinter den Reglern und ebenso namhaften Features bei Gesang und instrumentaler Begleitung (u.a. Rihanna, U2) – trotz eines Risikos, dass „zu viele Köche den Brei verderben“ – eine perfekte Synthese von Old School- und hochmodernem Hip-Hop in kraftvoller Kombination mit Pop-/R&B-, Soul- und Electronica-Elementen gelungen. Vor allem hat Lamar nicht aufgehört, sich für soziale Minderheiten stark zu machen, indem er in seinen hervorragenden Texten vor allem eigene Sichtweisen und Erlebnisse offenlegt und dabei seinen Glauben hervorhebt. Bei all dem Trubel, der angesichts seiner vielen Features auf einigen Veröffentlichungen prominenter Musiker/innen mittlerweile um seine Person herrscht, ist er fokussiert auf sein künstlerisches Schaffen geblieben. Kendrick Lamar weiß, worauf angesichts der weltweiten Entwicklungen unbedingt hingewiesen werden muss. In beeindruckender Weise vorgetragen auf einem Werk, das ganz sicher besser ist als meine damals bescheiden vergebene 2,0!

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/april-2017/ (Note: 2,0; in den Kurzkritiken, bitte herunterscrollen!)

Best Of 2010-2019: Björk – Utopia

VÖ: 24.11.2017

Label: Embassy Of Music

Genre: Experimental(-Pop) / Folktronica

Das Experimentelle ist seit jeher der essentielle Bestandteil der Musik von Björk. Schon zu frühen Zeiten mit ihrer Band The Sugarcubes hat sie Pop-/Rock-Sounds geboten, die nicht den gewöhnlichen Standards der damaligen Zeit entsprachen. Nun gut, aber das was die Isländerin dann als Solo-Künstlerin auf die Hörerschaft losließ, war spektakulär. Das Kunstvolle bezog sich auf viele Ebenen: ihr äußeres Erscheinungsbild, ihre teils revolutionären Videos, ihren individuellen Gesangsstil, die Gestaltung der Album-Cover, generell ihre Vielseitigkeit in den Künsten und Arbeitsfeldern (sie war ja unter anderem auch Schauspielerin in Lars von Triers 2000er-Werk Dancer In The Dark). Es ist so unglaublich, in wie vielen musikalischen Genres Björk sich schon versucht und künstlerisch höchst erfolgreich ausgelebt hat. So war sie nie festgelegt, selbst auf dem gleichen Album konnten unzählige Stilarten präsentiert und oftmals effektiv miteinander verschmolzen werden. Man denke nur an das einzigartige Post (1995), auf dem neben dem unnachahmlichen Big Band-Jazz-Song It’s Oh So Quiet ambitionierte Industrial/Electronica à la Army Of Me sowie Orchestral-Trip-Hop wie Isobel Platz fand…und das war ja bei weitem nicht alles! Das war auf allen Alben so, seit dem – ich nenne es mal aufgrund des 1977er veröffentlichten selbstbetitelten Werkes – „eigentlichen“ 1993er-Erstling, dementsprechend Debut getauft, so, bis zu den Platten dieser Dekade. Diese waren allesamt auch beeindruckend, wobei mir von Biophilia (2011), Vulnicura (2015) und Utopia das letztgenannte am meisten gefallen hat. Björk hatte nach einer schmerzvollen Trennung von Langzeitpartner Matthew Barney – die sie auf dem Vorgänger verarbeitet hatte – wieder ganz viel Hoffnung, eine neue Liebe zu finden. Wie intensiv und emotional sie das mit ihrer erneut kreativ und vielseitig instrumentierten Musik und in ihren poetischen Texten auszudrücken vermag, ist schlicht atemberaubend. In Zeiten von so vielen gesellschaftspolitischen Änderungen und Problemen bietet sie die Darstellung einer „alternativen Welt“, deren Natur detailliert eingefangen wird, auch zu sehen in den fantastischen Musikvideos. Wie schon auf den Alben zuvor beweist Björk, dass sie stets offen für neue unkonventionelle Sounds ist, erneut mit Hilfe herausragender zeitgenössischer Produzenten (Arca und Rabit), und daraus ihren immer noch so individuellen, kompromisslosen Stil zu kreieren vermag. Ein wahrhaftiges Wunderwerk einer nach wie vor höchst spannenden Künstlerin!

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2017/11/30/bjoerk-utopia/ (Note: 1,7)

Best Of 2010-2019: Kate Tempest – Let Them Eat Chaos

VÖ: 07.10.2016

Label: Caroline

Genre: Spoken Word / Hip-Hop / Electronica

Ein zweites Mal Kate Tempest in dieser Dekadenliste! Nach dem ohnehin schon unglaublich starken Everybody Down folgte 2 Jahre später der genauso umwerfende Nachfolger Let Them Eat Chaos, auf dem erneut Alltagsgeschichten aus der Perspektive einiger Jugendlicher in London geschildert werden (alle gleichzeitig um 04:18 Uhr). Noch einmal verweist Kate Tempest auf die Probleme und Kämpfe in einer Umgebung der „sozialen Kälte“, authentisch und höchst emotional, mit einer detaillierten Beschreibung der Figuren. Wie bei allen Alben, die hier für das Jahr 2016 vorgestellt wurden, wird man als Hörer förmlich mitgerissen – entweder durch die Schilderung persönlicher Erfahrungen und Erlebnisse oder durch den direkten Verweis auf aktuelle sozialpolitische Themen und Problemfelder. Hier bei der damals 30-Jährigen trifft beides und vor allem letzteres zu, sie sorgt sich um die Zukunft ihres Heimatlandes Großbritannien (u.a. durch den damals kurz zuvor beschlossenen Brexit) und damit zusammenhängend ebenso um Europa bzw. die Welt (das Albumcover ist vielsagend!). Die Künstlerin stellt ihre sprachliche Finesse ja auch in anderen Kunstformen unter Beweis (als Lyrikerin, Poetry Slam-Künstlerin etc.) und kann diese hier einsetzen, um ihre Anliegen und Verweise auf Missstände pointiert zur Geltung zu bringen. Zudem ist es fantastisch, wie sie die musikalischen Zutaten aus Hip-Hop, Ambient und Electronica mit Spoken Word-Elementen kombiniert. Ein erneuter Meisterstreich aus der Feder von Kate Tempest! War es ihr letzter in dieser Dekade?

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2016/10/17/kate-tempest-let-them-eat-chaos/ (Note: 1,7)

Best Of 2010-2019: Radiohead – A Moon Shaped Pool

VÖ: 08.05.2016

Label: XL

Genre: Art-Rock / Electronica / Ambient

Ich hab ja schon den Vorgänger The King Of Limbs (2011) als eines Highlights dieses Jahrzehnts bezeichnet. Ich finde bei den beiden Studio-Alben von Radiohead in dieser Dekade interessant, dass der experimentelle Charakter, die jeweils so bekannte unkonventionelle Struktur der Melodien und Rhythmen, sich dem Hörer nicht unbedingt aufdrängt. Ich meine im Vergleich zu den ambitionierten Klassikern der Briten wie OK Computer (1997), Kid A (2000) oder Amnesiac (2001), aber auch noch Hail To The Thief (2003) und In Rainbows (2007) gesehen (manche würden vielleicht ja sogar das 1995er Werk The Bends dazu zählen, auf dem sich die experimentelle Herangehensweise zumindest andeutete). Es soll auch nicht heißen, dass Radiohead sich mit Konventionalität in den 2010er Jahren zufrieden gegeben hätten, das wäre natürlich totaler Unsinn. Es gibt immer noch eine Orientierung an Strukturen der Avantgarde, an verschiedenen Spielformen der Electronica und ein lustvolles Spiel mit den unterschiedlichsten Rhythmen und anderen musikalischen Elementen. Es gibt Ausflüge in Kammermusik, Jazz, Folk uvm. Ich hatte damals in der Review geschrieben, dass man sicherlich in jedem Song von A Moon Shaped Pool einen Verwandten eines der früheren Komposionen der Mannen um Thom Yorke erkennen könne – einige darauf wurden tatsächlich schon ein paar Jahre zuvor geschrieben bzw. sogar schon in den 1990er Jahren bei Live-Shows aufgeführt (True Love Waits) -, doch das wäre sicherlich zu einfach gesagt, denn die Briten gehen – davon ist auszugehen – mit höchstem Anspruch und dem stetigen Willen, etwas Neues zu schaffen, an das Komponieren. So oder so, abseits solcher Diskussionen handelt es sich um hochklassig produzierte Songs mit einigen unvorhersehbaren Wendungen, sogartigen Effekten der Melodien und weiteren grandiosen Einfällen (z.B. hinsichtlich des Einsatzes der Instrumente) sowie einer gewohnt großartigen Stimme des Frontsängers Yorke. Effektiv unterstützt von Stammproduzent Nigel Godrich und dem London Contemporary Orchestra u.a. Er hatte auf dem Werk unter anderem das Ende seiner langjährigen Beziehung zu verkraften. Dementsprechend werden Themen wie Liebe, Vergebung und Verzweiflung darauf behandelt, begleitet von unglaublich mitreißende Melodien. Damals bei der Kritik war ich mir nicht so sicher, doch heute weiß ich es: ein weiterer Meilenstein in der an diesen nicht armen Diskografie von Radiohead!

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2016/07/16/radiohead-a-moon-shaped-pool/ (Note: 1,7, mit Potential nach oben)

Best Of 2010-2019: PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project

VÖ: 15.04.2016

Label: Island

Genre: Alternative-/Art-/Folk-Rock

Es mag ja schon ein bisschen so anmuten, als würde ich hier nur ein paar ausgewählte Künstler/innen für den Best Of-Rückblick auswählen, die dann mehrmals mit ihren Alben vertreten sind. Hm, bei näherer Betrachtung ist das wohl auch so. Aber was soll ich denn tun, wenn beispielsweise PJ Harvey nach ihrem formidablen Let England Shake (2011) ein zweites, für diese Dekade wichtiges Werk vorlegt? Es trägt den Titel The Hope Six Demolition Project. Übte sie auf dem Vorgänger vor allem Kritik an der Regierung ihres britischen Heimatlandes, weitet sie diese aus, vor allem auf die USA. Dies geschieht zumeist auf sehr subtile Weise. Das war schon auf Let England Shake so (mit oftmals ziemlich verschlüsselten Botschaften), hier ist es erneut so. Denn sie war selbst im Zuge von Recherchen mit dem Filmemacher Seamus Murphy unterwegs, besuchte Afghanistan oder den Kosovo, aber auch die Armenviertel Washingtons. Dabei soll sich Harvey gegenüber dem begleitenden Reporter Paul Schwartzman nicht zu erkennen gegeben und dadurch einige pikante sowie unglaubliche Angelegenheiten, die durch Politiker veranlasst und verursacht wurden, erfahren haben. Kein Wunder, dass diese sich im Nachhinein kritisch gegenüber der Künstlerin geäußert haben sollen. Die Art, wie die heute 50-Jährige generell mit der US-Regierung und Lokalpolitikern ins Gericht geht, ist bewundernswert, da sie keine Scheu vor Direktheiten hat und viele, für einige ranghohe Personen unbequemen Fakten auf den Tisch legt. Das ist ihr sehr hoch anzurechnen. Ebenso erwähnenswert ist, dass die Musik erneut druckvoll und vielseitig ausgefallen ist, mit kunstvoll-komplexen Strukturen. So hat man hier ein weiteres Highlight in der Diskographie von PJ Harvey vorliegen. Man sollte bedenken, dass die Britin einiges vorhergesehen hat, sie vor Entwicklungen bereits gewarnt hat, bevor beispielsweise kurz darauf der Brexit beschlossen wurde oder die US-Präsidentenwahl stattfand. The Hope Six Demolition Project ist vielleicht in der Gesamtheit nicht ganz so bestechend wie Let England Shake, doch es handelt sich für mich auf jeden Fall ebenfalls um ein weiteres Highlight dieser Dekade!

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/2016/04/18/pj-harvey-the-hope-six-demolition-project/ (Note: 2,0)

Best Of 2010-2019: Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree

VÖ: 09.09.2016

Label: Bad Seed

Genre: Alernative-/Avant-Rock / Ambient / Electronica

Hier in dem Dekaden-Rückblick wurden zuletzt großartige Alben präsentiert, in denen es um Tod und Trauer geht, vor allem mit der Beschäftigung damit, wie man aus unterschiedlichen Gründen damit umgehen kann/muss. Nach Sufjan Stevens und David Bowie hat ein weitere Künstler ein Werk herausgebracht, das dem Hörer in intensiver, wahrlich Schmerzen bereitender Weise das Thema durch Texte und Musik vermittelt. 2016 war ja auch ein Jahr, in dem man mit einigen Rückschlägen gerade im Musikbusiness umgehen musste, unter anderem eben Bowie, Prince und Cohen gingen von uns. Nick Cave musste den tragischen Tod seines jugendlichen Sohnes ein Jahr zuvor, während der Aufnahme-Sessions von Skeleton Tree, verkraften und verarbeitete dies auf dem dann 2016 erschienenen Meilenstein. Dementsprechend düster und traurig ist die Stimmung darauf ausgefallen, im Vergleich noch mehr als auf dem schon genialen Vorgänger Push The Sky Away (2013), ist ja auch kein Wunder. Mit Themen wie Tod, Verlust und Trauer haben sich der Künstler und seine Band schon zuvor darauf beschäftigt, desto intensiver wurde es natürlich in der Folge. Bei allem bewahrt sich Cave die Hoffnung, es gibt auch Momente, in denen er versucht Strategien der Überwindung zu finden. Dies alles schildert er in ehrlicher und direkter Weise. Zudem lassen sich in der Musik auch Passagen finden, die nicht nur als düster zu beschreiben sind.  Erneut ist alles wundervoll produziert und feinstrukturiert instrumentiert. Eine absolute Wucht, in jeglicher Hinsicht! Nach besagtem Push The Sky Away der nächste Meilenstein diesen Jahrzehnts in der Diskographie von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Fortsetzung folgt!

P.S.: Es soll einen interessanten, emotionalen Einblick in Familie Caves Seelenleben nach dem Tod des Sohnes in der Doku One More Time With Feeling geben (ich habe sie allerdings leider noch nicht gesehen).

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/september-2016/ (keine Bewertung, da leider nur in den Kurzkritiken; bitte etwas herunterscrollen)

Best Of 2010-2019: David Bowie – Blackstar

VÖ: 08.01.2016

Label: Columbia

Genre: Art-/Experimental-Rock / Jazz

Im Musikexpress gibt es derzeit einen spannenden Artikel (Stephan Rehm Rozanes / André Bosse, Rest In Pop, In: Musikexpress, 12/2019, S. 22 ff.), in dem unter anderem über Alben von Künstler/innen geschrieben wird, die posthum erschienen sind und inwiefern diese im Sinne der Betreffenden seien. Natürlich geht es da auch um David Bowie (der auf dem Cover zu sehen ist). Da sind ja einige Veröffentlichungen in seinem Namen gefolgt (Live-Mitschnitte, Wiederveröffentlichungen, Sammlungen etc.). Um die soll es jetzt nicht gehen, denn die Legende hat – wir wir nun wissen – mit Blackstar ein würdiges und geniales Abschiedswerk abgeliefert, an seinem 69. Geburtstag und zwei Tage vor seinem Tod. Es wird sicherlich nicht nur mir so gegangen sein, dass ich es kaum fassen konnte, als ich die Nachricht bekommen habe. Bowie soll 2015 die Leberkrebsdiagnose erhalten haben, hielt sie aber öffentlich lange geheim. Demzufolge bekommen die düsteren, beklemmenden, aber auch beeindruckenden Bilder in den Videos zum Titelsong und Lazarus einen Sinn, lassen einiges in einem anderen Licht erscheinen. Ich muss zugeben, dass ich das Album zunächst erst „nur“ sehr gut fand, doch aus heutiger Sicht empfinde ich es als Meisterwerk. Allerdings lege ich auf Folgendes Wert: Blackstar ist nicht nur im Kontext von Bowies Tod so brilliant, es ist es auch darüber hinaus! Nach einer schwierigen Phase in den 1980er Jahren, einer wechselhaften in den 1990er Jahren sowie einer okayen Zeit in den 2000er Jahren, gab es in dieser Dekade ein richtig gutes Werk (The Next Day aus 2013) sowie eben diesen unbestrittenen Meilenstein! Bowie war so kreativ und stark wie lange nicht mehr! Ein textlich starkes Album, auf dem Bowie sich den modernen Musikströmungen gegenüber offen gibt, dafür mit interessanten Musiker(inne)n zusammenarbeitet und seinen Stammproduzenten Tony Visconti einlädt. Inspiriert von Acts wie Kendrick Lamar, Flying Lotus, Boards Of Canada, Death Grips usw. gibt es hier unkonventionelle Pop und Rock-, Jazz-, Electro- sowie sogar Hip-Hop und Folk-Elemente als auch weitere, in dessen Klangkosmos nicht unbedingt zu erwartende Genres zu hören. Absolut majestätisch! R.I.P., lieber David, wir vermissen dich sehr!

Album-Review: https://hicemusic.wordpress.com/januar-2016/ (keine Note, lediglich in den Kurzkritiken besprochen)

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