Dean Blunt – Black Metal

VÖ: 31.10.2014

Label: Rough Trade

Was für ein Beginn: Lush bietet wundervolle Streicher-Motive auf und leitet verheißungsvoll eine Platte ein, die geschickt mit den Erwartungen des Hörers spielt. Dies bezieht sich nicht nur auf den irreführenden Albumtitel, demnach von Metal hier keine Spur zu finden ist (was bei aller Experimentierfreude Dean Blunts vielleicht keine wirkliche Überraschung ist), sowie generell auf ein paar Bezeichnungen der Songs (50 Cent, Punk, Country), sondern vielmehr auf die generelle klangliche Konzeption, die derjenigen des tollen letztjährigen Vorgängers The Redeemer sogar noch entgegen gesetzt wurde. Der Künstler orientierte sich damals nur grob am Sound von Hype Williams, jenem Duo, das er zuvor mit Inga Copeland bildete, bot also eine gewagte Mischung aus Pop-, R&B-, Electro- und Avantgarde-Elementen, die unter anderem mit Gitarren und Streichern aufgehübscht wurde, emanzipierte sich jedoch gleichzeitig davon. Nun aber gelingt es ihm tatsächlich noch eindrucksvoller. So gibt es viel Folk zu hören, leichte Ausflüge in Hip-Hop und Dub sowie tolle Electro-Sequenzen, die allesamt einen experimentellen Charakter innehaben und jederzeit Überraschungen bereithalten. Die Ausführungen geben dennoch nur in Ansätzen die stilistische Vielfalt dieses Albums wieder. Höchst beeindruckend ist beispielsweise der Schlusstrack Grade mit einer episch-mitreißenden Synthie-Melodie, prophetischen Lyrics Blunts sowie einem höchst effektiven Saxophon-Sample. So oder so, Black Metal ist ein heißer Kandidat für die Spitzenpositionen in den bevorstehenden Jahresbestenlisten!

Note: 2,0

www.facebook.com/DeanBluntIngaCopeland/info?tab=page_info

Dean Blunt – 50 Cent feat. Joanne Robertson from Crass Molnar on Vimeo.

Ariel Pink – Pom Pom

VÖ: 17.11.2014

Label: 4AD

Ariel Pinks Sounds lassen sich glücklicherweise schwerlich auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Der US-Amerikaner versteht es ausgezeichnet, eine riesige Palette an Stilrichtungen der älteren als auch jüngeren populärmusikalischen Vergangenheit stilsicher zu synthetisieren und in Zusammenklang mit avantgardistischen Formen und einer höchst charakteristischen Lo-Fi-Aufnahmetechnik zu bringen. Nicht zu vergessen die raffiniert schrulligen, oftmals bissig-(selbst)ironischen Lyrics! Kein Wunder, soll Ariel Pink ja angeblich seit seinem 10. Lebensjahr Lieder schreiben, stilistisch bunt musikalisch sozialisiert worden sein und ganz im Stile seines selbsternannten Mentors R. Stevie Moore (mit dem er selbstverständlich auch schon zusammen gearbeitet hat) eine beträchtliche Anzahl an Kassetten und CD-Rs selbst produziert haben. Spätestens mit dem Studioalbum Before Today (2010) seiner Haunted Graffiti-Band bekam er die verdiente Aufmerksamkeit, der Kritiker (Pitchfork z.B. ernannte es vor kurzem zu einem der besten Alben der aktuellen Dekade) als auch einiger „Kollegen“: So soll Madonna angeblich darum gebettelt haben, Pink als Produzenten ihres neuesten Albums zu gewinnen. Dieser aber fügt seiner Diskografie stattdessen ein weiteres Wunderwerk, seine erste „Solo“-Arbeit (weil schlicht unter dem Namen Ariel Pink), hinzu. Pom Pom zitiert gewohnheitsmäßig allerlei verschiedene Genres und Künstler (z.B. Frank Zappa) und wartet mit interessanten, oftmals amüsanten Popkultur-Zitaten auf (textlich und musikalisch; der leider todkranke Kim Fowley hat einen großen Beitrag dazu beigetragen). Zugegeben, manche Songs erfordern etwas Geduld, aber insgesamt ist Pom Pom unbedingt zu empfehlen!

Note: 2,0

http://ariel-pink.com/

 

//player.muzu.tv/player/getPlayer/j/2298555/
Ariel Pink – Put Your Number In My Phone on MUZU.TV.

//player.muzu.tv/player/getPlayer/j/2311939/
Ariel Pink – Black Ballerina (Audio) on MUZU.TV.

//player.muzu.tv/player/getPlayer/j/2317387/
Ariel Pink – Picture Me Gone on MUZU.TV.

Clark – Clark

VÖ: 03.11.2014

Label: Warp

In einigen jüngst veröffentlichten Rezensionen zu Chris Clarks neuem, selbstbetiteltem Tonträger ist zu lesen, dass dieser sich nun harmonischeren Sounds und konventionelleren Klangstrukturen widmen würde – häufig mit dem Hinweis versehen, dies im Vergleich mit seinen vorherigen Werken zu sehen. Völlig richtig, denn wenn man sich mit der Musik des Briten auseinandersetzt, kann man nun wirklich nicht von tradierten Formen sprechen. Auch wenn beispielsweise sein Debüt Clarence Park (2001) vereinzelt entspannende, melodische Ambient-Passagen bereithielt, waren gleichzeitig Elemente enthalten, die seinen späteren Sound ankündigten als auch vorwegnahmen, d.h. jegliche abenteuerliche Spielformen, die man gemeinhin unter dem Begriff „Intelligent Dance Music“ zusammenfasst. Auf all seinen Werken behielt Chris Clark diesen experimentellen Weg bei und hat von Jazz, Noise, (Post-)Rock, garniert mit unterschiedlichen rhythmischen Zutaten und höchst originellen Samples und Field Recordings, nichts unversucht gelassen. Zugegeben, vergleicht man sein neuestes Album beispielsweise mit Body Riddle (2006) oder Turning Dragon (2008), so vermittelt es einen zahmeren Eindruck, weil es nicht dieselbe Weirdness, Direktheit und gleichzeitige Abgeklärtheit aufweist. Von einem konventionellen Charakter sollte man dennoch nicht sprechen: es gibt zwar die ruhigen, verhaltenen Ambient-Sequenzen, wie z.B. im Schlusstrack Everlane, oder auch „melodischen“ Momente wie im fantastischen Winter Linn, aber Clark vergisst auch dann nicht, wie man den Zuhörer überrascht und in wohlige Aufregung versetzt.

Note: 2,0

http://throttleclark.com/clark/

 

‚Clark‘ from Warp Records on Vimeo.

Clark – Winter Linn from Warp Records on Vimeo.

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