Von Wegen Lisbeth – Grande

VÖ: 15.07.2016

Label: Sony

Genre: Indie-Pop/-Rock

Hier bei hicemusic wurde es zuletzt wieder thematisiert, dass deutschsprachige Popmusik, die insbesondere in den am Mainstream orientierten Radiostationen gespielt wird, oftmals nicht so recht überzeugen kann. Viele Texte fallen eher durch Oberflächlichkeit und Klischees auf, Gefühle, die vermittelt werden sollen, kommen zumindest beim Schreiber dieser Zeilen nicht so recht an, manche Songs nerven ihn gar, durch einen schablonenhaften Gesamtstil. Natürlich soll jetzt  nicht so getan werden, als ob die Musik, die abseits chartrelevanter Bereiche hauptsächlich stattfindet, automatisch immer besser ist. Auch hier gibt es Musiker, die manchmal seitens der Kritiker positiver beurteilt werden, als sie tatsächlich sind oder sie werden im Vorhinein so hochgejubelt, dass sie den Erwartungen letztlich nicht standhalten können. Generell nimmt der Schreiber dieser Zeilen also eine eher kritische Haltung ein, wenn er von neuer deutschsprachiger erfährt. So ging es ihm auch, als er erstmals von einer Band mit dem Namen Von Wegen Lisbeth hörte, deren Song Meine Kneipe im Radio gespielt wurde und er die Musik mit von ihm nicht selten wenig geschätzten „Spaßkapellen“ in Verbindung brachte (weshalb auch noch keine Rezension im Juli hier bei hicemusic erfolgte). Doch der Text überzeugte, mit amüsanten Passagen, die schließlich im Gesamten auf dem Debüt Grande zu hören sind. Es werden zudem ironische und sozialkritische Elemente eingebaut, wie Sushi, das sich mit dem Thema „Facebook“ ironisch auseinandersetzt: „Ich will Dein Sushi gar nich‘ seh’n / Warum ist Dein Leben so prima / Und Du immer so wunderschön?“ (der Song hat sich inzwischen selbst zum Facebook-Hit entwickelt) oder Wenn du tanzt, einer charmanten Liebeserklärung: „(…) dass diese Welt / Nicht zusammenfällt, liegt / Allein an deinen Beinen“. Nur Beispiele einer insgesamt wirklich launigen Platte der Berliner, die sich musikalisch ebenso vielfältig aufstellen, insbesondere in instrumenteller Hinsicht. Diese gekonnte Balance zwischen interessanten, amüsanten Texten und mannigfaltig angelegten Sounds hat man in dieser Form lange nicht mehr gehört (wahrscheinlich seit Wir Sind Heldens Debüt nicht mehr). Ein wirklich großes Vergnügen!

Note: 2,0

http://www.vonwegenlisbeth.de/

 

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6 Antworten zu Von Wegen Lisbeth – Grande

  1. lapismont schreibt:

    Ich hab sie 2015 auf der Fête de la Musique gesehen. Da kannte ich »Sushi« schon (wurde auf Fritz gespielt). Beeindruckend war die immense Spielfreude und die Benutzung unglaublicher Instrumente, teils selbstgebastelt. War ein Riesenspaß. Man sieht das auch in den Videos.
    Und eine Platte wurde ja auch Zeit. 😀

  2. Ramona schreibt:

    Ich war der Band gegenüber auch zuerst eher abgeneigt. Allein deswegen weil man sie immer wieder mit AnnenMayKantereit in Verbindung gebracht hat. Aber das Album hat mich dann doch überzeugt. Denn ja – vielleicht sind sie nur eine dieser „Spaßkapellen“. Aber sollte Musik nicht vorrangig genau das? Spaß machen? 🙂

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