SBTRKT – Wonder Where We Land

VÖ: 26.09.2014

Label: Young Turks

Schon im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von New Dorp. New York, der aus Wonder Where We Land ausgekoppelten und mit Ezra Koenig (Vampire Weekend) als Gastsänger auftrumpfenden Single, wurde an dieser Stelle auf die Vielseitigkeit Aaron Jeromes alias SBTRKT (ausgesprochen:„Subtract“) hingewiesen. Electro meets (Indie-)Pop als grobe Umschreibung seines Sounds, der auch die Nähe des Post-Dubstep im Stile eines James Blake sucht. Natürlich keine falsche Kategorisierung, jedoch sind noch einige weitere virtuos eingebaute Spielarten festzustellen, die über das Feld der elektronischen Musik hinausreichen. Die klangliche Reichhaltigkeit ist nun auch auf dem zweiten Studioalbum nachzuhören, an der die Gastsänger/innen ihren Anteil haben. Besagter Koenig, aber auch Sampha, Jessie Ware, ASAP Ferg, Warpaint, Caroline Polachek et al. Wichtig dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Stars nicht, wie sonst leider oft üblich, zum Zweck aufgeboten, einzig mit ihrem Namen das Album aufzuwerten. Sie werden von SBTRKT vielmehr in einem Kontext aufgeboten, der im Zusammenhang mit dem jeweiligen Künstler nicht unmittelbar vermutet wird (man höre beispielsweise das von Warpaint und ASAP Ferg gefeaturte, hymnische Voices In My Head). Insgesamt gesehen wird eine beträchtlich stilistische Bandbreite aufgeboten: mal wird es soul-poppig, mal hymnisch-bombastisch und dann wieder housig-ravig. Eine überaus faszinierende Platte!

Note: 1,7

http://sbtrkt.com/home/

 

SBTRKT ft. Raury – Higher from grizzly mix on Vimeo.

Caribou – Our Love

VÖ: 03.10.2014

Label: City Slang

Irgendwie ist es letztlich doch nicht verwunderlich, dass man mit Our Love nun keine zweite Version von Swim vorliegen hat. Auch wenn eben jener Vorgänger zweifellos brillant war, so hätten Tracks wie Sun, Bowls und vor allem Odessa, die durch Einsätze in Funk und Fernsehen zu (Indie-)Hits avancierten, theoretisch dazu führen können, dass Dan Snaith ein Album aufnimmt, das sich klanglich nicht vom 2010er-Werk unterscheidet. Dass es nicht so gekommen ist, überrascht angesichts der Diskografie des Kanadiers jedoch wenig. Zuerst produzierte er unter dem Pseudonym Manitoba Electronica, die erst im IDM-Stil der Warp-Sounds um Aphex Twin und Boards Of Canada gehalten war, sich aber später Richtung Folk orientierte, und dann als Caribou auf dem Debüt (The Milk Of Human Kindness aus dem Jahr 2005) und dem Zweitwerk (Andorra, 2007) fortgeführt und mit weiteren Elementen (u.a. aus Psychedelia und Shoegaze) verfeinert und bereichert wurde. Swim war dann das Album, das sich von der Folktronica wieder etwas entfernte und trotz experimenteller Minimal-House-Exkursionen die „zugänglichste“ Veröffentlichung war, besonders wegen der bereits erwähnten drei Tracks, aber auch weil das Ergebnis im Vergleich zu den Vorgängern tanzbarer war. Die Musik, der er ab 2011 als Daphni herausbrachte, präsentierte sich hingegen noch unkonventioneller, housiger/technoider und begeisterte zum Beispiel mit afrikanischen Funksounds. Our Love ist letztendlich der Kompromiss zwischen den beiden Klangkonzeptionen. Die beiden Singles Can’t Do Without You und der Titeltrack hätten eventuell auch Platz auf Swim gefunden, so etwas wie Mars wäre wohl auf Daphnis Jiaolong nicht fehl am Platz gewesen. Es gibt Hip-Hop-Beats, einheizende Basslines und Melodien, die eingängig erscheinen, bei genauerem Hinhören sich jedoch als relativ komplex erweisen. Eine grandiose Platte, die von Anfang bis Ende fesselt und klarmacht, dass Dan Snaith einer der begnadetsten Künstler der (Pop-)Electronica ist. Tracks wie die oben genannten als auch das rauschhafte Silver sowie das von Jessy Lanza gefeaturte Second Chance legen Zeugnis davon ab.

Note: 1,7

Eine kleiner Nachtrag zur Rezension der Caribou-Single: Die Bewertung mit 2,3 ist aus heutiger Sicht etwas zu streng, eine 2,0 (oder sogar 1,7) erscheint realistischer.

www.caribou.fm/

 

Flying Lotus – You’re Dead!

VÖ: 03.10.2014

Label: Warp

Steven Ellison alias Flying Lotus ist ja hinreichend dafür bekannt, sich in musikalische Bereiche vorzuwagen, die sich ganz im Sinne des Warp-Labels nicht an den jeweils aktuellen Trends orientieren, sondern neue wagemutige Ideen mit ins Spiel bringen. Das hat er auf seinen bisher vier Studioalben sowie diversen EP’s, Compilations, Mixtapes, Demos und Remixes genügend unter Beweis gestellt. Das Soundspektrum reichte stets über die elektronische Musik hinaus, band Elemente aus Hip-Hop, Jazz, Rock etc. mit ein, so dass eine eindeutige Klassifizierung schwierig war. Auf seinem fünften Longplayer widmet er sich nun verstärkt dem Fusion, jenem Genre, das in kreativer und intelligenter Weise Rock, Jazz und Funk verbindet. Einer der Künstler, der (neben Miles Davis, Soft Machine, Weather Report, Frank Zappa, Chick Corea et al.) zu den prägenden Figuren dieser Stilart gehörte, ist auf You’re Dead! zu Gast: Herbie Hancock. Nach einem wirksamen, spannungsaufbauenden Intro bekommt man sein wunderbares Keyboardspiel in Tesla zu Gehör, ein weiteres Mal dann in Moment Of Hesitation. Die Beiträge sind kurz, bleiben dennoch erwartungsgemäß im Gedächtnis. Die weiteren Tracks entfalten ähnliche Effektivität, gleichfalls aufgewertet durch tolle Gastbeiträge, z.B. die großartige Single Never Catch Me – mit Kendrick Lamar und Ehrfurcht gebietenden electro-jazzigen Klängen. Dead Man’s Tetris, auf dem Steven Ellison neben Snoop Dogg höchstselbst als Captain Murphy rappt, bietet ebenso Experimental-Hip-Hop auf höchstem Niveau. Dies sind nur ausgewählte Beispiele eines in sich stimmigen Albums, das vor allem aufgrund des ungezwungenen Charakters zu begeistern weiß. Electronica, Fusion und Hip-Hop werden hier exzellent zusammengeführt. Albert Koch hat jüngst – anlässlich der Veröffentlichung des neuen Aphex Twin-Werks Syro – festgestellt, dass mittlerweile andere Künstler sich die Weirdness der Warp-Ikone zu eigen gemacht hätten, z.B. eben Labelkollege Flying Lotus. Dem kann man nur beipflichten!

Note: 1,7

http://flying-lotus.com/youre-dead/

 

Flying Lotus – You’re Dead! from Warp Records on Vimeo.

Flying Lotus – Never Catch Me ft Kendrick Lamar from Hiro Murai on Vimeo.

 

Jamie T – Carry On The Grudge

VÖ: 26.09.2014

5 lange Jahre hat er sich Zeit gelassen, um den Nachfolger für sein überzeugendes zweites Album Kings & Queens einzuspielen. Der New Musical Express nannte Jamie T schon den „One man Arctic Monkey“, aber auch Billy Bragg, Joe Strummer oder Mike Skinner aka The Streets wurden unter anderem zwecks Beschreibung der Musik als Referenz herangezogen. Ein bunter Sound, der sich hauptsächlich im Bereich von Indie/Alternative Rock, Punk, Reggae und Hip-Hop bewegt, lässt diese Kategorisierungen nachvollziehen. Trotzdem konnte man Jamie T’s Klängen in ihrer Form tatsächlich auch eine Einzigartigkeit assistieren. Bis heute gibt es kaum Interpreten, die (aus sicherlich verschiedensten Gründen) einen Eins-zu-eins vergleichbaren Sound produziert haben. Deshalb muss man dem 28-Jährigen diese spezielle Gabe hoch anrechnen, abwechslungsreiche Melodien (gepaart mit geschickt eingesetzten Samples) und intelligent-hintergründigen Texten in einer individuellen Art und Weise zu kombinieren. Natürlich, die nun vorab aus Carry On The Grudge ausgekoppelte Single Zombie hätte ebenso gut Platz auf einem der beiden Vorgänger finden können, was auch auf einige der anderen Songs der LP zutrifft. Jamie T bietet darauf vielleicht keine außerordentlichen Neuerungen. Dennoch: er verfeinert seinen Sound, bietet eine kluge Mischung aus ruhigen und dynamischen Musikstücken und beweist weiterhin, dass er seine unkonventionelle Attitüde beibehalten hat. Das neue Werk ist nicht ganz so gut wie die Vorgänger, aber dennoch eine Empfehlung wert.

Note: 2,3

http://jamie-t.com/

 

‚Zombie‘ Jamie T from james slater on Vimeo.

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