Thom Yorke – Suspiria (Music For The Luca Guadagnino Film)   

VÖ: 26.10.2018

Label: XL

Genre:  Electronica / Klassische Musik

Ich muss ja zugeben: ich bin seit einigen Jahren ziemlich zart besaitet, wenn es um das Schauen von Horrorfilmen geht. Das war mal anders (so als ich so zwischen 18 und 25 Jahre alt war), doch generell wurde ich auch früher immer wieder von dieser Filmgattung überrascht oder verstört. Ich habe beispielsweise The Shining für mich viel zu zeitig gesehen (als sehr junger  Teen)  und es ist egal, wie oft ich ihn später noch einmal geschaut habe, immer wieder hat er mich aufgrund seiner inszenatorischen Qualität (ich bin generell ein Verehrer fast aller Filme von Stanley Kubrick!) beeindruckt als auch nachhaltig in Angst versetzt. Ist halt so eine zwiespältige Angelegenheit, mit manchen Horrorstreifen möchte ich mich unbedingt mal aus filmhistorischen Gründen auseinandersetzen, habe jedoch immer wieder Hemmungen. Da gehören sicherlich auch jene kuriosen Giallo-Werke dazu, unter anderem von Genremeister Dario Argento. Dessen Suspiria (1977) beispielsweise, in dem es um mysteriöse und grausige Ereignisse in und rund um eine Ballettschule in Freiburg (!) geht. Als ich mir dann allerdings kürzlich den deutschen Trailer bei Youtube anschaute, hatte ich schon weniger Lust (hat mich ähnlich abgeschreckt wie damals mal trotz hohen Trashfaktors die expliziten Eli Roth/Edgar Wright/Rob Zombie-Fake-Trailer des Tarantino/Rodriguez-Grindhouse-Projektes). Demnächst wird die Neuverfilmung von besagtem Suspiria in den deutschen Kinos starten (darin spielen u.a. Tilda Swinton und Dakota Johnson). Hm, weiß nicht so recht, ob ich sie sehen werde… Beschäftigen wir uns dann doch lieber mal – so wie es sich für hicemusic gehört – mit der Musik. Wir wissen ja, dass diese in Verbindung mit entsprechenden Bildern im Horrorgenre überaus intensiv sein kann: man denke nur an den Shining-Score (mit zeitgenössischen Komponisten, ein kleinen Eindruck  bietet der legendäre Trailer) oder die fantastischen Arbeiten von John Carpenter, Mike Oldfield (für Der Exorzist) uvm. Mit dem Soundtrack von dem neuen Suspiria wurde nun kein Geringerer als Radiohead-Frontmann Thom Yorke beauftragt. Das ist sicherlich nicht falsch, hat man es doch mit einem Künstler zu tun, der für progressive Musik steht, ähnlich wie die Italiener von Goblin, die für die klangliche Untermalung des Originals zuständig waren. Zudem hat man ja mit Radiohead-Kollege Johnny Greenwood schon öfter eine brillante Wahl getroffen, ich erinnere da beispielsweise an seinen genialen Score zu There Will Be Blood. Angesichts der doch etwas gemischten Reaktionen der Kritiker auf den neuen Soundtrack von Yorke (zumindest in Deutschland), ist jedoch die Frage, ob es ihm gelungen ist, eine individuelle Interpretation oder nur eine weniger originelle Kopie des Vorbilds zu komponieren. Ich würde sagen, dass die Sounds ein wenig inspiriert sind, doch die krautigen Progressive-Rock-Strukturen lassen sich meiner Ansicht nach weniger heraushören. Stattdessen werden  Klänge aufgeboten, die ganz im Sinne von Yorkes Radiohead- als auch seiner Solo-Arbeiten ins Experimentell-Elektronische, aber auch ins Harmonische zielen (Yorke trägt ab und zu Gesang bei), gleichzeitig mit Hilfe vielseitig orchestral-instrumentierter das atonale, unheilvolle Stimmungsbild von klassischen Horror-Scores erzeugen. Vielleicht liegt hier auch ein „Problem“, da die Sounds an bereits bekannte Kompositionen erinnern. Ich würde insgesamt sagen, dass der Soundtrack nicht so genial geraten ist, wie ich es angesichts einer Beteiligung des Briten erwartet hätte – eben „nur ganz gut“  –, er aber in vielen Momenten doch auch eine starke Wirkung erzielt. Suspirium hat beispielsweise Eindruck bei mir hinterlassen. Was sagt Ihr zu dem Album? Auf Eure Rückmeldungen freue ich mich sehr!

Note: 2,3

https://twitter.com/thomyorke?lang=de

 

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6 Antworten zu Thom Yorke – Suspiria (Music For The Luca Guadagnino Film)   

  1. Pingback: Album des Monats Oktober 2018 | hicemusic

  2. gegenvernunft schreibt:

    Soundtrack: Toll

    Film: Nicht gesehen…

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