Morrissey – Low In High School

VÖ: 17.11.2017

Label: BMG

Genre: (Indie-)Pop/Rock, Alternative Rock

Wow, was ist da denn los? Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, dass das neue Werk von Ex-The Smiths-Frontmann Morrissey dann doch so kontrovers aufgenommen wird. Passt natürlich jetzt, dass es hier bei hicemusic im Rahmen der entsprechenden Sparte besprochen wird. Die Wertungen gehen weit auseinander, sowohl in der nationalen als auch internationalen Musikpresse, von Lobeshymnen bis absoluten Verrissen ist alles dabei.  Natürlich finden sich da ebenso Einschätzungen darunter, in denen Low In High School nur mittelprächtig wegkommt, es ist jedoch auffällig, dass vieles in die jeweils extremen Richtungen tendiert. Jordan Bassett vom NME sieht ja zumindest noch die ersten fünf Songs als äußerst gelungen an, fügt aber hinzu: „Beyond this point, only the most hardened Moz fan should dare to venture.“  Die einen bezeichnen das Werk als „Traktat zur Rehabilitierung einer Ikone.“ oder als das Beste seit You Are The Quarry, die anderen schimpfen: „(…) man hört, was man eigentlich schon viel länger hätte hören können: einen alternden Mann, dem die Ideen und die Kraft ausgegangen zu sein scheinen, weshalb er Dringlichkeit mit Kraftmeierei verwechselt.“  oder  „Heute bleibt lediglich die bittere Erkenntnis, dass Morrissey vor allem eins ist: Der popkulturelle Arm des Wird-man-ja-wohl-noch-sagen-Dürfens.“ Was da deutlich wird – bei einer höchst ambivalenten, aber eben auch höchst verdienten Persönlichkeit wie Morrissey wohl unumgänglich –, ist die Tatsache, dass hier die sozialpolitischen Ansichten des 58-Jährigen eine zentrale Rolle einnehmen, denn da hat sich ja einiges in den letzten Monaten und Jahren angesammelt, was eben dann auch auf diesem Album in den Texten zum Ausdruck gebracht wird: Seine „Eigenarten“ sind im Popbusiness ja längst kein Geheimnis mehr, in letzter Zeit stoßen seine „speziellen“ Meinungen, die er allzu gerne in die Öffentlichkeit zu tragen scheint, doch ziemlich auf. Wie zuletzt im Interview mit dem Spiegel, in dem Morrissey Stellung zu aktuellen politischen Gegebenheiten und Ereignissen nahm. Da ist tatsächlich harter Tobak dabei, zu dem ich mich eigentlich nicht positionieren möchte. Nur so viel, ich verstehe schon die Skepsis einiger Leute. Es ist – so viel sollte man festhalten – schwierig. Das spiegelt sich auch in den Lyrics auf Low In High School wieder (das ebenso kontrovers aufgenommene Album-Cover sollte dem Betrachter auch einige Anzeichen geben). Hier scheint Morrissey ja teilweise auch richtig loszuwettern, die Menschen und die Welt an sich in ein äußerst negatives Licht zu rücken. Er fordert die Hörer auf, lieber zu Hause im Bett zu bleiben, sich von den Medien und ihren Berichterstattung nicht verblenden zu lassen. Er scheint sich zudem eindeutig (noch einmal) über den „Brexit“ zu freuen, auch seine Position zur Israel-Politik wirft zumindest Fragen auf. Da findet sich tatsächlich die eine oder andere Plattheit auf dem Album. Aber: Es sollte mal ins Auge gefasst werden, dass Morrissey (zumindest früher einmal, nicht nur zu The Smiths-Zeiten) zu den versiertesten Songwritern der letzten Jahrzehnte gehört(e). Sind da in den Texten dann nicht vielleicht auch ironische Anspielungen, Wortspielereien etc versteckt, die sich nicht sofort interpretieren und auf eine bestimmte Meinung hin analysieren lassen? Ich möchte nicht behaupten, dass ich alles verstanden habe, im Gegenteil, mir fällt die Bewertung der Texte unheimlich schwer, ich möchte nur diese Möglichkeit offen lassen. Sind da nicht auch starke Momente dabei, wenn beispielsweise in In Your Lap aus Sicht einer im Krieg befindlichen Person geschrieben wird, die darunter leidet, dass sie ihre Familie verloren hat, ihr Land dem Untergang geweiht ist? Oder wenn der „Mozzer“ das Versenden von folgsamen Soldaten in einen sinnlosen Krieg in Frage stellt? Gerade dann werden Texte und Musik überzeugend in Einklang gebracht. Nun also generell zum Sound: ich – der dem letzten Album von Morrissey, World Peace Is None Of Your Business, bis auf manche Singles nicht so viel abgewinnen konnte – finde, dass der Brite hier teilweise richtig tolle Instrumentierungen, oft ins Hymnenhafte tendierend,  liefert – vor allem nachzuhören in The Girl From Tel-Aviv Who Wouldn’t Kneel mit seinen vielseitigen Klängen u.a. aus Tango und Klezmer. Als sehr gut erachte ich zudem die Single Spent The Day In Bed und I Bury The Living. Gerade bei diesen lässt sich erneut über die Lyrics streiten, womit ich also folgende Frage stelle: sollte vielleicht bei der Beurteilung des Albums zwischen der Musik und dem Textlichen unterschieden werden? Ich zumindest finde generell beide extremen Bewertungen – egal ob sie äußerst positiv oder negativ ausfallen – übertrieben. Das Solo-Comeback-Album You Are The Quarry (2004) war schon genialer, ebenso das von Tony Visconti produzierte Ringleader Of The Tormentors (2006, Stichwort: You Have Killed Me), aber im Vergleich zu den beiden vorigen Tonträgern Years Of Refusal (2009) und besagtem Word Peace Is None Of Your Business (2014) erachte ich Low In High School als stärker. Ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden, zumindest eben vom Klanglichen. Was meint ihr? Was sagt ihr zu dem neuen Werk des „Moz“? Ich bin gespannt auf Eure Meinungen!

Note: 2,3 (als erste Einschätzung)

http://morrisseyofficial.com/

 

Dieser Beitrag wurde unter Alben, Allgemein, Künstler A-Z, Kontrovers, M, Morrissey abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Morrissey – Low In High School

  1. Pingback: Album des Monats November | hicemusic

  2. Pingback: Mac DeMarco – Here Comes The Cowboy | hicemusic

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.