Protomartyr – Ultimate Success Today

VÖ: 17.07.2020

Label: Domino

Genre: Post-Punk / Noise-/Art-Rock

Manchmal muss ich mich doch über mich selbst wundern, wie kann es auf einem selbsternannten, sich den modernen Strömungen verschreibenden Musikblog nur so sein, dass wenn man nach „Protomartyr“ sucht, da dann gar kein Eintrag aufgezeigt wird?!? Hm….das kann doch nicht sein…schaue ich doch nochmal…Nein, kein Eintrag!…Okay, why? Was macht hicemusic da? Protomartyr aus Detroit existieren seit über 10 Jahren und haben einige fantastische Alben produziert, es sind fünf an der Zahl: No Passion All Technique (2012), Under Color Of Official Right (2014), The Agent Intellect (2015), Relatives In Descent (2017) und jetzt – als erstes Exemplar dieser Dekade –  Ultimate Success Today. Ich habe immer irgendwelche großartigen Songs einzeln gehört, ohne dass ich einmal auf die Idee kam, eine ganze Platte zu besprechen. Das soll hiermit nachgeholt werden. Man muss nämlich bedenken, dass der Vierer um Frontmann Joe Casey zurecht in aller Munde ist, mit Bands wie Pere Ubu, The Fall oder Wire verglichen wird und schon jetzt von Formationen wie den Idles oder Shame zu den Vorbildern gezählt wird. Zudem soll sich Iggy Pop als Fan von Protomartyr bezeichnet haben. Na klar, es ist ja bei allen eine Parallele zum Sound zu ziehen, den Casey & Co. präsentieren: Post-Punk und aggressiv-ambitionierter, nicht selten düsterer Rock mit allerlei interessanten Einflüssen. Auf dem neuen Werk sind es beispielsweise Jazz-Elemente, die integriert werden. Das muss man generell sagen, dass sich hier viel Mühe bezüglich der instrumentellen Arrangements gegeben wurde. Protomartyr verstehen es, neue Impulse zu setzen. Zudem ist es interessant, dass man sich diesmal nicht ausschließlich pessimistisch in den Texten äußert, wenn es zum Beispiel um den Zustand unserer Gesellschaft geht, sondern dass höchst unterschiedliche Stimmungslagen feststellbar sind. Es ist so: Protomartyr ist weiterhin eine unglaublich relevante Band mit einem weiteren großartigen Album im Gepäck. Wurde Zeit, dass auch ich das mal kapiere!

Note: 2,0

https://protomartyrband.com/

 

The Streets – None Of Us Are Getting Out Of This Life Alive

VÖ: 10.07.2020

Label: Island

Genre: Hip-Hop / Electronica

Es gibt auf dem wirklich tollen Kollabo-Album Yo, Picasso (2015) der Rapper Fatoni und Dexter eine charmante Huldigung an den hier besprochenen Künstler zu finden, die schlicht Mike betitelt ist. Darin wird die Großartigkeit des mittlerweile 40-jährigen Mike Skinner hervorgehoben, der vielen Musik-Kennern ab Anfang der 2000er Jahre als The Streets bekannt wurde. Daran ist wohl kaum etwas auszusetzen, hat der Mann aus Birmingham insbesondere mit seinen Alben Original Pirate Material (2002) und A Grand Don’t Come For Free (2004) die UK-Rap/-Garage-Szene geprägt, was sich in den vielen Songs ausdrückt, die einigen Hörern sicherlich auch heute noch ein Begriff sind: Has It Come To This?, Let’s Push Things Forward, Fit But You Know It, Dry Your Eyes, Blinded By The Lights, und was es da nicht noch alles gab. Alles unglaublich großartig. Rezept für die Erfolgsformel: lebensnahe Texte eines Mannes, den man diese auch abnahm, er genau über die sozialpolitischen Verhältnisse in seinem Heimatland berichten konnte, inklusive einem Sound, der in seiner Zusammensetzung eine unheimliche Ausdruckskraft entwickelte, Rap mit Electronica, vor allem natürlich den sauspannenden britischen Stilen der damaligen Zeit, UK Garage und Grime (zusätzlich anderer Spielarten wie Soul, Reggae usw.). Dies passte einfach großartig zusammen. Doch Anfang des letzten Jahrzehnts, nach drei guten bis okayen weiteren Alben wollte Skinner nicht mehr, es hieß unter anderem, dass er eine Schauspielkarriere anpeilen wolle. Es gab auch andere Projekte (The D.O.T.), bevor dann Ende 2017 das Comeback angekündigt wurde (mit Konzerten etc.). Es gab neue Tracks…ja und jetzt eben ein neues Album, eher gesagt ein Mixtape. The Streets bleibt seinem Stil mit dieser Mischung aus Hip-Hop und Electronica treu und äußert sich zu gesellschaftspolitischen Themen. Es ist angesichts der derzeitigen Ereignisse irgendwie eine erfreuliche Angelegenheit, dass Mike Skinner uns seine Standpunkte mitteilt und immer noch spannende Geschichten dazu erzählen kann. Es ist in der Gesamtheit vielleicht nicht mehr so zwingend wie damals in den 2000er Jahren, doch so einige Songs mit einigen interessanten Gästen (u.a. Tame Impala, Joe Talbot) entwickeln immer noch eine bemerkenswerte Zugkraft. Irgendwie kann man sich doch auch einfach freuen, dass Mike Skinner als The Streets wieder zurück ist!

Note: 2,3

https://www.thestreetsmusic.co.uk

 

Album des Monats – Juni 2020

Das war ein knappes Rennen, das der Großmeister Neil Young vor dem fantastischen Hip-Hop-Duo Run The Jewels für sich entscheiden konnte! Auf jeden Fall auch eine großartige Vorstellung, dass ein über 45 Jahre nicht veröffentlichtes Album bei hicemusic jetzt seine verdiente Würdigung erhält!

Das Album des Monats Juni 2020 ist: Neil Young – Homegrown

Wieder eine vorzügliche Wahl von euch 🙂

 

Vielen lieben Dank für die rege Teilnahme!

Album des Monats Juni 2020

Wählt bis zum 08.07. das Album des Monats Juni 2020!

Ihr entscheidet, welche Veröffentlichung „Album des Monats Juni 2020“ wird.

Zur Wahl stehen diejenigen Alben, die in dem Monat veröffentlicht und bei hicemusic vorgestellt wurden:

 

Viel Spaß beim Wählen 🙂

Phoebe Bridgers – Punisher

VÖ: 19.06.2020

Label: Dead Oceans

Genre: Indie-/Folk-Rock

Um eines vorweg klarzustellen: ich möchte keinesfalls damit provozieren, dass ich das Zweitwerk Punisher von Phoebe Bridgers in die „Kontrovers“-Sparte gepackt habe. Denn normalerweise kommen Alben dieser Qualität nicht da rein. Es gibt ja einige Lobeshymnen darauf. Denn es ist egal, ob in der nationalen oder internationalen Musikpresse, es gibt nur die ganz hohen Wertungen, unter anderem 5½ Sterne im Musikexpress oder 8.7/10 Punkte bei Pitchfork. Nicht falsch verstehen, ich kann zu Teilen die Begeisterung nachvollziehen, denn die 25-jährige US-Künstlerin liefert wirklich ein starkes Statement mit Punisher ab. Schon das Debüt Stranger In The Alps (2017) hatte die Richtung angedeutet, dass Phoebe Bridgers richtig gute Texte zu schreiben und musikalisch interessante Wege im Spannungsfeld von Folk, Indie-Rock und Emo, ein bisschen Psychedelia, zu beschreiten vermag. Dann folgte ja letztes Jahr noch das fantastische selbstbetitelte Werk von Better Oblivion Community Center, dem Gemeinschaftsprojekt mit Conor Oberst. Ich weiß, dass Phoebe Bridgers eine wirklich spannende Künstlerin ist. Das wird ja auch auf Punisher klar, wenn sie in den Texten über ihre persönlichsten Erlebnisse, Erinnerungen und Erkenntnisse berichtet, sie sehr pointierte Stellungnahmen zu verschiedensten Themen wie (Liebes-)Schmerz, Hoffnung oder Verzweiflung präsentiert. Es gibt tatsächlich richtig starke Momente, in der die Musik eine unglaubliche Erhabenheit ausstrahlt. Deshalb ist Punisher auch wirklich richtig gut. Es ist nur so: ich sehe es (noch) nicht als Meisterwerk. Vielleicht kann ich es einfach nicht ganz packen, da ich mit Folk nicht immer die großen Berührungspunkte habe. Was haltet ihr von dem Album? Ist es dieses große Werk? Auf eure Meinungen bin ich wirklich sehr gespannt!

Note: 2,0 (hat aber Potential zu mehr)

https://phoebefuckingbridgers.com/

 

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