Low – Ones And Sixes

VÖ: 11.09.2015

Label: Sub Pop

Genre: Indie-/Alternative-Rock

Es gibt im Indie-Rock-Segment ein paar Bands, die seit vielen Jahren konstant hochklassige Alben einspielen und sich trotz der Nähe zu dem Genre (oder eines seiner Subgenres) musikalisch nicht oder zumindest kaum wiederholen. Ein profundes Mittel ist dabei maximale Offenheit gegenüber anderen Gattungen, von denen Merkmale übernommen und kunstvoll dem bereits vorhandenen klanglichen Repertoire beigefügt werden. Ja klar, Radiohead stehen da wohl an vorderster Stelle, Blur sicherlich ebenso, wie auch Wilco – wie kürzlich im Zusammenhang mit der Rezension ihres neuen Werks an dieser Stelle erwähnt wurde. Aber dies sind ja Bands, die zu den bekannteren Vertretern des Genres gehören und (oftmals) ebenso Hörern ein Begriff sind, die sich eher wenig mit Indie-Rock identifizieren können. Da sind aber auch Formationen wie die US-Amerikaner Low, die ebenso von den Kritikern geliebt werden, jedoch insbesondere in kommerzieller Hinsicht weniger erfolgreich sind und allein deshalb kaum im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit stehen. Sehr ungerecht, denn seit Bandgründung im Jahr 1993 haben sie sich immer wieder – trotz ihrer Verankerung im Slowcore – klanglich emanzipieren können (ihr selbstbetiteltes Debüt beispielsweise konnte sich zu Zeiten des Grunge eindrucksvoll abgrenzen und den individuellen, minimal arrangierten Stil in Szene setzen). Nun ist Album Nummer 11 erschienen, dessen ersten Songs die klangliche und emotionale Variabilität von Low erneut dokumentieren. Ob es daran liegt, dass mit BJ Burton ein Produzent das Werk betreut hat, der für gewöhnlich mit Hip-Hop-Künstlern (u.a. Kanye West) zusammen arbeitet und sich somit die klangliche Palette noch einmal erweitert hat? Elemente dieses Genres gibt es zwar nicht direkt zu hören, dafür aber unter anderem von Electro-Stilen oder auch psychedelischen Pop im Stile der Beach Boys. Dennoch ist Ones And Sixes sehr minimal arrangiert und in lyrischer Hinsicht ziemlich düster ausgefallen. Tolles, vielseitiges Album!

Note: 2,3

www.chairkickers.com/

 

The Libertines – Anthems For Doomed Youth

VÖ: 11.09.2015

Label: Virgin

Genre: Indie-/Garage-Rock

Die Reunion-Welle geht weiter…nun in Form der Wiedervereinigung der Libertines – die im letzten Jahr bereits mit Live-Auftritten eingeläutet wurde und jetzt mit der Veröffentlichung eines neuen Albums fortgesetzt wird. Dabei war eine Rückkehr ja eher unwahrscheinlich, in Anbetracht der Vorfälle, die sich in der Vergangenheit ereignet hatten. Insbesondere die Hassliebe zwischen Pete Doherty und Carl Barât ließ eine solche wenig realistisch erscheinen. Beide hatten nach dem Aus der Libertines jeweils eigene Bands (Babyshambles, Dirty Pretty Things) bzw. Solo-Arbeiten, und auch die anderen Mitglieder hatten aus diversen Gründen keine Ambitionen – auch wenn man sich immer mal wieder für bestimmte Live-Shows zusammenfand. Ab 2014 wurde es dann aber ernster, angefangen mit einer Tour. Die Albumankündigung erfolgte dann so ziemlich zu jener Zeit, als Barât sein neues Projekt (Carl Barât And The Jackals)  präsentierte und nachdem Doherty mit seinen Babyshambles-Kollegen ein wirklich feines drittes Werk (Sequel To The Prequel) vorgelegt  hatte. Ein wenig Skepsis war – wie so oft im Falle einer Reunion – auch in Erwartung des dritten Libertines-Albums, 11 Jahre nach dem Erscheinen des selbstbetitelten, grandiosen Vorgängers  – angebracht. Die Frage war, ob sich die Band noch einmal zu neuen Höhen – in musikalischer als auch textlicher Hinsicht – begeben kann. Soviel ist sicher, mit den Vorgängern, die beide zu den besten Veröffentlichungen des letzten Jahrzehnts gehören, kann sich Anthems For Doomed Youth nicht messen. Dennoch gibt es Momente, die aufzeigen, dass das Quartett immer noch auf der Höhe der Zeit agieren kann. Es gibt wieder eine ausgewogene Mischung an Stilen und Stimmungen zu hören, die mit intelligenten Texten über aktuelle gesellschaftliche Themen gepaart werden. Man höre nur mal den Titelsong, Heart Of The Matter oder die Klavierballade You’re My Waterloo. Somit stellt Album Nummer Drei eine wahrhaft positive Überraschung dar. Gut so!

Note: 2,3

www.thelibertines.com/

 

The Libertines ‚Gunga Din‘ from Burning Reel on Vimeo.

Album des Monats August

Wählt bis zum 20.09. das Album des Monats August!

Ihr entscheidet, welche Veröffentlichung „Album des Monats August“  wird.

Zur Wahl stehen diejenigen Alben, die in dem Monat veröffentlicht und bei hicemusic vorgestellt wurden.

Ihr urteilt über die Umfrage „Wie bewertest Du die Musik?“. Das Album mit den besten Werten, also idealerweise mit dem Urteil „Großartig“, gewinnt (je mehr Nennungen, desto besser).

Zur Wahl stehen folgende Alben:

Beach House – Depression Cherry

The Black Dog – Neither/Neither

BOY – We Were Here

Chelsea Wolfe – Abyss

Destroyer – Poison Season

Foals – What Went Down

Herrenmagazin – Sippenhaft

Mac DeMarco – Another One

Wilco – Star Wars

 

Viel Spaß beim Wählen!

Foals – What Went Down

VÖ: 28.08.2015

Label: Warner Music

Genre: Indie- / Alternative-Rock

Im New Musical Express verkündete Sänger Yannis Philippakis, dass seine Foals sich auf ihrem vierten Album härter klingenden Rockmusikstrukturen widmen würden. Nun, die Vorabsingle What Went Down hat dieses Versprechen eingehalten, denn das Gitarrenriff erinnert hier ein wenig an eines der Queens Of The Stone Age oder vielleicht auch an die Produktionsarbeit deren Frontmanns Josh Homme auf Arctic Monkeys dritten Album. Dies ist wiederum nicht weiter verwunderlich, wobei man diesbezüglich eher an den anderen Verantwortlichen denken sollte, der damals Hand an Humbug gelegt hat. James Ford, eigentlich Mitglied des Electro-Duos Simian Mobile Disco, produzierte nicht nur die beiden nachfolgenden Werke der Arctic Monkeys, sondern wurde nun auch für What Went Down engagiert. In manchen Kritiken zum neuen Foals-Album ist zu lesen, dass der experimentelle Charakter, der ihre Vorgängerwerke auszeichnete, durch die Hinwendung zum „härteren“ Rock letztendlich gelitten habe und man sich nun eingängigen Klängen nähern würde. Darüber lässt sich zumindest diskutieren. Denn es kommt auch darauf an, wie hoch die Erwartungen an die Indie-Band im Allgemeinen sind. Natürlich ist ihr intelligentes, großartiges Debüt Antidotes (2008), das so spielend leicht mit unterschiedlichsten Sounds hantieren konnte (u.a. Afrobeat, Math-Rock), wohl kaum zu toppen. Wahrscheinlich auch nicht ihr Zweitling Total Life Forever (2010). Aber weshalb muss sich Foals diesem Vergleich stellen? Richtig gut ist der funky Nachfolger Holy Fire (2013) ja trotzdem gewesen, ebenso wie nun auch What Went Down ziemlich überzeugende Momente vorweisen kann. Neben den tatsächlich straighten Stoner Rock-Passagen (u.a. noch in Albatross oder Snake Oil) – die übrigens alles andere als durchschnittlich daherkommen – bietet es Elemente, die dem Experiment weiterhin nicht abgeneigt sind, z.B. im hymnisch anmutenden Mountain At My Gates. Die Foals haben mit der neuen Klangkonzeption keinesfalls falsch gelegen.

Note: 2,3

www.foals.co.uk/splash/outnow

 

Foals – What Went Down from Niall O’Brien on Vimeo.

FOALS – Mountain at My Gates dir. cut from nabil elderkin on Vimeo.

The Black Dog – Neither/Neither

VÖ: 14.08.2015

Label: Dust Science

Genre: Ambient / Acid House

Wer ein Faible für die sogenannte „Intelligent Dance Music“ hat, sollte sich unbedingt noch einmal ein paar Veröffentlichungen dieser britischen Electronica-Pioniere aus den frühen und mittleren 1990er Jahren zu Gemüte führen. Ken Downie, anfangs noch zusammen mit Andy Turner und Ed Handley (letztere beide verließen die Band 1995, um dann die ebenso formidablen Plaid zu gründen), spielte damals ein paar Werke ein, die nicht weniger innovativer und verschrobener waren als jene der damaligen Warp-Labelkollegen als auch anderen Genre-Mitstreiter wie Aphex Twin, Autechre, µ-ziq oder The Future Sound Of London. Manche von den Black Dog-Veröffentlichungen sind eventuell auch nicht als solche sofort erkennbar, da sie unter anderem Pseudonym erschienen (z.B. Xeper, I.A.O.). Den Tracks der Frühwerke Bytes, und Temple Of Transparent Balls, aber auch Spanners und Music For Adverts (And Short Films) sind (bis auf wenige Ausnahmen) ihr Alter von über bzw. fast 20 Jahren nicht anzuhören. Deshalb wurde The Black Dog eine hohe Wertschätzung entgegengebracht. Die Band wurde auf der legendären Artificial Intelligence – Compilation von Warp geführt, John Peel lud sie zu seinen Sessions ein sowie einige Remix-Anfragen (u.a. von Björk) trudelten für sie ein. Zusammen mit den beiden Gründern des Labels Dust Science, Martin und Richard Dust, hat Ken Downie seit 2001 ein paar Alben eingespielt, die zwar nicht so zukunftsbezogen wie oben erwähnte Werke klangen, aber dennoch Akzente zu setzen vermochten, vor allem jeweils zeitgemäße Beats und Sounds aufbieten konnten. Das gilt ebenso für die Nummer Acht in dieser Besetzung, die jederzeit mit frischen Einfällen zu überraschen weiß. Im Spannungsfeld zwischen Ambient (es gibt ein paar Tracks, die wie auf dem 2010 veröffentlichten Music For Real Airports dem Genre-Großmeister Brian Eno huldigen) sowie vorwärtsschreitendem Acid House scheint man weiterhin noch Neues entdecken zu können. Sehr erfreulich!

Note: 2,3

www.theblackdogma.com/tbd/

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.

Nach oben ↑