Kamasi Washington – The Epic

VÖ:  15.05.2015

Label: Brainfeeder

Genre:  Bebop / West Coast Jazz

In der heutigen Zeit wird Jazz-Musikern oftmals vorgeworfen, dass sie dem Genre keine neuen Impulse verleihen würden. So heißt es nicht selten, dass den Künstlern der Verweis auf den einstigen hohen politischen, gesellschaftlichen und musikalischen Stellenwert des Genres als Alibi diene, die großen Ikonen und ihre erbrachten als auch zurecht gefeierten Leistungen – z.B. hinsichtlich der Entwicklung und Etablierung moderner, innovativer Melodie- und Rhythmusstrukturen als auch neuer Interpretationsmöglichkeiten – lediglich zu  kopieren oder die vorgegebene Grundidee nur gering zu variieren. Manche Kritiker bemängeln zudem, dass in zeitgenössischen Jazz-Werken kein künstlerischer Anspruch zu erkennen sei, die „Unterhaltung“ im Vordergrund stehe und sie nur die Funktion der Hintergrundbeschallung erfüllen würden. Ob diese Vorwürfe in ihrer Gesamtheit auf den gegenwärtigen Jazz zutreffen, darf gerne diskutiert oder in Frage gestellt werden. Denn das neue Album von Kamasi Washington, das einen ziemlich aussagekräftigen Titel wie The Epic trägt, wird jenen Hörern, die weiterhin an das Entwicklungspotential des Jazz glauben, stichhaltige Argumente liefern. Der Saxophonist und Arrangeur konnte ja bereits vorher auf sich aufmerksam machen. Er hat nicht nur mit Genre-Größen wie George Duke, Herbie Hancock, McCoy Tyner zusammengearbeitet, sondern sich auch außerhalb des Jazz engagiert. Der 34-Jährige veredelte ganz aktuell das großartige, jüngst erschienene Werk von Kendrick Lamar und auch das letztjährige Meisterstück You’re Dead von Flying Lotus (das besonders durch Washingtons Beitrag einen effektiven Ausflug in die Welten des Fusion unternahm). Auf dessen Label erscheint nun das monumentale Debüt The Epic (es umfasst eine Dauer von fast 3 Stunden), das oben erwähnten Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen wird. Ein solch ambitioniertes, politisches, klanglich und instrumentell vielseitiges Werk (es gibt unter anderem wundervoll arrangierte Orgelpassagen zu hören), das bezüglich der Harmonik und Rhythmik keine Komplexität scheut, hat es im Jazz tatsächlich lange nicht mehr gegeben. Ein wahrlich imposantes Album!

Note: 1,7

http://kamasiwashington.com/

 

2015.05.04 KamasiWashington — THE EPIC ReleaseParty from Paulo von Borries on Vimeo.

Midnight Music TV w LeRoy Downs + Kamasi Washington from Live From The Blue Whale on Vimeo.

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3 Antworten zu Kamasi Washington – The Epic

  1. Pingback: Album des Monats Mai 2015 | hicemusic

  2. hoerbarsehbar schreibt:

    Toll.

  3. Pingback: Thundercat – Drunk | hicemusic

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