Hot Chip – Why Make Sense?

VÖ: 15.05.2015

Label: Domino

Genre: Electro-Pop / Dance

Laut Hot Chip-Mitglied Al Doyle sei das sechste Werk der Band ursprünglich als ein Doppelalbum geplant gewesen, doch man habe die Idee dann lieber wieder verworfen. Die damit zusammenhängenden Risiken sind wohl bekannt gewesen, hat diese Form der Tonträgerveröffentlichung in Anbetracht der Pop-Historie ja immer mal wieder künstlerische als auch kommerzielle Misserfolge für Musikgruppen zur Folge gehabt. Denn nicht jeder ist in der Lage, eine Meisterleistung à la Exile On Main St., Electric Ladyland oder The Beatles (The White Album) vorzulegen. Allerdings ist den Jungs um Hot Chip zuzutrauen, dass sie den nötigen kreativen Output für ein Doppelalbum aufbringen könnten, wenn man sich die Songs von Why Make Sense? anhört. Der Band gelingt es ein weiteres Mal spielend leicht, eine Brücke zwischen Pop- und Electro-Elementen zu schlagen und ihrem Sound einen Wiedererkennungswert zu verleihen, dabei aber stets neue Ideen einzubringen, die man so von ihr zuvor noch nicht kannte. Dies ist hauptsächlich damit zu erklären, dass die Mitglieder eine fundierte Kenntnis sowohl der jüngeren als auch älteren Vergangenheit der Popmusik besitzen und diese verschiedenen Stilmittel fantastisch zu vereinen verstehen. Nehme man beispielsweise die Single Need You Now, einen modernen Dance-Track, der im Refrain mit einem Sample aus dem gleichnamigen Song des 80er-Post-Disco-Trios Sinnamon begeistert. Oder Love Is The Future, das eine Rap-Passage von De La Soul’s Posdnuos in eine wunderbar arrangierte Electro-Pop-Nummer einbettet. Auch toll: das trashige Huarache Lights oder der mitreißende, hymnische Titel- und Schlusstrack. Allgemein ist es erstaunlich, wie souverän Hot Chip das Spiel mit Stimmungen beherrschen, die auch mal gerne innerhalb eines Songs variieren. Mal wird es fröhlich-euphorisch, mal besonnen-nachdenklich. Vielleicht wird beim Hören mehr Geduld als bei den Vorgängern erfordert, aber sie wird letztendlich auch belohnt. Ganz sicher!

Note: 2,0     

www.hotchip.co.uk/ 

 

Hot Chip – Huarache Lights from dustin sussman on Vimeo.

Hot Chip – Burning Up (Official Lyric Video) from Toby Mortimer on Vimeo.

Róisín Murphy – Hairless Toys

VÖ: 08.05.2015

Label: Play It Again Sam

Genre: Art-Pop / Electronica

Keine Frage, nach dem Ende des Electronica/Trip-Hop-Duos Moloko hat es die charismatische Sängerin stets verstanden, ihren individuellen, experimentellen sowie extrovertierten Stil beizubehalten, ohne den Sound der Ursprungsband lediglich zu kopieren. Das ist ihr selbst natürlich zum größten Teil anzurechnen, aber auch den Produzenten und Instrumentalisten, die ihr auf den bisher zwei Solo-LPs zur Seite standen. Vor ziemlich genau 10 Jahren, auf Ruby Blue, war dies zuvorderst Matthew Herbert, der seinen Ansatz der ambitionierten Herangehensweise an Musik in Form von jazzig-souliger Disco-Electronica zur Geltung brachte. An dem Nachfolger Overpowered (2007) waren gleich mehrere Kreative beteiligt (u.a. Richard X, Jimmy Douglass, Carl Cox oder Groove Armada-Mitglied Andy Cato), die ihm einen poppig-zugänglicheren Touch verliehen. Dies soll aber nicht bedeuten, dass die Irin die Beteiligten frei walten ließ. Ganz im Gegenteil, sie hat glücklicherweise ganz eindeutige Soundvorstellungen, weshalb es gewiss schon zu Streitigkeiten kam. Dennoch, auf Hairless Toys, dem Comeback nach 8 Jahren, hat sie die Zusammenarbeit mit Eddie Stevens versucht, der bereits an Arbeiten von Moloko als auch den Solowerken beteiligt war, allerdings nun als ausführendem Produzenten. Das Ergebnis der Kooperation ist beeindruckend, denn so verspielt, wagemutig und Genre-ungebunden hat man Murphy wahrscheinlich – zumindest ohne Mark Brydon – noch nie erlebt. Eine exzellente Mischung aus anspruchsvollem Pop und den Möglichkeiten der Electronica, inklusive einer düstereren, persönlichen Thematik. Herausragend: die Single Exploitation.

Note: 2,0

www.roisinmurphyofficial.com/

Roisin Murphy – Exploitation from PIASGermany on Vimeo.

Django Django – Born Under Saturn

VÖ: 01.05.2015

Label: Because Music

Genre: Art- / Indie-Rock / Electronica

Die Mitglieder von Django Django entspringen ja – was bereits im Zusammenhang mit der Besprechung von Alt-Js Song Hunger Of The Pine erwähnt wurde – wie besagte Kollegen einem akademischen Milieu. Beide Bands haben 2012 hervorragende, für den Mercury Prize nominierte Debüts vorgelegt, bei dessen Verleihung Alt-J letztlich als Sieger hervorgingen. Nachdem die Herren aus Leeds letztes Jahr den exzellenten Nachfolger präsentierten, sind nun Django Django an der Reihe, es ihnen gleich zu tun. In Sachen kommerziellen Erfolgs weist die Band im direkten Vergleich noch Nachteile auf, denn während die Kollegen mittlerweile die Hallen füllen, hohe Ränge in einigen internationalen Charts belegen und gerne für Festivals gebucht werden (auch als Headliner), muss ein annähernd gleicher Status noch erarbeitet werden. Andererseits sind Django Django natürlich auch keine Unbekannten mehr, Kritiker mochten ihre Musik ja gleichermaßen (u.a. wurden ihre Songs für Computerspiele wie FIFA 13 oder GTA 5 verwendet, ihr Debüt bekam in Frankreich Platin und es belegte vordere Plätze der Jahresbestenlisten). Man könnte zwar manchmal das Gefühl haben, dass der Sound der Briten nicht ganz so ambitioniert-kunstfertig ist wie jener von Alt-J, aber der Eindruck täuscht. Obwohl die Klänge von Django Django weiterhin hauptsächlich im Bereich der 1960/-70er-Psychedelia und Western-Soundtrack-Musik, gemischt mit Spielarten der Electronica, verankert sind, versteht auch diese Band es nicht weniger, den Hörer mit Kniffen und Wendungen (vor allem rhythmischen Variationen) zu überraschen. Man höre doch nur mal Shot Down!

Note: 2,3

www.djangodjango.co.uk/

 

Benjamin Clementine

Label: Barclay

Genre: Chamber Pop, Rockoper

Benjamin Sainte-Clementine hat bereits im jungen Alter von 26 Jahren einiges erlebt in seinem Leben: er hatte eine ziemlich schwere Kindheit und Jugend in Großbritannien zu bewältigen, beschloss als junger Erwachsener nach Frankreich auszuwandern, lebte in Paris einige Jahre auf der Straße, bevor er schließlich während eines seiner, zum Bestreiten seines Lebensunterhalts absolvierten Auftritte entdeckt wurde. Heute ist er zumindest in der französischen Musikszene bekannt (er trat unter anderem auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes auf), hat auch schon international Achtungserfolge erzielen können (war u.a. Gast bei Later with Jool Hollands). Sein Sound wird mit Künstlern wie Antony Hegarty oder Nina Simone in Zusammenhang gebracht, die laut eigener Aussage neben Erik Satie, Jimi Hendrix, Luciano Pavarotti sowie ein paar Weiterer zu Clementines Vorbildern gehören. Genauso vielfältig ist tatsächlich das Ergebnis, nicht nur in klanglicher, sondern ebenso in lyrischer Hinsicht. Dieser Mann hat auch über Frankreich hinaus maximale Aufmerksamkeit verdient.

Album: At Least For Now (VÖ: 17.04.2015)

http://benjaminclementine.com/

 

BENJAMIN CLEMENTINE _ CORNERSTONE from Nicolas Barek on Vimeo.

BENJAMIN CLEMENTINE – Condolence from zack spiger on Vimeo.

Benjamin Clémentine | London | le Carmen / November 14th 2012 from Irudia on Vimeo.

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