Satin Jackets

Label: Eskimo

Das deutsche Duo Satin Jackets ist höchstwahrscheinlich nicht jedermann ein Begriff. Durch ausgiebiges Touren, Remixarbeiten für (mehr oder weniger bekannte Acts wie) Munk, Tesla Boy oder Nora En Pure und die Zusammenarbeit mit diversen Gastsängerinnen/-n hat man sich zumindest in Club-Szenekreisen einen Namen machen können. So sind die Satin Jackets auf jenen Samplern zu finden, die für gewöhnlich den jeweils gegenwärtigen Chillout/Dance-Sound widerspiegeln sollen. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, sofern man dieser Sorte von CDs generell wenig abgewinnen kann. Denn auch wenn die typische Mischung aus fröhlich-fluffigem Ambient- und rhythmisch-flotten Disco-Klängen geboten wird, übt die Musik der Satin Jackets einen gewissen Reiz aus, der artverwandten Acts oftmals abgeht. So punktet die neueste Veröffentlichung, die Foreign Affair EP, bestehend aus drei Tracks, durch Abwechslungs- bzw. Spannungsreichtum sowie Modernität.

http://satin-jackets.com/

 

Note für den Song: 2,3

Album: Foreign Affair EP (VÖ: 18.08.2014)

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Sinkane – How We Be

VÖ: 25.07.2014

Label: DFA

Schon sein letztes Album Mars, bereits auf James Murphys wunderbaren Label DFA Records veröffentlicht, tat sich durch gekonnte Verknüpfung unterschiedlichster Sounds hervor. Sinkane zitierte die traditionelle Musik seines Heimatlandes Sudan ebenso wie diverse Stile des Abendlandes. Von Kraut Rock über (Free-)Jazz, Funk bis Dance konnte man so ziemlich alles an Klängen und Rhythmen verorten. Dem Sänger, der in den USA aufwuchs, kam wohl vor allen Dingen zugute, dass er in dieser Zeit mit verschiedenen Musikbewegungen in Kontakt kam, vor allem jener in Brooklyn, die sich ab den frühen 2000er Jahren dort entwickelte, mit Bands wie The Strokes, LCD Soundsystem oder den Yeah Yeah Yeahs (für die dort ansässigen Yeasayer war er lange Zeit Sessionmusiker, ebenso wie für Caribou, Of Montreal, Born Ruffians et al.). Aber auch seine afrikanischen Wurzeln hat Sinkane nicht vergessen und die Sounds stets geschickt in seine Musik mit einfließen lassen. Auf seinem neuen Album Mean Love gibt es erneut allerhand Spannendes zu hören. Mal Reggae, Soul und R&B, mal Dance, Funk oder tolle sudanesische Musiken wie das traditionelle Haqibah. Die Single How We Be gibt eindrucksvoll Auskunft darüber, wie dies dann zusammen klingt.

Note: 2,3

http://sinkane.com/

 

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Simian Mobile Disco – Dervish

VÖ: 29.07.2014

Label: Anti

James Ford und Jas Shaw haben schon in jungen Jahren mit verschiedensten Spielarten elektronischer Musik experimentiert, unter anderem in der Formation King Rib (die sich an einem Amalgam aus Drum ‘n‘ Bass und Hip-Hop versuchte). Auch in der famosen Indie-Band Simian, die Anfang der 2000er Jahre zwei charmante Alben veröffentlichte (Chemistry Is What We Are und We Are Your Friends) griffen sie ab und zu auf elektronische Komponenten zurück, auch wenn poppige Elemente das Klangbild dominierten. Einer der bekanntesten Musikstücke des Quartetts war Never Be Alone, das von einem damals noch unbekannten französischen Electro-House-Duo geremixt wurde. Justice machte nicht nur aus einem Anti- einen Pro-Drogen-Song, sondern ebenso einen veritablen Dance-Hit (auch bekannt als We Are Your Friends). Augenscheinlich als Reaktion darauf entschlossen sich Ford und Shaw die alte Band 2005 aufzulösen, sich in Simian Mobile Disco umzubenennen und das Rock- gegen ein Electro-Instrumentarium auszutauschen. Interessant ist dabei, dass diese Formation, deren Debüt (Attack Decay Sustain Release) noch wie selbiges von Justice dem Electro-House / Nu Rave zugeordnet wurde (also jener Stilrichtung, die eine Aufarbeitung der 1990er-Sounds wie Big Beat vornahm), mittlerweile ein breiteres electro-musikalisches Spektrum aufweisen kann als ihre französischen Kollegen. House, Techno und Disco als Eckpfeiler eines Sounds, in den stetig neue vielseitige Electronica-Elemente eingewebt werden. Basis für das neue Album Whorl war eine Live-Session in der kalifornischen Wüste, die Simian Mobile Disco mit spartanischem Instrumentarium bestritten (jeweils zwei modularen Synthesizer und Sequenzer sowie einen Mixer). Das Ergebnis ist eine musikalische Verbeugung vor den Künstlern der „Berliner Schule“ (vor allem Tangerine Dream) und des Detroit Techno. Repräsentativ dafür steht die Single Dervish, die mit ausgeklügelten, unentwegt vorantreibenden Melodien und Beats zu gefallen weiß.

Note: 2,3

http://simianmobiledisco.co.uk/

 

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The Acid – Liminal

VÖ: 04.07.2014

Label: Infectious Music

Ist es Mitte September, wo das Jahr zu drei Vierteln, aber eben noch nicht vollständig verstrichen ist, wirklich vermessen zu behaupten, dass Liminal schon jetzt einer der, vielleicht sogar die beste(n) Electronica-Veröffentlichung(en) des Jahres 2014 ist? Das Album fasziniert auf ganzer Länge, ist spannungsgeladen, unberechenbar und stets von Abenteuerlust geprägt. Angesichts dieser Besetzung nicht weiter verwunderlich, da der 2013 ins Leben gerufenen Formation zum einen Adam Freeland angehört, der sich vor allem durch den Crossover-Hit We Want Your Soul sowie unzählige Remixe (von The Orb über The White Stripes bis zu Pink) schon einen Namen gemacht hat. Zum anderen Steve Nalepa, ein Produzent, Komponist und Professor für Musiktechnologie. Komplettiert wird das Trio durch Ry X, dem Kosmopoliten aus Australien (zuvorderst bekannt durch seine Berlin EP), dessen Stimme den Songs nicht nur einen zutiefst individuellen Anstrich verleiht, sondern gleichzeitig eine Anziehungskraft, der man sich nur schwerlich widersetzen kann. Natürlich hat diese Sogwirkung ihren Grund auch in den erstklassigen detailverliebten, atmosphärischen und abwechslungsreichen Klang- und Beat-Fundamenten, die dem Gesang unterlegt werden. Generell liegt der Reiz von Liminal darin, dass sich der Verlauf bzw. Ausgang eines Songs zu keiner Zeit ausrechnen lässt, immerfort werden Überraschungen eingebaut. Der Sound bewegt sich dabei in jenem musikalischen Feld, das von James Blake und jüngst von Künstlern wie SOHN, Chet Faker oder FKA Twigs eindrucksvoll beackert wurde: diese immer noch aufregende Mischung aus Electronica („Post-Dubstep“), R&B und Soul. Wichtig dabei: The Acid kopieren die genannten Acts nicht, sondern fügen stets eigene neue Ideen hinzu, mit jedem Hördurchlauf werden weitere Details aufgedeckt. Die LP hält das Versprechen ein, das die selbstbetitelte EP letztes Jahr gegeben hat. Sehr aufregend!

Note: 1,7

http://wearetheacid.com/

 

The Acid – Fame (Official Full Length Video) from The Acid on Vimeo.

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The Drums – Magic Mountain

VÖ: 27.07.2014

Label: Minor

Von den gegenwärtigen Bands des Indie-Rock wird ja generell erwartet, dass sie ihrem erfolgreichen Debüt einen ebenbürtigen Nachfolger entgegen setzen können, der möglichst keine alten Fans vergrault und gleichzeitig im Vergleich zum Vorgänger neue, aufregende Klangfacetten präsentiert (natürlich ohne dabei die musikalischen Wurzeln gänzlich zu vergessen). Wenn dieser Kraftakt nicht gelingt, so muss der Fehler allerspätestens auf dem dritten Album behoben werden, sonst gibt man den Bands zumeist keine Chancen mehr. Anhand einzelner Beispiele lässt es sich verdeutlichen, nämlich den bekanntesten Acts, die in den frühen bis mittleren 2000er Jahren debütierten: Maxïmo Park, Franz Ferdinand, Arctic Monkeys und (aus heutiger Perspektive betrachtet auch) The Strokes gelang es noch, einen würdigen, dennoch nicht ganz so starken Nachfolger (im Vergleich) zum Erstling zu produzieren, nach dem dritten Werk war jedoch in kreativer (und häufig) kommerzieller Hinsicht ein Stillstand erreicht. Davon konnten sich die Formationen – wenn überhaupt – nur schwerlich erholen. The Drums, 2010 mit einem vielbeachteten, begeistert aufgenommenen gleichnamigen Album erstmalig in Erscheinung getreten, schafften es bereits mit dem ein Jahr später veröffentlichten Portamento kaum, eine annähernd vergleichbare Begeisterung unter Hörern und Kritikern zu entfachen, auch wenn diese der Band noch einigermaßen wohlgesonnen waren. Nun kann man angesichts des anstehenden Releases der dritten LP Encyclopedia gespannt sein, ob die New Yorker nochmal auf sich aufmerksam machen können. Die Single jedenfalls macht Hoffnung, denn sie überrascht – trotz des weiterhin deutlich zu vernehmenden Trademark-Sounds, dieser Mischung aus Indie-Rock und New Wave – mit im Bandkontext fast schon aggressiv anmutenden Tönen.

Note: 2,3

http://thedrums.com/

 

The Drums – Magic Mountain [Official Video] from Arts & Crafts on Vimeo.

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The Ting Tings – Wrong Club

VÖ: 15.08.2014

Label: Finca

Es ist ja mittlerweile auch schon wieder 6 Jahre her, seit das englische Duo Katie White und Jules De Martino das Debüt We Started Nothing veröffentlicht hat, inklusive der Indie-Dance-Pop-Hits Great DJ, That’s Not My Name und Shut Up And Let Me Go. Im Heimatland erreichte das Album die Nummer 1 und war auch in weiteren Ländern kommerziell ziemlich erfolgreich. Die Kritiker konnten sich damit ebenso anfreunden – zumindest zum größten Teil. Anders als mit dem Nachfolger Sounds From Nowheresville (2012), als den Ting Tings vorgeworfen wurde, dass dieser Kohärenz und Hits vermissen lassen würde. Die erste Single Wrong Club aus dem dritten Werk Super Critical, das im Oktober in den Plattenläden stehen wird, scheint dieser Vorhaltung wieder entgegen arbeiten zu wollen. Orientiert an den oben genannten, erfolgreichen Songs des Debüts wird Disco-/Indie Pop präsentiert, der zwar nicht wirklich Neues bietet, aber dennoch Spaß macht und eine aufsteigende Tendenz andeutet. Man darf insbesondere als Fan gespannt sein, ob dies auch auf den Drittling zutrifft.

Note: 2,7  

www.thetingtings.com/   

THE TING TINGS „WRONG CLUB“ from Lisa Paclet on Vimeo.

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The Bug – Angels & Devils

VÖ: 25.08.2014

Label: Ninja Tune

Der Londoner Produzent Kevin Martin ist schon seit über 20 Jahren musikalisch aktiv, unter anderem als Techno Animal, King Midas Sound, GOD oder eben The Bug. Sein Sound lässt sich stilistisch schwer eingrenzen, bewegt er sich doch oft auch außerhalb der Electronica. So wurde er unter anderem mit Industrial, Hip-Hop oder Jazzcore in Verbindung gebracht. Einige Künstler waren bereits im Zuge dieser Klangexkursionen in die Arbeit eingebunden, u.a. Blixa Bargeld, John Zorn, Dälek oder Alec Empire. Dazu kommen noch unzählige Remixe, die er angefertigt hat (Beastie Boys, The Kills, Thom Yorke et al.). Nun ist das zweite Album auf Ninja Tune unter dem Alias The Bug erschienen und dem Titel gemäß besteht es zwei verschiedenen Teilen und Stimmungen. Das harmonische Kolorit – „Angels“ – wird in der ersten Hälfte transportiert, wenn Liz Harris (Grouper) im atmosphärischen Void auf ein noisy-dubbiges, sich langsam herausschälendes Electro-Instrumentalarrangement ihren dezenten, engelsartigen Gesang erklingen lässt. Die folgenden Tracks halten ein überwiegend optimistisches Stimmungsbild aufrecht, allerdings werden – zunächst noch verhalten, dann etwas forcierter – auch mal düstere Impressionen eingestreut und damit langsam in den zweiten Teil übergeführt – „Devils“. Dazu bedarf es nicht nur düsterer Melodien und aggressiv-direkter, auch mal obszöner Lyrics, sondern auch illustrer Gäste, darunter Gonjasufi, Flowdan und der leider kürzlich aufgelösten Death Grips, die alle mit ihren Vocals eine herrliche und effektive Ergänzung dazu bieten. Das Ergebnis ist – ganz so wie von Martin gewohnt – ein klanglich und stilistisch vielfältiges, spannungsgeladenes Album, das einige aufregende Momente für den Hörer bereithält.

Note: 2,0

https://myspace.com/thebuguk

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Trümmer

Label: [PIAS] Germany

Nach dem Release der Chuckamuck-EP und der ausgezeichneten Comeback-Platte der Sterne (Flucht in die Flucht) wird nun innerhalb kürzester Zeit mittels einer dritten Veröffentlichung unter Beweis gestellt, dass die Behauptung, alle gegenwärtigen deutschen Bands würden sich mit trivialer Befindlichkeits-Lyrik und einfallslosen Melodien zufrieden geben, haltlos ist. Hört man sich die Songs des gleichnamigen Debüts von Trümmer an, ist man vielmehr verblüfft, wie selbstsicher, reflektiert und pointiert die jungen Hamburger politisch-gesellschaftliche Themen und Fragestellungen in ihren Texten verarbeiten können. So ist es wohl kaum verwunderlich, dass das Trio nicht nur wegen seiner Herkunft und Sounds – Punk-fundiertem Indie-Pop/-Rock – sondern eben auch wegen der kritischen Attitüde, der straight formulierten Slogans mit den Bands der „Hamburger Schule“ (Tocotronic, Blumfeld, Die Sterne et al.) verglichen wird. Nicht alle Songs auf Trümmer erzeugen eine solch unmittelbare emotionale Durchschlagskraft wie Der Saboteur, Wo ist die Euphorie oder Straßen voller Schmutz, aber sie sind in ihrer Gesamtheit ausgewogen, abwechslungsreich und clever.

www.truemmer.tv/

Note für den Song: 2,0

Album: Trümmer (VÖ: 22.08.2014)

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