Tomas Barfod

Label: Secretly Canadian

Tomas Barfod hat erst kürzlich mit WhoMadeWho ein ziemlich gutes Album veröffentlicht. Dort ist er nicht nur mit seinem exzellenten Schlagzeug-Spiel in Erscheinung getreten, sondern trug durch seine langjährigen Erfahrungen als DJ und Produzent (u.a. als Tomboy) stets zu dem stark ausgeprägten Anteil elektronischer Elemente im Sound des dänischen Trios bei. Nun folgt seine zweite Solo-LP Love Me, auf der Barfods Musik einerseits schon ein wenig an jenen seiner Stammband erinnert, aber sich andererseits auch von ihr emanzipieren kann. Eine gelungene, individuelle Verschmelzung von Pop- mit Electro-Komponenten sowie eine ausgezeichnete ausgewählte Riege an Gaststars steuern dazu bei, wie die charmante Schwedin Nina K, die ihre Gesangsfertigkeiten in Tracks wie Busy Baby oder Aftermath mit einem, manchmal angenehm an Landsmännin Robyn erinnernden Stil unter Beweis stellt. Außerdem unter anderem dabei: Luke Temple und WhoMadeWho-Kollege Jeppe Kjellberg.

 http://tomasbarfod.com/

Note für den Song: 2,0

Album: Love Me (VÖ: 06.06.2014)

Wild Beasts – Mecca

VÖ: 01.08.2014

Label: Domino

Die dritte Single-Auskopplung aus der neuen Langspielplatte Present Tense (nach Wanderlust und dem wunderbaren A Simple Beautiful Truth) bringt die Stärken der britischen Band erneut effektiv auf den Punkt. Sie versteht es spielend leicht, ihre Musik zwischen heiter-optimistischen und düster-pessimistischen Stimmungszuständen changieren zu lassen. Auf textlicher, aber vor allem klanglicher Ebene, wenn ausgezeichnete variantenreiche Instrumental-Arrangements aus wirkungsvollen, rhythmisierenden Drum-Beats und teils kreiselnden, teils dräuenden Synthie-Flächen umgesetzt werden. Hayden Thorpe beweist zudem seine gesangstechnischen Kompetenzen, da er alle Tonlagen problemlos meistert.

Note: 2,0

http://wild-beasts.co.uk/

 

Wild Beasts – Mecca from StudioMoross on Vimeo.

Röyksopp & Robyn – Do It Again EP

VÖ: 23.05.2014

Label: Dog Triumph

Das norwegische Downbeat/Synthpop-Duo und die charismatische Schwedin – eine grandiose Verbindung! Dies wurde bereits vor den Aufnahmen für diese EP unter Beweis gestellt. Einmal auf The Girl and The Robot, einem der besten Tracks auf Röyksopps Drittling Junior (2009) sowie in None Of Dem aus Robyns Body Talk Pt.1 (2010). In beiden Fällen funktionierte die Kooperation, weil die Stärken der beiden Interpreten auf raffinierte Art vereint wurden. Jetzt also gleich fünf neue Tracks, über die sich – so viel sei verraten – ebenso nur Positives äußern lässt. Schon die ersten Minuten des großartigen Openers Monument lassen wohlige Erinnerungen an das sagenhafte Debüt von Svein Berge und Torbjørn Brundtland aufleben (Melody A.M. aus dem Jahr 2001): Hypnotisch-träumerische, entspannte, sehr assoziative Synthesizermelodien in Kombination mit tribalen Rhythmen, einem herrlichen Saxofonsolo zum Schluss hin sowie emotionalem Gesang (Robyn). In fast 10 Minuten keine Spur von Langeweile, ebensowenig wie bei Sayit. Eine vorwärtspumpende House-Nummer, die mit einem wunderbaren, sinnlichen Liebesdialog zwischen der Schwedin und einem Speak&Spell-Stimmverfremdungstool aufwartet. Der Titeltrack macht zunächst den Eindruck, simpler Electro-Pop zu sein, entfaltet beim genaueren Hinhören aber sein wahres Potential. Die melancholische Synthie-Ballade Every Little Thing und das äußerst atmosphärische Inside The Idle Hour Club bilden dann zusammen einen überzeugenden Abschluss. Wundervolle Veröffentlichung!

Note: 2,0

http://royksopp.com/

http://robyn.com/

 

Röyksopp & Robyn – Monument from It's Forever Kids on Vimeo.

BAR

Label: Italic

Vor zwei Jahren bereits machte Lucas Croon auf sich aufmerksam, als er mit seiner Düsseldorfer Band Stabil Elite auf beeindruckend versierte Weise zwei für die deutsche Musikhistorie besonders bedeutende Stilarten zu interpretieren und gegenwärtigen Entwicklungen gemäß umzudeuten verstand: Krautrock und die Neue Deutsche Welle. Kraftwerk meets Trio, als (zugegeben sehr vereinfachte) Beschreibung des Sounds. Jetzt hat Croon mit der Kunstwissenschaftlerin Christina Irrgang eine weitere Formation ins Leben gerufen, die sich noch konkreter auf jene Bands aus Düsseldorf fokussiert, die für die Entwicklung der elektronischen Musik, insbesondere des Synthie Pop von großer bzw. immenser Bedeutung waren: Deutsch Amerikanische Freundschaft, Neu!, Kraftwerk und – nicht zu vergessen – Propaganda. Irrgangs Gesang erinnert nicht von ungefähr an den charakteristischen distanzierten Stil Claudia Brückens. Aber auch internationale Electro-Interpreten und Genres (u.a. New Wave) der 1980 (ein wenig auch 1990er) Jahre dienen hörbar als Vorbild. Ähnlich wie Stabil Elite gelingt es BAR dabei, aus diesen verschiedenen Zutaten einen eigenständigen, zeitgemäßen Sound zu kreieren.

http://italic.de/bar/

https://soundcloud.com/italic/bar-adios-radio-edit

Note für den Song: 2,3

Album: Welcome To BAR (VÖ: 13.06.2014)

Bonobo – Ten Tigers EP

VÖ: 23.06.2014

Label: Ninja Tune

Der Brite hat erst letztes Jahr mit The North Borders bewiesen, dass Downtempo auch in den 2010er Jahren noch jene Kraft innehaben kann, die das Genre in seinen Anfangstagen zweifelsohne besaß. Mit der EP Ten Tigers verhält es sich da nicht anders – kein Wunder, waren zwei der drei Nummern in ihren ursprünglichen Versionen schon auf dem oben erwähnten Album vertreten. Das schmälert jedoch keinesfalls die Qualität des neuen Tonträgers, denn der Titeltrack, hier im „Bengal Edit“ präsentiert sich noch etwas druckvoller als sein Original, dank einer stets markanten Basslinie, die mit den Ursprungselementen (vor allen dieser wundervollen Streichermelodie) überzeugend in Einklang gebracht wird. Der neue Song Duals, übrigens eigentlich auch bereits für North Borders vorgesehen, vereinigt die Stärken Bonobos: verschiedenste originelle Loops & Rhythmus-Spielereien sowie ein Händchen für Melodik. Höhepunkt ist aber Maya Jane Coles‘ Remix von First Fires. Sie macht aus dem von Grey Reverends Gesang begleiteten, harmonisch-ruhigen Originaltrack einen von tief-pumpenden Bässen unterstützten, nach vorne treibenden Dancefloor-Hit. Empfehlenswerte Veröffentlichung!

Note: 2,0

http://bonobomusic.com/

 

Jungle – Jungle

VÖ: 11.07.2014

Label: XL

Die Geschichte des Labels XL Recordings hat eine an musikalischen Höhepunkten nun wirklich nicht arme Historie zu verzeichnen. 1989 ursprünglich auf die Veröffentlichung von EDM-Platten aller Art spezialisiert (gipfelnd in dem riesigen künstlerischen und kommerziellen Erfolg mit The Prodigys Fat Of The Land) wurde die Palette an Musik-Spielarten ab den 2000er Jahren stetig erweitert, von Indie-, Garage- und Alternative-Rock (The White Stripes, Radiohead, Vampire Weekend, The XX u.a.) über Hip-Hop/Grime (Dizzee Rascal, M.I.A. u.a.) zu Pop/Soul und R&B (Adele, Gil Scott-Heron, Bobby Womack u.a.). Auch weniger bekannte, aber genauso tolle Interpreten wie Jamie XX, The Horrors, Friendly Fires oder King Krule haben darauf veröffentlicht. Mit Jungle präsentiert man nun einen Act, der ebenso großes Potential besitzt (war für den Sound of 2014-Preis der BBC nominiert). Die Singles wie Platoon, The Heat und vor allem Busy Earnin‘ wurden völlig zurecht gehypt und sind wirkliche Dance-Hits, aber auch die anderen Songs können im Großen und Ganzen überzeugen. Neo Soul umschreibt den Sound nur allzu vage, Elemente aus Funk, Electro, Pop und vielem mehr sind auszumachen, von der mannigfaltigen Instrumentierung braucht man da erst gar nicht zu sprechen. Überzeugendes Debüt!

Note: 2,0

http://junglejunglejungle.com/        

 

Jungle – Busy Earning from Blink on Vimeo.

Jamie XX – All Under One Roof Raving

VÖ: 23.06.2014

Label: Young Turks

Vor kurzem noch hat Jamie XX mit der Single Girl/Sleep Sound unter Beweis stellen können, dass er momentan zu den interessantesten Acts in der britischen Electronica-Szene zu zählen ist. Mit All Under One Roof Raving wird sich daran wohl auch so schnell nichts ändern. Der Track ist als Hommage an den UK Hardcore zu verstehen und vereinigt auf großartig-leichtfüßige Weise einige Charakteristika dieses Genres: Breakbeats, karibische Steel Pans, Samples (vor allem aus Fiorucci Made Me Hardcore, dem Dokumentarfilm von Mark Leckey über die Rave-Bewegung Großbritanniens) und vieles mehr. Das alles ergibt in Kombination mit den Spielformen des gegenwärtigen UK Garage-Sounds schon jetzt einen der besten Electro-Tracks des Jahres. Ganz getreu dem Slogan „Hardcore will never die“.

Note: 1,7

www.jamiexx.com/

 

Jamie XX – All Under One Roof Raving from Jack on Vimeo.

 

Plaid – Reachy Prints

VÖ: 19.05.2014

Label: Warp

Andy Turner und Ed Handley gehören mit zu den Dienstältesten auf Warp Records, dem britischen Label für ambitionierte Electronica. Anfänglich bildeten sie zusammen mit Ken Downie noch die fantastische Formation The Black Dog (waren aber auch unter mehreren weiteren Pseudonymen wie Black Dog Productions, Xeper, I.A.O. etc. tätig), die Anfang bis Mitte der 1990er Jahre die sogenannte IDM („Intelligent Dance Music“) mitbegründete, an der Seite von Acts wie Aphex Twin, LFO, Autechre oder µ-ziq. 1995 machten Turner und Handley als Plaid weiter. Der Anspruch blieb bestehen, die mannigfaltigen Möglichkeiten innerhalb der elektronischen Musik zu erforschen. Konkret bedeutete dies, dass der Weg, den man mit The Black Dog angefangen hatte, sich im klanglichen Spektrum zwischen Acid House und ambientem Techno zu bewegen, weiter beschritten werden sollte. Allerdings öffneten sich Plaid noch konsequenter zusätzlichen Klangquellen (z.B. Hip-Hop oder einigen Spielarten südamerikanischer Musik). Nun erscheint Reachy Prints, das ebenso mit im Genre-Kontext ungewöhnlichen Sounds aufwartet, jedoch auch mit einem (winzigen) Problem zu kämpfen hat: nicht alle Tracks haben einen markanten Wiedererkennungswert, manches erinnert auch zu stark an frühere Veröffentlichungen. Dennoch, im Großen und Ganzen offenbart das Album jenen kompromisslosen Experimentiergeist, der Plaid zu den wichtigsten Aushängeschildern des Warp-Labels als auch der Electronica im Gesamten werden ließ. Man höre das starke, Boards Of Canada-artige Hawkmoth, Tether oder Liverpool St und lasse sich überzeugen.

Note: 2,7   

www.plaid.co.uk/

 

 

Atmosphere – Southsiders

VÖ: 09.05.2014

Label: Rhymesayers Entertainment

Slug und Ant betreiben (mit zwei weiteren Kollegen, Musab & Siddiq) in Minneapolis das Label Rhymesayers Entertainment, das seit der Gründung 1995 für Hip-Hop von hoher Qualität steht. Künstler wie MF Doom, Aesop Rock, Jake One, Dilated Peoples oder Freeway waren zwar nicht immer kommerziell erfolgreich, aber zumindest in künstlerischer Hinsicht handelte es sich vorwiegend um essenzielle Genre-Werke, die in ihrem Namen darauf veröffentlicht wurden. Ein weiterer bedeutender Act ist Atmosphere, dem die oben erwähnten Slug und Ant höchstselbst seit mittlerweile 25 Jahren angehören. Auf ihrem achten Studioalbum können sie ihre Stärken ein weiteres Mal ausspielen, d.h. Beats und Klänge auf dem neuesten Stand, die sich auch mal Elemente anderer Genres bedienen, ohne dabei gehemmt zu erscheinen, sowie poetische Texte, die sich mit einem breiteren Spektrum an Alltagsthemen auseinandersetzen, als es sonst im Hip-Hop oftmals üblich ist. Slug macht keinen Hehl daraus, dass ein Großteil auf seine eigenen persönlichen Erfahrungen und Empfindungen bezogen ist. Diese Offenheit ist ebenso eher untypisch für das Genre. Gerade aus diesem Grund handelt es sich bei Southsiders um ein sehr aufregendes und starkes Werk.

Note: 2,0    

http://rhymesayers.com/atmosphere/

 

Atmosphere – Kanye West (Official Music Video) from Peter Lee on Vimeo.

 

King Creosote – For One Night Only

VÖ: 09.06.2014

Label: Domino

Der schottische Folksänger präsentiert sich auch auf For One Night Only einfallsreich und zeitgemäß, wenn er gefühlvolle Lyrics mit gleichfalls sanften Gitarren- und Streicherarrangements kombiniert. Der Song befindet sich auf dem neuen Album From Scotland With Love, welches wiederum Soundtrack eines gleichbetitelten Dokumentarfilms über die Commonwealth Games sein wird. Anlässlich des ab Ende Juli in Glasgow stattfinden Wettbewerbs werden Archiv-Aufnahmen über die Geschichte des britischen Staates und damit verbundene emotionale Themenfelder wie Liebe, Krieg und Verlust veranschaulicht. Es mag es für den Künstler sicherlich ein großes Anliegen gewesen sein, die passende musikalische Untermalung dafür zu finden. Auf der Single ist ihm das zumindest ziemlich gut gelungen.

Note: 2,3

www.kingcreosote.com/

 

 

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