Roosevelt – Roosevelt

VÖ: 19.08.2016

Label: City Slang

Genre: (Synthie-)Pop / Electronica

Schon direkt von Anfang an, beginnend mit dem Intro, fühlt man sich beim Hören der Debüt-LP von Marius Lauber alias Roosevelt an die ganz Großen der Musikszene erinnert, die sich seit einigen Jahren im Spannungsfeld zwischen Pop- und Electronica bewegen: LCD Soundsystem, Caribou, Hot Chip z.B., inklusive dieser klugen Verweise auf die Synthie-Pop/New Wave-Urväter der 1980er Jahre (Pet Shop Boys, New Order, The Human League etc.). Gleichzeitig merkt man, dass da jemand nicht bloß zitiert, sondern diese Anlehnungen nutzt, um sie mit individuellen Ideen zu würzen, die vielen Spielarten gegenwärtiger Electronica – u.a. Balearic House und Italo Disco – integriert und wirksam verarbeitet, einen feinen Mix aus Eingängigkeit und Experiment kreiert – eben wie oben erwähnte Künstler es stets so eindrucksvoll tun. Roosevelt ist aber selbst längst kein Unbekannter mehr, denn er hat nicht nur mit seinen in letzten Jahren veröffentlichten EPs und Compilations, mit seinen Remixen (von Acts wie Kakkmaddafakka oder die Glass Animals) in Kritiker- als auch Fankreisen auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch die Clubs und Bühnen dieser Welt bespielt, unter anderem zusammen mit oben erwähnten Hot Chip. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist vor allem auch, dass der 25-Jährige unter Beweis stellt, dass in (seinem Wohnort) Köln weiterhin großartige Electronica-Sounds produziert werden. Wie vielseitig seine instrumentellen Arrangements, wie groß seine stilistische Bandbreite ist, macht Roosevelt allein schon auf den bereits im letzten Jahr erschienenen Singles Hold On und Night Moves deutlich, kann die hohe Qualität jedoch ebenso auf Albumlänge halten. Trotz weiterer, wahrlich hervorstechender Songs wie Colours oder Fever gibt es bezüglich des Niveaus keinen Ausfall zu verzeichnen. Die vier Jahre, die Lauber insgesamt in die Produktion dieses Albums investiert hat, haben sich also wahrlich gelohnt.

Note: 2,0                                                           

http://www.iamroosevelt.com/

 

Abay – Everything’s Amazing And Nobody Is Happy

VÖ: 12.08.2016

Genre: Indie-Pop/-Rock

Label: Unter Schafen

Manchmal ist es echt wichtig, dass man einer Musik die Chance gibt, die sie verdient hat, bevor man sie womöglich allein nur wegen der Künstler und ihrer klanglichen Vergangenheit vorverurteilt. So kann man angesichts mancher Kritiken, die über neue Veröffentlichungen verfasst werden, schon mal die Frage stellen, ob die diese auch wirklich aufmerksam angehört wurden, vielleicht doch bereits im Vorhinein als wenig hörbar abgetan oder man dem Musiker, dessen gegenwärtiger oder auch ehemaligen Band ohnehin nie etwas abgewinnen konnte. Ist ja oftmals nicht absichtlich oder böswillig, bei den vielen Platten, die erscheinen, muss man ja auch oft eine Vorauswahl treffen, da fallen diejenigen, denen man aus oben genannten Gründen nicht viel Potential zuspricht, häufig automatisch heraus. So spricht sich auch hicemusic nicht davon frei, manchen Alben nicht immer die nötige Aufmerksamkeit zu widmen, die sie eventuell verdient hätten. Zugegeben, bei der personellen Konstellation der folgenden Band war auch hier zunächst eher Skepsis vorherrschend. Hinter Abay verbergen sich Ex-Blackmail-Sänger und Namensgeber der neuen Formation, Aydo Abay, sowie Jonas Pfetzing, der hauptamtlich Gitarrist bei Juli ist, was jetzt keine allzu hohen Erwartungen bei hicemusic geweckt hat. Denn auch wenn hier das Frühwerk von Blackmail durchaus geschätzt wird, waren manch weitere musikalische Aktivitäten der beiden Künstler wenig oder zumindest nicht immer durchgehend überzeugend. Aber: Zum Glück hat man hier der Musik die erwähnte Chance gegeben, denn das Debüt von Abay ist wirklich gut gelungen (das Potential wird allerdings schon auf der 2014er EP Blank Sheets angedeutet). Schön eingängige, aber nicht zu rührselige Pop/Rock-Songs, die in der Mehrheit Genre-Klischees umschiffen als auch klug und dynamisch arrangiert sind. Vorbilder sind zwar herauszuhören, dennoch ist dem Album ein individueller Charakter nicht abzusprechen!

Note: 2,3

http://abay.me/

 

Wild Beasts – Boy King

VÖ: 05.08.2016

Label: Domino

Genre: Art-/Synthie-Pop, (Funk-)Rock

Die Wild Beasts aus Großbritannien gehören in der Indie-Szene zu jenen Bands, deren Mitglieder (zum großen Teil) einem akademischen Hintergrund entstammen – wie zum Beispiel auch Django Django oder Alt-J. Das ist natürlich allein gesehen noch kein Merkmal, welches zwangsweise einhergeht mit musikalischer Klasse. Allerdings muss man jenen Formationen zugestehen, dass ihre klanglichen Experimente, die sicherlich auch durch eine Kenntnis künstlerischer Themenbereiche (über die Musik hinaus) herzuleiten sind, beim Hörer oftmals Neugier wecken und zu beeindrucken wissen, eben durch Elemente, die im (Pop-)Alltag nicht gewöhnlich sind. Die Wild Beasts haben auf ihren bisherigen vier Alben immer wieder  Klangforschungen betrieben, die von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen wurden. Schaute man beispielsweise im jeweiligen Veröffentlichungsjahr in die Bestenlisten nationaler als auch internationaler Fachzeitschriften, war der Name dieser Band oft darin zu finden. Die Experimentierfreude war stets hoch, die Briten waren kaum auf ein Genre festzulegen. Indie Rock als groben Rahmen, der wahlweise mit Elementen aus Avantgarde, Dream- und Synthie-Pop, Electronica, gar Carbaret verziert wurde. Hayden Thorpes charakteristischer Gesang, häufig melancholisch-pessimistisch angehauchte Texte und Instrumentierungen zeichneten die Band aus. Allerdings muss der Schreiber dieser Zeilen zugeben, dass der Sound der Wild Beasts ihn – wenn auch in seltenen Fällen –  auf subjektiver Ebene nicht immer gepackt hat, manchmal seinem Empfinden nach ein wenig überambitioniert wirkte. Album Nr.5, Boy King, das sich dem Thema Männlichkeit – auch in musikalischer Hinsicht – unter verschiedenen Aspekten nähert, überzeugt jedoch nun auch ihn (fast) ausnahmslos. Diesmal wird es rockiger, mit wirkungsvollen Funk- und Synthie-Pop-Elementen, die Songs wie Get My Bang und Celestial Creatures nach vorne pushen. Richtig gut gelungen, das Ganze!

Note: 2,3       

http://wild-beasts.co.uk/

WILD BEASTS – Big Cat from Pablo Maestres on Vimeo.

 

Album des Monats Juli

Wählt bis zum 05.08. das Album des Monats Juli!

Ihr entscheidet, welche Veröffentlichung „Album des Monats Juli“  wird.

Zur Wahl stehen diejenigen Alben, die in dem Monat veröffentlicht und bei hicemusic vorgestellt wurden.

Ihr urteilt über die Umfrage „Wie bewertest Du die Musik?“. Das Album mit den besten Werten, also idealerweise mit dem Urteil „Großartig“, gewinnt (je mehr Nennungen, desto besser).

Zur Wahl stehen folgende Alben:

The Avalanches – Wildflower

Metronomy – Summer 08

Róisín Murphy – Take Her Up To Monto

Michael Kiwanuka – Love & Hate

Sowie aus den Kurzbesprechungen unter:

https://hicemusic.wordpress.com/juli-2016/

Bat For Lashes – The Bride

Blood Orange – Freetown Sound

Shura – Nothing’s Real

Nonkeen – Oddments Of The Gamble

Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain

MSTRKRFT – OPERATOR

Viel Spaß beim Wählen!

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