Hot Chip – A Bath Full Of Ecstasy

VÖ: 21.06.2019

Label: Domino

Genre: Synthie-Pop / Electronica

R.I.P. Philippe Zdar! Der vielseitige Künstler, den man vor allem als Teil des French House-Duos Cassius kennen wird, ist bei einem tragischen Unfall in Paris ums Leben gekommen – 2 Tage vor Release des Band-Albums Dreems (wird hier bei hicemusic noch besprochen) sowie des neuen Hot Chip-Tonträgers A Bath Full Full Of Ecstasy. Für letzteren war er als Produzent tätig und hat diesem einen neuen klanglichen Anstrich gegeben. Es ist zu großen Teilen hörbar. Das Londoner Quintett Hot Chip meldet sich mit der LP jedenfalls nach vier Jahren Pause zurück, als man den wirklich wunderbaren Vorgänger Why Make Sense? veröffentlichte (war damals „Album des Monats“ bei hicemusic). Wie fügt sich also nun Album Nummer Sieben in die Diskografie ein? Nun, man sollte sich noch einmal ins Gedächtnis rufen, wer Hot Chip ist und was sie bisher im Spannungsfeld von Pop und Electro geleistet haben. Vor allem deren Zweitling The Warning (2006) war nach dem passablen Debüt Coming On Strong (2004) eine wahre Innovationsbombe und gilt zurecht bis heute als eines der besten Alben der letzten Dekade, mit genialen Songs wie Over And Over, Boy From School und Colours (neben einigen weiteren, die meine „Geheimfavoriten sind, wie z.B. No Fit State, der genial zum Joggen ist 🙂 ). Auch der Nachfolger Made In The Dark (2008) hat mich umgehauen! Es ist so, dass seitdem eigentlich auf jedem Tonträger der Briten immer wieder neue Ideen präsentiert wurden, so dass ich Hot Chip einfach attestieren muss, dass sie zu meinen Favoriten gehören. Allerdings: ich muss zugeben, dass trotz des Tatsache, dass der anfangs erwähnte Zdar unter anderem hinter den Reglern Platz nahm, ich mich noch ein bisschen schwertue mit A Bath Full Of Ecstasy. Ja klar, es gibt in den Song wieder tolle Melodien zu hören, die Pop- und Electro-Elemente gekonnt zusammenführen, doch irgendwie fehlt mir – Stand jetzt – ein wenig jenes Momentum, das dem Album jenen unvergleichlichen Charakter verleiht, welcher in verschiedenen Ausprägungen auf den jeweiligen Vorgängern auszumachen war. Ich gebe ihm aber noch die Chance mich zu überzeugen!

Note: 2,7 (mit Potential nach oben)

https://hotchip.co.uk/

 

Kate Tempest – The Book Of Traps And Lessons

VÖ: 14.06.2019

Label: Caroline

Genre: Spoken Word / Hip-Hop

Ich weiß noch ganz genau, wie ich vor 5 Jahren einen längeren Weg durch Wälder, Felder und Wiesen zu bewältigen hatte und dabei  das musikalische Debüt der Britin Kate Tempest – Everybody Down –  hörte. Es war sicherlich einer Gründe, dass ich dies alles in der Dunkelheit getan habe, so dass den Songs der 33-Jährigen noch mehr Wirkung verliehen wurden, doch es ist natürlich auch generell schon höchst beeindruckend, was der vielseitigen, vor allem poetisch so versierten Künstlerin mit diesem Album gelungen war. Für mich persönlich – so habe ich es ja bereits zum 5-jährigen Bestehen meines Blogs verraten –  war Everybody Down gar das beste Album des Jahrgangs 2014. Der Nachfolger Let Them Eat Chaos stand dem Vorgänger in nichts nach. Diese bestechende Mischung aus Hip-Hop- und Electro-Sounds mit den Spoken Word-Künsten von Kate Tempest, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Stimme angesichts der gesellschaftspolitischen Zustände in ihrem Heimatland (aber auch weltweit) zu erheben – auch aus einer persönlichen Perspektive heraus –, ist einfach einzigartig. Natürlich gibt es einige weitere Künstler/innen, die sich mit den Mitteln des Hip-Hop, Grime, UK Garage, Electronica etc. sich mit ähnlichen Botschaften an die Hörer/innen wenden, aber in genau dieser Form des Spoken Word habe ich zumindest es noch nicht gehört . Für weitere Anregungen eurerseits bin ich stets offen. Gerade jetzt, wo wieder einige Veränderungen in Großbritannien anstehen, meldet sich Kate Tempest, übrigens auch eine richtig tolle Live-Performerin, mit einem neuen Werk zurück. Es fällt sofort auf, dass es sehr minimal arrangiert ist, die Sängerin manchmal einzig ohne musikalische Begleitung spricht, sich dann aber wieder ganz wunderbare atmosphärisch dichte, von Altmeister Rick Rubin produzierte Klangkonstruktionen darunter legen, die den Worten mehr Geltung verleihen. Mich beeindruckt, was für tolle Geschichten Tempest erzählen kann, wie sie diese in Poetry Slam-Art schildert und wie nachdenklich und unaufdringlich dies alles geschieht. Wer dem Album die notwendige Zeit gibt, wird sicherlich belohnt werden!

Note: 2,0 (mit Potential nach oben)

https://www.katetempest.co.uk/

 

Plaid – Polymer

VÖ: 07.06.2019

Label: Warp

Genre: Electronica / Experimental

Ich hatte es bereits im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Flying Lotus-Albums erwähnt, dass ein neues Werk der beiden Jungs von Plaid auf dem Warp-Label angekündigt wurde. Jetzt konnte ich mir Polymer ein paar Mal anhören. Es stellt sich für mich in diesem Kontext die Frage, wie relevant die Musik von Andy Turner und Ed Handley im Jahr 2019 noch ist. Eines ist auf jeden Fall klar, sie haben schon zu Anfangszeiten von Warp das Label entscheidend mitgeprägt, Kenner werden sicherlich die verschiedenen Pseudonyme kennen, unter denen sie seit Ende der 1980er Jahre – und somit auch seit Gründung der Plattenfirma – musiziert haben. Es gibt ein grandioses, dort 1993 veröffentlichtes Album mit dem Titel Bytes, auf denen zumindest einige von ihnen versammelt sind. Als Interpret ist Black Dog Productions angegeben, doch auf der Tracklist sind weitere Artists zu sehen: u.a. Balil, Xeper, I.A.O. und Discordian Popes, aber eben auch schon damals Plaid. Man sollte wissen, dass Turner und Handley zusammen mit Ken Downie zu dieser Zeit vor allem als The Black Dog für Furore sorgten. Die beiden Erstgenannten machten dann aber später als Plaid weiter und haben seither einige wirklich großartige Werke geschaffen, unter anderem Not For Threes (1997, u.a. mit Björk als Gast), Rest Proof Clockwork (1999) oder Double Figure (2001), nicht zu vergessen die mir sehr imponierende Compilation Trainer (2000). Der große John Peel hat sie bestimmt nicht ohne Grund zu seinen Sessions eingeladen! Meinem Empfinden nach  waren hier im Vergleich zu Black Dog mit Ambient- und Trip-Hop-Elementen doch „ruhigere“ Klänge zu hören, die allerdings in ihrer Gesamtheit nicht weniger vielfältig und kompromisslos erscheinen, „härtere“ Sounds dabei ja auch nicht ausgeklammert wurden.  Um auf meine Ausgangsfrage nach der heutigen Relevanz von Plaid zurückzukommen, muss ich vielleicht mal an dem ansetzen, was ich zu Reachy Prints (2014) geschrieben habe. Ich fand das Album damals okay, doch die musikalische Umsetzung auf gesamter Länge irgendwie nicht so richtig wagemutig, trotz einer klanglichen Diversität. Polymer – handelt es sich laut Wikipedia einerseits um einen „(…) chemischen Stoff, der aus Makromolekülen besteht“, andererseits doch als Adjektiv um eine Beschreibung für „aus mehreren, vielen Teilen bestehend (…)“  –  bietet ebenfalls dementsprechend unterschiedliche, von experimenteller Elektronik geprägte Sounds. Diese sind im Bandkontext nicht unbedingt neu, erscheinen aber modern und einprägsam. Es gelingt sozusagen eine Gesamtschau, die jetzt im Vergleich zu Reachy Prints allerdings nachhaltiger in Szene gesetzt wird. Das ist nicht revolutionär wie damals vor (fast) 30 Jahren, aber eben zeitgemäß (mit einer ökologischen Botschaft beispielsweise)!

Note: 2,3

http://plaidmusic.co.uk/

 

The Strokes – Is This It

VÖ: 27.08.2001

Label: RCA

Genre: Indie-/Garage-Rock, Post-Punk

2001 war für mich als damals Fast-Volljähriger ein spannendes und interessantes Jahr, in vielerlei Hinsicht haben sich für mich Änderungen in meinem Leben ergeben. Na klar, ich kann mich gleichzeitig an harte und einprägsame Momente erinnern, zum Beispiel dass mein Vater mich und zwei Freunde vom Nachmittagssport in der Schule abholte und uns mit einem ernsten und von Entsetzen gezeichneten  Gesicht davon berichtete, dass Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers geflogen seien. Gerade zum Ende des Jahres 2001 passierte ja gesellschaftspolitisch einiges, dann kam dann auch im musikalischen Bereich der tragische Tod der großartigen Aaliyah. Ich werde jetzt bestimmt so einiges vergessen haben. Ich weiß aber, dass ich in dieser Zeit neben elektronischer Musik (z.B. von den Chemical Brothers) noch ein Genre bevorzugt gehört habe, das sich schon damals auf dem absteigenden Ast befand (wenn es überhaupt mal wirklich groß war): der Nu-Metal. Ich hörte Limp Bizkit, Korn, Linkin Park (deren erstes Album ich aus heutiger Sicht noch schätze), P.O.D., und Sonstiges. Dadurch entging mir jedoch eine Musikrichtung, die damals doch um einiges spannender war: der Indie-Rock der frühen 2000er Jahre, wesentlich geprägt durch zwei Bands: die White Stripes aus Detroit sowie einem Fünfer aus der Stadt, in der sich das oben beschriebene schreckliche Attentat ereignete: New York City. Ja genau, die Strokes. Fünf junge Männer in ihren frühen Zwanzigern legten 2001, drei Jahre nach ihrer Bandgründung, ihr sagenhaftes Debüt Is This It vor. Ich habe es leider erst später für mich entdeckt (so zu Zeiten der Veröffentlichung des Nachfolgers Room On Fire, also 2003), eben als der Indie-Rock in seiner Blüte stand und einige Formationen mit fantastischen Veröffentlichungen auf den Markt traten. Dann war ich (eben verspätet) Feuer und Flamme für diese Musik! Ich begriff dann als auch endlich, dass ich einige Videos sowohl von den White Stripes (z.B. Stichwort: Lego-Video) als auch eben der Strokes (u.a. Last Nite)schon so um 2001 bereits auf dem von mir so geliebten VIVA Zwei gesehen hatte. Beide Bands wurden zu meinen Favoriten und sind es eben bis heute geblieben. Is This It kann ich (wie The White Stripes‘ Elephant) jederzeit auflegen und bin wieder voll drin, in dieser unwiderstehlichen Mischung aus Indie- und Garage-Rock und etwas Punk-Energie. Aber was war hier das Rezept, dass das so gut funktionierte? War doch der Sound an sich nicht wirklich revolutionär, der neu entdeckt wurde, ebenso wenig wie es jener der White Stripes und der anderen Protagonisten war. Eben wie diese weiteren Repräsentanten der Indie-Rock-Welle der frühen bis mittleren 2000er konnten die Strokes die Klänge der vergangenen Tage – damit zusammenhängend den Spirit und entsprechende Einstellungen und Botschaften – in die (damalige) Jetztzeit transferieren und diesem allem einen modernen Anstrich geben. Dies vor allem mit einer Selbstverständlichkeit, die einem als Hörer verzückt und absolute Hochachtung abverlangt. Im Falle der Strokes waren es die Sounds der späten 1960er und vor allem der 70er Jahre, nicht nur aus ihrer Herkunftsstadt New York: von Velvet Underground über die Stooges, die Ramones, Talking Heads, New York Dolls, vielleicht Blondie oder The Fall und auf jeden Fall Television. Einfach nur genial, wie locker-lässig fantastisch instrumentierte Songs mit absolut einprägsamen Ohrwurm-Melodien geschaffen wurden! Selbst jetzt, nach fast 20 Jahren, kann ich sagen,  dass This Is It überhaupt keine Alterserscheinungen zeigt und von Anfang bis Ende stimmig ist, volle Abwechslung und vollstes Hymnenpotential bietet. Was für Wahnsinnskracher hier vereint werden, neben den monumentalen Singles Hard To Explain, Last Nite und Someday eben so gleichfalls Geniales wie The Modern Age, New York City Cops oder der krönende Abschluss Take It Or Leave It. Vor allem weiß ich noch, dass jene Magie, die hier verströmt wurde, auch auf dem Hurricane-Live-Auftritt 2010 verströmt wurde (obwohl oder vielleicht weil Sänger Julian Casablancas offensichtlich stoned war). Is This It ist nicht nur einer meiner Lieblinge der letzten Dekade, sondern einer meiner All-Time Favorites, ohne Wenn und Aber!

Note: 1,0   

http://thestrokes.com/

 

Album des Monats – Mai 2019

Ihr habt das Album des Monats Mai 2019 gewählt.

Sieger sind: The National – I Am Easy To Find

Eine gute Wahl von Euch in einem Monat mit richtig guten Alben! Das letzte Werk des US-Quintetts war noch im September 2017 Zweiter, jetzt sind sie Sieger! Es wurde aber auch wieder höchste Qualität abgeliefert, in Kombination mit dem großartigen Bildern des Mike Mills-Kurzfilms mit Alicia Vikander merkt man erst wie toll die Songs wirklich sind!

 

 

Vielen lieben Dank für die Teilnahme!

Album des Monats Mai 2019

Wählt bis zum 08.06. das Album des Monats Mai 2019!

Ihr entscheidet, welche Veröffentlichung „Album des Monats Mai 2019“  wird.

Zur Wahl stehen diejenigen Alben, die in dem Monat veröffentlicht und bei hicemusic vorgestellt wurden:

 

Was für eine Auswahl, viel Spaß beim Wählen 🙂

Mac DeMarco – Here Comes The Cowboy

VÖ: 10.05.2019

Label: Caroline

Genre: Indie-/Psychedelic-Rock

Ich hab ja bereits in den Kurzkritiken erwähnt, dass es im Mai schon einige Kandidaten für die „Kontrovers“-Sparte gibt. Da wären zum Beispiel Rammstein, Morrissey, ja vielleicht auch Flying Lotus zu nennen. Nicht zu vergessen ein paar Interpreten/Interpretinnen, die ich aus unterschiedlichen Gründen erst gar nicht besprochen habe. Hauptkriterium bleiben ja oft meine Erwartungen und Eindrücke im Vergleich zu Kritikerreaktionen, die wiederum zumeist jeweils höchst unterschiedlich ausfallen, um dann in der Sparte zu landen. Da sind in den jetzt zweieinhalb Jahren schon unterschiedlichste Resultate erfolgt. Im Mai kam dann jedoch eigentlich nur ein Künstler in Frage: der Kanadier Mac DeMarco, dessen musikalischen Output ich bisher durchaus geschätzt habe.  Aber wie verhält sich das nun mit Here Comes The Cowboy? Es sollen ja einige Mitski-Fans erzürnt gewesen sein, weil die Single Nobody den gleichen Titel wie jene der US-amerikanischen Sängerin getragen habe, zu allem Überfluss auch noch Ähnlichkeiten in den Albentiteln bestanden (die letzte LP von ihr aus dem letzten Jahr heißt Be The Cowboy). Vor allem aber sind die Reaktionen der Musikkritiker höchst unterschiedlich ausgefallen, eigentlich eher ins Negative tendierend. Ich muss dazu sagen, dass ich so manches, was Mac DeMarco bezüglich der neuen Veröffentlichung vorgeworfen wird, nachvollziehen kann. Das Album weist ein paar Längen auf, manchmal fehlen mir die überraschenden Momente, die es bei dem Kanadier vorher immer wieder gab. Bedenkt man vor allem, dass hier Cowboy-Geschichten erzählt werden, die wohl den Stereotypen widersprechen sollen. Nicht falsch verstehen, schlecht oder enttäuschend ist das in meinen Augen auch wieder nicht, es gibt tolle musikalische Einfälle, unter anderem in den klasse Songs On The Square oder dem oben erwähnten Nobody. Ich hatte allerdings in Rahmen der Rezension zu Another One (2015) geschrieben, dass Mac DeMarco mit seinen „leiernden Melodien“ nicht übertreiben dürfe – also vereinfacht gesagt, der gewiss individuellen Mischung aus Indie- und Psychedelic-Rock. Ich glaube, ein wenig, dass dies jetzt zumindest ein bisschen eingetroffen ist! Was sagt Ihr zu dem Album? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Note: 2,7

http://www.mac-demarco.com/

 

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