Mouse On Mars – Dimensional People

VÖ: 13.04.2018

Label: Thrill Jockey

Genre: Electronica / Experimental

Ich war vor ein paar Monaten ganz stolz, als ich in einem Kölner Plattenladen ein besonderes Werk erstand: es handelte sich um Iaora Tahiti (1995), das ich aufgrund meiner Erinnerung an eine Zeit kaufte, in der ich auf MTV und Viva Zwei noch mit Eifer Musikvideos schaute. Es muss so Anfang der 2000er Jahre gewesen sein, als ich eines von ihnen nachts  in der wunderbaren, sich den Veröffentlichungen der Electro-Szene widmenden Sendung  Electronic Beats sah (moderiert von dem großartigen, vielseitigen Ill-Young Kim): ich war total fasziniert von Bib, zu finden auf besagten Iaora Tahiti, dem zweiten Werk des Duos Mouse On Mars. Wie sicherlich viele Fans von ambitionierten Electro-Sounds wissen, haben sich Jan St. Werner und Andi Toma schon längst einen Namen gemacht, sind vor allem auch international bekannt. Ich hatte einmal das Glück sie auf dem Electronic Beats-Festival live zu erleben. Hier hat man es mit einer Band zu tun, die es sich niemals leicht macht, sich mit ihren Electronica-Sounds vielen anderen experimentellen Spielarten öffnet. In den 25 Jahren seit Bandgründung haben St. Werner und Toma  zudem bereits mit einigen Größen zusammengearbeitet, die interessantesten Projekte initiiert (erinnert sei beispielsweise an Von Südenfed mit dem kürzlich verstorbenen, legendären Frontmann von The Fall, Mark E. Smith). Jetzt hat man anlässlich ihres neuen, nach 6 Jahren Pause erscheinenden Albums gleich mehrere Dutzend Gäste eingeladen, darunter Künstler/innen wie Justin Vernon (Bon Iver), Aaron und Bryce Dessner (The National), Zach Condon (Beirut), Amanda Blank oder auch Eric D. Clarke (manchmal sind diese kaum zu erkennen)! Das hätte natürlich extrem daneben gehen können! Aber, wie eigentlich zu erwarten, das ist es nicht: Mouse On Mars bieten ein klanglich vielseitiges und wagemutiges, sich auch außereuropäischen und Klassik-Sounds öffnendes Werk, das ganz im Sinne des Köln-Düsseldorf-Duos sich allerlei Konventionen entzieht! Es braucht Zeit, ich muss Dimensional People auch noch in seiner Gesamtheit erfassen, ich bin mir aber ziemlich sicher: das hier ist ganz groß!

Note: 2,0 (mit Tendenz nach oben)

http://www.mouseonmars.com/

 

Unknown Mortal Orchestra – Sex & Food

VÖ: 06.04.2018

Label: Jagjaguwar

Genre: Psychedelic-Rock / Soul / Funk / Disco

Das passiert mir kein zweites Mal, dass ich den Neuseeländern keine Aufmerksamkeit in Form einer Review schenke! War für mich schon ein wenig ärgerlich, dass ich Multi-Love (2015) nicht beachtet hatte, denn das was Unknown Mortal Orchestra darauf boten, war aller Ehren wert. Davon konnte ich mich dann auch kurz nach Erscheinen des dritten Albums überzeugen, als ich sie in Köln live erleben durfte. Nicht nur die Singles  – der Titelsong und Can’t Keep Checking My Phone (FIFA-Zocker werden letztere sicherlich aus der 2016er-Ausgabe kennen) – stachen heraus, sondern auch Songs wie das unvergleichliche Necessary Evil  liegen mir noch heute im Ohr! Wie hier mit Stimmungen und Musikgenres experimentiert wurde, wie Sänger Ruban Nielson die verschiedensten Tonhöhen erfolgreich erkundete, konnte Multi-Love nur zu eine der besten Platten des Jahrgangs 2015 machen. Klar, ich höre da bestimmt nicht als Einziger einen Prince heraus, von den gegenwärtigen Bands kommen da Mitstreiter wie Foxygen oder Tame Impala in den Sinn, dennoch hat das Unknown Mortal Orchestra etwas Eigenes. Wie jetzt eben erneut auf Sex & Food zu hören, das zumindest bei mir Eindruck mit abwechslungsreichen, mitreißenden und schön eigenwilligen Melodien hinterlässt. Vielleicht (noch) nicht ganz so gut wie Multi-Love oder auch dessen ebenso exzeptionellen Vorgänger II (2013, mit den fantastischen Singles Swim And Sleep (Like A Shark) und So Good At Being In Trouble). Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die neue Platte im Verlauf des Jahres wachsen wird!

Note: 2,3 (mit Tendenz nach oben)  

https://unknownmortalorchestra.com/

 

Album des Monats – März 2018

Ihr habt das Album des Monats März 2018 gewählt.

Sieger ist: Superorganism – Superorganism

Im Gegensatz zu mir habt Ihr das Debüt dieser internationalen Formation direkt zu schätzen gewusst, Album des Monats für Superorganism! Bedeutet für mich natürlich, dass ich mir die Platte wie versprochen noch einmal genauer anhören werde. Botschaft verstanden 😉 Something For Your M.I.N.D. liebe ich ja ohnehin schon jetzt! 

 

 

So wurde gewählt:

1.   Superorganism – Superorganism 

2. Anna Von Hausswolff – Dead Magic

3. Moby – Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt

 

Vielen lieben Dank für die Teilnahme!

Album des Monats März 2018

Wählt bis zum 15.04. das Album des Monats März 2018!

Ihr entscheidet, welche Veröffentlichung „Album des Monats März 2018“  wird.

Zur Wahl stehen diejenigen Alben, die in dem Monat veröffentlicht und bei hicemusic vorgestellt wurden.

Ihr urteilt über die Umfrage „Wie bewertest Du die Musik?“. Das Album mit den besten Werten, also idealerweise mit dem Urteil „Großartig“, gewinnt (je mehr Nennungen, desto besser).

Zur Wahl stehen folgende Alben:

The Voidz – Virtue

Jack White – Boarding House Reach

Young Fathers – Cocoa Sugar

Sowie aus den Kurzbesprechungen unter:

https://hicemusic.wordpress.com/maerz-2018/

Moby – Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt

Superorganism – Superorganism

Suuns – Felt

Anna Von Hausswolff – Dead Magic

David Byrne – American Utopia

The Decemberists – I’ll Be Your Girl

Preoccupations – New Material

 

Viel Spaß beim Wählen!

Jack White – Boarding House Reach

VÖ: 23.03.2018

Label: Third Man

Genre: Blues-/Experimental-/Alternative-Rock

Seit ich hier auf hicemusic die “Kontrovers“-Sparte ab Januar 2017 eingeführt habe, sind darunter erstaunlich viele Platten von Bands aufgetaucht, die eigentlich zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Da gab es unter anderem Veröffentlichungen von Arcade Fire, den Gorillaz oder Franz Ferdinand…ich habe sicherlich noch einige vergessen. Ich habe schon häufiger erwähnt, dass auch die White Stripes zu meinen Lieblingsbands gehören, ich alles dafür tun würde, sie noch einmal live zu erleben. Ich muss allerdings gleichzeitig zugeben, dass ich bei aller Verehrung für ihre Klassiker das letzte Album Icky Thump (2007) dann vergleichsweise nur noch okay fand. Ebenso die weiteren Projekte von Jack White und deren Veröffentlichungen finde ich zwar größtenteils super, aber nicht alle – z.B. The Dead Weathers zweites Album Sea Of Cowards (2010) konnte ich nicht so viel abgewinnen, ebenso wie The Raconteurs Zweitling Consolers Of The Lonely (2008). Nicht falsch verstehen, ich fand sie natürlich nicht schlecht, aber gemessen am sonst konstant hohen Niveau, das der 42-Jährige sonst geboten hat, eben nicht ganz so bestechend. Dies galt für mich eigentlich schon immer für seinen gesamten Solo-Output. Die Singles waren große Klasse, aber auf Albumlänge war es dann doch „nur“ okay. Da kann ich mir nicht helfen. Das schmälert überhaupt nicht meine hohe Anerkennung für Whites bisherige Leistungen. Jetzt ist Solo-Werk Nr.3 erschienen, das im Gegensatz zur internationalen Presse – die es weitgehend positiv besprochen hat  (sieht man einmal vom Verriss bei Pitchfork ab) – von den Musik-Medien hierzulande sehr gemischt aufgenommen wird. Ich persönlich siedele es im mittleren Wertungsspektrum an, wobei meiner Meinung es eher zum Positiven tendiert. Denn Jack White experimentiert wie gewohnt mit den verschiedensten Stilelementen und Instrumenten (diesmal z.B. mit ausgiebigem Einsatz des Synthesizers). Das funktioniert zwar nicht immer, manchmal verhebt er sich vielleicht auch etwas, aber dass er es komplett tun würde – wie recht oft geschrieben wurde – sehe ich nicht so. Denn manche Songs machen richtig Spaß! Klar, spielt halt nicht in der Liga der White Stripes, es wäre allerdings auch unfair, es von ihm zwangsweise zu erwarten! Was meint ihr? Bin ich vielleicht immer noch zu subjektiv? Über Eure Meinungen freue ich mich sehr!

Note: 2,7

http://jackwhiteiii.com/

 

The Voidz – Virtue

VÖ: 30.03.2018

Label: RCA

Genre: (Indie-/Experimental-)Rock / (Art-)Pop

Ich finde es sehr interessant, dass zwei Frontsänger von sehr berühmten, im letzten Jahrzehnt absolut wichtigen Indie-/Garage-Rock-Bands im März Alben in einem anderen Kontext veröffentlichen – naja, bei einem dieser Herren ist das kein Wunder. Ich spreche von Jack White und Julian Casablancas. Ersterer wird sicherlich und bedauernswerterweise nie wieder ein Album mit Meg als die White Stripes veröffentlichen, ist ja aber sonst in anderweitiger Form tätig (sein neues Solowerk wird hier bei hicemusic in Kürze besprochen). Der andere, jener Herr Casablancas, dessen Strokes momentan pausieren, wagt einen zweiten Versuch mit The Voidz. Der letzten Veröffentlichung Tyranny (2014) – damals noch als Julian Casablancas + The Voidz – habe ich nicht sonderlich viel Beachtung geschenkt. Wahrscheinlich noch unter dem Eindruck der letzten beiden Strokes-Alben, die mich ehrlich gesagt ebenso nicht sonderlich packen konnten. Vielleicht gebe ich besagtem Erstling von The Voidz noch die gleiche Chance wie jetzt Virtue. Den Einstieg vom neuen Werk – Leave It In My Dreams betitelt – fand ich nämlich zunächst etwas öde, irgendwie zu sehr orientiert am Strokes-Klangkosmos. Doch schon der folgende Song QYURRYUS konnte mich direkt mit wesentlich experimentellen Sounds trotz (oder wegen?) Autotune-Einsatz begeistern. Insgesamt kommt hier einiges zusammen, von Electro über Metal und Disco bis ambitioniertem (Synthie-)Pop und Rock-Entwürfen. Nicht alles funktioniert hundertprozentig, jedoch sind die experimentellen Ansätze um einiges interessanter und unverkrampfter umgesetzt als auf besagten letzten Alben der Strokes. Richtig gut ist beispielsweise All Wordz Are Made Up! Ich gebe The Voidz jedenfalls eine Chance!

Note: 2,3

http://smarturl.it/VirtueLP

 

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