Loyle Carner – Yesterday’s Gone

VÖ:  20.01.2017

Label: Caroline

Genre: Hip-Hop / Grime

Wie bereits in der The XX-Rezension erwähnt, das Jahr 2017 fängt richtig gut an, hat eine Auswahl an besonders ehrenwerten Platten aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen zu bieten. Natürlich ist es hier bei hicemusic üblich, dass eine gewisse Vorauswahl getroffen wird, somit also weniger interessant erscheinende Alben üblicherweise von vornherein herausgefiltert werden und diejenigen Vertreter besprochen werden, die in irgendeiner Weise sich bereits früh dafür qualifizieren, eine Eigenschaft aufweisen, weshalb über sie geschrieben werden sollte. Zum größten Teil gefallen die ausgewählten Werke, zumindest fallen ja die Beurteilungen hier in der Mehrheit positiv aus, in letzter Zeit sogar sehr. Nun ist es aber auch so, dass seit Herbst letzten Jahren eine Reihe wirklich exzellenter Platten erschienen sind, was bis in neue Jahr anhält, zumindest der Ansicht des Schreibers dieser Zeilen zufolge.  Auch das hier besprochene Album des schon seit längerer Zeit von einigen Fachmagazinen und –leuten gelobten bzw. gehypten jungen britischen Künstlers Loyle Carner wird den hohen Erwartungen, die ihm im Vorhinein sicherlich gestellt wurden, mehr als gerecht. Seit 2012 ist er mit namhaften Genre-Kollegen und -Könnern auf Tour gewesen, mit Künstlern aus den Vereinigten Staaten wie Nas oder Joey Badass als auch Landsleuten wie MF Doom oder Kate Tempest. Letztgenannte  zählt momentan zu den versiertesten Allroundkünstlern/innen, weil sie nicht nur großartige Hip-Hop-Sounds zu produzieren, sondern ebenso begnadet mit Sprache umzugehen versteht, lebensnahe und emotionale Texte schreiben kann. Loyle Carner schafft es auf seinem Debüt genauso, realistische, sozialkritische Lyrics, erzählt aus einer persönlichen Perspektive, zu verfassen. Er hat auch einiges schon durchgemacht in seinem Leben, was er hier detailliert abbildet. Die dazu aufgebotene, absolut stilvolle Musik integriert über Hip-Hop und Grime hinaus einige variantenreiche, für andere Gattungen offene Klänge (z.B. aus Pop, Jazz und Blues), ähnlich wie es die großen Musiker des Genres stets getan haben bzw. tun (A Tribe Called Quest, The Roots u.a.).  Gerade in einer Zeit, in der der „Brexit“  beschlossene Sache ist, tut es gut zu wissen, dass es einige engagierte Musiker in Großbritannien gibt, die sich Gehör schaffen wollen, sich nicht mit den gesellschaftspolitischen Zuständen zufrieden geben. Ein prima Debüt von Carner!

Note: 2,0

http://loylecarner.com/

 

SOHN – Rennen

VÖ: 13.01.2017

Label:  4AD

Genre: Electronica / Contemporary R&B

Im Jahr 2008 wurde im Guardian über die Stimme eines damals neu vorgestellten Musikers folgendes geschrieben: „(…) a mainly falsetto voice that (…) simultaneously recalls Thom Yorke at his most existentially anxious and Justin Timberlake at his most sexually rapacious.” Es ging um ein Solo-Projekt, das ein gewisser Christopher Taylor zu dieser Zeit auf die Beine gestellt hatte, namens Trouble Over Tokyo. Dessen LP Pyramides sorgte unter anderem wegen der gekonnten Verschmelzung von verschiedenen Musikspielarten für lobende Erwähnungen, auch von Kritikern über den Guardian hinaus. Die Erwähnung der oben aufgeführten beiden Sänger bzw. der Vergleich mit ihnen bringt auf den Punkt, welche Sounds man darauf finden kann: zeitgenössische Formen des R&B/Pop (Wikipedia beschreibt die Musik unter anderem als „Angstpop“) mit Electro-infiziertem Alternative-/Indie-Rock. Das besagte Projekt existiert heute nicht mehr, doch der Musiker dahinter hat seit ein paar Jahren ein neues, mittlerweile wohl auch bekannteres am Start: SOHN. Das fabelhafte Albumdebüt Tremors ist sicherlich manchen Indie-Electronica-Fans noch ein Begriff – vielleicht auch in Folge seiner (Zusammen-)Arbeiten danach, zum Beispiel eines Remixes für Lana Del Rey –, zumindest die Singles Bloodflows und Lessons. Musik, die sich mühelos in die klanglichen Gefilde eines James Blakes, Jamie Woons, Chet Fakers oder einer FKA Twigs einordnen lässt, da der viele Jahre in Wien residierende Taylor seine soulige Stimme ebenso wie die Genannten in fein ausgeklügelte Electronica-Sounds einzubetten versteht.  Auf dem Nachfolger Rennen scheint er in Sachen Experimentierfreude noch einen Schritt weiter zu gehen, nicht nur mit noch komplexeren Rhythmusstrukturen, sondern mit einer Hinwendung zu Blues und Gospel sowie recht melancholischen Anklängen. Insbesondere der Anfang mit den Singles Hard Liquor ,Conrad und Signal  deutet die neuen Richtungen an, erinnert nur in seltenen Momenten an den Vorgänger. Auch wenn es sich dabei um die stärksten Titel von Rennen handelt, nimmt die hohe Qualität im weiteren Verlauf kaum ab. Ein rundum gelungener Tonträger, der mit vielen Überraschungen und kreativen Ideen aufwartet!

Note: 2,0

http://sohnmusic.com/

 

The XX – I See You

VÖ:  13.01.2017

Label: Young Turks

Genre: Indie Pop / Electronica

Das Jahr 2017 fängt klasse an: insbesondere das dritte Album des Londoner Indie-/Dream-Pop-Trios wurde im Vorhinein heiß erwartet, auch vom Schreiber dieser Zeilen, insbesondere dank der starken Vorabsingle On Hold  (hier bei hicemusic ist sie in der Jahresendabrechnung gerade zu den besten Songs 2016 gewählt worden,  auch von den Lesern). Die Bedeutung von The XX kann man tatsächlich nicht genug betonen, sie veröffentlichten ihr Debüt 2009, zu einer Zeit als jener Indie-Rock (der sein Comeback in den frühen bis mittleren 2000er Jahren gefeiert hatte) in seinen letzten Zügen zu liegen schien. Zunächst wegen der reduzierten instrumentellen Arrangements noch etwas unscheinbar, man sprach wieder in Anlehnung an das großartige Debüt der Norweger Kings Of Convenience von „Quiet Is The New Loud“, entpuppte sich dieser Sound, den Romy Madley Croft, Oliver Sim, Jamie Smith (alias Jamie XX) und (damals noch) Baria Qureshi präsentierten, als „Retter“ des Indie-Rock-Genres (aber auch als Inspirationsquelle für die Electronica-Szene um Interpreten wie James Blake). Das Rezept: Ein markanter Doppelgesang, ein individuelles, hallendes Gitarrenspiel, tiefe, sich einprägende Bässe, insgesamt gern eine düstere  Stimmung vermittelnde Klänge, die mit emotionalen Texten verbunden wurden. Songs wie Crystalised, Basic Space oder VCR haben bis heute nichts von ihrem Glanz verloren. Auch der Nachfolger Coexist konnte überzeugen, darauf entfernte sich The XX etwas von den Rockstrukturen, legte Betonung auf Dream Pop- und Electronica-Elemente. Auf Album Nr. 3 haben letztere noch mehr die Oberhand gewonnen, Jamie Smith konnte den Schwung seines exzellenten Solodebüts sowie seiner ebenso tollen Remixarbeiten mitnehmen. Dies hört man hier klar heraus, modern-formenreiche, mit interessanten Samples (unter anderem von Hall & Oates) gespickte Electro-Klänge interagieren perfekt mit dem weiterhin mit frischen Ideen punktenden Gesangs- und Instrumentalstil von Madley Croft und Sim. Es ist wahrlich erstaunlich welche Richtungen diese Band immer wieder einzuschlagen imstande ist. So früh im Jahr bereits ein erstes Highlight mit vielen fabelhaften, gefühlvollen Songs. Die Großartigkeit des Albums wird sich im Laufe des Jahres erschließen lassen, ganz sicher.  The XX ist diese immer zuzutrauen!

Note: 1,7

http://thexx.info/rl/

The xx – „I Dare You“ performed on Saturday Night Live from Alejandro Burgos. on Vimeo.

hicemusic: Hinweise zu Neuerungen in 2017!

Neuerungen bei hicemusic!

Neu:

Es wird ab Januar jetzt eine neue Rubrik geben: Kontrovers

Darin wird einmal monatlich ein Album vorgestellt, bei dem hicemusic davon ausgeht, dass die Meinungen dazu weit auseinandergehen könnten. hicemusic wird es rezensieren und ihr dürft in den Kommentaren darüber diskutieren und es auch selbst bewerten.

 

Außerdem:

Die Kurzrezensionen werden von hicemusic ab jetzt auch immer bewertet.

 

Wenn es in Kürze weitere Neuerungen bzw. Änderungen gibt, werdet Ihr rechtzeitig informiert!

Mit freundlichen Grüßen,

hicemusic

Eure Favoriten 2016

Ihr habt eure Favoriten des letzten Jahres gewählt. 

Bestes Album: 

David Bowie – Blackstar

Das Abschiedswerk des Genies habt ihr am meisten geschätzt, ein verdienter Sieger (unter anderem hier bei hicemusic von euch mit Abstand zum Album des Monats Januar im letzten Jahr gewählt)! R.I.P., David Bowie!

 

Beste Songs:

David Bowie – Lazarus und The XX – On Hold

Sieg der Briten! Unentschieden zwischen dem genialen, düsteren Übersong des Großmeisters und dem mehr als vielversprechenden Vorboten des jüngst veröffentlichten Drittlings von The XX (Rezension folgt hier in Kürze). Auch hier eine ausgezeichnete Wahl von euch!

 

Beste Band: Radiohead

Auch in dieser Kategorie favorisiert ihr eine britische Formation! Ihre Bedeutung kann bis heute nicht hoch genug eingeschätzt werden. Thom Yorke und seine Mannen haben wieder einmal keine Lust darauf gehabt, nur im Ansatz gewöhnlich zu sein, ganz im Gegenteil, in Sachen Experimentierfreude macht ihnen weiterhin wohl keiner was vor!

 

Beste Künstlerinnen: PJ Harvey und Alicia Keys

Eine versierte Britin gewinnt hier verdient, teilt sich den Sieg mit einer US-Amerikanerin, die 2016 ein tolles Comeback feierte. In beiden Fällen habt ihr richtig guten Geschmack bewiesen!

 

Bester Künstler: David Bowie

Ihr habt dem Meister erneut die Ehre erwiesen, ebenso in dieser Kategorie gewinnt Bowie mit großem Vorsprung! Zu unten verlinktem Video wurde ein schöner und von vielen Anderen gewürdigter Kommentar von User Chase Nyland verfasst: „Close your eyes and listen to the last 90 seconds of this song without crying. Pro tip: you can’t.“

 

Beste Newcomer: Anohni (mit Hopelessness), D.D Dumbo (mit Utopia Defeated) und Whitney (mit Light Upon The Lake)

3 Acts fandet ihr gleich gut, sie teilen sich hier den Sieg. Alle haben eines gemeinsam: sie sind unheimlich exzellent und auf ihre Weise jeweils einzigartig!

 

Bestes Comeback: A Tribe Called Quest (mit We Got It From Here…Thank You 4 Your Service)

Die New Yorker haben euch am meisten gefallen, sie liefern nach ganzen 18 Jahren ein Album ab, das nicht nur beachtlich gut und modern, sondern ein richtig großer Volltreffer ist! Wahrlich meisterhaft!

 

Bester deutscher Act: Von Wegen Lisbeth (mit Grande)

Die Berliner haben sich hier bei euch durchgesetzt. Kein Wunder, das Album punktet mit verspielten Klängen und intelligenten, witzigen Texten im Stile von „Wie schon Ricky Martin sagte, Buhrufe sind lauter als Applaus.“

 

Besondere Erwähnung: Solange – A Seat At The Table

Die Schwester von Beyoncé hat erneut eine feine, raffiniert arrangierte Platte vorgelegt, von euch wertgeschätzt! Herzlichen Glückwunsch, liebe Solange!

 

Geheimtipp: Avec – What If We Never Forget

Strengstens empfehlenswerte Musik aus Österreich. Schenkt bitte dieser Sängerin mit der zauberhaften Stimme Eure Aufmerksamkeit! Zumindest ist sie schon einmal Euer Favorit in dieser Kategorie. Gut so!

 

Ich danke euch sehr für Eure Teilnahme!

Mit freundlichen Grüßen,

hicemusic

Laut.fm – hicemusic: Programmübersicht (ab 08.01.)

hicemusic – Programm:

https://hicemusic.wordpress.com/hicemusic-radioprogramm-sendungen/

 

Siehe Programmänderungen:

Hicemusic: A Heart Full Of Blues, Folk & Country

jetzt immer Freitags, 20:00 Uhr

Hicemusic: Music Tipps

jetzt immer Samstags, 20:00 Uhr (beide Sendungen tauschen also zukünftig den Tag)

Hicemusic: Studien – Experimental Music 

jetzt immer Sonntags, ab 00:00 Uhr (statt Samstags, 00:00 Uhr), 2 Stunden lang (1 Stunde länger)

In Kürze wird es wieder die Live-Sendungen von derPlattenkistegeben

Viel Spaß beim Hören!

 

Wer sind Eure Favoriten 2016?

Welche Alben, Songs und Interpreten haben Euch 2016 gefallen?

Wählt bis zum 15.01. Eure Favoriten!

Die angegebenen Möglichkeiten sind natürlich nur Vorschläge.

Viel Spaß beim Wählen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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