Hoodie Allen – All About It (ft. Ed Sheeran)

VÖ: 06.03.2015

Label: Eigenvertrieb

Genre: Hip-Hop

Die Chancen, einen kommerziellen Durchbruch auch in Deutschland (bzw. Europa) zu erzielen, stehen nicht schlecht für Hoodie Allen. Ein Beleg dafür ist der aktuelle Neueinstieg der Single All About It auf Platz 9 in den Single-Charts (Stand: 20.03.). Diejenigen, die sich eher den musikalischen Erscheinungsformen näher fühlen, die sich außerhalb jeglicher Hitparaden abspielen, sei gesagt, dass sie möglicherweise einen wirklich interessanten Künstler verpassen könnten (insbesondere wenn sie aus grundsätzlicher Überzeugung alles verteufeln, was die Aufmerksamkeit der breiten Masse auf sich zieht). Der 26-jährige US-Amerikaner feierte zunächst in der Underground-Szene seines Heimatlandes mit EPs und Mixtapes Erfolge, bevor sein Debüt-LP Keep Talking im Oktober letzten Jahres dort erschien. Auch wenn das darauf befindliche All About It hauptsächlich Beachtung durch den Gast Ed Sheeran findet, der ja zurzeit in aller Munde ist, präsentiert Hoodie Allen davon abgesehen einen zwar höchst eingängigen, aber gleichzeitig astrein, professionell arrangierten Hip-Hop-/“Hipster Rap“-Song. Das zugehörige Album Keep Talking soll in Kürze in Deutschland erhältlich sein.

Note: 2,3

http://hoodieallen.com/

 

Hoodie Allen „All About It“ ft Ed Sheeran from Mad Ruk Entertainment on Vimeo.

Ghostpoet – Shedding Skin

VÖ: 06.03.2015

Label: Play It Again Sam

Genre: Hip-Hop / Electronica

Der 32-jährige britische Künstler Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet ist ja zumindest in Kritikerkreisen kein Unbekannter mehr. Die EP The Sound Of Strangers (2010) fand bereits Beachtung, insbesondere der einheimischen Presse. Der Veröffentlichung der Debüt-LP Peanut Butter Blues & Melancholy Jam ein Jahr später und ihrer Nominierung für den Mercury Prize folgten erfolgreiche Festivalauftritte und Touren mit heute namhaften Größen, u.a. Metronomy und Jamie Woon – die übrigens beide herangezogen werden könnten, um ungefähr das klangliche Feld zu umfassen und beschreiben, das Ghostpoet repräsentiert. Es geht also um jegliche Formen der elektronischen Musik, also den sogenannten, immer noch zeitgenössischen „Post-Dubstep“, aber gleichzeitig ebenso tanzbarere Stile, die jedoch (alternativen) Hip-Hop unterlegen. Spannend ist der Brite aber auch, weil er das Ganze geschickt mit Zutaten aus Pop, Rock, Jazz, Soul mit überaus hymnischen Momenten zu kombinieren versteht und überdies eine ausgezeichnete Kenntnis der (vorwiegend britischen) Musikgeschichte aufweist. So kann man Spuren zum Beispiel von Trip-Hop – insbesondere (der junge) Tricky bietet sich als Referenz an – oder Grime heraushören. Ein wenig denkt man auch an Dean Blunt. Über Ghostpoets Fähigkeiten als Songwriter braucht man eh nicht zu diskutieren, wenn er wieder einmal die Probleme in Politik und Gesellschaft in stilsicheren, auf den Punkt zielenden Texten zum Ausdruck bringt. Respekt!

Note: 2,3

http://ghostpoet.co.uk/

 

‚OFF PEAK DREAMS‘ // GHOSTPOET from Liam Saint-Pierre on Vimeo.

Will Butler – Policy

VÖ: 13.03.2015

Label: Merge

Genre: Indie Rock

Richtig, Will Butler ist der Bruder des Sängers einer der meistgefeierten Bands dieser Zeit: Arcade Fire. Aber Tatsache ist auch, dass er ebenso Mitglied der kanadischen Formation ist, auch wenn er sich trotz oder wegen seiner Funktion als Multi-Instrumentalist nicht so sehr im Fokus der allgemeinen öffentlichen Aufmerksamkeit bewegt wie besagter Win Butler und dessen Frau Régine Chassagne. Ein wenig bekannter wurde er schließlich durch die Oscar-Nominierung für die gemeinsame Arbeit mit Owen Pallett (der ja auch ab und an für Arcade Fire tätig ist) an dem Score zu Her. Jetzt hat Will Butler sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt: ein Soloalbum aufzunehmen, das seinen vielfältigen Musikgeschmack abbilden solle. Das ist ihm vor allem mit den beiden pfiffigen, äußerst tanzbaren Singles Take My Side und Anna als auch Something’s Coming (Butlers Stimme erinnert ein wenig an David Byrne, sowie auch einzelne musikalische Passagen, vor allem die Chor-Parts, die Talking Heads zitieren). Die stimmungsvolle Piano-Ballade Finish What I Started hat ebenso seine, an große Vorbilder im Stile Billy Joels, gemahnenden Momente. Außerdem gelingt es Will Butler, sich größtenteils vom Sound Arcade Fires zu emanzipieren. So kann man – bei aller Klasse der Kanadier – durchaus Ivo Ligeti zustimmen, der in der aktuellen Ausgabe des Musikexpress folgendes zu Protokoll gab: „Will Butler hat eine große Stärke, die man im Schaffen seines ‚Arbeitgebers‘ Arcade Fire vielleicht nicht vermisst, aber oft vergebens sucht: Humor.“ (Musikexpress, 04/2015, S. 80).

Note: 2,3

www.butlerwills.com/

 

Modest Mouse – Strangers To Ourselves

VÖ: 13.03.2015

Label: Epic

Genre: Indie Rock

Modest Mouse sind eine Indie Rock-Institution, allerspätestens mit der Veröffentlichung ihres absoluten Meisterwerks Good News For People Who Love Bad News und Songs wie dem unvergesslichen Float On. Auch wenn dies schon über 10 Jahre her ist, so handelt es sich mit Strangers To Ourselves erst um die zweite Veröffentlichung seither, nach dem „nur“ guten We Were Dead Before The Ship Even Sank von 2007, das aber neben James Mercer (The Shins) als Backgroundsänger und Band-Rückkehrer Jeremiah Green immerhin The Smiths-Legende Johnny Marr aufbot (der dann bis 2009 zum Line-Up von Modest Mouse gehörte). Nun sind die US-Alternative-Rocker also wieder zurück und präsentieren sich klanglich und lyrisch variabel, wie man es von ihnen gewohnt ist und natürlich auch erwartet hat. Die vorzügliche, vorab im Dezember ausgekoppelte Single Lampshades On Fire hatte bereits erahnen lassen, dass sie auch im Jahr 2015 überhaupt keine Abnutzungserscheinungen zeigen würden. Das Album reiht sich demnach nahtlos in die eindrucksvolle Diskografie der Band ein.

Note: 2,0

http://modestmouse.com/

 

Lampshades On Fire from Fawn Testa on Vimeo.

Archive – Restriction

VÖ: 09.01.2015

Label: Dangervisit

Genre: (Progressive-)Rock, Electronica

Man konnte ja durchaus ein wenig den Eindruck gewinnen, dass der englischen Band langsam die Luft ausgehen würde. Alles bewegte sich auf relativ hohem Niveau, es gab ziemlich interessante, ambitionierte (Konzept)-Alben mit hoch politischen und sozialkritischen Texten zu hören, jedoch stellte sich allmählich der Eindruck ein, dass sich Archive in musikalischer Hinsicht oft wiederholen würden, trotz eines Rückgriffs auf eine vielfältige Stil- und Klangpalette. Noise (2004) und vor allen Dingen die großartige Verbeugung vor Pink Floyd, You All Look The Same To Me (von 2002), schienen auf ewig unerreicht zu bleiben. Das letztjährige Werk Axiom bot allerdings wieder Momente auf, die wohlige Erinnerungen an die genannten Großtaten hervorriefen. Restriction gelingt es, diese noch mehr zu verstärken. Allein die ersten drei Tracks (Feel It, der Titelsong und Kid Corner), die nahtlos ineinander übergehen, sind absolut eindrücklich arrangiert und lassen die Hoffnung wachsen, dass Archive der anfangs aufgestellten Befürchtung trotzen werden und noch viel zu erzählen haben. Der Rest des Albums gibt dann letztlich die Bestätigung, dass die Band sich in guter Verfassung befindet und zeitgemäße, progressive Rock/Electronica-Sounds zu bieten hat, die überdies mit tollen Gesangsbeiträgen eine Bandbreite von Stimmungen bedienen.

Note: 2,0

http://archiveofficial.com/

 

Carl Barât And The Jackals – A Storm Is Coming

VÖ: 16.01.2015

Label: Cooking Vinyl Limited

Genre: (Indie-)Rock

Carl Barât hatte letztes Jahr im Zusammenhang mit der Libertines-Reunion-Tour verkündet, dass er eine neue Band gegründet habe, im Zuge eines Castings. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als gerade heiß über ein drittes Album seiner Stammband spekuliert wurde. Nun, beides hat sich bewahrheitet: Alte Fans können sich auf das Libertines-Album freuen, während Barât vorher die besagte Neuformation aus dem Hut zaubert. Ein gesundes Misstrauen war im Vorfeld nicht unbedingt unangebracht. Allerdings, die erste, aus dem Mitte Februar erschienenen Album Let It Reign ausgekoppelte Single Glory Days hatte trotz klanglicher Ähnlichkeiten zu den Libertines als auch Barâts andere Band, die Dirty Pretty Things, schon einige charmante Momente. Der Nachfolger A Storm Is Coming fällt vergleichsweise etwas schwächer aus, weist jedoch jene Eigenschaften auf, die auf Let It Reign im Gesamten zutreffen: eingängige schöne Musik, die nicht groß überrascht, aber alles andere als eine Katastrophe ist.

Note: 3,0

www.carlbaratandthejackals.com/

http://www.muzu.tv/carl-barat-and-the-jackals/a-storm-is-coming-official-audio-music-video/2347153/

Bilderbuch – Schick Schock

VÖ: 27.02.2015

Label: Maschin

Genre: Indie-/Funk-Rock

Die Österreicher versetzten bereits mit ihren ersten beiden LPs nicht nur die einheimischen Medien in Begeisterung. Durch tanzbare Musik, die sich durch eine wagemutige Mixtur verschiedenster Stilrichtungen hervortat und mit ausgefallenen intelligent-witzigen Texten verknüpft wurde. Erstaunlich war, dass die Band im jungen Alter bereits äußerst selbstsicher mit Themen umgehen konnte, die man Anfang 20-jährigen nicht zwangsweise zutrauen würde. Nun sind seit Sommer 2013 einige Singles und eine EP (Feinste Seide) veröffentlicht worden, die deutlich machen, dass noch eine Stufe weiter gedacht werden soll. Denn besonders musikalisch kann man tatsächlich eine Steigerung feststellen, mit einer vornehmlichen Orientierung an 1980/-90er(-Funk)-Rock-Sounds, die weiterhin mit anderen Stilrichtungen kombiniert werden, zu keinem Zeitpunkt ausrechenbar sind und noch vielfältigere Melodie- und Rhythmusstrukturen aufweisen. Die Lyrics machen zwar nicht jederzeit Sinn, was aber keinesfalls negativ auffällt, sondern – ganz im Gegenteil – den Songs noch mehr Charme verleiht, sind sie doch äußerst geistreich und witzig. Jetzt ist endlich Album Nummer Drei erschienen, das die besagten ausgezeichneten Singles Maschin, Plansch, Feinste Seide, Spliff (das klanglich an die namensgleiche 80er-Band erinnert) und OM enthält, sowie weitere Songs, auf welche die vorher erwähnten Eigenschaften ebenso zutreffen, wie z.B. Softdrink (das mit einer wunderbaren Rap-Passage aufwartet), Willkommen im Dschungel oder Gigolo. Starke Platte!

Note: 2,0

www.bilderbuch-musik.at/

BILDERBUCH – MASCHIN from ANTONIN B. PEVNY on Vimeo.

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