Ωracles – Stanford Torus EP

VÖ: 19.09.2014

Label: Clouds Hill

Die Herkunft der Ωracles muss man nicht zwangsläufig erraten, wenn ihre Musik erklingt: effektiv leiernde und rauschhaft hallende Klänge im Stile jener Psychedelia-Formationen der 1960er und -70er Jahre sind zu vernehmen, die unmittelbar Assoziationen zu ähnlich verorteten gegenwärtigen Bands à la MGMT, Tame Impala oder Animal Collective wecken. Internationale Acts also, die es bislang geschickt verstanden, eine jeweils eigene Interpretation eines Genres – das von Experimenten und Abenteuerlust wie kaum eine andere Spielart geprägt war – vorzunehmen, ohne dabei moderne Musikentwicklungen aus dem Auge zu verlieren. Aber aus Deutschland sind jene Bands eher unbekannt, obwohl es auch hierzulande eine reichhaltige Tradition gibt, die sich mit den psychedelischen Kunstformen auseinandersetzt hat. Die Ωracles haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, daran etwas zu ändern: die Berliner nehmen sich besonders in rhythmischer Hinsicht einem Genre an, das seinen Ursprung in Mitteleuropa hat und hier von jeher nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die ihm zusteht: dem Krautrock. Begeisternde Experimentierfreude ist beim Hören der EP jederzeit festzustellen, wenn die Psychedelia mit weiteren Spielarten kombiniert wird, wie Shoegaze, Soul, Funk, Disco und Afrobeat. Der mehrstimme Gesang erinnert außerdem an den Stil von Psych-Folk-Bands wie Grizzly Bear oder Fleet Foxes. Schöne Veröffentlichung, die mit Melt Tonight einen kleinen Indie-Hit bereithält.

Note: 2,0

www.oraclesparadise.com/

 

Oracles – Melt Tonight (official music video) from Clouds Hill on Vimeo.

DJ Koze – Reincarnations, Pt. 2 – The Remix Chapter 2009 – 2014

VÖ: 24.10.2014

Label: Pampa

Auf seiner neuen Sammlung, die 5 Jahre nach dem ausgezeichneten, die Jahre 2001 bis 2009 umfassenden ersten Teil erscheint, gibt es nun von DJ Koze angefertigte Remixe aus der letzten halben Dekade zu hören, erneut von einigen namhaften Größen (u.a. Moderat, Caribou, Mount Kimbie, Herbert, Gonzales). Ein weiteres Mal muss festgestellt werden, dass Stefan Kozalla nicht nur abwechslungsreiche, hochgradig perfekt produzierte und zeitgeistige eigene Tracks kreiert (hat) – egal ob als Adolf Noise, als Mitglied von International Pony oder Fischmob, oder eben als jener DJ Koze (was ja noch letztes Jahr auf Amygdala nachzuhören war) – sondern auch als Remixer nach wie vor erstklassige Arbeit abliefert. Dazu passend ist auf dem Album ein wunderbar selbstironisch-launiges, in englischer Sprache abgehaltenes Interview mit einem Radio-Moderator zu hören, in dem der Hamburger zum einen gefragt wird, welche seiner Neubearbeitungen er am meisten schätze und zum anderen wen er für den Besten in dieser Disziplin halte. Die mit einem phänomenalen deutschen Akzent gesegneten Antworten (die an dieser Stelle nicht verraten werden sollen) sagen vieles aus über DJ Koze selbst aus, aber genauso über seine Einstellung und Herangehensweise. Denn abgesehen vom Ironiegehalt seiner Aussagen muss man gleichzeitig herausstellen, dass sie einen wahren Kern innehaben. DJ Koze ist ein Spezialist, der auf ganz individuelle Weise einen Weg gefunden hat, den Originalen ein paar neue, erkenntnisreiche Seiten abzugewinnen. Dies gelingt ihm selbst bei jenen Tracks, die man zuvor für eigentlich nicht verbesserungsfähig gehalten hat, wie zum Beispiel Mount Kimbies Made To Stray oder Moderats Meisterstück Bad Kingdom. Auf jeden Fall eine unverzichtbare Sammlung!

Übrigens, DJ Koze bekommt im oben erwähnten Interview noch eine dritte Frage gestellt, nämlich ob er das Geheimnis eines guten Remixes kenne. Seine Antwort ist erneut höchst aufschlussreich.

Note: 1,7

 www.djkoze.de/

mount kimbie – made to stray (DJ Koze Remix – vj tech.sys video edit) from alan „vj tech.sys“ bellinger on Vimeo.

 

Kindness – World Restart

VÖ: 12.08.2014

Label: Female Energy

Jazzige und funkige Klänge sind auf World Restart zu vernehmen, der ersten Single aus dem kürzlich veröffentlichten Album Otherness. Natürlich, dieser Sound stellt keine Neuheit im Klangkosmos von Adam Brainbridges Projekt Kindness dar. Disco, Funk, Soul und R&B im Mix mit frisch produzierten Electro-Beats gehörten bereits auf dem Debüt World, You Need A Change Of Mind zur Grundausstattung. Der Künstler hat es dabei jedoch stets geschafft, einen Weg zu finden, sich mit Hilfe weiterer Genre-Zutaten sowie weiterer origineller Ausgestaltungen von anderen in seinem Bereich tätigen Musikern abzuheben. Eine spezielle, individuelle Stimme und ein gutes Händchen bei der Auswahl der instrumentellen Arrangements waren dabei sicherlich hilfreich (man denke da nur an den heimlichen „Hit“ Swinging‘ Party zurück). Dies gelingt nun erneut: World Restart erinnert in der Grundkonzeption ein wenig an Jimi Tenor oder Dev Hynes (Lightspeed Champion, Blood Orange), der nicht von ungefähr in einem anderen Song auf Otherness zu hören ist. 1980er-(Funk-)Sounds im Stile von Prince oder Philadelphia Soul-Anleihen werden ebenso gern wie von genannten Künstlern eingebaut. Natürlich ist das nicht neu, aber irgendwie macht es auch bei Brainbridge Spaß. World Restart gefällt vor allem mit einem schönen Saxophon-Solo am Schluss sowie tollen Gastbeiträgen von Kelela und Ade, so dass die Single alles in allem funktioniert.

Note: 2,3

http://kindness.es/

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